Ausgabe 
18.6.1931
 
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Donnerstag, 18. Juni (93|

18b Jahrgang

Kr. 140 Erstes Statt

wir uns nicht

und tribut - zu verstehen sei,

Zeit zu erwartenden inner- politischen Mastregeln führt« 2lbg. Dinge'.dey aus:

L ist selbstverständlich, das;

Hindenburg an Ooumer.

Pari-, 17. Juni. (WTB.) Reichspräsident v. Hindenburg hat dem neuen Präsidenten der französischen Republik, Paul Doumer, aus Anlast seine- Amtsantritt- ein Glückwunsch- telegramm gesandt. Der französisck-e Präsi­dent hat dem Reich-Präsidenten sofort gedankt.

Zur Abrüstungskonferenz eingeladen.

Genf, 17. Juni. (WTD.) Wie vom Töl- kerbundSsekretartat mitgeteilt wird, hat der Generalsekretär de- Völkerbünde- jetzt die vfstziellen Einladungen für die Welt­abrüst ung-kvnferenz, die am 2. Februar 1932 in Genf beginnt, ergehen laffen. D« sinds sämtliche dem Völkerbund angehörenden Staaten eingeladen worden, austerdem noch Afghanistan, Vrafilten, Lostarica, die Vereinigten Staaten von Rordamerika, Aegypten, Lcuador, Mexiko, di« Türket und LOwjetrustiand. Die Eingeladenen sind gebeten worden, dem Völkerbund-sekretartat zu gegebener Zeit die Benennung und Zusammen­setzung ihrer Delegation mttzuteilen.

Der Gefatnivorstand fordert rücksichtslosen Kamps gegen die Tribute, die die deutsche ISettbewcrb»- sähigkeit aus dem Weltmarkt aus» schwerste be­einträchtigen, den Lcbensstand des dcatschcu Volke» unter da» Mast dev Erträglichen herab- sehen und die Gesundung der Weltwirtschaft unmöglich madxn. Der Gcsamlvorslaud verlangt daher über die Inanspruchnahme der Iranvser- Klaufel hinaus, die sofortige Einstellung der

Zahlungen.

Er erwartet, das) eS über alle Grenzen der Parteien hinweg der Zusammenfassung aller na­tionalen Kräfte gelingt, dem Volk wieder Brot und Arbeit zu geben.

Dmgeldey über die Regierungsumbildung.

Berlin, 17. Juni. (ERB.) Abg. Din gel­be y gab dem Vertreter derDAZ." Erklärungen über di« praktischen Auswirkungen der am Dienstag gefallenen Ent­scheidung.

Auf die Frage, was unter den3m Einver­nehmen mit dem Reichskanzler" In der nächsten

Äiblitrev.swn und Regierungsumbildung

Heute Beginn der Diplomaten-Desprechungen. - Dmgeldey unterstreicht die Forderung nach Regierungsumbildung.

Frankreichs Finanzoffenfive gegen Oesterreich

Paris will die politische Hörigkeit Oesterreichs erzwingen. - Die Zollunion mit Deutschland soll durch die französische Geldmacht abgewürgt werden.

wehrlos Immer weiter fremde Gelder vom Aus­land abziehen lasten können und gleichzeitig weiter an da, Ausland Zahlungen leisten, wäh­rend wir Im Innern zu wirtschaftlichen Mafz- nahmen von gefährlichsten Folgen schreiten müssen. Vieser Zusammenhang der Talsachen wird jedem Reichskanzler das Gesetz des han­delns nach Inhalt und Zeitpunkt über alle son­stigen Bedenken und Rücksichten hinweg diktieren müssen.

In einen solchen Kamps kann aber die Regierung nur elntrelen, wenn der Reichskanzler ihn mit einer Regierung aufnimmt, die in ihrer veränderten Zusammensetzung Ge­währ für die denkbar größte sachliche Autorität und Entschlossenheit ble­iet. Da die Rotvervrdnung nicht mehr zu be­seitigen war, ohne die Gefahr der Zahlung-- unsähigkeit des Reiche- heraufzubeschwören, fo müssen nunmehr mit größter Beschleunigung die vernachlässigten inneren ilrfadjen unserer finan­ziellen Lage durch entschloffene Refor­men nach einem einheitlichen Ge­samtplan unter Vermeidung jeder Einseitig­keit in Angriff genommen werden. Auch für diese Aufgaben bedarf e- neuer entschlossener Persönlichkeiten.

Unterredung

Mellons mit Macdonald.

London, 17.Juni. (TU.) Obwohl der Besuch des amerikanischen Finanzministers Mellon in England angeblich rein privater Art ist, hatte Staat», lekretär Mellon bereits am ersten Tage seines Aufenthalts eine Besprechung mit dem englischen Ministerpräsidenten Macdonald. Heber den 3n< halt der Unterredung ist bisher nichts bekannt. Mel­lon wird voraussichtlich wahrend des Wochenendes seinen Sohn in Cambridge besuchen.

Oiplomatenkonferenz in Berlin.

Berlin, 17. Juni. (TU.) Vie seit längerer Zeil vorgesehenen Besprechungen mit den Ver­tretern des Reiches In pari», London, Rom und Washington werden am Donnerstag ihren An­sang nehmen. Botschafter von Schubert ist bereits in Berlin elngelroffeii, Herr von hoesch wird aus Paris für Donuervlag erwartet. Wit dein Eintreffen des wafhingloner Botschafters Freiherrn von priltwitz und Gaffron rechnet man für Ende dieser Woche. Die Anwesenheit des Mos- fauer Botschafters von Dirkfen in Berlin dürste lediglich mit der Verlängerung des Berliner Ver­trages zwischen Reich und Sowsetrustiand zu tun haben, während die Besprechungen mit den übrigen Diplomaten der Tributs rage gelten. Es han­delt sich dabei in erster Linie um den Zeitpunkt für die Erklärung de» Iranvserausschubs. wie jetzt bekannt wird, ist In den Besprechungen mit der englischen Regierung In Ehequer» hierfür der Grundstein gelegt worden, zumal von englischer Seite empsohlen wurde, den Besuch S t i m s o n s abzuwarten, der seinen Besuch für die zweite Iull- hälste in Berlin angegeben Hal. In den Besprechun­gen mit den deutschen Diplomaten wird nun die Frage geprüft werden, ob die politische Gesamtlage auch die frühere Lrktärung des Irans- ferauffchubes zulästt. vor dem Abschluß dieser Diplomaten-Besprechung wird eine Entscheidung des Reichskabinetl» In der lermlnfrage nicht fallen. Es Ist Infolgedessen nicht damit zu rechnen, daß die Reichsregierung noch in diefer Woche einen Be­schluß fassen wird.

Auch Belgien gegen Voungplan-Revision. Brüssel, 17. Juni. (TU.) Im belgischen Senat erklärte der Finanzminister hontart In Beantwortung einer vom Senator van Over­berg (katholisch) gestellten Frage, die belgische Regierung denke nicht daran, irgend­welche Abänderungen de» Reparations­zahlungsplan» zuzulasten.

Sofortige Einstellung der Tributzahlungen.

Aunbflcbunfl der sächsischen Industriellen.

Dresden, 17. Juni. (LU.) Der Desamtvor­stand des Verbände- sächsischer In» d u st r i e l l e r hat gestern beschlossen, der Reichs­regierung ein Telegramm zu senden, in dem e- heißt: Die sächsische Wirtschaft hat wie­derholt ihre Bereitwilligkeit auch zu schwersten Opfern unter der Voraussetzung erklärt, daß eine feste Aussicht auf Gesundung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse besteht. Diese Vor­aussetzung ist nicht gegeben, so lange die Tribut­belastung, der aufgeblähte DerwaltungSapparat und der bestimmende Mafseneinfluß wirtschastS- feindlicher Kräfte in Staat und Wirtschaft fort­bestehen.

Der Rücktritt deS österreichischen Kabinetts . Dr. Ender ist unmittelbar aus di« f r a n a ö - fische Finanzpolitik gegenüber Oe­sterreich zurückzusühren. Seit dem Bankrott der Oesterreichischen Lreditanstalt kam man in Wien überhaupt nicht mehr au- den finanziellen Schwie­rigkeiten heraus, und es ist bekannt, daß die in­ternationale StützungSak.ion für das bedeutendste österreichische Daniinslitut nur unter ter Voraus­setzung in Gang gebracht werden sollte, daß die österreichische Regierung sich zur Uebernahme einer Staatsgarantie in Höhe von etwa einer Milliarde Schilling bereit erklären würde. Das Kabinett Ender hat sich sehr lange gegen diese- Ansinnen gesträubt, und mit Recht. Denn e- liegt klar auf der Hand, daß eine solche SlaatSgarantie in einem wirtschaftlich leben n Vanöe Iminen fehl

kurzer Zeit zu einem Steuerdruck auf die Devötke- rung führen muß, an dessen Ende die völlige Ver­elendung der Bevölkerung steht. Schon heute ist da- Lebensniveau in Oesterreich auf ein Minimum herabgedrückt worden, das als angemessene Le- benshaltung in einem zivilisierten und geistig hoch­stehenden Lande nicht mehr angesprochen werden kann. Diesen Standard noch weiter herabzudrücken, bedeutet eine Zumutung, die nur au- einer Art von politischem Sadismus erklärt werden kann. Tatsächlich fügt sich das Ansinnen durchaus in die französische Poli.ik gegenüber ganz Mi.lei uropa sehr iDiifCguent ein. Man setzt heule von Paris aus den Krieg gegen Deutschland und Oesterreich mit den Mitteln eujer überlegenen Finanz- und Wirt­schaftskraft fori.

Frankreichs Würgegriff an den Lebensnerv Oester­reichs wurde erkennbar, als der französische Ver- traucnsmann im Verlauf der Stützungsverhandlun- gen eine Art Ultimatum stellte und von der öster­reichischen Regierung binnen kürzester Frist die Uebernahme einer sehr umfassenden Staats- 0 a r a n t i e verlangte, widrigensalls die franzö­sische Hochfinanz mit dem rücksichtslosen Abzug ihrer Gelder sortfahren würde. 2n dieser Situation mrlor der Finan,Minister Dr. Jucht die Nerven, er sagte die Staatsgarantie zu, obwohl ihm bekannt war, daß die übergroße Mehrheit des Kabinetts dagegen war, und die Demission des Innenministers brachte dann alles weitere ins Rollen. Bisher Hot sich der Rücktritt des Kabinetts Ender kreditwirt- fchaftlich »och nicht zum Nachteile Oesterreichs aue- gewirkt, da die Bank von England in richtiger Er- kenntnis der politischen und finanziellen Bedrängnis den Oesterreichern die 150 Millionen Schillinge tclc- graphisch zur Verfügung stellte, um die Jucht in Paris so eindringlich, wie vergeblich gebeten hatte. Es scheint, daß gerade der Rücktritt des österreichi- Kabinetts die englische Regierung hellhörig gemaclt hat. Ursprünglich waren es nämlich gerade Mac­donald und Henderson, die Herrn Scho- bet zur sinanziellen Sanierung seines Landes den Weg über Paris nahelegten, weil sie mit Recht der Meinung waren, daß Frankreich als die weitaus stärkste Kapitalmacht Europas heute am ehesten in der Lage und moralisch auch am meisten ver­pflichtet sei der österreichischen Regierung aus ihren Bedrängnissen zu hslsen. Immer deutlicher aber wurden von den Franzosen in die allgemeinen Finanzverhandlungen politische Gesichts- punkte hineingetragen, und man sagt nicht zu­viel, wenn man behauptet, daß Frankreich jede, auch die bescheidenste Hilfeleistung von der prakti­schen Preisgabe der politischen Selbständigkeit Oesterreichs abhängig zu machen gedachte. Nicht nur, daß man Wien gewaltsam den Verzicht aus die Zollunion mit Deutschland aufnötigen wollte, die österreichische Regierung sollte sich dar­über hinaus in das politische Hegemonial- systern Frankreichs einordnen, um der französischen Politik den Weg nach Südosteuropa noch weiter zu erschließen. Es liegt auf der Hand, daß alle derartigen Ansinnen für England, das an einer Erweiterung der französischen Macht- und Interessensphäre absolut nicht interessiert ist, höchst unbequem sein müssen, weil jede Zunahme des französischen Einflusses automatisch die britischen Einslußmöglichkeiten vermindert. Die großzügige englische Kreditgewährung an Oesterreich ist also gewiß nicht aus politischen Altruismus erfolgt, wohl aber hat sie der österreichischen Wirtschaft und der österreichischen Politik in einem entscheidenden Augenblicke wieder Luft gegeben, und es gilt nun, diese Chance entsprechend zu nützen.

Wie die österreichisch« Regierungskrise gelöst wcrd«n wird, ist im Gesamtzuscrmmenhang der Dinge von Nachgeordneter Bedeutung. Wesentlich ist vor allem, daß die wirtschaftliche Le­ben sfä bigteit Oesterreichs, die man ihm feit zwölf Jahren verspricht, hergestellt wird und daß die politische Selbständigkeit des Landes unangetastet bleibt. Der Weg über dasComitd dautriche" deS Völkerbünde-, der von Frankreich neuerdings wieder mit auf­fallender Intensität empfohlen wird, ist dafür ebenso ungeeignet, wie die Einsetzung eines Wirt- schastS- und Zinanzkontrollcurs für Oesterreich, selbst wenn man baxu eine reich-deutsche Persön­lichkeit wählen würde, wie eS neuerdings gleich­falls von Pari- aus lanciert wird. In beiden Fällen wäre die politische Selbständigkeit Oester­reich- geopfert, und die wirtschaftliche Lebenskraft kann weder von einem Komitee, noch von einem einzelnen Kontrolleur geschaffen werden, da beide

gar nicht die Möglichkeit besitzen würden, die erforderlichen internationalen Voraussetzungen herbeiAuführen. DS bleibt nach wie vor nur der eine Ausweg, über den sich nun seit Monaten ganz Europa völlig sinnlos erregt, nämlich die Oesterreichische Zollunion mit Deutschland, die dem gequälten Volke einen langsamen, aber einigermaßen sicheren Wieder­aufbau seiner Wirtschaft gestatten würde.

Um das neue Kabinett.

Cndcr verlangt Garantien.

Wien, 17. Juni. (WTD.) Die Amtliche Rachrichtensteile meldet: Der Bundespräsi­dent ersuchte heute abend den Bundeskanzler Dr. Ender, die Bildung der neuen Re­gierung zu übernehmen. 'BundeSkanz.er Dr. Ender erklärte, daß nach seinen Erfahrungen

die außergewöhnlichen Schwierigkeiten der heu­tigen Lage oom Parlament In seiner gewöhn­lichen weise nicht bewältigt werden können, und daß er daher dieser Aussorderung dev Bundes­präsidenten nur dann Folge leisten könne, wenn gewisse Vorbedingungen geschossen werden.

Erst« Bedingung sei, daß daS Parlament der Regierung weitgehende außerordent-

ErlchelAl ttigHO), außer oonntag» und Feiertag» Beilagen

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2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trüge» lohn, auch bei Richter- Ichemert einzelnerRumment Infolge höhere, Gewalt §erafprechan|chlllsfe

enterSammelnummer'2251 Anschrift für Drahtnach- eichten Anzeiger Oletze». poßfcheckkonto:

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licheDollmachten für eine angemessene Zeit erteile, um da» Gleichgewicht Im BundeShatrs- ßalt rasch wieder herzusleilen und in dein die Lreditanstalt betreffenden Fragenkornpler die ge­boten Maßnahmen treffen zu können. Die Mit­wirkung eines kleinen Parlamentsaus­schüsse« bei Ausübung dieser außerordent­lichen Verordnungsgewalt wäre dabei vorzuseheit. Dine weitere Bedingung sei die, daß die Be­reitwilligkeit gewisser Persönlich­keiten zur Mitwirkung in der neuen Regierung gegeben sei. Der Bundeskanzler wird morgen urch Fühlungnahme mit den Parteien und den in Frage kommenden Persönlichkeiten feslstellen, ob diese Bedingungen erfüllt werden, woraus er seine Entscheidung übet die Annahme der Be­trauung treffen wird.

Oie englische Hilfe war erfolgreich.

W i e n, 17. Juni. (WTD.) In der außerordenl- lichen Generalver ammlung der Oe st erreicht- schenRationa 1 bank, die im Zusammenhang mit der SanierungSaklion «er Lredil- anflalt die notwendig gewordene Statutenände­rung vornahm, crflärle der Präsident der Ratio- nnlbank Dr. Reisch im Verlaus der Debatte, eS

Annahme »* Anzeigen für die laqeenummet bl» zum Nachmittag vorher.

Preis für | mm HSHe für Anzeigen von 27 nun Breite artlich 8. ausroflrt« 10 Reichspfennig: für Re­klameanzeigen von 70 mne Vielte 35 Neichepfennlg, Platzvorschrift 20", mehr.

Chefredakteur

Dr. Fnedr Wich. Lange. Verantwortlich sür Poütil» Dr. Fr. wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.Thgriot; für den übrigen letl Ernst Vlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

sei ungerechtfertigt, der Rationnibank eine Schuld an den Vorgängen der letzten Jahre bei den ein­zelnen Bankinstituten zuzufchreiben, denn keiner Notenbank stehe eine Kreditkonirolie von Privat­banken zu.

Die wirtsck-astUchen Verhältnisse In Oesterreich hätten die 3inmoblllflerungen und Zusammen- brüche der letzten Jahre verursacht.

Sodann stellte Präsident Reisch mit Genugtuung fest, daß feit gestern dank der nunmehr einge trossenen ausländischen Hilfe ein durch- fchlagender Erfolg erAtclt worden sei Allen maßgebenden Faktoren de» Auslandes gebühre der Dank dafür, daß fie in richtiger Erkenntnis de« Umstande«, daß eS fich bei der Ereditanflall nicht um eine spezifisch österreichische Kredilfrage han­dele, sondern ivett darüber hinan« um eine ganz Mitteleuropa betreffende Frage, ihre Kre­dithilfe gewährt hätten, von der nur zu hoffen sei, daß sie wesentlich zur Beruhigung beitragen werde.

Die Wirtschaft für Ender.

Wien, 17. Juni. lWTB.) Die Präsidialkvnfe- renz der ö st e r r e i ch i f ch e n Handelskam­mern hat beschlossen, an alle der Regierung nahe­stehende Parteien die dringende Ausforderung auf praktische Bekämpfung der Regie­rungskrise zu ricb'.en ohne Rücksicht auf par­teipolitische Sonderwünfche. Dine Abordnung der Konferenz begab sich zu Bundeskanzler Dr. En­der, um ihn bringenb zu bitten, sich dem Ruse zu einer neuenRegierungsbildung nicht tu entziehen. Anschließend find die Präsidenten Der Karninern vorn Bundespräf identen übet ihre Anschauungen hinsichtlich der Krise be­fragt worden Sie brachten zum Au-druck, daß die rasche Bildung eine« neuen Kabi­nett« unter Führung Ender- die beste Gewähr für eine wirksame D leichierung der Lage und eine Entwirrung der Krise biete.

Englische Einsicht.

London, 17. Juni. (WTB) Zur österrei- chischenKabinelt-krife schreibt der diplo- niattfdK Korrespondent de»Dailh Tele­graph"^ Der Rücklr.tt der östcr ethischen Regie­rung ruft st a r keBe f o rg n t - in diplomatischen und finanziellen Kreisen hervor. In London herrscht die Ansicht vor, daß die Zeit gekommen sei, Oesterreich IvenigstenS vor der ihm unmittel­bar drohenden Gefahr zu bewahren.

Ietzt müßten sich die Regierungen Europa» ent­scheiden, ob Oesterreich durch eine Internationale Finanzaktion bei seiner Wiedergesundung ge­holfen werden solle, oder ob man Ihm den rolrl- schastllchen Anschluß an Deutschland gestatte. Lin Mittelweg würde sich aus die Dauer al« jiußlo» erweisen.

Die englischen, an der Kreditanstalt interessierten Banken seien nicht bereit, einen großen Pre>- für die Verhinderung der Deuts ch-Pest er- relchischen Zollunion zu zahlen, da sie sich wenig oder gar nicht um die politische Frage interessierten. Lediglich Frankreich dürfte bereit sein, notwendige finanzielle Risiken auS politischen Gründen einzugehen. 3taHen sei mehr an Ungarn interessiert, da diese- Land al- eventueller Verbündeter für wertvoller erachtet werde.

.Oesterreich ist am Rande einer neuen Krise angefangt", schreibt der diplomatische Korrespon­dent de«Daily Herald". Der Rücktritt der Regierung wird die WI r t s ch a s t « k r t s e ver­schärfen und die Gefahr eine- Zusammen­bruche- vergrößern.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

t)HJd und Verlag: vrühl'fche UniversttülLvuch. nnö Stetnörndcrct IL Lange in Gießen. 5chriftlettung und Geschäftsstelle: Schulsttaße 7.