Ausgabe 
19.9.1931
 
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Aus der pwvinziashaupifiadi.

Drehen, den 19. September 1931.

Herbst.

Diesmal kam der Herbst nicht still und sachte, Vie all die Jahre her. Danz plötzlich war erda: Die Dächte kühl und nebelig, bei Tage etwas Sonne, dann wieder Regenschauer. Bald werden di« Stürme folgen. Diele sitzen schon im geheiz­ten Zimmer und schauen nach den ziehenden ^vol­len. Aus den Feldern brennen die ersten Rat- tosselseuerchen. hier und da lassen die 3ungenS ihre Drachen steigen. Don der Hecke leuchten die roten Hagebutten, und hefschwarze Brombeeren lugen au« dem dunklen Laube. Unter den Obst- bäumen ftehert die Leitnm ringsum gefüllte Körbe und Säcken der Herbstsegen wird geborgen. Die lange wird« dauern, und die Buben kön­nen mit demAepfelstopveln". do« dieses Jahr sicherlich reiche Erträge abwerfen wird, beginnen.

Lasten wir unterer Jugend die Freudei Mag sie sich noch draußen tummeln I Die Herbstferien stehen ja vor der Tür. Unsere Buben und Mäd­chen geniehen die schönen Tage, die so selten kom­men, aus Dollerem Herzen, mit offeneren ©innen als wir Erwachsene, die wir genug zu tragen haben an der Dot der Zeit.

Aber trotz alledem! 3m Zimmer wollen wir nicht fitzen bleiben. Was uns der Sommer nicht gab, soll unS der Herbst bringen. Wenn auch die Erde von dichtem Debet bedeckt ist, wir wan­dern dcxch hinaus. Wenn auch die Felder bald ganz einsam und oerlaffen daliegen, wir wan­dern durch die stillen Wälder. Das letzte Auf­leuchten der Waldblumen, die ersten bunten Blat­ter der Laubbäume, fic zeigen uns die Schön­heit deS Herbstes. Wenn auch nur noch einzelne Dögel singen, nur hier und da einsame Schmet- terUnge durch die kühle Luft taumeln, wir emp­finden den ganzen Zauber des Waldes am stärk­sten in diesen Herbsttagen. Ueberall glüht es in Rot, in Delb, in Braun und Grün, und am Abend ziehen violette Schatten über die Land­schaft. Dann ist der Wald am schönsten. 3n den Wivseln der Bäume träumt die Stille. Dur mit verhaltenem Schritt wandern wir langsam und vorsichtig weitet.

2lm Morgen schon versammelten sich die Vögel auf den Telegraphendrähten und hielten zwit­schernd Dat. Sie rüsten sich zur Südlandreife. Wir bleiben stehen und lauschen. Was werden sie sich alles erzählen? Ob wohl die älteren- gel die jüngeren belehren? Und der Wunsch steigt in unS auf: Könnten wir auch, wie sie, hinaus­fliegen in schönere Länder, könnten wir dort den Winter verbringen, um dann Im Frühjahr zurück­zukommen! WaS wird uns dieser Winter, der als der schlimmste, den unser Daterland je erlebt bat. prophezeit worden ist, bringen?

So mischen die Herbsttage in die leise Wehmut des Abschiedes von Sonne und blauem Himmel gar ernste Gedanken. Schwere, bangende Fragen wollen sich lösen. Kennen wir die Antwort? Sol­len wir überhaupt diese Frage stellen? Wird c« davon besser? 3ch glaube nicht. Halten wir eS lieber mit dem Dichter Theodor Storm:

UnD gehl es draußen noch so toll, unchristlich oder christlich, ist doch die Welt, die schöne Welt so gänzlich unverwüstlichl

AlnD wimmert auch einmal daS Herz, Sto han, und laß es klingen I Wir wissen'- doch, ein rechte- Herz ist gar nicht umzubringen.... P.

Gießener Oktobertage.

Wie am Mittwoch bereit« berichtet, veranstal­ten der Dießener DerkehrSverein und die Ge- schäftswelt in der Zeit vom 3 0. September biS 6. Oktober eine Werbewoche. 3n unserem heutigen Anzeigenteil wird das Pro­gramm der als(Siebener Oktobertage" bezeichneten Veranstaltung bekanntgegeben. Die Schaumesse auf Oswaldsgarten, die eine Anzahl Großstadtuntcrnehmungcn dem Publikum vorfüh­ren soll, wird die Werbewoche einleiten. Am 30. September wird sich der Herbstpferdemarkt anschliehcn, dem am 1. Oktober die Pferdemarkt- Lvtterie folgen wird. Bemerkenswert ist, daß diesmal bei Der Pferdemarkt-Lotterie die Anzahl der Gewinne um 200 Stück gegenüber den vis- herigen Lotterien erhöht wurde, fo daß den LoS- läufem größere Gewinnchancen geboten werden. Dom 30. September biS 6. Oktober werden die Werbetage der Gießener Geschäftswelt ftattfin- den, die mit einem Schaufensterwettbewerb ver­bunden fein sollen, bet dem das Publikum durch Stimmabgabe die PreiSrichterfunktion erfüllen kann. 3n den Sälen der Liebigshöhe wird vom 3. biS 6. Oktober eine große Obst-, Gartenbau- und 3agdauSstellung der breitesten Oeffentltchkett zugänglich gemacht. Die Reichhaltigkeit dessen, waS in dieser Schau dem Publikum gezeigt wer­den soll, wird in der heutigen Anzeige des Der- kehrSvereinS in großen Umrissen gekennzeichnet. Den Zeitverhältmssen entsprechend sind die Ein­trittspreise sehr niedrig bemessen worden, damit auch die weniger bemittelten Mitbürger ohne allzu drückende Ausgaben die sehenswerte Schau besuchen können. Der große Kunsttum-Wettkampf am 4. Oktober in der DolkShalle, die3ahrestagung des Landesverbandes der Hessischen Obst- und Gartenbauvereine, die 3ubiläumsfeier des Der- einSHubertus" in Gießen und UntcrhaltungS- barbietungen mancherlei Art im Theater, im

Lichtspielhaus und in den Gaststätten Werben den (Siebener Cltobertagen Weitere Anziehungs­punkte geben.

Wechsel im Dorsitz des Aliceschulvereins

Der Dorsitzende bc« Allceschulveretns, Herr Stadtschulrat Professor Dr. Alles, ist Wie man unS schreibt vom Dorsitz zurück- getreten, nachdem er schon vor zwei 3obren au- seinem staatlichen Amt geschieden ist, da er die Altersgrenze erreicht hatte. Herr Dr. Alles übernahm im 3ahre 1925 die Leitung des Der- eins. Herr Geh. Rat Fromme hatte die Ce» minare des Dereins durch die drangvollen 3ahre des Krieges und der 3nflation hindurchgeführt. Aufgabe des neuen Dorfihenden War eS, die Unterrichtsanstalten des AlicevereinS, die für die berufliche Ausbildung der weiblichen 3ugend unserer Stadt und ihrer Umgebung so wichtig find, Weiterzuentwickeln. Das ist ihm in vollem Maße gelungen, die Seminare haben gerade in diesen letzten 3ahren eine hohe Blüte erreicht. Herrn Dr. Alle- ist eS auch gelungen, einen langjährigen Wunsch deS AlicevereinS in Er­füllung zu bringen: Ostern 1929 Wurde hier ein Turnseminar eröffnet, in dem sich Mädchen zu Turnlehrerinnen auSbilden können. AlS am 28. und 29- September 1928 der hiesige Alice- verein daS Fest seine- 50jährigen Bestehen- feierte, konnte Herr Dr. Alle- stolz auf da- blühende Schulwesen des DereinS schauen. Wenn er jetzt zurückgetreten ist, um die Wohlverdiente Ruhe zu genießen, so sicht ihn der Aliceverein ungern scheiden. Herr Dr. Alle- kann aber seines DankeS sicher sein. Auch die gesamte Oeffentlichkeit unserer Stadt ist ihm Dank schuldig für seine aufopferungsvolle Tätigkeit im Dienste der weiblichen 3ugend unserer Stadt, bieten doch die Unterrichtsanstalten deS AlicevereinS (Fröbel« feminar, hauSWirtschaftlicheS, Handarbeit-- und Turnseminar) unfern Töchtern die einzige Mög­lichkeit, sich hier für rein Weibliche Berufe vor­zubereiten.

(Wie Wir hierzu noch erfahren, hat Herr Ober­studiendirektor Dr- K a 1 b f 1 e i f ch, Der Leiter unserer Studienanstalt. Den Dorsitz des Alice­schulvereins übernommen. D. Red)

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt DaS Pfund: Butter 140 biS 150; Matte 30 bi« 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 8 biS 10; Weißkraut 6 bis 7; Rotkraut 8 bis 10; gelbe Rüben 8 bis 10; rote Rüben 8 bis 10; Spinat 20 biS 25; Römischkohl 8 bis 10; Dohnen 15 bis 25; Unter-Kohlrabi 5 biS 6; Tomaten 20 bis 25; Zwiebeln 8 bi« 10; Meerrettich 40 bi« 80; Kürbis 5 bi« 6; Pilze 20 bi« 25; Kartoffeln 3,5 bi« 4; Frühäpfel 8 bi« 10; Falläpfel 3 bi« 4; Aepsel 8 bi« 10; Dirnen 8 bi« 15; Dörrobst 30 bis 35; Pfirsiche 40 bi« 60; Preihelbeeren 30 bi« 35; Brombeeren 30 bi« 35; Zwetschen 10 bi« 12; Honig 40 bi« 50; junge Hähne 90 bl« 100; Suppenhühner 80 bi« 100; Düsse 35 bl« 40; da« Stück: Tauben 50 bl« 60; Eier 11 bl« 12; Blumenkohl 30 bi« 70; Salat 5 bl« 10; Salat- gurten 10 bi« 20; Einmachgurken 2 bi« 4; <Sn- DiDien 10 bi« 15; Ober-Kohlrabi 8 bi« 10; Lauch 5 bi« 10; Rettich 10 bi« 15; Sellerie 10 bis 40; daS Bund: Radieschen 10 bi« 15 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 2,80 bi« 3; Aepsel 5 bi« 7; Weißkraut 3,50 bl« 4; Wirsing 6; Rotkraut 6 Mk.

Bornotizen.

TageSkalender für Samstag. Heilsarmee: öffentlicher Dortrag, 20 Uhr, Turn­halle, Steinstrabe. Lichtspielhaus Bahnhof­straße: 16 Uhr, drei Sportfilme; zu den üblichen Zeiten .. und das ist die Hauptsache".4 Astoria-Lichtfplele:Die fliegende Flotte".

Tageskalender für Sonntag. Stadttheater:Alt-Heidelberg", Anfang 19 Uhr, Ende 22 Uhr. Eafö Leib: Militärkonzert, 20.15 Uhr. Evangelische Stadtmission: 15 und 20 Uhr, Erntedankfest-Feier, Löberstrahe 14. Bereinigung ehemaliger Schüler des (Siebener Pädagogiums: Zusammenkunft, 16 Uhr, auf der Karlsruh". Lichtspielhaus Bahnhofstraße: 11 Uhr, Drei Sportfilme; zu den üblichen Zeiten ..... und das Ist die Hauptsache". Astoria- Lichtspiele:Die fliegende Flotte".

Aus dem S t a d 11 h e a t e r b u r e a u Wird uns geschrieben: DaS auSverkaufte Haus anläßlich der Erstaufführung deS Schaufpiels Alt-Heidelberg" von Meyer-Forster machte vie­len Theaterfreunden den Besuch dieser Dor­stellung unmöglich. Die rege Dachfrage hat die 3ntendanz veranlaßt, eine nochmalige Wieder­holung dieses Werkes morgen alS 12. Dorstellung der Sommerspielzeit anzusehen.Alt-Heidelberg" geht in neuer 3pszenierung alS letzte Dorstellung des Sommers unter Der Spielleitung von Karl (Bold in Der Besetzung Der Erstaufführung in Szene. Beginn 19 Uhr, Ende gegen 22 Uhr. Zu Dieser Dorstellung erscheint eine neue unD letzte Ausgabe des Programmheftes 1930'31, daS einen Rückblick über das Spieljahr 1930'31 deS (Siebener Stadttheaters und einen Aufruf mit Den neuen AbonnementsbeDingungen enthält.

Ein Militärkonzert, ausgeführt von Der hiesigen Reichswehrkapelle, findet am mor­gigen Sonntag, 2015 Uhr, im Eafs Leib statt. Däheres in Der heutigen Anzeige.

Der christlich-soziale Volks- Dienst, Ortsgruppe (Sieben, veranstaltet am * Mittwoch, 23. September, 20 30 Uhr, im Cafe Leib

eine öffentliche Dersammlung, In der der ReichS- tagSabgeorDnete Paul Bausch über daS Thema 3m Kamps um Deutschlands Zukunst' sprechen wird. Däheres in der heutigen Anzeige.

Die Dtenststunden deS Polizei­amtes sind ab 1. Oktober für den Puvli - kumSverkehr Wie folgt festgesetzt: Don 8 biS 12 Uhr und von 15 biS 17.30 Uhr. SamStagS von 8 bi- 12 Uhr. Für Samstagnachmittags ist in der Zeit von 16.30 biS 17.30 Uhr ein Eildienst eingerichtet, bei dem aber nur Anträge, die un­aufschiebbar sind erledigt werden können.

" Die Museen und Der HeiDenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei kleinen Preisen geöffnet.

"WozuTheater? AuS dem Stadttheater­bureau schreibt man unS: 3n den Zeiten schwerster Dot wird sich mancher, der die AbonnementS- einlaDung De« (Siebener Stadttheater» liest, diese Frage bellen. Wir brauchen unsere Gedanken ja täglich für Den Lebenskampf:Man muß ein sehr hartes Herz haben, wenn man Die menschliche Gesellschaft DeS Trostes unD Beistandes berauben teilt. Den fie aus Poesie unD Kunst wiDer Die mannigfachen Bitterkeiten DeS LebenS schöpfen kann", ein Wort Des Alten Fritz. 3a, wirk» Die Besinnung und Entspannung, Die ein Theater­abend gewähren kann, nicht wieder stärken für Die Anforderungen DeS TageS? DaS (Siebener ötaDt- theater wird in seinen Abonnement-Vorstellun­genDen Trost unD den Beistand" geben. Den Wir heute vielleicht mehr Denn je nötig haben.

ToDeSsälle in Gießen. GS verstärken in (Sieben in der Zeit Dom 1. biS 15. September: 3.: Hedwig Gabriel geb. Schufst, 50 3ahre, Am Steg 3; 5.: Karl Heinz Rinn, 2 3ahre, Land- grasenstraße 7; 6.: Salomon 3oseph, Kaufmann, 75 3obre, Westanlage 29; 8 : Karoline Schmidt geb. Göbel, 72 3ahre, Grabenstraße 3; Maria Klieber geb. Warnecke, Witwe, 55 3ahre, Wil- helmstraße 39; 14.: Lina Dörr geb. Otto, Witwe, 68 3ahre, Stephanstraße 51.

ObftDer ft eigerungen der Stadt Gießen. Am Montag, 21. September, und am Dienstag, 22. September, soll, jeweils um 8.30 Uhr beginnend, die Obsternte der Stadt öffentlich meistbietend versteigert werden. DähereS in Der heutigen Bekanntmachung.

Gewerbe- und Maschinenbau- schule Gießen. Don der Leitung der Ge­werbe- und Maschinenbauschule Gießen wird unS «nitgeteilt, daß DaS Wintersemester am 2. Dovem- ber beginnt. An Der Anstalt ist Gelegenheit ge­boten, sich in säst allen Gewerben Die erforder­lichen theoretisch-sachlichen Kenntnisse anzucignen. Die heute mehr wie je zur Ausübung de« Berufs notwendig sind. Ein weiterer großer Dorteil ist Der, Daß Den Absolventen Der Maschinenbauschule Das Zeugnis Der mittleren Reife verliehen wirD, Das sonst nur Durch befonDeren Schulbesuch er­worben Werben kann. (Siehe heutige Anzeige.)

"3nHaftbehaiten. DaS Schwindlerehe­paar 3t th, über dessen Verhaftung Durch Die Licher GendarmeriebehörDe wir gestern berichte­ten, WurDe gestern abend Dem zuständigen Rich­ter in Lich zur Vernehmung vorgeführt. Das Verhör der beiden Verhafteten ergab für Die Be­hörde die Dotwendigkeit, die Verhaftung aufrecht­zuerhalten, da offensichtlich Die Frau mit Der von der Oberpostdirektion Darmstadt beschriebenen Schwindlerin identisch ist. Die Schwindeleien Wur­den u. a. auch in mehreren Orten Rheinhessens und der Pfalz ausgeführt. Die fünf Kinder DeS Ehepaares Wurden nach Kreuznach zu den Groß­eltern verbracht.

** Alarmübung der Arbeiter-Sama­riter. Am Mittwoch, 20.30 Uhr, fand unter der Leitung des Technikers ffiinneder eine Alarm- Übung Der Arbeiter-Samariter-Kolonne Gießen statt. Bereits 6 Minuten nach dem Alarmsignal trafen die ersten Mitglieder Der Kolonne ein und konnten im Ernstfälle sofort Hilfe leisten. Um 20.44 Uhr trafen weitere Verstärkungen ein, unD 21 Minuten nach Der Alarmierung kamen noch zwei Samariter aus Kin- zenbach an Die Stelle Des angenommenen Unglücks- falles. Die Kolonne Dürfte Damit ihre hohe Bereit­schaft unter Beweis gestellt haben. 3n Der nächsten Zeit werben noch einige Alarmübungen abgehalten werben, um auch im Falle tatsächlicher Gefahr rasch eingreifen zu können.

Volksbund Deutsche Kriegsgrä­berfürsorge. Die Ortsgruppe Gießen des Volks- bundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge veranstaltete am Donnerstag im großen Hörsaal der Universität einen Vortragsabend. Landgerichtsrat Irümpert, Der VorsitzenDe Der Ortsgruppe, begrüßte Die Zu­hörer und betonte, Daß nicht nur den CebenDen, son- Dem auch den Toten des Weltkrieges Dank gebühre. Wir Dürfen Den Toten diesen Dank nicht schuldig bleiben; ihre Gräber zu schmücken sei Pflicht und schöne Aufgabe. Der Dolksbund Deutsche Kriegs- gräberfürsorge habe sich seit zehn Jahren erfolgreich für Die Ausstattung Der Gräber eingesetzt, unD er wcrDe weiter bemüht bleiben. Die Ruhestätten Der toten Krieger würdig zu gestalten. Eine ernste musi­kalische Darbietung (5rau E. Fischer, die Herren Bayersdorf und Braun) leitete zu Dem Dor- trag Des AbenDs über. Herr Franz Bauer jr. sprach über Die Deutschen Kriegergräber in Frank­reich und berichtete von seinen Eindrücken, die er während einer Reise nach Frankreich in diesem Sommer gesammelt hatte. Er schilderte in kurzen Zügen die Entwicklung der Kriegergräber aus den Regimentsfriedhöfen heraus zu den großen Sam- melfriedhöfen. Die entsprechend Der Rationalität Der

Toten getrennt angelegt wurden 3n diesem Zusam­menhang kennzeichnete er auch Die Unterschiede in Der Form der Friedhöfe. Die deutschen Friedhöf» feien, so führte er u. a. aus, bewußt Dem Charakter Der LanDschaft angepaßt, einfach zwar in ihrer Aus­gestaltung aber doch durch die Art ihrer Anlage für Den Beschauer von erschütternder Wirkung. Die amerikanischen Friedhöfe seien dagegen Durch ihre bombastische Ausmachung weniger schön. Der Dolks­bund bemühe sich um eine einheitliche Gestaltung Der Gräber ohne jede Bevorzugung De« Toten nach Stand oder Dienstgrad. Außerdem ziele Die ganze Anlage der Frieddöse daraus hin, daß Die Ruhe­stätte später einmal, wenn Die angepflanjlen Baume unD Büsche ihre volle Gröhe erreicht haben werben, einen würbigen Eindruck macht. An einer Reihe von Lichtbildern zeigte Der Vortragende, Der etwa 100 verschiedene Friedhöfe in den Hauptkampf­gebieten auf französischem Boden besucht hatte Die Arbeit, die bisher an Den Gräbern Der deutschen Soldaten geleistet wurde. Eine Minute stillen Ge­denkens für Die Toten des Weltkrieges beschloß den Vortragsabend.

" Frauengruppe Der Deutschen DolkSpartei. Man berichtet un«: Die Frauengruppe der Deutschen Volk-Partei hielt die­ser Tage ihre sehr gut besuchte Monatsversamm­lung ab. DaS politische Referat hatte Frau Maria Birnbaum, M. D. L., Übernommen. Die Red­nerin gab zunächst einen Rückblick über Die Ereig­nisse der letzten zwei Monate unD beleuchtete Die Zusammenhänge zwischen Der allgemeinen Krise mit ihren Folgen auf wirtschaftlichem und poli­tischem Gebiet und Dem Durch Frankreich- brutale Ausbeutung feiner Macht wachsenden Sinsluß auf alle- Geschehen in Europa. 3n Anknüpfung an die Rede von Curtiu- in Genf wie- sie eindring­lich auf Die Dotwendigkeit hin, eine ganz geschlos­sene VolkSstimmung zur Frage Der Abrüstung zu schassen, deren die deutsche Delegation dringend zur Unterstützung ihrer Forderung nach Gleich­berechtigung aller Staaten und Abrüstung der an­deren Mächte auf der Abrüstung-konferenz 1932 bedürfe. Als Beweis für die ungeheuerliche Un­gleichheit Der Kräfte führte Die ReDnerin au- cinem Aufsatz von (SertruD Bäumer in Der Zeit­schriftDie Frau" Heft Dr. 12, einige Zahlen an: So können nach Dem bisherigen Verhältnis Der militärischen Rüstungen Deutschland« und seiner Dachbarn im Westen auf je 10 Kilometer ihrer Grenzen aufmarschieren lassen: Deutschland 243 Mann, Frankreich 69122 Mann, Belgien 38 431 Mann, tm Osten: Deutschland 243 Mann, Polen 11 188 Mann, Die Tschechoslowakei 8506 Mann. Dazu kommt Dann noch Die ungeheure AIcberlegen» beit an Geschützen aller Art, Flugzeugen, Tank« usw. GeraDezu grotc-k mutet Die immer wieDer von Frankreich erhobene unD verfochtene ForDe- rung an, daß c« umfeiner nationalen Sicherheit Willen" auf Der Aufrechterhaltung seiner Rüstun­gen und Der Entwaffnung Deutschlands bestehen müsse. Mit einem Appell an Die Mithilfe Der Frauen zur Behebung unD Milderung Der gegen­wärtigen Rot unD einem Hinweis auf Mittel und Wege Dazu beschloß Die ReDnerin Den Vortrag, Der eine angeregte Aussprache auslöste. Hierauf berichtete Frl. Anneliese Kalbfleisch über Die Rcichsführertagung De« Hindenburgbunde« in Koblenz und gab ein anschauliche- Bild De- Stre­bens und Der Ziele Des HinDenburgbunDeS.

** Der 'Bunt)Königin Luise" ist, Wie man unS schreibt, ein Zusammenschluß deutscher Frauen und Mädchen, der christliche, deutsche Art und Sitte Pflegt und über allen Parteien und Kon­fessionen steht. Sr sucht das Verstehen unter Den verschiedenen Volksschichten zu entwickeln und au echter Volksgemeinschaft aufzubauen. 3eoe deutsche Frau und jedes Deutsche MäDchen sollte KameraDin des BunDe-Königin Luise" werben. Tausende von Frauen und Mädchen in ganz Deutschland haben sich zusammengesunden Im Bunde, Die sich in Dem selbstlosen Streben vereint Wissen, alle-, WaS unferm Volke nützt, zu fördern, unD alles, tvaS ihm schaDet, zu bekämpfen. Der BunDKönigin Xhiife ist bestrebt. Die 3ugenD zu gottesfürchtigen, pflichttreuen Menschen zu er­ziehen, unD ist sich Der Verantwortung gegen­über Den Gefahren der Zeit voll bewußt. Unser Volk ist in höchster Dot, eS ringt um sein Leben, deshalb sind auch Die Frauen verpflichtet, neben ihren anDeren Pflichten Dienst am Volke au tun. Die Zusammenkünfte DeS BundesKönigin Luise" sind diesem Dienste gewidmet, über ihnen steht baS große WortDeutschland" und darunter die kurze schlichte DundeSlosung3ch dien'!" Am 22. September findet eine Kundgebung deS Bundes in Friedberg statt, zu Der im heutigen Anzeigenteil elngelaDen WirD.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schnftleitung.)

Sp. G. 1. Dem Finanzamt ist das gesamte Ver­mögen anzumelden, einerlei, ob es sich um Spargut­haben ober etwa um Wertpapiere handelt. 2. Da» Einkommen minderjähriger Kinder und der Ehefrau aus Sparguthaben (Zinsen) wird zusammen mit dem Einkommen des Vaters als Einheit versteuert. 3. Rach § 177 der Reichsabgabenordnung (s. Reichs­gesetzblatt von 1919, Seite 2034/2035) hat jeder auch nicht als Steuerpflichtiger Beteiligte Auskunft zu er­teilen. Lassen Sie sich die umfangreichen Vorschriften auf der Bürgermeisterei vorlegen, lieber Das Banken« geheimnis werden wir demnächst einen besonderen Aufsatz bringen.

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