Ausgabe 
23.6.1931
 
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Nr. 144 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Dienstag, 25. Zum 193t

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Provinzialfeuerwehrtag in Lauterbach.

ISjahriges Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Lauterbach.

& Lauterbach, 21. Juni. Es sind schon 39 Jahre her, daß zum letztenmal die Vertreter der ol^rhessischen Feuerwehren -um Provinzial- seuerwehrtag in Lauterbach tagten. Aus Anlaß des 75jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuer­wehr Lauterbach ist nun die diesjährige Tagung, die am 20. und 21. 3uni stattfand, nach Lauter­bach verlegt worden. 75 Jahre bedeuten ein großes Stück geschichtliche Entwicklung im Dienste der Nächstenliebe, und so kann auch die Freiwillige Feuerwehr Lauterbach, die heute über eine gut disziplinierte Wehr und dank der Weitsichtigkeit der Stadtverwaltung über moderne Brandabwehr­mittel verfügt, mit Stolz auf eine Dor- und Auf­wärtsbewegung zurückblicken. Dies wurde ganz be­sonders bei dem am Sonntagvormittag vorgesühr- ten Drandangriff auf das Rathaus bewiesen.

Die offizielle Tagung

fand am Samstag in der Turnhalle statt. Der Dorsihende, Branddirektor Braubach (Dießen ), begrüßte zunächst die zahlreich erschienenen Der- treter Her staatlichen und kommunalen Behörden, sowie die Vertreter der Feuerwehrorganilationen und gedachte sodann der während der letzten drei 3ahre verstorbenen Feuerwehrsührer Damm, Kölsch und Wenzel zu dessen Andenken sich die Anwesenden von ihren Sitzen erhoben. Sodann dankten die einzelnen Dehördenvertreter für die freundliche Einladung und Begrüßung und wiesen darauf hin, daß die Tagung in eine ernste -Zeit falle. Den Männern, die sich zur Tagung zusammengesunden habrn, gebühre Dank und An­erkennung für die Bereitschaft zur Mitarheit.

Der Vorsitzende dankte Bürgermeister Walz für die freundliche Aufnahme in der Stadt. Branddirektor S ch ü ß l e r vom Kurhessischen Feuerwehrverband sprach die Erwartung aus, daß die Bande, die beide Feuerwehrverbände mitein­ander verknüpften, noch fester werden möchten. Sodann gab der Vorsitzende bekannt, daß in den letzten drei Jahren

20 Neugründungen von Feuerwehren zu verzeichnen seien, und von 10 Motorspritzen sei die Zahl auf 28 gestiegen. Trotzdem müßten im Interesse der guten Sache immer noch mehr Grün­dungen erfolgen. Auf der Tagung waren 74 Feuerwehren vertreten. Die Rechnungsablage, die vom Kommandanten Rechner Schneider (Bü­dingen) vorgenommen wurde, weist in Einnahme 2187,76 Mark und in Ausgabe 1155,68 Mk. aus, so daß sich ein Dermögensbrstand von 1032,08 Mark ergab Die Rechnungsprüfung fand einige Tage vorher statt und hat die Richtigkeit der dort niederqeschriebenen Einträge ergeben. Dte Prü- sungslommibion beantragte die Entlastung des Rechners, die auch einstimmig erfolgte. Infolge des schleppenden Eingangs der Verbandsbeiträge von Seiten der Wehren wurde der Antrag ge­stellt, jährlich in der Feuerwehrzeitung sämtliche Wehren aufzusühren, um so ein genaues Bild zu haben über den Stand innerhalb der Kreise und die Kopfzahl der Mitglieder der Wehren. Von einer Beitragserhöhung wurde abgesehen. Beantragt war vom Vorsitzenden, man solle, um die Mittel zur Bestreitung der vom Landesaus­schuß gestifteten Fruerwehr-Ehrenkreuze auch an den Le:-iLesverl»and pro Mann fünf Pfennig ab­führen. H e Y d (Friedberg) stellt noch in eingehen­der Begründung einen Antrag auf Ablehnung der Erhöhung. Rach längerer Aussprache einigte man sich und beließ es bei den derzeitigen Beiträgen. Die Unkosten für die Auszeichnungen übernimmt demnach die Provinzkasse.

Die sahungsgemäß ausscheidenden Mitglieder des Landesausschusses, die Kameraden Brau­bach (mit 74 Stimmen), Schneider (67), F ü l - l e r (73), Knierim (66) wurden wiedergewählt. Als nächster Tagungsort wurde Bad-Rau­he i m bestimmt. Der Kommandant der Rau­heimer Feuerwehr, Kamerad Fisch, dankte für die Uebertragung. Kreisfeuerwehr - Inspektor Dickors (Gießen) referierte über die Aende- rung des Feuerwehrhandbuches, des­sen Umbearbeitung leider sehr lange Zeit in An­spruch nehme und bat, daß der Landes-Ausschuß die Angelegenheit beschleunigen wolle. Braubach erwiderte, daß tatkräftig an der Umänderung ge­arbeitet werde, daß aber die Materie viel zu um­fangreich sei, um schneller vorwärtSzukommen.

Sodann hielt Regierungsrat Dr. Riemann von der LandeskriminalpolizeisteNe Darmstadt einen Dortrag über .Brandstiftung deren Be­kämpfung und Aufklärung durch die Kriminal­polizei unter der Mitwirkung der Feuerwehr". Der Dortragende, dessen interessante Ausführungen mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurden, hatte

Internationales Tanztumier in Bad-Nauheim.

Ein gesellschaftliches Ereignis allerersten Ran­ges war dos Internationale Tanztur­nier um die Europameisterschaft, das gestern abend im großen Bühnensaal des Kurhauses zu Bad-Rauheim bei sehr starker Konkurrenz und vor ausverkauftem Hause stattfand. Die besten Amateure und Derufspaare Europas kämpften um den höchsten Titel eines Europameisters unZ) zeigten den Gesellschaftstanz in höchster Dollen­dung. Erster Sieger in der Amateurklasse wurde wie im Vorjahr dos Paar Mr. und Miß Wells, London, während das deutsche Paar, Herr unb Frau Reumann, Berlin, den zweiten Platz be­legten. Auch in der Professionals- Klasse kam der erste Preis wieder an den Titel­verteidiger Maxwell Stewart Pat Sy­kes, London. Ebenso wurde auch in dieser Klasse das deutsche Paar, Herr Moeller Frl. v. Schkvpp, München, zweiter Sieger. U. a. war auch anwesend die Journalistin Lady Dru- m v n t - H a h , die seinerzeit am Weltflug des Zeppelin teilgenommen. Während der Ausschei­dungskämpfe gab sie zusammen mit Dr. Laven vorn Frankfurter Rundfunk von der Bühne auS einige Zeit eine Reportage über den Stand des Kampfes in den Frankfurter Sender.

Zehnjahrfeier der Akademischen Fliegergruppe Darmstadt.

In Anwesenheit eines Vertreters des Reichs» Verkehrsministeriums, der hessischen Regierung, der Stadt und der Technischen Hochschule Darm­stadt sowie des Ingenieurs H r f i n i u 6 von der Rhön-Rossitten-Gesellschaft konnte die Aka­demische Fliegergruppe Darmstadt, die älteste in Deutschland, ihren zehnten Geburtstag feiern. In einem kurzen Referat sprach zunächst B o t s ch, } ein alter Pilot der Aka-Flieger, über die ersten Anfänge und die Entwicklung der Darmstädter I Gruppe. Voigt, der im vergangenen Jahr mit

die Zuhörer davon überzeugt, daß die Feuerwehr der Kriminalpolizei hierin besondere Dienste lei­sten könne durch ihre technischen Erfahrungen.

Zu Ehren der Gäste und aus Anlaß des 75- jährigen Jubiläums fand im Anschluß daran in der Turnhalle ein

Festkommer»

unter Mitwirkung der drei Lauterbacher Gesang­vereine, der Turnvereine und der Feuerwehrkapelle statt. Musikalische Darbietungen, ein Prolog und ein lebendes Bild leiteten die Veranstaltung ein. Hierauf begrüßte Bürgermeister Walz die Fest­versammlung unb beglückwünschte die Freiwillige Feuerwehr Lauterbach zu ihrem Jubiläum. Krcis- direktor Dr. Michel überbrachte Glückwünsche namenä des Kreises Lauterbach und der Landes- verbandsvorsihende K n a u p für den Verband und dem Provinzverband Rheinhessen. Am Schlüsse seiner Ausführungen gedachte der Der- hairdsvorsitzende noch vier verdienstvoller Feuer­wehrmänner. Es sind dies Kreisfeuerwehrinspek- tvr Füller in Friedberg, dem er das silberne Ehrenkreuz des Reiches und des Landes Hessen überreichen foimte; Kreisfeuerwehrinspektvr Eberheim (Schotten) und die Feuerwehrmän­ner Krvnenberg (Heuchelheim) und W e i f - kert (Butzbach) erhielten für besondere Dienste das hessische Ehrenkreuz. Im weiteren Verlauf

des Programms wechselten Getangsvorträge. tur­nerische Vorführungen und ein Theaterstück mit­einander ab. das GHnze wurde umrahmt von schöner Unterhaltungsmusik durch die Feuerwehr­kapelle.

Am Sonntagvormittag führte die Lauterbacher Wehr vor den prominenten Vertretern des^ Hes­sischen Feuerlöschwesens und mehr als 1000 Feuer- wehrmä nnern aus der ganzen Provinz einen Brandangriff auf dem Marktplatz vor, dem eine Geräteparade vvrausgegangen war. In seiner Kritik hob Herr Kreisdirektor Dr. Michel die Schlagsertigkeii der Wehr hervor. Im Anschluß daran überreichte er im Auftrage des Hessischen Innenministeriums den Wehrmän- nem Braun und Bock das Ehrenzeichen für 25jahrige treue Dienste bei der F.eiwill gen Feuer­wehr. Am Rachmittag bewegte sich ein stattlicher Fcstzug, der zugleich

eine heerschau der oberhessischen Feuerwehren war, nach dem Fest platz. Wenn auch das Wetter am Samstag nicht sehr einladend war, so brodle doch der Sonntag heiteren Himmel und sicherte dem Fest einen ungestörten Verlauf. Den vielen Gästen, die in diesen Tagen in den Mauern des gastfreien Städtchens Lauterbach weilten, werden die dort verbrachten Stunden noch lange in ange­nehmer Erinnerung bleiben.

Sji.-S'poit

der Kleinmaschine D 18 zwei Höhen Weltrekorde aufstellte, legte die Konstruktion dieser Maschine dar, deren Weiterentwicklung zu der D 22 jetzt in Angriff genommen ist. Die D 18 hat sich der­art bewährt, daß sowohl vom Reichsverkehrs­ministerium wie auch von der indischen Regierung

je ein Modell bestellt wurde. Die D 22 soll noch 18 Kilo leichter werden und eine noch größere Steigfähigkeit bekommen. Schließlich behandelte Pilot Fuchs, der sich unlängst durch seine Schlepp­segelflüge über Berlin einen Namen gemacht hat, die neuesten Erfahrungen im Segelflug.

Kronfelds SegelflugzeugWien" vor dem Start an der französischen Küste. Der bekannte deutjche Segelflieger Robert K r o n f e l d (Porträt im Kreis) hat in seinem Flugzeug den Kanal in beiden Richtungen von Calais nach Dover und von Dover nach Calais überquert. Er gewann damit den von der Londoner ZeitungDaiüj Mail" ausgesetzten Preis von 20 000 Mark.

ZrandungdesLebens

Nomon von Käte Lindner.

(Copyright 1931 by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig.)

19. Fortsetzung Nachdruck verboten.

Sie standen vor der Tür, die zu den Gemächern der unechten Gräfin führte. Signore Boni winkte zwei harmlos auslehenden Facchinos (Gepäck­trägern), die an beiden Enden des langen Korri­dors an die Wand gelehnt standen. Er hielt sich mit ihnen und Semjonow im Hintergrund, be­deutete dem Direktor, daß er vorangehen möchte.

Auf dessen Klopfen erschien die Jungfer und öffnete. Als sie noch unschlüssig stand und die Meldung in das Innere des Zimmers gab, wurde sie plötzlich zur Seite geschoben und eine schrille Stimme erklang:

Was soll das heißen, Herr Direktor. Wan überwacht mich in meinem eigenen Zimmer. Ich brauche so nötig Luft, muß einen Spaziergang machen, aber draußen stehen zwei Kerle, die das verhindern. Das Telephon funktioniert nicht, sonst hätte ich Sie längst herbei gerufen, und meiner Jungfer vertrat man den Weg, als sie Sie holen wollte. Ich werde Ihr Haus in Zukunft meiden, ich werde..."

Weiter kam die aufgeregte Dame nicht. Eine schwere Hand legte sich auf ihre Schulter, die Tür wurde leise geschlossen, und Boni wies seine Marke vor. ..Sonja Lisawetha Kasalowska... im Ramen des Gesetzes verhafte ich Sie."

Ein Schrei hallte durch das Zimmer. Jetzt schob der Detektiv Semjonow in den Vorder­grund und sagte ruhig:Kennen Sie diesen Herrn?"

Diesen Wahnsinnigen, den Tänzer, den dieses minderwertiges Hotel..."

Keine Beleidigungen, Madame. Kennen Sie ihn oder nicht?"

Sie schüttelte verneinend den Kopf. Ihre Augen irrten wie die eines gefangenen Tieres von einem rum andern. Dann raffte sie sich auf und warf den Kopf zurück.

Ich weih nicht, was Sie wollen, mein Herr. Ich bin die Gräfin Semjonow, Ieanne Vvette Semjonow, mein Gemahl..."

Geben Sie sich keine Mühe, Madame. Alle Beweise, daß Sie nicht Gräfin Semjonow sind, liegen in meiner Hand. Unb toerai Sie nicht Sonja Kasalowska finb, wenn es einer von ben vielen Ramen ist, den Ihr Begleiter, Sergdy Mamonow, sich selbst und seiner Begleiterin zu­gelegt zu haben scheint... wir werden ben echten herausfinden, Mabame, verlassen Sie sich barauf. Sie stahlen mit Ihrem Begleiter hier im Hotel

die Perlen ber Miß Dalvestone, ebenso eine Brief­tasche mit größerem Inhalt aus einem Zimmer des zweiten Stockes und dieses Armband hier.." Er zog das Brillantarmband Mademoiselle Gal- lieurs aus seiner Tasche.Leugnen Sie nicht, Sie sind überführt... Sie brachten die gestohlenen Perlen am 26. Februar zu dem Antiquitäten­händler Bianchi in Venedig, der ebenfalls in Haft genommen ist, ebenso wie Ihr Begleiter Mamo­now, ber heute früh in Florenz festgenommen würbe. Sie sehen also, daß nur ein freiwilliges Geständnis Ihre Lage erleichtern kann."

Mit einem ächzenden Laut sank sie auf einen Stuhl. Das Kammermädchen Blanche sah mit großen, weitoffenen Augen auf die zusammen- gesunkene Herrin. Sie rührte sich nicht.

Wie kam dieses Armband, das Sie gleichfalls entwendet haben, Sonja Kasalowska, wie kam es in das Zimmer dieses Herrn?"

Ein Hoffnungsstrahl glomm auf in den Augen der zusammengesunkenen Frau. Sie richtete sich auf, und ehr rascher Blick flog hinüber zu Semjo­now, der neben dem Direktor stand.

Wenn man das Armband im Zimmer des Eintänzers sand, wie Sie es ja eben selbst zuge­geben haben, mein Herr, wenn man es fand bei ihm, so muß er es doch gewesen sein, der es da hinauf trug, nachdem er es entwendet hatte. Unb ist er nicht täglich mit Miß Galvestone zufa nmen gesehen worben? Ist er nicht derjenige, oer sich ganz offen der Gunst dieser Dame erfreut, sie macht durchaus kein Geheimnis daraus... Ist es nicht ganz naheliegend, daß er, der sich von der Kostbarkeit ihrer Perlen in nahem Zusammensein überzeugen konnte, diese Perlen raubte, als er einmal bei Miß Galvestone im Zimmer war?"

Semjonow machte eine Bewegung, als wolle er sich auf sie stürzen. Der Detektiv drückte be­ruhigend seine Hand.

Sie vergessen ganz unb gar eben den 26. Fe­bruar, Madame. Den Tag, wo Sie verreist waren und auf dem ilmteeg über Salo diesem Herrn hier in höchster Eile in ben Weg liefen. An biesem Tage spielten Sie ober Ihr Begleiter wohl bie Perlen bem Hänbler in Denebig in bie Hände, das wie, wirb sich halb aufklären lassen. Das Armbanb..."

Jetzt mischte sich bas Kammermäbchen Blanche ein.Dieses Armbanb gehört meiner Herrin", sagte sie in dem Bestreben, ber Angeschulbigten beizustehen.In ber Schmuckschatulle hat es ge­legen, ich habe es gesehen."

Die Frau zuckte zusammen. Lächelnd wandte sich der Detektiv zu ihr.

Wollen Sie nicht lieber ein Geständnis im vollen Umfang ablegen, Sonja Kasalowska? Alles verschwört sich doch gegen Sie, selbst die eignen, hilfreichen Hausgeister. Ich will Ihnen zu Hilfe kommen. Dieser Herr hier war Ihnen aus einem

besonderen Grunde recht unangenehm. Sie hatten Interesse daran, ihn, wenigstens für eine kurze Zeit, bis Sie hier heraus waren, unschädlich zu machen. So nahmen Sie den Armreif und ver­steckten ihn in seinem Zimmer. Sie kannten ja genau seine Dienststunden hier im Hotel, wann sein Zimmer leer war. Verhält es sich nicht so, Sonja Kasalowska?"

Es kam keine Antwort. ®m schluchzender Laut kam aus der Brust der Frau, unb sie schloß bie Augen wie in einem Schwächeanfall.

Da wandte sich Boni mit einem Lächeln zu Semjonow und reichte ihm die Hand.

Sie sind frei, Herr Graf. Sobald wir Mamo­now, oder wie dieser Herr mit seinem richtigen Ramen heißen mag, hier haben, wird es sich Herausstellen, wie er in den Besitz Ihrer Pa­piere kam."

Er winkte den beiden Dienstmännem. Sie stellten sich zu beiden Seiten der falschen Contessa auf, zogen die Wiberstrebenbe von ihrem Sih hoch unb nahmen sie in bie Mitte.

Es wirb ganz in Ihrem eigenen Interesse liegen, wenn Sie sich stillschweigenb abführen lassen, Mabame", sagte ber Detektiv artig.Um biese Zeit befinben sich nur Weng Herrschaften im Hotel, wir werben ohne Aufsehen bis an ein Auto gelangen. Unb noch eins. Ihre Koffer unb die sämtlichen Schmucksachen werben beschlag­nahmt. Ich zweifle nicht, bah wir barunter ncch manches Interessante vorfinden werden."

Ein böser Blitz aus Sonja Kasalowskas Augen war die Antwort. Er lachte behaglich.

Ihre Jungfer entlassen Sie wohl am besten sofort. Madame. Sie wird kaum ben Zeitpunkt Ihrer Rückkehr aus der Haft abwarten wollen. Ditte, Herr Direktor, gehen Sie voran. So ist diese heikle Angelegenhet am unauffälligsten."

*

Renate Liskow sah am Fenster eines sonnigen Gartenzimmers des Krankenhauses. Sie hatte bie Hände verschlungen und schaute hinaus in ben blühenden Garten.

Vom Bett her kamen tiefe, regelmäßige Atem­züge, dieser tiefe Schlaf, der schon in gesunden Tagen Hansheinrich Liskows robuste Körper­kräfte zusammerchielt, hatte ihn jetzt auf den Weg der Genesung geführt, der Arzt hatte Renate bie besten Hoffnungen gemacht, baß er ganz gefunb werden würde. Rur lange würde es dauern, noch viele Wochen würde er hierbleiben müssen.

Als eine besondere Vergünstigung hatte man Renate gewährt, in der Rähe des Kranken bleiben zu dürfen. Er empfand wohl ihre fanften Hände, ihre sich immer gleichbleibende Ruhe und Für­sorglichkeit als Wohltat, nachdem er das Bewußt­sein wiedererlangt und zum erstenmal erstaunt um sich geblickt hatte. Er hatte Renates Hände

gebrüdt, als er sie erkannt, er hatte mit stummer Bitte ihre Augen gesucht.Bleibe bei mir, verlaß mich nicht." Sprechen durste er nicht. Die Heilung der tiefen Wunde ging nur sehr langsam vor sich

Sie hatte in seiw Ohr geflüstert:Verhalte dich ganz ruhig, sprechen bringt neue Gefahr. Ich bleibe bei dir, verlasse dich nicht. Man hat mir hier im Hause ein Zimmer gegeben. Du wirst sicher wieder gefunb werden, Hansheinrich, wenn du Vernünftig bist."

Mit einem dankbaren Blick hatte er ihre Finger umklammert, war sofort wieder einge- schlasen, und ber Arzt hatte gesagt:Wenn jeder unserer Patienten ben Schlaf so rasch herbeizu- zaubem vermöchte, gnädige grau, dieses Haus würde weniger hoffnungslose Fälle aufzuzeichnen haben. Aber leider erfreut sich nicht jeder einer solchen Gottesgabe. In drei Wochen etwa könnte die Wunde, wenn die Heilung bie gleichen Fort­schritte macht, sich geschlossen haben. Dann werden wir weiter sehen."

Diese drei Wochen waren um, heute morgen hatte der Arzt zum ersten Male eine Frage an den Patienten gerichtet, und er hatte mit leiser Stimme Antwort gegeben.

Ein tiefer Atemzug hob Renates Brust. Ein Wunder war geschehen mit seiner Genesung, nun würde eine Aussprache sich nicht mehr vermeiden lassen. Wie würde Hansheinrich diesen lieberfalt ihr gegenüber motivieren? Renate lächelte leise vor sich hin. Sie wollte ihm die Verteidigung nicht unnötig erschweren, eine harte Strafe hatte ihn getroffen, damit sollte es genug sein. Gott sei Dank, daß sie nicht allein heimkehren mußte in die Heimat. Die schöne, kokette Wirtin auf der Ealle be Fabrice hatte ihr bei den gemeinsamen Rachtwachen, die sie an Hansheinrichs Bett ein­ander näherbrachten, zu oft versichert, daß sie einesehr anständige Frau" sei, sie glaubte ihr. Armer Hansheinrich, hatte ben Spott unb hatte ben Schaben... Wie hätte sie ihm ba noch harte Morte geben sollen? Mochte es an der Lehre, die er mit heim trug, genug sein.

Ein schwacher Laut kam vom Bett herüber. Renate."

Sie stand auf und setzte sich zu ihm. Faßte seine Hande und sagte:

Ein Freudentag ist heute, Hansheinrich, den wir feiern müssen, Gott schenkte dir aufs neue dein Leben. Sieh, diese schönen Blumen, die ich für dich besorgt habe. Aufstehen darfst du ja noch lange nicht, aber wir werden nun zuweilen dein Bett anS Fenster rücken, und du kannst in den ©arten sehen. Geduld haben war ja nie deine starke Seite, aber mein lieber Mann wird nun auch das lernen müssen."

Groh und unverwandt sah er in ihre Augen hinein.

(Fortsetzung folgt)