Ausgabe 
20.7.1931
 
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9Jl.-'fpOTt

^V.Nationale leichtathletische Wettkämpfe

Qluf dem Sportplatz an der Liebigshöhe fand am gestrigen Sonntag eine sportliche Veranstal­tung statt, die in ihrer Art weit das übertraf, was sonst im Lause des Jahres an leichtathleti­schen Wettbewerben geboten wurde. Die 10. Na­tionalen leichtathletischen Wettkämpfe der Spiel- veveinigung 1900 gestalteten sich zu einem großen sportlichen Erfolg. Diele Zuschauer hatten sich zu den Entscheidungskämpsen am Nachmittag ein­gefunden: die Dorkämpfe, die am Dormittag schnell und reibungslos zur Durchführung kamen, sanden ebenfalls großes Interesse. Die besten Leichtathleten aus der näheren und weiteren Umgebung waren am Start. Die Frankfurter rückten mit einem starken Aufgebot an, Eintracht und SC. 1880 Frankfurt waren u. a. sehr stark vertreten, DSC. Offenbach hatte außer­ordentlich tüchtige Kräfte entsandt: neben den Mannen der Spielvereinigung 1900 waren auch Landvereine mit einigen tüchtigen Leichtathleten zur Stelle, die sich bei der großen Konkurrenz sehr tapfer schlugen. Der hiesige Männerturn- verein stellte außerdem eine Reihe von Leicht­athleten und Läufern, die sich in den verschie­denen Wettbewerben ehrenvolle Plätze sicherten.

Den Clou des Tages bildeten aber die Starts ver beiden Hannoveraner H o b u s und D i e ck - mann. Hobus fiel es nicht schwer, im 1500- Meter-Lauf seine Gegner weit hinter sich zu lassen, ohne dabei «ine hervorragende Zeit zu laufen, Dieckmann brillierte im 7500-Meter-Lauf und bewies hier seine überragende Form, seine blendende Lauftechnik, eine unerschütterliche Aus­dauer und eine Energie, die man dem schmäch­tigen Manne niemals zugetraut hätte. Neben ihm gefiel Gerhardt 1900 sehr gut, der dem Hannoveraner wohl nie gefährlich wurde, nichts­destoweniger aber eine hervorragende Partie lieferte und den 1900ern den zweiten Platz in dieser Konkurrenz sicherte. Ein überaus scharfes Nennen ergab sich über 100 Meter der Klasse 1, in dem wider Erwarten Mährlein den Ersten machte. Iung (Spieivereinigung 1900) erreichte im Stabhochsprung 3,30 Meter und errang damit seinem Verein den einzigen ersten Sieg. Auhe^ ordentlich gut gefielen die Männerturner. P l o ch machte im 1000°Meter-Laus eine sehr gute Figur, Lindenstruth zeigte sich ebenfalls sehr auf dem Posten, Rothermel und Malkomesius setzten in den Stoß- und Sprungkonkurrenzen ihre Kräfte ein. Müller und Frey kämpften für die Univer­sität. Müller erzielte über 100 Meter verschie­dentlich in Dor°, Zwischen- und Endläufen gute Zeiten: Frey wartete am Dormittag mit einer hervorragenden Leistung im Speerwurf auf, in­dem er 52,50 Meter erreichte. In der 4X-100- Meter-Staffel war den Cintrachtlern der Sieg nicht zu nehmen. Kilo-(DFL. Wetzlar) erwies sich im Kugelstoßen von gewohnter Zuverlässig- kett und lieft sich den ersten Sieg nicht streittg machon.

Die Abwicklung der einzelnen Wettkämpfe voll­zog sich sehr flott, so daß das Interesse des Pu­blikums stets wachgehalten war. Im Zeitraum von 272 Stunden wurde das umfangreiche Pro­gramm abgewickelt. Leider wurde die Deranstal- tung durch die schlechte Witterung empfindlich gestört. Dor allem wurde die Aschenbahn sehr schwer, was nicht zuletzt die Ergebnisse beein­flußte. Trotz alledem dürfen aber die erzielten Zeiten als sehr gut bezeichnet werden

Am Sonntagabend fand im Anschluß an die Wettkämpfe die Preisverteilung im Hotel Hinden­burg statt. Die Sieger wurden mit schönen Pla­ketten und Diplomen ausgezeichnet. Die Deran- staltung nahm in ihrer Gesamtheit einen sehr har- monischen Derlauf. Das Publikum dürfte eben­falls auf seine Rechnung gekommen sein. Die

Spielvereinigung darf mit berechtigtem Stolz auf diese Veranstaltung, die sich den früherenNa­tionalen" würdig anreihte, zurückblicken.

Oie Ergebnisse:

Klasse I.

100 Meter: 1. Kurz, DSC. 99 Offenbach, 11 Sek.: 2. Eldracher, Eintracht Frankfurt. 11,2 Sek.: 3. Müller, Llniversität Gießen, 11,3 Sek. Ein überaus scharfes Rennen, in dem man zur allgemeinen ^leberraschung Kurz, Offenbach, vor den favorisierten Eintrachtlern als Sieger sah. Eldracher hatte Mühe, gegen Müller den zweiten Platz zu halten.

2 0 0 Meter: 1. Mährlein, Eintracht Frank­furt. 22,8 Sek.; 2. Kur!z, Offenbach, 22,8 Sek. 3. Maerten, IGSpv. Frankfurt, 22,9 Sek. Das Rennen wies die stärkste Besetzung auf, die man sich für diesen Tag denken konnte. Es gab einen hartnäckigen Kampf um den ersten Sieg, den Mährlein nur mit Handbreite vor Kurz für sich entscheiden konnte. Maerten lag kaum einen Meter zurück. Auch die übrigen Teilnehmer folg­ten in sehr kurzen Abständen.

4 0 0 Meter: 1. Husch, IGSpv. Frankfurt, 52,2 Sek.: 2. Schleifer, Tv. Braunfels, 58,2 Sek. Husch errang einen sicheren Sieg in einer für die schweren Dahnverhältnisse guten Zeit. Ploch, Mtv., vom kurz vorhergehenden Rennen über 1000 Meter der Klasse IIl noch sehr stark enga­giert, vermochte sich hier nicht durchzusetzen und sah sich zur Aufgabe gezwungen.

1500 Meter: 1. Hobus, Hannover 78, 4:14,7 Min.; 2. Hoffmann, Iugend Betzdorf, 4:28,4 Min.: 3. Brügmann, ATD. Marburg, 4:35 Min. Hobus lief das Rennen sichtlich ohne besondere Anstregung. Mit über 50 Meter Dor­sprung ging er vor seinen Konkurrenten durch das Ziel. Schon von Anfang an hielt er un­gefährdet die Spitze. Ein schöner. Endspurt be­schloß den Lauf. Die Zeit, die Hobus erzielte, ist allerdings nicht als außerordentlich zu be­zeichnen, der Grund dürfte aber darin zu suchen sein, daß ihm kein Gegner beigegeben werden konnte, der ihn zu einer größeren Leistung hätte herausfordern fönnen.

7500 Meter: 1. Dieckmann, Hannover 78, 24:17,3 Min.: 2. Gerhardt, Gießen 1900, 24:25,7 Min.: 3. Schaaf, Gießen 1900, 25:19.4 Min. Ob­wohl sich Gerhardt und Schaaf sehr bemühten, vermochten sie nicht, dem ausgezeichneten Han­noveraner gefährlich zu werden. Erst gegen das Ende des Laufes holte Gerhardt Terrain auf und wurde im Abstand von etwa 70 Meter der Zweite. Schaaf lag bedeutend mehr zurück. Eine Fußverletzung hinderte ihn allerdings an der Entfaltung aller Kräfte. Bewundernswert war Dieckmanns Sttl.

4x1 00 -M e ter-S t a f fe l: 1. Eintracht Frankfurt, 43,8 Sek.: 2. SC. 80 Frankfurt, 44,3 Sek.: 3. BSC. 99 Offenbach, 44,8 Sek. Diese Staffel wurde von Der Eintracht-Mannschaft Nier- mann, Metzner, Mährlein, Eldracher, trotz einem wenig guten Stabwechsel sicher gewonnen. Die 1900er, die in diesem Wettbewerb den Wander­preis verteidigten, schnitten schlecht ab.

Stabhochsprung: 1. Iung, Gießen 1900, 3,30 Meter: 2. Stahl, Tv. Langen, 3,20 Meter: 3. Dietrich, Hessen Frankenberg, 3,00 Meter. Im Stabhochsprung vermochte Iung mit 3,30 Meter den einzigen ersten Platz für 1900 zu belegen.

Diskuswerfen: 1. Kilo, DfL. Wetzlar, 43,00 Meter: 2. Holler, SC. 80 Frankfurt, 37,78 Meter: 3. Garry, VfB. Kurhessen Marburg, 36,83 Meter. Kilo bewies seine konstante Form und wurde ungefährdet Erster.

Eva am Strand I

Roman von Hermann Weick.

12. Fottsetzung. Nachdruck verboten.

Eva sprang auf. Fieberhafte Erregung hatte sie ergriffen.

Der Plan, den sie gefaßt hatte, reizte sie mehr und mehr. Helbing sollte seine Strafe haben! Mit allen Mitteln würde sie ihn in ihre Macht zu bringen suchen, sie würde ihn glauben machen, daß sie ihn liebe. Seine Eifersucht würde sie wecken, zum Schein sich mit anderen Herren ab­geben, um immer wieder zu ihm zurückzukehren.

Dis er ihr ganz verfallen war. Dann würde sie ihm lachend den Rücken kehren...

Evas schlechte Laune war verflogen. Sie gefiel sich in der Rolle der rächenden, strafenden Frau, die sie zu spielen gedachte. Kaum konnte sie es nun erwarten, bis sie wieder mit Helbing zusam­mentreffen würde.

Zur Dadestunde ging sie an den Strand.

Inmitten der Scharen, die den weiten Platz füllten, hatte sie rasch Helbing entdeckt. Er lag im Sand, an seiner Seite Hanna Moest.

Eifersucht stieg beim Anblick der Rivalin in Eva Willer auf: aber schnell hatte sie diese Anwand­lung von sich abgeschüttelt. Mochte Frau Moest sich jetzt noch ihres Desitzes freuen; bald würde es anders sein.

Ihres Sieges im voraus sicher, strahlendes Lächeln im hübschen Gesicht, ging Eva stracks auf die beiden zu.

Guten morgen, gnädige Frau!" sagte sie und streckte mit herzlicher Gebärde Hanna Moest die Hand entgegen.

Zurückhaltend erwiderte Hanna den Gruß.

Auch Helbing, der bei Goas unerwartetem Er­scheinen unverkennbar in Derlegenheit geraten war, war anfangs wortkarg.

Aber Eva Willer tat, als merke sie nichts da­von. Unablässig plauderte sie mit den beiden.

Sie schien sich in glänzender Laune zu befinden. Don allem möglichen begann sie zu reden: ihre Stimme klang manchmal etwas forciert, ihr Lachen nicht ganz echt. Hin und wieder traf einer ihrer Dlicke mit seltsamem Locken Stefan Helbing.

Dieser stand vor einem Rätsel.

Nach der gestrigen Auseinandersetzung mit Eva Willer, nach der feindseligen Kälte, mit der sie sich von ihm getrennt hatte, begriff er ihr heu­tiges Denehmen nicht. Auch daß sie nun so freundlich mit Hanna sprach, über die sie sich doch gestern sehr abfällig geäußert hatte, erschien ihm höchst sonderbar.

Woher rührte dieser Sinnesumschwung?

War Eva selbst zu der Lieberzeugung gelangt,' daß sie sich am Dortage nicht ganz korrekt benom­men hatte?

Wollte sie durch die betont herzliche Art, mit der sie sich jetzt Hanna widmete, ihren guten Willen bekunden, den gestrigen Zwischenfall aus der Welt zu schaffen?

Das wäre ein hübscher Zug von Eva! dachte Helbing und fühlte sich wieder ft auf zu ihr hin­gezogen.

Ietzt geh« ich ins Wasser!" sagte Eva plötz­lich und erhob sich.Kommen Sie mit?"

Hanna Moest zeigte keine Neigung zum Da- den; aber Helbing fand Edas Vorschlag angesichts der herrschenden Hitze sehr vernünftig.

Ich hatte nicht gehofft, Sie hier zu sehens sagte Helbing zu Eva Willer, als sie, etwas ab­seits von den anderen Dadenden, nebeneinander im Wasser standen und ihre Körper den anstür­menden Wellen Preisgaben,Sie sprachen doch von einer Segelfahrt, die Sie heute morgen machen wollten!"

Ich hatte keine Lust..."

Cs war jedenfalls viel vernünftiger, daß Sie hierher kamen!"

Meinen Sie?"

Er sah sie lachend an.

Darf ich Ihnen etwas verraten, gnädiges Fräulein, ohne befürchten zu müssen, daß ich 2^re Gunst abermals verscherze?"

Bitte!"

Die Segelpartie, von der Sie mir gestern er­zählten, habe ich Ihnen gar nicht geglaubt!"

Eva fuhr herum.

Oho! Was soll das heißen?"

Ich hielt es für eine Drohung! Sie wollten mir die Freude nehmen, Sie heute hier äu tref­fen! Eine Strafe sollte es für mich sein! Habe ich nicht recht?"

Sie haben eine fabelhafte Kombinationsgabe, Herr Helbing!" sagte Eva, Die sich durchschaut sah, spöttisch.

Das ist keine Antwort auf meine Frage, gnä­diges Fräulein!"

Die werde ich Ihnen auch nicht geben!"

Eine mächtige Welle, die über sie hinweg­brauste, unterbrach ihr Gespräch. Sie prusteten und wischten sich das Wasser aus den Augen.

Im Ernst: ich fürchtete schon, Sie seien mir böse", begann Helbing wieder.

Ich war es auch!"

And jetzt?"

Wäre ich hier, wenn ich Ihnen noch böse wäre?" antwortete sie und bedachte Helbing mit ihrem schönsten Lächeln.

Weltsprung:!. Halfinger, Eintracht Frank­furt, 6,50 Meter: 2. Krück, VfB. Marburg, 6,35 Meter, 3. Schneider, BSC. 99 Offenbach, 6,23 Mtr.

Speerwerfen: 1. Frey, ATV. Rheinfran­ken Gießen, 50,87 Meter: 2. Streik», PSSpv. Wiesbaden, 47,85 Meter: 3. Holler, SC. 80 Frank­furt, 45,50 Meter.

Klasse II.

100 Meter: 1. Fernau, Mtv.Gießen, 11,2; 2. Müller, Aniversität Gießen, 11,3; 3. Schneider, DSC. 99 Offenbach, 11,4. Der talentierte Turner, der eine große Energieleistung zeiAte, schlug den in diesem Lauf favorisierten Müller (Llniver- fitätj, der sich schließlich mit dem zweiten Platz begnügen mutzte.

8 0 0 Meter: 1. Knöckel, SC. 80 Frankfurt, 2:04,9 S.; 2. 'Depperling, 1900 Gießen, 2:07,7; 3. Flügel, Tv. Wallmerod, 2:18,5. Der 1900er Depperling konnte, trotz eifrigstem Bemühen, dem Offenbacher Knöckel den Sieg nicht streittg machen.

3xl000-Meter-Stasfel: 1. Iugend06 Betzdorf 8:48,2 M.; 2. Spielvereingigung 1900 Gießen 8:54,7. Iugend 06 Betzdorf stellte eine außerordentlich zähe Mannschaft, die den ein­mal errungenen Dorsprung mit großem Erfolg verteidigte und die 1900er energisch auf den zweiten Platz verwies.

Kugel stoßen: 1. Kilo, DfL. Wetzlar, 12,84 Meter: 2. Gary, DfB. Marburg, 12,57; 3. Hvller, SC. 80 Frankfurt, 11,82. Auch hier bewies Kilo seine zuverlässige Form und wurde, wenn auch knapp, vor dem betagten Marburger Garry der Erste.

Speerwerfen: 1. S treib, P., Spv. Wies­baden, 49,50 Meter; 2. Holler, SC. 80 Frankfurt, 46,80 : 3. Dachmann, Gießen 1900, 44,65. Der erste Platz fiel an Streib, Spv. Wiesbaden. Frey (ilmüerfität Stehen), der zur Entscheidung nicht zur Stelle war, vermochte im Vorkampf eine weit bessere Leistung zu zeigen. Er warf den Speer 52,50 Meter und hätte, wenn er den Zeitpunkt des Antritts nicht versäumt hätte, den ersten Sieg sicher in Gießen halten können.

Klasse III.

100 Meter: 1. Haux, SC.80 Frankfurt, 11,4 S.: 2. Becker, Mtv. Gießen, 11,6; 3. Legier, DSC. 99 Offenbach, 11,8. Haux gewann das Ren­nen mit einem für diese Strecke großen Vor­sprung. Decker, Mtv. Gießen, lieferte dem Offen­bacher Legier einen scharfen Kampf und setzte sich an die zweite Stelle. Der Mtver vermochte in diesem Lauf auherordentlich zu gefallen.

1000 Meter: 1. Lehmann, SC.80 Frankfurt, 2:43,4 M; 2. Ploch, Mtv. Gießen, 2:42,7; 3. Iäger,. Universität Gießen, 2:46,3. Dem Sieger folgten dichtauf zwei Gießener, der Männerturner Ploch, der die Strecke in schöner Manier hinter sich brachte, und den Studenten Iäger während der letzten 100 Meter aus den dritten Platz drängte.

Schwedenstaffel: 1. DSC. 99 Offenbach 2:08,2 M: 2. SC. 80 Frankfurt 2:08,3; 3. Mtv. Gießen 2:08,5. In diesem Wettbewerb zeigten sich die Mtver wiederum sehr gut in Form und wenn ihnen auch der erste Platz nicht beschieden war, so gingen sie doch in einem sehr geringen Abstand hinter dem Sieger durch das Ziel.

Weitsprung: 1. Wihel, Eintracht Frankfurt, 6,28 Meter; 2. W^ner, I, Tv. Wallmerod, 6,27; 3. Iung, 1900 Gießen, 6,26. Iung (Spiel­vereinigung 1900) mußte sich mit einem dritten Platz begnügen.

Hochsprung: 1. Kassel, Sportvg. Gitorf-Kel- ters, 1,73 Meter; 2. Streib, P., Sp.-D. Wies­baden, 1,65; 3. Wintermeher, I. G., Spv. Frank­furt, 1,65.

Ioedt(GNS ) in Offenbach erfolgreich

Tie Gießener Rudergesellschaft hatte für den Samstag und Sonntag I o e d t zur Regatta nach Offenbach entsandt. Er startete am Samstag im Iunior-Einer und belegte hinter Sauer (Frank­furter Ruderverein) und vor Fleischhauer (Andine Offenbach) den zweiten Platz. Im zwei­ten Einer muhte er sich allerdings von Fleisch-

In übermütiger Stimmung tummelten sie sich noch eine Weile im Wasser. Dis Eva sagte:

Ietzt gehen wir wieder an Land, sonst wird Frau Moest ungeduldig."

Helbing wollte davon aber nichts wissen; er bat Eva, noch etwas zu bleiben.

Auf Ihre Verantwortung, Herr Helbing!"

Als sie nachher zum Strand zurückgingen, blieb Helbing plötzlich stehen.

Wie wäre es, wenn wir den gestrigen Spa­ziergang, der so jäh unterbrochen wurde, heute nachmittag fortsehen würden?"

In Evas dunllen Augen zuckte etwas auf.

Mir ist es recht", antwortete sie leichthin.

Unbändiges Triumphgefühl durchwogte sie. Ihr Plan gedieh; der erste Erfolg war errungen! Hätte Helbing den Wunsch geäußert, wieder mit ihr spazierenzugehen, wenn sein Interesse für sie nicht so groh wäre?

Sie würde es wahrlich an nichts fehlen lassen, um ihn immer stärker an sich zu fesseln.

XIV.

Es bleibt dabei, ich fahre morgen ab!" sagte der Maler Leupold in bestimmtem Tone zu Paul Dertram.

Sie gingen am Strand hin, der nur wenig be­sucht war. Es begann zu dunkeln.

Du bist verrückt, Iörg!"

Nicht im geringsten! Nur habe ich dieses taten­lose Dascin jetzt gründlich satt!"

Du kannst ja malen, so viel du willst!"

Das tue ich lieber in Mittenwald! Ich werde aufatmen, wenn ich endlich daheim bin und wie­der meine Dauern sehe; nach den geschleckten Leuten hier werden sie direkt erfrischend auf mich wirken!"

Der Schauspieler sah seinen Freund in gut­mütigem Spotte an.

Zählst du auch Frau Hanna Moest zu diesen geschleckten Leuten?"

Leupold fuhr auf.

Ich bitte mir auS, dah du mich nun endlich mit Frau Moest in Ruhe läßt! Es scheint sich bei dir zur fixen Idee ausgewachsen zu haben, dah die Dame für mich unbedingt eine Rolle spie­len müsse! Da irrst du dich aber ganz gewal­tig!"

Dertram lächelte unmerklich.

Die Erregung, die du jedesmal an den Tag segst, sobald der Name Hanna Moest fällt, ist zwar verdächtig, Iörg; ich will aber deinen Beteue­rungen glauben! Trotzdem würde ich an deiner Stelle nicht abreisen!"

Warum nicht?"

Weil ich glaube, dah du hier nod)1 eine men­schenfreundlich« Ausgabe zu erfüllen hast!"

Hauer geschlagen bekennen und wurde vor Linde­mann (Germania Frankfurt) mit 6:53 Minuten ebenfalls Zweiter. Im ersten Rennen des zweiten TageH, im Iungmann-Einer, landete er dann einen ersten Sieg. In der Zeit von 5:50,8 ver­wies er diesmal seinen Rivalen auf den zweiten Platz. (Fleischhauer Offenbach ging in der Zeit von 5:51 knapp hinter ihm durch das Ziel.)

Rund um Schotten".

Das Städtchen Schotten brachte am Sonntag das schon traditionell gewordene Motorradrennen Rund um Schotten" zur Durchführung. Trotz der wolkenbruchartigen Regengüsse in der Dornacht, befand sich die 17,5 km lange Rennstrecke in leid­lichem Zustand. Erfreulicherweise klärte sich das Wetter am Sonntagvormittag auf, so daß der er« wartete Massenbesuch nicht ausblieb. Die Rennen in den einzelnen Klassen verliefen außerordentlich spannend, um so mehr, da, besonders der Meister­schaftslauf, zahlreiche Meldungen abgegeben und auch «inaebalten worden waren. Ein nur mit fünf Fahrer besetztes B e i w a g e n r e n n e n über 52,8 km bildete den Auftakt. Kahrmann-Fulda auf Horex und Kürten-Düfseldorf auf Tomax waren hier die beiden Klassensieger. In dem Rennen der Ausweis« fahrer, dem Vogelsberglauf, gab es unter den 50 Teilnehmern zahlreiche, durch Stürze ver­ursachte Ausfälle. Als der schnellste alln Ausweis­fahrer erwies sich der bl80-Fahrer Thermehr-König« stein mit einem Stundenmittel von 89,8 km. Den Höhepunkt und zugleich den Abschluß der Veranstal­tung bildete der 3. Meisterschaftslauf der Lizen^fahrer. In der 1000-ccm-Klasse führte zunächst Rüttchen-Erkelenz, hatte jedoch in der 9. Runde einen Kupplungsschaden und fiel dadurch auf den 5. Platz. Weyres-Aachen und sein Landsmann Jecker hatten damit freie Bahn und. siegten in dieser Reihenfolge.

Tragischer erging es Rüttchens Markengefährten Huth-Breslau, der sich in einem Sturz einen Arm­bruch zuzog und somit an aussichtsreicher Position ausschied. Hier fiel der Sieg an Frentzen-Bonn auf DKW.

In der 350er-Klasse gab es fast keine Positions­oerschiebungen. In dieser Klasse fuhr der Godes­berger Schminke auf Imveria unangefochten ein Stundenmittel von 99,36 tcm und damit die beste Zeit des Tages heraus. Gleichzeitig bedeutet dieses Ergebnis einen neuen Streckenrekord. Leider gab es in dieser Konkurrenz einen schweren Sturz des UT« Fahrer Claes-Bonn, der mit lebensgefährlichen Ver­letzungen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Er ist inzwischen den Derlehungen erlegen.

Dl« Ergebnisse:

Beiwagenmaschinen über 52,8 Kilo­meter: bis 500 ccm: 1. Kahrmann (Fulda) auf H-orex in 37:49 Min. mit 84.6 Stkm. im Allein­gang; bis 1000 ccm: 1. Kürten (Düsseldorf) auf Tornax in 34:17 Min. mit 93,85 Stkm.; 2. Weh­res (Aachen) auf Harley in 38:00 Min. mit 83.4 S tundenkilometer.

Ausweisfahrer - Rennen über 35 Ki­lometer bis 250 ccm: 1. Deel (Altenselbach) auf DKW in 24:29 Min. mit 86,1 Stdkm.; bis 350 ccm : 1. Klein (Klein-Liirden) auf Imperia mit 22:09 Minuten und 96 Stdkm.; bis 500 ccm: 1. Termeßr (Königstein) auf NSU SS in 21:56 Min. mit 96,5 Stdkm.; bis 1000 ccm: 1. Drell (Frankfurt) auf Rudge mit 23:29 Min. und 89.8 Stdkm.

Meisterschaftslauf über 212 Kilometer: bis 250 ccm: 1. Kahrmann (Fulda) auf Herkules 2:21,01 Std., 89,1 Stdkm.; 2. Geiß (Pforzheim) auf DKW 2:24.22 Std.; 3. Raufenbarth (Oberurei) auf Dücker 2 ."25,37 Stunden;

bis 350 ccm: 1. Schminke (Godesberg) auf Im­peria 2:06,26 Std., 99.36 Stdkm. (beste Zeit des Tages); 2. Schneider (Düsseldorf) auf Velocette 2:15,02 Std.; 3. Leh (Nürnberg) auf Triumph 2:15,12 Std.; 4. Loof (Godesberg), (ohne Zeit);

bis 500 ccm: 1. Frentzen (Bonn) auf DKW 2:18,32 Std., 93,2 Stdkm.; 2. Klein (Frankfurt) auf Horex 2:33,57 Std.; 3. Füglein (Nürnberg) auf Viktoria 2:40,31 Stunden;

bis 1000 ccm: 1 Wehres (Aachen) auf Harley 2:01,41 Std.; 2. nach der 11. Runde Iecker (Aachen) aus Harley 2:05,21 Std.; 3. Roese (Düsseldorf) auf BMW 2:07,25 Stunden.

Ich wüßte nicht welche!"

Dertram schob seinen Arm unter den LeupoldS.

Mein lieber Iorg, du magst als Maler aus­gezeichnete Augen haben, von dem, was um dich herum vorgeht, siehst du aber blitzwenigI"

Willst du dich nicht deutlicher aussprechen?**

Damit Du mich nicht schon bei den ersten Worten unterbrichst, Iörg, will ich vorsichtshalber keinen Namen nennen! Ich habe den bestimmten Eindruck, daß sich im Hotel, ganz in unserer Nähe, so etwas wie ein Drama abspielt. Eine Dame, die wir beide kennen, scheint der leidende Teil zu sein; wenigstens macht sie seit Tagen einen sehr deprimierten Eindruck. Wer nicht gerade so blind ist wie du, Iörg, muß merken, daß sie schwere Kämpfe durchmacht ..

Leupold blieb jäh stehen.

Frau Moest? ..."

Du hast den Namen genannt, Iörg, nicht ich!"

Latz das Feilschen um Worte!" stieß Leupold in erregter Llngeduld hervor.Sage lieber, was du weißt!"

Sicheres weiß ich nicht. Man sieht aber mancherlei, auf das man sich einen Vers machen kann. Frau Moest^ scheint jedenfalls an ihrem Freund Helbing nicht viel Freude zu erleben. Ganz offen macht er Fräulein Willer den Hof. man sieht die beiden oft beifammen

Fräulein Willer?" unterbrach ihn Leupold.

Da staunst du, nicht wahr? Dieser Herr aus Südamerika scheint eigens Deshalb nach Norderney gekommen zu sein, um zuerst dir und dann mir die Freundin wegzuschnappen!" Er lachte.Daß wir in dieser Hinsicht Leidens­genossen würden, Iörg, hätten wir uns auch nicht träumen lassen!"

Leupold erwiderte nichts darauf. Mit ge­senktem Kopf ging er weiter. Nach einer Weile sagte er kurz:

Was geht das alles mich an? Das sind Frau Moests Angelegenheiten, darum kümmere ich mich nicht!"

Vielleicht solltest du dich doch um sie kümmern, Iövg; wer Weitz, ob Frau Moest in ihrer augen­blicklichen Verfassung nicht einen guten Freund wie dich sehr nötig hätte!"

Ich habe keine Lust und auch kein Talent, den Tröster verlassener Frauen zu spielen!" flieh Leupold schroff hervor.

Wie du meinst!" sprach Der Schauspieler dar­auf gelaßen. Er wußte, daß Leupold bei seiner schwerblütigen Art Zeit brauchte, sich in dem, was er heute erfahren hatte, zurechtzufinden. Deine Abreise könntest du trotzdem noch um ein paar Tage verschieben!" schloß Dertram.

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