Ausgabe 
19.5.1931
 
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Nr. 115 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderyeffei

v.tiii.iag, 19. Mai 1951

Die Schlacht am Skagerrak und feine weltpolitische Bedeutung. Zum Stapellauf des neuen Panzerkreuzers -.Deutschland" am 19. Mai. Don Admiral a. O. Zenker, ehemaligem Chef der deutschen Marineleitung.

Copyright 1931 by Nordische Gesellschaft, Lübeck. Nachdruck auch auszugsweise ver­boten.

Am 31. Mai ist ein halbes Menschenalter seit dem kriegerischen Zusammentreffen der größten Flotten der Neuzeit verflossen. ES waren eben­bürtige, wenn auch nicht gleichstarke Gegner, die sich da masten: Material und Personal waren auf beiden Seiten auf einer Höhe, wie sie wohl kaum eine andere Flotte erreicht hatte. Waren die eng­lischen Schiffe etwas schneller, so waren die deut­schen schwimmfähiger: waren die englischen Ge­schütze von größerem Kaliber, so waren die deut­schen Geschosse von größerer Durchschlags- und Sprengkraft. Die Besatzungen waren auf beiden Seiten durch jahrelange Hebungen für den Ernst­fall geschult: stand auf der deutschen Flotte die Durchbildung bis ins einzelne auf besonderer Höhe, so hatte die englische langdienendes Per­sonal mit all den Erfahrungen und der Selbst­sicherheit einer vieljährigen Dienstzeit. Die eng­lische Marine blickte voll berechtigten Stolzes auf eine jahrhundertelange Kriegsgeschichte, reich an Siegen und Erfolgen, zurück, sie fühlte sich als die erste Verteidigerin des britischen Imperiums und als die Wahrerin des Nufes, zur See unbesieglich äiu sein. In der deutschen Flotte lebte der Wille, dem deutschen Volke den Anteil an der See zu erzwingen und zu führen, den kein zur Welt­geltung heranwachsendes Volk entbehren kann. So wenig in der deutschen Marine vor dem Kriege der Wunsch nach einem Waffengange mit England bestanden hatte seine schicksalhafte Schwere wurde klar erkannt, so sehr war, als der Krieg nun einmal ausgebrochen war, der Wille über­all vorhanden, 6cm eigenen Dolle, wie der gan­zen Welt zu beweisen, daß die deutsche Flotte bereit und fähig war, die schwerste Aufgabe zu meistern, die ihr gestellt werden konnte: ohne krie­gerische Erfahrung, ohne eine große äleberliefe- rung mit der stärksten, als unbesiegbar geltenden Flotte der Welt um den Lorbeer des Sieges zu ringen.

Fast zwei Jahre lang hatten auf beiden Seiten politische Erwägungen die Flotten voa vollem Ein­satz zurückgehalten: auf deutscher Seite die merk­würdige Einstellung, man dürfe England nicht reizen und seine vermutete baldige Friedensbereit­schaft nicht stören: auch wollte man beim Friedens- schluh eine möglichst unversehrte Flotte als schwer­wiegenden Machtfaktor in die Waagschale werfen. Englands politische Seestrategie wollte das Ri­siko nicht laufen, durch die selbst bei einem sieg­reichen Kampfe anzunehmenden schweren Verluste so viel an Flottenstärke einzubüßen, daß dann ein entscheidender Druck auf die Neutralen nicht mehr ausgeübt werden könnte. Auch glaubte man, durch die weite Blockade der Nordsee an ihren Aus­gängen zum Ozean, wenn auch langsamer, so doch sicherer, als durch eine enge Blockade im Wir­kungsbereich der deutschen Seestreitkräfte, Deutsch­land erdrosseln zu können.

Erst nach Lockerung der Befehle über die Zu­rückhaltung der Flotte und nach Uebernahrne des Flottenkommandos durch Admiral Scheer be­gann deutscherseits mit der Beschießung der eng­lischen Küste bei Lowestoft eine energischere Offen­sive. Die schwere Mißstimmung, die dieser An­griff in England hervorrief, zwang die britische Admiralität dazu, bei Wiederholung solcher deut­scher Unternehmungen die englische Flotte zum Gegenstoß anzusehen. Als dann die englische Flottenleitung aus entzifferten Funksprüchen auf eine größere Operation der deutschen Flotte schloß, lief die englische Flotte, ebenso wie die deutsche, in der Nacht des 30./31. Mai aus ihren Stützpunkten aus. Das Zusammentreffen erfolgte am Spätnachmittag des 31. Mai vor dem Skagerrak. Bis tief in die Nacht hinein währ­ten die erbitterten Kämpfe: dann treynte die Dun­kelheit und die durch Schornsteinqualm und Pul­verrauch vermehrte Unsichtigkeit die Gegner. Bei­derseits ging die Fühlung verloren, so daß der Morgen nicht die von beiden Parteien erwartete Fortsetzung ter Schlacht brachte. So blieb das Zusammentreffen ohne eine endgültige Entschei­dung. Aber die beiderseitigen Verluste beweisen doch, wer den Erfolg des Tages für sich in An­spruch nehmen darf. Die Engländer ver­

loren 3 Grohkampfschiffe, 3 Panzerkreuzer, 8 kleine Kreuzer und Zerstörer mit einem Ge- sarnttonnengehalt von 115 000 Tonnen, 6094 Ge­fallene und 674 Verwundete = 11,6 Prozent der Gesarntbesahungsstärke, und 177 Gefangene. Die deutsche Flotte büßte 1 Großkarnpfschiff, 1 älteres Linienschiff, 9 kleine Kreuzer und Zer­störer mit einem Gesamttonnengehalt von 61 000 Tonnen ein und hatte 2551 Gefallene und 507 Verwundete 6,8 Prozent der Gesamtbesahungs- stärke zu beklagen. Dabei standen 37 britisck^n Großkampfschiffen nur 21 deutsche gegenüber.

also einer zahlenmähigen Liebermacht, die bei gleicher militärischer Leistung hätte erdrückend werden müssen.

Kein Zweifel: der taktische Erfolg war auf feiten der Deutschen. Aber st r a t e g i s ch hat die Schlacht auf die Kriegslage keinen Ein­fluß gehabt. Englands Verluste waren nicht so groß, daß es die Absperrung Deutschlands von den Weltmeeren hätte aufgeben müssen. Auch blieb es zur See so stark, daß es die Neutralen mit Fortschreiten des Krieges in immer schär­ferem Maße seiner maritimen Kontrolle unter­werfen und in den Dienst seiner überseeischen Ver­sorgung zwingen konnte. Auf der anderen Seite blieb die deutsche Flotte unangefochten Herr in der Ostsee und in der deutschen Bucht der Nord­see, hielt in ersterer die Wege für lebens- und kriegswichtige Zufuhren offen und schloß weiter­hin Rußland von der See ab und sicherte in letz­terer den U-Booten die heimatlichen Stützpunkte.

Die beiden großen Flotten haben sich nicht noch einmal in einer Schlacht gemessen. Wohl .hat Admiral Scheer am 16. August 1916 nochmals mit der ganzen Flotte einen Vorstoß bis zur eng­lischen Küste gemacht und dadurch bewiesen, daß er ein erneutes Zufammentreffen mit dem über­mächtigen Gegner nicht fürchte. Wohl lief auch die englische Flotte auf die Nachricht vom Vor­stoße der deutschen wieder aus ihren nördlichen Stühpuntten aus. Aber die zu spät als falsch erkannte Meldung eines Luftschiffes über das Sichten eines englischen Geschwaders veranlaßte Admiral Scheer zu einer Kursänderung nach Sü­den, wodurch ein Zusammentreffen der beiden Flotten vereitelt wurde.

So blieben beide Flotten bis zum Kriegsende in ihren Schlachtgeschwadern materiell unge­schwächt, bereit zum Schlagen, ohne aber die Ge­legenheit dazu zu suchen, die deutsche Flotte sich

ganz der Aufgabe widmend, den U-Booten die Ausfahrten aus den Häfen bis weit hinein in die Nordsee zu sichern, die englische die Absperrung Deutschlands von dem Weltmeere an den Grenzen der Nordsee durchführend.

Die deutsche Flotte endete, unbesiegt und mate­riell ungeschwächt, in freiwilliger Selbstaufopfe­rung für die Ehre der Flagge in der Bucht von Scapa Flow. Die englische Flotte war bei Kriegs­ende dis größte, die je auf dem blauen Wasser schwamm, allen andern an Zahl und Kriegs­erfahrung weit überlegen. Aber der Glaube der Weltan ihre Unübcrwindlichkeit war dahin: vor dem Skagerak und durch den U-Bootkrieg, mit dem durch eigne Kraft nicht fertig werden zu können die englischen Staatsleiter und Admirale den Amerikanern eingestehen muß­ten. hatte Deutschland bewiesen, daß England zur Seo be iegbar ist. So haben die Vereinigten S ttz a t e n ihren bald nach der Skagerrak-Schlacht verkündeten Anspruch auf eine der englischen gleich starke Flotte durchgeseht und damit den

Engländern ein Zugeständnis abgerungen, das nach dem Ausspruche des damaligen Außen­ministers Chamberlain England noch nie einer andern Nation gemacht hat und auch keiner andern machen würde. Auch die hartnäckige Weigerung Frankreichs, sich den englischen Wünschen hinsichtlich der Bemessung der Flotten- stärken zu fügen, zeigt, wie sehr die englische maritime Suprematie an politischem Schwer­gewicht verloren hat. Würde England diesen Vorstößen gegen seine Vormachtstellung zur «See wohl auch ausgesetzt sein, wenn es vor dem Skagerrak ein neues Trafalgar und damit die Bestätigung seiner Unüberwindlichkeit zur See gewonnen hätte?

Was die Schlacht vor dem Skagerrak f ü r Deutschland geworden war: die Erhärtung des Anspruches, zur See selbst , der ersten See­macht der Welt gleichwcrttg zu sein und damit ein Recht auf Seegeltung zu besitzen, das schien durch den Kriegsausgang mit Versenkung der Flotte, die die Schlacht geschlagen hatte, für immer dahin. Nicht nur legten uns die Gegner im Versailler Diktat Fesseln an, die uns an er­neuter Entfaltung von Seemacht verhindern sollen: nein, auch in weiten Kreisen unseres Dolles er­fahren alle Gedanken an den Wiederaufbau einer Flotte scharfe Zurückweisung. Wenn trotzdem die Nationalversammlung in Weimar seinerzeit die Beibehaltung einer Reichsmarine beschloß, so tat sie.es in dem Gefühl und in dem Bewußtsein, daß ohne eine solche weder die Verteidigung der Reichsgrenzen, noch auch die für unser Volk un­entbehrliche Ausweitung unseres Lebens- und «Schaffensraumes über die Dee nicht möglich ist.

In mühseliger, selbstverleugnender Arbeit ist zunächst auf den veralteten Resten der früheren Flotte eine neue Flotte au।gebaut worden, bis nach Lieberwindung der Inflation die am

Am 19. Mai tauft Reichspräsident von Hindenburg den Panzerkreuzer A (Ersatz Preußen) auf den NamenDeutschland".

Tragödie im Eis.

Professor Wegeners Schicksal.

Soll die weihe Wüste wieder einmal ein Opfer gefordert haben? Die Arktts ist nicht gut auf die Menschen zu sprechen: nur sehr, sehr lang­sam läßt sie sich Tellchen von ifjrem durch Ewig­keiten bewahrten Geheimnis entreißen. Lind fast scheint es so, als forderte sie für jede Handbreit der Region des ewigen Eises ein Dlutöpfer: wer will die Liste aller derer aufstellen, die Neuland erobern wollten und dabei ihr Leben lassen muß­ten. Wenige nur kehrten als Sieger heim, und es sind nicht einmal so viel Menschen wie Finger an einer Hand, die am Nordpol gewesen sind.

Einen deutschen Forscher trieb es im vergange­nen Jahre hinaus in die Zone des Schweigens. Professor Alfred Wegener ging an der Spitze feiner Expedition in jenes Gebiet, das die Land­karten immer noch mit einem weißen Fleck be­zeichnen: unerforschtes Land. Lind nun sorgt sich eine ganze Welt um den Mann: keine Nachricht, wo mag er geblieben sein? Lebt er am Ende doch noch?

Wer ist dieser Professor Wegener? Dor zwei Jahren kehrte er, gebürtiger Berliner übrigens, von einer Expedition aus Grönland zurück, und hielt einen seiner klugen, aufklärenden und babei leicht humoristisch gefätbten Dorträge. Der Geo­graph und Meteorolog lebte schon seit längerer Zeit in Graz, war in Amt und Würden: seitdem er im Jahre 1906 bis 1908 die Danmark-Expe- dition in Grönland mitgemacht, nachdem er von 1912 bis 1913 noch einmal mit dem deutschen Hauptmann Koch ganz Grönland in einer bei­nahe übermenschlichen Leistung durchquert hatte, zog es ihn immer wieder nach der Arktis. Sicher nicht aus Ruhmsucht oder aus Lust am Aben­teuer, Wegener lebte seiner Wissenschaft, und über

die geographischen Ergebnisse jeder Reise stellte er noch die Ausbeute, die sich auf dem Gebiet der Meteorologie ergab. Immer wieder hat er daran erinnert, daß mit der genauen Kenntnis der Wet­terlage in der Arktts und ihrer ursächlichen Be­dingungen endlich einmal genaue Kunde über die meteorologischen Dorbedingungen einer exakten Wettervoraussage möglich wäre.

Die deuttche Forschungsgemeinschaft hat dem mutigen Arktisforscher diese Reise ermöglicht, die am Ende seine letzte war. «Sehr sorgfälttg war die Expeditton vorbereitet, so vorsorglich, wie das Nansen und Amundsen je getan haben. Professor Wegener selbst kannte das Gebiet, das er durch­forschen wollte: die besten Reisegeiwssen hatte er sich zur Begleitung ausgesucht und planmäßig ge­schult, um auch wirklich allen Situationen gewach­sen zu sein. Im vergangenen Sommer zog er hin­aus in die Eiswüste: die Völker der Erde inter­essierten sich eingehend für die Fortschritte der Wagemutigen. Nachrichten kamen erst häufig, dann in immer größeren Pausen. Dennoch konnte man ziemlich genau die Standorte der Forscher verfolgen, und man erfuhr interessante Einzel­heiten. So, daß sie an Stelle des seit Generationen von Forschem überkommenen Schlittens mit dem Vorspann der Polarhunde den ganz modernen russischen Propellerschlitten benutzten. Namen wurden gelegentlich bekannt, die auf den unge­nauen Karten, die sich in unseren Händen be­finden, nicht verzeichnet sind. Aber die Kundigen der Wissenschaften konnten uns sagen, daß der Marsch im grönländischen Eise trotz aller Schwie­rigkeiten den Verhältnissen entspr«hend gut vor­wärts ging. Auch noch bei 35 Grad Kälte.

Seit dem 2. Oktober 1930 hat man von We­gener selbst nichts mehr gehört. Erst jetzt, in diesen Tagen, konnte die schleunigst ausgerüstete Hilfsexheditton eine bescheidene Spur von ihm entdecken. Man fand seine Skier, dazu einiges

andere wichtige Gerät. Lind man drang bis zu der 400 Kilometer von der Küste entfernten, mitten im grönländischen Inlandeis gelegenen Station vor, die ursprünglich als Standquartier gedacht war, fand dort drei der Begleiter Professor We­geners vor, den Forscher und Mhrer jedoch nicht. Von ihm ist nur bekannt, daß er seine entkräfte­ten Begleiter im Not- und Standquartier zurück­ließ, um mit dem Eskimo Rasmussen weiter zu marschieren, immer in die Eiswüste hinein, nach sorgfältig erwogenem Plan.

Leben die beiden noch? Läßt der Fund der beinahe lebenswichtigen Geräte ungünstige «Schlüsse ziehen? Wenig Hoffnung ist vorhanden, denn in­zwischen wurde von den drei Begleitern mitge­teilt, daß der Polarwinter von besonderer Heftig­keit war, fünfzig GradKält, das sagt alles! Aber trotz aller Hiobsposten bleibt doch ein Fünkchen Hoffnung. Die beiden Männer, Professor Wegener und fein Eskimo Rasmussen, sind Kenner der Verhältnisse in der Arktis: der eine durch sorgfälttg durchgeführte Grönlandreisen, der andere durch sein Aufwachsen in dieser rauhen Landschaft mit der unmenschlichen Kälte. Dazu ist Wegener ein anerkannter Meteorologe, und die Wissenschaft kann ihm bei der Fortführung seines Marsches doch von Nutzen gewesen fein. «Schließlich ist an den zwar seit der Nobile- reise verschollenen und wohl mit Recht als tot angenommenen Amundsen zu erinnern, der auch einmal unerhört lange Zeit durch Eis und Schnee der Polarlandschaft wanderte, «Schritt für Schritt. Län hatte ihn die Welt auf gegeben, da erschien e. überraschend. Lind noch abenteuer­licher war die Schollen fahrt berS>an f a- I e u t e im Jahre 1870, die auf Eisschollen eine unheimliche Reise mit den Strömungen im Eis­meer von ihrem gestrandeten Schiff aus gemacht hatten, die halb verhungert, fast erfroren und schwertrank die Strapazen dieser Fahrt durch­

meisten erneuerungsbedürfttgen. weil kaum noch seetüchtigen «Schiffe, die Kreuzer und die Torpedo­boote. durch Neubauten ersetzt werden konnten. 1928 bewilligten die gesetzgebenden Körperschaften den ersten E r s a tz b a n für die alten Linien­schiffe, der am 19. Mai auf denDeutschen Wer­ken" in Kiel vom Stapel laufen soll. Dis Taufe durch den Reichspräsidenten weist wie seinerzeit die des Lloyddampf^rsBremen" auf die Bedeutung dieses Stapellaufs für untere weitere maritime Entwicklung hin. Mit diesem Panzerschiff, das den NamenDeutschland^ tragen soll, beginnt die Erneuerung des unent­behrlichen kampfkräftigen Kerns unserer Wehr­macht zur See: möge Schiss und Name Ausdruck des Willens unseres Volles sein, sich nicht von der See verdrängen zu laßen, auf die es als Volk ohne Raum" und eine der tüchtigsten unter den seefahrenden Nationen ein natürliches Recht hat. Zwar hat sich der Schwerpuntt unserer maritimen Belange durch den Ausgang des Krie­ges von der Nordsee nach der Ostsee ver­schob e.n und die Beschränkung unserer Flotte bringt selbstverständlich eine Beschränkung ihres Wirkungsbereiches mit sich. Aber für den Küstenschutz, den unser lleines Heer nicht auch noch auf sich nehmen kann, ist die Marine wichtiger geworden denn je, und das vom Reich losgerissene, zur hart umbrandeten Insel des Deutschtums gewordene O st Preußen bedarf einer unter allen Umständen gesicherten Ver­bindung mit dem Reich, soll es den Mut und die Kraft zu feiner Verteidigung behalten.

Wenn wir heute auf die Seeschlacht vor dem Skagerrak zurückschauen, so werden wir auch in ihr einen Beweis jeder Kraft unseres Volkes sehen, die es immer wieder in seiner Geschichte zu großen, die Welt in Erstaunen sehenden Taten befähigt hat. Das aber rechtfertigt trotz all dem Schweren und Furchtbaren, das unserem Volke jetzt aufgebürdet ist, unseren unzerstörbaren -Glauben an Deutschlands Wiederaufstieg zu neuer

Kraft und Herrlichkeit.

Protest gegen den Abbau in der Kriegsopfer-Versorgung.

Auf dem Bezirkstage der Krieger- kameradfchaf tHassia", der am Sonn­tag hier imPostkeller" stattfand, wurde nach einem Dortrage des Dezlrks-Fürsorgeobmannes. Lehrer Döhn, überEinschränkungen in der Kriegsopferversorgung" ein­stimmig folgende Entschließung angenom­men:

Seit dem Jahre 1929 haben sich die Abbau - mahnahmen in der Versorgung der Kriegsbeschädigten und Krieger- Hinterbliebenen derart gehäuft, daß drin­gend gefordert werden muß, mit denselben nun­mehr Halt zu machen. Es muh als untragbar bezeichnet werden, bei notwendig werdenden Spar­maßnahmen im Äeichshaushalt in einem so gro­ßen Umfange wie bisher die Versorgung der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen heranzuziehen. (Ls muh zweifellos als berechtigt anerkannt werden, dah denjenigen, die schon ein­mal die schwersten Opfer an Leben und Gesund­heit für Volk und Vaterland gebracht haben, neue Opfer auf wirtschaftlichem Ge­biet in der jetzigen Notzeit er st in allerletzter Linie auf geb ür be t wer - den dürfen. Im festen Glauben an den gu­ten Willen und das gerechte Empfinden der maß- geblichen Behörden fordern wir ein Haltmachen auf dem.eingefchlagenen Wege. Wir geben un­serer bestimmten Erwartung Ausdruck, dah die verantwortlichen Stellen nicht nur von weiteren Abbaumahnahmen Abstand nehmen, sondern ent­sprechend der Entschliehung des Reichstages vom 4. Februar 1931 «Schritte unternehmen, um die durch die Notverordnung vom 26. Juli 1930 und durch die durch das Reichsarbeitsministerium verfügten Eparmahnahmen eingetretenen Här­ten in der Re i ch sver sor gung auf dem schnellsten Wege zu beseitigen ober mindestens auf das wesentlichste zu mildern."

Geheimrat Dr. Wilhelm von Opel» (Stiftung.

WSN. Rüsselsheim, 18. Mai. Geh. Kom­merzienrat Dr.-Ing. h. c. Wilhelm v. Opel hat aus Anlaß seines 60. Geburtstages der Ge­meinde Rüsselsheim ein Kapital von 20 000 Mark alsGeheimrat-Dr.-Wilhelm-von-Opel- Sttftung" als Geschenk vermacht. Die Zinsen dieser Stiftung sollen alljährlich zu Weihnachten an arme und bedürftige Familien der Gemeinde verteilt werden.

leiden muhten und bann doch trotz! aller Schwier rigkeiten in bie Heimat zurückfanden. Es liehe sich aus ber Geschichte ber Polarforscher noch eine Menge ähnlicher trostreicher Beispiele anführen aber begnügen wir uns mit ben wenigen glück­haften Abenteuern.

Es ist nicht viel Hoffnung, bah ber Professor Alfred Wegener auf gefunden wird, besonders nach den letzten Funden.' Aber ein wenig bleibt! Und diesen Hoffnungsrest wollen wir uns erhalten.

W-r.

Der letzte Gänger von Montmartre.

Die Romantik des Montmartre, des einstigen Künstlerparadieses von Paris, das längst zu einem «Schauplatz der Fremdenindustrie geworden ist, verschwindet immer mehr. Run ist auch der letzte der alten Chansoniers, bie ihre Texte und Lieber selbst verfaßten unb in der malerischen Künstlertracht aus ben verklungenen Tagen der Boheme" von Murger vortrugen, bahingeschie- ben. Bruhant Alexandre so hieß er starb im Lariboisiere-Hospital. Noch nach dem Kriege sah man ihn in seinen weiten Beinkleidern, engen Samtjackett, fliegendem Mantel unb breitrandigem schwarzen Hut auf den Straßen, unb er hatte großen Erfolg mit seinen Liebem, bie stets aktuelle Dinge behanbelten unb ben Geschmack der Menge trafen. Aber sein Stern war im Nieder­gange. Das Publikum, das ihm huldigte, war vom Montmartre verschwunden, und so wanderte er schließlich, fast erblindet und gebückt von der Last der Jahre, als eine traurige Figur auf den Boulevards herum, fang mit zitternder Stimme feine Lieder unb suchte bie. Texte an Mitleidige zu verkaufen. Dann erkrankte er an Gehirn­erweichung und siechte im Krankenhaus dahin. Mit ihm entschwindet eine letzte Säule von ber einstigen Herrlichkeit ber Montmartre-Poesie.