Ausgabe 
20.7.1931
 
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führte Lustfpicl: ,He! von Marrah und Oe

Österreicher mit der bekannten

Die Wetterlage.

S r

Der

Derantwortl. f. d. Feuilleton: L 03. Dr. Lange.

Schauspielerin und Tänzerin Katta Sterna in der Hauptrolle. Es gelten gewöhnliche Sorn- merpreife. Ende der Vorstellung 22 Uhr.

Tagen in Leipzig mit größtem Erfolg uraufge- Selene lann doch nichts dafür".

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schreibt uns:

Druck- und Scheuerstcllcn bei Pferden kommen bei Kummet- wie bei Eielenbespannung vor. Hauptsächlich treten sie auf dem Kamm, aber auch an Brust und Rücken m Erscheinung. Sie ent­stehen durch den Druck von nicht genau passendem Geschirr oder von schlecht verarbeitetem, hartem Leder auf dem Pferdekörper und kommen im Sommer häufiger vor als im Winter, weil viele Pferde im Sommer durch di« oft erhöhte Ar­beitslast obmagcrn. so daß das Geschirr nicht ta­dellos sitzt. Außerdem begünstigt Schweihbil-

bei Pferden.

Gießener T ie r s ch u tz - D e re i n

mmg des Vertrauens im Volke, zu den Führern und zur Regierung, zur Wirtschaft und zur In­dustrie sei dringliche Forderung de- Torges. Reben dem Kampt um die Anerkennung der Rechte der JnflalivnSgcschädlgten müsse der Kampf gegen die Entschuldungslüge geführt werden. Der Redner befaßte sich weiterhin mit der Olotvervrdnung und mit den die Rentner besonders harr treffenden Bestimmungen, er forderte Wiedergutmachung des Unrechte- und der Torheit des Aufwertrings- geletzeS vom 16. Juli 1926 und rief auf. mit­zuhelfen bei dieser Arbeit. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Gießen der Volksrechtpanei, Herr Reiber, dankte dem Redner für seine AuS- führunaerr, die er unterstrich und seinerseits zur Mithilfe an der Arbeit um die Wiedereinsetzung der Rentner in ih re Rechte anffordeNc. 3um Schluß befaßte sich der Vortragende noch mit eini­gen Anregungen aus dem Streik der Zuhörer.

nach

Schweres Unwetter an der Bergstraße

Frankfurt a. M., 20. Juli. (TU.) Gestern ging zum dritten Male in diesem Jahre ein schwere- Unwetter über der Berg­straße nieber. Zwischen 17 und 18 Uhr entlud sich in der Gegend von Reichenbach im Oden­wald ein Wolkenbruch, der weite Teile des Landes in riesige Seen verwandelte. 3n wenigen Minuten lag weithin im Odenwald und an der Bergstraße das Korn niedergedrückt am Boden. Die Bäche schwollen zu reißenden Ge­wässern an. Bald waren in mehreren Orten die Straßen überschwemmt und zum Teil durch fort- geschwemmte Baumstämme versperrt. An meh­reren Stellen waren von den Fluten die Brücken fortgerisfcn.

Ein zweites Todesopfer der Groß-Gerauer Bluttat.

WSR. Groß-Gerau. 18. 3uli. Heute nacht gegen 1 Uhr ist im Städtischen Krankenhaus zu Groß-Gerau der erwerbslose Hans Wem- h ö n e r. der bei den blutigen Vorgängen am Donnerstag durch einen Lungenschuß schwer verletzt wurde seinen Verletzungen er­legen. Damit hat die Bluttat ein zwei tes Todesopfer gefordert.

Kreis Wetzlar.

WSR. Wetzlar, 19. 3uli. Unter dem Ver­dacht der Unterschlagung im Amt ist ein Obersekretär des hiesiaen Finan z- o m t S in Haft genommen worden. Gs soll sich um Verfehlungen in Höhe von 700 bis 800 Mt. handeln. .

O woixemos. Q neuer. G narb oedecxL ® voixig G oewcxi Oetffra »Schnee a Graupeln, e Mebel K Gewitter.® windstille.Q' «V «unter Ost jS «lässiger sudiuowesu q sturmsene/ nordwesk oie Pfeue fliegen mit dem winde Die oeiden Stationen dienenden Za> «n geben die Temperatur an. Die Limen rerbinden Ort« mil gleiche^ auf Meeresmveau «moercznneK» Luftdrucl

Wettervoraussage.

Allmählich rückt das nördliche StörungSsYstcm. dessen Randstörungen und Ausläufer aichaltend unser Wetter beeinflußt haben, ostwärts ab. Kaltluft dringt an der Rückseite vor, welche ihren Weg nach dem Fcstlande nimmt. Die wird bei uns noch zu wechselhaftem Wetter und zur Ab­kühlung führen, jedoch neigt die Wolkendecke zum Aufreiben und vorübergehende Aufheiterung seht ein. Einzelne Schauer sind vorerst zu erwarten. Mit dem von Westen einsehenden Darometer- anstieg sind später Aussichten für besseres Wetter vorhanden.

Aussichten für Dienstag: Kühle-, immer noch kein beständiges Wetter, jedoch etwas mehr aufheiternd, einzelne Schauer, nordwestliche Winde.

Aussichten für Mittwoch: Ruhigeres und allmählich bessere- Wetter, jedoch für die 3ahreszeit kühl.

Lufttemperaturen. Am 19. 3uli mit­tags 18.6 Grad Celsius, am 19. 3uli abends 14,5 Grad: am 20. 3uli morgens 13,8 Grad. Maximum 18,8 Grad. Minimum 12.0 Grad. Rie­derschläge 3,1 Millimeter. Sonnenscheindauer eine halbe Stunde.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Gießener Freiwillige Feuerwehr: 20 Uhr Haupt­übung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. Mord- Prozeß Mary Dugan.

Aus dem S t a d t t h e a te r b u re a a wird uns geschrieben: Morgen, DienStag, 20 Uhr, 7. Vorstellung des Sommerabonnements mit einem einmaligen Gastspiel Berliner Bühnenkünst­ler. Zur Aufführung gelangt das vor einigen

Gesunde weiße Zähne: Chlorodont £*"-***

düng unter dem Leder die Entstehung von Druck­stellen. Es leiden viel mehr Pferde an Druck» schaden. als man gemeinhin annimmt. Treten diese Druckstellen in Gestalt von Wunden auf, so sind sie ohne weiteres seststellbar. Dagegen sind die unter dem Zell liegenden, ge­schwulstartigen Druckstellen für da- ungeübte Auge nicht direkt erkennbar, sondern nur an den Abwehrbewegungcn, die daS Pferd gegen den Schmerz macht. Sin Pferd mit Druckbeulen maHt ganz charakteristische Kopfbewegungen, um dte schmerzende Stelle tu entlasten. Ss geht steis und biegt den Kops eigentümlich glcichmäßia. ES scheut begreislicherweise das erneute Anziehen deS Wagens und ist ängstlich, wenn man die empfind­liche Stelle nur berührt Solche Angstandeutun­gen werden von unverständigen Fuhrleuten für Störrigkeit gehalten und dem Tier wird Tag für Tag auf die hochempfindliche Stelle daS schwere Kummet aufgelegt, an dem dann noch die Last deS Wagens hängt. Der Schmerzensgrad ist gerade bei diesen verborgenen Druckstellen ungeheuer groß.

Ein guter Pscrdehalter wird auf druckverdäch- tige Stellen rasch aufmerksam werden und der Entstehung größerer Schäden vorbeugen, indem er die betreffenden Stellen möglichst entlastet unö frei legt und etwaige Wunden mit warmem Was­ser mit etwas Kreolin sauber und vorsichtig ab- tupft. Sind aber schon richtige Druckwunden oder -beulen vorhanden, so wendet man sich an den Tierarzt, der aus seiner reichen Ersahrung her­aus rasch Besserung erzielen kann, während eine unsachgemäße Behandlung das liebel verschlim­mert und zur Qual der Pferde die Heilung ver­zögert.

Aus aller Well.

Vie veiseßung bei Erzbischof» Söderblom.

Nathan Söderblom, Erzbischof von Schweden, der «roße Vorkämpfer für die Einheit der christlichen irchen und für den Weltfrieden, wurde in Upsala zur letzten Ruhe bestattet. Dem Wunsche des ganzen schwedischen Boltes entsprechend, wurde auf An- orönung der Regierung die sterbliche Hülle des Ent­schlafenen im Dom zu Upsala beigesetzt. Der König und sämtliche Mitglieder der königlichen Familie waren im Kraftwagen nach Upsala gekom­men, um den Beisetzungsfeictlichkeiten beizuwohnen, an denen auch die Mitglieder des Kabinetts, die Gouverneure, die Vertreter des Kirchenkörper» mit den Bischöfen an der Spitze sowie eine große Zahl von Vertretern der Universitäten, Hochschulen usw. teilnahmen. Es wurde ein Aufruf erlafsen, in dem die gesamte Bevölkerung Schwedens ausgefor­dert wird, an der Bildung eines Fonds tcilzunehmen, der den Namen des verstorbenen Erz­bischofs tragen soll. Der Fonds soll zur Verwirk­lichung der großen Gedanken Söderbloms öku­menische Arbeit, Völkerverständigung, Frieds die Einheit der Kirchen usw. dienen. Der Ausruf ist vom Kronprinzen und 30 hervorragenden Per­

sönlichkeiten unterzeichnet.

Flugzeuge verfolgen eine Brieftaube.

Im Auftrage der Staatsanwaltschaft Bochum verfolgten am Sonntagoormittag gegen 11 Uhr zwei Sportflugzeuae des Luftfahrtoereins Essen-Oberhausen eine Brieftaube, die zu erpres­serischen Zwecken einem Bochumer Bürger zu- gesandt worden war. Das Unternehmen gelang glön- zend. Von beiden Flugzeugen aus konnte der Schlaufe st ge st eilt und photographiert werden, in den die Taube einflog. Der im Kraftwagen fol- genden Polizei gelang es dann, an Hand einer ob­geworfenen Skizze die sofortige Verhaftung des mutmaßlichen Töters vorzunehmen, der von einem Bochumer Bürger 200 Mark erpressen oder andern­falls seinen Bauernhof in Brand stecken wollte.

Lin polnischer Generalstäbler zum Tode verurteilt.

Das Militärstondgericht hat den Major des polnischen Genercllstabes Demkowski wegen Spionage zugunsten Sowjet-Ruh- lands zum Tode verurteilt. 3n einer zweistündigen Verteidigungsrede hat sich Dem­kowski zu seiner Betätigung für Dowjetruhland bekannt und die- damit begründet, daß er Kom­munist sei. Das Todesurteil ist bereits voll­streckt worden.

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'm Betracht kommen. 3m besonderen ist aber daraus hinzuweisen, daß die Expedition -um weit­aus größten Teil vom Auslande finan­ziert wird und der von einem deutschen Ver­lag zur Verfügung gestellte Betrag nur einen uxcheveutenden Teil der großen Kosten ausmacht. Den noch fehlenden geringen Restbetrag wird man nach Ansicht des Luftschiffbaues bestimmt durch die Postbeförderung hereinbrin- gen. Reichsmittel werden überhaupt nicht mehr in Anspruch genommen werden.

Aus der pwvinzialhmiptstadi.

Gießen, den 20. 3uli 1931.

Gesellschaft Liebig-Museum.

Unter dem Vorsitz von Geheimrat Prof. Dr. Sommer hielt die Gesellschaft Liebig- Museum gestern mittag im Liebig-Museum eine Versammlung ab, die von Angehörigen der Familie Liebig, sowie von Mitgliedern und Freunden der Gesellschaft sehr zahlreich besucht war. 3m Anschluß an eine geschlossene Mitglie­derversammlung sand eine öffentliche Sitzung statt, in der Geheimrat Prof. Dr. Sommer der großen Desucherschar den herzlichen Willkommcnsgruh der Gesellschaft entbot und als Mittelpunkt der Sitzung die Einweihung des in den Museums­räumen wiederhergesteltten pharmazeutischen La­boratoriums Liebigs bezeichnete. Bei dieser Ge­legenheit wies Geheimrat Sommer auf die Stif­tungen hin, die dem Liebig-Museum bisher von befreundeten Firmen und Einzelpersonen in reichern Maße zuteil wurden und es in den Stand setzten, seinen Ausgaben bereits in weit­gehendem Maße gerecht zu werden.

Anschließend hielt Pros. Dr. Brand (Mar­burg) die Festrede anläßlich der Einweihung des wiederhergestellten pharmazeu­tischen Laboratoriums. Der Redner sprach in fesselnder Weise über das ThemaDer Einfluß von 3ustus v. Liebig auf die Entwicklung der pharmazeutischen Chemie" und gab dabei ein eindrucksvolles Bild von Liebig- Wirken seit seiner kurz entschlossen aus eigenem Entschluß beendeten Lehrzeit in der Apotheke in Heppen­heim, bis zu seinem segensreichen Wirken al- Fvrscher, Hochschullehrer und wissenschaftlicher Kritiker. Äu- dem Vortrage war zu erkennen, daß Liebig aus ollen Gebieten der pharmazeutischen Chemie, die durch ihn eigentlich erst geschaffen wurde, Hervorragendes und Maßgebliche- ge­leistet, dabei aber nicht nur Wissenschaftler und Forscher geblieben ist. sondern auch den wirt­schaftlichen Belangen des Apothekerstandes immer volles Verständnis entgegengebrocht hat

3m Anschluß an den mit reichem Beifall auf- genommenen Vortrag überreicht« Geheimrat Sommer Pros. Dr. Brand, der sich als Vorstandsmitglied der Gesellschaft Liebig-Mu'eum um das Museum sehr verdient gemocht hot, nach einstimmigem Beschluß der Gesellschaft die Liebia-Museums-Medaille mit ent­sprechendem Diplom. Pros. Dr. Brand dankte mit herzlichen Worten für diese hohe Auszeich­nung und huldigte dabei unserer Alma mater Ludoviciana. Geheimrat Sommer bemerkte bei dieser Gelegenheit noch, daß von der ersten Serie der Medaille bisher 19 Stück verliehen wurden, davon 6 an Familien, 3 an 3ndustrie- firmen und 10 an Einzelpersonen. Die letzte Me­daille dieser Serie werde im Museum ausbewahrt bleiben. Don der zweiten Serie der Medaille wurde das erste Stück dem Medizinalrat Dr. T h i e r s ch , Dresden, verliehen, der dos Liebig- Muleum durch cme sehr wertvoll« Stiftung von Li«big-Erinn«rungen bereichert«.

wtmif gelegt "wr. m<m, s, btt» «tim tn M Stabil tn lehr vag« n 2iMass>m«y (natitmaliRiß) visier ben tret# et gewesen toi# ftJoengberjiQ ftt, dch hinter iund darauf Zerium in ich nach Dow- üen, da bi«, tspreche.

* Aufgehobene Straßensperren, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club E. V (A. v. D.) Gießen: Die teilweise Derkehrs- sperre auf der Strecke Gießen Marburg, in der sog. Serpentine südlich von Wolfshausen, sowie die Sperre der Straße Marburg Frankenberg zwischen Cölbe und Göttingen sind aufgehoben.

Todesfälle in Gießen. 3n Gießen verstarben in der Zeit vom 1. bis 15. 3uli: 7.: Louis Flick, Friseur, 74 3ahre, Friedens- strafte 8; Wilhelm Zölzer, Buchhalter, 24 3ahre, Liebigstraße 67. 12.: Paula Messer, geb. Platz, 51 3ahre, Stephanstrafte 23. 14.: Ludwig Klein, 3 Monate, An der Kläranlage 78. 15.: Karoline Rusag, geb. Müller, Wwe., 70 3ahre^ Steinstrah« 65; Siegfried Werner, Knecht, 18 3ohre, Leih- gesterner Weg 112.

Eine öffentliche Mahnung der S t a d t k a s s e zur Zahlung rückständigen Schul- aeldes und rückständiger WvhnungSmieten aus städtischen Häusern wird in unserem heutigen An­zeigenteil veröffentlicht.

* Autozusammenstoft. Gestern früh stießen an der Kreuzung Moltkestraßs-Kaiser- Allee zwei Personenautos zusammen, von denen das eine von Gießen, das andere von auswärts war. Bei dem hefttgen Zusammenprall wurden beide Wagen stark beschädigt. Die 3nsassen kamen zum Glück ohne Verletzungen davon.

* * Eine interess ante Vcrkehrszäh- lung. Anläßlich des gestrigen Motorrad-Ren­nensRund um Schotten" wurde von Herrn Heinrich Zimmer in Rieder-Bessingen eine Zählung der in R i e d e r - B e s s i n g e n auf der Fahrt nach und von Schotten durchpassierten Fahrzeuge vorgenommen. Es wurden dabei in der Zeit von 5 bis 20 Uhr 2609 Fahrzeuge ge­zählt, und zwar 540 Autos, 1036 Motorräder und 1133 Fahrräder. Mit dieser Zählung ist natürlich nur ein Teil des Fahrzeugverdchrs nach und von Schotten erfaßt worden, da natürlich auf den anderen oberhessischen Straßen ebenfalls ein reger Fährverkehr stattgefunden hat.

" Tragischer Todesfall. Am Samstag­abend geriet in einem Bauernhause in Dorheim bei Friedberg ein junges Dienstmädchen mit einem um mehrere 3ahre älteren Bekannten, zu dem es seit einiger Zeit in Beziehungen stand, in Streit. 3m Verlaufe des Wortwechsels versetzte das Mädchen dem jungen Manne einen Stoß vor die Brust, durch den dieser nach hinten um­fiel und mit dem Hinterkopf heftig auf den gepflasterten Hof aufschlug. Der Bedauernswerte erlitt dabei anscheinend einen schweren Schädel­bruch, denn kurz nach dem Vorfall trat der Tod bei dem Verletzten ein.

Volksn 0 t und Volksrecht!" Heber dieses Thema sprach in einer gemeinsam abgehal­tenen Mitgliederversammlung der Ortsgruppen Gießen der Volksrechtpartei, des Spa­rerbundes und des RentneroundeS am Donnerstagabend im Katholischen Dereinshaus der hessische Landtagsabgeordnete Prof. Dr. A x t (Darmstadt). Der Redner erinnerte zunächst an das Aufwertungsgesetz, das seit sechs 3ahren be­stehe. eine alte Rot abgeschlossen und eine neue Rot hervorgerufen habe. Ec schilderte die Ent­wicklung der 3nflation aus den Rochwirkungcn des Krieges heraus, erinnerte an gewisse Trug­schlüsse unserer Wirtschaftsführer und Finanzpoli- tiker bei der Diagnostizierung der Entwickelung-- Möglichkeiten der deutschen Industrie und an den Zusammenbruch der deutschen Währung als Folge­erscheinung. Der Redner schilderte weiter den Kampf um die Aufwertung im einzelnen und gab einen Ueberblick über die Entwicklung der wirt­schaftlichen und rechtlichen Position der Rentner, der Sparer usw. Die Wiederherstellung des Ver­mögens im 3nlartbe, die gesetzliche Anerkennung der Rechte der durch die 3nfation enteigneten, die Ergreifung von Maßnahmen zur Wiedergewin-

Den letzten Vortrag hielt Geheimrat Prof. Dr. Sommer über:Die Rach komme nscha i r von 3. von Liebig und von feinen Geschwistern". Der Vortragende gab hierbei interessante Ausschlüsse über di« Familie Liebig in ihren Hauptlinien und in den Seitenlinien

3n Verbindung mit der Tagung wurde eine Ausstellung über die Beziehung von 3. von Liebig zu dem Prosessor der Chemie und Dharmazi« W u r z e r in Marburg gezeigt, $u der Leihgaben von Dr. Kortüm und Frau tn D-eßen zur Verfügung gestellt waren.

Prälat D. Dr. Diehl am DortragSputt.

Am Freitag beschloß die historische Fach­schaft ihre diessemestrige Vortragsreihe mit einem Vortrag vom Prälaten D.Dr. Diehl, zu dem man gemeinsam mit dem Oberhessischen Geschichtsverein einlud. Prälat D. Dr Diehl gab einige .Kul turgeschichtlich« Bilder auS dem Leben deS Hessen-Darmstädtischen Pfarr- standes". Der Redner führte etwa solgendes auS:

Um das Leben des PtarrstandeS in den ver­flossenen 3ahrhunderten seit der Reformation ken­nen zu lernen, darf man sich nicht an die Akten halten. Hierin findet nur daS Gute oder Schlecht« seinen Riederschlag. Um sich ein Bild vorn Leben des Durchschnitte- zu machen, ist es nötig, allerlei Material zusammenzutrayen. Aus solchem Ma­terial soll da- folgende ein Ausschnitt fein. Den Hauvteinfluh auf die Ausbildung der Pfarrer übte nicht die Universität wenigstens nicht kurz nach der Reformation aus, sondern die sog. Stipendiatenanstalt, die unterhalten wurde aus den Einkünften fretgetnorbener Altarbenesizien.

Der Stipendiat gehörte der Anstalt als Stipen- dtatenminor fünf 3ahre lang an, danach konnte der Minor das Magisterexamen ablegen. 3e zehn Mi­noren bildeten eine Tisch-, Lebens- und Studien­gemeinschaft. 3hnen war als Berater beigeaeben der Sttpendiatenmaier, ein Mann, der nach be­standenem Magisterexamen zu feiner weiteren Ausbildung an der Universität blieb. Rach be­standenem Magisterexamen waren die Minoren Schulmeister, so genannt im Gegensatz zu den nicht studierten Lehrern. Rach acht bis zehn 3ahren Schuldienst konnten sich di« Schulmeister zu einer Pfarrstelle melden, die sie auf ®runö einer Prü­fung vor dem Definitorium, bestehend aus dem Superintendenten und acht Geistlichen, erhielten. Doch erforderte jeder Stellenwechsel eine neue Prüfung vor dem Definitorium.

Die höhere Laufbahn war den Stkpendiat- maioren Vorbehalten. Aus ihnen refruHerten sich die Stadtpfarrer. Superintendenten u. a. Stark abhängig war der Pfarrer in seinem Verhältnis zur Landwirtschaft, bestand doch ein Teil seiner Besoldung in den Erträgnissen des PfarrguteS, bzw. im Zehnten. Wohl meist verpachteten die Pfarrer ihre Psarrgüter. Als aber im 18. 3ahr- hundert durch das französisch« Beispiel auch in Deutschland die Parforcejagden eingeführt wur­den, wurde die Landwirtschaft verdorben. Damals wandert der Dauer massenhaft aus. 1722 bis 1.725 gehen starke Auswandererzüge besonders nach dem Banat. Der Psarrer findet keinen Pächter, er muh selbst sein Feld bebauen. Hier ist es dann meist die Psarrsrau, der die Obhut anvertraut ist.

AlS durch die Reformen des Ministers von Moser Ende des 18. 3ahrhunderts die Sage der Dauern sich gebessert hat, und diese sehr wohl in der Lage gewesen wären, wieder Land zu pach­ten, ist es die Regierung, die sich einer Verpach­tung der Pfarrgüter hemmend in den Weg stellt. Sie bedarf der Pfarrer als Vorbilder bei der Durchführung ihrer Reformen. Aber auch sonst war der Psarrer stark abhängig von der Land- wirtschast. Man denke nur an den Zehnten, der in Raturalien geliefert und erst im 19. 3ahrhun- dert abgelöst wurde. Durch die Selbstbewirtschaf­tung der Güter war der Pfarrer gezwungen, dar­aus zu achten, daß die Psarrstelle in der Fa­milie sich vererbte, denn nur so konnte das bei der Bewirtschaftung investierte Kapital der Familie erhalten bleiben.

Das Verhältnis zu den schönen Künsten war kaum ein fruchtbares zu nennen. Reben vielen Dichterlingen sind nur wenige, die über die Masse herausragen, so besonders die Kantatentextdichter Rambach und 3oh. Konrad Lichtenberg. Letzterer war Schüler 3oh. Georg Liebknechts, eines bedeutenden Mathematikers und Daumei- sters, obwohl von Haus aus Theologe. Cs gibt heute noch ein« Reih« hessischer Kirchen, die von Lichtenberg erbaut wurden. Sein schönster Pro­fanbau ist der Westbau des Ludwig-Georgs- Gymnasiums in Darmstadt. Reben dem Studium deS Alten und Reuen Testamentes waren es hauptsächlich geschichtliche Studien, die von Pfar­rern betrieben wurden.

DaS Verhältnis zu den Andersgläubigen sei­nes Dorfes zeigt sich am besten darin, daß sich der Pfarrer für alle im Dorfe Wohnenden ver­antwortlich fühlte. Die Regierung sah sogar dar­aus, daß die Pfarrer Andersgläubige 3uden, Wiedertäufer u. a. betreuten. Der 3ude muhte dafür dem Pfarrer das Reujahrsgeschenk brin­gen Zinn, Zucker oder 3ngwer. Der Pfar­rer war verpflichtet, ihnen als Gegengabe Aepfel zu geben. Trotzdem die Wiedertäufer alsKetzer" betrachtet wurden, die sozialistische und kommu­nistische 3deen mit oft fanatischem Eifer vertra­ten, muhte der Pfarrer ihnen helfen.

Leider war die Zeit zu kurz, um die Reih« die­ser Bilder fortsehen zu können. Starker Beifall zeigte dem Prälaten D. Dr. Diehl, daß er es verstanden hat, feinen Zuhörem einen Begriff gegeben zu haben vom Leben der Pfarrer in ver­flossenen 3ahrhunderten.

Von Druck- und Scheuerstellen

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