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Donnerstag, 20. August {951

18L Jahrgang

nr. 1<)3 (Erftes Blatt

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Landnöten.

Die Vertagung dc- französischen Besuche- in Berlin Hot wenigsten- nicht verhindert, dost die öffentliche Aussprache über die deutsch-französischen Beziehungen in Fluh ge­blieben ist. Das ist immerhin erfreulich, wenn and) die Wege, auf denen sich unter Pariser Ein­flüssen die Diskussion bewegt, nicht ganz unge­fährlich" sind Wenn wir aber toeiterfommcn wollen, bann müssen die Gegensätze frei von allen falschen Hemmungen einmal ganz scharf heraus­gearbeitet werden. Die Franzosen deuten an. bah sie irgendwie über Berlin verärgert sind, weil der deutsche Kanzler .wieder einmal" e i n e dop­pelte Politik getrieben und sich in Rom mit den Italienern über eine gemeinsame Aktion bei der Abrüstungskonferenz verständigt habe. Hier zeigt sich wieder das alte französische Mißtrauen, da- die ganze mitteleuropäische Bewegungsfreiheit feit dem Kriege immer von neuem belastet. . .

Die Franzosen haben sich so in die Rolle deS europäischen Herrscher- hineingelebt, daß sie je­den Versuch einer Aenderung al- eine persönliche Unfreundlichkeit empfinden. Sie erkennen sehr gut da- Mißverhältnis, das zwischen ihrer Dolkskrast und ihrer staatlichen Stellung besteht, daher die Furcht gegen jede Kombination, die irgendetwas zur Derschiebung des augenblicklichen Schwerge­wichte- tun könnte. Sie übersehen dabei, daß auf deutscher Seite tatsächlich der ehrliche Wille zu einer Verständigung mit Frankreich vorhanden war und ist. ganz sicher nicht aus politischer Sympathie, sondern einfach aus der Ueberzeugung heraus, daß darin die einzige Möglichkeit für Deutschland liegt, au» dem Wellental herau-zukommen und wirtschaftlich zu gefunden. Das haben die Franzosen nicht begrif­fen. in Locarno und in Thoiry nicht. Sie haben es auch jetzt wieder nicht begriffen, al- Dr. Brü­ning mit den besten Absichten nach Paris kam. Schließlich, Frankreich ist auch heute noch so et­wa- wie eine Insel der Seligen. Cs merkt von den Röten des übrigen Europas nichts, aber es müßte sich doch darüber Bar fein, daß es keine chinesische Mauer um sich herumlegen kann, daß also früher ober später der Augenblick kommen muß, wo ble Depression, unter der mit Deutsch­land auch England und da- übrige Europa lei­den. nach Frankreich hinüberspringt. Wir ver­muten wohl richtig, wenn wir annehmen, daß auS diesem Grunde auch Laval sich einer Derständi- gung mit Deutschland nicht abgeneigt zeigte.

Aber wenn auch eine deutsch-französische Ver­ständigung daS Primäre ist. so ist sie doch nicht das Einzige. Deshalb hat die Berliner Poli­tik von Anfang an im Auge gehabt, eine solche Abmachung z u erweitern auf die großen europäischen Mächte, also auf England, Italien und am liebsten auch auf Rußland, während die Franzosen nun darin wieder ein Manöver er­blicken, mit der Tendenz, wir wollten uns einer Unterhaltung unter vier Augen entziehen, um unS etwa hinter England eine Rückendeckung zu holen. Daher die dauernde Mißstimmung in Pa­ris. obwohl doch eigentlich die Zeiten für eine Politik der gekränkten Eitelkeit zu ernst fein soll­ten. Da- Damoklesschwert hängt jedenfalls zu nahe über Deutschland, als daß wir uns das Ex­periment eiltet doppelten Politik leisten könnten. Wir suchen e t n st h a f t den Ausgleich mit Frankreich, allerdings nur auf der Grundlage der gegenseitigen Gleichberechtigung.

Der preußische Landwirtschaftsminister hat sich selbst und den ihm unterstehenden Verwaltungs­organen ein Armutszeugnis ausgestellt. Es ist doch schließlich keine Kleinigkeit, wenn in den Iahten, in denen vom Reich und vom Staat um­fangreiche Mittel für die Osthilfe und für die Förderung deutscher 03 a uc r n Hei­lungen im Oft cn auigegeben werden, ein deutsches Gut nach dem anderen in polnische Hände zur Aufteilung an polnische Siedlet übergeht. Das hat nichts mit der Ost- Hilfe an sich au tun. Es ist einfach eine Frage der Verwaltung-Praxis und der grund­sätzlichen Einstellung zu den Problemen des deut­schen OstenS. ob man es für tragbar hält, daß die Polen innerhalb des deutschen Staatsgebietes praktische Siedlung betreiben, während die deut­schen Siedlungsziffern dadurch entwertet werden, daß in dem Maße der Erleichterungen für Reu­siedler die allen Siedlungen verfallen.

Seit Iahten schon ist darüber gesprochen wor­den, daß die Polen deutschen Grund­besitz durch Strohmänner auskaufen und auf teilen. Genaue Daten darüber find nicht zu haben, jedenfalls von den preußischen Behörden der Oesfentlichkeit nicht zur Verfügung gestellt worden. Immerhin weiß man von einer Reihe von Fällen, besonders in Hinterpommem, bei denen nur das energische Eingreifen der land­wirtschaftlichen Selbstverwaltung und der Oeffent- lieb feit im letzten Augenblick den Befihwechsel aus deutfcher in polnische Hand verhindert hat. Man muß also damit rechnen, daß die wenigen be­gann tgetoor denen Fälle nur einen Bruch- teil der tatsächlichen Vorgänge barstellen.

Der erste derartige Fall wat der Verkauf deS Gutes Woynvwo in der Grenzmark Pofen- Destpreuhen, bei dem im vorigen Iaht nach lan­ger öffentlicher Debatte der preußische Land- wirtschaftsminister abschließend festgestellt hatte, daß keine ausreichenden gesetzlichen Handhaben zur Verhinderung deS Gutsver­kaufs Vorgelegen hätten, daß aber alle gesetzlichen Mittel zur Verhinderung künftiger derartiger Vorfälle angewendet werden würden. Ein Iaht ist vergangen. Genau derselbe Vorfall hat sich

Was sag! die Wett zum Ergebnis von Basel?

Oie tlebereinkunst des Gtillhaliekonsorttums ein wenig befriedigendes Kompromiß. Oer Bericht der Sachverständigen eine dringende Empfehlung an die Regierungen, schnell zu handeln. Ohne Beseitigung der polittschen Hemmungen kein Aufstieg der Weltwirtschast.

Oer Eindruck in Berlin.

Berlin, 19. Slug. (111.) Das (Ergebnis der Baseler Verhandlungen wird in Berliner amtlichen Kreisen im wesentlichen als Abschluß der Periode gesehen, die mit dem Hoover Memorandum begann. Der Abschluß wird jedoch keineswegs als befriedigend bezeichnet, da er keine end­gültige Lösung gebracht habe. Der Layton- Bericht sei nur eine provisorische Lösung, die keine Grundlage für den wirtschaftlichen Wiederaufstieg der Welt und Deutschland biete. (Es sei jedoch drin­gend zu hoffen, daß sich das Ausland den Schluß­folgerungen der Sachverständigen nicht verschließen werde. Angesichts des schweren winters müsse man es aber begrüßen, daß wenigstens in der brennendsten Frage, der Kreditfrage, ein Provisorium gesunden worden sei. Besonders unterstrichen wird, daß die Baseler Konferenz das Urteil der Regierungen be­züglich der deutschen Wirtschaft bestätigt habe und ebenso wie die Londoner Konferenz zu dem (Ergeb­nis gekommen sei. daß die zu lösende Frage nicht finanztechnischer, sondern politischer 71 a t u r sei. Damit werde auch die deutsche These anerkannt, daß die deutschen I r l b u Hel­ft u n g e n ble Ursache der Krise seien und die Weltwirtschaft schädlglen. (Es werde also auch bestätigt, daß die äußeren Verpflichtun­gen Deutschlands zu hoch seien. Diese Fest­stellung fei Z u m e r ft e n m a I seit Versailles von den Sachverständigen aller Länder e l n ff l m m l g anerkannt worden. Die Tatsache, daß die Losung dieser Frage nicht endlos hinausgescho- b e n werden könnte, sei In dem Bericht noch beson­ders unterstrichen. Venn es werde in ihm ausdrück­lich hervorgehoben, daß, wenn eine Lösung der zur Verhandlung stehenden Fragen nach Ablauf der Geltungsdauer des Abkommens über die kurzfristi­gen Kredite nicht gefunden fei, auch die Wirtschaft anderer Länder auf das schwerste ge­fährdet werde.

Berliner preffestimmen.

Die Politiker haben erneut das Wort.

Berlin, 19 Aug. (ERD.) In Kommentaren der Berliner Blätter wird unterstrichen, daß die Sachverständigen die endgültige Lösung der ganzen Probleme den Politikern überlassen. Da- ^Berliner Tageblatt (demvkr.) be­zeichnet es als außerordentlich wertvoll, daß der Bericht die Kernprobleme, die gelöst werden müs­sen. um Deutschland und damit auch der Welt wieder wirtschaftliche Gntwicklungsmöglichk i'.en zu geben, in nicht mißverständlicher Weise aufzeigt. Es sei anzunehmen, daß die so gewichtige Stimme des Laylvn-Derichts nicht ungehört ver­hallen, sondern weitgreifende Folgen nach sich ziehen wird. Allerdings, viel Zeit sei nicht mehr zu verlieren. Deutschland Lage ge­statte nich'. daß diese Frage dilatorisch behandelt würde. Die Verantwortung liege, das sei auch in Basel ausdrücklich festgestellt worden, nicht bei den Wirtschaftlern, sondern bei den Politi­kern. Die ^Dos fische Zeitung" (dem.) kommt zu dem Ergebnis, die Regelung der aus­ländischen Markguthaben werde in Deutschland als wenig glücklich empfunden und zwar nicht nur im eigenen Interesse, sondern im Interesse der Gläubiger selbst. Die Hauptsache sei aber, daß eine Atempause geschaffen worden fei, die uns für die schwere Arbeit der Zukunft wenigsten- auf eine klare Grund­

lage stelle. Aus den Feststellungen ergebe sich eindeutig, daß die Regelung der deutschen Re­parationsfrage in Zusammenhang mit der Herab­setzung der interalliierten Schulden nunmehr mit Automatischer Sicherheit in kurzer Frist auf­geräumt werden müsse. Die Politiker müßten sich diesmal sehr beeilen. Der »Dörsen- Evurier" (dem.) sieht es als selbstverständlich an, daß die Zeit der Provisorien weit genug über­wunden ist, al- daß noch von irgendeiner Seite mit der geringsten Erfolgsaussicht der Versuch ge­macht werden könnte, Deutschland durch tem­poräre Zugeständnisse von neuem an die Kette zu legen. Denn darüber könne keine llnflar&eit mehr bestehen. Verhindere man auch nur noch auf kurze Zeit durch politische Mittel und ferner durch die künstliche Kapitalleistung der politischen Schulden einen erfolgversprechenden Dersuch Deutschlands, aus der Tiefe seiner Wirt­schaftskrise herauszukommen, dann setze man das wirtschaftliche Geschehen in der Welt neuen Abstürzen aus, die sich in geometrischer Pro­gression beschleunigen müssen.

Merpolitische Rotoenbigfeiten.

Vorsorge für einen schweren Winter.

DieGermania", das Blatt des Reichs­kanzlers, schreibt: Alle jene Fragen, die daS Mißtrauen der Völker untereinander nähren,

die Handel und Produktion der Volkswirtschaften stören, sollen und müllen in einem neuen Sinne ungefaßt und bereinigt werden. Deutschland wird nicht warten können, biS alle Voraussetzungen für eine internationale Kredit­operation größten Stils gegeben find. Wir wer­den unS darauf einstellen müssen, daß die in den letzten Rionaten uns entzogenen ausländischen Kapitalien nicht ersetzt werden und unsere Banken werden darauf die Folgerungen ziehen müssen. Kreditkündigungen und Produktionsein­schränkungen und damit eine Erhöhung der Zahl der Arbeitslosen wird die unausbleibliche Folge sein. Die Reichsregierung hat daher recht, wenn sie bereits heute mit einer Zahl von sieben Millionen Beschäftigungs­losen rechnet, und ihre wichtigste Ausgabe wird eS sein, die notwendigen Mittel zu deren Unterhaltung im Staatshaushalt bereitzu* stellea. Daß daS zu weiteren Einsparungen. Ver­einfachungen, aber auch zu neuen Belast un- gen aller Volksschichten führen wird, ist leicht vorauszusehen. Del einer Verteilung der neuen Lasten wird die Regierung den Gesichts­punkt der sozialen Gerechtigkeit wie den der wirt­schaftlichen Zweckmäßigkeit im gleichen Maße be­rücksichtigen müllen. Eine weitere Kompri­mierung unsere - Lebensstandard - ist also als sicher anzunehmen. Diese wird aber nur tragbar fein und ihren Zweck nur dann er*

Das Stillhalteabkommen mit den Auslandsgla'ubigem»

Oie Festhaltung der Kredite auf sechs Monate. Kompromiß in der Krage der Mark-Guthaben.

Berlin, 19. Aug. (TU.) DaS Stillhalteab­kommen, daS im Wortlaut noch nicht vorliegt, ist nicht als ein Vertrag zu betrachten. Es ent­hält vielmehr nur Empfehlungen, die durch Verhandlungen zwischen Gläubigem und Schuld­nern noch in eine endgültige Form gebracht wer­den müssen. Es liegt hier der Dersuch vor, ein Problem auf kaufmännischem Wege au lösen, dessen Lösung sich Im Wege von Verhand­lungen zwischen den Regierungen al- unmöglich erweist. Das Abkommen bezweckt die Fe st Hal­tung der jetzigen Kreditlinie auf die Dauervonb QRonaten.d. h. der Geschäfts­verkehr zwischen Gläubiger und Schuldner soll ausrechterhalten werden, jedoch stets unter Berück­sichtigung der zur Zeit bestehenden Kreditlinie. Für die Gläubiger ist insofern eine Erleichterung geschaffen, alS die Möglichkeit besteht, innerhalb dreier bestimmter Schulbnergruppen zwecks zu­sätzlicher Sicherheit die Golddis- fontbanl einzuschalten. Es ist also die Möglichkeit gegeben, gewisse Schulden auf die Golddistontbank zu überführen, doch foll der Ge­samtprozentsatz, der auf die Golddiskontbank über­führten Schulden 10 v. H. der Gesamtkredite nicht überschreiten. Weiter ist in dem Abkommen vor­gesehen, daß die Stellung eines ausländischen Gläubigers nicht dadurch verschlechtert wird, daß der deutsche Schuldner Kredite an deutsche Gläubiger zurückzahlt ober seine Sicherheit gegenüber dem ausländischen Gläubiger durch Hingabe von Unterlagen an einen deutschen Gläubiger verschlechtert.

Für die ausländischen Akzept-,Devisen - unb Kassakredite war eine Verständigung verhältnismäßig leicht zu erzielen, nicht da­gegen für die ausländischen Mark- gurhaben, da bezüglich dieser Guthaben die

Ansichten der Ausländer und der Deutschen we* fentlieh au6etnanbergingen. Während die Aus­länder auf dem Siandpunkt standen, daß die ausländischen Markgurhaben in Deutschland keine Kredithingabe bedeuten und baß kein Anlaß vorliege, diese Markgulhaben ander- zu behandeln als inländische Mar'guihaben. mußte man deutscherseits aus dem Standpunkt stehen, daß letzten Ende- der Abzug der deut­schen Markguthaben genausogutDevisen- verlüste bedeutet, wie der Abzug von De­visenguthaben. Eine Gewähr dafür, daß die Marlguthaben bei Abzug in Deutschlan b verbleiben, konnte nicht gegeben werben. Man hat schließlich deutscherseits aber doch in­sofern nachgeben müssen, als sofort 25 v. H. der Markguthaben, die auf rund 800 Millionen Mark geschäht werden, freigege­ben werden und weiterhin jeden Mo­tt at weitere 15 v. H. lieber die Behandlung der Termine innerhalb der Markguthaben besteht zur Zeit noch keine Klarheit. Die einzige Kon­zession, die gemacht worben ist, ist die, daß, fall- Die Reichsbank in dem Abzug der Marlguthaben Sch w ierigkeiten für die Devisen* bilanz erblickt, sie durch Fühlungnahme mit den ausländischen Rotenbanken die Frist für die weitere Freigabe von je 15 v. H. von Monat zu Monat hinauSschieben kann, bis zum Ablauf des Abkommens, al'o nach 6 Monaten. Die ersten 25 v. H. sind jedoch auf jeden Fall sofort frei und man wirb daher schon bald einen ileberblid darüber erhalten, ob nicht diese Freigabe die deutsche Situation erneut erschwert. Die bereits heute eingetretene Ver * fteifung am Diskontmarkt wird toenig* stens teilweise auf diesen Teil des Stillhalle* I abkommenS zurückgeführt.

wieder abgespielt, diesmal bei dem Verkauf des am Ostrande der MarkBrandenburg gelege­nen Gutes Groh-Goltzen durch einen Lands­berger Güterhändler an polnische Siedler. Und wieder hat derselbe preußische Lanbwirtschafts- minister auf eine kleine Landtagsanfrage fast wörtlich dasselbe wie bei Doynowo erklärt, wie­der sollen in Zukunft alle gesetzlichen Mittel zur Verhinderung derartiger Vorfälle angewen­det werden. Praktisch ist das ein Freibrief für die polnische Siedlung vor den Toren Berlins. Reichen die gesetzlichen Mittel zur Verhinde­rung nicht aus. so hätte die preußische Regie­rung die erforderliche Ergänzung der Gesetze nach dem ersten Skandal veranlassen müssen.

Amerikas Kampf gegen die Wirtschafiskrisis.

Ttarke Steigerung der Celpreifc. Tie wachsende Arbeitslosigkeit.

R e u y o r k. 19. Aug. (Tll.) Die gesamte amerikanische Rohölprobuktion ist nach der unter Verhängung des Belagerungszustandes erfolgten zwangsweisen Schließung Der Petro­leumquellen in Ost-Teras und Oflahoma be­reits um mehr als zwei Fünftel zu­

rückgegangen. Man rechnet mit baldigen scharfen Preiserhöhungen auf sämtliche Oelsor.'en. da die vorhandenen Vorräte schnell vom Markt verschwinden. Die Händler haben be­reits große Schwierigkeiten, ihre Bestände zu den geltenden Marktpreisen zu ergänzen. Die führende Ölraffinerie in Oklahoma hat bereits 77 Cents für den Darrel Rohöl geboten, während der bisherige Preis 52 Cents und weniger aus- machte. Gouverneur Murray erklärte jedoch erneut, daß er die Zwangsfchließung weiter fort führen werde, bis die Preisgrenze von einem Dollar für den Darrel Rohöl erreicht sei.

Der Gouverneur von Pennsylvania, P i n ch t, hat an Präsident Hoover ein Schreiben gerichtet, in dem die Einberufung des Kon­gresses zu einer Sondersession gefordert wird. Der Gouverneur begründet diesen Schritt mit der immer weiter um sich greifenden wirtschaft­lichen Rot infolge der Arbeitslosig­keit. die, wie et erklärte, zu schwerenStö- rungen der öffentlichen Ordnung führen könne. In Pennsylvania belaufe sich die Zcchl der Arbeitslosen allein auf 900 000. DaS sei ein Viertel aller arbeitsfähigen Einwohner des Staates. Die Wohltätig- keitseinrichtungen seien allein nicht imstande, den Rolleidenden zu helfen. Den Gemeinde- und

Staatsbehörden feien einstweilen durch gesetzliche Vorschriften die Hände gebunden, so daß sie nicht helfend eingreifen könnten.

Abd d Krim aus der Gefangenschaft entkommen?

London, 20. Aug. (MTB. Funkspruch.) 3n Madrid läuft ein Gerücht um, daß der berühmte Führer des Rifkabylenausstandes, Abd el Krim, von der französischen Insel Reunion, wo er inter­niert war, entkommen fei und einen neuen Aufstand gegen die Spanier oorbereite. Dieses Gerücht hat in Madrid große Sorge ver­ursacht, besonders, da die spanische Besahungsarmee in Marokko völlig demoralisiert sein soll. (Es heißt sogar, daß einzelne Soldaten Massen an die (Eingeborenen verkaufen und es ist all­gemein bekannt, daß Marokko von kommuni­stischen Agenten überschwemmt fei. 3n spanischen konservativen Blättern wird die Politik der Regierung, die heeresstärke herabzusehen, offen kritisiert und ein führendes Mitglied der Cortes, Garcia, erklärte, eine Wiederholung der Niederlage von Anoual im Jahre 1921, wo 10 000 Spanier ums Leben kamen, liege im Bereich der Möglichkeit.