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Ur. 246 Zweites Blatt
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heute erlebt man solche Borkommnisse kaum mehr. Gedränge in großer Hitze kommen begreiflicher-
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Nachbarin — euer Fläschchen ist nicht mehr nötig!
Die Krauen sind gesünder geworden!
Von Or med. W. Schweiüheimer, München.
Blättern Sie einmal in alten Geschichten und Ro- ntnen, so aus der Zeit vor vierzig, fünfzig Jahren m) früher — und Sie werden alsbald zu Ihrer Ver- mtniierung bemerken, wie häufig die Frauen darin >hn mächtig werden, wie sie auf jede seelische * Erregung mit der Gebärde des bewußtlosen Zu- Uxüengleitens — oder Aufgefangenwerdens in starken "Innen — antworten. Auch in den Zeiten Schillers iin) Goethes und gar bei den empfindsamen Dichtern ist die Ohnmacht sozusagen die natürliche Reaktion i ei Frau auf heftige innerliche Bewegung. Wallen- |ttms Thekla hort von dem schwedischen Hauptmann E it Unalücksbotschaft — „ohnmächtig lag sie schon in jiehen Armen". Gretchen im „Faust" wendet sich an Hit hilfsbereite Betgenossin: „Nachbarin! Euer jgiidjAen!" — ehe sie bewußtlos zu Boden sinkt. ;jiil Fouques „Heilung" gerät die bildschöne und oukkndhafte Frau eines Prokurators „in ein plötzlich orfftonöenes Volksgebränge: "ngftlich, einer Ohn- n-ied>f nahe, rief sie um Hilfe" Wenig Beispiele nur nut viele.
(55 ist klar, daß sich auch der W i tz dieser Er- Ginung bemächtigt hat. Bei Wilhelm Busch können fit Frauengestalten denen man zu derbe Possen sidt, sich nur mehr mit Versinken in Ohnmacht netten. Um die Jahrhundertwende ist in den Witz, tiläilern typische Figur die Frau, die durch eine Ohn- nacht ihren Mann zur Bezahlung einer Schneider- , nedmung, zur Erlangung eines Schmuckstücks oder »Nil zur Durchsetzung ihres Willens zu bewegen sucht. Ml selbst erinnern uns noch, daß früher bei Pa- raten Festlichkeiten, Umzügen, in Konzerten und Vertragen alle Augenblicke Frauen ohnmächtig aus teni Gedränge getragen wurden. Das gehörte ge- nisiermaßen genau so zur Sache wie der Hund, Ger vor einer militärischen Parade durch die ab-
Vom Kopf bis zu den Füßen.
Etwas von der Mode.
Es ist schwer zu unterscheiden, ob die seit einiger Zeit aufgelommene Tendenz, das Haarwie- iXr länger oder gar lockig zu tragen, die Mode frr Chasseur- und Postillonhütchen herbeigefuhrt hct, oder ob sich die Frisur erst der neuen Mode- lnie anpaßt. Jedenfalls bedingt eins das andere. De Dauerwelle feiert Triumphe. Gegenwärtig rächt das Haar bis auiu Nacken. Tagsüber be- fiidet sich die Grenzlinie der Frisur ungefähr 6äm oberen Halsansatz, die Abendfrisur geht stvos tiefer. Oben auf dem Kopfe ist die Wellung kaum sichtbar, verstärkt sich aber nach rückwärts utö nach den Seiten hin. Die Wellen können so- wohl regel- als auch unregelmäßig sein, je nach- den sie der Trägerin besser zu Gesicht stehen. Meist sind die Frisuren auf der Seite, die der Hut frei* Gilt, etwas stärker bearbeitet.
In diesem Winter wird man am Abend vor allem Kleider aus Spitzenstoff sehen, schwarz oder gelblich, alle bis zum Fuß. alle weit, sehr weit, dich ohne die Schleppe, die schon so oft angekün- bist worden ist, vor der man aber immer noch Sheu zu haben scheint. ‘lieben Spitze wird auch viel Samt zu Abendkleidern verarbeitet; sehr viel tuirö Grün getragen werden — vom saftigen Laub- grün bis zum dunklen Blaugrün. Am Tage findet diese Vorliebe für Grün ihren Ausdruck in d>n Jägcrhütchen, die auf jede nur denkbare Weise schräg auf dem Kops balanciert werden und mit Zedern und Federchen aller Art garniert sind.
Die Wollkleider, die für die Tagesstunden wieder sehr in Ausnahme gekommen sind, weichen in der Farbe häufig vollkommen vom Mantel ab, müssen aber selbstverständlich harmonisch dazu wirken; aber das Complet soll in der uBintec* mode ausgeschaltet fein. Diese Wollkleider für öen Tag sind meist sehr einfach gehalten und zeichnen sich nur durch originelle kleine Garnituren aus. Tor allem wird viel Lackleder zu ihrem Auspuh verwendet, schwarz, weiß, farbig, je nach dem. Gürtel, Blumen und oft dazu passende Ketten aus Lackledermotiven schmücken diese Kleider.
Neu ist in diesem Winter die kleine Blusenlacke, die oft abweichend zum Rock und zur Bluse ge* tragen wird. Man stellt sie aus den verschiedensten Materialien her: aus Wolle, Samt, Pelzplüsch, Krimmer — kurz, man hat da den Weitellen Spielraum, und jungen, schlanken Gestalten stehen diese kurzen Jacken mit mehr oder minder zierlichen Schößchen, auch gut. Die reifere Figur wird beim bewährten Mantel bleiben. Zu Laufmänteln werden rauhe noppige Diagonalwoll- stvsse verarbeitet. Ihr Charakteristikum sind die weitabstehenden Pelzmanschetten und Kragen, die mehr die Form einer Krawatte haben, die sich oll westenartig bis zur Taillenlinie herunterzieht.
Die Schuhmode ist auf einen sehr vernünftigen „ölandpunkt" gekommen: der hohe Absatz ist nur dem Abendkleid Vorbehalten, alle anderen, auch Lackschuhe, haben nur Absätze in normaler Höhe. Großer Wert wird auf weiches und doch stra- pa^erfähiges Leder gelegt.
Don Kops zu Fuß ist die diesjährige Winter- mode auf Solidität und Zweckmäßigkeit eingestellt...
Milch als Hiissmittel in der Küche
Bon Erna Horn.
Die Milch hat außer ihren längst bekannten Berten noch so manche nützliche Rebeneigenschaft, die sie zu einem ausgezeichneten Helfer in kleinen Wien werden läßt.
Hat man z. D., wie das manchmal vorkommen kann, vielleicht, weil man allzu liebend an den Hausherrn gedacht hat, der Suppe etwas reichlich Salz gegeben, so ist uns die Milch ein verschwiegener Retter, denn sie mildert, ohne von ihrer Gegenwart ahnen zu lassen, den Salzgeschmack sehr. Das geht natürlich nur, wenn -z sich um gebundene, also nicht klare Fleisch- silppen und ähnliches handelt.
Sollte für eine Rahmsoße nicht gerade der benötigte saure Rahm vorhanden fein, so hilft
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Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Aus dem Reiche der Krau.
man sich sehr gut, entweder mit Buttermilch oder auch süßer, der man zur raschen Säuerung einige Tropfen Zitronensaft beigibt.
Bratwürste wollen, um besonders zart und trotzdem mit einem goldbraunen Röckchen bei Tisch erscheinen zu können, vor dem Braten und nach dem Erhitzen in Heißwasser ein kurzes Milchbad. Sie danken es mit einer ebenso schönen Farbe wie ausgesprochener Zartheit.
Wenn man den Griff in den Fettopf nicht allzu tief machen will, etwa beim Kartoffelrösten, so hilft ein Schuß Milch nach dem ersten kurzen An- braten, ohne daß auch nur einer ahnte, daß sie das Fett vertreten hat.
Auch den Eiern ist sie ein willkommener Gefährte. Man kann mit ihr so manches Ei „verlängern". In alten Kuchenrezepten, die glück- gesegnete Großmütter noch mit zehn und noch mehr Eiern in Wirklichkeit umzusehen wußten, kann man prächtig „übersehen", wenn man statt je einem Ci eine Schalenhälfte voll Milch, eine
Schalenhälfte voll Mehl und eine kleine Prise Backpulver nimmt. Auf diese Weise läßt sich die Hälfte der Eier sparen.
Zum Legieren der Speisen oder zu Rühreiern ist auch je eine Eischale voll Milch ausgezeichnet. Rühreier werden sogar noch lockerer.
Weiße Gemüse, die besonders hell und zart zu Tisch gebracht werden sollen, behalten ihr helles Aeußeres, wenn man sie nach dem Schälen in Milchwasser legt und auch den Mehlanlauf mit einem Schuß Milch versieht. Das Gemüse und die Soße werden von der Milch gebleicht, wie es sonst mit Zitrone üblich ist.
An Reis wird stets kalte Milch nachgesüllt, weil sonst die einzelnen Körner aufplahen und einen häßlichen Brei bilden. An Kartoffelpürree dagegen muß die Milch heiß gegossen werden, damit die Kartoffeln weiß bleiben und das Pürree auch nicht mehr kochen muß, weil es davon zähe wird.
3« Besuch in einer Großwäscherei.
Die Errungenschaften unserer Zeit haben sich in vielfältiger Weise nicht nur in den Produktionsbetrieben und in den Einrichtungen des Gemeinschaftslebens der Bevölkerung ausgewirkt, sondern sie haben sich auch das Feld des stillen Wirkens der Hausfrau in steigendem Maße erobert. Gar mannigfaltig sind hier die Verbesserungen zum Zwecke einer erleichterten Wirtschaftsführung ; man wüßte nicht recht, wo man
sein kann, zeigte uns eine Besichtigung der Gießener Großwäscherei „Edelweiß". Es ist nicht nur interessant, den Arbeitsgang in einem derartigen Betrieb als kritischer Beobachter zu verfolgen, sondern es ist auch lehrreich zu beobachten, daß hier nicht nur mit der sorgsamsten Gründlichkeit bei der Materialbehandlung, sondern auch unter strenger Beachtung aller hygienischen und wissenschaftlichen Grundsätze gearbeitet wird, um den
Blick in den
anfangen und wo man enden sollte, wenn man alle die praktischen Reuerungen aufzählen wollte, die dazu bestimmt sind, den vielgeplagten Hausfrauen das Walten am häuslichen Herd leichter zu machen.
Rach Lieberwindung mancher unbegründeten Vorurteile hat sich der Siegeszug der neuen Zeit im Reiche der Hausfrau auch bis auf den Wäscheschrank erstreckt. Es ist die moderne, mit allen Mitteln der neuzeitlichen wissenschaftlichen Erkenntnis und der vollendet durchgesührten Technik arbeitende Großwäscherei, die den Hausfrauen das außerordentlich strapaziöse Werk der Wäschereinigung abnimmt, der sorgsamen Hausmutter den kostbaren Wäscheschah, aus den sie natürlich besonders stolz ist, in blütenweißer Pracht und unter sorgsamster Schonung des Stoffmaterials gereinigt innerhalb weniger Tage schrankfertig wieder abliefert.
Die moderne Großwäscherei gehört heutzutage zu den selbstverständlichsten Dingen des Daseins. Daß ein solcher Betrieb, an den die Hausfrauen naturgemäß sehr hohe Anforderungen stellen, dem Privathaushalt ein Faktor von großer Bedeutung
Bügelfaal I
Wünschen der in puncto Wäschebehandlung bekanntlich stets sehr anspruchsvollen Hausfrau gerecht zu werden.
Die zur Reinigung eingelieferten Wäschepakete werden zunächst der Registratur übergeben, in der jedes Stück seinen „Steckbrief" erhält, entweder in Gestalt einer Rümmer oder eines kleinen, verschiedenartig gefärbten Fädchens, der das Stück während des ganzen Arbeitsganges und auch bei späterer Wiederkehr in den Betrieb immer wieder als Eigentum des fraglichen Auftraggebers erkennbar macht. Durch dieses Steckbriefverfahren, das an die Registriermethode bei der Polizei erinnert, wird von vornherein eine Verwechselung mit dem Eigentum anderer Auftraggeber so gut wie vollständig ausgeschlossen. Von der Registratur geht der Weg der Wäsche zur Sortiererei, in der - wenn es sich nicht um ausdrücklich bestellte geschlossene Wäscheposten handelt — die Stücke ihrer Art nach sortiert werden, damit nicht empfindliche Gegenstände beim Waschprozeß mit weniger empfindlichen zusammenkommen und dann unter Umständen Rachteil erleiden. Hierauf geht es zu den Waschmaschinen, modern eingerichteten,
weise Ohnmachtsanfälle vor, sie betreffen aber beide Geschlechter in gleichem Maße. Aber die Ohnmacht als Schwächezeichen des weiblichen Geschlechts hat aufgehört. Dabei haben die Frauen in den letzten Jahren gewiß unendlich viel Schweres erlebt, und auch die heutige Zeit wird ihnen gewiß nicht leichter gemacht als ihren bleicheren Kameradinnen aus der Ohnmachtszeit. Im Leben wie in der Literatur werden heute Seelenprobleme fachlicher angegangen, als daß man ihnen durch vorübergehendes Verschwinden ins Unbewußte auswiche
Dieser Wandlung liegt zunächst eine sehr konkrete körperliche Ursache zugrunde: die Frauen sind gesünder geworden. Sie leben länger als früher, und die längere Lebenszeit verbringen sie in besserer Gesundheit. Man kann das an einem ganz bestimmten Beispiel verfolgen. Eine für junge Mäd chen und Frauen typische Krankheit, die Bleich- s u ch t, ist in den letzten Jahrzehnten immer seltener geworden — und gerade sie hat die Grundlage für zahlreiche Ohnmachtsanfälle in früheren Zeiten gegeben. Die Bleichsucht gab sich durch blasse Farbe der Haut und der Schleimhäute zu erkennen. Müdigkeit und Mattigkeit machten anstrengendere Arbeiten unmöglich, Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Magen- ftörungen waren häufig. Der Blutfarbstoff, das Hämoglobin, war nachweisbar herabgesetzt, auf 50 und 60 o H. der Norm; damit waren alle Vorgänge im Körperinnern verlangsamt, lieber die Ursache der Bleichsucht war man sich nie im klaren. Freilich nahm inan an, daß Fehler in der Lebensweise schuld daran trügen: viel Aufenthalt in schlechter Lust, Mangel an Sonnenlicht, zu wenig Bewegung usw Auffallenderweise litten gerade solche Frauen unter der Krankheit, die infolge gehobener wirtschaftlicher Lage ihre Lebensweise gesundheitlich günstig gestalten konnten.
Aus allen Ländern wird nun in den letzten Jahrzehnten von einer starken Abnahme, um nicht zu sagen Verschwinden der Bleichsucht berichtet. Aeltere Aerzte, in deren Praxis noch zu Beginn des Jahrhunderts Mädchen und junge Frauen mit Bleichsucht eine große Rolle spielten, berichten, daß sie jetzt der artige Krankheitsfälle nur ausnahmsweise zu Gesicht bekommen. Dabei kann keine Rede davon sein, daß die Erkennung der Krankheit vor dreißig Jahren
etwa unsicherer gewesen sei als jetzt. Außerdem handelt es sich nicht nur um die Schlüsse aus der Untersuchung des Blutes. Es sind ganz allgemein die bleichen, müden, leidenden Mädchengestalten, die auf den ersten Blick den Eindruck der Bleichsucht machten, seltener geworden. Das Präraffaelitische entspricht nicht mehr dem Frauentyp, unsere Zeit reicht den Preis einer gesunden, leicht sportlich betonten, der Sonne verbundenen Schönheit.
Es ist nicht klar zu erkennen, welche Einzelgründe für die Abnahme der Bleichsucht in Betracht kommen. Als wichtig wird die gesündere Frauen klei- d u n g betrachtet, mit ihrer Durchlässigkeit für Licht und Sonne, der Milderung von Korsett und Schnüren, wobei ein schädlicher Druck auf lebenswichtige Organe wegfällt. In früherer Zeit hatten Sonntagsausflüge aufs Land häufig eine auffällige Verschlechterung des Besindens bei bleichsüchtigen Frauen zur Folge; vielleicht waren sie an diesen Sonntagen besonders elegant, d. h. eng geschnürt angezogen. Trotz gelegentlichen modischen Umkehrungen geht das Streben der neuzeitlichen Frauentracht entschieden auf Vereinfachung und Erleichterung hin, und das im Zusammenhang mit der gesteigerten Rückkehr zur Natur, mit der neu errungenen Freiheit der Frau für Turnen und Sport, vielleicht auch mit einer klügeren Ernährung trägt zu ihrer gesundheitlichen Kräftigung, zum Verschwinden unnötiger Ohnmachtsanfälle bei.
Hand in Hand damit geht die Aenderung der seelischen Einstellung. Immer mehr rückt die Frau im Berufsleben, in ihrer sozialen Stellung in Gleichwertigkeit mit dem früher alleinherrschenden Mann vor. Was sollte sie da mit einer künstlich hilfsbedürftigen, hilfeheischenden Schwach- heitsgeste erreichen? Die seelische Freientwicklung der Frau befreit sie von der Notwendigkeit solcher Umwege zur Durchdrückung ihres Willens. Sie will von selbst —• ohne bewußt viel zu wollen — länger jung bleiben, und das gelingt ihr mit Methoden, die nichts mehr mit vergangenen Ohnmachtszuständen zu tun haben. Das „gefährliche Alter" — die überreizte Entdeckung einer bleichsüchtigen Zeit — ist nicht mehr gefährlich; die Frau einer vorgeschrittenen Umwandlungsperiode scheint uns ganz und gar nicht mehr aus dem Leden ausgefchaUei — und vor allem sich
Mittwoch. 2'. Oktober (951
Iim Innern der Waschtrommeln mit Kupfer ausgestatteten Apparaten. In diesen „Eisernen Waschfrauen" mit maschinellem Antrieb werden die Wäschestücke in ständig gleichbleibendem Tauch- verfahren gründlich behandelt. Rachdem diese Prozedur abgeschlossen ist, wandert die Wäsche in die Zentrifuge, in der die Stücke durch die rotierende Kraft des Zentrikugekessels, die durch Luftdruck das Wasser aus der Wäsche heraus» saugt, nahezu bügeltrocken werden; was bei dem Waschen im Haushalt durch das Wringen erreicht wird, kommt hier ohne Rachteil für die Wäsche
seiber nicht, das ist noch wichtiger. Die liebliche Verschwiegenheit Arianes entspricht mehr der Zeit als der laute Aufschrei eines Ohnmachtsanfalles als Antwort auf eine seelische Erschütterung.
Diese Entwicklung zum Gesünderen ist um so na- türlicher, als die Frau gesundheitlich in der Tat das stärkere Geschlecht ist. Nur die Rückdämmung in eine sozial untergeordnete Stellung ließ das zeitweise ver- kennen. Es ist aber keine Erkenntnis von heute. Der berühmte Wiener Chirurg B i 11 r o t h , Erfinder der ersten großen Magenoperationen, war verreist, als in seiner Wiener Klinik bei einem Patienten die sofortige operative Entfernung des Magens nötig wurde. Der stellvertretende Oberarzt der Klinik wagte sich nicht ohne weiteres an die damals als unerhört kühn geltende Operation heran. Er telegraphierte Billroth, ob er mit der Vornahme der Operation einverstanden sei. Billroth antwortete: „W e n n es eine Frau ift, ja."
Billroth und viele erfahrene Aerzte vor und nach ihm hatten die feste Ansicht, der weibliche Körper sei widerstandsfähiger als der männliche, er könne mehr aushalten. Das kommt bei Krankheiten zur Geltung, es zeigt sich im geduldigeren Ertragen von Schmerzen, aber die Grundlage ist schon in den grundlegenden Lebensverhältnissen gegeben. Das Tragen des Kindes, die Geburt verlangen von vornherein Ausdauer und Widerstandsfähigkeit. Die männliche Sterblichkeit ist höher, in allen Lebensaltern und bei allen Krankheiten.
Die Geduld der Frauen körperlichen Beschwerden gegenüber geht ia nicht zuletzt aus der großen Opfer- Willigkeit der Mode gegenüber hervor. Was die Frau im Laufe der Jahrhunderte an Entstellungen, Verschnürungen und Verpackungen, an Unbequemiid). feiten und Schmerzen auf sich genommen hat — das allein beweist schon ihre überlegene Fähigkeit zur Uederwindung von Leiden — irgendeiner Idee zuliebe. Vielleicht hilft aber gerade die neuzeitliche Kleidungsmode der Frau einmal zur Festigung ihrer Gesundheit und damit — im Verein mit der geänderten seelischen Einstellung — zur Ueberminbung von unnötigen, weil nicht aus echter Krankheit ent- standenen Ohnmachtsanfällen.
Blick in den Waschsaal I
stücke durch den saugenden Luftdruck zustande, der das Wasser aus der Wäsche herausgeschleudert. Von besonderem Interesse ist in diesem Zusammenhänge, daß die Wäsche in enthärtetem Wasser (ein modernes wissenschaftliches Verfahren, auf dessen Anwendung der Weißgrat der Wäsche beruht), gewaschen wird, das die gleichen Vorteile bietet wie das von den Hausfrauen so sehr geschätzte Regenwasser. Von der Zentrifuge wandern die Wäschestücke weiter in die Trockenanlage, oder bei glatten Stücken in die Dampfmangel, in der sie vollkommen gebrauchsfertig gebügelt werden. Für die Behandlung der feineren Wäschestücke ist dann in einem großen Arbeitssaale noch eine Reihe weiterer Apparate vorhanden, die es ermöglichen, alle Stücke in bester Weise zum Gebrauch zuzubereiten. Don den Apparaten für diese Arbeit seien hier nur genannt die Spezialkragenmaschinen, die Oberhemdenpresse, die Manschettenpresse, die Bündchenpresse, Strumpfformer der verschiedensten Art, die Gardinenspanntrommel, alle möglichen Bügelapparate usw., kurzum eine Fülle von technischen Einrichtungen, die nur dem einen
Blick in den Mangelsaal.
Zwecke dienen, die Wäsche wieder auf den hohen Stand der Fertigkeit und des Weißglanzes zu bringen, den nicht nur die Hausfrauen, sondern auch die Herren der Schöpfung lieben.
Interessant und aufschlußreich für die Besucher ist ein Blick hinter die Kulissen eines solchen Großwäschereibetriebes. Man lernt dabei ein Verfahren in der Wäschebehandlung kennen und schätzen, dessen Vorzüge am Schlüsse eines Besichtigungsrundganges offenkundig find.


