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Nr. H6 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch, 20. Mai

Aus Natur und Technik.

Warum sehi plötzlich der Fernempfang aus?

Don Dipl.-Ing. A. Lion.

Wenn die Alten auf Grund ihrer Erkennt­nisse sagen konnten:Alles flieht", so dürfen wir, gestützt auf den festen Unterbau der mo­dernen Naturwissenschaft, mit noch größerem "Recht sagen:Alles schwingt"; denn wir wissen, daß jegliches Geschehen in der Welt auf irgendwelche Schwingungen zurückgeführt werden kann, auf Wellen, vergleichbar denen, die die Oberfläche des Wassers kräuseln. Wirsehen" Lichtwellen,hören" akustische Wellen, spüren elektrische Wellen und Wärme, die auch nichts anderes ist als der unvorstellbar schnelle Rhyth­mus schwingender Moleküle. Lind bald wird man auch die feinsten seelischen Vorgänge und Emp­findungen auf kleinste, feinste Wellenbewegungen zurückführen können, und das braucht noch lange keine Entgöttlichung. der Welt zu bedeuten!

3ix wachsenden Kreisen breitet sich die Welle über die Wasseroberfläche aus, allmählich ab­klingend, schwächer werdend infolge der Reibung, die sie verzehrt. Sie trifft auf eine Mauer, kommt zurück, begegnet den nachfolgenden Wellen­bergen und -tälern. 3eht ist das Gleichmaß der Welle gestört. Da, wo von der einen Seite ein Wellental, von der anderen ein Wellenberg zu- fammentreffen, tritt eine Schwächung der Wellen­stärke, nämlich der Wellenhöhe ein, der Ampli­tude, wie der Schwingungsfachmann sagt, unter Umständen, wenn die sich begegnenden Wellen gleich stark sind, sogar ein vollkommenes Ver­löschen der Welle, die sich an anderen Stellen dagegen verstärkt. Findet dieseInterferenz", wie der Schwingungsmnnn sagt, nicht bei den kurzen Wasser-, sondern bei ben viel längeren Rundfunkwellen statt, und steht der EmpfangS- apparat gerade in der Rähe der ungünstigen Stelle, wo die Stärken, die Amplituden zweier ober mehrerer Wellen in einem so unglücklichen Verhältnis zueinanber stehen, daß sie zusammen einen sehr kleinen Wert oder gar Rull ergeben, dann hört man auch bei größter Derstärfting wenig oder nichts; das berüchtigte Fading, das jeder Radiofreund kennt, ist eingetreten, jene Schwunderscheinung, die plötzlich einseht und wie­der verschwindet, und die den schönsten Empfang verdirbt. Am selben Empfangsvrt treten die störenden Fadings bekanntlich zu ganz verschie­denen Zeiten auf, in wechselnder Stärke und Ausdehnung, unberechenbar, und die Mittel, den Empfang trotzdem automatisch in gleicher Stärke zu erhalten, sind kostspielig und kommen für den Durchschnittshorer nicht in Frage. Unregelmäßig und unberechenbar wie die Wolken über den Himmel ziehen, kommen und verschwinden die Fadings, und ihre Ursachen sind auch dem Wetter vergleichbar, allerdings dem Wetter in einer Atmosphärenschicht, die hoch Über den Wolken liegt. Die Sender sind an ihnen unschuldig,

Die Sende-Antenne strahlt die elektrischen Schwingungen, die Träger der Sendung, nach allen Seiten in den Raum. Ein Teil läuft an der Erdoberfläche entlang und wird, je nachdem er über Wälder, Städte, Felder oder Gewässer kriecht, mehr oder weniger stark aufgezehrt, ge­dämpft. 3e länger die Sende welle ist. um so kräftiger ist sie gewissermaßen und um so weiter wirkt dieVodenwelle", um so teurer sind aller­dings auch die Sender. Ursprünglich, voi; der Zeit des Rundfunks, arbeitete man ausschließlich mit den langen Wellen bis zu 20 000 Meter zur Rachrichtenübermi ttelung und benutzte auch nur die Vodenwelle, die sich weit Über di« Erdober­fläche verbreitet und frei von Fadings ist. 3« kürzer die Welle ist, um so weniger widerstands­fähig ist ihre Bodenwelle, und um so rascher wird diese von den Widerständen der Erdober­fläche absorbiert. Ein anderer Teil der Sende- Energie wird als ..Raumwelle" in die Atmosphäre geworfen und trifft in etwa 100 Kilometer Höhe auf die Heavisideschicht, ein ungeheures Meer von elektrisch gelaßenen Teilchen. 3onen, deren Ladungen unter dem Einfluß der Sonnenstrahlung stehen, also nachts und tags verschieden find, ein

Winke für den Photo-Amateur. LeichteNcgativretusche.-DasSelbstkoPieren und seine Reize.

Rur äu häufig muh man nach Beendigung der Entwicklung feststellen, daß das Negativ nicht voll­ständig fehlerlos ist. Hier und dort sind helle Punkte oder Flecken in der Schicht vorhanden, die gewöhnlich von Staub oder Verletzungen her­rühren und auf den Bildern recht störend in Er­scheinung treten. Oft sind aber auch die Schatten zu dunkel ausgefallen und bedürfen leichter Auf­hellung. Alle diese und ähnliche Fehler sollen schon am Regativ beseitigt werden.

Die Verbesserung geschieht durch die sogenannte Retusche. Diese erfolgte früher allgemein durch Bleistift, Gravitpulver oder Karminfarbe. Seit einigen 3ahren wird aber für die gröbere Re­tusche fast ausschließlich Coccin oder das Reu- Eoccin der Agfa-Werke verwendet. Eoccin ist ein in Wasser leicht löslicher Farbstoff, durch den die Gelatinefchicht sich vollständig gleichmäßig, also ohne Fleckenbildung, einfärben läßt. Er läßt sich aber auch durch mehr oder weniger langes Wäs­sern gaiu oder teilweise aus der Schicht entfer­nen. Feyter in der Retusche lassen sich mithin auf die denkbar einfachste Weise beseitigen. Zu­dem ist die Farbe vollständig kornlos, so daß auch bei Vergrößerungen die retuschierten Stellen auf den Bildern sich nicht störend bemerkbar machen können.

Zum Gebrauch werden drei verschieden starke Lösungen hergestellt. Die schwächste muh so be­schaffen sein, daß sie die glasklaren Stellen des Regativs nur mit einer leichten rötlichen Fär­bung deckt. Die Farbe wird mit einem weichen, nur wenig getränkten Pinsel direkt auf die Schicht­seite aufgetragen, stets aber nur so viel, wie die Schicht aufzunehmen vermag. Tropfenbildungen müssen also vermieden werden. Das Aufträgen wird solange wiederholt, bis die gewünschte Deckung erreicht ist. Erst wenn die Schicht voll­ständig durchtränft ist, kann man zu einer stär­keren Lösung greifen.

3onenmeer, das von elektrischen Stürmen beun­ruhigt wird und dessen Oberfläche, oder vielmehr Unterfläche, dauernd auf- und abschwankt. Beim Eintritt in dies elektrische Meer werden bis Wellen des Senders zum Tell gebrochen tote der Lichtstrahl an der Wasseroberfläche; ein Teil der Sendekraft wird sofort unter einem anderen Winkel auf die Erdoberfläche zurückgetoorsen, gelangt vielleicht auf irgendwelchen Wegen wieder in diese geheimnisvolle Schicht, wird vielleicht ein paarmal auf diesem döegc hin- und her- getoorfen, bis er auf irgendeinen Empfänger trifft; ein anderer Teil läuft vielleicht erst ein paar hundert Kilometer innerhalb dieser Schicht, bis er zur Erde zurückgeworfen wird; und ein dritter Teil ist wohl auch innerhalb dieser Schicht für alle Ewigkeit verloren. Wie groß die An­teile der Sende-Energte sind, die auf ihren mannigfaltigen komplizierten Wegen auf einen Empfänger treffen, ist also, wie man sieht, un­berechenbar. Die Bodenwelle ist viel zuverlässiger als die Raumwelle, aber deren Reichweite ist gerade im Bereich der Rundfunkwellen und erst recht in dem der Kurzwellen viel größer, und für Fernempfang auf große Entfernungen kommt daher nur sie in Frage.

Um den Sender herum liegt also inüen ein Gebiet, in dem nur mit der zuverlässigen Boden­welle empfangen wird; ganz außen liegt ein Ring, der auf die toeniger zuverlässige Raumwelle an­gewiesen ist, und dazwischen liegt das Gebiet, in dem wir Raum- und Bodenwelle gleichzeitig empfangen, und das ist das Gebiet der eigent­lichen Fadings. Man stelle sich vor, daß eine Empfangs-Antenne gleichzeitig von der Boden­welle getroffen wird und von einer Raumwelle,

deren Weg soviel länger ist, dah sie gerade eine halbe Wellenlänge hinter der Bodenwelle her­hinkt. Dann tritt die eingangs geschilderte 3nter- ferenz-Erscheinung ein, Wellenberg und Wellen­tal treffen zusammen und heben sich gegenfettig auf der Empfang ist unterbrochen, bis sich vielleicht die Unterfläche der Heavisideschicht um ein paar hundert Meter gefenft hat. Natürlich tritt dieser3dealfall" des Fadings nur in einem Gebiet auf, in dem die Stärke der Raum- und der Bodenwelle ungefähr gleich ist, und dies Ge­biet liegt, soweit die Rundsi-nkwellen in Frage kommen, in einem Ring etwa zwischen 150 und 600 Kilometer um den Sender herum, also im typischen Gebiet des Fernempfangs. Das eigent­liche, weiter außen liegende Empfangsgebiet der Raumwelle, das von der Bodenwelle nicht mehr erreicht wird, leidet weniger unter kurzzeitigen unberechenbaren Fadings als unter denen, die unter dem Einfluß der Sonnenbestrahlung, durch den Wechsel von Tag und Nacht, entstehen. Dieser Einfluß ist aber regelmäßiger, und man geht ihm zum Beispiel im Kurzwellenbetrieb aus dem Wege, indem man am Tage mit der Welle 15 Meter, nachts mit der Welle 30 Meter und in der Uebergangszeit mit der Welle 20 Me­ter arbeitet.

3nnerhalb deS eigentlichen Rundfunkgebietes, also zwischen etwa 200 und 2000 Meter Wellen­länge. werden übrigens die Fadings unangeneh­mer. je kürzer die Sendetoelle ist, aber leider stehen ja wegen der Gefcchr der Ueberlagerung nur verhältnismäßig wenige Wellen in diesem Gebiet zur Verfügung, deren Verteilung inter­national geregelt worden ist. so dah nicht jeder Großsender eine lange Welle bekommen kann.

Der Herzschrei-er.

Von Max Fischer.

3n der Berliner Technisch-Literarischen Gesell­

schaft sprach dieser Tage Oberingenieur v. Kup­fer über den neuen Herzschreiber, der auf der Tagung derinneren Aerzte in Wiesbaden zum erstenmal vorgeführt worden ist. Das Gerät zeich­net sich vor den. bisherigen verwickelten und emp­findlichen Herzschreibem durch große Einfachheit feines Baues und seiner Bedienung, große Wider­standsfähigkeit gegen mechanische und elektrische Störungen, geringen Raumbedarf und durch einen wesentlich niedrigeren Kaufpreis aus.

Das Herz ist bekanntlich eine Pumpe, die das Blut durch die Adem dauernd im Kreislauf hält. Etwa achtzigmal in der Minute jagt es das Blut durch den Körper des erwachsenen Menschen, und je kleiner ein Mensch oder ein Tier ist, desto schneller arbeitet daS Herz. Viele Rundfunkhörer! werden sich ja des Vortrags erinnern, der kürzlich von Wien aus über sämtliche europäischen Sen­der gegangen ist und uns die Herztöne von Men­schen und Tieren hörbar gemacht hat; sie werden sich auch vielleicht erinnern, tote die Herztöne eines Mäuschens so schnell aufeinander folgten, daß sie tote rrrrrrrrr klangen. Wenn es nun auch beim Menschen nicht so schnell geht, so ist doch zu bedenken, daß sein Herz in der Stunde 4800, am Tage 151 000, im Jahre aber 42 Millionen Schläge macht, so daß es bei einem Siebzigjähri­gen rund drei Milliarden mal geschlagen hat, und damit in der Regel abgelaufen ist. Bei den großen Wichtigkeit der Herztätigkeit ist es natür­lich außerordentlich wichtig, wenn sich der Arzt von der Art vorhandener Störungen des so an­gestrengt arbeitenden Hebens ein möglichst ge­naues und einwandfreies Bild machen kann. Da­zu dient der Herzschreiber.

Beim Pumpen ziehen sich die Herzmuskeln zu­sammen und treiben so das Blut aus dem Herzen in die Adem; dann dehnen sie sich wieder aus und saugen das durch die Rückleitungsadem zu­rückströmende Blut wieder an. Bei dieser Muskel­zusammenziehung entstehen nun elektrische Span­nungen, die man schon seit längerer Zeit mit dem Spiegelgalvanometer ausgezeichnet hat. Ein sol­ches Spiegelgaloanoineter ist aber ein außer­ordentlich empfindliches Gerät: Die von den

Herzspannungsschwankungen ausgehenden und etwa am linken Arm und am rechten Dein ab­genommenen Ströme durchfliehen feine Draht­spulen, in deren Feld ein kaum sichtbarer Draht gespannt ist. Auf diesem Draht ist ein Spiegel- chen aufgeliebt, auf das ein Lichtstrahl fällt. Wird nun das Spiegelchen durch die Herzströme abge- lenft, so zeichnet der ausfallende Lichtstrahl Herz-

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Herzschrift.

schrift auf einen lichtempfindlichen Papier streifen. Dieser Streifen bildet dann ein genaues und un­beeinflußtes Abblld der Herztätigkeit.

Run ist aber ein solches Galvanometer ein ganz außerordentlich empfindliches Gerät, und das muß es sein, da die Herzströme nur sehr schwach sind, so dah gröbere Geräte daraus gar nicht anspre­chen würden. Diese Empfindlichkeit hat aber zur Folge, dah das Gerät auch gegen die feinsten Erschütterungen geschützt werden muhte, weil sonst z. B ein vorbeifahrender Wagen die Herzschrift verfälschen und so ein Leiden Vortäuschen konnte, das in Wirklichkeit gar nicht vorhanden war. Aehnlich liegt es mit der Beeinflussung durch die elektrischen Leitungen und Maschinen unserer Häu­ser, so daß auch gegen diese Beeinflussungen be­sondere Schutzmahnahmen angewendet werden muhten.

Die Rundfunktechnik, die schon so viele Gebiete befruchtet hat, hat nunmehr auch beim Herz­schreiber helfend eingegriffen. Die schwachen Herz- ströme werden bei dem neuen Gerät zunächst durch Verstärkerröhren ganz gewöhnlicher Bauart, wie sie bei jedem Funkhändler zu haben sind, verstärkt. Run braucht man zu ihrem Rachweis fein emp­findliches Galvanometer mehr, sondern kann da-

Das Arbeiten auf der Schichtseite ist bei diesem Verfahren recht einfach, es bedarf keiner beson­deren Uebung, sondern nur einiger Vorsicht. Löcher in der Schicht oder Derkratzungen können schon durch einfaches Betupfen oder durch einige Pinselstriche beseitigt werden. Zu dunkel erschei­nende Hintergründe lassen sich ohne weiteres be­leben oder auch ganz nach Wunsch aufhellen. Größere Flächen können mit einer deckenden Farb­schicht belegt werden, wobei man jede Kontur ein­halten kann. Die Farbe bringt zwar leicht in die Schicht ein, aber sie verläuft nicht. Es können zur Erzielung kräftiger Effekte auch eng begrenzte Spitzlichter bis zu großer Deckkraft aufgesetzt werden.

Für alle diese Arbeiten benötigt man nicht un­bedingt einen Retuschierspiegel. Man wird mei­stens zum Ziele kommen, wenn das Regativ fest und wagerecht bei gutem Licht auf eine weihe Unterlage gelegt wird. Das Resultat muh dann in der Durchsicht nachgeprüft werden Zu starke Auftragungen lassen sich durch einen farbfreien aber angefeuchteten Pinsel wieder abheben oder durch entsprechendes Wässern wieder ganz ent­fernen. Die Gefahr des Mihlingens ist mithin bei dieser Art der Retusche sehr gering. Bei eini­ger Hebung läht sich das Regativ sogar ganz individuell gestalten. Dor Hebertreibungen soll man sich aber stets in acht nehmen

3ebe selbst ausgeführte Arbeit hat fraglos ihre eigenen Reize. Dies trifft ganz besonders für das Selbstkopieren zu, insbesondere deshalb, weil diese Tätigkeit das Endergebnis einer photo­graphischen Ausnahme darstellt. Wer selbst ko­piert, ist ohne weiteres in der Lage, seinen Bil­dern einen auf das Objekt abgestimmten Ton und eine äußerlich wertvolle Aufmachung zu geben 3edenfalls wird der Amateur durch die Herstel­lung von Abzügen aus verschiedenem Positiv- material sehr leicht in der Lage fein, nicht nur das Bestmögliche herauszuholen, sondern er wird auch unschwer das herausfinden was seiner Ge­schmacksrichtung am meisten entspricht.

Folgendes ist aber von vornherein zu beachten: Bei Kleinkameras bis zur Bildgröße von 4,5 X 6

Zentimeter genügt ein einfacher Kontaktabzug nicht. Es sind vielmehr Vergrößerungen, etwa bis 10 X 15 Zentimeter, herzustellen, da bei Auf­nahmen so kleinen Formats bei Kontaktabzügen die Dildwirkung verlorengehen würde. Bei allen übrigen Größen wird dagegen von wenigen Aus­nahmen abgesehen mit einem direkten Dildabzug auszukommen sein

Zum Kopieren ist ein in jeder Photohandlung erhältlicher Amateurk^pierrahmen erforderlich. Er dient zur Aufnahme des entwickelten Regativs (Platte oder Film) und des Positivpapiers. Für die Flüssigkeiten genügen zwei Glas- oder Stein- gutschalen, passend zum Bildformat der Kamern während für die Wässerung der Bilder die in jedem Haushalt vorhandenen Schüsseln oder Eimer verwendet werden können.

Bei den Positivpapieren muh zwischen den Ent- toicklungs- und Auskopierpapieren unterschieden werden Das Entwicklungspapier erfordert bei künstlichem Licht nur eine Delichtungszeit von Bruchteilen einer Minute. Die Amateure sind außerdem vom Tageslicht ganz unabhängig und können die Arbeit bequem während der Abend­stunden vornehmen Dazu sind sie nicht unbe­dingt auf eine Dunkelkammer angewiesen. Es ge­nügt das übliche gelbe Licht. Die Verarbeitung des sogenannten Gaslichtpapiers kann sogar bei gewöhnlichem Licht im Schatten des eigenen Kör­pers vorgenommen werden ohne daß eine Ver­schleierung zu befürchten ist.

Durch das Belichten erscheint das Bild nicht sogleich auf dem Papier, sondern es wird, genau tote beim Regativ, erst durch die Entwicklung hervor gerufen. Die Delichtungsdauer ist bei den einzelnen Papieren verschieden, sie ist ferner ab­hängig von der Dichte des Regativs und der Stärke der Lichtquelle. Da sie aber, tote bereits erwähnt, nur Bruchteile einer Sekunde dauert, ist es zweckmäßig, einige Probebelichtungen von verschiedener Dauer zu machen Für diese Prvbe- belichtung genügt ein schmaler Streifen des Ent­wicklungspapiers, keinesfalls aber ein ganjeS Blatt. Dieser Streifen wird genau so in den Ko- pierrahmen gelegt, tote später das ganze Blatt, also Schicht des Papiers auf die Schichtseite des

zu einen verhältnismäßig handfesten Stromanzei­ger verwenden der dann auch wieder mit einem durch ein Spiegelchen gesteuerten Lichtstrahl die Herzschrist aufzeichnet.

Drehen sich die Sterne?

Don Professor Dr. Küstermann. Nachdruck verboten.

Dah sich die Erde einmal täglich um sich selbst dreht, weih heute jedes Schulkind, lieber» mäßig eilig hat sie es freilich mit dieser Um­drehung nicht; denn selbst am Erdäquator, wo die dabei entwickelte Geschwindigkeit ihren Höchst­wert hat, erreicht sie noch nicht einmal einen halben Kilometer in der Sekunde, beträgt dort also nur etwa so viel tote die Geschwindigkeit eines schnellen Geschosses.

Was die anderen Weltkörper unserer Sonnen- toclt anlangt, so kann man von einigen mit Be­stimmtheit sagen, dah sie sich gleichfalls um sich felbft drehen, dagegen von keinem einzigen, dah er sich sicher nicht dreht. Bei der Sonne z. D. können wir die Drehung an den Sonnen­flecken verfolgen und dadurch feststellen, daß sie etwa die vierfache Geschwindigkeit entwickelt wie die Erde; denn die etwas über hundertmal so große Sonne braucht etwa fünfundzwanzigmal so lange Zeit zu einer Umdrehung wie die Erde. Wohl die bedeutendste Drehgeschwindigkeit in­nerhalb des Sonnensystems zeigt der Jupiter, denn er dreht sich in knapp zehn Stunden um sich selbst, wiewohl sein Durchmesser reichlich elfmal so groß tote der der Erde. '

Sehr viel schwieriger als bei den Gliedern unserer Sonnenwelt ist die Frage nach ihrer etwaigen Drehung bei den Fixsternen zu beant­worten; denn diese erscheinen ja nur als leuch­tende Punkte, und es ist selbstverständlich un­möglich, aus ihnen irgendwelche Einzelheiten wahrzunehmen.

Trotzdem hat man neuerdings auch die Beant­wortung dieser Fragen versucht, uni) selbstver­ständlich sind es wiederum die Spektrallinien, die uns bisher schon so unendlich viel von den Sternen erzählt haben, aus denen nun auch die Beantwortung dieser Fragen herausgepreßt wer­den soll. Drehen sich nämlich die Sterne, so wird es natürlich vorkommen, dah sich eine Sterngegend uns nähert, während die andere sich von uns entfernt. Run hat Annäherung eine Verschiebung der Linien nach dem violetten Ende des Spektrums zur Folge, Entfernung eine Verschiebung nach dem roten Ende entsprechend dem Hoher- und Tieferwerden eines Tones bei Annäherung oder Entfernung der Schallquelle. Bei einem sich drehenden Stern wird die Linie nach beiden Seiten verschoben, also verbreitert erscheinen.

Selbstverständlich ist bei solchen Schlüssen große Vorsicht nötig; man darf nicht ohne weiteres von einer verbreitert erscheinenden Linie auf eine solche Drehung schließen. Aber die Sache steht schon etwas anders, wenn bei zwei sonst nach Helligkeit und Art vollkommen gleichen Sternspektren das eine eine verbreiterte Linie zeigt, das andere nicht. Man kann als Ursache des Unterschiedes vermuten, daß sich der erste Stern um eine quer zu uns liegende Achse dreht, während der zweite entweder überhaupt keine schnelle Drehung zeigt oder eine solche um eine gerade auf uns zu gerichtete Achse, die keine Wirkung Hervorrufen kann.

Sollte es wirklich gelingen, Sterndrehungen einwandfrei nachzuweisen, so wären die Folgen kaum abfehbar. Cs ist ohnehin schon versucht worden, die Veränderlichkeit in der Lichtstärke mancher Sterne auf die Drehung eines nicht kugelförmigen Sternes zurückzuführen, vermöge deren er uns bald eine größere bald geringere Oberfläche zukehrt. Auch die Entstehung der so zahlreichen. Doppelsterne erklärt sich möglicher­weise durch Trennung des Sternkörpers infolge schneller Drehung. Da man nun auf die oben angedeutete Art in der Tat zur Annahme von Drehgeschwindigkeiten von Hunderten von Kilo­metern in der Sekunde geführt worden ist, so darf man auf die weitere Entwicklung dieser Ge­danken gespannt sein.

Regativs. Der Streifen wird dann nach der Vor­schrift der der Papierpackung beigefügten Ge­brauchsanweisung entwickelt, abgespült und fixiert. 3e nach dem Ausfall dieser Probebelichtung muß der nachfolgende Streifen kürzere oder längere Zeit belichtet werden. Bei zu kurzer Belichtung erscheint das Bild nur zögernd und langsam, es fällt hart aus, während die Mitteltöne fast voll­ständig fehlen. Bei zu langer Belichtung erscheint das Bild sehr schnell, es hat keine Kontraste und sieht flau aus.

Wer die schwarz-toeihen Bilder nicht liebt, fin­det in den billigen Bunttonungsgarnituren der Photohandlungen ein sehr bequemes Mittel für Sepia-, Blau-, Rotel- oder grüne Tone. Es lassen sich auch gravüreähnliche Bilder Herstellen, trenn ein geeignetes Papier verwendet wird. Der Ge­schmacksrichtung des einzelnen sind also recht weite Grenzen gesteckt. Niemand ist mithin bet den Entwicklungspapieren an die Schwarz-Weiß- Kopie gebunben.

Etwas einfacher gestaltet sich die Verarbeitung des Auskopierpapiers, weil sich bei diesem Pa­pier der Kopiervorgang von Anfang an beobach­ten läßt. Die Arbeiten lassen sich aber nur bei natürlichem Licht vornehmen und dauern sehr viel länger als beim Entwicklungspapier. Trotz die­ses Rachteils wird das Auskopierpapier von vie­len Amateuren bevorzugt. Wer die Anzahl der Bäder herabmindem will, greift zum felbfttonen- den Celloidinpapier, das alte erforderlichen Gold­salze bereits in der Papierschicht trägt, und in­folgedessen nach dem Kopieren in einem gewöhn­lichen Fixterbade auszufixieren ist. Die Behänd» lungsweise ist also die einfachste und bequemste und führt bei normalen "Negativen stets zu be- friedigenden Resilltaten. Alte anderen Auskopier­papiere erfordern dagegen entweder ein vereinig­tes Tonfixierbad oder sie werden in getrennten Lösung zuerst getont und dann fixiert. Diese Ar­beitsweise ist zwar etwas umständlicher, führt aber ebenfalls sicher zum Ziel. Es wird in jedem Fall von der Geschmacksrichtung des einzelnen Ama­teurs abhängen und von der Zeit, die ihm für seine Phvtoarbeit zur Verfügung steht, welcher Art des Positivverfährens er sich zutoendet. Fr.M.