sie erfuhr, daß ihr das Glück, Mutter zu werden, versagt ist, hat sie gemeinfam mit Rolf ein fremdes Kind angenommen. Aber das Kind wurde krank und muhte fortgebracht werden. Llnd nun ist die Freundin da, Mary, seit langem verheiratet, Mutter von vier Kindern: ihr Mann ist auf zwei Jahre beruflich im Ausland. Lisa muh beim Anblick und den Schilderungen Marys ihr ganzes Elend doppelt schmerzlich empfinden.
Rolf und Mary verstehen sich gut, sie machen einen Ausflug zusammen, und es scheint fast, als ob das Zusammensein der drei Menschen wenigstens ohne Trübung und Mihton von auhen her verklingen sollte.
Aber Lisa wird immer unruhiger, sie leidet unter ihrem Schicksal (wie ihr Mann, den sie liebt, darunter leidet, nur dah er es sich kaum anmerken läht) — und es steigt ihr ein ungeheuerlicher Gedanke auf: wenn die Freundin, der sie von ihrer Mädchenzeit an zärtlich zugetan ist, an ihre Stelle träte... Rolfs Kind wäre dann doch sein Kind und (wenn Mary es Lisa zu eigen gäbe) auch ihr Kind... Mary zuckt erst vor dem Gedanken zurück... schließlich wird sie von den stürmischen Ritten der Freundin überwältigt. Rolf ahnt nicht, dah seine Frau selbst die Freundin an seine Seite treibt.
Aber es zeigt sich: man kann nichts berechnen und nichts wider die Ratur erzwingen. Rach Marys Abreise, ein paar Monate später, ist das Zusammensein der beiden Ehegatten von einer qualvollen Llnruhe beschattet, vom nervenzerreibenden Warten auf eine Rachricht von Mary: aber die schreibt immer das Gleiche, und immer sind es belanglose Dinge. Lisa sehnt Mary herbei, Rolf will um jeden Preis eine neue Begegnung vermeiden.
Der letzte Akt bringt die Entscheidung und Lösung — soweit es hier überhaupt eine Lösung geben kann. Mary ist wieder da, der Kreis ist wieder geschlossen. Aber das Zusammenleben ist unerträglich geworden. Das Experiment ist fehl- geschlagen: die Berechnung versagte und muhte aus mehr als einem Grunde versagen. Es stellt sich heraus, dah Mary — trotz ihren vier Kindern — ihren Mann eigentlich nie geliebt hat. Erst das (von Lisa erzwungene oder erbettelte) Erlebnis mit Rolf hat sie empfinden lassen, wie
schön es ist, ... wirklich zu lieben. Lisa will fort, weil sie eingesehen hat, dah ihre Berechnung fehlgeschlagen ist und sie will, jederzeit bereit, auf Rolfs Ruf zurückzukehren, die beiden sich überlassen.
*
Aber da gesteht Mary: es sei nicht wahr gewesen, wie sie glauben machte, ... dah Lisas Plan gescheitert sei: Mary hat nur das Kind, ihr Kind für Lisa, nicht hergeben wollen ... und hat es sich nehmen lassen. (Sie hätte es ja doch nicht behalten können: ihres Mannes und ihrer andern Kinder wegen.) Sie bricht zusammen unter ihrem Geständnis, aber sie rafft sich auf und geht ... zurück zu den Ihren. Lisa bleibt, und Lisa und Rolf werden versuchen, ihre Ehe in menschlichster Gemeinschaft weiterzuleben ...
Das Kammerspiel stellt, wie man aus diesen Andeutungen entnehmen wird, ungewöhnliche Anforderungen an die szenische Wiedergabe. Graff selber spricht von den Schwierigkeiten, so delikate und empfindliche Dinge in spröde Worte und sinnfällige Gestalt zu bringen: er betont, dah die äußere Handlung nicht das Entscheidende sei. Das Wesentliche liege zwischen den Worten. Man begreift die enormen Widerstände, die sich da ergeben. Zumal das Stück dramaturgisch nicht besonders geschickt gebaut ist (Auftritte und Abgängel) und die ohnehin spärlichen dramatischen Energien durch eine manchmal überdeutliche Symbolik belastet werden.
Um so mehr ist der vom Intendanten Dr. P r a s ch geleiteten Aufführung die taktvolle um) feinfühlige Regiearbeit nachzurühmen, welche mit behutsamer Hand bemüht war, die heikle Fabel aller falschen und grellem Sensation zu entrücken. Die Spielleitung wahrte von Anfang an den gedämpften Kammerspielton. der allein hier die Szene beherrschen durfte: Dr. Prasch inszenierte mit Abstufungen, auf Zwischentöne und Stimmungen bedacht. mit schwerwiegenden Pausen und leiser Musik: dennoch wurde, was an rein theatralischen Möglichkeiten hier gegeben werden kann, ausgeschöpft: vor allem die Szenen des zweiten und vierten Aktes verdienen im Sinne eines hellhörig abgestimmten Zusammenspiels besonderer Hervorhebung.
Die geschmackvolle szenische Ausstattung von Löffler zeichnete sich durch diskrete Farben und eine neuartige und interessante Raumlösung aus.
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Nr. 275 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
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Eine Fahrt durch die französischen Schlachtfelder.
Von Dr. Richard Dyck.
(Dachdruck, auch auszugsweise, verboten!) „Wünsche Dir nicht zu scharf das Auge, denn wenn Du die Toten
2n der Erde erst siehst, siehst Du die Blumen nicht mehr!"
An diese tiefsinnigen Worte Friedrich Hebbels muhte ich immer wieder denken, als wir in der blendenden Sonnenhelle durch das blutgeträchkte und eisengedüngte Land rings um D e r d u n fuhren. 2a, das war sie, diese höllische W o e v r e- Ebene, die damals in den furchtbaren Jahren des erbitterten Ringens um die uneinnehmbare Festung in den Heeresberichten täglich wiederkehrte!
Schattenland ... Totenland ... besät mit Totenmalen und Erinnerungszeichen an jene, deren Gedächtnis uns heilig ist!
Heute fährt der Bauer mit dem friedlichen Pfluge über die grünenden Felder, und nur die vielen mit Stacheldraht eingezäunten Wiesenstücke mit ihren Warnungstafeln gemahnen noch daran, dah hier in der Erde noch immer der eiserne Tod dräut. Granaten stecken hier noch zu Hunderten im Erdboden, und der Landmann zieht seine Furchen nicht selten mit Lebensgefahr. Diese heroische Landschaft des Weltkrieges, für Tausende von Müttern und Frauen die Stätte, um die ihr Gedenken immer wieder kreist, für Millionen deutscher und französischer Soldaten nur als flammende und todspeiende Hölle in Erinnerung, — ist heute von idyllischer Lieblichkeit. Längst grünen auf der H ö h e 3 0 4 und auf dem Toten Mann wieder die Wälder, und wäre nicht ab und zu ein schwarzer kahler Baumstumpf, der klagend seine nackten Aeste zum blauen Himmel erhebt, so spräche hier nichts mehr von den Toten, die an dieser Stätte ihre Ruhe fanden.
Tief unten glänzt weih in der Sonne, durchzogen von den grünen Wässern der Maas, die Stadt B e r d u n. Aus dem Trümmerhaufen, der Ruinenstätte, ist ein neues blühendes Gemeinwesen entstanden. Mitten in der Stadt ragt das 1929 errichtete Siegesmonument empor. Rur mit schmerzlichen Regungen steigt man ?ls Deutscher die Treppen zum Monument herauf. Hier sind in goldenen Lettern Sähe aus den Reden führender französischer Staatsmänner und Generäle eingemeihelt worden. Auch das berüchtigte: „On les aura!“ des Marschall Petain ist darunter. Befremdlich an einer Stelle, an der man im tiefsten Herzen empfindet, dah sie dem Gedächtnis der toten Helden eher gewidmet lein mühte als klingendem Siegcsjubel.
Oben auf dem Hügel von Douaumont, der so vielen deutschen und französischen Müttern ein Rame voll Tränen und Trauer geworden ist, ist der „Schützengraben der Bajonette" (tranchee des baionettes) — man kann es nur mit Trauer feststellen, dah er in ein Museumsobjekt, in e i n Schaustück für die Fremdenindustrie, umgewandelt worden ist. Aus der aufgeworfenen Erde ragen Bajonettspihen heraus, da und dort liegen verstreut zerbrochene Spaten, Achselstücke oder Stahlhelme. Erschütternd diese tönende Stille hier oben: es ist, als hüteten sich selbst die Bögel, hier zu singen, und die Zweige, sich zu regen. Schweigen ... tiefstes Schweigen.
Wenige Schritte hinunter, und man steht vor dem Beinhaus von Douaumont. An den Hügelhängen vor dem Beinhaus dehnen sich in endloser Weite die Friedhöfe der Gefallenen. Soweit das Auge reicht, Grabkreuze ... nichts als Grabkreuze. Genau ausgerichtet, schlafen hier die Legionen der Toten von Berdun, Deutsche und Franzosen ...
And dann weiter von dieser Stätte der schweigenden Trauer! Bald umfängt uns die blendende Weihe der Kalklandschaft der Champagne. Mir ist, als seien plötzlich all die Jahre nach dem Kriege mit einem Schlage ausgelöscht. Ich
bin wieder der dreck- und lehmbespritzte Feldgraue, der nächtlicherweile bei Somme-Ph in Stellung geht. Da ist S u i p p e s, wo wir damals in Ruhequartier lagen. Rie hätte ich den Ort wiedererkannt. Wo ist nur das halb.zerschossene Haus, das uns solange Obdach bot? Suippes ist jetzt ein schönes Dörfchen mit neugebauten weihen Häusern aus Kalkstein. Wie lange ist es her, dah sich nicht weit von hier ein Gewirr und Labyrinth Weiher Schützengräben durch die Erde frah?
Auf der Straße nach Reims. Schon sieht man von weitem die Türme der berühmten Kathedrale am Himmel sich abzeichnen, deren Beschießung uns so stürmische Proteste eintrug, und die doch nicht mehr war, als eine von uns selbst beklagte bittere Rotwendigkeit.
Rechter Hand im Straßengraben, etwa eine halbe Stunde vor Reims, liegt ein umgestürzter deutscher Tank. Er ist fast völlig unbeschädigt, nur schon stark verrostet. Doch erkennt man noch deutlich die aufgemalten eisernen Kreuze ...
Ein paar hundert Meter weiter ragt plötzlich zur Linken der Reimser Straße aus der Landschaft ein mächtiger, weih schimmernder Hügel auf. Ist es ein riesenhafter Dachsbau mit seinen zahl-
Jm Jahre 1930 glaubte die Reichsregierung, f ü r die Abwicklung der Rückzahlung der Aufwertungshypotheken besondere Maßnahmen treffen zu müssen, da sie befrürchtete, daß das Fälligwerden eines in die Milliarden gehenden Gesamtbetrages zum 31. Dezember 1931 den Geld- und Kapitalmarkt vor unlösbare Aufgaben stellen würde. Sie schuf damals durch das Aufwertungsschlußgesetz für die Aufwertungshypotheken eine Kündigungsfrist von einem Jahr und räumte den Schuldnern die Möglichkeit ein, innerhalb eines Vierteljahres nach erfolgter Kündigung gegen diese bei der Aufwertungsstelle Einspruch zu erheben.
Die Gesamtzahl der eingelegten Einsprüche war im Verhältnis zum Gesamtbetrag der Aufwertungshypotheken nicht übermäßig groß, ein Beweis dafür, daß die Schuldner sich weitgehend auf die Rückzahlung vorbereitet hatten und entweder mit ihren Gläubigern zu irgendwelchen Abkommen gelangt waren oder sich — soweit sie nicht selbst über entsprechende Barmittel verfügten — die zur Ablösung erforderlichen Beträge anderweit gesichert hatten.
Die Folgen des 13. Juli 1931 haben den deutschen Kapitalmarkt zunächst vollständig zerrüttet; eine Möglichkeit, irgendwelche langfristigen Hypotheken neu aufzunehmen, besteht im Augenblick so gut wie überhaupt nicht. Dadurch sind olle die Schuldner vor eine schwierige Aufgabe gestellt worden, die bei ihrem Verzicht auf den Einspruch gegen die erfolgte Kündigung mit der Erlangung eines anderweitigen Darlehns gerechnet hatten. Diese Notlage, von der zweifellos eine nicht unerhebliche Zahl der Aufwertungsschuldner betroffen wird, hat der Reichsregierung Veranlassung gegeben, durch eine Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 10. November 1931 den Gläubigern die Möglichkeit zu schaffen, den seinerzeit versäumten Einspruch nachzuholen. Diese Verordnung gibt jedem Eigentümer eines belasteten Grundstücks oder dem persönlichen Schuldner der Hypothek das Recht, den Antrag auf Bewilligung einer Zahlungsfrist nach Maßgabe des Aufwertungs
losen schwarzen Löchern? Rein, — es ist das Fort de la Pompelle, das stärkste Bollwerk der Verteidigung von Reims. Wie oft sahen wir es von unseren Stellungen aus durch das Scherenfernrohr! Anerreichbar weit schien es damals, und war doch so nah. Jetzt betrete ich es, von niemandem gehindert, denn das Fort ist ja ein „monument commemoratif“, das für alle Zeiten erhalten bleiben soll. Oben nackte verkohlte Baumstümpfe. Zerschossene betonierte Anterstände. Gewirr von spanischen Reitern. Tiefe Laufgräben. Das ist alles. Auch hier wieder eine Stille, die mit tausend Zungen redet ...
Aeber Reims geht unsere Fahrt weiter gen Chateau-Thierry. Hier war das Kampfgebiet der Engländer. Wüßte man es nicht, es sagten einem die zahllosen englischen Soldatenfriedhöfe längs der Straßen. In der Geburtsstadt des Fabeldichters La Fontaine lag der englische Generalstab. Aeberall in den Straßen begegnet man Engländern, die hier die Gräber ihrer Gefallenen besuchen. Auch diese Friedhöfe sind, wie die deutschen und französischen, von einer eindrucksvollen Schmucklosigkeit. Steinerne Eingangsportale. Schlichte Holzkreuze. Hie und da ein paar Blumen. Wer einen solchen Friedhof betritt, ist allein mit dem schlafenden Heer und kann, durch nichts abgelenkt, Zwiesprache mit ihnen halten.
Der Kies des Soldatenfriedhofes knirscht unter meinen Füßen.
Stunden, die man nie vergißt, — Stunden bei unseren Toten in fremder Erde ...
schlußgesetzes bis zum Ablauf des 3 0.November 1931 nachzuholen, sofern die Voraussetzungen für die Bewilligung der Zahlungsfrist infolge der Veränderung der allgemeinen Wirtschaftslage eingetreten sind. Es kann also nicht jeder einzelne Hypothekenschuldner beliebig jetzt den Antrag stellen; er wird nachweisen müssen, wie er bisher sich die Rückzahlung seiner Hypothek gedacht hat und auf Grund welcher Umstände es ihm u n - möglich geworden ist, die Rückzahlung in der beabsichtigten Weise durchzuführen. Ist die Frist für die Stellung des Antrages auf Bewilligung einer Zahlungsfrist nach dem 30. September 1931 abgelaufen oder der gestellte Antrag nach diesem Tage zurückgenommen, dann entfällt die Möglichkeit einer neuen Antragstellung, und zwar mit Recht; den am 30. 9. 1931 mußte der Schuldner spätestens die Schwierigkeiten übersehen, und wenn er damals von einer ihm zustehenden Einspruchsmöglichkeit keinen Gebrauch gemacht oder einen eingelegten Einspruch zurückgenommen hat, dann hat er dies in Kenntnis der jetzigen schwierigen Wirtschaftslage getan und bedarf nicht eines erneuten Schutzes.
Die gleiche Vergünstigung, noch nachträglich bis zum 30. November 1931 einen Antrag auf Bewilligung einer Zahlungsfrist zu stellen, genießen diejenigen Schuldner, die schon früher einen Einspruch eingelegt haben, deren Antrag aber ganz oder zum Teil rechtskräftig zurückgewiesen ist. In diesen Fällen muß die Entscheidung der Aufwer- tungsfteüe ober — falls Beschwerde eingelegt war — die Entscheidung der Beschwerdeinstanz vor dem 1. Oktober 1931 ergangen sein. Schwebt das Verfahren noch in der zweiten Instanz, so muß diese die Sache auf Antrag des Hypothekenschuldners an die Aufwertungsstelle zurückoerweisen, wenn deren Entscheidung vor dem 1. Oktober 1931 ergangen ist: auf diese Weise wird vorgesorgt, daß die Aufwertungsstelle Gelegenheit bekommt, auf Grund der veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse den Antrag erneut nachzuprüfen.
Auffallend ist, daß ein neuer Antrag dann nicht gestellt werden kann, wenn sich der
Die ZwanMOmg der AusweriuWhyNolhekm md MiWeMgaliomn.
Von Rechtsanwalt Dr. v. Karger, Berlin.
Sigmund Graff: „Mary und Lif a"
Uraufführung am Gietzener Stadltheater.
Der Autor des gestern in Gießen (zugleich mit Magdeburg und Wuppertal-Barmen) uraufgeführten Kammerspieles in vier Akten ist kein Reuling mehr auf dem deutschen Theater. In Aachen erschien 1930 sein Kriegsstück „Die endlose Straße": in Gera, im Frühling dieses Jahres, „Die einsame Tat", ein Schauspiel um den Studenten Sand und die Ermordung Kotzebues, das übrigens auch bei uns im Winterspielplan gegeben werden soll und aus stofflichen Gründen gerade in Gießen lebhaftem Interesse begegnen dürfte.
„Mary und Lisa" —: die Geschichte einer unglücklichen Ehe, einer kinderlosen, zur Mütterlichkeit geschaffenen Frau. Das Stück beginnt mit einem ganz Hellen, heiteren Auftakt. Rolf, ein tüchtiger und erfolgreicher Architekt, erzählt seiner zarten und empfindsamen, jungen Frau Lisa von einem großen Projekt und von dem reichen amerikanischen Auftraggeber: der kann sich mit seiner Frau jeden Luxus leisten für fein Geld — „Kinder haben sie keine" —: da ist das Stichwort gefallen, der Augenblick gekommen, der sofort die Stimmung Umschlägen läßt, die heitere Szene verdunkelt. Rolf und Lisa wünschen sich schon lange ein Kind — vergebens.
•
Da kommt Lisas P<..csionsfreundin Mary unvermutet zu Besuch: und mit ihrem Eintritt ist der Schicksalskreis um die drei Menschen geschlossen: die alte Mittelstellung des Mannes zwischen zwei Frauen bekommt hier, von einer neuen Seite her gesehen, eine ganz besondere Betonung. Die vielfach sich überschneidenden. Beziehungen der drei machen den Inhalt des Werkes aus; den Inhalt, den man kaum mit groben Worten, ohne plump zu werden, wiedergeben kann, weil es sich hier um heikelste und zarteste Dinge einer menschlichen Gemeinschaft der Geschlechter handelt, um Stimmungen, Hintergründe, Zwischentöne subtilster Art ... ja, um ein Problem eigentlich, das sich der bühnenmäßigen Formulierung fast von Ratur entzieht. #
Lisa hat kein Kind; sie hat nur eine Katze, die sie auf den Arm nehmen und liebkosen kann. Als
Samstag, 2s. November s93s
Schuldner mit dem Gläubiger geeinigt hat. Diese Bestimmung ist nicht ganz verständlich, denn es ist nicht einzusehen, weshalb derjenige Schuldner weniger Schutz verdient, der sich vergleichsweise mit dem Gläubiger über die Zahlungsfrist geeinigt hat als der andere, der es hartnäckig auf eine Entscheidung der Aufwertungsstelle hat ankommen lassen. Letzten Endes find doch die Voraussetzungen, unter denen jene Vergleiche abgeschlossen worden sind, in der gleichen Weise überholt wie die Entscheidungen der Aufwertungsstellen, die durch die Erneuerung des Einspruchs hinfällig gemacht werden können.
Der zweite Teil der Verordnung befaßt sich mit den Industrie-Obligationen. Es war bekannt, daß eine Reihe von industriellen Unternehmern, die noch Aufwertungsobligationen laufen haben, hinsichtlich der Rückzahlung derselben auf Schwierigkeiten stießen. Diese Gesellschaften können bei einer bei dem zuständigen Oberlandesgericht gebildeten Spruchstelle Zahlungsfristen beantragen, d'.e jedoch nur dann bewilligt werden dürfen, wenn der Antragsteller infolge der Veränderung der allgemeinen Wirtschaftslage über die zur Rückzahlung erforderlichen Mittel nicht verfügt und auch nicht in der Lage ist, sie sich zu Bedingungen zu verschaffen, die ihm billigerweife zugemutet werden können. Ebenso können die Zahlungsfristen bewilligt werden, wenn die Rückzahlung eine schwere Gefährdung der Fortführung des Unternehmens des Antragstellers zur Folae haben würde.
Der Zinssatz für die Aufwertungsobligationen stellt sich im Falle der Stundung für die Zeit nach dem 31. Dezember 1931 auf 7,5 Prozent. Außerdem ist bei der Rückzahlung ein Aufgeld zu gewähren, das bei einer Zahlung im Jahre 1932 zwei Prozent beträgt und sich für jedes weitere Jahr um weitere je zwei Prozent erhöht. Die Spruchstelle soll in der Regel eine Zahlung in Teilbeträgen auf Grund einer Auslosung anordnen. Durch besondere Vorschriften wird sichergestellt, daß die Gesellschaften nicht ohne Not von der Stundungsmöglichkeit Gebrauch machen. Dom Zeitpunkt der Stellung des Antrages an bis zum Ablauf der Zahlungsfrist darf keine Verteilung von Gewinnanteilen an Gesellschafter oder ähnliche Berechtigte erfolgen, es fei denn, daß vor Stellung des Antrages schon ein klagbarer Anspruch auf Auszahlung von Gewinnanteilen entstanden war. Auch dürfen Geschäftsführer, Vorstands- und Austichts- ratsmitglieder und andere Organe für diese Zeit feine Tantieme erhalten.
Es ist bedauerlich, daß die Notlage der Zeit der Regierung zu derartigen Maßnahmen Veranlassung gegeben hat. Es ist dies um so bedauerlicher, als die Gläubiger der Aufwertungshypotheken und der Industrie-Obligationen ihrerseits zum Teil in eine schwierige Lage kommen werden, als sie mit der Rückzahlung ihrer gekündigten Hypotheken bzw. der Schuldverschreibungen gerechnet haben. Es muß deshalb erwartet werden, daß die Aufwertungsstellen nur da Zahlungsfristen bewilligen, wo es wirklich notwendig ist, damit der Begriff der Aufwertungshypothek und der aufgewerteten Jndustrieobligationen nach Möglichkeit bald aus dem Verkehrsleben schwindet.
Oberheffen.
Landkreis Gretzen.
* Klein-Linden, 20. Noo. Der Spar- und Darlehenskassen-Verein „Raiffeisen" hielt dieser Tage seine diesjährige Generalversammlung ab. der erste Vorsitzende, Lokomotivführer Lotz, gab einen Ueberblid über das abgelaufene Halbjahr. Anschließend erstattete Verbandsrevisor I o l k - Gießen Bericht über die gesetzliche Revision, aus dem zu ersehen war, daß der Verein in jeder Beziehung günstig dasteht. Amtliche von Mitgliedern beantragten Darlehen gegen Sicherheit konnten genehmigt werden. Die Einführung einer Dienstanweisung für Vorstand, Aussichts- rat und Rechner wurde einstimmig beschlossen. Eine längere Aussprache entspann sich über den Wareneinkauf, der in der seitherigen Weise weiter vor- genommen werden soll. Da zwei Vorstandsmitglieder ihre Aemter niedergelegt hatten, fand Neuwahl statt, aus der Kaufmann Daniel Jung und Schrei-
Herr Keim hatte eine dem Charakter und der Tonlage des Werkes angepaßte gedämpfte Beleuchtung geschaffen.
»
Das Nebeneinander der drei Personen war über die vier Akte hin sorgfällig abgewogen und aus- balanciert zu einer Gesamtdarstellung von kultivierter Gleichwertigkeit. Der diffizile Text wurde von jedem der drei Spieler bis in die zartesten Schattierungen zum Klingen gebracht.
*
Die unglückliche und unter ihrem Schicksal fast körperlich leidende Lisa wurde von Edith Berger mit impulsiver Einfühlung und Umstellungsfähigkeit gegeben; sehr überzeugend der schnelle Wechsel von schwermütiger Grübelei zu einer forcierten Lustigkeit und Sorglosigkeit; die krankhaft gesteigerte Nervosität und Gereiztheit der im tiefsten Grunde unbefriedigten Frau. Ausgezeichnet gelang ihr der stürmische Ausbruch der verzweifelten Bitte, mit der sie die Freundin überfällt; — und zuletzt die schwer erkämpfte Klarheit des Wortes, die gesammelte Haltung angesichts eines abermals zerronnenen schönen Traumes.
*
Maria Koch umgab die nicht minder schwierige Gegenfigur der Mary mit einer stillen und erwärmenden Menschlichkeit; die reife, mütterliche, in sich ruhende Frau: überlegen, verhalten, gewissermaßen nach innen gespielt; sie sprach mit großer Zartheit die wenigen Worte vom Glück der weiblichen Erfüllung, mit jäher Steigerung zuletzt das erregende Geständnis vor den beiden andern.
*
Herr Hauer, ebenbürtig und vermittelnd zwischen den Frauen stehend, spielte den Rolf, den moder- neu „Grafen von Gleichen", sehr männlich, sehr kava- liermäßig, beherrscht und besonnen, immer bemüht, die Führung und Uebersicht über die in ihrem Dreiklang verwirrenden Beziehungen in der Hand 3U behalten ... und doch schließlich — dies war seine stärkste Szene — hilflos überwältigt vom Doppelspiel der beiden Frauen, dessen geheimsten Antrieb der Mann nicht hat ahnen können. —
♦
Die Zuhörerschaft folgte der Entwicklung des Pro- blemstückes mit merklicher Anteilnahme und spendete der vortrefflichen Aufführung starken Beifall, der zuletzt mit den Darstellern auch den Intendanten oy die Rampe rief. fcth.


