Ausgabe 
21.8.1931
 
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Roch keine Einigung über das britische Sparprogramm.

Macdonald verhandelt mit der Opposition und den Gewerkschaften. Oer strittige Ausfuhrzoll.

London, 20. Aug. (TU.) Ministerpräsident Macdonald, begleitet vom Schahkanzler Snowden, empfing am Donnerstagvormittag die Vertreter der Oppositionspar­teien. Die Konservative Partei war vertreten durch Reville Chamberlain und Sir Sa­muel Hoare, die von Baldwins Privatsekretär begleitet waren, während für die Liberale Par­tei Sir Herbert Samuel (für den"erkrankten Lloyd George) und Sir Donald Maclean er­schienen waren. Macdonald unterbreitete der Opposition die vom Gesamtkabinett am Mitt­wochabend beschlossenen Vorschläge zum Ausgleich des Staatshaushalts, ohne jedoch, wie es heißt, den viel um­kämpften Plan eines zehnprozentigen Einfuhrzolles auf Fertigwaren und Nahrungsmittel zu erörtern. Obwohl bis­her nichts über den Inhalt der Besprechung ver­lautet, dürfte feststehen, daß die Konservatwen rücksichtslose Einsparungen in den jetzigen Ausgaben für wichtiger halten als die Einführung eines Schutzzolles. Die Besprechung wird möglicherweise am Freitayvvrmittag fort­gesetzt werden. Man schließt hreraus, daß die Regierungsvorschläge in ihrer jetzigen Form we­nigstens den Konservativen noch nicht völ­lig annehmbar erscheinen.

Am Rachmittag begaben sich die fünf Mitglie­der des SparausschusseS (Macdonald, Snow­den, Henderson, Graham und Clynes) zum so­zialistischen Zentralbureau, um ihre Pläne dem Generalrat der Gewerkschaften und dem nationalen Vollzugsausschuß der Arbei­terpartei vorzutragen. Die Vorschläge ent­halten, soweit bisher bekanntgeworden ist, fol­gende Hauptpunkte:

1. Kein Abbau der Vergünstigungen der Ar- beitslosenversicherung, jedoch mög­licherweise eine ErhöhungderBeiträge.

2. Vorschläge, um die Finanzen der Arbeitslosen­versicherung auf eine gesundere Basis zu stellen, evtl, durch Einbeziehuny weiterer Berufsklassen in die Pflichtversicherung.

L. Gehaltsabbau der Kabinettsminister' Rich, ter, gewisse Beamtenklassen, Lehrer und Polizei.

4. Eine Sondersteuer für gewisse festver - zinsliche Staats- und Industrie- papiere.

5. Einsparungen bei den einzelnen Verwal­tungsbehörden.

Der Vollzugsausschuß der Arbeiterpartei gab nach dem Besuch der Minister eine Erklärung heraus, in der es heißt, daß der Vollzugsausschuß beschlossen habe, die endgültige Stellungnahme der Regie- r u n g selber zu überlassen. 3m Kabinett selber blieb nur der Voranschlag für die Einführung eines zehnprozentigen Zolltarifs auf gewisse Fertigprodukte und Lebens­mittel unerledigt und ist unter Umständen geeignet, weitgehende Folgerungen nach sich zu ziehen. Wie es heißt, hat Schatzkanzler Snowden als alterFreihändler" gegen einen Zolltarif im Prinzip, gegen den er sich seit seiner Budget-Rede im April ausdrücklich festgelegt hat, mit der ihn nachgerühmten Zähigkeit Widerstand geleistet. Handelsminister Graham soll sich dagegen dem Zwang der besonderen Umstände gebeugt haben, vorausgesetzt, daß Einsparungen in größtem Aus- maß als Gegengewicht mit ihm Hand in Hand gehen. Henderson als Mitglied des Sparaus­schusses ziehe das kleinere liebel des Zolltarifs einer zwangsläufigen Beschneidung der sozialen Verglln- stigungen vor. Das Kabinett hielt eine einstündige N a ch t s i tz u n g ab und vertagte sich gegen 21.30 Uhr auf Freitagmorgen 10 Uhr. Die fünf Minister des Sparausschusses blieben nach Schluß der Sitzung zusammen und empfingen eine Abordnung des G e - neralrates der Gewerkschaften, die ihnen die Stellungnahme des Generalrats zu den Regierungsoorschlägen unterbreitete. Politische Kreise betrachten die Vertagung der Konferenz der drei Parteien als ein Zeichen dafür, daß die behandel­ten Fragen komplizierter sind, als ursprüng­lich angenommen wurde. Es bestehen viele Schwie­rigkeiten, die Standpunkte der drei Parteien ein­ander näherzubringen. Es ist möglich, daß die Be­sprechungen auch während des Wochenendes fort­gesetzt werden.

Deutschland und die englischen Zollpläne.

Berlin, 20. Aug. Die in England augenblicklich erörterten Pläne, auf Lebensmittel und Fertigwaren einen 10-v. H.-Zoll zu legen, werden in Berliner politischen Kreisen mit Interesse verfolgt. Man ist der Auffassung, daß die Durchführung dieser Pläne einen grundlegenden Umschwung der Han­delspolitik der letzten Jahre bedeuten und den Richtlinien der großen Wirtschafts­konferenzen völlig widersprechen würde. Auch der Layton-Bericht wendet sich ja gegen eine Schranke für die freie Güterbewegung.

Oie Regierungskrisis in Ltngarn

bahnte, ging über geschichtliche Tatsachen hinweg, vor allem auch über den Gegensatz, daß es Italien war, das Ungarn von der Adria verdrängt hat. Bun hat auch Mussolini die Annäherung an Ungarn nicht deshalb gesucht, weil ihn die Tragik Ungarns erschütterte, sondern nur deshalb, um Südslawien auch vom Vörden her einzukreisen. Wirtschaftlich und finanziell hat diese Politik Ungarn verhältnismäßig wenig Vorteile gebracht, aber politisch insofern genützt, als sie dem unga­rischen Volke national den Rücken stärkte. Es gibt in Ungarn mit wenigen Ausnahmen keinen Men­schen, der nicht eine Wiederherstellung der nationalen Grenzen fordert, vor allem, soweit es sich um die dichtbesiedelten ehe­mals ungarischen Gebiete in der Tscheche! und Südslawien yandelt.

Aber gerade das hat den Gegensatz zur Tschechoslowakei vergrößert, so daß es des Wiener Zollprotokolls und der Möglichkeit eines ungarischen Anschlusses gar nicht bedurfte, um Be- nesch zu veranlassen, Ungarn in die Enge zu trei­ben. Ob ihm das gelungen ist, läßt sich nicht sicher feststellen, denn einstweilen ist darüber nichts bekannt, welchen Preis Ungarn für die Zu­sage einer französischen Finanzhilfe zahlen muß. Frankreich hat diesmal geschickter operiert als bei der Finanzhilfe für Oesterreich, wo der Versuch einer politischen Erpressung von der Dank von England abgefangen wurde. Wenn auch Graf Dethlen selbst erklärt hat, sein Rücktritt sei aus Zweckmäßigkeitsgründen erfolgt, so bleibt gewis­sen Deutungen doch Tür und Tor geöffnet. Der Vachfvlger Bethlens, Graf Karvlhi, ist seiner ganzen Vergangenheit nach nicht verdäch­tig, einen außenpolitischen Kurswechsel herbei- führen zu wollen, der den lebenswichtigen In­teressen Ungarns zuwiderläuft. Auch Gras Ka- rolhi hat sich immer als leidenschaft­licher Gegner der Pariser Verträge bekannt, ja, noch bis in die letzten Tage wieder­holt feierlich ausgesprochen, daß es eine Befrie­dung Europas und den wirtschaftlichen Aufstieg nicht geben könne, ohne daß zuvor das Unrecht an Ungarn wieder gutgemacht worden sei. K e i n e Regierung in Ungarn würde sich auch nur einen Tag halten können, die diese Politik preisgäbe, selbst auf die Gefahr hin, stärkstem Druck aus­gesetzt zu sein. Aber für Deutschland besteht alle Veranlassung, den Gang der Ereignisse in Un­garn aufmerksam zu verfolgen, zumal in Hinsicht auf die Verhandlungen Ungarns mit der Tschechoslowakei über ein engeS Zvllbündnis. Ungarn kann wohl gezwun­gen werden, seine Grenzen der tschechoslowakischen Industrie zu öffnen, aber das bietet seiner Land­wirtschaft keinen Ersah für den deutschen und österreichischen Markt.

Rätselraten um den neuenKurs Knüpfen die Franzosen politische Bedin­gungen an ihre Finanzhilfe?

Budapest, 20. Aug. (TU.) In der ungarischen Presse wird in den Kommentaren zum Regierungs­wechsel in erster Linie heroorgehoben, daß weder in der inneren noch in der auswärtigen Politik ein Kurswechsel zu erwarten sei. Die Ernennung des Grafen Karolyi zum Ministerpräsidenten gelte als der beste Beweis dafür, daß in der Innen­politik keine weitgehende Verschiebung nach links, in der Außenpolitik auch keine Abkehr von der italienischen Orien­tierung und keine Anpassung an Paris erfolgen werde. Diesen Behauptungen gegenüber führt das rechtsoppositionelle BlattMagyarorßaa" aus, daß Graf Karolyi ein Franzosenfreund sei und seiner Gesinnung auch die reservierte Haltung

Quo vadis Hungaria?

Die Geschichte Ungarn» seit dem Zusammenbruch der Donaumonarchie ist ein Leidensweg, auf dem sich daS madjarische Doll mit dem unbeugsamen Glauben weiterschleppt, daß am Ende der Pas­sion die Wie derherstellung deS Lan­des in seinen nationalen Grenzen stünde. Ungarn ist vom Fieber deS Bolschewismus geschüttelt worden, eS hat zweimal einen Staats­streichversuch des letzten Kaisers der Doppelmon- avchie aushalten müssen, um sich bann endlich 1922 "in der Goldenen Bulle eine Verfassung zu geben, di« die einer Monarchie auf Wartezeit ist. Das zertrümmerte Ungarn ist auf die Dauer - wirtschaftlich ebensowenig lebensfähig wie Oester­reich selbst, wobei der Unterschied darin liegt, daß die Masse der ungarischen Bevölkerung sich zur Vvt von der unverkäuflichen Agrar- produktion erhalten kann. Das ist ja die Tra­gik Ungarns, daß es eingekeilt wird von Polen und der Tschechoslowakei, die wohl ihre Industrie­erzeugnisse an Ungarn verkaufen wollen, aber nicht daran denken, Ungarns Getreide und Dieherzeug- nisse abzunehmen. Bei einem Außenhandel, der sich in Einfuhr und Ausfuhr mit je ungefähr 750 Millionen Mark ausgleicht, steht bei der Einfuhr Deutschland weitaus an erster Stelle, wäh­rend bei der Ausfuhr Oe st erreich diesen Rang einnimmt. Das erklärt auch, warum Ungarn das Wiener Zvllprotokvll mit außerordent­licher Spannung beobachtet hat, weil das Werden einer deutsch-österreichischen Zollunion in mehr als einer Hinsicht über das wirtschaftliche Geschick Un­garns entscheiden muß.

Hier hat ja auch eigentlich die Gegenwehr derTschechoslowakeiundFrankreichs eingesetzt. Ein mitteleuropäischer Wirtschaftsblock, der Ungarn einbezieht, muh die Tschechoslowakei auf die Seite drängen, wenn sie es nicht vorzieht, den Anschluß zu suchen. Diese Gegenwehr hätte die vorsichttge und überlegt« Politik Ungarns nicht beeinflußt, wenn nicht die internativ- naleWirtschaftskrise wie ein Hagelwetter gerade über Ungarn hereingeb rochen wäre. Cs muh seinen Ueberfluh an Agrarerzeugnissen ab- stohen können, oder aber darauf verzichten, Waren «knzusühren, die ein europäisches Volk von hoher Gesittung nicht entbehren kann. Der Zusammenbruch der Wiener Credit- a n st a l t ist an Ungarn nicht spurlos vorüber- geaangen. Denn ist es ein Zufall oder von außen gelenktes Schicksal, daß die finanziellen Schwie­rigkeiten Ungarns gerade zu der Zeit unüber­windlich anwuchsen, als das Wiener Zollproto­koll auf der Tagesordnung Europas stand? Auch die deutsche Iuli-Krise hat Un­garn nicht nur gestreift, denn bei der engen wirt­schaftlichen Verbindung beider Länder muh die Erschütterung der finanziellen Grundlagen beide Länder gleichmähig treffen. Das ist auch ge­schehen. Denn auch Ungarn hat Bankfeiertage einlegen müssen, um unmittelbar über die Krise hinwegkvmmen zu können. Aber auch Ungarn steckt in einem Fehlbetrag, den es durch die Mittel seiner Wirtschaft nicht abdecken kann, so dah nichts anderes übrig blieb, als finan­zielle Hilfe im Ausland zu suchen.

Wenn dem Reichsverweser Horthy das ge­schichtlich« Verdienst gebührt, Ungarn von der bolschewistischen Herrschaft befreit zu haben, so gebührt dem Grafen Dethlen nicht weniger das Verdienst, Über alle inneren und äußern Hemmungen hinweg auS Ungarn ein Staatswesen gemacht zu haben, das aus der europäischen Poli­tik nicht Wegzudenken ist. Graf Dethlen hat den Mut gezeigt, alte Tafeln zu zerbrechen, denn der Weg. den sich seine Politik nach Italien

Ungarns gegenüber der deutsch-österreichischen Zoll­union zuzuschreiben sei.

Eine Abordnung der Regierungsparteien bat den Grafen B e t h l e n, zumindesten dem neuen Ka­binett als Außenmini st er anzugehören. Graf Bethlen erklärte, er werde eine Regierung des Grafen Julius Karolyi gern mit Rat und Tat unter­stützen, jedoch kein Ministerium übernehmen, da die Lage des Kabinetts Karolyi viel leichter fein werde, wenn er außerhalb des Kabinetts bleibe. Der Präsident der Regierungspartei, Paul Pesthy, erklärte dem Vertreter derTelegraphen-Union" nach dem Besuche, es würden weder in der inneren noch in der auswärtigen P o - litik Kursänderungen eintreten, höchstens würde auf wirt sch astspolitischem le­btet eine neue Richtung eingeschlagen wer­den. In unterrichteten Kreisen werden die Gerüchte, wonach die Franzosen für die Gewährung der vor einigen Tagen zustande gekommenen Anleihe politische Bedingungen stellten, als un­richtig bezeichnet. Die Franzosen hätten lediglich eine Sicherung des Haushaltsgleich­gewichtes gefordert.

Wer ist Graf Karolyi?

Die Persönlichkeit des neuen ungarischen Ministerpräsidenten.

Der mit der Neubildung des ungarischen Kabi­netts beauftragte Gras Julius Karolyi steht im 61. Lebensjahr. Vor dem Kriege war er Ober- gespan (Oberpräsident) von Arad. Im Kriege kämpfte er als Husarenleutnant an der russischen Front. Während der proletarischen Diktatur in Ungarn im Jahre 1919 gründete er in Arad eine gegenrevo- lutlonäre Regierung, die jedoch infolge der rumänischen Besetzung nicht zur Geltung kam. Da­mals flüchtete er nach Szeged, wo er ebenfalls Mi­nisterpräsident der gegenrevolutionären Regierung war, seine Stellung jedoch nach kurzer Zeit abtrat. Nach der Revolution nahm Graf Karolyi zunächst nicht mehr am politischen Leben teil. Aus seiner Zu­rückgezogenheit trat er erst im Jahre 1928 wieder hervor, als er zum Kronhüter gewählt wurde. Im Dezember vorigen Jahres übernahm er dann das Außenministerium und vertrat seitdem Ungarn in Genf bei den Dölkerbundsratskonferenzen.

Amerikanisches Getreide für China.

Washington, 20. Aug. (WTB.) Auf die An- frage der chinesischen Regierung, ob es möglich fei, Getreide für d i e Opfer der lieber- schwemmungskatastrophe im Pang 1 se- tat zur Verfügung zu fteUem hat der Farmboard zustimmend geantwortet. Man ist bereit, in Ver­handlungen über den Verkauf von 15 Mil­lionen Bushels einzutreten, lieber die Zah­lungsmodalitäten verlautet einstweilen aller­dings noch nichts. Diese Seite der Frage ist noch nicht erörtert worden.

Aus aller Welt.

Lin Wettbewerb

für die Ausgestaltung des Reichs-Ehrenmals.

Der Vorstand der StiftungReichsehren- mal, deren Ehrenvorsitzender Reichspräsident von Hmdenbura ist, erläßt für das Ausscheiden über die Ausgestaltung des Reichsehrenmals für die deutschen Gefallenen des Weltkriegs in Form eines Ehrenhains bei Bad Berka (Thüringen) auf dem vom Landkreis Weimar zur Verfügung gestellten und dem unmittelbar angrenzenden Ge­lände Bedingungen. Nähere Unterlagen über Ort und Gelände sind gegen Einsendung von 2 Mark auf das Postscheckkonto der Stiftung Reichsehrenmal Berlin 162 000 zu beziehen durch die Geschäftsstelle der Stiftung, Reichsministerium des Innern. Der Vorschlag soll sich im Rahmen der durch die Not der Zeit und die innere Würde der Aufgabe gebo­tenen Einfachheit halten. Die Beteiligung an dem Wettbewerb steht jedem künstlerisch tätigen Deutschen (Reichsangehörigen) frei, der im Besitz der bürger­lichen Ehrenrechte ist. lieber die Vorschläge entschei­det ein Preisrichterkollegium. Das Preisrichterkolle­gium wählt aus den eingereichten Vorschlägen die 20 besterscheinenden aus und bringt sie in die engere Wahl. Es wählt ferner aus feiner Mitte eine Aus - ft e 11 u n g s t o m m i f f i o n, die im Einvernehmen mit dem Vorsitzenden darüber entscheidet, welche eingereichten Vorschläge, außer den zur engeren Wahl genommenen, öffentlich ausgestellt werden sollen. 2)ie Urheber der in die engere Wahl genom­menen Vorschläge werden aufgefordert werden, ihre Ideen nunmehr in Form ausgearbeiteter Entwürfe einzureichen. Sie erhalten eine Vergütung von je 1000 Mark. Für den engeren Wettbewerb werden mindestens drei Preise ausgesetzt im Gesamt­beträge von 10 000 Mark, die nach dem Ermessen des Preisrichterkollegiums auf die besten Arbeiten verteilt werden.

Italienische Schulschiffe zu Besuch in kiel.

Am Donnerstag um 20 Uhr liefen die beiden italienischen SchulschifteChristoforo Co­lombo" undAmerigo Despucci" in die Holtenauer Schleusen ein, und schleusten zur Förde durch. Sie gingen zwischen den deutschen Kriegs­schiften an die Bojen. Am Freitagfrüh findet «in« Pressebesichtigung der Schulschifte statt. Admiral D e r d a n c i und der Marineattachö Kapitän zur See Graf Trebiliani hatten sich zur Begrüßung des italienischen Admirals eingefun­den. Die beiden Schulschifte werden in Kiel «men dreitägigen Aufenthalt zum Besuch der deuftchen Marine nehmen. DieArnerigo Despucci", die die Admiralsflagge führt, hat eine Wasserver­drängung von etwa 4000 Tonnen und ist beträcht­lich größer als die »Cristoforo Colombo". Beide besitzen eine hervorragende Takelage nach dem Muster der Fregatte »Vittorio Emanuele", eines ruhmreichen Schiftes der sardinischen Flotte. Die Segelfläche zählt mehr als 2000 Quadratmeter und ist auf drei Masten verteilt. Mit elektrischem Antrieb erreichen die Schifte eine Geschwindigkeit von etwa 11 Seemeilen. Die diesjährige Reise, die am 12. Iuli in Livorno begonnen hatt führte über Lissabon, Brest, Amsterdam, Kiel, dann weiter nach Danzig, London und Ceuta.

Admiral von Truppe! t-

Admiral a. D. Oskar von Truppe!, der frü­her« Gouverneur von Kiautschau, ist am Donnerstag in Berlin-Frohnau gestorben. Truppel wurde 1854 in Katzhütte (Schwarzburg- Rudolstadt) als Sohn eines Pfarrers geboren. 1871 trat er als Kadett in die Kaiserliche Marine ein. 1890 tat er als Erster Offizier auf derHo- henzollern" Dienst. 1897 wurde er Kommandant des in Ostasien befindlichen Kreuzers Prinz Wil­helm". auf dem er vor Manila Zeuge der Ereig­nisse des spanisch-amerikanifchen Krieges war. 1899 rückte er zum Kapitän z. S. auf und wurde gleichzeitig Abteilungschef im Reichsmarineamt. 1901 wurde er Gouverneur von Kiautschau

Mit großer Umsicht hat er das deutsche Schutz» gebiet zehn Iahre lang verwaltet. 1911 wurde Truppel als Admiral zur Disposition gestellt.

Die Lisenbahnaltentate

in Jugoslawien vor der Aufklärung.

-> Durch Crheoungen der österreichischen Sicher­heitsbehörden wurde festgestellt, daß in der Rächt zum 1. August in SchwarzachSt. Veit mit dem v-Zug ParisWien zwei Ausländer an­kamen. die in der folgenden Rächt mit dem D* Zug 31 von SchwarzachSt. Veit nach Bad Gastein weiterfuhren und auch in der Rächt auf den 3. August diesen 0-Zug in der Richtung gegen Villach benutzten. An Hand der Personalbeschreibungen dieser beiden verdäch­tigen Personen konnte festgestellt werden, dah es sich um zwei kroatische Emigranten handelt, von denen der eine zweifellos mit Stanko Hraniloviz identisch ist. Rach Aussagen mehrerer Eisenbahnbediensteter, welche dies« Züge be­gleiteten. richtet sich gegen die beiden der Ver­dacht, während der Fahrt des v-Zuges 31 auf der Strecke SchwarzachSt. VeitVillach d i e Sprengkörper, welche am 2. bzw. 3. August 1931 in D-Zügen zur Explosion gelangten, an­gebracht zu haben. Die,Bundespolizeidirektion verständigte alle Sicherheitsbehörden, diese ver­dächtigen Personen sofort zu verh^te^.

Schweres Unwetter im steirischen Mürztal.

Das Mürztal wurde heute nachmittag von einem verheerenden, orkanartigen Unwetterheim- gesucht, das etwa 15 Minuten dauerte. Groß« Hagelschlvßen vernichteten In den Ortschaf­ten längs der Mürz von Bruck an der Mur bis Mitterdorf, Wartberg und Krieglach die O b st - kulturen und Feldfrüchte. Di« Schloßen lagen teilweise 10 Zentimeter hoch. Der Sturm richtete in den Waldungen, an Häusern und elek­trischen Leitungen schweren. Schaden an. Die Wassermassen der hochgehenden Mürz und ihrer Wildbäche setzten Straßen und Plätze vie­ler Ortschaften und die Keller unter Wasser, so daß die Feuerwehr überall schwere Arbeit hatte. Bei der ohnehin schwierigen Wirtschaftslage int Mürztal bedeutet das Unwetter eine Katastrophe.

Eine Kinderichlacht in Berlin.

Eine Kinderschlacht bedenklichen Umfanges ent­wickelte sich im Rorden Berlins in bet Döttgenstrahe. Schulkinder im Alter von 10 biS 14 Iähren aus der Puttbuser Straße rückten mit Latten, Eisen st angen und ande­ren Geräten bewaffnet gegen ihre Mit­schüler aus der Döttgenstraße an. Cs entwickelt« sich eine Schlacht, die erst durch das Erscheinen einer Polizeistreife beendet wurde. Der größte jEeil der Kinder, man rechnete fast 100, ergriff die Flucht, zwölf konnten von ihnen ergriffen werden. Ihre Rcrrnen wurden der Schulleitung mitgeteilt. Ob es dabei zu Verletzten gekommen ist, konnte noch nicht festgestellt werden.

300 000 Mark veruntreut.

Auf Veranlassung der Karlsruher Kriminal­polizei wurde der Landwirt Iohann Eschbach aus Karlsruhe in Zürich verhaftet. Er hat im Laufe der Zeit eine ganze Reihe von Personen um rund 300 000 Mk. betrogen, in der Hauptsache kleine Geschäftsleute, die er um ihre Ersparnisse gebracht hat. Eschbach hatte in Karlsruhe ein Treuhandbureau, das ihm als Deckmamel für seine umfangreichen Betrügereien diente. ,

Ein Urenkel

des Marschalls Blücher in England gestorben.

Fürst Blücher, ein Urenkel des berühmten Feld- Marschalls, ist in Boscümbe im Alter von 65 Jahren gestorben. Fürst Blücher, der mit einer Engländerin verheiratet war, hat den größten Teil seines Lebens in England verbracht. Bei Ausbruch des Krieges begab er sich mit seiner Gattin nach Deutschland, kehrte aber später wieder nach England zurück. Vor zwei Jahren hatte er eine Operation durchgemacht und war seitdem leidend.

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Wettervoraussage.

Der Kern der britischen Störung ist bis zur Nord­see weitergewandert, und der Kaltluftzustrom an der Rückseite hat bereits eingesetzt. Im Bereich der kühlen Ozeanluft, die jetzt auf das Festland gelangt, nimmt die Witterung einen unbeständigen und unfreunb- lichen Charakter an. Das warme Wetter ist somit beendet, und Temperaturrückgang tritt ein. Mit der wechselnden Bewölkung folgen öfters Regenschauer. Wenn auch durch die Zufuhr der Kaltluft der Luft­druck ansteigt und dadurch die Wetterlage sich etwas beruhigen durfte, so ist doch eine durchgreifende Besse- rung vorerst nicht vorauszusehen.

Vorhersage für Samstag: Unbeständig und kühl, wechselnd wolkig, Regenschauer.

Lufttemperaturen am 20. August: mittags 20,6 Grad Celsius, abends 15 Grad; am 21. August: mor­gens 13,7 Grad. Maximum 21,3 Grad, Minimum 12,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 20. August: abends 20,2 Grad: am 21. August: mor­gens 15 Grad Celsius. Niederschläge 0,5 mm. r-t