Ausgabe 
21.11.1931
 
Einzelbild herunterladen

sie erfuhr, daß ihr das Glück, Mutter zu werden, versagt ist, hat sie gemeinfam mit Rolf ein frem­des Kind angenommen. Aber das Kind wurde krank und muhte fortgebracht werden. Llnd nun ist die Freundin da, Mary, seit langem verhei­ratet, Mutter von vier Kindern: ihr Mann ist auf zwei Jahre beruflich im Ausland. Lisa muh beim Anblick und den Schilderungen Marys ihr ganzes Elend doppelt schmerzlich empfinden.

Rolf und Mary verstehen sich gut, sie machen einen Ausflug zusammen, und es scheint fast, als ob das Zusammensein der drei Menschen wenig­stens ohne Trübung und Mihton von auhen her verklingen sollte.

Aber Lisa wird immer unruhiger, sie leidet un­ter ihrem Schicksal (wie ihr Mann, den sie liebt, darunter leidet, nur dah er es sich kaum anmer­ken läht) und es steigt ihr ein ungeheuerlicher Gedanke auf: wenn die Freundin, der sie von ihrer Mädchenzeit an zärtlich zugetan ist, an ihre Stelle träte... Rolfs Kind wäre dann doch sein Kind und (wenn Mary es Lisa zu eigen gäbe) auch ihr Kind... Mary zuckt erst vor dem Gedanken zurück... schließlich wird sie von den stürmischen Ritten der Freundin überwältigt. Rolf ahnt nicht, dah seine Frau selbst die Freundin an seine Seite treibt.

Aber es zeigt sich: man kann nichts berechnen und nichts wider die Ratur erzwingen. Rach Ma­rys Abreise, ein paar Monate später, ist das Zu­sammensein der beiden Ehegatten von einer qual­vollen Llnruhe beschattet, vom nervenzerreibenden Warten auf eine Rachricht von Mary: aber die schreibt immer das Gleiche, und immer sind es belanglose Dinge. Lisa sehnt Mary herbei, Rolf will um jeden Preis eine neue Begegnung ver­meiden.

Der letzte Akt bringt die Entscheidung und Lö­sung soweit es hier überhaupt eine Lösung geben kann. Mary ist wieder da, der Kreis ist wieder geschlossen. Aber das Zusammenleben ist unerträglich geworden. Das Experiment ist fehl- geschlagen: die Berechnung versagte und muhte aus mehr als einem Grunde versagen. Es stellt sich heraus, dah Mary trotz ihren vier Kin­dern ihren Mann eigentlich nie geliebt hat. Erst das (von Lisa erzwungene oder erbettelte) Erlebnis mit Rolf hat sie empfinden lassen, wie

schön es ist, ... wirklich zu lieben. Lisa will fort, weil sie eingesehen hat, dah ihre Berechnung fehlgeschlagen ist und sie will, jederzeit bereit, auf Rolfs Ruf zurückzukehren, die beiden sich über­lassen.

*

Aber da gesteht Mary: es sei nicht wahr ge­wesen, wie sie glauben machte, ... dah Lisas Plan gescheitert sei: Mary hat nur das Kind, ihr Kind für Lisa, nicht hergeben wollen ... und hat es sich nehmen lassen. (Sie hätte es ja doch nicht be­halten können: ihres Mannes und ihrer andern Kinder wegen.) Sie bricht zusammen unter ihrem Geständnis, aber sie rafft sich auf und geht ... zurück zu den Ihren. Lisa bleibt, und Lisa und Rolf werden versuchen, ihre Ehe in menschlichster Gemeinschaft weiterzuleben ...

Das Kammerspiel stellt, wie man aus diesen Andeutungen entnehmen wird, ungewöhnliche An­forderungen an die szenische Wiedergabe. Graff selber spricht von den Schwierigkeiten, so delikate und empfindliche Dinge in spröde Worte und sinn­fällige Gestalt zu bringen: er betont, dah die äußere Handlung nicht das Entscheidende sei. Das Wesentliche liege zwischen den Worten. Man be­greift die enormen Widerstände, die sich da er­geben. Zumal das Stück dramaturgisch nicht be­sonders geschickt gebaut ist (Auftritte und Ab­gängel) und die ohnehin spärlichen dramatischen Energien durch eine manchmal überdeutliche Symbolik belastet werden.

Um so mehr ist der vom Intendanten Dr. P r a s ch geleiteten Aufführung die taktvolle um) fein­fühlige Regiearbeit nachzurühmen, welche mit behutsamer Hand bemüht war, die heikle Fabel aller falschen und grellem Sensation zu ent­rücken. Die Spielleitung wahrte von Anfang an den gedämpften Kammerspielton. der allein hier die Szene beherrschen durfte: Dr. Prasch inszenierte mit Abstufungen, auf Zwischentöne und Stimmungen be­dacht. mit schwerwiegenden Pausen und leiser Musik: dennoch wurde, was an rein theatralischen Möglich­keiten hier gegeben werden kann, ausgeschöpft: vor allem die Szenen des zweiten und vierten Aktes ver­dienen im Sinne eines hellhörig abgestimmten Zu­sammenspiels besonderer Hervorhebung.

Die geschmackvolle szenische Ausstattung von Löffler zeichnete sich durch diskrete Farben und eine neuartige und interessante Raumlösung aus.

UM

aefadjt.l gebet aMuleiba. m.A. idmitl. Ang. uni

d.G.A.

0684.3 a. d. ®. 1

i.Aeis

denes

Itcncr

icien

iw

7908 V

b i. laiv sdrtanl* tauschen i Pera, 60. cw?

dingen

:2üb, mied. üben r dau- c aller-

an viiMiche 3in°- iabler, von ZM

lilfe

(malisch Leorer. in. uni.

ß. 1 md. gidt tatib stunden er jeder b Klaue. Ps. Lrt ^ercinb.

Mittags

Ibrl 0682«

)0qeft., nnlbet- lleräul, il.Gar- n.maö. iroerer,

Ga- ui Pri- ngbbc Mnlos inbau,

MchuesM'tu'ch MM' 23-W;, pafe^bdjiy:

"liiySS

cpttUUsO

Öfl DiilillC *

»S** ernt-

5000 Mk ÄSn B-tcn.a.iay «Es ^u^sänssichTEbi einige " TausendMarl geiurbt. Qm. Qti( u> Dwid. merir Gute Sicheit -*nttl. sing, mr 06813 a. d. G. j

um aalterien.

soinie suakbam' Aögel SW W .800 »«"'S. ^2idjerb. V event- n. iinj- a 21.

w zu lausen

Bülett^

Mil 5000-W 1 sucht sich alt., te öerl. Witwer jutt tfiliocn. Heile ÄuÄ nach auäwE

wmM !068.38 a. d.

Stadttheate

««

Iran

gesetzt. Alters, bi: fremi), sucht an« nehmen geiellidiai lieben Anschlnh 0 Hierein uim.

Schriltl. Ang.ur (16702 n. d.

HUMA 40eofll, <icb$ u. viels, iniereii., eine nrau b. Al m. sonmm Z rnüt, 'w. yc®1

id

Simm? ch. Än;.

g. uni.

G. A.

ItN

raö

gegen nute Site ju lechen gesut.

a. Privatbank geg. gute äiinb.j.ltiS, gesucht. Zchr. Ang. u. «a.O.G.A, M.M aus 1. Hnvothel,

Nr. 275 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

DasMasendeHeer-LlnsereTotenmsremderGrde

Eine Fahrt durch die französischen Schlachtfelder.

Von Dr. Richard Dyck.

(Dachdruck, auch auszugsweise, verboten!) Wünsche Dir nicht zu scharf das Auge, denn wenn Du die Toten

2n der Erde erst siehst, siehst Du die Blumen nicht mehr!"

An diese tiefsinnigen Worte Friedrich Hebbels muhte ich immer wieder denken, als wir in der blendenden Sonnenhelle durch das blutgeträchkte und eisengedüngte Land rings um D e r d u n fuhren. 2a, das war sie, diese höllische W o e v r e- Ebene, die damals in den furchtbaren Jahren des erbitterten Ringens um die uneinnehmbare Festung in den Heeresberichten täglich wieder­kehrte!

Schattenland ... Totenland ... besät mit Totenmalen und Erinnerungszeichen an jene, deren Gedächtnis uns heilig ist!

Heute fährt der Bauer mit dem friedlichen Pfluge über die grünenden Felder, und nur die vielen mit Stacheldraht eingezäunten Wiesenstücke mit ihren Warnungstafeln gemahnen noch daran, dah hier in der Erde noch immer der eiserne Tod dräut. Granaten stecken hier noch zu Hun­derten im Erdboden, und der Landmann zieht seine Furchen nicht selten mit Lebensgefahr. Diese heroische Landschaft des Weltkrieges, für Tau­sende von Müttern und Frauen die Stätte, um die ihr Gedenken immer wieder kreist, für Mil­lionen deutscher und französischer Soldaten nur als flammende und todspeiende Hölle in Erinne­rung, ist heute von idyllischer Lieblichkeit. Längst grünen auf der H ö h e 3 0 4 und auf dem Toten Mann wieder die Wälder, und wäre nicht ab und zu ein schwarzer kahler Baumstumpf, der klagend seine nackten Aeste zum blauen Himmel erhebt, so spräche hier nichts mehr von den Toten, die an dieser Stätte ihre Ruhe fanden.

Tief unten glänzt weih in der Sonne, durch­zogen von den grünen Wässern der Maas, die Stadt B e r d u n. Aus dem Trümmerhaufen, der Ruinenstätte, ist ein neues blühendes Gemein­wesen entstanden. Mitten in der Stadt ragt das 1929 errichtete Siegesmonument empor. Rur mit schmerzlichen Regungen steigt man ?ls Deutscher die Treppen zum Monument herauf. Hier sind in goldenen Lettern Sähe aus den Reden führen­der französischer Staatsmänner und Generäle eingemeihelt worden. Auch das berüchtigte: On les aura! des Marschall Petain ist darunter. Befremdlich an einer Stelle, an der man im tiefsten Herzen empfindet, dah sie dem Gedächtnis der toten Helden eher gewidmet lein mühte als klingendem Siegcsjubel.

Oben auf dem Hügel von Douaumont, der so vielen deutschen und französischen Müttern ein Rame voll Tränen und Trauer geworden ist, ist derSchützengraben der Bajonette" (tranchee des baionettes) man kann es nur mit Trauer feststellen, dah er in ein Museumsobjekt, in e i n Schaustück für die Fremdenindustrie, umgewandelt worden ist. Aus der aufgeworfenen Erde ragen Bajonettspihen heraus, da und dort liegen verstreut zerbrochene Spaten, Achselstücke oder Stahlhelme. Erschütternd diese tönende Stille hier oben: es ist, als hüteten sich selbst die Bögel, hier zu singen, und die Zweige, sich zu regen. Schweigen ... tiefstes Schweigen.

Wenige Schritte hinunter, und man steht vor dem Beinhaus von Douaumont. An den Hügelhängen vor dem Beinhaus dehnen sich in endloser Weite die Friedhöfe der Gefallenen. Soweit das Auge reicht, Grabkreuze ... nichts als Grabkreuze. Genau ausgerichtet, schlafen hier die Legionen der Toten von Berdun, Deutsche und Franzosen ...

And dann weiter von dieser Stätte der schwei­genden Trauer! Bald umfängt uns die blendende Weihe der Kalklandschaft der Champagne. Mir ist, als seien plötzlich all die Jahre nach dem Kriege mit einem Schlage ausgelöscht. Ich

bin wieder der dreck- und lehmbespritzte Feld­graue, der nächtlicherweile bei Somme-Ph in Stellung geht. Da ist S u i p p e s, wo wir damals in Ruhequartier lagen. Rie hätte ich den Ort wiedererkannt. Wo ist nur das halb.zer­schossene Haus, das uns solange Obdach bot? Suippes ist jetzt ein schönes Dörfchen mit neu­gebauten weihen Häusern aus Kalkstein. Wie lange ist es her, dah sich nicht weit von hier ein Gewirr und Labyrinth Weiher Schützengräben durch die Erde frah?

Auf der Straße nach Reims. Schon sieht man von weitem die Türme der berühmten Kathedrale am Himmel sich abzeichnen, deren Beschießung uns so stürmische Proteste eintrug, und die doch nicht mehr war, als eine von uns selbst beklagte bittere Rotwendigkeit.

Rechter Hand im Straßengraben, etwa eine halbe Stunde vor Reims, liegt ein umgestürzter deutscher Tank. Er ist fast völlig unbeschädigt, nur schon stark verrostet. Doch erkennt man noch deutlich die aufgemalten eisernen Kreuze ...

Ein paar hundert Meter weiter ragt plötzlich zur Linken der Reimser Straße aus der Land­schaft ein mächtiger, weih schimmernder Hügel auf. Ist es ein riesenhafter Dachsbau mit seinen zahl-

Jm Jahre 1930 glaubte die Reichsregierung, f ü r die Abwicklung der Rückzahlung der Aufwertungshypotheken besondere Maß­nahmen treffen zu müssen, da sie befrürchtete, daß das Fälligwerden eines in die Milliarden gehen­den Gesamtbetrages zum 31. Dezember 1931 den Geld- und Kapitalmarkt vor unlösbare Aufgaben stellen würde. Sie schuf damals durch das Auf­wertungsschlußgesetz für die Aufwertungs­hypotheken eine Kündigungsfrist von einem Jahr und räumte den Schuldnern die Möglichkeit ein, innerhalb eines Vierteljahres nach erfolgter Kündigung gegen diese bei der Aufwertungsstelle Einspruch zu erheben.

Die Gesamtzahl der eingelegten Einsprüche war im Verhältnis zum Gesamtbetrag der Aufwertungs­hypotheken nicht übermäßig groß, ein Beweis dafür, daß die Schuldner sich weitgehend auf die Rück­zahlung vorbereitet hatten und entweder mit ihren Gläubigern zu irgendwelchen Abkommen ge­langt waren oder sich soweit sie nicht selbst über entsprechende Barmittel verfügten die zur Ab­lösung erforderlichen Beträge anderweit gesichert hatten.

Die Folgen des 13. Juli 1931 haben den deut­schen Kapitalmarkt zunächst vollständig zerrüttet; eine Möglichkeit, irgendwelche langfristigen Hypo­theken neu aufzunehmen, besteht im Augenblick so gut wie überhaupt nicht. Dadurch sind olle die Schuldner vor eine schwierige Aufgabe gestellt wor­den, die bei ihrem Verzicht auf den Einspruch gegen die erfolgte Kündigung mit der Erlangung eines an­derweitigen Darlehns gerechnet hatten. Diese Not­lage, von der zweifellos eine nicht unerhebliche Zahl der Aufwertungsschuldner betroffen wird, hat der Reichsregierung Veranlassung gegeben, durch eine Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 10. November 1931 den Gläubigern die Möglichkeit zu schaffen, den seinerzeit versäumten Einspruch nachzuholen. Diese Verordnung gibt jedem Eigentümer eines belasteten Grundstücks oder dem persönlichen Schuldner der Hypothek das Recht, den Antrag auf Bewilligung einer Zah­lungsfrist nach Maßgabe des Aufwertungs­

losen schwarzen Löchern? Rein, es ist das Fort de la Pompelle, das stärkste Boll­werk der Verteidigung von Reims. Wie oft sahen wir es von unseren Stellungen aus durch das Scherenfernrohr! Anerreichbar weit schien es damals, und war doch so nah. Jetzt betrete ich es, von niemandem gehindert, denn das Fort ist ja einmonument commemoratif, das für alle Zeiten erhalten bleiben soll. Oben nackte verkohlte Baumstümpfe. Zerschossene betonierte Anterstände. Gewirr von spanischen Reitern. Tiefe Laufgräben. Das ist alles. Auch hier wie­der eine Stille, die mit tausend Zungen redet ...

Aeber Reims geht unsere Fahrt weiter gen Chateau-Thierry. Hier war das Kampf­gebiet der Engländer. Wüßte man es nicht, es sagten einem die zahllosen englischen Soldaten­friedhöfe längs der Straßen. In der Geburts­stadt des Fabeldichters La Fontaine lag der eng­lische Generalstab. Aeberall in den Straßen begegnet man Engländern, die hier die Gräber ihrer Gefallenen besuchen. Auch diese Friedhöfe sind, wie die deutschen und französischen, von einer eindrucksvollen Schmucklosigkeit. Steinerne Eingangsportale. Schlichte Holzkreuze. Hie und da ein paar Blumen. Wer einen solchen Fried­hof betritt, ist allein mit dem schlafen­den Heer und kann, durch nichts abgelenkt, Zwiesprache mit ihnen halten.

Der Kies des Soldatenfriedhofes knirscht unter meinen Füßen.

Stunden, die man nie vergißt, Stunden bei unseren Toten in fremder Erde ...

schlußgesetzes bis zum Ablauf des 3 0.No­vember 1931 nachzuholen, sofern die Vor­aussetzungen für die Bewilligung der Zahlungsfrist infolge der Veränderung der allgemeinen Wirtschafts­lage eingetreten sind. Es kann also nicht jeder ein­zelne Hypothekenschuldner beliebig jetzt den Antrag stellen; er wird nachweisen müssen, wie er bisher sich die Rückzahlung seiner Hypothek gedacht hat und auf Grund welcher Umstände es ihm u n - möglich geworden ist, die Rückzahlung in der beabsichtigten Weise durchzuführen. Ist die Frist für die Stellung des Antrages auf Bewilligung einer Zahlungsfrist nach dem 30. September 1931 abgelaufen oder der gestellte Antrag nach diesem Tage zurückgenommen, dann entfällt die Möglich­keit einer neuen Antragstellung, und zwar mit Recht; den am 30. 9. 1931 mußte der Schuldner spä­testens die Schwierigkeiten übersehen, und wenn er damals von einer ihm zustehenden Einspruchsmög­lichkeit keinen Gebrauch gemacht oder einen einge­legten Einspruch zurückgenommen hat, dann hat er dies in Kenntnis der jetzigen schwie­rigen Wirtschaftslage getan und bedarf nicht eines erneuten Schutzes.

Die gleiche Vergünstigung, noch nachträglich bis zum 30. November 1931 einen Antrag auf Bewil­ligung einer Zahlungsfrist zu stellen, genießen die­jenigen Schuldner, die schon früher einen Ein­spruch eingelegt haben, deren Antrag aber ganz oder zum Teil rechtskräftig zurückgewiesen ist. In diesen Fällen muß die Entscheidung der Aufwer- tungsfteüe ober falls Beschwerde eingelegt war die Entscheidung der Beschwerdeinstanz vor dem 1. Oktober 1931 ergangen sein. Schwebt das Verfahren noch in der zweiten Instanz, so muß diese die Sache auf Antrag des Hypotheken­schuldners an die Aufwertungsstelle zurückoerweisen, wenn deren Entscheidung vor dem 1. Oktober 1931 ergangen ist: auf diese Weise wird vorgesorgt, daß die Aufwertungsstelle Gelegenheit bekommt, auf Grund der veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse den Antrag erneut nachzuprüfen.

Auffallend ist, daß ein neuer Antrag dann nicht gestellt werden kann, wenn sich der

Die ZwanMOmg der AusweriuWhyNolhekm md MiWeMgaliomn.

Von Rechtsanwalt Dr. v. Karger, Berlin.

Sigmund Graff:Mary und Lif a"

Uraufführung am Gietzener Stadltheater.

Der Autor des gestern in Gießen (zugleich mit Magdeburg und Wuppertal-Barmen) urauf­geführten Kammerspieles in vier Akten ist kein Reuling mehr auf dem deutschen Theater. In Aachen erschien 1930 sein KriegsstückDie end­lose Straße": in Gera, im Frühling dieses Jah­res,Die einsame Tat", ein Schauspiel um den Studenten Sand und die Ermordung Kotzebues, das übrigens auch bei uns im Winterspielplan gegeben werden soll und aus stofflichen Gründen gerade in Gießen lebhaftem Interesse begegnen dürfte.

Mary und Lisa": die Geschichte einer un­glücklichen Ehe, einer kinderlosen, zur Mütterlich­keit geschaffenen Frau. Das Stück beginnt mit einem ganz Hellen, heiteren Auftakt. Rolf, ein tüchtiger und erfolgreicher Architekt, erzählt sei­ner zarten und empfindsamen, jungen Frau Lisa von einem großen Projekt und von dem reichen amerikanischen Auftraggeber: der kann sich mit seiner Frau jeden Luxus leisten für fein Geld Kinder haben sie keine": da ist das Stichwort gefallen, der Augenblick gekommen, der sofort die Stimmung Umschlägen läßt, die heitere Szene ver­dunkelt. Rolf und Lisa wünschen sich schon lange ein Kind vergebens.

Da kommt Lisas P<..csionsfreundin Mary un­vermutet zu Besuch: und mit ihrem Eintritt ist der Schicksalskreis um die drei Menschen geschlossen: die alte Mittelstellung des Mannes zwischen zwei Frauen bekommt hier, von einer neuen Seite her gesehen, eine ganz besondere Betonung. Die viel­fach sich überschneidenden. Beziehungen der drei machen den Inhalt des Werkes aus; den Inhalt, den man kaum mit groben Worten, ohne plump zu werden, wiedergeben kann, weil es sich hier um heikelste und zarteste Dinge einer menschlichen Gemeinschaft der Geschlechter handelt, um Stim­mungen, Hintergründe, Zwischentöne subtilster Art ... ja, um ein Problem eigentlich, das sich der bühnenmäßigen Formulierung fast von Ratur ent­zieht. #

Lisa hat kein Kind; sie hat nur eine Katze, die sie auf den Arm nehmen und liebkosen kann. Als

Samstag, 2s. November s93s

Schuldner mit dem Gläubiger geeinigt hat. Diese Bestimmung ist nicht ganz verständlich, denn es ist nicht einzusehen, weshalb derjenige Schuldner we­niger Schutz verdient, der sich vergleichsweise mit dem Gläubiger über die Zahlungsfrist geeinigt hat als der andere, der es hartnäckig auf eine Entschei­dung der Aufwertungsstelle hat ankommen lassen. Letzten Endes find doch die Voraussetzun­gen, unter denen jene Vergleiche abgeschlossen wor­den sind, in der gleichen Weise überholt wie die Entscheidungen der Aufwertungsstellen, die durch die Erneuerung des Einspruchs hinfällig ge­macht werden können.

Der zweite Teil der Verordnung befaßt sich mit den Industrie-Obligationen. Es war be­kannt, daß eine Reihe von industriellen Unterneh­mern, die noch Aufwertungsobligationen laufen haben, hinsichtlich der Rückzahlung derselben auf Schwierigkeiten stießen. Diese Gesellschaften können bei einer bei dem zuständigen Oberlandesgericht ge­bildeten Spruchstelle Zahlungsfristen bean­tragen, d'.e jedoch nur dann bewilligt werden dür­fen, wenn der Antragsteller infolge der Verände­rung der allgemeinen Wirtschaftslage über die zur Rückzahlung erforderlichen Mittel nicht verfügt und auch nicht in der Lage ist, sie sich zu Bedingungen zu verschaffen, die ihm billigerweife zugemutet wer­den können. Ebenso können die Zahlungsfristen be­willigt werden, wenn die Rückzahlung eine schwere Gefährdung der Fortführung des Unternehmens des Antragstellers zur Folae haben würde.

Der Zinssatz für die Aufwertungsobligationen stellt sich im Falle der Stundung für die Zeit nach dem 31. Dezember 1931 auf 7,5 Prozent. Außer­dem ist bei der Rückzahlung ein Aufgeld zu ge­währen, das bei einer Zahlung im Jahre 1932 zwei Prozent beträgt und sich für jedes weitere Jahr um weitere je zwei Prozent erhöht. Die Spruchstelle soll in der Regel eine Zahlung in Teilbeträgen auf Grund einer Auslosung anordnen. Durch besondere Vorschriften wird sichergestellt, daß die Gesellschaften nicht ohne Not von der Stundungsmöglichkeit Gebrauch machen. Dom Zeitpunkt der Stellung des Antrages an bis zum Ablauf der Zahlungsfrist darf keine Verteilung von Gewinnan­teilen an Gesellschafter oder ähnliche Berechtigte erfolgen, es fei denn, daß vor Stellung des An­trages schon ein klagbarer Anspruch auf Auszah­lung von Gewinnanteilen entstanden war. Auch dürfen Geschäftsführer, Vorstands- und Austichts- ratsmitglieder und andere Organe für diese Zeit feine Tantieme erhalten.

Es ist bedauerlich, daß die Notlage der Zeit der Regierung zu derartigen Maßnahmen Veran­lassung gegeben hat. Es ist dies um so bedauerlicher, als die Gläubiger der Aufwertungshypotheken und der Industrie-Obligationen ihrerseits zum Teil in eine schwierige Lage kommen werden, als sie mit der Rückzahlung ihrer gekündigten Hypotheken bzw. der Schuldverschreibungen gerechnet haben. Es muß deshalb erwartet werden, daß die Aufwer­tungsstellen nur da Zahlungsfristen bewilligen, wo es wirklich notwendig ist, damit der Begriff der Aufwertungshypothek und der aufgewerteten Jndustrieobligationen nach Möglichkeit bald aus dem Verkehrsleben schwindet.

Oberheffen.

Landkreis Gretzen.

* Klein-Linden, 20. Noo. Der Spar- und Darlehenskassen-VereinRaiff­eisen" hielt dieser Tage seine diesjährige General­versammlung ab. der erste Vorsitzende, Lokomotiv­führer Lotz, gab einen Ueberblid über das ab­gelaufene Halbjahr. Anschließend erstattete Ver­bandsrevisor I o l k - Gießen Bericht über die gesetz­liche Revision, aus dem zu ersehen war, daß der Verein in jeder Beziehung günstig dasteht. Amt­liche von Mitgliedern beantragten Darlehen gegen Sicherheit konnten genehmigt werden. Die Einfüh­rung einer Dienstanweisung für Vorstand, Aussichts- rat und Rechner wurde einstimmig beschlossen. Eine längere Aussprache entspann sich über den Waren­einkauf, der in der seitherigen Weise weiter vor- genommen werden soll. Da zwei Vorstandsmitglie­der ihre Aemter niedergelegt hatten, fand Neuwahl statt, aus der Kaufmann Daniel Jung und Schrei-

Herr Keim hatte eine dem Charakter und der Ton­lage des Werkes angepaßte gedämpfte Beleuchtung geschaffen.

»

Das Nebeneinander der drei Personen war über die vier Akte hin sorgfällig abgewogen und aus- balanciert zu einer Gesamtdarstellung von kultivier­ter Gleichwertigkeit. Der diffizile Text wurde von jedem der drei Spieler bis in die zartesten Schattie­rungen zum Klingen gebracht.

*

Die unglückliche und unter ihrem Schicksal fast körperlich leidende Lisa wurde von Edith Berger mit impulsiver Einfühlung und Umstellungsfähigkeit gegeben; sehr überzeugend der schnelle Wechsel von schwermütiger Grübelei zu einer forcierten Lustig­keit und Sorglosigkeit; die krankhaft gesteigerte Ner­vosität und Gereiztheit der im tiefsten Grunde un­befriedigten Frau. Ausgezeichnet gelang ihr der stür­mische Ausbruch der verzweifelten Bitte, mit der sie die Freundin überfällt; und zuletzt die schwer erkämpfte Klarheit des Wortes, die gesammelte Hal­tung angesichts eines abermals zerronnenen schönen Traumes.

*

Maria Koch umgab die nicht minder schwierige Gegenfigur der Mary mit einer stillen und erwär­menden Menschlichkeit; die reife, mütterliche, in sich ruhende Frau: überlegen, verhalten, gewissermaßen nach innen gespielt; sie sprach mit großer Zartheit die wenigen Worte vom Glück der weiblichen Er­füllung, mit jäher Steigerung zuletzt das erregende Geständnis vor den beiden andern.

*

Herr Hauer, ebenbürtig und vermittelnd zwischen den Frauen stehend, spielte den Rolf, den moder- neuGrafen von Gleichen", sehr männlich, sehr kava- liermäßig, beherrscht und besonnen, immer bemüht, die Führung und Uebersicht über die in ihrem Dreiklang verwirrenden Beziehungen in der Hand 3U behalten ... und doch schließlich dies war seine stärkste Szene hilflos überwältigt vom Doppel­spiel der beiden Frauen, dessen geheimsten Antrieb der Mann nicht hat ahnen können.

Die Zuhörerschaft folgte der Entwicklung des Pro- blemstückes mit merklicher Anteilnahme und spendete der vortrefflichen Aufführung starken Beifall, der zu­letzt mit den Darstellern auch den Intendanten oy die Rampe rief. fcth.