Die Ernährung des Volkes gesichert.
Von Landrai a. O. Dr. Gerete-Pressel, MdR., Vorsitzendem der Landvolkpariei.
Die schwere Krisis, in der sich unsere gesamte Wirtschaft heute befindet, zeigt wieder mit besonderer Deutlichkeit, welch ausschlaggebende De- ldeutung in jeder Krise einer starken, leistungsfähigen Landwirtschaft zukommt. die in der Lage ist, das deutsche Volk aus eigenen Kräften zu ernähren. Diese Erkenntnis rechtfertigt nachdrücklich alle Maßnahmen, die zum Schuh und zur Erhaltung einer starken deutschen Landwirtschaft getroffen werden müssen. Trotz ihrer Notlage ist die deutsche Landwirtschaft imstande, auch heute noch die Ernährung des Volkes, auf die es jetzt in erster Linie ankommt, sicherzustellen.
Die völlig ungerechtfertigte Zurückweisung der deutschen Mark an den Grenzen führt dazu, daß ausländische Agrarprodukte nicht mehr in dem bisherigen Maße nach Deutschland hereinkommen und daß die deutsche Verbraucherschaft mehr als bisher auf die Produkte der einheimischen Erzeugung angewiesen ist. Die neue Verordnung über den Devisenverkehr wird dazu führen, daß dieser Zustand sich weiter perschärft, da es in unserer Lage nicht angängig ist, etwa Devisen für irgendwie entbehrliche ausländische Nahrungsmittel bereitzustellen. Der deutschen Landwirtschaft erwächst aus dieser Lage eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe. Sie nmh mit allen Kräften bestrebt sein, die Ernährung der Verbraucher in den Großstädten und Industriezentren sicherzustellen. Dabei muß sie von vornherein von sich aus Sorge tragen, daß ungerechtfertigte Preissteigerungen vermieden werden. Nicht nur von der jetzigen Reichsregierung, sondern auch schon von ihrer Vorgängerin sind Richtpreise für wichtigste landwirtschaftliche Erzeugnisse aufgestellt worden, die dem Landwirt zugebilligt werden müssen, wenn er überhaupt existieren soll. Vor allem die ältere Generation unserer Arbeiterschaft in den Städten, die vom Londe stammt oder noch verwandtschaftliche Beziehungen zum Lande unterhält, wird seBst feststellen können, ob diese Richtpreise nicht das Mindeste sind, was der Bauer billigerweise erhalten muß. Unter Ausschaltung ungerechtfertigter Preisspannen muß sich eine Versorgung der Bevölkerung ermöglichen lassen, ohne daß für den Konsumenten Preissteigerungen eintreten.
In dieser Not müssen sich überhaupt Verbraucher und Erzeuger wieder mit größerem Verständnis gegenüberstehen. Ebenso wie es für den deutschen Dauern eine Selbstverständlichkeit ist, alles, was in seinen Kräften steht, zur Ernährung des deutschen Volkes zu tun, so muß es auch für den Verbraucher eine Ehrenpflicht sein, stets nur auf einheimische Erzeugnisse zurückzugreifen und sich frei-mrnachen von der Vorstellung, als ob ausländische Produkte immer etwas Besseres seien. Wenn jetzt ein gewisser Teil deutscher Verbraucher in größter Eile aus ausländischen Bädern zurückkehren muh, dann kann man nur hoffen, daß diese Kreise daraus lernen, wie schädlich es ist, mit deutschem Geld, das womöglich noch im Ausland deponiert ist, ausländische Wirtschaftskreise zu stützen, statt in Deutschland erworbenes Geld auch hier zu verbrauchen. Der deutsche Verbraucher muh sich überhaupt In höherem Mähe wie bisher auf diejenigen einheimischen Produkte umstellen, die wir im Lieberfluh haben und die heute zum Schaden der Landwirtschaft kaum abgesetzt werden können. Wir haben aber Jahr für Jahr Milliarden für entbehrliche Nahrungs-- und Genuhmittel ins Ausland gehen lassen und dadurch erheblich zu der augenblicklichen Krise und der besonderen Notlage der Landwirtschaft beigetragen.
Soll die bevorstehende Ernte schnell und reibungslos geborgen und dem Verbraucher zugeführt werden, so ist allerdings eine der vornehmsten Aufgaben der Reichsregierung, die Finanzierung der Einbringung der Ernte trotz aller bestehenden Schwierigkeiten unter allen Umständen sicherzustellen. Eine solche Mahnahme müssen auch alle Verbraucherkreise billigen, da die Mobilisierung der Ernte die Abgabe von Devisen für ausländische Nahrungsmittel überflüssig macht und daher zur Stützung des Ver-- trauens in die deutsche Mark beiträgt. Je größer das Verständnis der werktätigen Massen der Verbraucher in den Städten für die Schicksalsverbundenheit mit der Lage der Erzeuger auf dem Lande ist, um so schneller wird jenes innere Vertrauen zurückkehren, das wir zur Ueberwin- dung der gegenwärtigen Krise in erster Lime brauchen.
berzufvlge für die einschneidenden neu proklamierten Maßnahmen des Dcktators Erwägungen vor allem außenpolitischer Natur bestimmend waren?! Vei der Stellung der Sowjetpresse zur Regierung ist es kennzeichnend, daß der Bericht über die beabsichtigte Gründung eines, wie es heißt, nur aus Vertretern Belgiens und Luxemburgs bestehenden Kapitalsyndikats zur Finanzierung von Handelsgeschäften mit Moskau nur in der Form einer unscheinbaren kleinen Meldung erschienen ist! Die wünschenswerte Interpretation dazu ist indes in Moskauer unterrichteten Kreisen leicht erhältlich und sie läßt erkennen, dah es mit Stalins Rede in seiner wohlbegründeten auhenpolitischen Absicht gelegen hat, sich Europa und Amerika „zahm" zu zeigen. Die Hoover-Aktion hat den bolschewistischen weltrevolutionären Bestrebungen einen gewissen Dämpfer versetzt. Zumal bekannt wurde, dah die Rundreise des Staatssekretärs Stimson ganz besondere Zwecke verfolgen soll. Er soll, wie man hier erfahren haben will, das Mandat von Hoover haben, wenn nicht eine Weltkoalition gegen das Sowjetreich, so doch eine ArtGesinnungs- und Schicksalsgemeinschaft gegen den Bolschewismus auf die Deine zu bringen. Der Fünsjahresplan wird in Amerika mehr denn je als das drohende Gespenst angesehen. Amerikanische Fachmänner und Journalisten (so der in Derlin tätige Zeitungsvertreter Knickerbocker) haben in msnatelangen Studienreisen die Wirtschaft Plaw'Rußlands erforscht und Alarm- rufe gegen den Fünfjahresplan erlassen. Amerika, so argumentiert man hier, hat die ganze Gröhe und Gefahr des Sowjetgegners erkannt und will jetzt zum entscheidenden Schlag ausholen. Man läßt vorläufig offen, worin dieses „Entscheidende" liegen soll, aber Stimson soll angeblich auch auf die Beziehungen der Berliner Wilhelm st raße zu Moskau sein besonderes Augenmerk richten, während man in der Kundgebung Mussolinis gegen den Bolschewismus schon ein Ergebnis „amerikanischer Einflüsterungen" erblickt.
Wenn die Stichhaltigkeit dieser Vorwürfe sich von Moskau aus nicht überprüfen lassen, so ist nicht zu leugnen, daß die Hilfsaktion Hoovers „zugunsten des sterbenden Kapitalismus" den Präsidenten Amerikas in einen natürlichen Gegensatz zu Sowjet-Moskau bringt. Die „Iswestija" haben zwar höhnisch auf die „Balgerei der Kapitalisten in Paris" hingewiesen und die „Prawda" machte sich aus diesen Verhandlungen den üblichen „sowjetfeindlichen" Vers, aber es ist offenkundig, dah die Erregung über das Reparationsund Schuldenfeierjahr groh und ehrlich ist. Noch immer wird in Moskau eine Konsolidierung des kapitalistischen Systems und eine Abmilderung der Auswirkung der Weltkrise als gleichbedeutend mit einer Schwächung bolschewistischer Aussichten angesehen. Das in wirtschaftlichen und politischen Dauerkrisen darniederliegende Versailles- und Tribut-Europa ist allein der gegebene Nährboden für bolschewistische Ideen. Das weih man in Moskau. Deshalb ist Hoover der große Gegner Stalins geworden — und ist dessen Rede eine Antwort an den amerikanischen Präsidenten. „Der Kommunismus ist nur Schein", sagt Stalin. „Wir arbeiten nach den gleichen Methoden wie ihr. Wir haben das Rentabilitätsprinzip eingeführt, wollen nur verdienen und euch zu verdienen geben." — Man arbeitet aber gründlich in Moskau. Man ist bestrebt, auch nach dieser Demonstration des Wohlverhaltens nicht die Hände in den Schoß zu legen. Lind so hat die oben wiedergegebene Meldung von der Gründung des Finanzierungs- shndikats um so größere Bedeutung, als sie von Gerüchten über einen angeblich außerordentlich ■ günstigen Stand der Verhandlungen mit Frankreich begleitet wird, die unmittelbar vor 7 dem Abschluß stehen sollen. Sollte dies in der Tat zutreffen, so wird darin die zweite, gegen
ständlichere Antwort Moskaus an Hoover zu erblicken sein.
Oberheffen.
Landpostverkrastung im Bezirk Grünberg.
Grünberg, 17.Juli. Wie nun endgültig fest, steht, tritt die Landpostoerkraftung Im Bezirk Grünberg am Montag, 17. August in Kraft. Don Grünbera aus verkehren zwei Linien. Die eine Lime führt über folgende Orte: Weickartshain. Lardenbach, Freienseen, Sellnrod, Wohnfeld, Altenhain, Freienseen, Laubach, Fried- richshütte, Ruppertsburg, Wetterfeld, Ettingshausen, Queckborn nach Grünberg. Die erste Fahrt beginnt 8.15 Uhr und endet 10.54 Uhr, am Nachmittag be- ginnt die Fahrt um 15.40 Uhr und endet 18.15 Uhr. Arn Morgen geht eine Stichfahrt nach Lauter, Laubach und Wetterfeld voraus, die um 7.15 Uhr hier abgeht und um 8.02 Uhr wieder eintrifft. Die andere Linie geht über Obere Ztegelhütte (Haltestelle), Lehnheim, Atzenhain, Bernsfeld, Burg-Gemünden, Bleidenrod, Büßfeld, Schadenbach, zurück über Büß- feld nach Homberg (Haltestelle), Maulbach, Appenrod, Dannenrod, Ober-Ofleiden, Gontershausen, Deckenbach Rüddingshausen, Weitershain, Stangenrod nach Grünberg. Die erste Fahrt dauert hier von
8.15 Uhr bis 11.18 Uhr und die Nochmittagsfahrt von 15 Uhr bis 18.02 Uhr. In den genannten Orten werden Poststellen errichtet, mit Ausnahme von Laubach, das als Postamt, und Freienseen und Lardenbach die als Postagenturen bestehen bleiben. Die Poststellen haben die Befugnis zur Annahme und Ausgabe von Postsendungen aller Art und von Telegrammen sowie Vermittlung von Gesprächen und Annahme von Zeitungsbestellungen. Auch zahlen sie für Ihren Zustellungsbereich die Renten aus. Im Briefverkehr gelten die Ortsgebühren nur innerhalb des eigenen Zustellungsbereiches. Praktisch bedeutet das, daß nur innerhalb des Ortes das ermäßigte Porto gilt, während nach allen übrigen Orten, die zum Bezirk gehören, das gewöhnliche Porto zu entrichten ist. Sämtliche Poststellen werden dem Postamt Grünberg, das als Leitpostamt gilt, unterstellt und werden postamtlich mit dem Pamen des Ortes, in dem sie liegen, sowie dem Namen des Leitpostamtes mit dem Zusatz „Land" bezeichnet, z. B. „Rüddingshausen, Grünberg (Hessen), Land". Die Neuerung bringt für d i e Landorte eine Verbesserung ihrer Po st Verhältnisse, da sie an- statt der einmaligen eine zweimalige Postver- bindung erhalten. Hinzu tritt noch die Möglichkeit der Personenbeförderung, da die Kraftwagen bis zu drei Personen mitnehmen können. Für die beiden hier stationierten Kraftwagen hat
die Postverwaltung eine Autohalle gemietet, die Fabrikant Heinrich Schmitt II. neben seiner Draht- fabrik. errichtet hat.
Landkreis Gießen.
ck Heuchelheim, 17. Juli. Am Mittwochabend hielt der hiesige Dürgerverein eine sehr gut besuchte Versammlung ab, die sich mit der Frage der Errichtung eines Gemeindeschwimmbades beschäftigte. Bekanntlich hat sich hier unter Führung von Rektor Knab ein Ausschuß gebildet, der die zur Ver- wirllichung ^dieses Projektes nötigen Vorarbeiten leisten will. Herr Knab hielt in der Versammlung einen Vortrag über Zweck und Ziel dieses Ausschusses und über die bis jetzt geleisteten Arbeiten. Er führte aus, daß die Gelegenheiten zum Freiluftbaden und Schwimmen in unserer Gemeinde durch die Erbauung des Bahnanschlusses zum Viehhof auch nicht mehr benutzbar seien. Die Ertüchtigung unserer Jugend und ihre Ge- sunderhalttmg mache es aber zur unabweisbaren Pflicht für die Dewegungsmöglichkeit in freier Luft, in Sonne und Wasser zu sorgen. Der Ausschuß halte den Platz auf der Oberwiese für den geeignetsten, da dort durch die Benutzung des Mühlgrabens eine leichte De« und Entwässerung sich ermöglichen lasse- Mit dem Besitzer des Geländes sei erfolgrel^ verhandelt worden. Zur finanziellen Frage führte der Redner aus, daß dieselbe ja wohl außerordentlich schwer, aber seiner Ansicht nach nicht unlösbar wäre. Nach dem Vortrag setzte eine sehr lebhafte Aussprache ein. Fast sämtliche Redner begrüßten die geplante Errichtung, nur hat man allgemein schwere Bedenken, ob in der momentan außerordentlich schweren Zeit die finanzielle Frage tatsächlich zu lösen sei. Zum Schluß nahm die Versammlung folgende Entschließung an:' „Die Versammlung des Bürgervereins vom 15. Juli 1931 ist mit der Errichtung eines Gemeindeschwimmbades einverstanden und bittet den vorbereitenden Ausschuß, das Projekt nach Mög- - lichkeit zu fördern. Die Errichtung soll vorgenommen werden, sobald es die wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben."
* Oppenrod, 17. Juli. Zum Beigeordneten unferer Gemeinde wurde der Schmied Heinrich Gerhard gewählt und verpflichtet.
0 Holzheim, 17. Juli. Der Landwirt Johann Ju n g IV. und seine Ehefrau Julianne geb. Schwab begingen im Kreise ihrer Kinder und Enkel das Fest der goldenen Hochzeit. Beide Ehegatten erfreuen sich der besten geistigen und körperlichen Rüstigkeit. Der Jubilar war 30 Jahre Kollekteur für das Rettungshaus Arnsburg.
Kreis Büdingen.
WSN. Büdingen, 17. Juli. Die hiesigen Oberhessischen Ob st werke G. m. b. H. sind von der Firma Wemhöner käuflich erworben worden. Der Betrieb bürste voraussichtlich in den nächsten Tagen in vollem Um- fange wieder aufgenommen werden.
Kreis Schotten.
WSN. Schotten, 17. Juli. Bei dem heutigen Training zum Motorradrennen „Rund um Schotten' ereigneten sich einige Stürze, die jedoch zum Glück kein Menschenleben forderten. Der jüngere der beiden Grafen Henckel von Donnersmarck erlitt einen Bruch des Schulterblattes. Ein Monteur wurde mit einer unbesetzten Seitenwagenmasch-ine aus einer Kurve geschleudert, wobei sich die Maschine mehrmals überschlug. Der Fahrer erlitt einen Bruch des Schlüsselbeins und eine leichte Gehirnerschütterung.
0 Schotten, 16.Juli. Dekan i.R. Kirchenrat Emil Münch, der langjährige erste Geistliche unserer Stadt, vollendete heute bei körperlicher und geistiger Frische sein 8 0. Lebensjahr. Bei einer Feier im engsten Familienkreise überbrachten Glück- »wünsche für den Dekanatsausschuß und die Dekanatsgeistlichkeit Dekan W i d m a n n (Gedern), für
Eva am Strand
Vornan von Hermann Weick.
11. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Sie schlugen den Weg zum weniger belebten Weststrand ein. Es ging gegen Abend: vom Meere her kam ein leichter Wind und milderte die Hitze, die während des Tages geherrscht hatte.
Entzückt genoß Stefan Helbing die Gegenwart Eva Millers. Er wunderte sich manchmal über sich selbst, über die Llnrast, die seit Tagen in ihm war und erst verstummte, wenn er in Evas Nähe weilte.
Was zog ihn Immer wieder zu Eva Witter... und lieh sein Empfinden für Hanna mehr und mehr verblassen?
War es Evas Jugend, der unnennbare Charme ihrer Erscheinung? War es ihr sprühendes, kapriziöses Wesen, das in immer neuen Farben zu schillern schien und so ganz anders war als Hannas ernste, schwerblüttge Art?...
In leichtem Geplauder waren sie bisher nebeneinander hergegangen. Nun sagte Eva Witter unvermittelt:
„Warum waren Sie heute vormittag nicht am Sttand, Herr Helbing?"
„Ich hatte einige wichtige Briefe zu schreiben: nachher war es dann zu spät."
„Lind deshalb mußten Sie das Morgenbad versäumen? Sie armer Mann!" erwiderte Eva, un- merklicher Spott klang durch ihre Worte.
„Sie sagen das so sonderbar, gnädiges Fräulein! Glauben Sie mir nicht?"
„Wie käme ich dazu, Ihren Worten zu mißtrauen, Herr Helbing!" sprach Eva darauf leichthin. Sie lachte. „Mein Verdacht hat also getrogen!"
„Welcher Verdacht?"
„Daß Frau Moest die Ursache Ihres Fernbleibens vom Strand war!"
Betroffen sah Helbing die junge Dame an. Das hatte er nicht erwartet!
Cs klang reserviert, als er antwortete:
„Sie Irren, gnädiges Fräulein! Warum sollte Frau Moest mich abhalten, den Strand aufzusuchen?"
„Das kann ich Ihnen nicht verraten: da müßten Sie schon Frau Moest fragen!" sagte Eva mit frivolem Lächeln.
Helbing fühlte, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg.
„Was haben Sie nur mit Frau Moest?... Haben Sie sich über die Dame irgendwie zu benagen?“
„Keine Spur! ... Vielleicht glaubt aber Frau Moest, sich über mich beklagen zu sollen! Anders
kann ich mir das unfreundliche Benehmen, das sie in den letzten Tagen mir gegenüber zur Schau trug, nicht erklären!"
„Ich glaube, Sie täuschen sich, gnädiges Fräulein!" erwiderte Helbing, es klang aber nicht sehr überzeugt. „Frau Moest war in ihrem Verhalten zu Ihnen gewiß nicht anders als sonst!"
Eva Witter zuckte die Schultern.
„Ich habe darüber meine eigene Ansicht! 2m übrigen läßt es mich natürlich völlig kalt, wie Frau Moest sich zu mir stellt. Wenn ihr mein Verkehr nicht paßt, kann sie ihn ja meiden: ich laufe ihr nicht nach >"
Es klang sehr eigensinnig, sehr von sich eingenommen. Wenn Helbing genauer hingehört hätte, wäre ihm die Gereiztheit in Evas Worten nicht entgangen und er hätte sie vielleicht auf Eifersucht zurückgeführt.
So aber vernahm er nur die schnippische Erwiderung, die ihn unsympathisch berührte. Schroffer, als es in seiner Absicht lag, sagte er:
„Ich denke, wir lassen Frau Moest nun aus dem Spiel!"
„Ganz wie Sie wünschen!" erwiderte Eva Miller spitz und blieb fortan schweigsam.
Sie war auf Helbing wütend.
Wie kam er dazu, sie in dieser Art zurechtzu- weisen? Menn sie von Frau Moest reden wollte, so tat sie es, ob es ihm gefiel oder nicht! 2Iuf- sattend war, wie er Frau Moest in Schutz nahm! Er schien doch sehr unter ihrem Einfluß, in ihrem Dann zu ft eben! Warum blieb er dann nicht bei dieser Dame? Warum lief er ihr, Eva, nach?
Sie blieb stehen.
„Ich muß nach Hause!"
„Jetzt schon?"
„Ja! Wenn Sie noch weiter spazierengehen wollen, lassen Sie sich, bitte, nicht stören. Ich finde den Weg ins Hotel zurück allein!“
Das war deutlich.
Im ersten Augenblick wollte Helbing einige begütigende Morte an Eva richten: als er aber in ihr Gesicht blickte, daS in kalter, fast feindseliger Abweisung ihm zugewandt war, stieg auch in ihm Aerger empor.
„Ich werde Sie selbstverständlich begleiten, gnädiges Fräulein", sprach er förmlich.
Es war kein erquicklicher Heimweg. Nach anfänglichem Schweigen versuchte Helbing einige Male, ein Gespräch in Gang zu bringen: aber Eva verharrte tn verstockter Verschlossenheit.
Als sie sich dem Hotel näherten, blickte Helbing verstohlen zum ersten Stock hinauf. Er gewahrte Hanna Moest nicht, die hinter dem Vorhang stand und mit brennenden Augen zu den beiden hinun- tersah.
In der Halle reichte Eva Miller zu knappem AbschiedSgruß Helbing die Hand. Er hielt ihre Finger fest.
„Schade!" sagte er bedauernd und sah sie in jäh aufrauschender Wärme an.
„Was ist schade?" fragte sie obenhin zurück.
„Daß wir in dieser Verstimmung auSeinander- gehen!"
„Es lag an Ihnen..
„Vielleicht an uns beiden."
Eva Witter zog ihre Hand zurück.
„Lassen wir das!"
„Sehen wir uns morgen vormittag am Strand?"
Sie machte ein hochmütiges Gesicht.
„Ich glaube kaum, daß ich da sein werde. Bekannte haben mich für morgen früh zu einer De- gelpartie eingeladen: ich werde wahrscheinlich daran teilnehmen."
Helbing verneigte sich kurz.
_®ute Fahrt I"
„Danke!"
Llnentschlossen verharrte Helbing an derselben Stelle. Er sah Eva Miller nach, die den Lift be- • stieg: er machte eine Bewegung, als wolle er ihr nacheilen. Dann schüttelte er den Kopf.
Langsam stieg er die Treppe empor. Dor Hanna Moests Zimmer zögerte er. Sein Sinn stand jetzt nicht nach einer Unterhaltung mit ihr. Schließlich trat er doch ein.
Hanna Moest lag auf dem Diwan: sie hatte ein Buch in den Händen, in dem sie bis zu diesem Augenblick gelesen zu haben schien.
„Vom Spaziergang zurück?"' fragte sie und legte das Buch beiseite.
Helbing ging au! sie zu und küßte sie: es war ein flüchtiger Kuß.
„Wo warst du?" fragte sie.
„Am Strand..." Er wies auf das Buch: „Bist du mit dem Roman nun bald zu Ende?"
Sie durchschaute sein geflissentliches Bestreben, ein anderes Gesprächsthema anzuschlagen, antwortete aber in ruhiger Freundlichkeit:
„Ich bin mit der Lektüre nicht sehr weit gekommen, ich habe Kopfschmerzen."
„Du solltest nicht so diel im Zimmer sitzen, Hanna!"
Ein wehes Lächeln Irrte über ihr Gesicht, das in den letzten Tagen wieder den früheren Ausdruck eines starren Ernstes angenommen hatte: sie sagte nichts auf Helbings Worte.
Mühsam schleppte sich die Unterhaltung hin Helbing versuchte, einen leichten, unbefangenen Ton anzuschlagen, aber daS Fremde, das unausgesprochen zwischen ihnen stand, ließ das Gespräch nach kurzem Anlauf immer wieder verstummen. ...
„Ich will jetzt hinübergehen, um auch fürs Abendessen umzuziehen", sagte Helbing schließlich und war froh, diesem peinigenden Beisammensein zu entrinnen.
Regungslos blieb Hanna sitzen. Sie starrte auf die Türe, die sich hinter Helbing geschlossen hatte. ES war, als könne sie dies alles nicht fassen.
Plötzlich brach ihre mühsam bewahrte Haltung zusammen. Sie schlug die Hände vor die Augen. Leidenschaftliches Weinen erschütterte ihren Körper.
So sah das Glück aus, nach dem sie sich jahrelang gesehnt hatte! Am Ziele ihrer Wünsche glaubte sie sich... nun stand sie mit leeren Händen da und war wärmer, einsamer als je...
Warum war Stefan überhaupt zu ihr gekommen?
Warum, wenn er gekommen, wandte er sich jetzt von ihr, die ihn doch grenzenlos liebte, ab und strebte zu der anderen. Jüngeren hin?
Wenn Stefan sich auch Mühe gab, vor ihr feine Neigung für Eva Miller zu verbergen, sie, Hanna, lieh sich nicht täuschen. Sie wußte, wie es um ihn stand: besser wußte sie es vielleicht, als er selbst.
XIII.
An diesem Morgen war Eva Miller in sehr schlechter Laune erwacht.
Alles reizte sie zum Widerspruch. Kein Kleid war nach ihrem Geschmack, eines um das andere zog sie an und wieder aus und warf es achtlos beiseite. Das Frühstück, das sie heute in ihrem Zimmer einnahm, schmeckte ihr nicht. Die Sorme, die zu den Fenstern hereinlachte, ärgerte sie. Sie war mit sich und der Wett unzufrieden.
„Unverschämt!" sagte sie plötzlich und dachte dabei an Stefan Helbing.
Ihre Cpörung über Helbings gestriges Verhalten war inzwischen nicht geringer geworden. Hatte er sie nicht wie ein vorlautes Kind zurechtgewiesen, ihr in schulmeisterlichem Tone untersagt, von Frau Moest zu sprechen?
Ein sehr von sich eingenommener Herr schien Helbing zu sein! Vielleicht hatte er viel Glück bei den Frauen, vielleicht war er es gewöhnt, daß sie nach seiner Pfeife tanzten: Frau Hanna Moest mochte dies tun, bei ihr, Eva, hatte er sich in dieser Hinsicht geirrt. Im Verkehr mit Männern hatte bisher stets sie den Ton angegeben; sie würde es auch künftig so halten!
Mit Helbing war die Sache ja nun zu Ende. Schade eigentlich! Es hätte ihr Spaß bereitet, diesen selbstbewußten H<rrrn in sie verliebt zu machen und ihn dann ihre Macht fühlen zu lassen. Den Triumph, ihn in ihrem Netz zappeln zu sehen, hätte sie gerne ausgekostet...
Ein Gedanke tauchte in Eva auf.
Wenn sie es darauf anlegte, Helbing an sich zu ziehen, müßte ihr das nicht gelingen?
Frau Moests Einfluß auf ihn schien nicht mehr allzu stark zu fein; er hätte sie sonst nicht so vernachlässigt, wie es unzweifelhaft geschehen war. und sich ihr, Eva, gewidmet. Warum sollte sie also nicht versuchen, Helbing der anderen abspenstig zu machen?
(Fortsetzung folgt.)
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