Ausgabe 
18.9.1931
 
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Lüge um Liebe

Mit dem (Lrstabdruck dieses großen Romans von Anny von panhuys wird morgen begonnen

'f ä n g n i d und 100 Mark Geldstrafe. H. wegen schwerer Urkundenfälschung fünf Mo­nate Gefängnis: Freisprechung des B. wegen Vergehens gegen § 147 des Genossen- schaftsgesehes. Das Gericht hatte keinen Zweifel daran, daß D. und Sch. entgegen ihrer Pflicht als Mitglieder des Vorstandes bzw. des Aufsichts­rats in voller Kenntnis der wahren Lage des Sch. die Kasse dadurch benachteiligt hatten, dah sie den eingeräumten Kredit weit überzogen. Das verwerfliche Verhalten dieser Angeklagten, durch das die Genossen des Vorschubvereins in der schwersten Weise geschädigt wurdey, wurde bei der Strafzumessung entsprechend berücksichtigt. Dem H. wurden mit Rücksicht auf sein Geständnis und weitere besondere Umstände des Falls mildernde

in dev SlwiMevirn

drs GieKenee Anreisevs

verlegten.

Das Überraschendste an der ganzen Angelegen­heit ist die Tatsache, dah man bisher der festen Ueberzeugung war, die Hunde von Konstantinopel gänzlich beseitigt zu haben. Vor etwa fün zehn Iahren waren sie sämtlich eingefangen, auf die Insel Oxia im Marmarameer gebracht und dort getötet worden, lind man scheint damals tat­sächlich auch reinen Tisch mit ihnen gemacht zu haben, denn die jetzigen Hunde sind zweifellos 1 keine Abkömmlinge der damaligen. Sie gehören , einer ganz anderen Rasse an und sind, wie die älteren Einwohner von Stambul versichern, bei weitem gröher und robuster als ihre unglück­lichen Vorgänger. Das Rätsel, woher sie so plötzlich und in solchen Massen gekommen sind, harrt noch seiner Lösung._______________

H. Dieser stand mit Sch. in Geschäftsverbindung und hatte eine größere Forderung an ihn. Beide halfen sich mit Wechsel aus. H. gab nun, um Sch. über dem Wasser zu halten und so seine eigene Forderung an ihn nicht zu verlieren, an Sch. erst Kunden- und später Gefälligkeitsakzepte und schließlich, als er auch diese nicht mehr bekommen konnte, von ihm gefälschte Wechsel. Sch. lieh die Wechsel von dem Vorschubverein diskontieren. Schließlich half alles nichts mehr. Es kam zu einer Revision und B. ging flüchtig. Jetzt erst stellte sich heraus, wie sehr er und Sch. dem Vor­schuhverein geschadet hatten.

Beide bestritten, sich strafbar gemacht zu haben. Beide wollen geglaubt haben, dah die schlechte Vermögenslage des Sch. lediglich eine vorüber­gehende gewesen sei und sich später sicherlich gebessert habe. Daß das Konto Sch.'s in dieser geradezu unglaublichen Weife überzogen gewesen sei, wollen sie nicht gewußt haben. H. gab die Wechselfälschungen unumwunden zu-

Die Staatsanwaltschaft hielt D. und Sch. des Vergehens gegen § 146 des Genossenschafts- gesehes (absichtliche Schädigung einer Genossen­schaft durch Mitglieder des Vorstandes oder Auf­sichtsrats) für überführt und beantragte gegen sie je neun Monate Gefängnis und 100 Mk. Geldstrafe: im übrigen (falsche Angaben über den Vermögensstand, § 147 des Genossenschaftsgesehes) stellte sie bez. B. die Entscheidung in das Er­messen des Gerichts. Der Strafantrag gegen H. lautete auf vier Monate Gefängnis.

Die Verteidiger der beiden ersten Angeklagten beantragten deren Freisprechung, vorsorglich mil­dere Bestrafung, der des H. milde Strafe.

Gegen 21 Uhr wurde das Urteil verkündet: D. und Sch. wegen Vergehens gegen § 146 des Ge­nossenschaftsgesehes je neun Monate Ge-

3n der guten Stube des Försterhauses brannte die Lampe über dem weihen Tischtuche, warf durch das offene Fenster ihren Hellen Schein auf die sauber geharkten Beete hinaus. Als Malte nach der Klinke der Gartentür griff, erklang drinnen ein fröhliches Lachen, wie das Klingen eines silbernen Glöckleins hörte es sich an. Ihm aber war es wie eine Warnung, kehr um... In Einsamkeit und Trauer, hatte er geglaubt, würde sie sitzen, oder zum mindesten in banger Erwartung, und jetzt lachte sie lachte aus vollem Halse, weil sie von dem alten Förster irgendeine Schnurre gehört hatte... Das Herz schlug ihm bis in die Kehle hinauf, wie vor einer schweren Entscheidung, gleich danach aber schalt er sich selbst einen Rarren. Weil sie mit seinem Schicksal ein bihchen Mitleid empfand, konnte sie selbst doch nicht in Sack und Asche trauern?... Er klopfte an und trat ein...

Der Förster Schwarz hatte sich nach einer kurzen Respektspause empfohlen, seine rundliche Gattin aber blieb am Ofen stehen, setzte ein feind­seliges Gesicht auf und strickte unverdrossen an einem langen Wollstrumpfe. Da verlief die erste Unterhaltung recht einsilbig. Frau Liselotte be­dankte sich für den gütigen Besuch, er gab seiner Freude Ausdruck, dah sie so rasch sich von dem bösen Sturze erholt hätte, und es entstanden lange Pausen des Schweigens. Rur ein heimliches Einverständnis war zwischen ihnen und gab dem tropfenweis rinnenden Gespräch einen seltsamen Reiz: sie beide wünschten die lästige Zuhörerin von Herzen über alle Berge! Und die rundliche Frau Försterin schien endlich verstanden zu haben. Gegen halb zehn Uhr packte sie ihr Strickzeug zusammen, ging mit einem unwirschen Gutenacht- gruh aus dem Zimmer. Als wenn sie hätte sagen wollen:Ich habe lang genug aufgepaht. Wem nicht zu raten ist, dem ist nicht zu helfen... Roch eine Weile lang hörte man ihre tappenden Schritte durch die dünne Decke des Oberstockes, bis sie sich endlich zur Ruhe begab...

Frau Liselotte streckte das ringgeschmückte Händchen über den Tisch:Endlich!... Endlich komme ich dazu, mich zu freuen, dah Sie gekom­men sind. Ich verzweifelte schon, ich mußte ohne Abschied fortgehen, und da kamen Sie endlich!

Er führte die kleine Hand an seine Lippen. Wie ein Rosenblatt so zart lag sie in seiner breiten Ritterfaust. Er aber sagte mit einer ge­wissen Bitterkeit, von dieser Verzweiflung hatte er nicht viel gemerkt. Als er an der gestanden, wäre es ihm vorgekommen, als hatte sie sich recht gut unterhalten...

O Gott", seufzte sie auf,mißgönnen Sie mir das bihchen Zerstreuung? Wenn man em so freudloses Leben führt wie ich, da ist man für

Oer Vorschußvereinskrach in Laubach.

Die Verhandlung vor dem Gietzener Schöffengericht.

Gießen, 16. Sept. Der vor etwa einem Iahre erfolgte Zusammenbruchdes V o r - schußvereins Laubach bildete, wie gestern bereits schon kurz berichtet, die Grundlage der heutigen Verhandlung vor dem Schöffenge­richt Gießen. Der Rechner K. D. und der Holzhändler O. Sch. I!. von Laubach standen un­ter der Anklage, als Mitglieder des Vorstandes bzw. des Aufsichtsrats absichtlich zum Rachteil der Genossenschaft, d. i. des genannten Vorschuh­vereins, gehandelt zu haben: B. wurde weiter zur Last gelegt, wissentlich unwahre Angaben über den Vermögensstand der Genossenschaft gemacht zu haben. Der Holzhändler W. H. aus einem Ort des Siegkreises war der schweren Urkundenfäl- schung angeklagt.

Die Vernehmung der Angeklagten und die um­fangreiche Beweisaufnahme ergaben folgendes Bild: Der Dorschuhverein Laubach war eine landwirtschaftliche Genossenschaft, die auch die üblichen Bankgeschäfte abwickelte. Rechner war seit langen Iahren der Angeklagte B, der all* gemein das größte Vertrauen genoß: er war Mitglied des Vorstandes. Der Angeklagte Sch. war Mitglied des Aufsichtsrats. Ihm war gegen Sicherheit ein laufender Kredit von 20 000 Mk. eingeräumt worden. Vom Iahre 1929 ab wurde dieser Kredit erheblich überschritten. D. diskon­tierte Wechsel und zahlte Schecks aus, ohne dem Aufsichtsrat hiervon Kenntnis zu geben und dessen Genehmigung einzuholen. Ende 1929 de­

in Oster-Gotland aufgefunden hat. Er ist e nes der bssterhaltenen und geschichtlich interessan­testen Zeugnisse der nordgermanischen Vorzeit und hat bisher den Prähistorikern manche Ruh zu knacken aufgegeben, bis es nunmehr dem größten zeitgenössischen Sachverständigen der Ru- nenforschung gelungen ist, seine rätselhaften In­schriften zum größten Teil zu entziffern. Sie berichten in der ihnen eigentümlichen getragenen Sprache über ein vorgeschichtliches gamihen- drama, das an die Göttersagen der Edda erinnert.

Ein aller Mann namens Varin beklagt darin sein tragisches Schicksal. In hohem Alter ist er fast vereinsamt durch die Schuld eines Stammes- genossen, der ihm den ältesten Sohn und dessen junge Frau, die Ehegattin und das gesamte Knechtsgesinde getötet hat, weil er der Reben­buhler dieses ältesten Sohnes vor der Verhei­ratung gewesen und abgewiesen worden ist. Er beklagt weiterhin, dah er selbst schon zu betagt und schwächlich ist, um den Tod seiner Familie an seinem Urheber zu rächen. Aber glücklicherweise hat er noch ein nachgeborenes Söhnchen in zar­tem Alter, das gleich ihm der Metzelei entgangen ist, und ihm überträgt er hiermit die heilige Auf­gabe der Blutrache. Diese schriftliche Beauf­tragung ist verquickt mit den mächtigsten und wirksamsten Beschwörungssprüchen und Fluch- sormeln gegen den Mörder. Ebenso fügt Varm Beschwörungen hinzu, die seinem Sohn die zur Vergeltungstat notwendigen körperlichen Kräfte und seelische Ausdauer bei seinem blutigen Werke verleihen sollen. Ein weiterer großer Teil der Runenschrift besteht aus geheimnisvollen magi- schen Zeichen, deren Entzifferung bisher allen Be­mühungen der Archäologen gespottet hat, obwohl gerade diese Zeichen heute noch von einer Klar­heit und Schärfe sind, als seien sie gestern erst in den Stein hineingeschnitten worden.

Wieder Hunde in Stambul.

(p) Stambul.

Eine unerwartete und unangenehme Erschei­nung beschäftigt seit einigen Wochen die Stadt- Verwaltung Konstantinopels: die berüchtigten wu- den Hunde sind wieder da! Sobald die Rächt über dem Goldenen Horn aufgegangen ist, kom­men sie in großen Rudeln aus den ärmlichen Vororten der Stadt in die eleganten Straßen von Pera, deren nächtliche Stille sie mit ihrem Geheul zerstören, und machen Iagd auf alles, was nur einigermaßen frehbar erscheint. So­bald sich jedoch der Himmel im Osten erhellt, verschwinden sie wieder von der Bildfläche und tauchen in ihre unbekannten Schlupfwinkel unter.

Diese Wiederkunft der Hunde, die vor Iahren einmal eine Charakteristikum für die Hauptstadt der Sultane gewesen sind, erfüllt die städtischen Behörden mit ernsten Besorgnissen, zumal unter den Tieren bereits vereinzelte Fälle vonTolmout einwandfrei festgestellt worden sind. Die Ein­wohner haben deshalb schon vor Wochen ihren Kindern verboten, auf den Straßen zu spielen. Versuche der Polizei, die Hunde durch eine groß angelegte Razzia in Pera einzufangen sind wie- derholt gescheitert, da die Tiere wohl instinktiv witterten, daß ein Unternehmen gegen sie ge­plant war und für diese Rächte den Schau­platz ihrer Rahrungssuche irgendwo andershin

, Es kommt ja ganz bestimmt und gewiß, aber wenn man sich's vorstellt, will es einem gar nich in den Kopf herein. Vierzig Iahre hat man nun in diesem Haus seine Arbeit gehabt, gegessen, getrunken und geschlafen, und mit eins soll das zu Ende sein?... Ich weiß gar mch, was ich dann mit mir anfangen werd', wenn das hier zu Ende ist..." Und er sah mit schwimmenden Augen in den Hellen Kreis, den die Lampe auf dem Tischtuche zeichnete.

Ra", sagte Miken und strich sich energisch die weiße Schürze glatt,noch is er ja mch auf der Welt, der uns hier alle zum Tempel rauSjagt. Hub in diesen letzten Tagen hab' ich m der Zei­tung was gelesen, und es is mich eine rechte Tröstung gewesen, dah es nämlich auf vier Iun- gen in Deutschland immer fünf Deems gibt... Statistik nennen sie das. Diese Statistik wünsch ich unferm Herrn Crblandmarschall von Herzen!

Ich auch, weiß Gott!..."

Ra schön", sprach Miken weiter,aber ich habe mich für den andern Fall die Sache nu s o zurechtgelegt! Fünfzehnhundert Taler hab' ich ge­spart, da zieh' ich nach Rostock und fang n Handel mit Grünzeug an und Räucherfisch. Bloh von meine Renten zu leben, dazu fühl' ich mich noch zu rüstig ich muß was zu arbeiten haben!

Rach Rostock", sagte Lentz gedankenvoll.Ra 'wie wär's, Miken, wenn wir beide da zusammen­ziehen möchten?" rD,

Ach Gott, Herr Lenh ..." Eine fluchtige Rote huschte über das verschrumpelte Altjungferngesicht- lein, und sie sah an ihrer dürftigen Gestalt hin­unter.Zusammen? Ich mein, das möchte« wohl die Trauungskosten nich mehr verlohnen...

Fräulein Dannappel". erwiderte er ernsthaft, das meine ich auch nich. Ich bin Sie mch nach- gestiegen, wie Sie nochne nüdliche runde Deem waren also werden mich solche Dummerhaftig- keiten auch heute nich beifallen. Ich möcht' nur einen Unterstand haben, daß ich Arbeit suchen kann. Meine achttausend Taler, die ich gespart hab in vierzig Iahren, sie sind... ja, da hab ich eine Verfügung darüber getroffen für einen andern. Unsereins weiß sich doch eher zu helfen, wenn es hier mal zu Ende is..."

Miken fuhr sich mit der Hand über die Augen, heulte laut auf.

Lenh!... Un da Öeent man mit so nem rügen Kierl tofamen, mehr as bärtig Iahr... zankt fick un schimpt sick männigmal, Wil hei immer as n Swinegel Tümmergeiht, de Stacheln nah buten gestellt...

Che", sagte Lenh mit einem trüben Lächeln, ober as 'n Pannkoken. De rüge Schal es buten, bat söte Plumenmus fitt inwendig... ba möt man sick ierst dörchfreten... von buten nach binnen...

jeden kleinen Sonnenstrahl empfänglich, den der Zufall bringt... Und gerade bei Ihnen, Herr Graf, hatte ich auf ein -wenig Verständnis ge­rechnet ..."

Ra ja", sagte er schwerfällig,ich lache auch herzlich gerne, aber wenn es einem so koddrig geht wie mir..." Er brach ab, denn es Wider­strebte ihm, von feinen Sorgen zu sprechen.

Ich habe davon gehört", erwiderte sie leise, es muß schrecklich fein, wenn man bei der Heim­kehr alles so verändert findet! Und ich möchte Ihnen so gerne helfen, aber was vermag eine schwache Frau? Richts als ein recht herzliches Mitleid empfinden..." Und als er nicht ant­wortete, fuhr sie fort:Seltsam Ist es, wie der Zufall die Menschenkinder durcheinanderwirbelt. Gestern vormittag hatte ich noch keine Ahnung von Ihnen, heute sitzen wir uns gegenüber, sprechen von dem Letzten, was unsre Herzen be- toegt. Fast ist es wie eine Fügung... Und ich glaube daran... An jene geheimnisvolle Macht, die Menschen zueinanderführt, die freudlos durch das Leben wandern... ein umgekehrter Magnetis­mus ist es gewissermaßen, der Gleiches zu Glei­chem gesellt..." Sie-brach ab, eine kleine Trane schimmerte zwischen ihren seidenweichen Wimp""n.

Und Malte sah ba, verschränkte die groben Hände ineinander, daß die Gelenke krachten, und wußte nichts zu erwidern. Zu hoch war der Flug der Gedanken, da konnte er nicht mit. Rur das Herz schwoll ihm in der Brust, schnürte ihm fast den Atem ab...

Und die zierliche kleine Frau fuhr fort zu sprechen mit dem feinen Stimmchen, das sich wie Sammet so weich ins Ohr schmiegte. Erzählte von einer trostlosen Iugend mitten in Luxus und falter Pracht... einer Iugend ohne Liebe, Denn die Eltern lebten getrennt... ganz einsam hätte sie zwischen den beiden haßerfüllten Menschen aeftanben, von zwiespältigen Gefühlen hin und her gerissen. Und weiter erzählte sie, wie sie dem ersten gefolgt wäre, der um sie warb, nur um aus diesen trostlosen Verhältnissen herauszukom­men ... Einem wenig achtungswerten Menschen, den sie leider zu spät in seiner ganzen Hohlheit erkannt hätte... Bloh um ihr grohes Vermögen wäre es ihm gegangen und um den gewaltigen Einfluß des Schwiegervaters, der in der Handels­welt aus unbeträchtlichen Rullen vollwichtige Zif­fern .zu machen verstand... Und seither lebten sie gewissermaßen aneinander vorbei, kein ge­meinsames Band wäre zwischen ihnen als die stille Uebereinfunft, dem Gerede der Welt keine I unnötige Rahrung zu geben. Sie ginge in die

Einsamkeit mit ihrem Schmerz, er aber käme von \ Zeit zu Zeit zu Gast, um wenigstens den Schein I zu wahren... , r 1X

(Fortsetzung folgt.)

Tas bißchen Erde.

Vornan von Richard Glowronnel.

Copyright by I. Engelhorns Nachf., Stuttgart.

35 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Che", sagte er,ich hab das Wohl gemerkt. Aber neulich hab' ich aus Langeweile in ein Buch gelesen, das wär' jetzt so Mode. Auch die feinsten Damen würben sich mit einem Wohlge­ruch begießen, unb jebe tat' sichnen anbcrn 'raussuchen für sich allein. Das ba, zum Verspiel, hat vorhin bie Frau Förster gemeint, wär so was wie Flieber mitnem lütten Schuh Pferde- stall dazwischen." ,

Ach was", erwiderte Miken ärgerlich, ne anständige Frauensperson, wenn sie sauber ist und tugendhaft, hat sie den besten Wohlgeruch! Wenn sie Parfäng an sich gießt, hat sie was zu verstecken! Und haben Sie das wohl an unsrer seligen Frau Gräfin erlebt, wenn sie durch die Stube ging? Höchstens nach ein büschen Lawendel hat es gerochen, von wegen der Wäsche...

Ra ja, meinte er achtungsvoll, »das war auchne Frau Gräfin!" Und nach einer Paule fügte er beklommen hinzu:Aber ich weih nich, Miken mich is das all den ganzen Tag so schwer auf der Brust... und ich möcht auch nichts unnütz bereden, aber das gibt hier bald ein Un­glück. Das hat mich noch nie betrogen...

Sie zuckte geringschätzig mit den Schultern.

Das braucht einem nicht erst zu schwanen, das Unglück is schon ba! Die Frau Förster hat ja vorhin erzählt, wie schön bah sie's toieber eingefäbelt hatte mit bet Alten-Krakower Baro­neß, unb da muhte mit eins diese schlechte Person dazwischenkommen mit ihrem Parfäng!... Ich hab noch nie nich geflucht in meinem Leben, aber ba möcht' man Wirklich Himmelkreuzmillio- nenschockbonnerwetter zu sagen!..."

Fürs erstemal ging es schon ganz gut', meinte Lentz mit einem trüben Lächeln. Unb sorgenvoll sprach er weiter:Mit unferm jungen Herrn aber... eins zieht bas anbre nach. In fo einer Zeit, unb man wartet auf eine Entscheidung von ber Gnabe unsres lieben Herrgotts, ba soll man sein Herz nich mitner Sünbe beflecken. Er läht sich nicht spotten.^/' .

Che", sagte Miken,und bei diese Frau Bankdirektor aus Berlin können Sie sich nich mit Ihrem breiten Puckel dazwischenstellen, tote da­mals beim Getoehrschrank. Das würd' Wohl nich viel Helsen..." ,

Danach schwiegen die beiden Altchen, jedes in seine trüben Gedanken versunken. Dis Lentz wie­der zu sprechen anfing, mehr zu sich selbst...

trug der Sch. in lausender Rechnung gewährte Kredit bereits rund 40 000' Mk. Das ging im Iahre 1930 Immer so weiter, unb im August 1930 betrug schließlich bie ungedeckte Schuld des Sch. 200 000 Mk. Das alles konnte erst nach dem Zusammenbruch ber Dank mühsam festgestellt werben, ba D. gerabe bas Konto Sch. schon seit September 1929 nicht mehr richtig geführt hatte. Rach seinem Ausscheiben aus bem Vorschuhverein würben in seiner verschlossenen Schublade eine Menge Wechsel gefunden, bie für Sch. eingelost, aber nicht zu seinen Lasten verbucht waren. Von Sch. angeblich beigebrachte Zessionen, bie als j . Sicherheit bienen sollten, würben überhaupt nicht > oorgefunben. Unter ben von bem Vorschutzverein ' | eingelösten Wechseln befanben sich auch solche des

Umstände zugebilligt und ihm Strafaufschub mtf Bewährungsfrist gewährt.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

£ Wieseck, 18. Sept. Unser Mitbürger, Herr Karl Dorfeld, Besitzer derKarlsruhe", kann heute in voller geistiger unb körperlicher Frische seinen 8 0. Geburtstag begehen.

ch Lang ° Göns, 15. Sept. Am nächsten Sonntag feiert unsere evangelische Kirchengemeinde ihr 4 0 0. Reformationsjubiläum. Aus diesem Anlaß findet um 14 Uhr ein F e st g v 11 e s d i e n st statt, bei dem der als Forscher auf dem Gebiete der Volks­kunde und Heimatgeschichte bekannte Pfarrer Dr. H e y m a n n (Langsdorf) die Festpredigt halten wird. Am Nachmittag gelangt das Festspiel Glaube und Heimat" zur Ausführung. Den Ab­schluß der Feierlichkeiten bildet ein Gemeinde- abend im neuen Gemeindehaus bei dem Pfarrer Emil Weber (Eschbach), ein Sohn unserer Ge­meinde, sprechen wird. Die auswärtigen Festbesucher sind Gäste unserer Gemeindeglieder.

Kreis Friedberg.

= Kirchgöns, 17. Sept. Unsere ^Gemeinde hat sich entschlossen, ein Kriegerdenkmal zu Ehren ihrer im Weltkriege gefallenen Söhne zu errichten. Es soll auf bem nach der Hauptstraße zu gelegenen Teile des Schulhofs erstellt werben. Der Sockel des Denkmals ist bereits errichtet, das Relief befindet sich in Arbeit. Hinter bem Denk­mal soll ein Eh r enf r i edh o f angelegt wer­ben, auf bem jeher Gefallene einen Gedenkstein erhält. An der Seite ber Anlage führt von ber Straße eine etwa 2 Meter breite Treppe nach dem Ehrenfriedhof. Das Ehrenmal soll noch in diesem Herbst fertiggestellt werben. Am Sonn­tag feierte ber hiesige Turnverein sein 40- jähriges Bestehen. Am Samstagabend bewegte sich ein stattlicher Festzug mit Musik durch bas Dorf nach dem Festplatz. Im Saale bes Gastwirts Ludwig Müller hatten sich viele Festteilnehmer versammelt. Den Mittelpunkt des Abends bil­deten bie turnerischen Uebungen, die starken Bei­fall fanden. Gesangsvorträge des hiesigen Ge­sangvereins und Theaterstücke füllten ben übrigen Teil des Abends aus. Zum Schluß wurden den Gründern und langjährigen Mitgliedern des Ver­eins Ehrenurkunden für bie bem Verein bewie­sene Treue verliehen.

Kreis Büdingen.

* Büdingen, 15. Sept. An den ReichS - jugendwettkärnpfen des Wolfgang- Ern st-Gymnasiums beteiligte sich fast ein Drittel der Gesamtschülerzahl. 60 Schüler und 15 Schülerinnen errangen Siege. Die drei ersten Sieger sind: Knaben Oberstufe: 1. H. Brei­denbach (131 Punkte): 2. F. Dechtler (116 P.): 3. H. Fucker (111 P.). Mittelstufe: 1. A. Waltz (110 P.): 2. L. Amend (108 P.): 3. W. Frey (105 P.). Unterstufe: 1. I. Lenz (106 P.): 2. W. Geyer (93 P.): 3. W. Brack (91 P.). Vorstufe: 1. Hans Schneider (63 P.): 2. R. Engler (62 P.); 3. P. Fritges, H. Eckart (59 P.). Mädchen. Mittelstufe: 1. M. Schmidtmann (87 P.): 2. I. Strohe (69 P.). Unterstufe: 1. L. Ditschler (56$.); 2. E. Roll (50 P.). Vorstufe: 1. A. Völker, L. Berges (62 P.): 2. L.-L.. Schön (61 P.): 3. G. Kraft, E. Lehr (58 Punkte).

Kreis Schotten.

# Freienseen, 16.Sept. Am Montag ver­anstaltete ber Bezirislehrerverein des Bezirks L a u b a ch eine P i l z e x k u r s i o n, bievon Pro­fessor Dr. S p i l g e r (Darmstabt) geleitet wurde und an der auch eine große Anzahl Mitglieder bes Rachbarbezirks Grünberg teilnahmen. Prof. Dr. ©pilger zeigte zunächst einige seltene Pllan- zen. Auf einer Wanderung über ben Ramsberg fanden die Teilnehmer eine Menge, darunter auch sehr selten vorkommende Pilze. Der Führer zeigte besonders, wie man bei ben einzelnen Arten feststellen kann, ob sie giftig sind. An bie Wande­rung schloß sich eine rege Aussprache an.

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