Ausgabe 
21.7.1931
 
Einzelbild herunterladen

Dienstag, 21. Zu» 1931

181. Jahrgang

Nr. 168 Erstes vlatt

MetzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

t>md hh6 Derlag: vrLhpsche UntversilLlr-vuch. rmd Stduörnderei K £aige tu Stetzen. 5chrtstlettung und Seschästrvelle: Schalftratze 7.

3enat)me mr Snjetgei für btt Ingesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für i mm höhe für Anzeigen von 27 mm Prelle örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für 9?e- hlamtanjtigen von 70 mnt Brette 35 Reichspfennig, platzvorschrist 20'. mehr.

Chefredakteur.

Dr. Friebr. Will). Lange. Derantworttich für Politik Dr. Fr. Wilh. Canae; für Feuilleton Dr H.IHyriot; für ben übrigen Icil Ernst Blumjchein unb für den Anzeigenteil Tla$ Filter, fämtlid) in (Bieben

Eriche in, tüglich.autzer Sonntags und Feiertags veiloae«: the DOuftrierte

Bietzenei Familienblätta Heimat im Bild

Die Scholls lNonatsvezugsvrets:

2.20 Reichsmark and 80 Neichspfennig für Tröger» lohn, auch bei Nichter» scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt .fernfvrechonfchlüße

enter5aminebiummer22Sl Anlchnsl für vrahtnach. richten Anzeigericfcei. poßsichecsionto:

Kra^NvN am Main 1168«.

Die Sieben-Mächie-Konferenz in London beginnt.

Ein erster Schritt.

Da« Vorspiel zu der großen Londoner Mi­nister besprechung, di« deutsch-französische Füh- lungnabm« m Pari«, ist vorüber. Deutscherseits hat man b:«ten Desprechungen mit einiger Sorg« «ntgegengefeben. wenn man auch von dem Der» hanb.'ungsgcschick der deutschen Staatsmänner und ihrem festen Willen. kein« unmöglichen Zugeständ­nisse zu machen, überzeugt war. Mit Desriedi- gung läßt sich nunmehr feststellen, daß cs we­der zu einem Abbruch der Verhandlungen nochzueinerdeutschen Kapitulation in Pari- gekommen ist. Damit ist für den Ge­danken der internationalen Zusammenarbeit, die nunmehr in London vorbereitet werden soll, schon viel gewonnen.

Die Zusammenkunft der deutschen und fran­zösischen Staatsmänner war durch auherordent- sich« Schwierigkeiten belastet. Die Stellung Frank­reich« zum Hoover-Plane und seine Haltung gegenüber der deutschen Finanzkrise hatte eine Atmosphäre des Mißtrauens und der Mißstimmung hervorgerufen, die nicht leicht zu überwinden schien. Reichskanzler Dr. Brüning handelt« staatsmännisch, als er sich, allen Widerständen zum Trotz, entschloß, die Reite nach Paris anzutreten und den ersten Schritt zur Behebung der deutsch-französischen Meinungsverschiedenheiten zu machen. Man darf wohl sagen, daß dieser deutsche Versuch. eine Vor- ständigung anzubahnen, nicht vergeblich war. Die deutschen Staatsmänner haben die Möglichleit gehabt, freimütig und eindringlich den maß­gebenden Männern Frankreich« denErnst der deutschen Lage darzustellen und d« Be­reitwilligkeit Deutschlands zu betonen, zu einem besseren Einvernehmen mit Frankreich zu ge­langen. D e Aussprache bat. toi« aus dem ge­meinsamen deutsch-iranzösischen Communiaus her­vorgeht. zu einer Einigung darüber geführt, daß di« Zusammenkunft den Anfang einer vertrauens­vollen Zusammenarbeit bedeuten soll. Es ist in diesem Zusammenhang von dem Geist von Ehe- quers die Aede gewesen. der künftig auch die deutsch-französischen Beziehungen beherrschen solle. Besondere Bedeutung to: dabei der Be­sprechung Brünings mit Laval unter vier Augen beizumesten sein.

So erfreulich der Ton ist, der aus den offi­ziellen Derlautbarungen spricht, wird man sich doch vor einem verfrühten und über­triebenen Optimismus hüten müssen. Die Beteuerung des guten Willens von franzö­sischer Seite bedeutet noch keineswegs, daß man nunmehr in Paris bereit wäre, vorbehaltlos Deutschland zu Hilfe zu kommen. Es ist vielmehr Dffenftchtlich, daß eine Einigung über die Bor- auSfehungcn einer Kreditgewährung durch Frank­reich in den Besprechungen nicht erreicht worden ist. Die französischen Vertreter haben erklärt, daß sie nur vorbehaltlich gewisser finan­zieller Garantien und Maßnahmen für eine poli­tische Beschwichtigung bereit sein würden, später die Bedingungen für eine finanzielle Zusammen­arbeit im internationalen Rahmen zu erörtern. Es ist anzunehmen, daß die französischen Kabi­nettsmitglieder den deutschen Staatsmännern iyre diesbezüglichen Wünsche, wenn auch nicht in for­mulierten Bedingungen, zur Kenntnis gebracht haben. Aach dem Wortlaut des Kommuniques kann aber kein Zweifel darüber bestehen, daß Reichskanzler Dr. Brüning fest geblieben ist und den deutschen Standpunkt mit allem Aachdruck vertreten hat. Es ist also durch die deutsch-franzö­sische Zusammenkunft in dieser Hinsicht für die weiteren Verhandlungen keine Bindung Deutschlands geschaffen wordn Wenn die fran­zösische Presse schreibt, die unprünglich« Forde­rung für den Gang nach London sei nicht erfüllt worden, so ist dies der beste Beweis für die geschickte Taktik der deutschen Staatsmänner. Mehr war billigerweise von Paris nicht $u er­warten. Es ist jetzt die Aufgabe, das noch immer umgehende Gespenst politischer Bedingungen für eine Kreditgewährung an Deutschland aus der Londoner Konferenz, die die Fortsetzung der Verhandlungen bringt, endgültig zu bannen.

Es ist anzunehmen, daß sich die weiteren Ver­handlungen auf Londoner Boden für die deutschen Vertreter leichter gestalten werden. Hier dürft« sich der englisch- amerikanische Ein­fluß stärker geltend machen, der darauf hin- brängt, die wirtschaftlichen Maßnahmen nicht mit politischen Forderungen zu belasten. Auf Er­suchen LavalS ist in Paris feftgelegt worden, daß t ie Londoner Konferenz ausschließlich auf die Prü­fung der deutschen Finanz- und Wirtschaftskrise beschränkt sein soll. Dadurch hat Frankreich zu verhindern gewußt, daß etwa im Rahmen der akuten deutschen Krise das Reparations- Problem angeschnitten werden könnte. Ande­rerseits läßt diese Beschränkung des Londoner 'Verhandlungsprogramms eine tenzentrieric und schnelle Arbeit erhoffen. Wie schon des öfteren betont, handelt es sich darum, der deutschen Wirtschaft einen langfristigen Kredit zu be­schaffen und nicht etwa dem Reiche, dessen Finan- zen durch drakonische deutsche Maßnahmen in Ord­nung gebracht worden sind. Daß die Keditgeber finanzielle Garantien fordern werden, ist mit Bestimmtheit zu erwarten. Das 'Deutsche Reich aber hierfür in Anspruch zu nehmen, hieße sich an die falsche Adresse wenden. Es wird die S a ch e der deutschen Wirtschaft, die den Kredit

beansprucht, sein, sich darüber klar zu werden, welch« Sicherheiten sie den ausländischen Geld­gebern bieten kann. Die Ausfallbürgschaft der deutschen Wirtschaft, die bisher nicht verwirklicht werden konnte, dürfte vielleicht hierfür die geeig­nete Grundlage bieten. Amerika und England haben ihren Willen zu einer rein wirtschaftlichen Bereinigung der Krise bereits erkennen lasiert. Man muß hoffen, daß die in Paris erzielte Ent­spannung dazu beiträgt, auch bei den Franzosen die Erkenntnis zu fördern, daß nur eine solche Lö­sung dem eben gemachten Anfang einer Besse­rung der deutsch-französischen Beziehungen die wünschenswerte Vertiefung verspricht.

Don Paris nach London.

Besprechungen auf der Fahrt.

Paris. 20. Juli. (WTD. Funkspruch.) Mit dem Schnellzug nach Ealais, der um 10 Llhr Paris verläßt, sind die deutschen und französischen Mini­ster nach London abgereist. Kurz vor der Abfahrt de« Zuge« erschienen Reichskanzler Dr. Brü­ning und Ministerpräsident Laval, die in einem Abteil Platz genommen hatten, am Fen­ster. Sie wurden von der Menschenmenge lebhaft begrüßt.

Während der Fahrt von Paris nach Ealais haben der französische Ministerpräsident Laval und seine Kollegen sich mit den deutschen Mini­stern und dem italienischen und dem belgischen Außenminister unterhalten, die auf Einladung Lavals im Wagen des Präsidenten Platz genommen hatten. Reichskanzler Dr. Brüning diskutierte im besonderen mit dem sranzösischen Finanzminister F l a n d i n und dem Budgetminister P i s 1 r y. Ministerpräsident La­val hatte in seinem Wagen zum Frühstück gebeten: Reichskanzler Dr. Brüning, Reichs­außenminister Dr. Curtius, Außenminister Grandi, Außenminister Hvmans, Finanzminister Franc- gui, seine französischen Ministerkollegen und Philippe Derthelot. Der Sonderzug traf um 13.10 Llhr in Calais ein. Die Minister wur­den am Dahnbvf von dem ilnterpräfetten von Boulogne und dem Bürgermeister von Calais begrüßt. Hm 13.40 Llhr erfolgte die Weiter- fahrt auf dem Dampfer «Löte d'Azure" nach Dover.

Ankunst in London.

Macdonald und Hcndcrson begrüßen dcn..Ministerzug".

London, 20. Juli. (WTD.) Selten hat der Viktoria-Bahnhof in London ein solches Schau­spiel erlebt, toi« heute bei der Ankunft des ..M i n i st « r z u g e s" aus Paris um 17.15 Hhr. Schon eine halbe Stunde vorher deutete ein Meer von Zylinderhüten der Mitglieder des diplomatischen Korps und offizieller britischer Vertreter auf dem Bahnsteig und eine dauernd zunehmende tgusendköpfige Menschenmenge, die die Abfahrtswege vom Bahnhof füllte, auf ein großes Ere.gnis hin. Unter den zahlreichen An­wesenden bemerkte man den Reichspressechef. Dr. Zechlin, Botschaftsrat Graf Bernstorsi und den übrigen Stab der deutschen Botschaft, die Bot­schafter von Frankreich und Italien und den amerikanischen Botschafter in Brüssel, Gibsvn.

Ungefähr eine Viertelstunde vor Eintreffen des Zuges erschienen Premierminister Mac­donald und Außenminister Henderson zum Empfang der Minister und waren bald in Unter­redungen mit den anwesenden internationalen Diplomaten und Pressevertretern aller Rationen vertieft. Als der Zug pünktlich um 17.15 Uhr im Bahnhof einlief, waren bald die bekannten Gesichter der deutschen, französischen, ita­lienischen und belgischen Staatsmänner sichtbar. 3n Begleitung des Reichskanzlers und des Reichsauhenministers befand sich der deutsche Botschafter Freiherr v. Reurath, der den deut­schen Ministern nach Dover entgegengefahren war, und Staatssekretär v. Bülow. Die deutschen Minister wurden von den Mitgliedern der deut­schen Botschaft und den anwesenden deutschen Presievertretern herzlich begrüßt.

Macdonald und Henderson gingen zunächst an den vordersten Wagen, aus Item die franzö­sischen Minister ausstiegen. Macdonald kam sofort mit Briand in ein Gespräch. Henderson veranlaßte dann Macdonald, sich weiter am Zuge entlang zu begeben, wo ihm dann die italie­nischen Delegierten entgegenkamen. Wäh­rend er sich noch mit diesen im Gespräch befand, kamen auch Dr. Brüning und Dr. Curtius zusammen mit dem deutschen Botschafter herbei Die Begrüßung zwischen Brüning und Macdonald war außerordentlich herzlich. Beim Verlassen des Bahnsteiges geriet Henderson in ein längeres Gespräch mit Brüning, den er unter den Arm nahm und bis zu den bereitstehenden Autos be­gleitete. Außerhalb des Bahnhofes wartete eine große Menschenmenge, die die Staats­männer der vier Mächte sehr lebhaft begrüßte. Auch diesmal ereignete sich, nach dem Bericht der Zel.-Union, wieder ein Zwischenfall, der durch einige deutsche Rationalsozialiften her- oorgerufen wurde. Sie riefen plötzlich: .Heil Hitler! Dieder mitDrünin g!u, und zwar gerade in dem Augenblick, als an der Menschen­menge der belgisch« Außenminister Hymans vor- beisichr. Sie hatten anscheinend die Flagge an den belgischen Autos mit der deutschen Flagg« verwechselt.

Das Auswärtige Amt in London. Downinastrect. Hier werden künftig die Konferenzen ftattfinben.

Oie Eröffnung der Konferenz.

Brüning legt Deutschlands Lage klar.

Conbon, 20. 3uli. (1BIB.) Vach der heute abend im Zimmer des Premierministers im Unterhause abgehaltenen ersten fion- f c r e n 3 der sieben Mächte wurde folgendes Com- munique ausgegebcn: Die erste Sitzung der Inter­nationalen Konferenz fand unter dem Vorsitz des britischen Premierministers in seinem Zimmer im Unterhause heute um 18.30 Uhr statt. Der Vorsitzende eröffnete die Konferenz und gab eine Erklärung ab, in der er Ursprünge und Ursachen der Krise, die zu der augenblicklichen Lage geführt haben, auseinandersehte. £ a o a l gab der Konferenz einen Bericht über die Zusammenkünfte in Paris und fetzte den Geist auseinander, in dem die Besprechungen zwischen den sranzösischen und den deutschen Ministern eingeleitet wurden. Er legte im einzelnen d i e Stellung Frankreichs dar und drückte von neuem bie Hoffnung loyaler Zusammenarbeit zwischen Frank­reich unb Deulschlonb für bie Dieberherstellung des vertrauens unb bes Kredits in ber Welt aus. Dr. Brüning bestätigte ben Geist ber Zusammen­arbeit unb brückte seine Dankbarkeit für bie Ge­legenheit ber pariser Besprechungen aus. Er gab

hierauf eine Darlegung mit Statistiken über bie finanzielle £age Deutschland unb bie Maßnahmen, bie getroffen worben finb, um ihr zu begegnen. Er brängte auf bie notwendige Unterstützung zur Besserung der tage. Lr hob her­vor, daß vor allem zwei Erfordernisse erfüllt werden müffen: ein Aushören der Abrufung der fremden Kredite und eine Erhöhung der Golddecke der Reichs- b a n k. 3n feinem Schlußwort faßte Macdonald noch einmal die Ausführungen Lavals und Brü­nings zusammen. Die Verhandlungen wurden in einem außerordentlich versöhnlichen Geiste geführt.

Ls erregte ein gewisses Erstaunen, als die sran­zösischen Minister im Larlton-Hotel erschienen, wäh­rend die deutschen Minister auf sich warten liehen. Bald wurde jedoch bekannt, daß Macdonald den Reichskanzler Dr. Brüning und den Reichs- auhenminifter Dr. Lurtiu» zu weiteren Besprechun­gen im Unterhause zurückgehalten unb sie ersucht hatte, mit ihm bas Abenbessen ein­zunehmen. Außer dem britischen Premierminister und den beiden deutschen Ministern nahmen an dem Essen teil: der britische Schahkanzler Snowden, Außenminister Henderson und der ständige llnterstaatssekretär im Joreign Office, Sir Robert vansi11art.

Line wahre Konferenz um den runden Tisch".

Macdonalds Eröffnungsrede. - Keine Demütigung, aber Vertrauen und neuen Mut.

2 o n b o n , 20. Juli. (WTD.) Die Rede, mit der Macbvnalb die erste Sitzung der Siebcnmächtekon- ferenz eröffnete, hatte etwa folgenden Inhalt: Der gegenwärtige Augenblick mag einWende- punkt in der Geschichte der Welt sein in gutem oder schlechtem Sinne. Wenn wir keine Lösung der gegenwärtigen Krise finden können, kann nie­mand die politischen und finanziellen Wirkungen Voraussagen, die sich daraus ergeben werden. Wenn wir eine solche Lösung finden können, wird es ein schlagender Beweis für die wachsende Wirk­samkeit der internationalen Zusammenarbeit sein. Die Wirkungen der budgetären und finanziellen Schwierigkeiten sind in der stärksten Form von den Staaten empfunden worden, die ich inter­nationale finanzielle und industrie- e l l e Staaten nennen möchte.

Die sehr bedeutende £age Deutschlands sowohl als Exportstaat als auch als Schuldner­staat hat Probleme, die bei den andern Staaten eine weniger kritische Form angenommen haben, in g an z besonders hartem Grade auf Deutschland konzentriert. Die deutsche Regierung hat sich gezwungen gesehen, im vorigen Monat zu erklären, daß sie nicht weitergehen könne, und daß sie von ihrem Recht, einen Aufschub ihrer Verbindlich­keiten aus dem Poungplan zu er­klären, bis die Situation sich gebessert hat, Ge­brauch zu machen gezwungen sein werde. Dies beunruhigte die ausländischen Kreditgeber, von deren Unterstützung Deutschland in großem Maße während der letzten sechs Jahre abhängig war, und Zurückziehungen von kurz­fristigen Krediten folgten in fehr großem Umfange.

Dis zum 18 Juni schien bie Lage fast hoffnungs­los. als bas Antlitz ber Welt in einer halben Stunbe durch bie dramatisch« Ankünbigung bes Angebots bes Präsibenten Hoover sich änberte. Die Geschichte wirb biese Entschei­dung als einen Akt seltenen Muts unb seltener Etaatskunst bezeichnen. Der gorbische Knoten war für einen Augenblick durch dcn Präsidenten erfolgreich durchschnitten. Aber ausländische Kre­dite wurden weiterhin aus Deutschland zu­rückgezogen. Es ist von dem deutschen Finanz­minister erklärt worden, daß zwilchen 150 und 200 Millionen Pfund Sterling ausländischer De­visen kürzlich von Deutschlarck» verloren worden

finb, eine Riesensumme, bie mehr als ben Wert zweier ReparativnSannuilä- ten barstellt. Die Tropfen ber zurückgezogenen Devisen würben zum Fluh, ber Fluß zum Strom unb ber Strom zur Flut, bis ber unvermeidliche Zusammenbruch erfolgte.

So haben wir nicht nur die Maßnahmen zn erörtern, die nötig sind, um Präsident Hoovers Vorschlag in die lat umzusehen, sondern wir haben darüber hinaus noch die dringende Rot­lage zu besprechen, die sich seither in Deutsch­land entwickelt hat. Andernfalls wird es schwie­rig sein, die Flut einzudämmen, bevor sie ganz Zentraleuropa überwältigt hat, mit Folgen sozialer, politischer und rein finanzieller Art, die kein Mensch abschähen kann. Unsere Auf­gabe ist daher mit einem wort, das vertrauen des ausländischen Geldgeber» zu Deutschland wiederherzustellen. Dieses Problem hat offen­bar sowohl politische als auch finanzielle Sei­ten, aber die Aufmerksamkeit der Konferenz muß sich auf die letzteren konzentrieren.

Wir finb hier als Vertreter unserer verschiebe- nen Rationen, aber toir finb auch hier in einem Geist« kooperativen guten Willens, entschlossen, untere Deratungen mit einer Vereinbarung zu beenden, bie nicht nur ben Erfordernissen bet gegenwärtigen Krise begegnen wird, sondern auch eine Zeit aufrichtiger unb ge­genseitiger Bemühung um Befriedung ber auf­geregten Gemüter Europas neu eröffnen wird. Zunächst wollen wir uns allen selbst zugestehen und betonen, daß es einige Punkt« gibt, die ber eine ober andere von uns nicht tun kann, weil bie öffentliche Meinung, ber wir loyal bleiben müffen, esuns nichterlauben wird. Wir sind nicht hier, um etwas zu erzwingen ober um jemand zu Fall zu bringen ober um jemand zu demütigen. :

wir sind hier, um zu verstehen, um in objek­tiver weise unsere Probleme zu erwägen, um daran zu denken, wie eng wir in wesentlichen Dingen voneinander abhängen, und einander anzupassen und uns auf etwas zu einigen, was jeder von uns vor fein Parlament brin­gen, erklären und zur Annahme bringen kann. Ich bin der Meinung, daß jeder von uns dies tun kann und daß eine hier abgefchlofsene Ver­einbarung, wenn sie uns auch nicht in jedem