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men, weil durch die letzten Wahlen glaubhaft nachgewiesen sei, daß 2000 Wahlberechtigte den Antrag unterstützen, finde im Gesetz keine Stütze und sei daher unzulässig.

3m Laufe der Nachmittagsstunden des Mitt­woch trat im Befinden des am Sanrstag operier­ten Reichskanzlers a. D. Hermann Müller eine abermalige Verschlechterung ein, da der schwache Zustand auch durch einen kurzen Nachtschlaf nicht behoben wurde.

Der Reichsverkehrs mini st er beabsichtigt, die neue Luftverkehrslinie B e r l i nM ü n ch e n--- R o m selbst zu eröffnen und hiermit den Gegenbesuch zu verbinden für deil Besuch, den ihm 1928 der italienische Luftfahrtminister B a l b o in Berlin ab- gestattet hat. Minister von Guerard wird in Be­gleitung- des Leiters der Luftabteilung im Reichs- verkchrsministerium, Ministerialdirigent Dr.-Ing.li.c. Brandenburg, am 1. April im ersten Flugzeug der neuen Linie in Rom Eintreffen. Er wird auch Gelegenheit nehmen, im Vatikan vorzusprechen.

Der von der ersten Reichstagung der Konser­vativen gewählte Führcrring berief in seiner ersten Sitzung zu seinem Sprecher (geschüftssühren- den Vorsitzenden) Dr. Paul Lejeune-3ung. Nach dem Beschluß des Führerringes wird die konservative Bewegung im Reiche organisatorisch durch dieV o l k s ko n s e rv a t i v c Ber­einigung" zusqmmcngcfabt mit weitestgehen­der Selbständigkeit der einzelnen Landesverbände und sonstigen Gliederungen. Der BolkSkonserva- tiven Bereinigung gehören an alle Abgeordneten derKonservativen Volkspartei" im Reichstag, in den Landtagen und in sonstigen parlamentari­schen Körperschaften. Oberstes Organ ist di» Reichstagung der Konservativen".

Der Berliner Polizeipräsident teilt mit: Die in dem Demonstrationsverbot vom 10. Dezember 1930 zugelassenen Ausnahmen für Dcmonstra- lioncn im Lustgarten, auf der Treptower Spiel­wiese, im Humboldt-Hain und der Iungsernheide sind aufgehoben worden. Fortan sind alle Versammlungen unter freiem Himmel und Umzüge im gesamten Ortspolizeibezirk Berlin ausnahms­los verboten. Unter dieses Verbot fallen natür­lich auch die von den Kommunisten für Freitag und Montag geplanten Kundgebungen im Lustgarten.

Am Donnerstag tritt der Ausschuß für die W a h l des Berliner Oberbürgermeisters zu­sammen. Neuerdings wird als aussichtsreicher Kan- didat für diesen Posten von mehreren Blättern auch der preußische Finanzministcr H o e p k e r - A s ch o f f genannt.

Oie Baumwollindustrie von Manchester gegen die indische Boykottbewegung.

London, 19. März. (WTB. Funkspruch.) Die zwei großen Berbände der Baumwollspinnereien und -Webereien in Manchester haben eine Er­klärung veröffentlicht, die sich auf die Fort­führung des Boykotts britischer Gü­ter in Indien und auf die Rückwirkung be­zieht, die dieser Boykott auf die Baumwoll­industrie von Lancashire hat und in Zukunft, nachdem durch das Abkommen von Delhi der friedliche Boykott gesetzlich erlaubt ist, haben wird. 11. a. wird in der Erklärung erwähnt, daß alle Baumwollwcrte aus Lancashire im Werte von 1,5 Millionen Pfund Sterling sestliegen und nicht verkauft werden können, und daß in England selbst große Men­gen bestellter Waren an gehäuft sind, t die hier seit Beginn des Boykotts liegen und infolge des inzwischen eingetretenen Preisver- f lustcs belastet sind. Die Daumwollindustrie von ,e Lancashire bilde einen Aktivposten nicht nur in England, sondern im ganzen britischen Reich, und die Regierung könne nicht länger die Fort­führung einer Politik dulden, durch die eine große Industrie geschädigt werde. Die Erklärung wird dem Staatssekretär für Indien und dem Präsidenten des Handelsamtes zugestellt werden.

Aus aller Welt.

Elli Beinhorn auf dem Rückfluge von Afrika.

Die Afrikafliegerin Elli Beinhorn ist nach Be­endigung der wissenschaftlichen Expedition Ende voriger Woche mit ihrem Hlcmmflugzeug, von B i s s a o nach C a n e n n c in Französisch-Senegal gestartet. Sie bewältigte die über 600 Kilometer lange Strecke, die zum großen Teil über Ur­wälder führte, in knapp 5 Stunden. Am Montag setzte sie ihren Flug nach B a m m a k o fort, wo sie am Nachmittag eintraf. Elli Beinhorn befindet sich damit bereits über 1000 Kilometer im Inneren Afrikas. Sie wird voraussichtlich im Lause des Mittwochs Timbuktu erreicht haben, von wo sie bann den Flug über die Sahara antreten wird.

Holländische Spende für die Opfer der Katastrophe auf GrubeMaria"

Baron van Hoevxll tot Westerslier Kommissar der Königin der Niederlande in der Provinz Limburg, und die Bürgermeister von Heerlen und Kirchrath sprachen bei der Aachener Regierung vor und überreichten dem Regierungs­präsidenten einen Scheck von 50 000 Reichsmark für b i c Opfer der Katastrophe auf GrubeM a r i a". Der Betrag wird dem Aerzte- fonds zugeleitet.

Schwere Explosion.

In einem Patronenschuppen des Sprengstofs- werles Reinsdorf bei Wittenberg (Dez. Halle) erfolgte bei Aufräumungs arbeit en eine Explo­sion, bei der vier Personen ums Leben kamen und zwei weitere Personen verletzt wur­den. Die Toten sind der Werkmeister, ein Schlosser und zwei Arbeiter. Die Ursache der Explosion konnte bisher nicht festgestellt werden. Die Pa- tronenbrcden, von denen eine in die Luft flog, sind kleine Holzbaracken und nur leicht gebaut, damit sie bei etwaigen Explosionen schnell aus- einanberfliegcn können. Jede dieser Duden ist mit einem hohen Erdwall umgeben, so daß sie kaum zu sehen sind. Bon der Berwal- lung wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß es sich nicht um Patronen für militärische Zwecke gehandelt habe, sondern um solche, die im De rg- bau Verwendung finden.

Großer Lagerhausbrand.

In den srühen Abendstunden brach am Mitt­woch in einem großen aus Holz erbauten Lager-

Todesurteil im

Regensburg, 18. März. (WTB.) Arn zweiten Tage im Tetzner-Prozeß bekundete als letzter Zeuge der Regensburger Unter* suchungsrichter, daß Tetzner auch ihm gegenüber bei seiner ersten Vernehmung in Regensburg zugegeben hat, einen lebenden Menschen im Auto verbrannt zu ha- b c n. Dieses Geständnis hielt Tetzner bei seinen weiteren Vernehmungen bis zum Mai aufrecht. Vermutlich durch seinen Anwalt habe er dann von der Auffassung deS medizinischen Sachverständi­gen Dr. Kockel, Leipzig, gehört. Darauf habe er unvermittelt seine Aussage dahin geändert, der Ermordete sei lediglich das Opfer eines Autounfalles geworden.

Als erster Gutachter gab Dr. Kockel, Leipzig, seiner Meinung Ausdruck, das Opfer Tetzners sei zweifelsfrei als Leiche ver­brannt worden. Der Erlanger Professor Mo­li t o r i s hielt die Beweisführung Dr. Kockels im einzelnen nicht für stichhaltig: er sei schon des­wegen der Meinung, Tetzners e r st e s Mord- geständnis treffe zu, weil die Schilderung des Leichentransportes für jeden Anatomen etwas Unglaubhaftes habe. Der Leiter der Regens­burger Heil- und Pflegeanstalt, Dr. Vierzig» m a n n, der Frau Tetzner auf ihren Gerstes­zustand untersucht hat, verneint entschieden das Vorliegen einer ungewöhnlichen Willensschwäche: auch von hypnotischen Eingebungen könne keine Rede sein.

Nach kurzer P u'c w: rde mit denP lädoyers begonnen. Staatsanwalt H e b a u er hielt b*n An­geklagten Tetzner als durch die Beweisaufnahme überführt. Er stellte folgenden Straf an trag: Kurt Erich Tetzner ist wegen Mordes in Tatein­heit mit Versicherungsbetrug zum Tode, wegen eines Mordversuches zu 12 Jahren Zucht- hauszu verurteilen Die bürgerlichen Ehlenrechte werden dem Q rg k ag en auf Leben , e t aberkannt. Gegen Frau Tetzner beantragte der Staats­anwalt wegen Beihilfe zum Mord und gemein­schaftlich verübtem Versicherungsbetrug sechs Jahre Zuchthaus.

Der Verteidiger des Hauptangeklagten, Rechts­anwalt Dr. Sauter, München, suchte klarzu-

Tetzner-prozeß.

legen, warum Tetzner zunächst ein falsches Ge­ständnis ablegte. Das lasse sich psychologisch aus der Erschütterung des Augenblicks heraus erklä­ren. Richtig könne nur das zweite Geständnis sein, das nicht nur in dem Sachverständigengutachten Dr. Köckels eine Stützung erfahren habe, sondern auch der von der Staatsanwaltschaft selbst an­erkannten Intelligenz Tetzners eher angemessen sei. Dr. Sauter schloß, ein Angeklagter wie Tetzner, der so wenig Anspruch auf das menschliche Mitgefühl der Richter erheben könne, habe dafür doppeltes Anrecht auf gewissenhafteste Erwägung der sach­lichen Momente. Der Verteidiger der Frau Tetzner, Rechtsanwalt Dr. Strauß, München, bemühte sich um den Nachweis, daß Tetzners Frau vollkommen dem Willen ihres außerordentlich zielbewußten Mannes erlegen sei, und beantragte, Frau Tetzner von atlcn Anklagen, mit Ausnahme der des Versicherungsbetruges, freizusprechen.

Das Schwurgericht fällte nach cinftünbiger Be­ratung folgendes

Urteil:

Kurl Erich Tetzner ist schuldig des Mordes in Tateinheit mit einem verbrechen des Ver­sicherungsbetruges und eines Mordver­suches und wird deswegen zur Todes st rase, außerdem zu zwölf Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Le­bensdauer verurteilt.

Jrau Emma Lina Tetzner ist schuldig der Beihilfe zum Mord in Tateinheit mit einem Verbrechen des Versicherungsbetruges und wird zu vier Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt.

Wie der Verteidiger des verurteilten Kurt Erich Tetzner, Rechtsanwalt Dr. Sa u t e r (München), nach der Verhandlung mitteilte, wird er im Auftrage seines Mandanten Revision beantragen. Den Grund erblickt die Verteidigung darin, baß in ber Hauptverhandlung ein Regensburger Polizei­beamter alsZeuge und Sachverständiger vernommen wurde, obwohl er während der Vor­untersuchung als Hilfsbeamter der Staatsanwalt­schaft an der Untersuchung beteiligt war.

Der Postetat vor -em Reichstag.

Berlin, 18. März. Im Reichstag gab Reichs­postminister Schätze! eine ausführliche Darstel­lung ber Entwicklung ber Deutschen Reichs- post im letzten Jahre. Die Verwaltung habe mit allen Mitteln danach gestrebt, ihren Verkehrsapparat nach Möglichkeit auszubaucn und zu verbessern, dabei aber der schwer um ihre Existenz ringenden deutschen Wirtschaft durch verstärkte Auf­tragserteilung und Tarifherabset­zung zu Hilfe zu kommen. Der Ausfall an Ein­nahmen infolge des Tiefitandes der Wirtschaft sei nach Möglichkeit durch größte Wirtschaftlichkeit auf allen Gebieten wettgemacht worden. Für das Publi­kum sei eine Reihe von Verkehrserleichte­rungen eingeführt worden. Zur P o st v e r s o r - gung des flachen Landes waren Ende des laufenden Rechnungsjahres etwa 1150 Landkraft­posten mit 14 700 Poststellen und 2400 Postagentu­ren vorhanden. Das Krastpostnetz umfaßte rund 2340 Linien mit etwa 45 600 Kilometern Strecken­länge. Im Sommer 1930 wurden 110 S2uftpoft = l i n i c n benutzt, im letzten Winter 26 Linien. Die Vcrkehrssteigerung bei- der Luftpost belief sich auf 58 v. H. gegenüber 1929. Die Zahl der P o st- f ch e ck k u n d e n hat nahezu eine Million erreicht, der Gesamtumsatz ist aber um rund 8 Milliarden auf 130 Milliarden gesunken. Die Zahl der Rund­funkteilnehmer steigerte sich um eine halbe Million bis Ende 1930 auf rund 3^ Millionen. Das B e f cha f f u n g s p r o g r a m m der Reichspost be­lief sich 1930 auf 410 Millionen Reichsmark. Dazu traten noch Zusatzaufträge in Höhe von 200 Millio­nen Reichsmark. Bezüglich der Rationalisierung werde das Tempo verlangsamt, soweit es nur irgend angängig sei, um den Arbeitsmarkt nicht zu belasten. Durch Ginfdiränhing sachlicher Aus­gaben konnten beispielsweise rund 2000 Telegraphen* arbeiter weiter beschäftigt werden.

Oie Stellung der Parteien.

Abg. Biedermann (Soz.) begrüßt die Be­freiung der Erwerbslosen von den Rundfunkge­bühren. Schwere Sorgen macht uns die politische Betätigung des Postpersonals. Unter den nationalsozialistischen Revolvcrattcntätern befin­den sich auffallend viele Posthelfer. Aufsichtsüh- rende-Beamte betreten die Diensträume mit dem Gruß ..Heil Hitler!" (Hört! Hört!) Der Oberpost­rat Meyer in Oldenburg, der Zeitungsartikel mit den schärfsten Anwürfen gegen die Regierung ver­öffentlicht hat, ist deswegenstrafversetzt", aber nach Düsseldorf. Er hat selbst erklärt, daß er sich sehr um die Düsseldorfer Stellung beworben habe, die auch mit Gehaltserhöhung verbunden sei. (Hört! Hört!) Herr Minister, oic irren, wenn Sie glauben, sich dadurch einen Borzugsplay im Drit­ten Reich erwerben zu können. Als bei einem Ber­liner Fernsprechamt das lleberfallkommando an­gerufen wurde wegen einer Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten, hat die Nachtaussichtsbeamtin dieses Gespräch sofort dem Abgeordneten Dr. Goebbels übermittelt. lHört! Hört!) Wegen dieses unerh r'en Bruchs des Fern- sprechgeheimnisses hat btt Minister nichts anderes unternommen, als daß die Dame in c'.ne angeneh­mere Stellung beim Postscheckamt versetzt wurde.

Abg. Kamp sch ulte (Z.): Ich kann mich den: Vorredner nur anschließen in der Forderung, daß der politischen Verhetzung innerhalb der Postverwaltung ein Ende gemacht werden muß. Der Postinspektor Sprenger hat in einer Ver­sammlung in Münster erklärt, Reichskanzler Brüning müsse unter allen Umständen beseitigt werden, er bedeute das Siechtum Deutschlands. Sprenger nannte in seiner Rede weiter die Reichstagsmitglieder Verbrecher. (Hört! Hört!)

Eine derartige unglaubliche Propaganda von einem Beamten, der sich nicht scheut, das Geld der von ihm bekämpften Republik zu nehmen, kann nicht weiter geduldet werden. (Lebhafte Zu­stimmung.) Wenn der Minister gegen solche po­litischen Ausschreitungen schärfer vorginge, würde das von allen Seiten im Reichstage gebilligt werden. (Beifall.) Die politisch wenig geschulte Beamtenschaft fällt solchen radikalen Hetzereien leichter zum Opfer als andere Volksschichten. Der Beamte muh die Verfassung anerkeimen und ehrlich der Republik dienen. Das liegt im Interesse des Berufsbeamtentums. Der Fall im Berliner Fernsprechamt fordert zur schärfsten Verurteilung heraus. dB ernt das Postgeheimnis nicht mehr gegen Verletzung geschützt wird, dann sind die Grundlagen des Postwesens erschüttert.

Abg. Molla'th (Wp ) kritisiert das jetzige Tleberweisungssystem der Reichspost. Wenn die aus der Gehaltssenkung bei der Post ersparten 62 Millionen an das Reich abgeliefcrt roeröen, so sei ber Anspruch des Reichs darauf nicht an- zuerlennen. Diese Summe müßte zu Tarif- senkungcn benutzt werden. Sehr belastet werde die Post durch die große Steigerung der Zahlungen an die Reichsbahn. Der Minister sollte endlich einmal mitteilen, welche Gelder durch die Rationalisierung bei der Post erspart wor­den sind. Wenn es sich dabei nicht um viele Millionen handelt, daim wäre es zu bedauern, daß ohne greifbaren Nutzen so viele Menschen aus dem Produktionsprozeß ausgeschaltet wor­den sind. Der Redner fordert Senkung der Fern­sprechgebühren für Wenigsprecher. Bei der Ver­gebung der Postaufträge sollte mehr als bisher das selbständige Handwerk b^rück- s i ch t i g t werden.

Abg. Morath (D. V.) weist darauf hin, daß die Ersparnisse durch die Senkung der Post­beamtengehälter dem Publikum schon zum großen Teil durch die Gebührensenkung zugute gekom­men sei. Cr fordert eine Verbesserung der Beförderungsverhältnisse bei der Postbeamtenschaft. Aus den bedauerlichen Einzel- fällen darf nicht verallgemeinernd der Schluß ge­zogen werden, als ob die ganze Postbeamtenschaft nationalsozialistisch verseucht sei. Die national­sozialistische Krankheit darf nicht zu leicht ge­nommen werden, aber sie wird überwunden wer­den. Der Erlaß gegen d i e ilcbcrftun- den hat in der Beamtenschaft nicht unein­geschränkte Zustimmung gesunden, denn der Be­amte will nach dem Ablauf seiner Dienststunden nicht einfach die Arbeit liegen lassen.

Reichspost mini st er D r. Schähel: Ich habe in verschiedenen Verfügungen erklärt, daß ich staatsfeindliche Bestrebungen in meiner Beam­tenschaft nicht dulde. Ich habe auch daran erin­nert. daß innerhalb der Dien st räume jede parteipolitische Agitation ver­boten ist. Wenn sich bewahrheitet, was hier be­hauptet worden ist, bann werden selbstverständlich die nach Verfassung und Beamtenrecht sich erge­benden Konscguenzen rücksichtslos gezogen werden.

Damit ist die Aussprache beendet. Der Etat wird in zweiter Lesung bewilligt. Dazu werden! die Ausschuhentschließungen angenommen, in %bcnen die Regierung ersucht wird, Härten zu be­seitigen, die durch Einführung der Altersgrenze von 35 Jahren bei Hebersuhrung von Lohnemp­fängern ins Beamtenverhältnis entstanden sind, sowie möglichst bald die Senkung der Fernsprech­gebühren für Wenigsprecher durchzuführen. In einer weiteren AuSschuhentschliehung wird die baldige Einstellung von Supernumeraren für die [ Reichspost verlangt.

Hausschuppen der Speditiorrssirma Mannheimer, Lagerhausgesellfchast mbH., in Stuttgart ein Brand aus. Das Feuer fand in den dort liegen­den25arengütem, vor allem in Altpapier, Dach­pappe. Farben, Wolle. Autoöl, reichliche Nah­rung und griff auch auf einen zweiten großen Holzschuppen über. Zur Hilfeleistung waren in kürzester Zeit sämtliche Stuttgarter Feuerwehren erschienen, die mit zahlreichen Strahlrohren die Feuersbrunst bekämpften. Ex­

plodierende Oelsässer, die zum Teil fünf» zig Meter hoch in die Lu ft geschleu­dert wurden, brachten die Feuerwehrleute in große Gefahr. Beide Schuppen sind mit sämt­lichen Vorräten vollständig niederge­brannt. Der Schaden, der nur zum Teil durch Versicherung gedeckt ist, wird auf 170 003 Mark geschäht. Als Drandursache kommt :.ur Brand­stiftung in Frage.

Aus der pwvinzialhauptstadi.

Gießen, den 19. März 1931. ,

Heimat!

Von Loni Lauxmann-Kinzelmann.

Das kleine Stücklein Welt, das unsere Heimat umfaßt, wächst uns mit der Zeit ans Herz: wir lieben es und umfassen es und beginnen cs immer wieder neu zu entdecken. Und in den Reisebüchern steht, je nach der Lage unserer Heimat, eine Menge schöner Worte über den Fleck Erde oder auch nur ein kleines unscheinbares Sätzlein, oder vielleicht nicht einmal ein winziges Wort darüber.

Aber was bedeutet denn auch die Aufzählung von Bergen und Hügeln. Tälern und Wäldern, Flüssen und Seen, Städten oder Dörfern? Ist es denn nicht meist ganz unmöglich, das zu schildern, was für uns gerade das Schöne und Große an unserer Heimat ist. sei es nun ein stiller Weg am Flußuser mit wiegenden wippenden Weiden am Wasser. die Brücke mit den geschwungenen Bogen über den kleinen, leise plätschernden Bach, der rote Mohn im wiegenden Kornfeld, ein süß zwitschernder Vogel, ein grünes, dichtes Blätterdach des Waldes, ein einsames Haus mit windschiefem Dach oder in der Sonne scharrende Hühner! _

Don diesen Dingen kann kein Reisebuch^Zählen, das können wir aber selber täglich erleben.

Unsere Heimat ist schön, jeder kleine Winkel hat seine Vorzüge, die man erwandern und einmal ent­decken muß.

Ueberall ist es schön, überall. Man muß nur mit offenen Augen um sich sehen.

Daran aber kranken leider viele Menschen. Sie wissen in fernen Länderstrecken genau Bescheid, kennen deren Vorzüge und Schönheiten, aber für das Nächste, die engere Heimat, die sie umgibt, haben sie kaum oder gar kein Auge. Gar zu ost wird' uns Deutschen der Vorwurf gemacht, daß wir oft fremde Werte überschätzten, dagegen, die heimischen Dinge viel zu gering achten. Das sind traurige Tatsachen, die man eigentlich gar nicht verstehen kann.

Gibt es Schöneres als die Heimat? Man muß einmal fortgewesen sein und zurückkehren, dann erst weiß man, wie all die alten Dinge unauflöslich mit uns verknüpft sind. Sogar die (straften, die engen, mit den vielen gleichen Häusern, die gar nicht schön und protzig aussehen, können eine Erinnerung er­wachsen lassen, können einen so lieb werden, wie an anderer Stelle eine blühende Wiese mit dem Summen und Surren sommerseliger Insekten.

Sogar der große rote Fabrikschornstein, der wie ein emporgestreckter Finger aus dem Gewirr der Häuser hervorsieht, kann uns in der Heimat etwas Schönes bedeuten. Man hat ihn als Kind immer am frühen Morgen aus dem Nebel emporfteigen sehen und er war aus der Ferne wie ein Morgengruß. Sogar der graue Rauch, der aus dem Schornstein

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Der Kern des Hochdruckgebietes wandert süd­östlich nach den Dalkanländern ab. Damit haben die Winde bei uns mehr nach Südosten und Süden gedreht, d. h. die kontinentale trockene Luftzufuhr nimmt ihr Ende, und warme, feuchte Luft kommt zum Vordringen. Infolgedessen steigen die Tem­peraturen weiter an, was auch nachts zum Aus­druck kommt, so daß der Hebergang zu nachtfrost- freiem Wetter in Aussicht steht. Mit der Warm­luft wird auch der Wolkenschleier des westlichen Tiefs bis in unseren Bezirk Vordringen und das seithex'.ge vrlllommen he'.tere Wetter unterbrechen.

Aussichten für Freitag: Fortschreitende Erwärmung, auch nachts, aufkommende Bewölkung, trecken.

Aussichten für Samstag: Vielfach be­wölkt oder dunstig, zwischen Tag und Nacht mehr ausgeglichen unh 8 bis 10 Grad . - -r Null liegende Temperaturen.

Lufttemperaturen am 18. März: mittags 8,2 Grad Celsius, abends 1,3 Grad: am 19. März: morgens 0,7 Grad. Maximum 8,5 Grad, Minimum1,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 18. März: abends 3 Grad: am 19. März: morgens 0,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 8^ Stunden.

Amtliche winlersportnachrichten.

Vogelsberg, Hoherodskoof: Bedeckt, 0 Grad, 40 bis 50 cm Schnee, verharscht; Sportmöglichkeit teilweise noch vorhanden.

Schwarzwald, Feldberg: 1 Grad, 220 cm Pulverschnee; Sportmöglichkeit sehr gut.

Anklage gegen drei Lübecker Aerztc.

In der Angelegenheit des Lübecker Säuglings- sterbens ist nunmehr nach Abschluß der Vor­untersuchung gegen die beteiligten Aerzte Anklage wegen fahrlässiger Tötung und Kör­perverletzung erhoben worden. Die Anklage richtet sich gegen Obermedizinalrat Dr. 21 (t ft e b t, Professor Dr. 2 eycke und Professor Dr. K l o tz.