Das Schicksal
spricht das letzt« rvort
Roman von I. Schneider-Foerstl.
Urheber-Rechtschutz durch Ter lag OSkar Meister, Werdau L Sa.
24. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
,2lh, ich dachte gar nicht- weiter dabei. Sie dürfen es also nicht so traaisch nehmen Graf. Verwandte haben Sie wohl nicht mehr auf Java?" f t t
Nur meinen Großvater, vorausgesetzt, daß er "noch lebt Es wird Sie eigentümlich berilhren, aber ich weiß es wirklich nicht. Er hat sich nie um uns gekümmert, auch um mich nicht, obwohl ich doch der einzige Sohn seiner wiederum einigen Tochter bin. Ich habe ein brennende- Verlangen, nach ihm zu forschen..."
„Hm ihm Ihre Meinung ordentlich sagen zu können!" vollendete Hetterfield.
„Deswegen nicht, neinl" Viktor war ernüchtert. „Ich möchte ihn nur einmal sehen. Das Lichtbild, das wir von ihm haben, ist völlig vergilbt. Ich würde ihn sicher nicht erkennen, selbst wenn, ich ihm begegnete, und er mich natürlich ebensowenig. Er soll immens reich gewesen sein!"
„Das sind die komischen Käuze meist", lachte Hetterfield und lieh dabei zwei Reihen tadelloser Zähne sehen, was für sein Alter immerhin ein beneidenswerter Schmuck war. »Wie lange ist das her, dah Ihre Mutter starb?"
„Achtzehn Jahre!"
„Eine ganz schöne Zeit. Da verändert sich vieles. Run, vielleicht haben Sie Glück." Damit war das Thema beendet.
Alice hatte das Empfinden, als ob Viktor ver> stimmt sei. Sie löste die Hand aus der des Vaters und strich über die seine hin. „Run sind wir gleich zu Hause. Sie werden sehen, es läßt sich auch bei uns leben, Graf." Der Vlick, mit dem sie ihn streifte, entlockte Hetterfield ein Lächeln. Ohne daß ein Wort gefallen war, wußte er, dah seine Tochter ihr Herz an diesen Gentleman verloren hatte. Ulkig, daß er sie nach Europa geschickt hatte, damit sie dort die Liebe femtcnlernte! Vorläufig würde man ja sehen, wie sich die Dinge entwickelten. Dann war es immer noch Zeit, einzugreifen.
Das Auto kletterte den breiten, kunstvoll angelegten Serpentinenweg hinauf, nahm ein Dutzend Kurven, von deren äußersten Vogen aus man da- Meer heraufschillern sah, um dann in eine aelbbekieste Chaussee einzubiegen, die pal- inenüoerdacht dahinlief. Gitterwerk tauchte auf, das Viktor endlos dünkte. Ab und zu war eine Lücke in das Grün, das überall wucherte, ge
schnitten, und dahinter schillerte regloses Wasser, das weite Rasenflächen umsäumten. Und noch immer zeigte sich kein Tor, Eingang zu diesem Paradies versprach.
Lippstädt zwang sich zu einem Scherz: „Ihnen gehört wohl gan^ Batavia, Mister Hetterfield?" „Das ganze wäre zuviel!" gab dieser zurück. „Es genügt schon, was ich mir da alle- aufgehalst habe. Auf Sumatra habe ich noch ein Kupferbergwerk und zwei Erdöllager. Hier auf Java außerdem 6 Arrakfabrikcn, ein halbe- DutzendSägewerke und zwei Zuckerrafinerien. Viel zu viel für einen alten Mann, der niemand als eine Tochter zu beerben hat!"
«Wie häßlich!" schmollte Alice. »Seit wann bin ich dir weniger als ein Sohn?"
„Sei gut, Darling!" beruhigte er. „WaS willst du mit Kupfer und Erdöl? Besitz bringt Lasten und du sollst nichts, als glücklich sein."
Befriedigt schmeichelten sich ihre Finger wieder in die seinen. Viktor kam sich mit einemmal furchtbar überflüssig vor. Hetterfield hatte ihn schon ein paarmal eigentümlich angesehen, als ob er ihm weiß Gott welche Absichten unteren» schieben gewillt sei. Vielleicht betrachtete er ihn gar als Mitgistjäger. Er begriff nun auch, dah es Hetterfield eine Kleinigkeit gewesen war, seiner Tochter Langenbach zu schenken. Was zählte für den eine Million oder zwei? Es gab nun einmal Menschen, die Geld wie Heu zu ernten gewohnt waren. Es kollerte ihnen als Kupfer aus der Erde oder floß als Oel in ihre Bohrtürme.
Und zu Hause ging der Vater in zerschlissenem Rock und Lex wußte nicht, wie er die Pfennige für den anderen Tag zusammenkrahen sollte. War das nicht purer Widersinn des Lebens?
Seine Deprellion nahm mit jeder Umdrehung der Räder zu. «Ist es Ihnen -nicht unheimlich? Dabei sah er gespannt in Mister Hetterfields schmales Gesicht.
„Unheimlich? Was soll mir denn unheimlich sein, Graf Lippstädt?"
„Dieser unermeßliche Reichtum."
Hetterfield lachte auf: „Dieses Empfinden habe ich noch nie gehabt. Allerdings, ab und zu ist es gut, dah Töchter Söhne ins Haus bringen und mit ihnen Enkel. Die schaffen es dann schon."
Alice lieh den dunklen Kopf gegen seine Schulter gleiten, hob ihn plötzlich wieder und zeigte mit dem Ausruf der Freude auf das Tor, das in sechs Meter Breite die Straße abriegelte. „Zu Hause, Vater! Hören Sie, Viktor, wir sind zu Hause!"
Die Scherengitter taten sich auf und klappten hinter dem Wagen wieder zusammen. Viktor wurde noch kleinmütiger, als er in der letzten Viertelstunde gewesen war. Von uralten Bäumen flankiert, strebte der Riesenbau des Schlosses in die Höhe. Dagegen wirkte Langenbach wie eine
Hütte. Es war ulkig, sich beides nebeneinander zu denken.
Etwas wie Beschämung war in feinem Blick, als er ihn nun auf Alice ruhen ließ. Aber sie sah es gar nicht, denn das gesamte Personal war zur Begrüßung auf der Freitreppe ausgestellt.
Hetterfield hob die Tochter über das Trittbrett. Sie lies, ohne aus ihn zu warten, die Stufen hinauf, nach links und rechts ein Lächeln, ein Kosewort, einen Scherz austeilend.
Viktor folgte mit Hetterfield und Jefferson, der wieder seine undurchdringlichste Miene aufgesetzt hatte. Ich möchte fort, dachte Viktor, mit dem nächsten Dampfer zurück nach Europa. Wenn Cvelin auch nichts mehr von mir wissen will, ich wäre doch in ihrer Rähe. Das war nun schon sein Verhängnis, dah er sein Herz nie wieder zur Vernunft bringen würde.
Hetterfield- Blick, der voll auf ihm lag, machte ihn erröten. Ahnte dieser etwas? Wußte er vielleicht von Alice, wie es um ihn stand? Sie tat ihm leid, dah er ihrem sehnlichsten Hoffen keine Erfüllung geben konnte. Cs wäre grundschlecht, ihr eine Liebe vorzutäuschen, die nun doch einmal Eve gehörte.
Beim Eintritt in die Halle gab er es auf, sich noch über irgend etwas zu wundern. Langenbach verblaßte zu einem Schatten. Das hier konnte sich ruhig neben Schönbrunn stellen, wenn es das nicht noch übertraf. Der Blick glitt völlig frei bis an die Kuppel, die blauen Aether vortäuschte.
„Gefällt es Ihnen?"
Ihm war, als hätte Alice ihn daS heute schon einmal gefragt, er wußte nur nicht mehr, wann. Ihre Augen strahlten ihn an. Er mußte die seinen abwenden und begrüßte es dankbar, als Hetterfield einem Diener winkte, ihn nach seinen Zimmern zu führen. Er war doch gekommen, um Arbeit zugewiesen zu erhalten und wurde empfangen und behandelt wie ein Gast, mit dessen Eintreffen man gerechnet hatte. Seinem Grafentitel war das sicher nicht zuzuschreiben. Mister Hetterfield schien sich nicht das geringste aus Adelsprädikaten zu machen. Er tat es jedenfalls nur seiner Tochter zuliebe. Und Viktor konnte nichts dafür geben, gar nichts, nicht einmal ein bißchen Liebe. Denn das, was er für Alice fühlte, war brüderliche Zuneigung, mehr nicht.
Die Zimmerflucht, die er bewohnen sollte, schien endlos zu sein. Raum dehnte sich an Raum. Die Schiebetüren waren zurückgerollt und gewährten dem Auge freien Durchblick. Durch die Fenster, die vom Boden bis zur Decke reichten, nickten Palmen herein. Dazwischen schob sich das Grün hundertjähriger Eichen, so dah er sich mitten in die Heimat versetzt fühlte.
Er wurde es erst gewahr, dah er allein stand, als er den Schritt des Dieners nicht mehr neben sich hörte. Aber in dem großen Schlafzimmer,
in das er nun trat, hob sich ein Rücken von einem der aufgeklappten Koffer und ein bekannte- Gesicht strahlte ihm wie eine vollerblühte Pfingstrose entgegen. „Melde mich gehorsamst zur Stelle. Herr Hauptmann!"
„Grusche, MenschenSkind. wie kommst du hierher!" Viktor fühlte, wie ihm die Sttmme über» schnappte.
„Mit dem Dampfer, Herr Hauptmann. Ich bin halbtot gewesen, als ich eintraf. Das Ding hat so geschlingert Aber ich hab's au-gehalten. Jetzt geht eS wieder vo^üglich."
„Das sehe ich. Wer hat dich denn engagiert? Ich meine ...“
Grusche erlaubte sich den Satz zu vollenden: „Herr Hauptmann meinen, wer mich herüber» dirigiert hat? Das hat der Herr Jefferson gemacht. Der hat gesagt, es tat Sie freuen, wenn ich da wäre und ich wühte auch alle-, wie e- der Herr Hauptmann gerne hat. Ra, und da hab' ich nicht lange nein gesagt. VS ist schön hier und ..." Er sand den Ausdruck nicht für all den Pomp, der sich hier bot. Er machte nur eine bezeichnende Geste. „Kann ich jetzt Herrn Hauptmann beim Um Reib en behilflich sein? Ein Bad ist auch bereit. Die Koffer sind biS auf diesen einen ausgepackt." Bevor Viktor etwa- erwidern konnte, hatte Grusche bereit- die Türe zum Badezimmer geöffnet.
Eine halbe Stunde später rief der Gong zum Abendtisch. Grusche öffnete dem Gebieter die Türe und sah, wie Hetterfield in einer Rische des KorridvrS auf Lippstädt wartete. Diskret zog er sich zurück.
„Der Gong ruft dreimal", sagte Hetterfield. Wir können noch zusammen ein Stück durch den Park gehen, wenn es Ihnen recht ist."
Run kommt etwa-, durchfuhr e- Viktor. Der Mann sieht mir bi- auf den Grund der Seele. Er hatte auch der Tochter ihr innerstes Fühlen abgelauscht. Es waren sehr gemischte Gefühle, mit denen et jetzt neben ihm herschritt. Vielleicht fragte er ihn geradewegs, ob er sein Schwiegersohn werden wolle. Und er mußte nein laaen, mußte, weil er nicht ander- konnte. Die Schultern zurückdrückend, wartete er auf da-, WaS Hetterfield sagen würde. Aber es kam vorläufig nichts.
Als die Heine Türe aufsprang, deren Riegel Hetterfield selbst zurückgeschoben hatte, trat ihrer beider Fuß in eine Wildnis, die ganz im Gegensatz zu der im Parke herrschenden Symmetrie stand. Tabaksträucher neigten sich gegen ihre Schultern und Kakteengebüsch griff mit fleischigen Armen nach ihnen. ES machte den Eindruck, al- müßte man sich den Weg durch diesen Urwald erst mit Säge und Messer bahnen. Ab und zu jedoch öffnete sich ein Durchblick, ein Wasser gurgelte vorbei und breite Fächerpalmen schmeichelten sich hoch. (Fortsetzung folgt.)
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