N
Samstag. 21. November 1931
Nr. 275 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Wirtschaft
Seltersweg 81
te
* -
kitt.
sich mit gehen!" auf der
Tränen.
„Daß du mir bleibst! Nicht vor mir hauchte sie, „ich habe ja sonst nichts Welt als dich."
Sie wollte ihn nicht von sich lassen.
Wie schwer war ihr mit einem Male das Herz geworden! 3hr war, als schwebe drohend etwas Unheilvolles auf sie zu. Wie liebte sie doch den Mann, untrennbar gehörte er zu ihr. Sie konnte sich ihr Leben ohne ihn nicht denken! Mit bangen Augen sah sie seiner hohen, etwas vornübergeneigten Gestalt nach, als er hinausging, llnö dann lag sie noch lange wach: der Schlaf blieb ihren Augen fern. Sie lauschte auf die Stimmen der Nacht, die sich erhoben — es waren klagende, leise Stimmen, die fie unendlich peinigten. Sie wollte aufstehen, doch fand sie nicht den Mut und die Kraft dazu: es war, als hielte man fie mit eisernen Klammern im Bett fest.
(Fortsetzung folgt)
Vorwärtsstrebende rk Belohnung kostenlos durch: Lc°.z Berlin SW n
borg wird alles für dich erledigen und dein Vermögen weiter verwalten — ihm kannst du unbedingt vertrauen! In dem Ebenholzkasten mit den Perlmuttereinlagen liegen alle wichtigen Papiere, auch die meine Familie und deine Ansprüche betreffenden. Mein Testament besagt, daß du meine Universalerbin bist — ich will dir dadurch meine schrankenlose Dankbarkeit für deine Liebe zeigen! Wie du dich später mit meiner Familie auseinandersetzen wirst, überlasse ich deinem Gerechtigkeitssinn! Vornehme Leute streiten nicht um Nachlasse!"
2hre Angst nahm bestimmtere Gestalt an, als sie in sein Gesicht blickte — er sah so anders aus: beinahe überirdisch leuchteten die dunklen Olugeru Das seine durchgeistigte Gesicht war so bleich mit einem fremden scharfen Zug um Mund und Nase, und seine Worte waren wie die eines Menschen, der mit dem Leben abgeschlossen!
„Sascha, das interessiert mich jetzt alles nicht, du darfst nicht so sprechen!" rief sie angstbebend.
„Man weih nicht, wie es einmal kommen kann! Du sollst von allem unterrichtet sein, meine Angela!"
Sie richtete sich ganz auf, nahm seinen Kopf in ihre beiden Hände und forschte in den geliebten Zügen.
„Du bist leidend, Sascha, und verheimlichst es mir! Ah, wir sind zu lange in Indien gewesen, dann noch immer weiter in Asien gereist, trotz deiner Fieberanfälle, und nun machen sich die Folgen bemerkbar! Versprich mir, Sascha, zu einem Arzt zu gehen."
Er verschloß ihr den Mund mit einem Kuß.
„Du hast keinen Grund zur Besorgnis, Angela! Ich fühle mich wie immer! Nun schlafe gut! Verzeihe, daß ich dich so spät noch gestört habe, aber es trieb mich zu dir!"
waren sten Preisen,
Sie bitte beachten Qualitätswaren zum
Sie zog seinen Kopf zu sich herab und preßte ihn an ihre Brust. Ihre Augen füllten
der starken Zurückhaltung mehr in Erscheinung. Die Umsahtätigkeit bewegte sich in sehr engen Grenzen.
Am Brotgetreidemarkt gaben Weizen um 7,50 Mk., Roggen um 2,50 Mk. per Tonne nach. Angesichts des schwachen Mehlgeschäfts schritt man nur zu den notwendigsten Käufen. Weizen stellte sich auf 230 Mk. und Noggen auf 225 Mk. per Tonne.
Auch am Gerstenmarkt trat eine Abschwächung um 5 Mk. per Tonne ein, da die Nachfrage der. Brauereien und Mälzereien sehr zu wünschen übrig ließ. Futter- und Industriegerste lag ebenfalls nachgebend; ferner Hafer, der um 2,50 Mk. per Tonne zurückging. Braugerste wurde mit 185 Mk. und Hafer mit 160 bis 170 Mark zur Notiz gebracht.
3m Einklang mit dem Rohprodukt gingen auch die Mehlpreise um 0,50 Mk. zurück, sowohl für Weizen-, als auch für Noggenmehl. Das Geschäft war außerordentlich ruhig, nachdem sich der Konsum in den vorausgegangenen Wochen etwas reichlicher eingedeckt hatte. Weizenmehl (südd., Spezial 0 mit Austauschweizen) notierte 36,50 bis 37,50, (Sondermahlung) 34,50 bis 35,50, (niederrhein., Spezial 0) 36,50 bis 37,25, (Sondermahlung) 34,50 bis 35,25, Roggenmehl 30,75 bis 32 Mk. per Doppelzentner.
Am Futtermittelmarkt hatte sich das Angebot infolge von Abgaben der zweiten Hand etwas verstärkt, so dah die Preise leicht nachgaben. Stärkeres Interesse erhielt sich nur für Biertreber und Rauhfuttermittel, für die die Preise um 0,50 bzw. 0,25 Mk. anzogen.
Am Kartoffelmarkt war die Tendenz ruhig. Der Preis für Industriekartoffeln hiesiger Gegend blieb mit 2,85 Mk. per Zentner unverändert.
Wochenbericht
vom Frankfurter Schlack iviebmarkt.
Arn Frankfurter Schlachtviehmarkt setzte sich in dieser Woche nach den starken Rückgängen in der letzten Zeit eine leichte Erholung des Preisniveaus durch, die in erster Linie auf die wesentlich verminderten Zufuhren zurückgeführt werden muß. Das Geschäft war im allgemeinen etwas besser, so dah nur wenig Ueberstände verblieben. Ob eine nachhaltige Besserung eintritt, bleibt abzuwarten.
Auf dem Grohviehmarkt entsprach der Austrieb mit 1456 Stück (gegen 1928 Stück in der
Polizeihunde auf der Spur.
Inspektor Schellenbaum erzählt. — Oie Hündin „Carmen" gibt eine Vorstellung.
Von Or. (Surf Elwenspoek.
Copyright by Dieck & Co., Stuttgart 1931.
„Ich habe über mancherlei nachgedacht!" bemerkte er.
„Und das möchtest du mir jetzt sagen? fragte sie. m
Sie kannte seine Plötzlichkeit — was ferne Gedanken erfüllte, muhte er mit ihr besprechen, zu welcher Zeit es auch war!
„Wenn du hier bleiben mochtest, Angela, so werde ich dieses Haus, das wir durch Zufall gefunden, auch kaufen; es sagt mir zu. Die Stimmen und Strömungen, die in diesen Räumen auf mich zukommen, find mir sympathisch! Nichts Unreines und Häßliches fühle ich — ich kann hier atmen.“
„Wird das nicht zu teuer fein? Wir brauchen viel Geld —“
„Ich habe immer genügend! Mein Freund, der Bankier Noordendorg in Amsterdam, ist ein geschickter Verwalter meines Vermögens, das er gut angelegt hat. Er spekuliert glücklich, und ich kann ihm alles vertrauensvoll überlassen! Er hat den Dienst nicht vergessen, den ich seinem Sohne geleistet habe, damals, als wir auf Sumatra waren — durch unsere Fürsorge ist der junge Mann doch wieder auf den rechten Weg gebracht."
„Ach ja, ich erinnere mich — der junge Holländer, der in schlechte Gesellschaft gekommen, seine ganzen Geldmittel verloren hatte und dann in schwerem Fieber lag! Du hattest ihm geholfen und seinem Vater gekabelt: wir behielten ihn bei uns, bis Der alte Herr kam —! Wie lange ist das schon wieder her? ' meinte sie sinnend.
„3a, und ihm überlieh ich dann meine Geldgeschäfte. 3ch trug mich damals mit dem Plan zu einem großen Drama aus der Ritterzeit, weiht du es auch noch —?“
Sie nickte leise seufzend. Ob sie noch wußte! Wie hatte er sich doch in diese 3dee verbohrt, und mit welcher Mühe hatte sie ihn unmerklich davon abgebracht.
„So hatte ich es nicht mehr nötig gehabt, mir Geld aus Deutschland schicken zu lassen. Da ich viele 3ahre fern war und die alten Familienbande zerrissen waren, fehlte der Trieb, sie neu zu knüpfen. Käme ich jetzt heim, würde ich nur ein unwillkommener Gast fein! Mögen meine Verwandten denken, ich sei gestorben! Fremd waren wir uns immer! Und als Störenfried mag ich nicht auftauchen! Für dich ist gesorgt, auch wenn ich nicht mehr bin. Da seit vielen 3ahren mein Guthaben auf der Deutschen Dank in Berlin nicht abgehoben wurde, ist es zu einem beträchtlichen Kapital angewachsen, das dich nach meinem Tode vor allem schützt. Du wirst nicht nötig haben, . auf Den gewohnten Luxus, Den eine Frau wie Du braucht, zu verzichten."
„Wie kommst Du auf das alles letzt, Sascha — eine unbestimmte Angst erfüllte fie — wie er nur sprach! GeraDe wie voller ToDesahnungen —.
„Du brauchst dich mit den Kleinlichkeiten des Lä>ens nicht abzumühen l Unser Freund Noorden-
Schädel gehauen und ihm die Brieftasche mit den ncuntgusend Mark geklaut. Der Hieb war etwas kräftig ausgefallen und hatte den Schädel zertrümmert; der arme Stein war tot. Außer der Brieftasche fehlte auch sein altmodischer Spazierstock mit Elfenbeinkrücke. Spuren gab es keine, also setzten wir mal Den Hund an."
„Und der hat den Täter gefunden und verbellt?"
„Nein, eben nicht, Verehrtester. Ich habe Ihnen doch gerade erzählt, daß sowas fast ausschließlich im Film oorkommt. Aber etwas anderes hat der Hund gemacht. Er hat nämlich in einem Gebüsch, etwa zweihundert Meter vom Tatort entfernt, den Spazierstock des Toten gefunden. Der hat den Spitzbuben offenbar gefallen, und sie haben ihn ein Stück weit mitgenommen. Dann aber ist ihnen der auffallende Stock doch wohl etwas heiß vorgekommen und sie haben ihn sorgfältig im Gebüsch versteckt, so gut, daß ein Mensch ihn nie gefunden hätte. Aber der Hund hat ihn herausgeschnüffelt."
„Und was nützte Ihnen der Stock?"
„Sehr viel, um nicht zu sagen alles. Denn an der Elfenbeinkrücke hatte einer der Herren Täter zwei prachtvolle Fingerabdrücke zurückgelassen. Um 11 Uhr hatten wir den Stock, um 12.30 Uhr wußten wir, wer der Junge war und wo er verkehrte, und um 16 Uhr habe ich ihn in einer kleiner Kneipe in der Münzstraße verhaftet. Der war platt, kann ich Ihnen sagen! Er versuchte gar nicht erst zu leugnen, sondern starrte mich bloß Dumm an unD sagte: „Wie habt Ihr Det nu wieder rausjekriegt!"
******
_. 6.H-
14«e
,iPiig-£u
Was ich Draußen auf Dem Uebungsplatz an Leistungen Der Polizeihunde zu sehen bekam, ließ die kritische Zurückhaltung meines Führers einigermaßen unbegründet erscheinen. Die Gehorsamsübungen, Die Sprungleistungen, Die Dressur auf Den Mann flößte schon allen Respekt ein. Aber die Spür- lcistuna der Hündin Carmen war geradezu erstaunlich. Vier Stunden zuvor war durch einen Beamten eine Spur gelegt worden, das heißt der Mann hatte einen etwa zwei Kilometer langen Zickzackweg, der durch Wald, Heide, Wiese, Sumpf, Landstraße führte, zurückgelegt und dabei in größeren Abständen Holzstücke, Knöpfe, Papierfetzen und dergleichen fallen lassen. Diese Route, die wir von unserem Standpunkt aus verfolgen konnten und die zur Kontrolle auch in eine Kartenskizze eingetragen war, sollte der Hund nun aufspüren. Ohne Hast, mit einer fast hypnotisch anmutenden Konzentration, folgte das Tier der Fährte, blieb mitunter stehen, lief zurück und prüfte mit der Nase von neuem. Durch einen Zufall war unser Auto gerade auf die Spur zu stehen gekommen. Der Hund stutzte; unten hindurch konnte er nicht, und so entschloß er sich nach einigem hin und her den Wagen zu umkreisen und fand auf Der anderen Seite die Spur sehr bald wieder. Jeden Der von Dem Fährtenleger hingeworfenen GegenstänDe apportierte Das schöne Tier unD ließ sich erstaunlichcrweise von Der richtigen, vier StunDen alten Fährte nie daDurch abbringen, daß Der Urheber der Spur seine eigene Fährte später, in unserer Gegenwart, wiederholt gekreuzt hatte.
Inspektor Schellenbaum, Der meine Begeisterung wohl merkte, meinte Dazu: „Gewiß, die Hündin arbeitet ausgezeichnet. Aber in der Praxis, wenn Die Spuren noch älter sind und dutzende mal von anderen gekreuzt wurden,'sieht die Sache doch anders aus. — Uebrigens ist der größte Teil der Hunde gerade dienstlich unterwegs, und zwar, wie
Oie Getreideernte in Hessen.
Nach der Ernteschätzung des hessischen Landesstatistischen Amts ergab sich in Hessen im Jahre 1931 eine Weizenernte von knapp 68 000 Tonnen Winterweizen, gegen 61 300 Tonnen im Vorjahre. Der durchschnittliche Ernteertrag pro Hektar war nur geringfügig höher als im Vorjahr, dagegen hat sich die Weizenanbaufläche um rund 7 Prozent ausgedehnt. Die Ernte an Winter- r o g g e n belief sich auf 80 000 Tonnen (105 200 Tonnen). Die Roggenanbaufläche ist fast um ein Sechstel zurückgegangen, auch der durchschnittliche Ertrag pro Hektar ist von 17,3 auf 16,0 Doppelzentner gesunken. Die Sommergerstenernte ist mengenmäßig besser ausgefallen, nämlich 108 700 Tonnen gegenüber 87 000 Tonnen im Vorjahre. Hier war die Anbaufläche um mehr als ein Zehntel gestiegen, ebenso der durchschnittliche Ertrag pro Hektar. Die Haferernte mit 92 000 Tonnen liegt etwa 4 Prozent höher als im Vorjahr, wo sie rund 88 000 Tonnen betragen hatte; auch die Anbauflache hatte sich um das gleiche Ausmaß ausgedehnt; der Ernteertrag pro Hektar war nahezu unverändert. Erstmals wurde auch eine Schätzung der Qualität d e r Sörnerfrud)t ernte mit Hilfe der Landwirtschaftsämter durchgeführt. Danach waren von der Ernte an Winterweizen 21 Prozent qualitativ gut, 35 Prozent mittel und 44 Prozent gering, bei Winterroggen 46 Prozent gut, 34 Prozent mittel und 20 Prozent gering, bei Sommergerste je 34 Prozent gut und mittel, 32 Prozent gering, bei Hafer 12 Prozent gut, 30 Prozent mittel und 58 Prozent gering. Qualitativ ist sonach die Hafer- und auch die Weizenernte in Hessen schlecht ausgefallen.
Wochenbericht
vom Frankfurter Produktenmarkt.
Der Frankfurter Getreidernarkt verzeichnete infolge Des Preußischen Buß- und Bettages in dieser Woche nur einmal Markt. Nachdem schon Die Vorwoche im Anschluß an Die starken Steigerungen eine merkliche Beunruhigung gebracht hatte, erfolgte in diesem Berichtsabschnitt ein fühlbarer Rückschlag. Das Preisniveau hat allgemein eine Ermäßigung erfahren, da die Käufer weitgehendste Zurückhaltung an den Tag legten. Man wartet die weitere Entwicklung der Lage ab, um so mehr, als auch die überseeischen Märkte durch ihre uneinheitliche Bewegung keine Anregung zu bieten vermochten. Das Angebot ist zwar nicht stärker geworden, doch tritt es bei
t, gute halt-ft M Meter 0.31,V.W
guteStrapa-ft firt ...per Meter UXO rar gute be- ft flfl 0.88,0.78. U.UÖ
als 3000m
ren und nur A 1A 0.68,0.62, U.lO hervorragend tung, wieder : eingetroffen,ß IQ ....jetzt nurlMtO cm breit, unguten Quart 10 0.88.0.65, U.HU ihrelang be- enfarbig. ß QQ 0.78.0.76,U.UU Bettbezüge, ft in 1,1.35,0.86, v.l» ür Bettücher, ft Oft r1.35j.20,U.0£ schwere west- ft 00 r Meter 1,*0,U.Ü£ n breit, ganz 4 C0 er 1.95.1-75. W»
■ Meter 1-85. I,v
1.160 an br, Massigen be- "8er "«1,65 1.85. 1.70' I,U“
X225 m,
1x235 an,®” -
-^3.50
nard
so tapfer, daß sie es nicht merken konnte, wie schlimm es um ihn stand. Aber sie sollte ihm bleiben, ganz, wie sie ihm gehört!
mit vielen Kindern — ?" sie knüpfte an seine letzten Worte an, „ach, mit einem wäre ich zufrieden gewesen — mit dem einen, in dem du mir weiterlebtest, du und meine 3ugend —I Auf daß ich nicht einsam wäre in meinem Alter .“ Die leise' Klage in ihrer weichen, wunderschönen Stimme erregte ihn. Ach, er wußte wohl, was sie meinte! Nie hatte man daran gerührt. Er glaubte, sie habe längst vergessen — und nun mit einem Male — es erschreckte ihn. Hatte sie ihm doch nicht so uneingeschränkt gehört, wie er geglaubt? War da in ihrem 3nnern doch ein Platz, der ihm verschlossen geblieben?
Leidenschaftlich liebte er diese Frau noch wie an dem Tage, da er sie xum ersten Male gesehen! Unö unentbehrlich war sie ihm! Er stand an der Schwelle des Alters, und sie war eine $rau, prangend in reifer Sommerschönheit, berechtigt, noch viel vom Leben zu fordern — und noch viel geben könnend! Von ihr gehen zu müssen, war ihm ein unausdenkbarer Schmerz — alles war sie ihm — sie war ihm Erfüllung geworden, was er vom Leben verlangt hatte. —
Er saß noch wach, nachdem sie schon langst ihr Lager aufgesucht. Er konnte sich noch nicht entschließen, sich niederzulegen. Das Herz war so unruhig. 3n schweren, unregelmäßigen Schlagen hämmerte es gegen die Rippen, daß er m einem plötzlichen Schwindel sich zurucklegte und die Augen schloß. .
Die Schwäche war wieder überwunden.
Er erhob sich, machte einige Schritte. Wie still es doch um ihn war, so totenstill, daß er das Ticken seiner Taschenuhr vernahm.
Da faßte ihn eine unbezwingliche Sehnsucht, sie zu sehen. Leise ging er in ihr Schlcmimm^, das dem seinen gegenüberlag. Sie hörte ihn nicht in ihrem tiefen Schlummer; in ruhigen, gleichmäßigen Atemzügen hob und senkte sich ihre Brust unter dem weißen Nachtkleid.
Lange blickte er auf das schone schlafende Frauenbild in dem breiten weihen Bett — und er konnte es sich nicht versagen — er neigte Kch. und mit einem leisen Kuß streifte er ihre Wange. Sie erwachte, blinzelte ein wenig und richtete sich dann auf. „Du —?" Ein leises Lächeln flog über ihr Gesicht; es war ja nicht zum ersten Male, daß sie auf diese Weise von ihm geweckt wurde.
„3a, meine Angela! Es verlangt mich, dich ^Er Letzte sich an den Rand ihres Bettes und hielt ihre Hand in der seinen; belebend strömte ihre Wärme zu ihm hinüber.
Die rotverhängte Lampe goß em mildes Licht in den trauten Raum. 3m rosigen Schein.sah die Frau merkwürdig jung aus mit den zwei dicken Zöpfen, die über ihrer Brust lagen.
6,Män,=l gelben deshalb le Montag beging Preisenl t#1
ich eben höre, in einem Falle mit Erfolg. Heute morgen zwischen 6 und 7 Uhr hat eine Polizeistreife im GrunewalD eine Frau aufgefunben, nicht tot, aber bewußtlos; anscheinend betäubt. Hut, HanD- tasche, Schirm, Handschuhe fehlten, so daß man zunächst an einen Raubüberfall glaubte. Wir haben Dann Durch einen StöberhunD Das Waldstück ab- revieren lassen, und Das brave Tier hat Die Sache aufgeklärt. Es hat Die Handtasche, Schirm, Hut, Handschuhe, ja sogar die Puderhose der Dame weit verstreut in zweihundert bis vierhundert Meter Entfernung vom Fundort der Bewußtlosen aufgespürt — und außerdem noch ein leeres Glasröhrchen, das Veronal enthalten hatte. Wir haben es also nicht mit einem Raubüberfall, sondern mit einem Selbstmordversuch zu tun."
„Wenn den Herrn Det so interessiert, Denn möchte ick vielleicht auch an Den Teppichdiebstahl in Schmargendorf erinnern", mischt sich hier der dicke, untersetzte Wachtmeister, Der Die Hunde betreut, in unsere Unterhaltung. „Det war nämlich auch hier unsere Carmen, die die Sache damals geschmissen hat. Da
hatten se im zweiten Stock in einem besseren Hause, wo die Leute verreist waren, alle Teppiche, Vorhänge, Felle und sone Klamotten ausjeräumt. Im Treppenhaus waren se mit dem Kram die Wand langjeftreift, die Hündin nahm Witterung und führte uns am hellichten Tage quer über Die Straße, Dann so'n ollen Bauzaun entlang, bis in einen Schrebergarten. Da verbellte sie Dann vor soner BretterbuDe, die verschlossen war und einem Regierungsrat aus Dem Kultusministerium gehörte, Der aber auch verreist war. Wir wollten Den Quatsch erst gar nicht glauben, aber weil bloß so'n einfaches Vorhängeschloß Dran war, machten wir auf — unD wahrhaftig, Da lag Die ganze Sore*! Die Jungens haben wir natürlich nid) gekriegt, Die hatten von Dem Theater Wind bekommen unD mucksten sich nicht. Aber das Zeug hatten wir doch wieder^Ohne Den HunD wären wir ja nie Darauf gekommen, ausgerechnet in Der Laube vom Herrn Regierungsrat nach dem Kram zu suchen!"
* gestohlenes Gut; Diebesbeute.
Wir entnehmen Den folgenden Abschnitt Dem . bei Dieck & Co. in Stuttgart erschienenen interessanten Buch „M ord und Totschlag. Polizei greift ein!" von Dr. jur. Curt Elwenspoek, Das, auf Aktenmaterial gestützt, Den Kampf Der moDernen Kriminalpolizei gegen Das Verbrechertum schilDert.
Was es mit Der kriminalistischen Leistung Der HunDe auf sich hat, Das zu erfahren, reizte mich sehr, unD ich Dachte schon gar nicht mehr an Die Exhumierung Des Taglöhners Kunze, als ich nach endlosen Irrwanderungen durch das ungeheure Backsteinlabyrinth des Beniner Polizeipräsidiums am Alexander- platz endlich an die Tür meines Inspektors Schellenbaum klopfte. Aber er empfing mich gleich mit Den Worten: „Wissen Sie, was aus Der Geschichte mit Dem exhumierten Kunze gemorDen ist? Nichts ist Draus gemorDen! — Na, machen Sie nicht gleich 'n Gesicht, als ob Sie mir fonDolieren wollen! Wir Kriminalisten sind es gewöhnt, neunzig Prozent aller Arbeit umsonst zu machen, bis wir mal was erwischen .. . Aber wir wollten ja zu unseren Hunden hiilausfahren! Das Auto steht unten."
Unterwegs im Wagen bekomme ich ein kleines und stehr anregendes Privatissimum über den Polizeihund zu hören.
„Wissen Sie, unsere ganze kriminalistische Arbeit wird ja so sehr erschwert durch die gottverdammte Kitschromantik, Die man immer noch in unseren Beruf hineinsieht. Die Leute erwarten immer lauter Sherlock-Holmes-Stückchen von uns unD vergessen ganz. Daß wir immer hübsch systematisch und manchmal ' sogar bSreaukratisch vorgehen müssen. Die Sucherei nach Indizien, Zeugen und Zusammenhängen ist meistens eine höchst mechanische und verflucht langweilige Geschichte; Gewissenhaftigkeit ist Dabei viel wichtiger als Die sogenannte Genialität. Aber, um auf unsere Hunde zu kommen, was Die Leute da alles für Wunder glauben, Das geht schon auf keine Kuhhaut! In jeDem PolizeihunD sieht Das Publikum jo ein Wundertier ä la Rin-tin-tin. Leider gibt es solche Hundegenies nur im Film. Natürlich ist ein guter Polizeihund ein ausgezeichnetes Hilfsmittel, vor allem als Begleithund, also gewissermaßen als Schutzwaffe. Auch mit den Such- und Stöberhunden haben wir vielfach gute Erfolge gehabt, nur muß man Da sehr vorsichtig sein. Ein Hund ist keine Maschine, sondern ein Lebewesen, das von Launen und Stimmungen abhängt, Das gute und schlechte Tage hat. Eines können Sie sich gleich merken: Wenn Sie irgendwo lesen, daß ein Polizeihund an Kleidungsstücken oder dergleichen Witterung genommen und Dann schnurstracks Den Täter gesucht, gefunDen und verbellt hat, Dann ist Das beinahe in allen Fallen ein aufgelegter Schwindel. Aber in unübersichtlichem Ge- lande z.B. im Walde, kann ein StöberhunD, Der gut „reoiert", D. h. Die GegenD absucht, wertvolle Dienste leisten. Unsere HünDin Carmen, Die Sie nachher sehen roerDen, hat uns :m vorigen Jahre ermöglicht, einen Raubüberfall binnen echzehn StunDert aufzuklären unD Den Täter zu verhaften.
„Das müssen Sie mir mal erzählen."
„Zwei von unseren mittelschweren Jungens, die wir so stänDig im Auge haben, hatten rausgefriegt, daß ein Viehhändler namens Stein in Berlin em großes Geschäft gemacht hatte unD etwas über 9000 Mark in Der Tasche trug. Der Mann wohnt Draußen in Hönow unD ist an Dem AbenD wohl etwas angetrunken gewesen. Die beiDen Kerls hatten ihm auf Der Landstraße aufgelauert, ihm eins über Den
Wessen Md Mich?
Roman von $r. Lehne.
(Urb-berschuh durch C. Ackermann. Romanzentrale Stuttgart.)
9. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
3a Sascha, ich spüre sie — und denke an meine Eltern'! Es sind wohl bald fünfundzwanzig ^>ahre^ daß ich sie nicht gesehen! — Ob sie noch ^en Vielleicht sind sie längst gestvrbmr mit der Sehn sucht nach mir im Herzen? Schmerzlich Merke diese Frage von ihren Lippen. * .
„Hast du sie vermißt? — an meiner Seite Der mifxt 9“
Sie stand ein wenig vorgebeugt die Hand an die Stirn gelegt; es war, als lausche sie auf Stimmen, die sich in ihrem 3nnern eroDoen als rauschten verschüttete Brunnen wieder auf.
^e^hob^den Kopf und blickte geradeaus, als suche sie etwas — „das kann man nicht vergleichen - es ist ganz etwas anderes^ was da in einem schlummert, dann mit einem Male iah erwacht und sich nicht wieder einschlcpern laßt.
Es war etwas an ihr, das ihn beunruhigte
Angela, hast du vergessen?" mahnend klang seine Stimme, „wir Ratten doch zu unserem Leitmotiv den Hebbelschen Gedanken eryoben alles abzuschütteln, was uns tn unserer Entwicklung ^Sieh doch auf mich - hab' ich nicht auch einen Bruder? Nicht Heimat? Und dennoch habe ich alle Brücken hinter mir abgebrochen! Em leder Mensch hat das Recht sein Leben so zu leben wie er es einrichten will, unbeschwert von Ruck sichten auf andere! Deine Eltern hatten dich nicht verstanden, hatten dich in die Tretmühle des Alltags zwingen wolle- . Was wäre aus dir geworden, hättest du dich ihnen gefugt? Das, was du jetzt als Mensch bist, sicherlich nicht! Die größte Pflicht ist die gegen sich selbst! Vielleicht wärest du in Alltagssorgen verblüht — oder in einem Alltagsglück ein zufriedenes kleines Weib- chen mit vielen Kindern." „
— und dadurch viel reicher als fetzt —.
Hatte sie es nur gedacht oder laut gesagt? Sie Bubte es wahrhaftig nicht, ob fie dem. was in dem knappen Zeitraum einer Sekunde ihr nur flüchtig, kaum ,u Ende gedacht, durch den Sinn geglitten, auch Ausdruck gegeben! Seine Augen starrten sie so erschrocken an. Er begriff Die tfrau nicht recht — der Ausdruck ihres Gesichts war so eigen, ihm verschlossen! Wollte sie ihm noch entgleiten — im letzten Augenblick, da er fie nötiger als je brauchte? Denn er fühlte, feine Sage waren gezählt. Das Herz wollte nicht mehr so recht mittun, wenn er sich auch tapfer beherrschte


