Ausgabe 
23.1.1931
 
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Freitag, 25. Januar 1951

Eietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 19 Zweites Blatt

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(2loxf)bru(f, auch mit Quellenangabe, verbotenl) Moskau, Januar 1931.

verschiedene Unter- und Oberchess, Rayonleiter und Subdirektorcn, keiner von ihnen konnte sagen, ob Anzüge mit fünfzig aufgeleimten Federn ir­gendwo vorhanden waren. Ich merfte aber, das) eine gewisse Unficherheit herrschte, d.swegen blieb ich hartnäckig und behauptete, die neueste Mode der Siouxindianer bestehe in sünzig aufgeleimten Federn. Schließlich hieß es, derartige Anzüge müsse man aus dem Hauptgeschäft beschaffen, sie seien vorhanden, aber nicht vorrätig. Man wolle

Talen für SamStag, 24. Januar.

1712: Friedrich der Große in Berlin geboren: 1776: der Dichter ($. Th. H. Hoffmann in Königsberg geboren.

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Wohlfahrtsgemeinschast in Butzbach.

pb. Butzbach, 21. Ian. Unter Borsih von Bürgerineister Dr. Jansen sand gestern abend im Rathaus eine Sitzung statt, zu der die Vor­stände des Alice-Frauenvereins, der Arbeiter- Wohlfahrt, des Gcwerbevcreins, des Zweigver­eins vom Roten .Kreuz, des Vereins des Einzel' Handels, sowie die beiden Pfarrämter und der israelitische Krankenunterstühungsverein einge­laden waren. Es handelte sich um Gründung einer Wohlfahrtsgemeinschaft in unserer Stadt, um auch hier der ständig zunehmenden Rot durch Mitwirkung nicht nur der charitativenDcr bände, sondern auch anderer Vereiire usw zu steuern, wozu allein das städtische Wohlsahris amt nicht in der Lage ist. In der Hauptsache soll durch Sammlungen von Geld, Lebensmitteln u. dgl. die Rot zu lindern versucht werden. D ic Vertreter der Vereine erklärten sich bereit, soweit dies in ihren Kräften steht, mitzuhelsen. Es wurde ein engerer Ausschuß von 8 Mitgliedern gewählt, der unter Vorsitz des Bürgermeisters das Weitere in die Wege leiten wird.

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an den sich diese Forderung richtet, muß nämlich nach wie vor gewaltsam zur Liebe zum neuen Staat gezwungen werden. Deim er, derDauer, der letzten Endes zum neuen Träger des R. grmes werden soll, macht noch immer Schwierigleiten- Ilm diese endgültig zu beseitigen, will der Plan die Kollektivierung der bäuerlichen Höfe so ener­gisch fördern, daß in einem Iahr 5 0 v. H. aller Bauernwirtschaften in Ge­meinschaftsbetriebe zu s am m eng e- saßt sind. Durch diese forcierte künstliche Prole- tarifierung der ländlichen Bevölkerung, durch ihre Umwandlung zu Arbeitern in Getreidesabriken soll der Partei die stärkste Stütze gegeben werden.

Die Industriepläne, für deren Durchiüb- rung die Milliarden aus dein Dorf in die Stadt ?epumpt werden sollen, sind in aller Stille bc - chnitten und rationalisiert worden. Man versucht jetzt, das unorganildK Durcheinan­der im Industrieaufbau zu beseitigen und die we­nigen Werke, deren Ausbau mit allen Mitteln betrieben wird, organisch dem Ganzen einzuglie­dern. Es sind aber dann auch noch Milliarden, die man braucht. Inzwischen wächst die Zinairznot, die Gehälter an die Staatsangestellten und Ar­beiter werden mit Wochen-, ja monatelanger Der-

Vor 70 Zähren konstruierte Philipp das erste Telephon.

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3ni Jahre 1861, oor^O Jahren, tonftruiertc der deutsche Prioatschullehrer Philipp Reis den ersten primitiven Telephonapparat. Das Bild zeigt den Erfinder in Gelnhausen bei leinen ersten Versuchen, von seinem Arbeitsraum aus mit seiner Wohnung zu sprechen.

spätung ausgezahlt, so daß einzelne Werke dazu übergegangen sind, sich selbständig zu machen und den bargeldlosen Bon-Verkehr einzusühren. Die Steuerkrast der Bevölkerung wird 'o übermäßig in Anspruch genommen, daß der Ausdrucksteuer­liche Ausplünderung" am Platze erscheint.A I - a a t ist die neue Parole

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frankfurter Theater.

ImReuen Theater" gab esVoruntersuchung" ein Schauspiel in 5 'Akten von Max Alsberg und O. E. Hesse. Arthur Hellmer hat in bei Auswahl dieses Stückes, dessen Regie er zu gleicher Zeit übernommen hat, eine geschickte Hand bewie­sen. Die Ausführung brachte einen vollen Erfolg. Die Diel umstrittene Person des Untersuchungs richters ist in der mobernen Literatur zwar nicht neu, man denke nur anRaskolnikow", der be­kannte Berliner Verteidiger Alsberg hat sicher aber den Vorzug, daß er aus Grund seiner reichen Erfahrungen sich vorurteilsfrei bemüht, dem nach Auffassung vieler bekannter Juristen überlebten Rechtsinstitut der Voruntersuchung auf künstlerischem Wege auf den Leib zu rüden. Das Publikum folgte den beiden Autoren durch sämtliche fünf Akte mit ungeteilter Aufmerksamkeit und ipenöetc auch dec ausgezeichneten Aufführung, in der namentlich Hell­muth Bergmann einen menschlich außerordent­lich packenden Untersuchungsrichter auf die Bühnc stellte, reichen Beifall. Köstlich waren auch einige kleinere Rollen ausgestattet, fo die des Buroange stellten Scherr durch Max W i k t m a n n und des Rezitators Platte durch Franz Arzdorf.

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Fräulein begann zu telephonieren: cs meldeten sich I wegung zu sehen, als Mathilde, das Mädchen der - - ... *- Familie Klettka, erregt mittciltc, sie habe Bob

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beugte sich der Diktator zu dem .Kriegstommissar und dessen Rachbarn, dem Präsidenten Kali­nin, hinüber und erzählte halblaut, lebhaft gesti­kulierend, worauf sich alle drei vor Lachen förm­lich ausschütteten. Unten im Parkett saß inzwischen das Gros der Tagungsteilnehmer, die Masse derer, die aus allen Windrichtungen gekommen waren, um das zu tun, was man von ihnen ver­langte. Mit ehrfürchtigen Blicken verfolgten sie die Vorgänge am Dorstandstisch, während Sta­lins kalte graue Augen übet die Versammlung hinweggingen. Der Blick tagte.Ihr seid ja nur meine Werkzeuge. Ich bin der Diktator."

Die Machtverhältnisfe im Kreml sind heute eindeutiger denn je, Stalin wurde be­scheinigt. daß die von ihm befohlenen Thesen über die Wirtschaftslage Sowjetrußlands und 6er übri­gen Welt, über die Entwicklung, wie sie im prole­tarischen Staat zu erfolgen hat. über den Arbcits- markt, die Lebensmittelversorgung usw. richtig seien, und er erscheint a l s neuer Trium­phator sowohl übet seine persönlichen wie über die sachlichen Gegner. Andeutungsweise nur wird erzählt, daß sein persönlicher Sieg dies­mal besonders schwer wiege. Er soll an dem Rand der Riederlage oorbeigegangen sein. SYrzow, einer feiner ehemals treuesten Anhänger, hat. angeblich aut Wunsch des Diktators, eine kleine Rechtsschwenkung vorbereitet, die nur offen das Eingeständnis dessen enthielt, was in der Tat schon geschehen ist, nämlich die Einschrän­kung des Fünsjahresplanes. Aber Syr- zow, bon dem Einfluß seiner Machtstellung bene­belt. verlor den klaren Blick für das Maß^ und glaubte, die Pläne auch ohne bzw. gegen Sta - l i n durchführen zu können. Die Luft wat gewit­terschwül. als es dem jungen ehemaligen Mi­nisterpräsidenten gelang, die Unterstützung lo­

schen die Beine lief, die wiederum mir, dem Familrenvorstand, auf diesen unvermuteten Insult hin einen Wassertopf über den Anzug goß. Ich wollte Bob eine hinter die Ohren geben, aber zweierlei hielt mich davon ab. erstens dre unab­weisbare unwiderrusliche Tatsache, daß ich Gegner der Gewaltanwendung in der .Kinder- erzichung bin. und dann das Bewußtsein, es sei unmöglich Bob an einem Tage zu prügeln, der ihm den ersehnten Siouxindianerhäuptlingsanzug bringen sollte. Ich stand also unschlüssig, während mir das Wasser vom Gesicht tropfte. Bob machte fein unschuldigstes Gesicht. Ich sagte mit unter­drückter WutDu könntest dich auch ein wenig in acht nehmen .

3m Kaufhaus gingen wir gleich zu dem Fräu­lein, die Spezialistin für Indianerbekle.dung ist.

Wollen Sie einen Anzug für ältere oder für jüngere Häuptlinge?" fragte sie Ich starrte sie verständnislos an.Der Junge ist gerade acht ge­worden .." Das Fräulein lächelte nachsichtig »Rem, Sie verstehen mich nicht. Der alte Indianerhäupt­ling trägt vierundzwanzig Federn . der junge nur zwölf. welchen von beiden wünschen eie . v »Ich glaube, für den Jungen genügen zwölf Federn . sagte ich kleinlaut.Wenn du ihm schon einen solchen Anzug kaufst, kauf ihm einen mit vier- undzwanzig Federn", meinte meine FrauGut! Ich zog meine Geldtasche

Als ich Bob den Anzug mit einigen passenden Worten überreichte, schrie er gleich »Der ist falsch der muß mit sün'zig aufgelcimten Federn fein. Willy Faßbender Hai auch einen nut fünfzig aufgeleimten Federn." Ich ging mit meiner Frau äu Rate Was sollten wir tun? Wenn es wirklich richtig war, daß die anderen Jungens Anzüge nut fünfzig Federn hatten, konnte Bob nicht zuruck- stehen. Ich nahm mir nochmals dienstfrei und ging mit meiner Frau zum Kaufhaus zurück, zu jenem Fräulein, das uns den Anzug mit den vierund­zwanzig Federn verkauft hatte.Hören Sie , sagte ich einsach,das kann nicht stimmen. wir sind zufällig ein wenig unterrichtet... die echten An- züge haben fünfzig aufgeleimte Federn . °Da- von weih ich nichts", meinte das Fräulein, die hier mit den vierundzwanzig Federn werden leben- - falls sehr gern gekauft. Ich machte ein recht hochmütiges Desicht ..Die Leute haben von 3n6m- 11 nerangelegenheiien jo [eiten eine Ahnung... Das

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Zndianerspielen.

Don Richard Hueisenbeck.

Lob ist jetzt acht Jahre alt. Sa er mein Sohn ist, halte ich ihn natürlich für sehr begabt: obwohl noch nicht recht ersichtlich wird, auf welchem Gebiet er seine Fähigkeiten zeigen wird. Bob hat slrohblonde Haare und bringt jeden Haarkünstler in Verlegenheit wegen seiner drei Wirbel. Auf Die Frage:Was willst du werden?" hat er bis­her in recht kindlicher Weise geantwortetAme­rikaner oder Millionär": aber seit einiger Zeit merke ich. daß in seinen Anschauungen eine Ver­änderung vor sich geht. Es scheint er will hoch hinaus Reulich fanden wir ihn auf dem Dach der Garage. .Komm herunter", sagte ich.du sollst Prügel haben." Bob antwortete nur nut schallendem Gelächter. Der Chauffeur, ein un­bedenklicher Mensch, schlug vor, Bob nut der Gartenspritze vom Garagendach herunwrzu- spritzen. Ich hielt es für richtiger, in Verhand­lungen einzutreten. Ich sagte.Bob, wenn du outwillig herunterkommst, werden dir die Prügel erlassen werden ... Er antwortete mir mit einem Hohngelächter. Ich bin sehr für moderne Er­ziehung und glaube, daß es gut ist, wenn man den Kindern den Eigenwillen stärkt, aber die Art Bobs ging mir doch ein wenig weit. Wie es aber nun geschah, weih ich nicht: wir einigten uns aus folgendes Kompromiß. Bob sollte, wenn er unverzüglich vom Garagendach herunterkäme, einen Siourindianerhäuptlingsanzug erhalten.

Ich wußte gar nicht, wie solch ein Anzug aus- |ab und mußte mich eingehend von Bob belehren lassen. Mir gingen wirklich die Augen auf. Alle Knaben der Rachbarschaft hatten Siourindianer- häuptlingsanzüge ich machte mir Vorwürfe, diese wichtige Tatsache nicht bemerkt zu haben. Ich ärgerte mich darüber Sollte Bob hinter den anderen zurückstehen? Unter keinen Umständen. Meine Frau und ich beschlossen, den Sioux- indianerhäuptlingsanzug sofort zu erstehen.

An einem denkwürdigen Tage, morgens (ich hatte mir dienstfrei genommen) ging ich mit meiner Frau Ins Kaufhaus, um besagte Kriegs- und Trapperkleiduna zu beschaffen. Die Unter­nehmung begann gleich sehr unglücklich, indem Lämlich Bob öuiälüfl dem Dienstmädchen atci»

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gesehen. Er liege wie tot unter einem Baurn am Eingang des Parkes. Meine Frau und ich mach­ten uns sofort auf den Weg: wir fanden Bob auch richtig unter besagtem Daum: aber nicht tot, sondern vergnügt ein Kotelett essend. Das Kotelett war von meiner Frau schon nachmittags vermißt worden: sie hatte aber an die' Katze gedacht. Ich wollte Bob verprügeln: aber als ich ihn so in seiner Siouxindianerhäuptlingsunisorm ansah, kam er mir sehr komisch vor und ich mußte lachen.Was tust du hier?" schrie ich, möglichst viel Zorn in meine Stimme legendIch bin tot" sagte Bob trocken.Ich bin im Kamps gefallen und muh hier liegenbleiben ..." Trotz des Ein­spruchs meiner Frau nahm ich Bob am Kragen und brachte ihn nach Haus. Ich erwog, den An­zug zu verbrennen, aber ich habe das vorläufig noch aufgeschoben. Wer weih, was kommen wird!

wohl der Trotzkisten wie der Rechtsopportunisten zu erlangen, und es soll etwa 5 Minuten vor 12 gewesen sein, als Stalin zugriff. Auch diesmal gelang dem Diktator die Ueberwindung der Ketzer. Daß er maßvoll blieb und keine Mär­tyrer schuf, zeugt dafür, daß er inzwischen Erfah­rungen gemacht hat Ans Ruder kam der Gegen­spieler Syrzows, der junge Kommunist Molo- t o w, der heute das Amt bekleidet, das einst­mals Lenin innehatte. Unter Rykow schon sank es zur Bedeutungslosigkeit herab. Man sagt Molo­tow Energie nach. Auch in der Tagung deS ZIK suchte er sich durchzusehen. Wird er sich behaup­ten oder soll er nur verbraucht werden?

3m Mittelpunkt der Ereignisse stand der nc/c Wirtschas isplan, das beginnende dritte Planjahr. Der fachlich urteilende Beobachter muß unbeschadet dessen, daß über Einzelheiten russi­scher Wirtschaftspläne nicht zu streiten ist, die Be­rechtigung eines gewissen Optimismus eingestehen. Der unbestrittene Erfolg der Sowjetregierung

für den ihr allerdings kaum ein Verdienst ge­bührt ist die Durchführung desBrot- ersassungsplans, der zum Iahresansaiig fast lOObrojcntig erfüllt war. Die gute Witterung und die gute Ernte brachten fünf Millionen Ton­nen Getreide mehr als im Vorjahr, das dem Bauern zu einem Fünftel des Marktpreisesab­getauft" wird dieser hat allerdings die Zeche zu bezahlen. Aber nach offizieller Beweisführung müssen alle Glieder eine Zeit lang leiden, damit es der Gesamtheit später u in so besser gehe.

- Was das dritte Planjahr bringen soll, wird man, volkswirtschaftlich gesehen, ebenso als Phan­tasie bezeichnen können, wie die langst vergesse­nen Maximen des ursprünglichen Fünsjahres- plans. Der Eindruck, daß es nur Tendenzen und Ziele sind, die aus propagandistischen und päda­gogischen Gründen unvernünftig hoch geschraubt wurden, verstärkt sich immer mehr, wenn man die Praxis der Theorie gegenüberstellt.Man muß viel fordern, wenn man etwas erreichen will , so argumentiert man in Moskau. Der Kontrahent,

' Der Schnee knirschte unter den Füßen und der Atem verwandelte sich im Ru in Rebelwolken als man sich zur Eröffnung des ZIK. des Zentralen Exekutivkomitees, nach dem Kreml aufmachte. - Wer den Moskauer Ianuar- Zrost kennt, weih, daß man fich ganz in feinen Pelz einwickeln, die Pelzmütze tief in die Augen ' drücken und die Pelzhandfchuhe Hochziehen muh, im den Angriffen der Kälte mit Erfolg trotzen zu i 'önnen. Denn sie ist tückisch, diese sibirische Kalte ui Moskau. Ehe man sich dessen versieht, und afone daß man's merkt, ist die Rase weiß. Reiben Sie, Towarischtsch, reiben Sie mit Schnee!", ruft einem irgendein Passant zu.Sonst ist es um Ihre Rase geschehen".

Durch zwei Kremleingänge wurde an diesem Tage der Strom der Teilnehmer an der Tagung gclentt. In langer Reihe stapften die Mehrzahl der Delegierten aus allen Ecken des Reiches, die rÄssj,fchen Presfevertreter und die als Zufchauer zvgelasfenen Arbeiter durch den liefen Schnee zu dem H a u p t t o r, den Troitzkije Worota, «ährend durch einen kleineren Rebeneingang, das Torowihki-Tor an der Südwestecke des Kreml, die ^iitos der Regierungsmitglieder und Partei- spitzen, soweit sie nicht im Kreml wohnen, der fremden Diplomaten und der ausländischen Pressevertreter fuhren. Differenzierung auch hier? In der Tat, schon diese Aeußerlichkeit ist charakteristisch. Hier die oberste Führung von Partei und Regierung und die Ausländer, mit einem Wort die Privilegierten, dort die große Masse der Durchschnittsdelegierten, der Stalin- schen Jasager. Hier der Generalstab, dort die

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und einezwangsweise Kapitalbildung" wird pro­klamiert, um sie in die Tat umzusetzen.

Es ist schwer, heute schon zu sagen, wie weit diese von dem ZIK gutgeheihenen Pläne auch in ihrem beschränkten AuiSmaß Aussicht auf Ver­wirklichung haben. Die Ausschaltung des Geldes als Lauschmittel führt zu den primitivsten For­men des Wirtschaftsverkehrs zurück, wäh­rend der noch immer anhaltende Warenhunger bei der gewaltsamen Abnahme des Getreides dein Dorf die Möglichkeit einer Desriedigung der Le­bensbedürfnisse in halbwegs ausreichendem Maße überhaupt in Frage stellt. Man glaubt aber in Moskau, daß die Grenze der Entbehrungssähß;keit des russischen Muschik noch nicht erreicht ist. Träse das zu und gelänge der Regierung die Durchsüh- rung der für 1932 oder 1933 in Aussicht gestellten zusätzlichen Belieferungen mit Lebensmitteln be­reits in absehbarer Zeit, dann würden sich Aus­sichten auf Ueberwindung des ärgsten Tiefstandes eröffnen. Es kommt alles darauf an. ob das ZIK recht behält, das in seinem Schlußbericht fest- Äellte, daß die größten Schwierigkeiten auf dem Wege zum wirtschaftlichen Umbau der Sowjet­union im zweiten Planjahr gelegen hätten, also überwunden wären.

Unteroffiziere.

Das Zentralexekutivkomitee ist das Parla­ment der Union der Sowjetrepubli­ken. Rach der Verfassung ist Tagungshäusigkeit und Tagungsdauer des ZIK genau sestgrlegt und sind seine Desugnisse im Verhältnis zur Regie- ntng und zur Partei bis ins einzelne umschrieben. Aber diese Verfassung ist zu Lebzeiten Lenins ckusgearbeitet worden, als die Diktatur des Pro­letariats noch nicht die heutige Form erreicht hatte. Stalin, der Absolutist, beruft die Ta­gungen ein, wenn er eine neue nach außen hin sichtbare Bestätigung feiner Politik braucht, unb verhindert s i e, wenn die Gefahr besteht, daß unangenehme Beschlüsse gefaßt werden könnten.

Diesmal verlief die Tagung vollkommen pro­grammgemäß. Die Entwicklung in Moskau ist an einem neuen Markstein angelangt, die Zeit der phantastischen Gerüchte über MoskauerEreig­nisse" ist vorbei, im verflossenen Jahre konnte nicht nur die Opposition der Rechten, sondern auch ihre neue Abart Syrzowscher Prägung, die i('genannte ..Rechts inke", liquidiert werden^d e r F ü n s j a h r e s p l a n ist in ein neues Sta­dium eingetreten, das neue Beschlüsse und die Ergreifung neuer Maßnahmen erfordert hat, dies alles ist aber bereits geschehen. Dem ZIK blieb nur übrig, zur Kenntnis z u nehmen, einstimmig gutzuheißen und wieder nach Hause zu sahren. Auch diese Rolle des Zentralvollzugs- komitees wurde durch eine Pointe in der Eröff­nungssitzung illustriert. 2n dem goldbeladenen Andreassaal des großen Kremlpalastes waren die 586 Delegierten vor der Zeit versammelt. Ein buntes, farbenpräd)tigce> Gewoge von Vertretern aller Völkerschaften aus allen Teilen des Riefen­reiches. Das Stimmengesumm verstummte, als der Vorstand eintrat, für den an der Längsseite des Saales, dort, wo ehemals der goldene Thron des Zaren Rikolaus 1. stand, eine Holzestrade errichtet war. Unter den Vorstandsmitgliedern befand sich noch nicht Stalin, der ferner Ge­wohnheit gemäß erst zehn Minuten nach dem Klingelzeichen eintrat. Fast unbemerkt schlich er sich zu seinem Platz und nahm diesen, links von dem Kriegskommissar Woroschilow, ein. Un­geachtet dessen, daß inzwischen der ..Mmlsterpra- sident" Molotow feine Rede begonnen hatte,

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Das Parlament im Kreml

Von unterem d!.-Berichterstatter

mir das Verlangte zuschicken.

Bob benahm sich bei unserer Rückkehr, als sei ihm schweres Unrecht geschehen. Er schrie, warf sich an die Erde. Meine Frau bekam es mit der Angst.Er ist so bleich" sagte sie und rang die Hände. Schließlich wurde der Arzt herbeitelepho- niert, der Bettruhe anordnete. Rach einer Woche erhielt ich vom Kaufhaus Bescheid, Anzüge wie ich sie oerlangt hätte, gäbe es nicht, aber wenn ich es wünsche, würde man sie mir anfertigen. Ich bestand darauf, und endlich, an einem sonnen­hellen Sage, erhielt Bob, was er so dringend ver­langt hatte. Meine Frau und ich waren voller Stolz, wir hätten das bunte Ding am liebsten selbst angelegt. Die Sache mit dem Siouxindianer- Häuptlingsanzug ist eine lange Geschichte von wenigstens zehn Kapiteln, ich kann sie hier nicht erzählen. Bob wurde der tapferste Häuptling unserer Straße, fast jeden Tag kam eine entsetzte Mutter oder ein empörter Baier. Fritz sei von Bob mit seinem Bowie Knife (auf deutsch Küchen­messer > verletzt worden. Heinz sei von Bob an den Saum gebunden, gemartert und stranguliert worden. Ich ließ mir Bob kommen und fragte ihn streng, wie er sich unterstehen könne, Heinz zu binden und zu martern. Bob erklärte mir, daß Heinz im Kampf um die Garage gefangengenom­men worden sei. Er, Bob, habe sich größter Mäßi­gung besleißigt, bei den Schwarzfuß Indianern würden die Gefangenen in heißem Oel geröstet, er habe sich damit begnügt, Heinz an einen Daum zu binden und ihn ein wenig zu kitzeln.

Die tollste Geschichte geschah am vorigen Diens­tag. Bob kam nicht zum Abendessen: wir waren in großer Sorge um ihn. Wir suchten die ganze Rachoarschast ab: konnten aber nichts finden Meine Frau rannte in ihrer Aufregung zu Freunden, die und rieten, die Polizei in 2e- |

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