Ausgabe 
19.6.1931
 
Einzelbild herunterladen

1-18. Juni.

nenuniergong 20.13 ir, Monduntergang

iber Friedrich den Blüchers und Wei- Belle-Miance- r-Eiregers Charles orcn, - 1895: Er.' ials.

Ä* fer'N40. KL

ft 282 tzS L^J Ersah.

30n einer touföe torläufig Aev's-onsbefmd f?6,rnLann tor' SrlcDigunfl des einen

^vembrr M 2 icbotcn heute noch Darunter vier dem m überreichte den "b.L.Schudt, rnmann je ein k ihnen für ihre tor ®inoto üba. c 3entralgenoff?n-

Heften, ' l°»it t.

n Di»-? ^n. os der ^nd. litt ba^ auf s.b -isst

'icklen.

lnden.

st. eabbaifeier den 'br; Samstag vor- 'tausgang 9.40. ; abends 7.15 Uhr.

>ßen

Hausvater erkohlen,w<lldi* r-NuOkohlen und

>r sind, a|S lu

jOhnenstück ioer Glanzrolle!

iandvon^

uen0" <_».

AK

'eK0»ten'

<D00c

Wochenschal1 en Z«^!

Sreitag, 19. Juni 1931

181. Jahrgang

Br. 141 Erstes Stall

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dnid unö Derlag: Vrühl'fche Universitäts-Vach' nnö Stetnörnderet B. Lange tn Stehen. Schristlettung und Seschäst5ftelle: Zchulsirahe 7.

Englischer Ministerbesuch in Berlin am IT. Juli

Wichtige Besprechungen in London schon im Gange

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re­klameanzeigen von 70 mne Breite 35 Reichspfennig, Platzoorfchrist 20 mehr.

Chefredakteur.

Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Or.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst DIumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen

Er Ich ein t täglich, außer Sonntags und Feiertag» Beilagen

Die Illustriert, Vietzener FamiltenbläUer Dermal im Bild Die Scholle

Monats-Bezugspreis:

2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt.

lfernsprechanfchlüfse anterSammeInummer2251 Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Gießen.

poftscheckkonto:

fira*ffurlam Main 11686

London, 18. Juni. (IDIB.) Wie Reuter er- fähri, werden Premierminister Wacdonald und iluhenminister Henderson am 17. Juli zu ihrem Gegenbesuch in Berlin eintreffen.

Zwei Tage spater Stimson.

Berlin, 18. 3uni. (Sil.) Bach den bisherigen Dispositionen werden Macdonald und Hen­derson London voraussichtlich am 16. Juli ver­lassen, und am 17. Juli in Berlin eintreffen. Sie Iverden dann in Berlin vorn 17. bis 19. Juli einschließlich als Gäste der Reichsregierung weilen. Der amerikanische Schatzsekretär Mellon dürfte, entgegen anders.autenden Meldungen, sich von London aus erst an die Riviera begeben. Mellon wird also voraus! ichtlich keine ilnierredung mit den Berliner Stellen haben. Der amerikanische Staatssekretär Stimson wird in Berlin vor­aussichtlich erst am 2 1. Juli, also nach dem Besuche Macdonalds und Hendersons eintreffen, nachdem er vorher Paris und Rom besucht hat. Es wird bereits möglich sein, in den Besprechun­gen mit ihm die Ergebnisse der deutsch­en g l i s ch e n Aussprache zu verwerten. Cs er­scheint besonders bemerkenswert, daß die Füh­lungnahme mit den Vertretern der beiden Staa­ten bereits zu einem so frühen Zeitpunkt statt­findet, um so mehr als man in Berliner politischen Kreisen für

Ulitte August die Einleitung der Aktion der Reichsregierung in der Reparationsfrage erwao-et. In welcher Weife die diplomatischen Maßnahmen hinsichtlich anderer Staaten durchge- führt werden, steht bis jetzt noch nicht fest.

Das Echo in Berlin.

Berlin, 19. Juni. (ERB.) DieD. A. Z." begrüßt die Nachricht, daß der Kanzlerbesuch in C^quers von den Herren Macdonald und Henderson schon am 1 7. I u l i in Berlin erwidert werden soll. Die Beschleunigung des Gegenbesuches erklärt sich, nach Ansicht des Blat­tes, aus der Zuspitzung der Tributfrage und der älnmöglichkcit für Deutschland (trotz heroischer Anstrengungen), seiner finanziellen Schwierig­keiten bald Herr zu werden, sofern es die un­moralischen und unerträglichen Kriegstribute wei­ter bezahlen muß.

Das Transfer-moralorium bringe uns keinerlei wesentliche Entlastung, außer in rein psycho­logischer Hinsicht. Ein großer konstruktiver und schöpferischer Plan zur Sanierung der Welt sei nötig, und das Britische Reich habe daran ein ebenso großes Interesse, wie die anderen

Industriestaaten.

Der einzige Wunscy, der sich an den Berliner Besuch der britischen Minister knüpfen lasse, sei der, daß sic sich persönlich von der Lage der Dinge in Deutschland überzeugen möchten, um daraus ihre Schlüsse zu ziehen. Cs sei jetzt kurz > vor 12, und wenn England, das für den -friedlichen Wiederaufbau Europas eintrete, das -Gebot der Stunde nicht erkenne, dann werde lich der überall vorhandene Pessimismus noch fteigern, und niemand könne das Ende absehen, i -Das Blatt vermutet, daß lebhafte Bemühungen unternommen werden, um auch eine deutsch- französische Aussprache herbeizuführen, ob- vohl ihr ncgativesCrgebnis von,vorn- I herein fest stehen dürfte

Biel nötiger sei ein Gespräch mit Rom.

Es müsse gehandelt werden, ehe es zu spät 1 lei, gehandelt deutscherseits durch den Beweis, daß uns zu tun fast nichts mehr übrig bleibe.

DieGermania" schreibt: Der Besuch der hohen englischen Gäste wird im ganzen deutschen Volk mit dem Gefühl aufrichtiger Freundschaft begrüßt werden. Cs erübrigt sich, darauf hin- niweisen, daß dem englischen Besuch über das Gesellschaftliche hinaus auch eine nicht ge­ringe politische Bedeutung zukommt.

Hoovers Schwenkung.

Die 'Bedeutung der Tatsache, daß Präsident Hoover g.eichzeitig zwei seiner wichtigsten amt- I .ichen Berater nach Europa schickt, verdient immer wieder unterstrichen zu werden. Bon Washing- i ivn aus ist gar nicht einmal versucht worden, die Lesart ausrechtzuerhalten, als ob es sich bei Herrn Mellon und bei Herrn Stimson «diglich um eine Vergnügungsreise handelt. Man spricht schon lange von einer Studienfahrt, die 'ich bei der Wahl der beiden Persönlichkeiten eine Selbstverständlichkeit nicht nur mit der Frage der Abrüstung, sondern auch mit einer praktischen Lösung des Schuldenproblems beschäftigen soll. Herr Mellon ist inzwischen in London eingetroffen. Herr Stimson wird am 21. Juli in 'Berlin eintreffen. Welch« Ziele er -im Auge hat, darüber sind wir im wesentlichen schon durch den Botschafter S a d e 11 unterrichtet, Hr bringt die große Lleberrafchung mit, daß die Bereinigten Staaten jetzt wenigstens theoretisch leteit sind, auch schon vor der Präsi- Lentenwahl unter ilmftänöen helfend in die europäische Finanzkatastrvphe ein- S u g r e i f e n. Vorläufig ist diese Bereitwillig­keit noch stark verklausuliert. In diplomatischen Kreisen wird aber doch damit gerechnet, daß

Herr Mellon nicht mit leeren Händen kommt, sondern einige Vorschläge mitbringt, die für den Augenblick Luft schaffen können. Es ist selbst­verständlich. daß die Amerikaner nicht daran denken, die innere Verbindung zwischen der Ab­rüstung und den Kriegsschulden vollständig zu lösen, schon weil sie damit auf das starke Druck­mittel gegenüber den Siegerstaaten verzichten würden. Amerika ist auch heute noch reich ge» nung, um das Wettrüsten selbst mit England bequem aushalten zu können. Aber der Ameri­kaner ist wieder nüchtern genug, um keinen Hehl daraus zu machen, daß er Rüstungsausgaben für unproduktiv hält, er denkt auch wieder sach­lich genug, um sich auszurechnen, daß die großen wirtschaftlichen Reserven seines Landes, die im Rotfalle eine völlige Autarkie sicherstellen wür­den. ihm im entscheidenden Moment im Falle der Abrüstung und vielleicht dann erst recht einen Vorsprung vor den möglichen Gegnern eines künftigen Krieges sichern würden. Also hält das amtliche Amerika an seiner Forderung der Abrüstung fest und wird mit allen Mit­teln einen erfolgreichen Ausgang der Abrüstungskonferenz zu erzwingen su­chen. Hier ist Deutschland der wichtigste Bundesgenosse der Vereinigten Staaten. Wir haben ein Recht, zu verlangen, daß die Siegerstaaten ihre Rüstung nach dem deutschen Beispiel zurüdschrauben, und dürfen uns auf die nachhaltige Llnterstützung der Ver­einigten Staaten verlassen. Das gibt uns diplo­matisch auch auf dem finanziellen Kriegsschauplatz eine gewisse Rückendeckung, weil Herr Hoover es dann nicht gut darauf ankommen lassen kann, daß Deutschland als ernsthafter Verhandlungs­partner während der Abrüstungskonferenz til­gen seiner Finanzschwierigkeiten ausfällt. Die 3kreinigten Staaten sind also ein Trumpf, den wir noch im Spiel haben, möglicherweise sogar der höchste Trumpf. Es handelt sich nur darum, ob wir das diplomatische Eeschid und die Rerven haben, um uns die Unterstützung dieses Bundes­genossen sofort bei der Regelung der Tribut­lasten zu sichern.

Mellons Besprechungen in London.

London, 18. Juni. (WTV.) Schahfekreiär Mel­lon hakle heule weitere Besprechungen mit TH a c- donald und Henderson. Die Unterredung dauerte eine Stunde. Ihr wohnte auch Montague Jl o r m a n bei. Obwohl man versichert, daß sie einen unoffiziellen Eharakter gehabt habe, glaubt man allgemein, daß Mellon die Reparativ-

Frankfurt a.TI., 18.Juni. (ERB.) lieber die Vorgeschichte bet unerwarteten Kre­dithilfe, die England für Oesterreich bereitgestellt hat, erfährt dieFrankfurter Zeitung' folgendes: Am 16. Juni fand ein Besuch des fran­zösischen Gesandten in Wien beim öfter» reichischen Außenminister statt. Der Ge­sandte überreichte ein Schriftstück, das die Pariser Bedingungen für die Beschaffung der Kre- di t h i l f e enthielt.

Um den Oesterreichern keine Zeit ;um Ent­wischen zu lassen, wurde ein Ultimatum gestellt: Antwort bis zum Abend. Das französische Schrist- slück forderte völlige Aufgabe der politischen und wirtschaftlichen Selbständigkeit Oesterreichs.

Im einzelnen dachten sich die Franzosen die Sache folgendermaßen: Oesterreich beantragt beim Völ­kerbund die Einsetzung einer Kommission zur Prüfung und Ordnung der österreichischen Verhält­nisse-, Oesterreich verpflichtet sich, die Vorschläge die­ser Kommission bedingungslos anzunehmen. Schließlich wurde die österreichische Regierung noch aufgefordert, nach Paris einen in säuberlichem Französisch entworfenen Brief zu schreiben, in dem sich Oesterreichdie Ehre gibt, seierlichst zu erklä­ren, sich künftig jeglicher Kombination politischer und wirtschaftlicher Art zu enthalten, die den internationalen Status Oesierreichs verändern könnten". Auf diese Weise, so fährt dieFrankfurter Zeitung" fort, versuchte man, dem Patienten ein für allemal den hals herumzudrehen, politisch und wirtschaftlich. Das ist der Beitrag Frankreichs zum Thema Oesterreich, das ist die Forderung einer Re­gierung^ die sich nicht genug aufregen konnte, weil jener Wiener Pakt, der bie Zollunion ins Auge faßte, die Unabhängigkeit Oesterreichs gefährde!

Der österreichische Außenminister gab die einzig mögliche Antwort: Niemals!

Er dürfte wohl nicht verfehll haben, den übrigen Mächten, die sich für das Schicksal Oesterreichs inter­essieren, von diesem Ultimatum Kenntnis zu geben. Bevor irgend jemand sonst Zeit fand, auch nur ein Wort der Entrüstung zu sagen, schoß die Bank von England den Oesterreichern das Geld vor.

neu, die Kriegsschulden und die allgemeine finanzielle Lage besprach.

Englische preffekommentare.

Internationaler Boykott gegen Nutzland *?

London, 19. Juni. (WTD. Funkspruch.) Heber den Inhalt der beiden gestrigen Llnter- redungen Mellons mit Macdonald weih »Daily Telegraph" zu berichten, daß der Premierminister die augenblickliche Finanz­lage Europas und die Wirkung dieser schwie­rigen Situation auf das Reparationsprv- blem eingehend auseinandergesetzt habe. Das Blatt fügt hinzu, Mellons Eindrücke wür­den zweifellos vervollständigt werden, wenn er bald in direkte Berührung mit Reichskanzler Dr. Brüning und anderen deutschen Staatsmän­nern käme.Daily Telegraph" ist jedoch der An­sicht, daß es Mellon vielleicht Stimson über­lassen werde, Berlin zu besuchen. Die beiden ame­rikanischen Minister würden dann wohl in der Lage fein, Präsident Hoover bestimmte An­regungen zur Erwägung der drei Fragen: Re­parationen, Kriegsschulden und Kaufkraft des Goldes zu unterbreiten. Das Blatt setzt allerdings hinzu, daß man

in London keine großen Hoffnungen auf eine baldige Lösung des Reparationsproblems oder auf irgendeine unmittelbare amerikanische Ini­tiative in dieser Richtung sehe.

Der diplomatische Berichterstatter desDaily Expreß" behauptet, Mellon sei nur bereit, eine Revision ber Schulben zu erörtern unter ber Voraussetzung, baß Großbritannien sich einem internationalen Boykott gegen bie Sowjetunion anschließt unb praktische Maß­nahmen ergreift, um bie britischen Ausga­ben für Rüstungszwecke herabzuset- 3 e n. Die USA. seien bestrebt, ihre Lanbwirtschast gegen bie Konkurrenz bes russischen Weizens unb anberer russischer Rohstoffe zu schützen, unb sie seien ber Ansicht, baß bies nur durch einen

internationalen Boykott gegen Rußland erreicht werden könne.

News Chronicle" schreibt zu Mellons Besuch: Es wird immer klarer, daß bie Last ber Re­parationen z u groß für Deutschlanb wirb unb unerträglich zu werben broht. Aber nur bie Vereinigten Staaten können bie Lage erleichtern. Wir hoffen, baß Mellons Besuch in Eng- lanb ihn von ber unzweifelhaften Tatsache über­zeugt, baß bie Reparationszahlungen wirklich ber Schlüssel für bas Gesamtproblem ber finanziellen Rettung Europas finb.

Das Srebitarrangement ist nur vorläufig unb kurz­fristig. Die Franzosen werben sich bemühen, sich in geeigneter Form unb mit unoeränbertem Zweck er­neut bazwllchenzuschalten. Sollten sie auch ferner­hin ihren Zweck nicht erreichen, so werben sie ver- mutlich versuchen,

ben Hebel an anderer Stelle anzusehen: an Deutschland.

Unb bies ist ber Grunb, warum es verkehrt wäre, biesen ganzen Vorgang nicht so hell zu beleuchten, wie es möglich ist. hier sieht man bie enormen Schwierigkeiten, bie uns s e l b st bei ben fommenben Derhanblungen über reparationspoli­tische Entlastung bevorstehen.

Genugtuung in England.

London, 18. Juni. (WTB.) »Die Bank von England rettet Oesterreich I" Dramatisch« mitter­nächtlich« Entscheidungen verhindern den finan­ziellen Zusammenbruch Oesterreichs!", unter die­sen Tleberschriften verkündetRews Chronicle" die Gewährung eines britischen Kredits an Oester­reich, der in der gesamten Press« viel beachtet wird.

Die »M orning P o st" berichtet aus Paris, daß die Rachricht von dem Vorschuß der Dank von England an Oesterreich dort wie eine Bombe gewirkt habe. Man habe in Paris erwartet, daß über die Hälfte der Anleihe von französischer Seite aufgebracht und ausgegeben werden würde.

Der Quai d'Orsay habe sich bereits dazu beglück­wünscht, dadurch eine Stellung gewonnen zu haben, die es Frankreich ermöglicht hätte, in der Frage der Zollunion zwischen Deutschland und Oesterreich obzusiegen.

Diese Aussichten seien jetzt zunichte gemacht, und es scheine, als ob Oesterreich durch die finan­zielle Llnterstützung seitens der Dank von Eng­land in die Lage versetzt worden sei, eine voll­kommen unabhängige Roll« in der eu­ropäischen Debatte zu spielen. Die Enttäu­schung in den Kreisen der französischen Regierung sei groß, denn sie seh« jetzt, daß ihr der Preis von einer anderen Ration vor der Rase weggenommen worden sei- Aus Wien

Frankreichs Erprefferpolitik.

Ein lehrreicher Bericht über die Vorgeschichte der Kredithilfe für Oesterreich.

meldet die Morning Post, daß die Aktion der Dank von England dort nicht nur aus rein finan­ziellen Gründen begrüßt werde, denn diese Aktion befreie Oesterreich davon, dort Kredite zu suchen, wo, wie man annehme, ein Vorschuß ab­hängig gemacht worden wäre von einer Deschrän- kung der Aktionsfrecheit Oesterreichs in der Zoll- univnsfrage.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" schreibt: Was die Oesterreich von der französischen Regierung gestellten Dedin- g u n g e n für eine finanzielle ilnterftütjung be­trifft, so würden diese

das Ende einer deutsch-österreichischen Zollunion bedeutet haben, denn nach diesen Bedingungen müsse Oesterreich 'endgültig den Gedanken jeder Zollunion oder einer anderen Wirtschaftsunion mit Deutschland aufgeben.

Oer Vorschuß wird solange erneuert...

London, 18. Juni. (TU.) Zu der Mitteilung, daß die Dank von England am Dienstagabend der Oesterreichischen Rationalbank einen Vor­schuß von 150 Millionen österreichischen Schil­lingen zur Verfügung gestellt hat, wird von der englischen Presse ergänzend gemeldet, daß

ber Vorschuß so lange erneuert werde, bis die internationale Anleihe für Oesterreich zustande gekommen sei,

und dann aus den Einkünften dieser Anleihe zurückgezahlt werde. Der diplomatische Korrespon­dent desDaily Telegraph" warnt Oester­reich vor den Bedingungen der fran­zösischen Regierung für eine finanzielle Ilnterstützung durch die französischen Danken.

Frankreich demaskiert sich.

Finanzielle Hilfe nur unter Verzichten!

Paris, 18. Juni. (WTD.) Der Auhenpolitikee desJournal beschäftigt sich mit den Mög­lichkeiten einer internationalen finan­ziellen Zusammenarbeit und schreibt: Die gegenwärtige Krise könne nur auf zweierlei Arten ihren Abschluß finden: Entweder durch eine wirklich« Stabilisierung, oder durch Zersetzung. Cs sei erwiesen, daß Oesterreich sich nur mit Hilfe der Clemente der europäischen Ordnung retten könne, deren Angelpunkt in Frankreich liege. Deutschland fordere eine Erleichterung seiner Lasten, die es nur von denselben Elementen der Ordnung erzielen könne.

Der Augenblick fei gekommen, klar auszu­sprechen: Die erste Bedingung für die Bewilli­gung ber Hilfe müsse der Verzicht auf alle Agi­tation sein, bie zur Schaffung der Mißstimmung beigetragen hätte (Agitation zwecks Revision ber Grenzen, Agitation zur Vermeidung der Repa­rationszahlungen).

Cs sei ein Glück, daß die Regierungskrise, die in London, in Berlin und in Paris drohte, beschworen werden konnte. Man habe auf diese Weise die unmittelbare Unordnung vermieden, aber genieß« nur einen Waffenstillstand. Man möge ihn ausnühen, um von Deutsch­land und von Oesterreich die unerläß­lichen Garantien zu erhalten, ohne die der finanziell« Beistand nur eine Täuschung wäre.

ör. Ender verzichtet.

Wien, 18. Juni. (Sil.) Rach Fühlungnahme mit den Parteien hat Dr. E n de r am Abend dem Bundespräsidenten erklärt, daß er die B i l - düng eines neuen Kabinetts nicht übernehmen könne.

In den Verhandlungen war vom Rationalen Wirtschaftsblock die Vorlage eines festumrissenen Programms verlangt worden. Der Landbund verlangte eine Untersuchung der F.age der Kredit­anstalt. Weiter forderte er Sanierung des Haus­halts durch Ersparungen, statt durch Lastenerhö­hung, Sicherung des handelspolitischen Schutzes ber Landwirtschaft und Fortsetzung der Zoll­unionspolitik. Die Sozialdemokraten ha­ben die Darlegungen des Kanzlers lediglich zur Kenntnis genommen. Am Rachmittag wurde be­kannt, daß sie erklärten, sie könnten auf die Vor­schläge nicht eingehen. Da ohne die Sozialdemo- demokraten eine Zweidrittelmehrheit, die die außerordentlichen Vollmachten erfor­dern, nicht möglich ist, schien also schon dadurch das Programm Dr. Enders im wichtigsten Punkt gescheitert.

Einen gewissen Hinweis über die Richtung, m der di« Verhandlungen fortgeführt werden, bildete die Berufung des früheren christlich-sozialen Ab­geordneten des Rationalrates Präsident Dr. Gürtlers zum Bundespräsidenten.

Besprechungen

beim Bundespräsidenten.

Wien, 19. Juni. (TTl.) Am Donnerstagabend empfing der Bundespräsident nach der Bespre­chung mit Dr. Gürtler eine Reihe von Poli­tikern, darunter Dr. K i e n b e ck und Dr Seipel, Anschließend wurde nochmals ein Empfang Gürtlers angeseht. Auch die Vertreter der früheren Meh^heitsparteien, des Landbundes und der Grohdeutschen sind für abends zum Präsi­denten eingeladen.