Ausgabe 
23.2.1931
 
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Die Staatspartei fordert Abbau der Zentralbehörden in Hessen.

Frankfurt a. M 22. Februar. (255)1) Der Landesvorstand Hessens bet Deutschen Staatspariei beschäftigte sich nach einem Referat des Abgeordneten Schreiber mit dem hessischen Slaatsvoranfchlag für 1931. Ls wurde nachfolgende Entschließung einstimmig angenommen:Die durch den vorgeleg- tcn Etat geschaffenen schweren Belastungen, wie sic sich namentlich in der Auferlegung erhöhter Steuern und in der Kürzung der Beam­tengehälter darstellen, sind nur dann erträglich, wenn gleichzeitig eine durchgreifende Bcr- waltungsreform, insbesondere auch durch Verminderung und Abbau der 2Nini­st e r i e n beschlossen und durchgesührt wird, wird dies nicht erreicht, so sind nach Ansicht des Landes­vorstandes die Voraussetzungen nicht mehr gegeben, unter welchen die Staats- partei die Mitverantwortung für die Regierung tragen kann. Der Landesvorstand ist weiter der Ansicht, dah es eine Verkennung der grundlegenden politischen Rotwendigkeiten ist, wenn die Inangriffnahme und Durchführung der Reichs­reform weiter verzögert wird. Der Landes­vorstand fordert daher, für die Reichsreform tat­kräftig einzutrctcn und dafür zu sorgen, dah diese Frage nicht mehr aus der politischen Debatte ver­schwindet."

Industrie und Arbeiislosenproblem.

Berlin, 21. Febr. (CNB.) Der Hauptausschuß des Reichsverbandes der Deutschen Industrie be­schäftigte sich mit der Arbeitslosenfrage. Nach einem Referat des Reichsarbcitsministers Stcgerwald wurde in eingeheirüer Aussprache ein gesetz­licher Zwang zur Verkürzung der Ar- b e itsze it einmütig ab gelehnt. Zur Be­gründung dieses Standpunktes wurde ausgeführt, dah eine schematische und generelle Verkürzung der Arbeitszeit kein genügendes Mittel zur Verringerung der Arbeitslosigkeit sei, eine derartige Maßnahme im Gegenteil in ihren Folgen die Arbeitslosigkeit aus Gründen, die der Oeffentlichkeit wiederholt dargelegt seien, nur vergrößern würde.

Oie Oemottstraiion mit der Schreckschußpistole.

Berlin, 21. Febr. (CNB.) Der Rentner Schmitt, der am Freitag mit einer Schreck- schußpistole geschossen hatte, ist von der Ab- teilung IA des Polizeipräsidiums auf freien Fuß gesetzt worden. Schmitt wieS darauf hin. daß ihn nur d i e furchtbare Not. in der er und seine Altersgefährten leben, zu dieser lärmenden Demonstration veranlaßt hätte. Er habe keineswegs die Absicht gehabt, ein Atten­tat zu verüben oder einem Menschen nahezu- treten. Die Polizei sah bei dein hohen Alter Schmitts und bei seiner verzweifelten Vermögens­lage von der Verhängung eines Strafmandates« ab und entlieh den alten Mann, der nunmehr in seine Heimat zurückkehren will, lediglich mit einer Verwarnung.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichstag erledigte am Samstag die zweite Beratung des K r i e g s l a ft e n e t a t s , des Etats der R e i ch s f ch u l d, des Versorgungs­etats und des Etats des R e ch n u n g s h o f s und des Reichssparkommiffars. Für Montag ist die zweite Beratung des Haushalts für Ernäh- rung und Landwirtschaft auf die Tagesordnung ge­fetzt worden.

Der nationalsozialistische Parlamentsdienst bezeich- * net die Behauptung, daß der bisherige Landvolkab- gcordncte Dr Wendthausen sich der NSDAP. r angeschlossen habe, als falsch In der nationalsozia­listischen Korrespondenz wird weiter erklärt, die Abg. Dr. Wendthausen, v. Sybel und Sieber bildeten nach wie vor eine selbständige bäuerliche Gruppe.

Der Eigentümer von Forms Hotel in Oppeln hat zu den Meldungen von einem be- - vorstehenden Verkauf des Hotel san Po­len die Erklärung abgegeben, dah ein solcher Verkauf n i ch t in Frage käme. Er bestätigte aber, daß inan sich von polnischer Seite zweimal an ihn gewandt habe, um ihn zu einem Ver­kauf des Gruirdstücks bzw. zu einem Tausch zu " veranlassen. Das polnische Generalkonsulat in Beuthen hat ebenfalls ein Dementi verbreitet, wonach die Nachrichten über Verkaufsverhand­lungen mit dem Polenbund bzw. dem General­konsulat nicht den Tatsachen entsprächen.

Der Einwanderungsausschuh des amerikani­schen Nepräsentantenhauses nahm einen Antrag auf Abänderung des Einwanderungsgesetzes an, durch die künftig nicht nur Anarchisten, sondern auch Kommuni st en von der Einwan­derung ausgeschlossen werden sollen.

Kunst und Wissenschaft.

Hellie Melba s.

Sidney (Australien), 23. Febr. (WTB. Funk­spruch.) Die berühmte australische Sängerin Äil - l i e Melba ist heute g e st o r b en. Nellie Helene Mitchell dies ist der eigentliche Name der Künstlerin wurde am 19. Mai 1861 in Burn- ham bei Melbourne in Australien geboren. Ihr Vater war Schotte, die Mutter spanischer Ab­kunft. Schon mit sechs Fahren wirkte sie in einem Kirchenkonzert mit. wobei ihre schöne Stimme auffiel, in ihren Mädchenjahren errang sie ihre ersten Erfolge. Die Ernennung ihres Vaters zum australischen Kommissär für die Weltausstellung in Paris führte sie 1886 dorthin, wo sie bei Frau Mathilde Marche sie die Nollen studierte, in denen sie bald berühmt werden sollte. Mit ihrem ersten Vühnenauftreten 1887 alsGilda" in Nigoletto" in Brüssel war dies mit einem Schlag der Fall. Ihrer Vaterstadt Melbourne zu Ehren nahm sie damals den Namen Melba an. Seitdem sang sie mit immer steigendem Erfolg diesseits und jenseits des Ozeans alle großen Nollen älterer und neuerer Opern, sowie zahlreiche Lie­derkompositionen. Ihre größten Triumphe feierte sie wohl, als sie 1903 nach Australien zurückkehrte. 2leben vielen anderen Ehrungen ist Frau Melba seit 1918 Inhaberin des Kommandeurkreuzes des Ordens vorn Britischen Reich und hat vom eng- lischen König die höchste an Künstlerinnen zu vergebende Auszeichnung, den TitelDame" Der- liehen bekommen. Im Jahre 1924 entsagte sie ihrer Sängerlaufbahn und kehrte nach Australien

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Oer erste Bericht des LlnfallausschuffeS. Vermutlich folgen einer Kohlenstaub-Explosion.

Aussichten für Dienstag: Leicht wolkig oder dunstig, sonst vielfach klar und heiter, trocken, nachts Frost, tagsüber Temperaturen über Null.

Aussichten für Mittwoch: Wenig Aende- rung der Wetterlage.

Oie Wetterlage.

E s ch w e i l e r, 21. Febr. (WTB.) Die Opfer von Eschweiler Reserve sind nunmehr alle geborgen. Da von den vier Schwerverletzten inzwischen zwei ge­storben sind, sind jetzt insgesamt 32 Tote zu beklagen. Zehn Bergleute sind gasvergiftet. Unter den Toten befindet sich ein R e v i e r v o r st e h e r, die anderen sind Bergknappen, größtenteils unter 30 Jahre alt. 23 der in dem Grubengebäude liegen­den Toten konnten festgestellt werden. Die Sanitäts­mannschaften des Eschweiler Bergwertsvereins bet­teten am späten Nachmittag die Leichen der Ver­unglückten in schlichte schwarze Särge, sodann wur­den die Leichen mit Lastwagen zu dem bei der Grube gelegenen Betriebsratszimmer gebracht, wo ihre Aufbahrung erfolgte. Unter den Toten befinden sich zwei junge .Bergleute, die die Katastrophe in Alsdorf erlebt hatten und dort gerettet worden waren. Der U n f a l l a u s s ch u ß der Grubensicherheitskommission Bonn, der die von der Explosion betroffenen Abteilungen der GrubeEsch- weiter Reserve" befahren hat, veröffentlicht e i n e r st e s C o m m u n rq u e über seine Feststellungen. Danach ist das Unglück im wesentlichen auf eine Kohlenstaubexplosion zurückzuführen. Die Mitwirkung von Schlagwettern bedarf noch weiterer Prüfung Der Hauptherd liegt im Flöz Großkohl auf der 600-Meter-Sohle. Es besteht die Vermutung, daß die Explosion durch Spreng- st o f f e eingeleitet worden ist. Maschinen ober die beiden einzigen Benzinsicherheltslampen, die im Re­vier geführt wurden, und zwar vom Steiger und vom Schießmeister, kommen für die Auslösung der Explosion als Ursache wahrscheinlich ni ch t in Frage.

Ein weiteres Communique wird nach nochmaliger Befahrung der Grube herausgegeben.

37 Bergknappen haben sich, als die Katastrophe eintrat, zurückgezogen und auf Anordnung des Stei­gers die künstliche Wetterführung weg­gerissen. Dann schlossen sie zwei Schläuche ä n d i e P r e ß l u f t f l a s ch e n an und ließen Preß­luft ins Revier. Dadurch wurden die Nachschwaben aus bem Revier gedrängt, und nur so konnten diese 37 Mann gerettet werden. Zehn andere Leute hatten sich durch den Weiter- schacht geflüchtet. Sie kamen mit leichten Gas­vergiftungen davon und fanden Aufnahme im Kran­kenhaus. Die übrigen sind durch den Förder­schacht zutage gebracht worden. Auf der Grube Reserve waren 30 bis 35 P f e r b e unter Tage. Von diesen ist eine größere Anzahl der Explosion zum Opfer gefallen.

Oas Beileid des Reichspräsidenten.

"Berlin, 21. Febr. (WTV.) D:r Herr Reichs­präsident hat an den Landrat des Landkreises Aachen anläßlich des Grubenunglücks auf Grube Eschweiler Reserve folgenlos Telegramm gerichtet:

Mit tiefer Anteilnahme erfahre ich die Nach­richt von dem Unglück auf Grube Eschweiler Re­serve, das erneut das Aachener Revier mit Kummer und Trauer erfüllt. Ich bitte Sie, den schwergeprüften Hinterbliebenen der verunglückten Bergleute meine herzliche An­teilnahme, den Verletzten meine besten Wünsche für baldige Genesung zu übermitteln.

gez.: v. H i n d e n b u r g, Reichspräsident."

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Heue Lawiueukaiastropheu in den Alpen.

Schweres Lawinenunglück bei Trient.

Ein Haus von einer Lawine durchschnitten

Bozen, 23. Febr. (TU.) Große Verheerung richtete eine Lawine in der Bergmanns- Siedlung Masern bei Trient an, die in 1500 Meter Höhe liegt. Die Schneemassen wurden über die Talmulde auf den gegenüberliegenden Hang geschleudert, wo die Wohnvaracken der Bergleute liegen. Die Lawine durchbrach die Außenwand einer Baracke und drang in die Wohnung des Bergmannes Reiner ein. Die Küche sowie zwei Stuben, in denen der Bergmann mit seiner Frau und seinen fünf Kindern schlief, wurden völ­lig vernichtet. Der Bergmann Reiner wurde ebenso wie seine Frau von den Schneemassen zur Seite geschleudert. Während die Frau wie durch ein Wunder unverletzt blieb, hatte Reiner einen Wirbelsäulenbruch erlitten. Die fünf Kinder waren in den Schnee massen be­graben und mußten von den Kameraden Reiners gesucht werden. Sie wurden nach längerer Zeit be­wußtlos und mit schweren Erstickungs- und Erfrie­rungserscheinungen geborgen. Glücklicherweise hatten die Wiederbelebungsversuche bei allen fünf Kindern Erfolg. Die Verletzten können nicht ins Tal gebracht werden, da die 25 Kilometer lange Drahtseilbahn, die im Winter die einzige Verbindungsmöglichkeit mit der Bergmanns-Sied­lung darstellt, infolge des Unwetters nicht be­triebsfähig ist.'

Skiläufer verunglückt.

Bei Lenggries und am Patschertoiel.

M ü n d) e n, 22. Febr. (WTB.) Eine zwischen dem Brandkopffattel und der Seekarhlltte bei Leng­gries niedergehende Lawine hat eine aus sieben Personen bestehende Skiläufergruppe erfaßt. Da die Rettungsarbeiten sofort einsetzen konnten, wurden 6 Personen lebend geborgen. Der Tourist Michael Staffier aus München wurde g c - tötet. Am Patscherkofel beim Grünen Boden (Nordtirol) ist eine aus 5 Personen bestehende Ski­läufergruppe von einer Lawine verschüttet wor­den. Einer der Verschütteten konnte fid) selbst be­freien. Eine Dame wurde mit gebrochenen Beinen geborgen. Die übrigen sind noch unter den Schnee massen begraben. In der zwölften Nachtstunde ist gestern an -üer Unfallstelle am Pat­scherkofel eine neue Lawine niedergegangen, durch die 6 Mann der Rettungsexpedi­tion verschüttet wurden. Die Verunglückten konnten durch andere Rettungsmannschaften kurz darauf unverletzt aus den Schnee massen

befreit werden. Bei der Gefährlichkeit der Arbeit und bei der Schwere der kompakten Schneemassen besteht wenig Hoffnung, daß die drei unter der ersten Lawine Verschütteten noch lebend ge­borgen werden können. Trotzdem sich an den Ret­tungsarbeiten hierzu derzeit 70 Mann beteiligen, konnten noch keine Spuren von den Verun­glückten entdeckt werden.

Zwei Meter Neuschnee in -er Zentralschweiz.

Zermatt und Andermatt völlig eingefchneü

Da die starken Schneefälle in der Zentral- fchweiz noch anhalten, ist der Zugverkehr auf der Lötschbergbahn unterbro­chen. Auch verschiedene andere Bahnen mußten wegen der starken Schneeverwehungen den Be­trieb einstellen. Zermatt ist vollständig e i n g e s ch n e i t, die Neuschneedecke beträgt zwei Meter. Durch zahlreiche Lawinen ist jede Te­lephon» und Telegraphen-Verbin­dung unterbrochen. Andermatt ist ebenfalls völlig eingeschneit.- Die Räumungs­arbeiten der Schöllenenbahn sind toegeit der Lawinengefahr unmöglich geworden. Auf dem Großen St. Bernhard beträgt die Schnee­höhe acht Meter, so daß das Hospiz vollständig im Schnee begraben liegt. In den oberitalienischen Voralpen sind infolge der starken Schneefälle verschiedene Züge st eckengeblieben.

Llnweiter in Italien.

R o m, 22. Febr. (WTB.) Aus ganz Italien, von den Alpen bis hinunter nach Si­zilien, liegen Meldungen über schwere, tage­lange Llnwetter vor. Schwere Stürme, heftige Gewitter und Hochwasser haben erheb­liche Schäden an Saaten und Häusern angerichtet. Zwölf Personen haben den Tod gesunden, fünf andere sind zum Teil erheblich zu Schaden ge­kommen. In Val Formazza bei Domodvssola, wo der Schnee drei Meter hoch liegt, ist eine Lawine niedergegangen und hat sechs Arbei­ter unter sich begraben, die in einer Wasserkraftanlage beschäftigt waren. In einem kleinen Bergdorf bei Reggio Calabria er­eignete sich ein Erdru tsch, dem sechs Menschen zum Opfer gefallen sind. Andere älnwettermel- Dungen liegen aus Bari und Biareggio vor. In Spezia ist ein 800-Tonnensegler nach einer 70stündigen Sturmfahrt abgetakelt und schwer be­schädigt eingelaufen. Heber ganz Sizilien liegt ein ungewöhnliches Tiefdruckgebiet, das starke Stürme hervorgerufen hat.

zurück, wo sie ihre LebenserinnerungenMe­moiren einer Sängerin" herausgab.

Aus aller Welt.

Deutsche Jndustrieführec fahren nach Rußland.

Auf Einladung des Obersten Volkswirtichafts- rates der Sowjetunion werden demnächst eine Reihe von leitenden Herren deutscher Industriekonzerne, die mit Rußland Ge­schäftsbeziehungen unterhalten, Moskau besuchen. Voraussichtlich werden folgende Herren an der Fahrt teilnehmen: Busch (Linke-Hofmann), Kon­rad (Borstg), Geheimer Kommerzienrat Buh (MAR.), Borbet (Bereinigte Stahlwerke), Hirsch (Hirsch Kupfer), Klotzbach (Krupp), Klöckner, Poensgen (Bereinigte Stahlwerke). Reuter (De­mag). Pfeffer (AEG.), Koetlgen (Siemens), Krähe (Otto Wolff), sowie ein Direktor der Metallge­sellschaft Frankiurt a. M. und verschiedene An­gehörige anderer Industriegruppen.

Verhaftung Friedrich Wolfs.

Dr. Friedrich Wolf, der bekannte Stuttgarter Arzt und Schriftsteller, der Verfasser des gegen den Ab­treibungsparagraphen gerichteten StücksZyan- k a l i", ist wegen Verbrechens gegen § 218 des StrGB. verhaftet worden, ebenso die Stuttgarter Fachärztin für Hautkrankheiten, Frau Dr. Else I a c o b o w i tz - K i e n l e. Der Fall erregt Auf­sehen, da Friedrich Wolf einer der Führer im Kampfe gegen den Abtreibungsparagraphen im Deutschen Strafgesetzbuch ist. In Frankfurt wurde bei der Aufführung von Friedrich Wolfs Die Matrosen von Eattaro" im Neuen Theater am Samstag von einer Anzahl junger Leute ver­sucht, für die Freilassung des Verfassers durch einen Sprechchor während der Vor­stellung Propaganda zu machen. Das Publikum lehnte aber sehr energisch ab, die Szene zum Tribu­nal werden zu lassen und machte den Demonstranten

klar, daß es nicht willens sei, Störungen der Ord­nung zu dulden.

Hungersnot in Niederkalifornien.

2n Mexicali, im mexikanischen Staate Nieder­kalifornien, drohen 3000 Bauern die Stadt zu plündern, falls man ihnen nicht unver­züglich Arbeit oder Nahrung gibt. Trup­pen und Polizei sind auf geboten worden, um die Stadt zu schützen. Bittere Not herrscht in der Gegend, in der bereits viele Men­schen Hungers gestorben sind und sich kürzlich Haufen von hungernden Frauen uiü) Kindern vor den Lebensmittelgeschäften zusam­mentrotteten und diese zu plündern drohten. Die Handelskammer in Mexicali beseitigte die Gefahr, indem sie Lebensmittel vertei­len ließ.

Raubüberfall auf eine Kreissparkasse.

Mit vorgehaltenen Revolvern drangen am Samstag gegen 6.30 Llhr zwei junge Burschen in die Zweigstelle der Kreissparkasse des Kreises Nieder-Barnim in Hohen-Neuendorf ein. Sie erbeuteten etwa 3000 Mark und entka­men in einem Auto. Der Lleberfall hatte nur wenige Minuten in Anspruch genommen. Da­durch, dah die Räuber nicht geschossen haben und ihre Kommandos einander leise zuriefen, konnte es geschehen, daß Leute, die im Neben­zimmer waren, von dem ganzen Borfall nichts merkten. Die Räuber hatten nicht für nötig gehalten, sich zu maskieren.

Wettervoraussage.

Der hohe Luftdruck über der Biscaya hat sich weiter nach dem Festlande ausgebreitet, so daß die Wellerlage vorerst unter seinem Einfluß verbleibt. Die Bewölkung geht zurück, und während der klaren Nacht treten Strahlungsfröste auf. Tagsüber steigen die Temperaturen durch Sonnenstrahlung ungefähr 6 bis 8 Grad über Null an. *

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Aus Oer provtnzialbouptstavt.

Gießen, den 2' Februar 1931.

Männer auf Umtausch.

Es müßte eigentlid) eine Stelle, eine Börse, eine Wechselstube geben, in der man leicht beschädigte Ehemänner umtauschen könnte. Denn im Leben jeder Frau kommt der Augenblick der Erkenntnis, daß eine Besserung wohl kaum mehr möglich ist.

Das hat seinen Grund in der Tatsache, daß wir einen Mann wegen seiner Vorzüge und Tugenden und nicht wegen seiner Fehler heiraten.

Wir bedenken fast nie, daß der Mensch für jede einzelne Tugend zehn kleinere oder größere Fehler aufweist, und daß wir mit all diesen Fehlern zu (eben haben.

Würden wir uns unserer Fehler halber heiraten, würde es keine unglücklichen Ehen geben. Denn wenn wir einen Mann Heiraten, weil er unzuver­lässig, verschwenderisch, unpünktlich, faul, eigensüch­tig, eitel, geizig und abwechslungsliebend ist, würde es uns wahrlich nicht schwer fallen, ihn wegen seiner Tugenden dauernd zu lieben.

Daß wir diese Fehler nicht früh genug erkennen, liegt keineswegs am Mann. Es ist der alte Zweck und das alte Spiel der Natur.

Nur beschränkte Frauen können behaupten, daß der Mann unehrlicher oder unaufrichtiger fei, als die Frau. Es ist nicht wahr, daß sich der Mann heuch- Icrisd) in der Maske des edlen Helden der Frau nähert, um fid) dann später als Bösewicht zu ent­puppen.

Der Durchschnittsmann ist in seinem Werben und Wollen ehrlich und gibt sich so wie er ist. Nur ein paar notorisch schlechte, berechnende Lügner und Verbrechernaturen kommen als Wölfe in Schafs­pelzen.

Der Zustand unserer jungen Liebe und der frau­lichen Hoffnung auf das Ziel des Lebens läßt uns gar keine Zeit, die Fehler zu erkennen. ifnd blitzt gar ein Erkennen auf, wird es durch gesteigerte Ge­fühle ausgeschaltet.

Uralte Wahrheit blinder Liebe' wird Menschen ewig beseligen und auch quälen.

Du würdest dich hüten, einen nicht isolierten Draht aud) nur zu berühren; du überlegst dir aber nicht, einen Mann mit einem nicht isolierten Temperament und einer hochgespannten Vergangen­heit zu heiraten.

Und da stehst du nun eines Tages plötzlich sehend vor ihm. Das ist so etwa um den Zeitpunkt herum, an dem er sich unverstanden fühlt; an dem er, wenn du ihn umsorgst, sich beobachtet wähnt und, falls du bid) nicht um ihn kümmerst, unglaublich ver­nachlässigt verkommt.

Das ist der Augenblick, von dem ab du seinen Wegen und Meinungen erhöhte Aufmerksamkeit schenken mußt.

Meistens füllt dann eine andere Frau seine Seele mit zärtlichen Gedanken und Hoffnungen aus. Er verliert sich von dir und du hast es bald sehr genau im Gefühl, wie weit er schon aus der Kurve ab­getrieben ist.

Und dann kommt eines Tages der Gedanke in dir auf, daß du das alles eigentlich doch gar nicht ver­dient hast. Und mit diesem Gedanken flammt dann der Wunsch der Trennung auf.

Nimm es nicht so ernst, liebe Schwester! Er ist nämlich gar nickst so schlimm, wie du in deiner ersten Enttäuschung lvähnst. Behandle ihn mit doppelter Vorsicht. Wirf ihm niemals im Leben vor, was du alles für ihn getan hast. Sprich niemals von Opfern. Kein Mann liebt seine Gläubiger und am wenigsten den Gläubiger in seiner Frau.

Bringe ihm erneut bei, wie wichtig und bedeut­sam er für dein Lebeitz ist. Ueberzeuge ihn von seinem Wert und bringe ihm den Glauben bei, daß du ohne die Hilfe seines überlegenen Geistes und seines starken Armes verloren bist. Nützt bas auch noch nichts, bann 'verhandle mit ihm sachlich über die Frage eines Urntauschs und tue so, als ob du in dem großen Kaufhaus des Lebens einen Ersatz für ihn leicht haben könntest.

Bringst du ihm diese Ueberzeugung glaubhaft bei, kehrt er reuevoll zu dir zurück.

Magda Amann.

Daten für Montag, 23. Februar

1685: her Komponist Georg Friedrich Händel in Halle geboren; 1842: der Philosoph Eduard von Hartmann in Berlin geboren.

Daten rür Dienstag, 24 Februar

1786: der Altertumsforscher Wilhelm Grimm in Hanau geboren; 1829: der Schriftsteller Friedrich Spielhagen in Magdeburg geboren.