Einzelbild herunterladen

Nr. 44 Drittes Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 21. Februar IM

Auf der Internationalen Automobilausstellung in Berlin.

Omnibusse werden immer größer! Automobile auf Schienen. - Oer Trolleybus, eine Kreuzung zwischen Straßenbahn und Autobus. Das Wohnauto für 1 200 Mark. Bemerkenswerte neue Erfindungen.

I Von Or. Frih Ellmann

Sportsleute find immer Optimisten. Nun ist wohl in keiner anderen großen Industrie die Ver­bindung zwischen Wirtschaftsführcr u n d S p o r t s m a n n so eng wie gerade im Au­to m o b i l b a u. Zäh und unermüdlich haben die ersten Automobilisten, die gleichzeitig Ingenieure und Fahrer waren, ihre Wagen bis zur Vollkom­menheit des modernen Autos entwickelt. In der drückenden 5tri|e, in der sich die gesamte Weltwirt­schaft heute befindet, hat die Automobilindustrie ihren Optimismus ebenso bewahrt wie in den An­fangsschwierigkeiten vor vier Jahrzehnten. Das lehrt ein Rundgang durch die große Autoschau, die jetzt in den Berliner Ausstellungshallen eröffnet wird. Man betritt das Ausstellungsgelände in der Erwartung, daß der Kleinwagen wohl das Feld beherrschen wird. Denn wer kann sich heute ein großes "Luxusfahrzeug kaufen? Aber das Gegen­teil ist ricl^z. Die wenigen Kleinwagen, so schön und preiswert sie auch sind, verschwinden unter der gewaltigen Zahl prächtiger Limousinen, die immer größer werden und fast wie kleine Omnibusse aus- schen. Der billigste auf der Ausstellung vertretene Wagen ist ein Zweisitzer und kostet 1685 Mark. Der Wagentyp selbst hat sich wenig geändert. Man fährt niedrig wie vor zwei Jahren, man liebt breite Türen, und die Mode macht sich bloß in den Farb­zusammenstellungen geltend. Die Preise sind ge­sunken. Wo die Preise nicht herabgesetzt wurden, hat man die Konstruktion verbessert.

Die Halle, in der die Personenwagen auf Tep­pichen stehen, und sich die Ausfahrt durch kostbare Blumenarrangements versperren lassen, ist etwas für Kenner oder für Käufer. Der wissensdurstige Laie wandert lieber in die zweite Halle, wo die Nutzwagen dicht nebeneinander stehen. Die neuen Omnibusse sind am eindrucksvollsten. Auch sie sind gewachsen und bieten nun ohne Oberdeck Rau m für 70 Personen. Sie wollen nicht mehr in erster Linie dem Stadtverkehr dienen, sie fahren hinaus aufs Land und ersetzen die Eisen­bahn. Der Kampf zwischen Bahn und B u s" ist noch lange nicht beendet, und die Auto­mobilindustrie zeigt in diesem 'Augenblick, daß ihre Angriffslust noch nicht erlahmt ist. Aus Stahl und aus Alumminium, mit buntem Lack bemalt oder im matten Silberglanz der natürlichen Farbe strahlend, werden die neuesten Ungetüme wohl von einem Dutzend großer Firmen ausgestellt. Sie dienen zu Fernfahrten und bieten dem Reisenden alle Be- guemlichkeiten, die früher nur im Bahnwagen möglich waren. Die neuen Omnibusse haben Abort und Waschraum, Gepäckraum, bequeme Sessel und gute Ventilation. Besonders sorgfältig ist das Dach konstruiert. Da gibt es Nolldächer, die bei schönem Wetter zusammengerollt werden und nun Lust und Licht hereinlassen. Im Winter wird das Dach ausgewechselt, damit nicht durch eine allzu leichte Hülle Luft eindringen kann.

Einige neue Wagen sind im Auftrag der Neichspost gebaut: sie werden vorwiegend im Zubringerdienst für die Reichsbahn Verwendung finden. Der Kraftwagenbetrieb der Reichspost wird bekanntlich so geleitet, daß der Reichsbahn kein Schaden entsteht, sondern dem Bahnnetz im Gegen- teil neue Fahrgäste zugeführt werden. Noch auf an>

dere Weise kann sich die Reichsbahn das sonst grundsätzlich von ihr bekämpfte Automobil zu- nutze machen. Auf der Ausstellung sieht man einen Schienenomnibus, ein Fahrzeug von zwölf Meter Länge, das 42 Personen faßt. Der Motor hat sechs Zylinder und 100 PS. Auch in diesem Omnibus gibt es einen Waschraum, einen Abort und einen Gepäckraum. Man kann ihn einfach auf die Schienen der Eisenbahn setzen und nun auf den Gleisen ebenso spazierenfahren wie sonst im Autobus. Wenn sich auf einer Strecke der Zugver­

kehr nicht lohnt, dazu wenig Fahrgäste zu erwarten sind, kann man ihn durch den billigen Autobusver­kehr ersetzen. Ucbrigens bietet dieser Schienenomni­bus einen merkwürdigen Anblick, da der Motor nicht wie bei anderen Wagen vor dem Führersitz unter einer Haube liegt, sondern innen in die Karosserie eingebaut ist, das Fahrzeug sieht unge­fähr wie eine Straßenbahn aus.

Ein anderer Omnibus sieht den Straßenbahnen noch weit ähnlicher. Das Fahrzeug, das im Ausland eit längerer Zeit als Trolleybus bekannt ist, fuhrt in Deutschland jetzt den Namen Fahrdraht­bus. Es wird elektrisch betrieben, und bezieht den Strom genau wie die Straßenbahn aus einer Ober­leitung. Um es genauer zu sagen: man braucht zwei

Oberleitungen; denn die zweite Stromschiene, die bei der Straßenbahn im Boden liegt, fehlt bei dem neuen Wagentyp, den man volkstümlich etwa so beschreiben könnte: unten Auto, oben Elektrische. Auf drei Achsen gleitet dieser Omnibus angenehm vorwärts; die Bewegung ist weit gleichmäßiger als bei Benzinautomobilen, die Ausfahrt geht sehr schnell, der Betrieb ist recht sparsam. Zwei Strom- bügel verbinden das Dach mit der elektrischen Ober­leitung. Nun würde der Fortfall der Gleise zwar eine gewisse Verbilligung in der Anlage bedeuten, aber doch nur wenige Vorteile bieten, wenn der Wagen stets genau unter der Oberleitung fahren müßte. Die Strombügel sind aber so konstruiert, daß der Omnibus nach jeder Seite viereinhalb Meter ausweichen kann, also eine Fahrbahn von neun Meter Breite zur Verfügung hat. Sobald der Wagen nur noch einen Meter von seiner äußersten Seitenstellung entfernt ist, flammt im Führerstand eine rote Lampe auf, und der Führer weiß nun, daß er sich mehr zur Mitte der Fahrbahn halten muß. Ucbrigcns kann der Fahrdrahtbus auch durch ein Zusatzgerät so verändert werden, daß er nun auf Straßenbahngeleisen fahren kann.

worden ist. In Deutschland hat man bei einem Versuch einen Mißerfolg gehabt, und das mag der Grund dafür sein, daß dieses Fahrzeug jetzt hier nicht weiter entwickelt wurde. In unmittelbarer Nachbarschaft der Omnibusse sieht man einige an­dere Fahrzeuge, die bestimmt die Aufmerksamkeit zahlreicher Besucher fesseln werden. Es sind Wagen, die man an jedes Personenauto an- hängen kann, und die besonders für das Wochenende ausgestattet sind. Ein einfacher Anhänger dieser Art, der eine Belastung von zehn Zentner verträgt, kostet etwa 1200 Mk. Zusammen-

M

Vt

k .

Blick in eine der großen Ausstellungshallen.

Für den Omnibusverkehr gibt es also viele neue Anregungen. Leider fehlt der Dampsomnibus, der im Ausland vor einiger Zeit mit Erfolg erprobt

Der Mann der das Lachen verlernt hat.

Zfioman von Gert Gothberg.

Copyright by Martin Feuchtwanger. Hülle (Saale) 13 Fortsetzung. Nachdruck verboten

Die Hände Koras griffen nach einem Halt.

..Geh fort von mir, Satan! So tief bin ich nod) nicht gesunken, daß ich dem Mamre, der mich aus aller Armut herausnahm, nach dem Leben trachte."

Doch der Gedanke kam wieder, nahm greif­barere Formen an.

QIn ihm verliert die Welt ja nichts, an dem alten, gelähmten Manne. Ich wäre frei! Dann würde Karl Zentner anders denken. Wenn er sich hier vor den (Nachbarn scheut, so will ich Mit ihm fortgehen. Dis ane> Ende der Welt gehe ich mit ihm, wenn er es verlangt!"

Der Mond verkroch sich- Cs war, als wollte er nicht länger Zeuge sein, wie hier ein arm^ seliger Mensch schwarze Pläne zur Dernichtung eines anderen schmiedete.

Langsam ging Kvra in das Zimmer zurück. Langsam tastete sie sich weiter. Schlich in das Schlafzimmer des Gatten. Dor dem Schlafenden machte sie halt. Lange blickte sie m das rötliche Gesicht, und der Ekel stieg höher und hoher. Neben dem Bett stand auf dem kleinen Tisch em Glas mit Wasser, dem Silberlöffel und dem weißen Deutelchen.

Morphium! , r . . , , .

Dom Arzt genau vorgeschrieben, wieviel bet heftigen Schmerzen gegeben werden durfte.

Wie unter einem geheimen Zwange lchutteie Kvra das weihe Beutelchen über dem Wasser­glase aus.

Der Graf stöhnte richtete sich auf.

Kvra wich in den Schatten des Daldachtns zurück.

Mühsam richtete sich der Graf auf, blickte sich mißtrauisch um.

..Ist jemand hier?" fragte er unsicher.

Regungslos stand Kvra. Sie wagte kaum zu atmen.

Die Hand des Grafen griff nach dem Glas. Kora wollte Vorwärtsstürzen, ihm das Glas aus der Hand schlagen und blieb doch regungslos stehen, von einer unsichtbaren Machten ihren Platz gebannt

Der Graf tränt

Dann legte er sich wieder zurück. Leise, regel­mäßig waren die Atemzüge. Sie wurden leiser, leiser, um dann ganz aufzuhören.

Die unselige Frau vermeinte Donnerstimmen xings um sich zu hören:Mördcxin!"

Wie gehetzt, ohne sich nach dem Bett umzu­wenden, floh sie aus dem Zimmer.

Sie eilte den langen Gang entlang und stand plötzlich vor den Zimmern des jungen Grafen. Die Tür zum ersten Zimmer stand offen.

Noch immer unter dem Einfluß eines furcht­baren fremden Willens stehend, schlich die junge Frau hinein. .

Ich muß ihn sehen, sonst werde ich wahn­sinnig."

Immer wieder flüsterte sie diese Worte vor sich hin. , . ,

Unb stand plötzlich wie hingeweht im Schlaf­zimmer des jungen Grafen.

Das Bett war unberührt!

Wo befand sich denn jetzt mitten in der Nacht Graf Karl?

Höhnisch, grinsend, ausfällig leuchtete ihr vom Nachttisch ein Brief entgegen.

Kora kam näher. Mit ihren spitzen, weißen Fingern hob sie das Schreiben in die Höhe.

An meinen Da ter!"

Kora starrte auf die Worte, fühlte rings um sich die Welt wanken, hörte ihres Herzens geängstigtes Klopfen, hörte irgendwoher die Worte: ,

Er ist fort. Es war alles umsonst.

Kora öffnete den Brief.

Lieber Dater!

Bemühe Dich nicht, mir das Geld zu ver­schaffen. Es wird auch so gehen, verlaß Dich darauf. Vielleicht hörst Du bald einmal von mir Wenn nicht, dann bin ich eben unter­gegangen. Leb' wohl. Dater! Ich trage Dir nichts nach. Ich bitte Dich, nicht schlecht von mir zu denken. Dielleicht hättest Du an meiner Stelle genau so gehandelt, das ist mein Trost. Ich meine, die Hauptsache ist doch, daß man vor sich selbst und vor seinem Herrgott be­stehen kann; alles andere darf einem nicht kümmern, wenn die Welt sich nun einmal gegen einen verschworen hat. Nochmals: Leb' wohl, Q3dtcr! Dein Sohn Karl."

Kora starrte auf die Zeilen. Regungslos, ohne Ausdruck in dem marmorblassen Gesicht.

Fort!"

Mit weißen Lippen murmelte es Kora.

Und in dieser grauenvollen Nachtstunde wurde es ihr klar, daß es nichts, nichts auf dieser Welt gegeben hätte, keinen Weg, auf dem sie hätte zu ihm, zu seinem stolzen, kühlen Herzen ge­langen können. .

Eiskalt kroch es der jungen Frau über den Rücken. Scheu sah sie sich um.

Muren denn die Häscher noch nicht da? Sie war doch eine Mörderin?

Warum hatte sie das getan?

Warum hatte sie sich um eines Phantoms willen dem Henker ausgeliefert?

Mit beiden Händen faßte die unglückliche, ver­

lorene Frau sich an den Hals, als fühle sie bereits den Strick.

Drüben lag der Tote!

Kora fror bis ins Mark. Angstvoll sah sie sich um. Dort lag der Brief des Grafen Karl, der für feinen Dater bestimmt war.

Wie magisch angezogen blickte Kora auf diesen Brief. Der rasende, angstvolle Herzschlag ver­langsamte sich, die Gedanken ordneten sich, wur­den allmählich wieder klar, besonnen.

Der Verdacht des Giftmordes mußte auf den Grafen Karl fallen. Das war die einzige Mög­lichkeit, bedeutete Rettung!

Ein neiies Derbrechen, Kora? Fast noch schlimmer als »das erste! Weiht du das?"

Wer sprach diese Worte? Ihr Gewissen? Fort mit diesem Gewissen, wenn es sich darum han­delte, das eigene Leben zu retten!

Und Graf Karl war ja fort ...

Man würde ihn nicht finden! Der Himmel mochte es geben, daß man ihn nicht fand!

Oder doch!

Man sollte ihn finden. Er mochte es ruhig büßen, daß er vor ihrer Liebe geflohen war. Oh, sie wußte es ja, warum er gegangen war. Er hätte bleiben müssen, auf jeden Fall bleiben müssen, wenn er sie geliebt hätte.

Kora preßte beide Hände an den Kops, der plötzlich heftig schmerzte.

Wenn der Derdacht aber trotz seiner heim­lichen Abreise nicht auf ihn fällt? dachte sie.

Und wieder schüttelte folternde Angst den schlanken Frauenkörper.

Kora ging langsam hinaus.

Da zuckte sie zusammen.

Auf dem Gang stand der alte Haushofmeister und sah sie verächtlich an.

Wußte man denn schon ...?

Kora taumelte.

Ich ..." ..

Da wußte sie, warum der Mann sie verächtlich ansah. Sie kam mitten in der Nacht aus den Zimmern des jungen Grasen. Mit letzter Kraft bezwang sie sich. _

Graf Karl erklärte mir heute abend, daß er unbedingt noch in dieser Nacht abreifen würde. Nun wollte ich mich überzeugen. Aber er ist tatsächlich fort. Haben Sie ihn fortgehen sehen?"

Die Derachkung wich aus den Augen des Mannes. Schreck malte sich auf seinem Gesicht.

Der junge, gnädige Herr ist abgereift? stot­terte er. Sein faltiges Gesicht sah plötzlich grau und eingefallen aus.

3a, meinem Gatten wollte ich die Absicht seines Sohnes nicht melden. Er fühlte sich am Abend sehr müde.

Was bestimmen Frau Gräfin?" fragte der Mann unterwürfig.

Nichts vorläufig. Sprechen Sie auch jetzt zu niemand von dieser heimlichen Abreise. Ich

geklappt sieht er ungefähr wie ein kleiner Liefer­wagen aus, in den er übrigens mit Leichtigkeit verwandelt werden kann. Mil wenigen Handgrif­fen klappt man ihn auf; die Seitenwände legen sich nach außen um und lassen zwei Sprungfeder- matratzcn sichtbar werden, auf die Betten aufgelegt werden, lieber dem ganzen Anhänger erhebt sich ein recht geräumiges Zelt. Es ist ein W o b n a u t o, das das Wochenendhaus vollkommen ersetzt. Aehn- liche Wohnwagen gibt cs natürlich auch viel stabiler, mit Schränken und Waschvorrichtungen, mit einem stabilen Tisch in der Mitte und mit Sesseln, die in Betten umgewandelt werden können. Bemerkens­wert ist außerdem ein Personenwagen, der recht elegant aussicht, jedoch mit einigen Handgriffen in einen Lieferwagen verwandelt wird. Tragfähigkeit 400 Kilogramm, und außer- dem bietet sich noch die Gelegenheit, wirkungsvoll« Reklame am Auto anzubringen.

Lehrreich ist auch ein Rundgang durch die Reihen der Stände, die Zubehörteile und Aus» rüstungsgegenstände zeigen. Da sieht man Instrumente, die, in Verbindung mit einer Uhr, für den Automobilisten ein Tagebuch führen. Ein solcher Apparat zählt die Kilometer zusammen, zeigt die Geschwindigkeit an, warnt durch eine Signallampe vor Üeberschreitung eines Höchst- tempos und zeichnet in jeder Minute die Fahrige- schwindigkeit auf. Die Blätter dieses merkwürdigen Tagebuches find wichtige Dokumente vor Gericht, falls die Schuld an einem Unfall geprüft werden soll. In einem anderen Stand sieht man einen Oclfiltcr, und es wird auch gezeigt, was eine solche Vorrichtung leistet. Wer sie besitzt, braucht das Del nicht mehr alle tausend Kilometer ju er­neuern, sondern reicht mit ihm die vierfache Strecke. Ist er 12000 Kilometer gefahren, so haben sich von den Maschinenteilen soviel Metallsplitter abgerie­ben und sind so zahlreiche Staubteilchen dazuge­kommen, daß er nun durch den Delfiller ein gro­ßes Glas Schmutz mit einem Handgriff aus dem Innern des Wagens hinausbefördern kann. An an- derer Stelle wirbt man für AutoVersiche­rungen und weist dabei darauf hin daß in Deutschland in jeder Minute zwei Schadensälle ent- stchen. Die gesamte Ausstellung gibt einen schönen Ueberblick über die Bedeutung des Automobils in unserer Zeit, über die letzten technischen Fortschritte und über die bewunderungswürdige Lebenskraft, dis diese Instrumente auch in schwerster Zeit beweist.

Kirche und Schule.

Airchcnvorstchcrtagungc«.

3m nördlichen Oberhessen finden nun auch zwei Kirchenvorstehertagungen statt. Die erste tagt am 16. März in K ö d d ingcn. Cs braucht sich niemand durch die Abgelegenheit dieses Ortes zurückschrecken zu lassen. Auf Sta­tion Mücke werden zu dem Zuge, der in Gießen 8.31 Uhr abfährt und in Mücke 9.21 Uhr cm- brisft, Autos die Gäste aufnehmen, die sich recht- zeitig bei dem Kirchenvorstand Köddingen an- mclbeii. Da die auswärtigen Teilnehmer Gäste des Dorfes sein werden, entstehen keine größeren Unkosten, zumal die Kirchenkassen die Daraus- lagen für ihre Dorsteher, die die Tagung be­suchen, tragen dürfen. Festprediger ist Ober- kirchenrat Superintendent D. Wagner (Gie­ßen). Den Dortrag überDer Kirchen Vorsteher als Seelsorger hält Professor lic. Stroh m Friedberg. Die zweite Tagung findet am 23. März mit derselben Tagesordnung inQueck bet Schlitz statt. Für Köddingen ist der An- meldetermin bis zum 6. März, für Queck bis zum 10. März festgesetzt.

werde und muh es wohl zuerst dem Herrn Grafen sagen."

Iawohl, Frau Gräfin."

Der Mann verbeugte sich tief; sie schritt an ihm vorüber.

* * *

Der Kammerdiener des Grafen saß wie ge­wöhnlich im Schlafsessel, und zwar im Dorzimmer zum Schlafzimmer des Grafen. Hier war feit langem sein Platz. Er legte sich dann am Tage einige Stunden zu Bett und hörte nachts das geringste Geräusch. Er war zur gewöhnlichen Zeit ins Schlafzimmer getreten, hatte nach dem Bett hingehorcht und, als der Graf so friedlich schlief, hatte er sich beruhigt ins Dorzimmer in seinen Sessel gesetzt.

Er war auch eingeschlafen. Als er jetzt erwachte, war er ganz erstaunt. Es waren mehrere Stunden vergangen und der Herr Graf hatte nicht ein einziges Mal geklingelt, wie das sonst doch mehrere Male geschah.

Gerade, als Beierlein sich erhob, um noch mal hinüberzuschleichen, trat die Gräfin ins Zimmer.

(Sehen Sie schlafen. Ich bleibe bei meinem Manne. Ich muß ihm sofort, wenn er erwacht, etwas mitteilen."

Iawohl. Frau Gräfin.

Draußen ging der Alte kopfschüttelnd den Gang hinauf.

Wie sonderbar das alles ist! Wie sonderbar!' murmelte er vor sich hin.

* *

Kora riegelte die Tür zum Schlafzimmer ab. So, nun lag er da drinnen, nun war die ge­schlossene Tür zwischen ihm und ihr.

Regungslos ftanb sie am Fenster, blickte in den mondhellen Park hinunter.

Wo war Graf Karl?

Wohin hatte er sich gewandt?

Im Kamin ihres Zimmers lag als ein Häufchen Asche der Brief, den der Sohn an den Dater geschrieben. Und gleichzeitig hatte Kora die Zeilen miwerbrannt, die sie in ihrem Zimmer auf dem zierlichen Schreibtisch gefunden. Sie hatten folgen­den Worttaut gehabt:

Leben Sie wohl, Frau Kora, und verschönen Sie meinem alten Vater die letzten Tage. Doktor Riefner sagte mir gestern, daß das Herz sehr krank fei und daß es vielleicht einmal schnell mit ihm zu Ende fein könnte. Ich denke nicht mit Groll an Kentnerhos zurück, doch ich will auch nichts von dort mehr. Nochmals: Leben Sie wohl! Karl Graf Rentner.

Dieser Brief war auch mitverbrannt. Denn dieser Brief hätte bewiesen, daß der junge Graf fein Interesse daran haben konnte, seinen Vater zu beseitigen. Er hatte von dem Arzt genau ge­wußt. wie es um seinen Vater stand.

Beide Briese waren vernichtet!

(Fortsetzung folgt.)