Ausgabe 
22.9.1931
 
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Dienstag, 22. September 1951

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Kr. 221 droeites Blatt

Aus Oer Provinzialbouptstadi

Glehen. den 22. September 1931.

Mondfinsternis am 26. September.

Wenn da» Wetter keinen Streich spielt, wird man in diesem Jahre zum zweitenmal eine totale Mond- smsternis beobachten können. Bei den am 26. Sep­tember emtrelenden Vollmond tritt unser Erddeglei- ter in den Lchattenkegel unsere» Erdballs, der ihm svmit für einige Zeit da» Sonnenlicht raubt, rie erste Berohrung de» Monde» mit dem Halbschatten ist bereit» um 17.41 Uhr. doch ist der Halbschatten tet» nur al» ganz schwache L'idjttrubung der Mond- cheibe zu erkennen. Um 18.2t) Uh« gebt der Mond ür Eudwestdeutschland auf und um 1854 Uhr be- ainnt seine Scheibe in den Kernschatten au treten. Die Totalität beginnt um 20.05 Uhr; während der Totalität leuchtet die Mondscheibe meist im grau- grünen bi» rotlichgelbem Licht, was daher rührt, durch die Lichtbrechung in der Erdatmosphäre immer noch geringe Mengen Sonnenlicht in den Kernschatten abgelenkt werden. Um 21.31 Uhr tritt der Mond wieder au» dem Schatten au», der die Scheibe bann um 22.42 Uhr gänzlich verläßt. und um 23.55 Uhr hat auch der Halbschatten die Mond- obeesläche gänzlich verlassen. Klaren Himmel vor- ausgesetzt, kann also die Erscheinung bequem in den Abendstunden verfolgt werden. Bietet sie schon dem unbewaffneten Auge ein eindrucksvolles Bild, so zeigt schon «in kleines Fernrohr noch viel besser das Weiterwandern des Erdschattenrande» Über die Ge­birge und Ebenen der Mondoberfläche.

Taten für Ticnsiaq, 22. September

Sonnenaufgang 6.10 Uhr, Sonnenuntergang 18.25 Uhr. Mondaufgang 17.29 Uhr. Monduntcrgang 0.40 Uhr

1792: der französische Nationalkonoent proklamiert die Republik; 1862: Aushebung der Sklaverei in Amerika durch Abraham Lincoln.

e

D i e Deutsche Volk-Partei. Orts­gruppe Gießen, veranstaltete am Samstag­abend im Restaurant .Hindenburg" eine sehr gut besuchte AbschiedSseier für ihren nach Hannover verzogenen früheren Provinzialgeschäftsführer Dr. W e i S h e r. Der OrtSgruppen-Dorsihendc. Oberreallchrer Appel, entbot in seiner Be­grüßungsansprache Herrn Dr. WeiSher, dem LandeSparteivorsihendcn Bürgermeister Dr. Rie- p o t h und einigen weiteren Ehrengästen beson­deren Willkommengruß, und vermerkte dann mit Genugtuung den starken Besuch der Deranstal- tung, der ein eindrucksvoller Beweis dafür fei, wie eng sich die Parteimitglieder mit ihrem trüberen Parteigeschäftsführer verbunden fühlen. Der LandeSpartcivorsitzendc, Bürgermeister Dr. Riepoth (Schlitz), würdigte im Hamen der Deutschen Boll-Partei in Hessen daS Wirken des Scheidenden und dessen große Verdienste be­sonder- um die DDP. in Oberhessen, die er sich während seiner sechsjährigen Tätigkeit alS Pro- vinzialgcschäftSführer erwarb, mit warmen Wor­ten der Anerkennung. Gleichzeitig brachte er feine und der Parteifreunde volle und herzliche Sympathie für den Menschen W e i s h c r zum Ausdruck, dessen ausgezeichnete persönliche Eigen- schäften den oberhessischen Parteifreunden stets so gut in Erinnerung bleiben würden wie die Verdienste, die er sich als Parteibeamter um die Deutsche Volk-Partei erworben habe. Schließ­lich sprach er Herrn Dr. Wei Sh er namenS der DDP. in Hessen herzliche Wünsche für seinen weiteren Leben-Weg aus. Auf den gleichen war­men Ton der Anerkennung und der persönlichen Verehrung für den scheidenden Mitarbeiter war die Ansprache deS Gießener OrtSgruppenvorsihen- den, Obcrreallehrers Appel, gestimmt, der dabei

auS Vielsacher engfter Zusammenarbeit über die hingebungsvolle Arbeit Dr. WeiShcrS urteilte und ihm in herzlichen Worten die dankerfüllte An­erkennung und Wertschätzung der Parteifreunde in Gießen auSsprach. Stadtratsmitglled Horn als Vorsitzender der Deutschen DolkSpartei im Gießener Stadtrat schloß sich den Dankesworten und dem Urteil der Vorredner über daS Wirken Dr. WeiSherS in vollem Umfange an, wobei er insbesondere die freiwillige und stets sehr sorgsame, wertvolle Mitarbeit deS Scheidenden auf kommunatpolitischem Gebiet mit voller An­erkennung hervorhob. Worte deS Danke- und der Anerkennung sprach ferner der Vorsitzende der Ortsgruppe Grünberg der DVP., Herr Buß, weiter sprach noch mit warmer Anerkennung Landgerichtsdirektor S ch u d t (Gießen), der dem Scheidenden für sein ferneres Leben ebenfalls alles Gute wünschte. Dr. Wei Sher gab in herzlichen Worten seiner Dankbarkeit für die ehrenvolle Abschied-feier und für die vielfache Unterstützung während seiner sechsjährigen Tätig­keit in Ober Hessen Ausdruck. Frau Landgerichts­direktor S ch u d t erfreute im Verlaufe de- Abend- mit mehreren schönen Gesangsvorträgen, Fräulein Reallehrerin V e l k e bereicherte den Abend durch Klavierspiel, und einige junge Damen brachten in scherzhaftem Gesangsvortrag EmsteS und Heiteres auS dem Leben eines ParteigeschästSführers nett zu Gehör. Der Abend verlief in allen Teilen stimmungsvoll, er war eine eindrucksvolle Dankes- und Sympathiekund­gebung für den scheidenden Geschäftsführer.

** Don der Heilsarmee. Für den Samstag hatte die Heilsarmee in Gießen zu einem Vortrags- abend in die Turnhalle am Oswaldsgarten eingeia- den. Die Veranstaltung war gut besucht. Komman­deur Friedrich (Berlin), der Leiter der Heils­armee in Deutschland, der schon seit langer Zeit im Dienste der Organisation steht, erzählte in ungezwun. gtner Form von seinen vielen Erlebnissen während einer 40jährigen Tätigkeit im Dienste der Nächsten­liebe. Er versetzte die Zuhörer im Geiste zunächst nach Kanada und schilderte die Arbeit der Heils­armee unter den dem Trunk ergebenen Holzfällern und Cowboys; er sprach von den unsäglichen Leiden und Entbehrungen der Goldsucher, denen zu helfen die Heilsarmee stets bemüht war; der Vortragende verstand es weiter, mit lebendigen Worten die Erd­bebenkatastrophe auf Jamaika im Jahre 1907 zu schildern und einen Eindruck von dem Ausmaß dieser Naturkatastroohe zu geben. Nicht weniger interessant waren seine Ausführungen über Indien, über das Volk, über die geistige Haltung der Inder, und über das namenlose Elend der Parias, der Bettler und der unteren Kasten in diesem Volke. Gleichzeitig be­richtete er von den Bemühungen der Heilsarmee, diesen Aermsten der Menschheit in großem Nahmen zu helfen. Erschütternd waren seine Ausführungen über die Arbeit an den Leprakranken. Schließlich sprach der Vortragende noch über Japan und China und beschloß seinen Vortrag mit dem Hinweis, daß der Heilsarmee neben der Liebestätigkeit, die sie übe, letzten Endes nur das eine Ziel vor Augen schwebe, die Menschheit zu Gott zu führen. In diesem Sinne wurde der Abend mit Ansprache, Musik, Gesang und Gebet beschlossen.

Amtsgericht Gießen.

Ungetreue Provisionsreifende find eine Gefahr für die reellen Kaufleute und Fabrikanten, die auf Reisende angewiesen find, nicht allein in geld­licher Hinsicht, sie gefährden auch den guten Ruf ihrer Geschäftsherren. So erklärte in einer Ge­richtsverhandlung und wohl auch anderswo ein des Betrugs angeklagter Provisionsreisender, er habe zwar, um die entsprechende Provision zu erhalten. Kundenausträge erdichtet, aber sein Prin-

Das bißchen Erde.

Vornan von Richard Slowronnel.

Copyright by I. Engelhorns Nachf.. Stuttgart.

88 Fortsetzung. Nachdruck verboten

Sie lief durch alle Zimmer mit ihren kleinen Füßchen, so rasch, daß der alte Lenh mit der Lampe kaum folgen konnte.Himmlisch", sagte fie zu allen steifen Möbeln und den dunkeln Bildern an den Wänden,wie aus einem alten Märchenbuch geschnitten ist das" ...

Danach saßen sie an dem runden Tisch auf der Diele, er wie ein Scheunendrescher, denn er hatte ja einen Fastentag nachzuholen, und keine Sorge mehr beschwerte ihm den Sinn, verschlug ihm den Appetit ... Sie aber nippte nur an einem Glase Wein, und mit einem Male sagte fie leise:Schick doch diese lästige Alte fort! Wie eine Ohreule steht sie da, paßt auf jedes Wort" ... Denn er war nämlich auf die vor­treffliche Idee gekommen, die Miken auf der Diele auszustellen, als Ersah für die mangelnde Anstandsdame gewissermaßen ...

Er schüttelte den Kopf.

..Verzeih. Liselottchen, aber das geht nicht. Du mußt dich hier schon ein bißchen unfern alt­modischen Anschauungen anbequemen. Du bist meine Braut, und sie müßte ja vor ihrer zu­künftigen Herrin den Respekt verlieren, wenn wir hier allein tafeln würden wie ein leichtfertiges Liebespaar" ...

-Du hast recht", sagte sie, trank ihm mit freundlichem Lächeln zu. Richt lange danach aber verspürte sie ein plötzliches Kopfweh, wohl noch von dem Sturze her. und da drängte er selbst zum Aufbruche. Damit sie nur ja nicht an ihrer Gesundheit Schaden nähme ...

Schweigend fuhren sie über den See. schwei­gend stiegen sie aus und gingen an der nichtigen ^ichtenschonung entlang, bis im Alten-Krakower Schlosse die Lichter aufblihten. Er hatt ein paar­mal besorgt gefragt, ob sie arge Schmerzen hätte, sie hatte nur abweisend den Kops geschüttelt, es wäre nicht so schlimm. Da überkam ihn ein Ban­gen. ob er irgend etwas bei ihr verfehlt hätte, aber sie beruhigte ihn. es wäre nur die Sorge um die Zukunft, die sie so einsilbig machte. Aber er sollte sich darum nicht kümmern, sie würde es schon durchfechten ...

Er umfaßte sie, zog sie an sich.

..Komm, ich gehe mit dir nach Berlin, damit du nicht allein bist. Den widerwärtigen kleinen Tropf, dessen Ramen du trägst, um den küm­mern wir uns nicht. Vor deinen Vater aber tre­ten wir hin, Hand in Hand ... er wird nicht

nein sagen, wenn er sieht, wie rein und ehrlich wir uns lieben ...

Sie reckte sich zu seinem Munde, küßte und biß ihn fast .. .

,.O du lieber großer, dummer Junge du ... Wie du dir alles vorstellst!" ...

Sie schlüpfte aus seinen Armen, eilte davon. Roch ein halbes hundert Schritte konnte er sie sehen, dann entschwand sie ihm in der Dunkel­heit ... ilnö schon hatte er sich zur Heimkehr gewandt, da kam es wieder heran auf leisen Soh­len ... er schrak heftig zusammen, als sie ihn mit ihrem feinen Sümmchen anrief. Sie stand verschämt da mit niedergeschlagenen Augen:Ver­zeih. aber das ist unter Brautleuten wohl so... einmal Adieu sagen reicht nicht für eine lange Rächt" ...

Da standen sie lange in seliger Umschlingung, tauschten Schwüre und Küsse, bis plötzlich ein Windstoß durch die Wipfel fuhr ... schwere Regentropfen fielen auf die trockenen Blätter, die den Boden bedeckten. Da schauerte sie zu­sammen, entwand sich ihm.

Gute Rächt ... gute Rächt und adieu ... und, bitte, laß mich jetzt gehen ... morgen abend wieder warte ich hier auf dich.....

Zwei Abende war er vergeblich hinausgefah- ren, am dritten Sage endlich war der Brief ge­kommen. er sollte sie vergessen ... Aber das ging nicht so rasch. Ein Menschenherz war keine Schiefertafel, übet die man mit einem nassen Schwamme fuhr alles war ausgelöscht ...

Und in den Stunden der Verzweiflung fragte er immer wieder, warum gerade ihm das? Wes­halb schlug ihn gerade bad Schicksal mit so harter Hand? War er denn so viel schlechter als all die andern ringsum? ... Die jungen Herren von Adel aus seiner Bekanntschast spielten und tran­ken, liefen leichtfertigen Abenteuern nach, scher­ten sich um Tod und Teufel nicht, und es ging ihnen gut! Gr aber hatte seines Wissens doch immer einen leidlich anständigen Lebens­wandel geführt, weshalb also ersann das Wesen da oben, das die Menschengeschicke lenkte, immer neue Strafen für ihn? ... Wenn es ihn ge­wissermaßen mit Gewalt auf den dunkeln Weg drängen «vllte. den er bisher gemieden hatte, weshalb hatte es ihn da überhaupt auf die Welt kommen lassen? ... Auf die Fragen wußte er keine Antwort, und keine Menschenseele war ringsum, mit der er sich aussprechen konnte ... Die Einsamkeit würgte ihn zuweilen, daß er fast schreien muhte vor Angst, und mehr als einmal hatte er in dieser Zeit den kalten Lauf der Waffe schon an die Schläfe gesetzt ... Eine Art von Trotz nur hielt ihm im letzten Augenblicke die Hand und eine Reugierde. welch einen neuen Schlag das Schicksal für ihn wohl noch in Be­reitschaft hielt ...

Aipal fei damit einverstanden gewesen in dem Ge­danken. die angeblichen Besteller würden schließ­lich doch bie Waren annehmen, sein Kundenkreis würde dadurch vermehrt und sein DeschästSteil- haber auf diese Weise über den wahren Umfang des Geschäft- im Unklaren gelaffen. All da- war erlogen. Der noch nicht vorbestrafte Angeklagte erhielt für sein verwerfliche- Geschäftsgebaren eine namhafte Geldstrafe. Eine weitere Geldstrase zog er sich durch Unterschlagung zu. indem er Rechnungsbeträge sür seinen GeschästSherrn ein- kassierte und für sich behielt. Eine Inkassovollmacht besah er nicht. Ende April L 3. waren nacht- zwei Studenten, von ihrem Verbindungsbaus kommend, in der Kaiserallee auf dem Heimweg begriffen, alS ihnen eine Anzahl Arbeiter be­gegnete. Es kam zu Anrempeleien, diesen folgten gegenseitige Vorwürfe, und hiervon die Folgen

von einer Schlägerei, die nur zum Teil aufgeklärt werden konnte. Die ersten Schläge, vielleicht auch Stiche, erfolgten durch zwei Arbeiter unter An­wendung irgendeines harten Gegenstände-, mög­licherweise eme- Schlagrings, auf die Köpfe ihrer Gegner. Einer der beiden Täter hatte selbst zu­gegeben, im Besitze eine- Schlagring- zu sein, erklärte aber, ohne daß der Rachwet- des Gegen­teils geführt werden konnte, diesen nicht benutzt zu Haven. Zur Bestrafung auf Grund des Ge­setze- gegen den Wallenmißbrauch genügt aber schon der bloße Besitz einer Waffe außerhalb der Behausung ihre- Träger-. Er erhielt eine Geld­strafe von 20 Mk. und den beiden wegen Ro­heitsdelikten noch nicht vorbestrasten Angeklag­ten trug die von ihnen begonnene Schlägerei un­ter Annahme mildernder Umstände eine Geld­strafe von je 25 Mk. ein.

SJ-fporf

Gerhart) (1900) Zweiter im österreichischen Marathonlauf.

Unter starker internationaler Beteiligung brachte der Oesterreichische Verband am Sonntag zum ach­ten Male seinen Marathonlauf der bekannten 42- Kilometer-Strecke Wien Tullnerbach Preßbaum und zurück zur Durchführung. Von den deutschen Vertretern hielt sich noch Gerhard (Gießen) am besten, der von Beginn an hinter dem vom Start weg führenden Wiener Tuschek lag und auch nach dem 30. Kilometer für kurze Zeit in Front lag. Aber schon 1000 Meter weiter mußte er Tuschek passieren lassen, der schkießlich überlegen in der guten Zeit von 2:40:42 mit fast acht Minuten vor Gerhard als Sieger das Ziel passierte. Als weitere Deutsche belegten der frühere Marinemeister Rreg- linger (Wilhelmshaven) den fünften Platz und Schulze (Zittau) konnte sich unter 27 Konkurrenten noch als neunter placieren.

Ergebnis: 1. Tuschek (Wien) 2:40:42 ; 2. Paul Gerhard (Gießen) 2:48,25 ; 3. Klein (Prag 2:50:55; 4. Zelenka (Ungarn) 2:55:40 ; 5. Kreglinger (Wil- helmshaven) 2:56:20; 9. Schulze (Zittau) 3:10:30.

Bemerkenswert ist die Tatsache, daß Gerhards Zeit nur um 1 Minute und 6 Sekunden schlechter ist als die des Deutschen Marathonmeisters de Bruyn, der die Strecke in 2:47,16 zurücklegte. Gerhard dürfte mit seiner Leistung vom Sonntag in die 5-Bestenliste für 1931 aufgenommen werden und an zweiter Stelle hinter de Bruyn rangieren. Die Liste hatte bisher folgendes Aussehen: 1. de Bruyn (Neu- york) 2:47:19,3; 2. Geißler (SCC.) 2:48:37,4; 3. Wandrer (Potsdam) 2:49:09,6; 4. Boß (Berlin) 2:52:05; 5. Zeilenhofer (München) 2:55:27,2.

Für den 1900er bedeutet der in Wien errungene zweite Platz einen außerordentlichen Erfolg, den er seinem zielbewußten Training und seiner ungewöhn­lichen Energie verdankt.

Tagung dermittelrheinischenTurnpreffe

In Koblenz fand am Sonntag die aus allen Gauen des Mittelrheinkreises der DT. sehr gut be­schickte diesjährige Kreispressetagung unter dem Vorsitz des Kreispressewartes W. Wollen- berg (Frankfurt a. M.) statt. Die hohe Bedeutung, die man heute dem amtlichen Pressewesen der DT. beimißt, zeigte sich darin, daß außer Gau-, B^irks- und Vereinspressewarten auch Mitglieder des Sireis- Vorstandes und verschiedene Kreisfachwarte erschie­nen und sich mit Interesse an den regen Aussprachen beteiligten. Nach der Begrüßung durch den Streis- pressewart und den zweiten Kreisoertreter, Stu- dicnrat Anton Müller (Andernach), und nach

Genehmigung des vom Kreispresiewart erstatteten Jahresberichts füllten eingehende Beratungen über die Pressetätigkeit im Kreis und in den Gauen, insbesondere über die Zusammenarbeit mit den Fachwarten, den Hauptteil der Tagesordnung au». Dabei wurde dankbar anerkannt, daß das Verhält­nis zur Tagespreise sich weiter gebessert Hal und viele Zeitungen, besonder» auch im Gau Hessen, in ihrer Berichterstattung auch die volkserzieherifchen Aufgaben der Leibesüoung treibenden Verbände unterstützten und sördern. Ein Vorschlag, den Zei­tungsverlagen und Schristleitungen, die jahrein, jahraus sich opferwillig in den Dienst der Tumfache stellen, die ideelle Anerkennung durch Verleihung des Ehrenbriefs nicht zu versagen, sand lebhafte Zustimmung. Die vom Pressewart der DT. geplante Herausgabe eines Pressehandbuchs wurde begrüßt und beschlossen, daß der Streis auf je 1000 Mitglieder ein Stück des Werkes übernimmt und auf die Gaue verteilt.

In Aussicht genommen ist die Gründuna einer Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Verein»Deut­sche T u r n p r e f s e", die auch die größeren Orte der näheren und weiteren Umgebung einschlleßen soll. Ein Kreispresselehrgang zur Heranbildung eines geeigneten Nachwuchses im Turnpressewesen ist im Laufe des Winters vorgesehen, während die nächstjährige Tagung der Gaupressewarte in Trier der Vorbereitung des Kreisturnfeftes dienen soll. Gegen ein Zuviel turnerischer Veranstaltungen im nächsten Jahr wurde in einer Entschließung einstimmig Stellung genommen. Diese fordert von der Streislcitung, daß die Veranstaltungen in den Gauen und im Streis, vor allem auch die kreisoffe­nen Wettkämpfe, auf ein Mindestmaß beschränkt werden, damit sich die wirtschaftliche Straft der Ver­eine ganz dem Kreisturnfest in Trie r zu- wenden könne, das durch stärkste Beschickung aus dem ganzen Kreisgebiet zu einer eindrucksvollen tur­nerischen und vaterländischen Kundgebung in der Westmark des Reiches gestaltet werden müsse. In dem Schlußwort des Kreispressewartes überffDeg- bereitende Pressearbeit" fand die arbeitsreiche Ta­gung einen eindrucksvollen Ausklang.

S'/r stündiger Gegelflug in Hirzenhain

Am Sonntag wurden auf dem hiesigen Segel- flieger-Schulungsgelände nicht weniger als 41 Starts ausgeführt. Die Sensation des Tages war wieder der Aufstieg des wagemutigen Fliegers Freusberg, dem wieder ein großer Schlag gelang. Er konnte nicht weniger als 5 Stunden 22 Minuten in der Lust bleiben und schlug damit seinen eigenen Dauer­flugrekord und den der Fliegerschule Hirzenhain um Taft zwei Stunden.

Eines Abends der Tag seiner Abreise jährte sich gerade zum zweiten Male kam er von seiner gewohnten Fahrt auf dem See zurück. Es graute ihm ordentlich vor den langen Stun­den in seinem einsamen Schreibzimmer ... Lesen konnte er nicht, dazu jagten ihm die Gedanken zu unruhig hinter der Stirn es blieb nur der Trunk ... Der gute alte Rotwein, der noch vom Vater her im Keller lag ... Bei der ersten Flasche spürte man noch nicht viel, aber bei der zweiten wurden einem die Augenlider schwer, man sagte:Gute Rächt, Lenh" und ging stumpf­sinnig zu Bette ... Der Hühnerhund Hektor legte sich als Wächter auf die abgewetzte Keiler­schwarte, und ein paar Stunden lang hatte man Ruhe vor allem Grübeln und Denken ...

Auf der Diele brannte längst schon die Lampe, auf dcm runden Tische in der Mitte wartete das Rachtessen. Vom Kamin her trat ein schmächtiger junger Mensch in den Lichtschein.

Guten Abend, Gräf lein! Und höchste Zeit, daß Eie kommen. Ich hab' einen Hunger wie ein Wolf. Lange hält' ich's vor all den Herrlich­keiten da nicht mehr ausgehalten!"

Er stutzte erst einen Augenblick, dann schrie er auf:

Peter Rägelein! Malerchen! Wie kommen S i e hierher?"

Der Kleine schüttelte ihm die Hand.

MerschtendcelS zu Fuß. Ich hab' mich so durchgemalt von Basel über Frankfurt und Ber­lin bis hierher. Es gibt noch immer Leute, die sich für zehn Mark pro Kopf porträtieren lassen. Und Sie hatten mich doch in Genua feierlichst eingeladen damals?!" ...

Aber natürlich, und ich freue mich von gan­zem Herzey" ...

Ra sehen Eie", sagte Peter Rägelein,diese Einladung war mir, wie irgend ein Dichter sagt, der Leuchtturm am Meere meines Lebens. Und jetzt werden Eie mich überhaupt nicht mehr los, hier bleibe ich, bis ich ein berühmter Mann und Präsident der Akademie geworden bin! Eie hät­ten damals vor Tabora nicht so leichtsinnig sein sollen" ...

Aber Peterchen", erwiderte Malte fröhlich, Eie halten wieder Dolksreden! In der Zeit hätten Eie schon längst einen kleinen Elefanten verehrt haben können! Und besinnen Sie sich noch, wie Ihnen der lange Rueder Gott hab' ihn selig das Antilopensteak vom Teller stahl? Weil Eie mit der Gabel immer in der Luft her­umfochten und begeistert die Farben eines Son- nenuntergangs schilderten?" ...

Wird mir so leicht nicht wieder passieren", sagte der Kleine, fing an zu futtern wie ein hungriger Wolf, der aus Polen kam. Und wäh­rend er sich von dem sanft geräucherten Schweine­schinken ein schier daumendickes Stück schnitt, be­

gann er zu erzählen, wie es ihm seit der Tren­nung ergangen war. Die dreihundert Mark, die ihm Malte in Genua geliehen, hatte er nicht lange in der Tasche behalten. Bi- Berlin sollten sie reichen, aber da ging zufällig ein Zug nach Monte Earlo, und iym kam der Gedanke, das wäre ein Wink des Schicksals. Dreihundert Mark waren ein Riesengeld, wenn man nur ein biß­chen Glück hatte, konnte man damit die Dank sprengen ... In München nachher von seinen Renten leben in einer wunderbaren Marmor­villa, keinen Kitsch mehr malen, sondern nur das, wozu der Heilige Geist einen trieb. Und es hatte ja genug Leute schon gegeben, die den Räubern in Monte Earlo erheblichen Gewinn abjagten ... Aber es kam natürlich wieder ein­mal anders. Schon in der ersten halben Minute war die Marmorvilla flöten, es fiel schwarz statt rot, fein Geld wurde mit einer langen Harke sortgescharrt. Weil er sich nämlich mit Kleinigkeiten nicht abgab, hatte er die drei­hundert gleich auf den ersten Schlag gesetzt. Da sah er, daß das Schicksal ihm nicht wohlwollte nach alter Weise, aber ein Glück war immerhin noch dabei, daß man nämlich in welschen Lan­den nach Franken rechnete, nicht nach den Mark­stücken, die er sich gepumpt hatte. Der Wäh­rungsunterschied war ihm verblieben, und er widerstand der Versuchung, den Bau der Dllla von neuem in Angriff zu nehmen es war doch kein ganz sicheres Geschäft! Die paar Gro­schen aber reichten wenigstens bis Deutschland zurück. Da verstanden einen die Leute doch, wenn man ihnen auseinandersehte, wie jammerschade es wäre, wenn ihre charakteristischen Züge nicht der Rachwelt erhalten blieben ...

Peter Rägelein ging von dem Schinken zur Lcberwurst übet, wandle sich später dem bräun­lichen Spickaal zu, dem kalten Lammbraten, der rosigen Mettwurst und dem milden Käse schier unglaublich war es, was alles in den spindel- dürren kleinen Kerl hineinging! Und während er eifrig kaute, erzählte er weiter. Wie er quer durch Deutschland gezogen, immer dem gesegneten Mecklenburg zu, um hier bei freier Verpflegung feine Schuld abzuarbeilen. Für die dreihundert Mark nämlich wollte er seinen Gastgeber zwei­mal porträtieren. Einmal als Kniestück und zum zweiten hoch zu Roh für die Ahnengaierie. DaS würde so ungefähr den Sommer über dauern, dann aber hoffte er, dank Maltes gewichtiger Empfehlung, auf weitere Arbeit in den Schlös­sern ringsum. Zu höheren Preisen natürlich, aber immer beifreier Station". Seit er ge­sehen, wie herrlich man hier lebte, gedächte er aus diesem gesunden Ländchen so bald nicht wieder hinauszugehen. Und schließlich wäre es ja auch egal, wo man sich seine Marmorvitta verdiente ...

(Fortsetzung folgt)