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Start des ersten Dieselmotor-Flugzeugs der Wett in Berlin.

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Auf dem Flugplatz T e m p e l h o f wurde ein neuer Flugmotor der Junkerswerke, derJumo 4", vorgeführt, der für die weitere Entwicklung der Fliegerei, insbesondere der V e r k e h r s f l i e g e- r e i von ausschlaggebender Bedeutung sein dürfte. Professor Junkers hat selbst in einer kurzen Ansprache die wesentlichsten Merkmale dieses ersten D i e s e l f l u g m o t o r s" gekennzeichnet. Die bis- her im Gebrauch befindlichenVergasermotore" benutzen als Brennstoff Benzin, das in seiner niedrigen Vergasungstemperatur leicht Zu Explosio­nen neigt und vielfach die Ursache gewesen ist, bei noch gut verlaufenen Notlandungen Explosio­nen und Brände hervorzurufen, wobei Ver­luste an Menschenleben entstanden seien. Der Diesel- flugmotor hingegen verwendet ein schwer ent­zündbares Del, dessen Flammpunkt so hoch liegt, dah man die Explosionsgefahr bei Benutzung

solcher Flugmotore nahezu als beseitigt ansehen kann. Daß die Sicherheit des Personenverkehrs er- heblich zunimmt, ist also klar. Als zweiter Vorteil ist anzusehen, daß der Brennstoffverbrauch des Dieselmotors nur etwa i von dem eines Ver­gasermotors ausmacht. Bei größeren Strecken ist der ökonomische Vorteil des Dieselmotors ins Auge springend. Es steht zu erwarten, daß der Motor infolge dieser wirtschaftlichen Vorteile gerade für den Verkehrsflug von größtem Nutzen fein wird.

Ganz unerwartet ist Mittwoch 17.15 Uhr die erste Maschine, die mit einem Schwerölmotor ausgerüstet ist, von Berlin-Tempelhof kommend, im Ham­burger Flughafen eingetroffen. Trotz des starken Gegenwindes hatte sie die Flugstrecke Ber­linHamburg in knapp 2 Stunden zurück­gelegt und dabei nur 80 Liter Brennstoff verbraucht.

Das Todesurteil im Kürtenprozeß

Das Plädoyer d es Staatsanwalts

Düsseldorf, 22.April. (WTB.) Am heutigen neunten Verhandlungstage erklärte als erster Staats­anwaltschaftsrat Jansen in seinem Plädoyer u. a.: Wir stehen am Ende eines Prozesses von einem Ausmaße, wie wir ihn gegen eine einzige Person wegen solcher Scheußlichkeiten wohl kaum je geführt haben. Drei Personen haben Kürten als den mut­maßlichen Täter angegeben. Aber durch unglückliche -Umstände ist es nicht dazu gekommen, Kürten früher zu entlarven. Kürten hat sich schon von früher Ju­gend an zum Verbrecher herausgebildet. Er war 17mal vorbestraft, aber niemals wegen Sittlichkeits- . verbrechens. 1913 wurde Kürten aus dem Gefäng- nis entlassen, und es ereigneten sich die ersten ^lleberfälle und der Mordfall Klein sowie das Nie­derschlagen von zwei Männern und verschiedene 'Brandstiftungen. Alles innerhalb zweier Monate. Der Mordfall Klein war der erste Se­xualmord Kürtens. Ueberlegung und Vorsatz des Mordes sind unbestreitbar. Don Dezember 1926 bis Mitte 1928, nachdem er nach Düsseldorf übergesiedelt war, verübte Kürten 17 Brand st iftungen. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis am 27. Oktober 1928 beging er bis zu feiner 1930 er­folgten Festnahme a ch t Morde, 26 Mord­versuche und elf Brand st iftungen. Der Mordversuch an Frau Kühn ist nur dadurch glimpf­lich abgelaufen, daß die Ueberfallene um Hilfe schrie. Der Staatsanwalt schildert nun ein Verhältnis Kürtens mit einer Frau K., der gegenüber er sich etwas verraten hatte und aus diesem Grunde einige Monate verstreichen ließ, bis er zur nächsten M o r d s e r i e, beginnend am 11. August 1929, schritt. Der erste Fall war der der Maria Hahn. Er bildet ein Musterbeispiel der Ueberlegung schon vor der Tat. Am 21. August unternahm der An­geklagte mit einem Dolch drei Mordversuche. Drei Tage später geschah der Fleher Kinderdoppelmord. Durch die Fußspuren ist Kürten hier überführt. Am nächsten Tage verübte er den Ueberfall auf die Schulte. Zwischen diesen Morden und dem Fall Reuter am 29. September verübte Kürten eine Reihe von Mordversuchen. Im Falle Reuter führte er das Verbrechen mit kalter Ueberlegung aus. Aehnlich liegt der Fall Doerrier am 12 Okto­ber. Weitere Mordversuche an Frau Meurer und Frau Wanders folgten am 25. Oktober Auch in diesen Fällen ist Kürtens Täterschaft un­widerleglich fest gestellt worden.

Oer Glrafanirag.

Oberstaatsanwalt Dr. Eich erklärte u. a. Aus den Taten Kürtens ist nicht zu ersehen, ob sie in einem Zustand geschahen, der die freie Willensbestimmung ausschloß. Kurten ist der lebendigste Beweis dafür, daß die Anheimlichkeit der Tatm nicht die Anzurech» nungssähigkeit beweist. Er hat nicht unter einem unwiderstehlichen Drang gehandelt. Das beweist, daß er nur in seiner dienstfreien Zeit und in Ab­wesenheit seiner Frau seine Verbrechen verübte und bei Gefahr sich sofort in Sicherheit brachte. Es ist somit der Veweis nicht zu erbringen, daß der Angeklagte für sich den Paragraphen 51 in Anspruch nehmen kann. Ich beantrage neun­mal die Todes strafe. Ich beantrage ferner wegen Mordversuches in Tateinheit mit versuchter Notzucht und mit vollendeter Vornahme unzüch­tiger Handlungen insgesamt 6 0 Jahre Zuchthaus.

Oer Verteidiger:

Der Offizialverteidiger Dr. W e h n e r erklärt: Der Angeklagte hat sich wegen einer großen Anzahl Verbrechen zu verantworten, wie sie in der Kri minalgeschichte einzig dastehen. Neun ruchlos Ge­mordete, herunter vier unschuldige Kinder, und auch

Oas Urteil

Nach Inständiger Beratung wurde das Urteil verkündet. Der Angeklagte ist des Mordes in neun Fällen, in zwei Fällen in Verbindung mit vollendeter Notzucht und in zwei anderen Fällen in Verbindung mit gewaltsamer Vornahme unzüch­tiger Handlungen schuldig gesprochen worden. FürjedenFalldesMordeswirdermit dem Tode bestraft, wegen Mordversuchs in sieben Fällen erhält er insgesamt 15 Jahre Zuchthaus. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden ihm auf Lebenszeit aberkannt.

In der Begründung zum Urteil erklärte der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Dr. Rosen, daß es für das Gericht von Wichtigkeit gewesen sei, daß das Geständnis des Angeklagten durch entscheidende Beweise erhärtet worden sei. Die Frage des Vor­satzes der Tötungen müsse bejaht werden. Für die Ueberlegung sei das Gutachten derSach- o e r st ä n d i g e n entscheidend gewesen. Bei der Persönlichkeit Kürtens sei nicht anzunehmen, daß er auch nur einen Moment seine Ueberlegung verlor. Taten, wie die Kürtens, seien im Leben und in der Literatur bekannt, nur die Häufigkeit der Taten Kürtens sei absonderlich Die Sittlichkeitsverbrechen spielten eine untergeordnete Rolle. Der Ver- leidiger erklärte im Auftrage seines Mandanten, daß dieser das Urteil anerkennen wolle. Dieser sei von ihm nach reiflicher Ueber­

legung gefaßt worden. Auf die Frage des Dor- sitzenden, ob dke Angaben des Verteidigers zuträfen, antwortete Kürten mit: Jawohl.

der Mann, dem es nicht vergönnt war, seine Re­habilitierung bezüglich des im Jahre 1913 verübten Mordes zu erleben, klagen an. Die Sachverständigen halten die Voraussetzungen für die Anwendung des § 51 im Falle Kürten für nicht gegeben. Für mich bestehen in dieser Hinsicht einige Zweifel. Liegt nicht in dem Abschlachten unschuldiger Kinder ein Grenz­fall im Sinne des § 51? Kürten ist zwangs- läufig zu den Taten gekommen. Sein Geistes­zustand hat sich zwischenzeitlich verändert, und die Sachverständigen können den damaligen Zustand des Angeklagten nach so langer Zeit nicht genau beurteilen.

Zur Verurteilung seien zwei Fragen zu er­wägen: 1. War der Vorsatz der Tötung vor­handen? 2. Wurde die Tat mit Ueber­legung ausgeführt? Den Vorsatz will der Ver­teidiger bejaht sehen. Bezüglich der zweiten Frage der Äeberlegung der Tat müsse erwogen werden, daß zur Ueberlegung eine mehr oder weniger rege Verstandestätigkeit gehöre. 3m Falle Klein habe die Ueberlegung vor der Tat und auch während ihr gefehlt, so daß nur Totschlug in Frage käme, der aber nach 15 Jahren verjährt sei. Für den Fall Scheer komme gleichfalls nur Totschlag in Frage. In den meisten Fällen habe Kürten seinen Opfern die zahlreichen Verletzun­gen in einem Zustande höchster sexueller Erregung beigebracht. Bei dem Fleher Doppelmord Lenzen- Hamacher sei die Verneinung der ileberlegung lehr schwer, aber auch hier sei das Geständnis des Angeklagten glaubwürdig, der ausgesagt habe, er habe sich wie ein Tier auf die Kinder gestürzt. Der Verteidiger beantragte daher, die Ueber­legung zu verneinen.

Kürten erklärt in seinem Schlußwort, die von ihm begangenen Taten seien nach seiner jetzigen, Erkenntnis derart scheußlich, dah er nicht den Versuch wage, dieselben in irgendeiner Form zu entschuldigen. Er sei sich über die Tragweite des seiner Frau abgelegten Geständnisses wohl bewußt gewesen. Hätte er das Geständnis seiner Frau nicht gemacht, wäre der Prozeh gar nicht verhandelt worden. Er wünsche, seine Taten zu sühnen.

Der Streit um die pädagogischen Institute.

Hessischer Landtag.

Darmstadt, 22. April. (WHP.) Bei schwach besetztem Parterre folgt die Beratung des Kapitels 68/3 Pädagogische Institute.

Abg. Dr. Hoffmann (Z.) verliest Stellen aus Zeitungsartikeln für die Verlegung des Pädago­gischen Instituts nach Mainz. Am meisten bedauern wir, daß der Evangelische Bund das Wortu 11 r a- montan" aus der Zeit des Kulturkampfes her­vorgeholt hat. Wir protestieren nicht nur im Namen der lebenden Katholiken, sondern auch für die Hun- berttaufenben, bie im Kriege ihr Geben stehen nicht auf Weisung von Rom, sonbern in treuer Pflicht­erfüllung gegen ihr Vaterlanb. (Beifall.)

Abg. Reiber (Dem.) bedauert auf das leb­hafteste, dah man jetzt vor den Wahlen diese Angelegenheit von entscheidender Bedeutung zu einem Akt der Verwaltung degra­dieren wolle, während der Landtag jeden Schweinestall auf einer Domäne bewilligen müsse. Die vorbereitenden Mahnahmen des Herrn Staatspräsidenten haben tief verstimmend ge­wirkt, insbesondere in den Kreisen der Lehrer­schaft, auch meiner Kollegen in Mainz. Wir Lehrer hätten diese Mahnahme nach den bis­herigen Einsparungen am Schulwesen für am letzten möglich gehalten. Wir bedauern ebenso tief, dah unter die Bevölkerung dieser Zankapfel des konfessionellen Haders geworfen wurde. Ich lehne die Aushebung des Darmstädter Institutes und die Verlegung nach Mainz ab, erstens weil die Konzentration der Lehrerbildung nach Mainz einen unbezweifelbaren Rückschritt von der Lehrerbildung, wie wir sie 1925 in Hessen ge­schaffen haben, bedeutet. (Sehr richtig!) Es wird mir sehr schwer zu glauben, dah man die hoch- schulmähige Bildung in einer Stabt er­halten kann, in der sich eine Universität oder Hochschule nicht befindet. Ich stehe auf dem Standpunkt, dah eine Hochschulbildung nur an einer Hochschule möglich ist (Sehr richtig!), und wir Lehrer fordern diese Hochschulbildung nach wie vor. In Mainz haben von Anfang an nicht die Möglichkeiten für die Studenten bestanden wie in Darmstadt, neben der Fachbildung noch an der allgemeinen Abteilung der Hochschule zu hören. Ich habe gestern der Entschließung zugestimmt, die Regierung möge sofort Verhandlungen wegen der Errichtung eines Instituts in Gießen ausnehmen. Rach der gestrigen Er­klärung des Staatspräsidenten, dah an die Errich­tung in Giehen vorwiegend aus finanziellen Gründen zu ch st nicht zu denken ist, muh ich meiner lebhaften Enttäuschung Ausdruck geben. Wenn erst das Institut nach Mainz ge­legt ist, glaube ich kaum, dah bei der Aufregung, die man dann in Mainz entfachen würde, die Verlegung nach Gießen in Frage kommen würde. Man ist ja jetzt schon ein ^Gegner der Stadt Mainz", wenn man einer andern Stadt nicht etwas nimmt und es Mainy gibt."

Abg. Storck (Soz.) erklärt, auch die Sozial­

demokratie trete nach wie vor für die akademische Lehrerbildung ein. Daher muh daS Institut dahin kommen, wo die besten Vorbedingungen gegeben sind. (Sehr richtig!) In Mainz sind (Sin* richtungen, wie Studentenheim, billige Verpfle­gung leichter gegeben als in Darmstadt. Wenn man sich freimacht von einseitigen Einstellungen, dürfte man am besten der Sache dienen.

Abg. A x t (VRP.) weist erneut darauf hin, dah die Beibehaltung der beiden Institute keine Mihgunst gegen Mainz bedeuten könne. Der Zu­zug von 90 bis 100 Lehrerstudenten ist keine Hilfe für die Stabt Mainz: ihr muh durch eine praktisch wirksame Hilfe insbesondere des Reiches gedient werden. Der akademische und simultane Charakter der Lehrerbildung ist bei dem jetzigen Zustand am besten gewahrt. Es wäre Vogel- Strauß-Politik, wenn man die bestehende schwere konsessionelle Beunruhigung einfach übersehen wollte. Ich bitte Sie dringend, den Frieden des Landes zu erhalten und die beiden Institute bestehen zu lassen.

Abg. Frau Heraeus (Dn.) erklärt für die Deutschnationalen, dah diese f ü r 'btt Bei­behaltung des gegenwärtigen Zustandes stimmen werben.

Abg. Frl. Birnbaum (D. Vp.) unterstreicht die Richtigkeit der Ausführungen des Abg. Reb­ber. Der Abg. Storck (Soz.) selbst habe zugege­ben, dah die Konzentration eine Schädigung der Lehrerbildung bewirken könne. Die Stadt Gießen hat sich zu finanziellem Ent­gegenkommen bereiterklärt.

Abg. Hamann (Komm.) will ebenfalls den seitherigen Zustand beibehalten wissen. Er pole­misiert gegen den Kultusminister, der sich dem Zentrum verkauft habe.

Abg. Dr. Müller (Lbd.) fordert Beseitigung der gesamten pädagogischen Institute und Ein­führung der Seminarbildung.

Staatspräsident Adelung: In diesem Semester verzeichnen wir bereits einen Rückgang derStadf-Studenten an den Pädagogien. Der numerus clausus bei der Ausnahme ist angesichts der Junglehrernot berechtigt. Dah die akade­mische Lehrerbildung in Mainz gefährdet ist, da­von hat mich Abg. Reiber nicht überzeugen können. Ich betone erneut, dah ich keinerlei konfessionelle Strömungen aufkommen lassen will, und ich bin überzeugt, dah das Land meine Mahnahmen versteht.

Abg. A x t (Volksrechtpartei) erklärt:Nicht der stört ben konfessionellen Frieden, bet sich dagegen wehrt, baß ihm etwas genommen wird , worauf Abg. Hainstadt (Zentr.) erroibert:Nicht ber stört ben konfessionellen Frieben, ber jahrzehntelang benachteiligt würbe unb nun etwas nachholen will. (Hört, hört!)

Damit ist bie Debatte geschlossen.

Vor 28 Abgeordneten wirb Kapitel 57 (Volks­schule) aufgerufen, unb bie Debatte auf Donnerstag vertagt.

Das neue thüringische Kabinett

Die Ergänzungswahten.Die Sozial.

Demokraten enthalten sich

Weimar, 22. April. (WTB.) Nach 2ftünbiger sehr lebhafter Aussprache, in beren Verlauf ber ehe­malige nationalsozialistische Staatsrat unb Land- taasabgeorbnete Marschler von ber Sitzung aus­geschlossen würbe, würben heute im ßanbtaa b t e Ergänzungswahlen zur thüringischen Regierung oorgenommen.

Da ber für bas Gebiet Weimar vorgesehene Ab- georbnete Krause (Wirtschaftspartei) in letzter Stunde sein Mandat für das Kabinett a b l e h n t e, bleibt von der Wirtschaftspartei der bisherige Staats- rat Fürth im Kabinett, so baß bie Regierungs­liste nach ihrer Ergänzung wie folgt zusammen- gesetzt ist: Staatsrat Mackelbey (Lanbvolkpartei) für bas ehemalige Gebiet Weimar, Staatsrat Döbrich (Lanbvolkpartei) für bas ehemalige Ge­biet Meiningen, Baumgärtei (DVP.) für das Gebiet Reuß, Bauer (DVP) für das Gebiet Sondershausen, Fürth (Wirtschaftspartei) für das Gebiet Rudolstadt. Die Ministerien werden wie folgt verteilt: Baurn, Finanzen und Wirt- schäft; Dr. Köst n er. Inneres, Volksbildung und Justiz. Die Wahl erfolgte in namentlicher Abstim­mung mit 19 Stimmen ber Deutschen Dolkspartei, ber Lanbvolkpartei unb ber Wirtschaftspartei gegen 13 Stimmen ber Nationalsozialisten unb Kommu­nisten, bei Enthaltung ber 13 Sozial­demokraten unb bes einen Vertreters ber Deutschen Staatspartei. Sieben Abgeord- nete fehlten. Der Lanbtag vertagte sich barauf bis zum 4. Mai.

Die Aussprache im Lanbtag war von einer Schärfe, wie man sie bisher nur selten erlebt hat. Namentlich roanbte sich ber Fraktionsführer ber Nationalsozialisten, Sauckel, heftig gegen bie jetzigen Regierungsparteien (Wirtschaftspartei, Land- völkpartei unb Deutsche Volkspartei) unb gegen bie Sozialbemokraten, so baß es bes öfteren zu stürmischen Auftritten kam. Die Sozial- bemofraten erklärten, baß sie ber Minderheits- regierung gegenüber eine abroartenbe Hal­tung einnehmen unb, falls nötig, ihre Schluß­folgerungen ziehen würben. Die D e u t s ch e V o l k s. Partei ließ burch ihren Fraktionsführer, Abg. Dr. Wihmann, barauf Hinweisen, baß sie sich niemals in einer unroürbige Abhängigkeit von ber Sozial- bemofratie begeben würbe, Auch ein Abhängigkeits­verhältnis gegenüber ben Nationalsozialisten müsse bie Volkspartei als unerträglich ablehnen.

OieWesei-zeitung" zum Ausgang des Volksbegehrens.

Bremen, 22. April. (TU.) DieWeser­zeitung" schreibt unter der UeberschriftStahl­helmsieg" u. a.: Die Mitteilung, daß das Volks­begehren zur Auflösung des preußischen Land­tages schon vor seinem Abschluß die erforderliche Unterschriftenzahl weit überschritten habe, werde angesichts der empörenden Unterdrückungsmaß- nahmen, die von der preußischen Polizei gegen die Volksbegehren-Propaganda und den Stahlhelm insbesondere angewandt worden seien, allent­halben große Genugtuung Hervorrufen. Da man in preußischen Regierungskreisen in den letzten Tagen nicht mehr an einen Erfolg des Volksbegehrens $u glauben vorgegeben und sich demgemäß zu einer Milderung der Aus­führungsbestimmungen zur Rotverordnung des Reichspräsidenten entschlossen habe, fei die mo­ralische Rieberlage der preußischen

Regierung nur noch augenfälliger geworden. Die Haltung des preußischen Zentrums unter Führung ihres Fraktions­führers Dr. Heß wäre nur verständlich ge­wesen, wenn er von vornherein von einem Miß­lingen des Volksbegehrens überzeugt gewesen wäre. Die Politik des Volksbegehrens müsse nun mit allen Konsequenzen durchgeführt werden, nicht allein in Preußen, sondern auch im Reich.

Aus aller Wett.

Grohfeuer in einer Lederfabrik.

3n Neumünster brach in der Lackleder­fabrik ein Feuer aus, das den riesigen Bau bis auf die Umfassungsmauern e i n ä s ch e r t e und fast alle Maschinen vernichtete. Die Flammen griffen so schnell um sich, dah die Belegschaft! sich nur mit Mühe und Not in Sicherheit brin­gen konnte und zahlreiche Arbeiter und Arbei­terinnen nur mangelhaft bekleidet ins Freie flüch­ten muhten. Die Feuerwehr und die Werksfeuer­wehr griffen die Flammen aus zwölf Rohren an. Aber erst nach fünfstündiger Arbeit war die Gefahr eines Liebergreifens des Feuers auf die benachbarten Gebäude beseitigt. Durch die starke Qualmentwicklung und durch den starken Wind wurden die Löscharbeiten außerordentlich erschwert. Man nimmt an, daß das Feuer bei Schweiharbeiten entstanden ist.

Ein schwerer Unglücksfall.

Bei Dftenfelbe im westfälischen Kreise Warendorf ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Der Kauf­mann Beeryeide aus Völlen wollte mit feinem Kraftwagen zu einem Landwirt in ber Nähe von Dftenfelbe fahren. Auf bem schlechten ßanbroeg blieb ber Wagen stecken unb stürzte, als man ihn roieber flottmachen wollte, in einen am Ranbe bes Weges befinblichen Wassertümpel. Die Frau bes Kraftwagenbesitzers, bie im Wagen geblieben war, stürzte mit in ben Tümpel und ertrank.

Aus bem Sorojct-fUnberparabies.

Die GPU. ist im Schwarzerde-Gebiet großen Mißwirtschaften in Kinderheimen, in denen obdachlose Kinder untergebracht sind, auf die Spur gekommen. In einem Kinderheim in Orel wurde festgestellt, dah mehrere kranke Kinder durch nachlässige Pflege ge­storben sind. In einem anderen Kinderheim sind durch Mangelan Lebens-undHeil- m i 11 e l n fünfzehn Kinder gestorben. Die ge­samte Leitung der Kinderheime wurde verhaftet und wird vor ein Gericht gestellt werden.

Ein Schraubenflugzeug

landet im Garten des Weißen Hauses

Ein sogenanntes Schraubenflugzeug, das seinen Auftrieb durch einen über dem Flugzeug ange­brachten Windmühlenpropeller erhält, landete im Garten des Weißen Hauses in Washington. Es ging in nahezu senkrechtem Fluge auf den Boden nieder und kam nach einem Auslauf von etwa sieben Meter zum Stehen. Beim Wiederaufstieg benötigte das Flugzeug einen Anlauf von 50 Meter, woraus es sich in einem Winkel von 75 Grad in die Luft erhob.

Lynchjustiz in USA.

In Union City (Tennessee) wurde ein Neger, ber wegen versuchter Notzucht in Untersuchungshaft saß, von einem erregten Pöbelhaufen, ber bas (Ge­fängnis stürmte unb sich bes Häftlings be­mächtigte, an einem Baum vor bem Gerichtsgcbäude aufgehängt. Eine große Menschenmenge schaute bem Vorgänge zu. Die Leiche blieb eine Zeitlang an bem Baume hängen.