Kür den Büchertisch.
Neue Lyrik.
— Der Lyrik eine -resche Mit Geleit- wort von Rudolf W. 8 I n b i n g heraus gegeben von Karl Rauch. 83 c<*en 8». Karl Rauch Verlaa zu Berlin, 1931. - (293) — Dies ift eine ebenso ten- fenemerte wie originelle Veröffentlichung, sie ist Huf. ruf, Bekenntnis unb Anthologie in einem; wertvoller Beitrag zu ben immer zahlreicher unb eindringlicher geführten Bemühungen in unserer Zeit der echten und durch ihre dichterische Substanz legitimierten Lyrik wieder Raum. Ansehen und Widerhall zu ver- schossen Sehr schone und beherzigenswerte Worte des Dichter» Rudolf G. Binding leiten den Band programmatisch ein. Es folgt eine kleine Auslese ou9 der deutschen Lyrik von Walther von der Bogel- weide bi» zu Aloertes Billinger, Brockmeier. Kramer, Zernatto; der Herausgeber deutet in einer Vorbemerkung selber an, wie notwendig subjektiv eine derartige Auswahl bleiben müsse. Die keinen Ueberbllrf, sondern nur Anregungen vermitteln wolle; immerhin findet der Renner hier eine Reihe der schönsten und gültigsten Prägungen deutscher Lyrik aus alter und neuer Zeit. Zum Schluß folgt eine Auswahl aus dem großen Chor der Antworten auf die vom Herausgeber gestellte Umfrage: Hat das lyrische Gedicht heute noch Lebenswert? Aus allen geistigemLagern wurde geschrieben; die Stimmen der Autoren, der Kritiker, der Leser, der jungen Generation, der Verleger und der Sortimenter vereinigen sich hier zu einhelliger und zuversichtlicher Beftati- gung. (Unter rund 400 eingegangenen Antworten fielen drei ablehnend aus.) Eine schätzenswerte Ergänzung bilden die Anmerkungen des Herausgebers und die Ouellenhinwelle. Jedem, der für Lyrik etwas übrig hat, fei die Veröffentlichung angelegentlich empfohlen. ,,
Sv ter Reihe ter Flugblattverösfentlichun- gen des Kartells Lyrischer Autoren (Berlm- WilmcrSters. Kaiserplatz 16). auf die Wir an dieser Stelle schon wiederholt hinqewiefen haben, sind zwei neue Hefte erschienen: „Würzburger Stein Auslese" von Munkepunke; und .Molkerei ball ade" von Heinz 3 u der Preis je 1 Mk. (310) — Munk'punke, der mit feinem bürgerlichen Ramen Alfred ^"Hvird Meyer heißt und sich um die Förderung ter jungen lyrischen Dichtung in Deutschland sehr anerkennenswerte Verdienste erworben yat gibt einen chronikalisch geordneten, anekdotisch-balla- teök gc'ormten, von den guten Geistern des FrankenWeinS beschwingten HhmnuS aus ten schönen und alten Bischofssitz am Main; sein Zyklus beschwört eine bewegte Dergangenynt und die erlauchten Geister, in deren Geschichte die Stadt Würzburg eine entscheidende oder episodische Rolle gespielt hat: mit großer Sachkennt- nis und Belesenheit, wenn auch deS öfteren in etwa» töderer und unbekümmerter Form; sprachlich und rhythmisch nicht durchaus überzeugend, aber allenthalben mit Phantasie. Einfühlungsgabe und nicht ohne Humor. DaS dichterisch reinste und schönste ßtüd in ter Reihe ist für unser Gesühl daS unter ter JahreSzcchl 1229 verzeichnete Gedicht auf den inS Lufamgärtlein ein» fcl)renten Bogelweiter. — DaS zweite Bändchen, die .Molkereiballade" von Heinz Zu der. erweist sich als arge Enttäuschung; dieS ist ein Versuch am untauglichen Objekt. Der Stoss konnte in einem Feuilleton oder in einer sachlichen Reportage bewältigt werten; in Dersen und freien Rhythmen entgleist der Hymnus auf die Milch in h.iilose Banalitäten und ist auch nicht zu retten durch die Einführung ter Moritat, daß ein pflichtvergessener und rachsüchtiger Nahrungsmit- telchemiker aus Liebeskummer eine verheerende Seuche entsesselt. GS ift zu hoffen, daß ter noch sehr junge .Poet von heute" über kurz oder lang mit einer stärkeren Leistung hervortritt, die man nach früheren Proben erwarten kann. —y
Deutsche Erzähler.
— Wilhelm Raabe: ..Die Chronik der Sperlingsgasse" (181. bis 205. Tausend). Jubiläumsausgabe mit 6 vie-farbigen Bildern nach Aquarellen von Georg Halter, PreiS: Leinen 2 85 Mk. G. Crotesche DerlagSbuchhand- lung, Bcr.n SW 11. (315) — In diesen Tagen, da Deut'chland sich anschidt, Wilhelm Raabes k'O Geaur eiag toürb g zu begehen, kommt eine zug c ch billige und ge'chmadvoNe Jub'.iÄums- ausgabe feines berühmtesten Werkes gerate recht. Dor 75 Jahren wagte sich ter damals Fünfund- zwanz giährige mit diesem Erstling feiner Muse an d c Oefsentlichkeit. und daS Buch mußte erst durch die Hand mancher Derleger Wandern, bis es daS am meisten gelefene des Dichters und in Wahrheit Allgemeinbesitz deS deutschen Dolles wurde. Diese schone neue Ausgabe Wird auch über den aktuellen Anlaß h.naus für den Dichter und sein unvergängliches Werk werben.
- Wilhelm Schäfer: Das HauS mit den drei Türen 192 Seiten 8'*. Kart 2,50, geb. 3,50 Mark. München, bei Georg Müller. (306.) — Wilhelm Schäfers jüngste Novelle ift die blühende Sommergeschichte eines reifen Menschen. Easpar Hediger, dem Schwyzer Doktor, widerfährt zum zweiten Male in feinem Leben eine große Liebe, wie ihm zum ersten Male die Liebe zu seiner — viel älteren — Frau geschehen ist. tim die Verstrickung noch zu verwirren, ist die neue Geliebte die Richte feiner Frau und alle drei über das Geschlechtliche hinaus in inniger Zuneigung verbunden. Der ganze Sommer vergeht in Versuchen, eine Löfung zu finden, friedlich oder grausam, freundlich oder schmerzend für alle drei, — bis im Herbst Eugenie. die zur Greisin gewordene Frau des Doktors, den Verzicht über sich gewinnt und sogar noch eine stille Freude rettet. Es ist Wundervoll, wie die Schweizer Berge Hintergrund und Symbol für die Handlung werten, wie die Statur teil hat am menschlichen Geschehen. Der Doktor Hediger ist im Mittelpunkt ter Novelle, ein Mann von sechzig, fest hn Leben stehend, reif, ernsthaft, oft drastisch derb, aber im Innern ein Junge mit Knabenübermut und Knabentrotz. Er findet die Zwischenlösung ter dritten Tür und richtet sich, von beiden Frauen gemieden, ein ganz männliches, auf sich gestelltes Reich im Hause em. Schäfer gestaltet in ihm eine seiner schönsten Htinner) i guten, er blidt tief hinein tn das Verhältnis von Mann und Frau zueinander, und gibt reiche Erkenntnifse von der Natur des Mannes. Neben dem Doktor die beiden Frauen: Eugenie, die Gattin. viel älter als er, ein« feine, geistige Frau mit überlegenem Spott, ter ihr verletzliches Gefühl verbergen soll; und Margherita, ganz Natur. Weiche, lässige Anmut und Fraulichkeit, getragen von der großen Ruhe, die ihr das Bewußtsein
ihre- LieteSglückes gibt. Alle drei sind lebendiges Leben aus der Meisterschaft Schäfers, die wir von feinen Novellen her kennen; auch ter Stil erinnert an fie in dem we-.t aus holenden Schwung der Erzählung, in der Mischung von Realisttk und Symbolik, welche die Novelle einmaliges Ge'chehen und zugleich Abbild und Sinnbild aller Liebe fern läßt. Die äußere Ausstattung des Reinen Dantes ist ein anmutige^ Gewand für di« beglüdmte Gabe des Dichters. O. Th.
— WilhelmincEnde. Roman von Bruno Stümde. tillstein - Berlag, Berlin. (169.) — In außerordentlich fesselnder Weise erzählt der Autor in diesem Roman das schidsalsreiche Leben der Wilhelmine Ende, der Geliebten des KönigS Friedrich Wilhelm II. von Preußen, ter einstigen MusikevStvchter. die in ter zweiten Hälfte deS
18. Jahrhunderts eine ter einflußreichsten Personen am preußischen Königshofe, ja/ die ungekrönte Königin von Preußen war. Ihr Lebensweg. stets in treuer Anhänglichkeit dem einstigen Kronprinzen und späteren König gewidmet, führte auS der Tiefe teS Volles zur größten menschlichen Höhe, um dann nach dem Tote des Königs wieder in die Tiefe abzustürzen. Dem einsamen König gab die Ende, sein „Mmchen". viel Liebe und unverbrüchliche Treue, vielen Zeitgenossen Wurde sie zur Glüdbringerin. bei anderen löste sie unstillbaren Haß und kalte Rache auS. In dem Roman, den man mit großer Spannung lieft, Werten Menschheitstragödien sichtbar, die tief erschüttern und einen unvergeßlichen Einblick m Jene Zeitverhältnifse der preußischen Geschichte geben.
Neue Rechtsliteratur.
— Tafchenkommentar der Zivilprozeßordnung mit Gerichtsoerfassungsgefetz und ten wichtigsten Nebengesetzen (Stand vom 15. April 1931). Don Dr. Adolf Baumbach, Senatspräsi- tent beim Kammergericht a. D. Sechste, völlig durch- gearbeitete und vermehrte Auflage, 41. bis 50. Tausend. Verlag Otto Liebmann, Berlin W 57. Vorzugspreis bis 31. August 1931 statt geb. 22 Mark (nach Abzug von 6 v. H. Preissenkung) 18 Mark, für Abonnenten der Deutschen Juristen-Zeitung geb. 16 Mark. — (229) — Der Baumbachsche Taschenkommentar (den in die Tasche zu stecken ich allerdings im Interesse der Kleidung und der guten Linie niemandem mehr raten möchte, denn aller Entfettungsmanöver ungeachtet ift er mit seinem Umfang von nunmehr über 1500 Seiten ein recht beleibtes Kerlchen) liegt jetzt schon in sechster Auflage vor. Erstmals erschienen im Anschluß an die Zivil- prozeßnovelle von 1924 hat er sich sozusagen im Sturm die Herzen der Juristen jeden Standes, Ranges und Alters erobert, so daß der Verleger cs wagen darf, die neue Auflage gleich in 10 000 Exemplaren herauszubringen, was dem Preis natürlich sehr zustatten kommt. Diesen erstaunlichen buchhand- lerischen Erfolg können nicht allein äußere Umstände erklären, er liegt begründet in den inneren Werten des Kommentars, in feiner Brauchbarkeit, Zuverlässigkeit, Reichhaltigkeit und Uebersichtlichkeit, Vor- züge, die ihrerseits nicht auf bloßer Technik, sondern zunächst einmal auf der dem Verfasser zu Gebote stehenden Kraft geistiger Durchdringung des Ma- tcrials beruhen. Die neue Auflage ist gründlich durch- gearbeitet und zeigt eine große Anzahl von Reue- rungen und Erweiterungen. Richt nur sind die neuere Gesetzgebung und Rechtsprechung vollständig berücksichtigt, es sind auch manche Abschnitte neu auf- gebaut, manche theoretische Erörterungen umgestaltet worden. Auch sind einige Verweisungen auf das österreichische Recht und alphabetische llebersichten über wichtige Einzelsälle eingefügt worden. E.
— LehrbuchdesDeutschenZivilpro- zehrechts. Von Professor Dr. L. Rosenberg, Gießen. 3.. völlig neutearteitete und vermehrte Auflage. 6.-8. Tausend. Verlag von Otto Liebmann, Berlin W 57. Preis 30 Mk., geb. 33 Mk., Vorzugspreis für Abonnenten ter Deutschen Iu- risten-Zeitung 27 Mk., geb. 30 Mk. Auf diese Preise z. Z. 6 Prozent Preissenkung. — (242.) — Zwei Iah re nach dem Erscheinen ter zweiten
Auflage Wurde diese neue Auflage deS Rosen- bergschen Lehrbuchs notwendig ter teste Beweis dafür, welches Ansehen sich das Buch in kurzer Frist (1927 erschien die erste Auflage) erobert hat. Diese Wertschätzung gebührt dem Werk vor allen Dingen wegen ter in ihm lebendigen Verflechtung theoretischen und praktischen Denkens, Wie sie zu jeder Zeit den echten Iuristen kennzei- net Eie gilt weiter dem timstand, daß eS ter Verfasser mit großer pädagogischer Kunst verstanden hat, den weitschichtigen Stoff in übersichtlichem System und klarer, prägnanter Ausdrucks- Weise darzubieten. Richt am wenigsten ist es ater die besonnene, abwägente Berücksichtigung der Anteile, die ter Lehre und ter Rechtsprechung bei der Gestaltung ter spröden Materie zukommen, die dem Buch soviel Freunde geworben hat. Eten deshalb, weil nicht nur die Doktrin, sondern auch die Judikatur in so reichem Maße zu ihrem Rechte gelangt, hat RosentergS Werk nicht nur im Kreise der Studenten und Referendare, sondern auch bei allen Praktikern bis zu ten Kollegien unseres höchsten Gerichtshofes Eingang gc- sunden. Die Bearbeitung ter neuen Auflage forderte die Bewältigung eines umfangreichen Materials: »In diesen zwei Jahren ist eine Fülle lehrreicher Entscheidungen, sind zahlreiche fördernde Bücher und Abhandlungen zum Zivilpro- zeßrecht erschienen und Wichtige Gesetze erlassen Worten.“ Das erneute Nachdenken über die Probleme in der Studierstute, die ständige Beschäftigung mit ihnen in Vorlesungen und Hebungen, zahlreiche Anregungen ter Leser und Kritiker brachten es aber auch mit sich, daß dem Verfasser manches als abänterungstedürstig erschien, tin- ter kleineren Verbesserungen findet man auch tiefer einschneidende. Don besonderem Interesse ist die Stondpunktsänderung zur Frage ter Partei- eigenschaft des Konkursverwalters ufw. (§ 39). Möge ter neuen Auflage ter gleiche schone Erfolg beschieten fein Wie ten beiden vorhergehenden! E.
— Das hessische Baurecht und der Artikel 153 der Reichsverfassung vom 11. August 1919. Von Dr. jur. Ernst Holtzmann. (Derlagshaus Darm- ftabt Wolfgang Schröter, Darmstadt. 5 Mark.) — 505 — Die Ausführungen Holtzmanns find von großem Interesse für alle Baubehörden und öffentlichen Verwaltungsstellen, Architekten und Grundbesitzer.
Politik und Geschichte.
— „HellasundRom-BandllderPro- pyläen-Weltgeschichte, herausgegeben von Walter Goetz, Professor an der Universität Leipzig. Preis Leinen 34 Mark, Halbleder 38 Mark. Propy- läen-Lcrlag Berlin SW 68. — (270) — Der neueste Band der hier schon mehrfach besprochenen Propy- läen-Weltgeschichte führt mit der Schilderung der hellenisch-römischen Well und der Entstehung des Christentums an die Fundamente unserer Kultur. Wenn die Darstellung.dieser Epoche auch weniger Reucs bringen konnte, als der im ersten Band unter dem Titel „Das Erwachen der Menschheit" behandelte Zeitabschnitt, so wird diese Schilderung dadurch intcr- cssant, daß sie in der historischen Entwicklung das Werden der großen Ideen herausarbeitet, die feit den Tagen der Griechen und Römer die Menschheitsgeschichte beherrscht haben. Den Kampf der Griechen um ihre geistige und staatliche Freiheit stellt Karl Julius B e l o ch in den Mittelpunkt seiner „G e - schichte Griechen ^inds". Besonders gelungen erscheint uns die Darstellung der alexandrinischen Epoche. Eine etwas eingehendere Behandlung der griechischen Kunst und der Entwicklung der griechischen Philosophie in großem Zuge wäre im Rahmen einer Weltgeschichte vielleicht wünschenswert gewesen. Der Italiener Gaetano d e Sonetts hat Den folgenden Abschnitt „Der Hellenismus und Rom" übernommen. Die Entwicklung Roms aus einem kleinen Landstädtchen Latiums zur italischen Großmacht, die Darstellung der etruskischen und früh, römischen Äultur, die sozialpolitischen Auseinander- setzungen im römischen Stadtstaat und schließlich im Kampf um Karthago die Hinwendung zur Weltmacht sind scharf herausgearbeitet. Der Höhepunkt des Buches scheint uns Ernst Hohls glänzende Dar- ftcllung der römischen Kaiserzeit zu sein. Hier kommen aus großer Perspektive am klarsten die großen weltgeschichtlichen Linien heraus. Auch die Schilderung bedeutender Charaktere als bewegende historische Kräfte kommt zu ihrem vollen Recht. Wir denken besonders an die ausgezeichneten Porträts des Augustus, des Tiberius, des Hadrian. Den Band beschließt der Beitrag des Marburger Historikers Professor von Soden,.DieEnt st ehungdes C h r i ft e n t u m s", der die vorwiegend politisch- historische Darstellung Hohls nach der geiftig-reli- giosen Seite hin überaus glücklich ergänzt. Wein die Behandlung der griechisch-römischen Geschichte in diesem immerhin mehr als 600 Seiten umfassenden Bande allzu knapp erscheint, erinnere sich, daß einerseits die großartigen Ergebnisse der prähistorischen Forschung der letzten Jahrzehnte, anderseits die großen weltpolitischen Ereignisie seit der Jahrhundertwende, deren Zeugen wir alle waren, für eine weltgeschichtliche Betrachtung andere Blickpunkte ge- schaffen haben, und daß es Aufgabe des vorliegenden Bandes war, Hellas und Rom" in diesen erweiter- ten Rahmen sinngemäß einzugliedern, eine Ausgabe, die uns von den Bearbeitern dieses Bandes im ganzen genommen gelöst scheint. Es braucht kaum besonderer Erwähnung, daß auch dieser Band, wie
alle seine Vorgänger, mit einem sorgfältig gesichteten und vielseitig zusammengestellten Abbildungsmaterial in verschwenderischer Fülle ausgeftattet ist. Besonders interessieren wird die ausgezeichnete Wiedergabe ägyptischer Papyri, griechischer, etruskischer und pompejanischer Wand, und Vasenmalereien, Mosaiken, Bronzen und Marmorreliefs. So vermitteln auch die Bilder in dieser Fülle ein eindrucksvolles und geschloffenes Bild der griechisch-römischen Welt.
— Professor Dr. Franz Schnabel „Freiherr vom Etei n". Preis geb. 5 Mk. Verlag D. G. Teubner, Leipzig. — (247) — Das Jahr 1931 steht im Zeichen Steins. Politiker von ter äußersten Rechten bis weit in die Sozialdemokratie hinein nehmen das Gedankengut des großen Staatsmannes in Aussätzen und Reden Weitherzig für sich in Anspruch. Keine Kundgebung, keine Derfassungsfeier. ja bald keine politische Versammlung, ohne daß nicht dieManen Steins zitiert Würden als Zeugen für die Richtigkeit eigener politischer Weisheit. Da ist es gut, daß die historische Forschung unS das Bild Steins erneut vor die Seele rückt und uns einen untrüglichen Kompaß für die Orientierung im durch- einanterwogenten Kampf ter Meinungen und Auslegungen gibt. Das Buch teS Karlsruher Historikers Franz Schnabel hat dabei ten Vorzug, starke Prägnanz mit erfreulicher Kürze zu verbinden. so daß wir wirklich auf rund 150 Seiten ein abgerundetes Bild tes Lebensganges und der Persönlichkeit tes Freiherrn vom ,6tcin, seines staatsmännischen Wirkens sowohl, als seines heute noch lebendigen politischen und staatsphilosophischen Gedankengutes erhalten. Unter Fortlassung alles Unwesentlichen aetgl Schnabel scharf die große Linie des Steinschen LetenswerkeS auf und schlägt überall ohne dem Gegenstand irgendwelchen Zwang anzutun. die Brücken zur lebendigen Gegenwart. So wird das ausgezeichnete Buch, Wie Wir hoffen, auch dann noch aktuell sein, wenn ter Name des großen Deutschen mit dem Ablauf tes Gedächtnisjahres auch Wieder aus dem politischen Tageskampf verschwinden Wird. Mehr denn je ist es Aufgabe unserer Zeit, mit ten großen Reformen in Staat und Gesellschaft, ohne die es kein neues Deutschland gibt, an die Ideen Steins anzuknüpsen und auf dem Weiterzubauen, Wozu Stein vor mehr als 100 Jahren die Grundlage legte.
— „F r o nt wider Bülo w." Staatsmänner, Diplomaten und Forscher zu seinen Denkwürdig- feiten; herausgegeben von Dr. Friedrich Thimme, Verlag F. Bruckmann AG. in München. Preis geb. 10 Mark. — (230) — Das vierbändige Memoiren- werk des Fürsten Bülow hat, wie es bei der Art seiner Abfasiung nicht anders sein konnte, bei den Beteiligten einen Sturm der Entrüstung entfeffelt. Und im Interesse der historischen Wahrheitserfor- ichung ist es zu begrüßen, daß man sich bald zu ausführlicher Stellungnahme entschloß. Nachdem in den Süddeutschen Monatsheften schon eine Reihe der
Bücher zur Wirffchastskrisis.
— Robert F r i e d lä n d e r - P r e ch t lk „W irtschaftswend e” Die Ursachen der Ar- beitslolenkrise unb deren Bekämpfung. Preis fort 5,50 Mark, Verlag Paul List in Leipzig. — (256) — Der Verfasser geht mit gewichtigen Gründen der Annahme zu Leibe, als ob die Arbeitslosigkeit eine akute Krisis sei, die momentanen Ursachen ent- spränga unb mit beren Beseitigung wieber ver- schivinten würbe. Er legt bar, baß wir mit ber Arbeitslosigkeit als mit einer chronischen Erscheinung zu rechnen haben, er baut barauf ein tkfgreifenbcs wirtschaftliches Reform Programm auf, mit bem man sich, mag es auch in Einzelheiten anfechtbar fein, grünblich ouseinanbersetzen muß. Das von großem Verantwortungsgefühl zeugenbe unb zum Nach- benken über die grunblegenben Probleme unserer Wirtschaftspolitik anregenbe Buch steht weit über bem Durchschnittsniveau der Broschürenslut, die die wirtschaftliche Not unserer Tage heroorgebracht hat.
— Nicht Warten — Wirken! Don K. Philipps Morgan, Neuhork. (Derlag Georg Müller, München. 3 Mk.) (197) - DaS Buch enthält pvsittve Dorschläge teS Autors zu ten Wirtschafts- unb Finanzfragen Deutschlands, unb es soll bamit Amerikas Glauben an Deutschland dokumentieren, zugleich ater auch positive Antworten in Deutschland auslösen. Es sei ter Aufmerksamkeit aller Fachinteressenten testen- empfohlen.
Mitarbeiter bc» vierten Reichskanzler» zu den Denk- Würdigkeiten das Dort genommen hatte, hat nun der an ber großen Aktenpublikation bes Auswärtigen Amtes beri'orragenb beteiligte Historiker Friedrich Thimme sich bemüht, Freunde sowohl wie Gegner bes Fürsten Bülow zu einer Kritik an ben Denk» öürbigfeiten zu vereinigen. E» mag nicht seine Schuld sein daß trotz diesem Streben nach Objektivität das dabei zustande gekommene Buch saft ausschließlich Persönlichkeiten zu Versasiern hat. die in den Denkwürdigkeiten aufs das schwerste angegriffen sind. Die hier zusammengefaßten Beitrage sind sowohl ihrem historischen Wert nach wie auch in ihrem Ton außerordentlich verschieden. Neben quellenmäßig gut fundierten Aussätzen, die sich auch in ihrer Form vornehmer Zurückhaltung befleißigen — wir nennen nur ben Beitrag bes Herausgebers ober ben Aufsatz bes ehemaligen Staatsministers von Sybow über Bülow unb bie Reichsfinanzreform, ober bi« interessanten Aeußerungen bes ehemaligen Botschafter» Grafen Webel — stehen so maßlos scharfe Stri- tiken wie die von Mufchler und Eugen Fischer, bie sich mit Erfolg bemühen, Bülows Gehässigkeiten nach Möglichkeit zu überbieten. Das Sammelwerk als ?anzes ift eine Notwenbigkeit. Wenn es auch noch cincsrocgs ein abschließenbes Urteil über Bülows Denkwürbigkeiten erlaubt ober gar alle» zurechtrücken kann, was ber Reichskanzler bewußt ober unbewußt schief ober gar falsch bargeftcUt hat so ist das Buch doch ter erfreuliche Auftakt zu einer umfassenden und tiefgreifenden Kritik.
Biographisches.
— Winston S. Churchill: „W eUaben- (euer im Dien st". Verlag Paul List, Leipzig. — (159) — Der ehemalige Schagkanzler im letzten konservativen Kabinett hat schon ein reich bewegtes Leben hinter sich gehabt, bis er in die Regierung des britischen Weltreichs einzog. Dieser auch heute noch beweglichste und geistreichste Politiker Old Eng- land» hat seine Lausbahn auf nicht alltägliche Weise begonnen. Als Sproß des berühmten Haules der Herzöge von Malborough, selbst ein Sohn des bedeutenden Staatsmannes der viktorianischen Aera Lord Randolph Churchill und einer lebensklugen Amerikanerin war der junge Windston für die übliche Vorbildung des britischen Politikers prädestiniert, aber die grenzenlose Faulheit des Jungen machte dem ehrgeizigen Vater einen Strich durch die Rechnung. Winston absolvierte mit Ach unb Krach bie berühmte Schule von Harrow, roanb sich mit Mühe burch bie vorgeschriebenen Prüfungen hinburch, um bann ganz gegen die Absicht des Vaters bei den vierten Husaren zu landen. Der Malborough-Sproß ift ein schneidiger und kecker Kavallerieofsizier geworden, der bas Abenteuer unb ben Kampf suchte, wo sie sich ihm boten. In Kuba pflückt er erste Ärlegslorbeeren. Währenb eines kurzen Urlaubs nahm er Dort an ben Kämpfen eines spanischen Expeditionskorps gegen aufständische (Eingeborene teil. Dann wurde sein Re- giment nach Indien verlegt, und der junge Churchill führt hier das sorglose Leben eines britischen Ha- vallerieofsiziers, dessen Gedanken sich ausschließlich um Polo drehen. Als Freiwilliger nimmt er an Kämpfen gegen aufständische Bergvölker teil und entdeckt hierbei zum erstenmal seine journalistische Begabung. Da die außerordentlich hohen Höften der Lebenshaltung inIndiendieihm zurDerfugung stehen- den Mittel erheblich überschreiten, sucht er sich durch Kriegsberichterstattung für englische Zeitungen einen Nebenverdienst zu verschaffen. In dieser Doppelten Eigenschaft als Offizier und Kriegsberichterstatter macht er bann auch ben berühmten Feldzug Kitchners gegen die aufständischen Anhänger des Mahdi unb die Schlacht von Dmburman mit. Finanzielle Grünte veranlassen ihn, ben Dienst in ber Armee zu quittieren und sich ganz ber Schriftstellerei zu roibmen. Er schreibt ein viel beachtetes Buch über ben Sudan- seldzug unb geht nach einem ersten mißglückten Abstecher in bie Politik bei Ausbruch bes Burenkrieges mit einem glänzenben Vertrag in der Tasche als Berichterstatter der „Morning Post" nach Südafrika. Die Engländer, die wie zu einem Spaziergang zum Burenkriege aufgebrochen waren, um hier eine schwere Niederlage nach der andern einzustecken, rafften sich zu gewaltigen Anstrengungen auf, denen schließlich ber Erfolg nicht versagt blieb. Churchill hat durch seine scharfe Kritik an diesem rücksichtslosen Kurswechsel in der britischen Kriegsführung feinen bedeutenden Anteil gehabt. Ueberaus spannend sind seine persönlichen Erlebnisse, die widerrechlliche Teilnahme an einem Vorstoß zum Entsatz von Ladysmith und seine Gefangennahme durch den berühmten Burengeneral Botha, seine abenteuerliche Flucht aus bem Gefangenlager unb sein Entkommen nach dem portugiesischen Lorenzo Marquez. Er tritt dann wieder als Offizier in bie Armee ein unb macht ben Feldzug bis zur Kapitulation von Pretoria mit. Die Kakhiwahlen von 1901 brachten ihm den lange er- sehnten Sitz im Unterhause. Damit mündet Churchills Leben nach einer außergewöhnlich stürmischen unb an Abenteuern reichen Jugend in bas breite Bett bes britischen Parlamentariers. Churchills glänzende schriftstellerische Begabung, seine Kunst, mit viel Humor, Anschaulichkeit unb Farbe, persönliche Erlebnisse im Zusammenhang großer weltpoli-


