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Nr. M Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Montag, (8. Mai 1951

Kundgebung der deutschen Wandervereine.

Friedberg, 14. Mai. (Sonderbericht desGießener Anzeigers"). Das vom Reichsverband der deutschen Ge- birgs- und Wandervereine und den angeschlvsse- nen 2ugendverbänden in unserer Stadt veranstal­tete große Wandertreffen gestaltete sich zu einer machtvollen Kundgebung der deutschen Wanderer. Die meisten der 60 dem Verbände an- geschlossenen Gebirgsvereine, die zusammen rund 220 000 Mitglieder zählen, waren durch Abord­nungen vertreten. Die benachbarten Vereine, wie der Vogelsberger Höhenllub, der Taunusklub, der Odenwaldklub, der Rhönklub, der Spessart- bund, ter Oberhessische Eebirgsverein, de. Westec- waldverein waren aus fast allen ihren Zweig­vereinen stark erschienen.

Die Friedberger Wandervereine hatten den am Abend vorher schon anwesenden Gästen zur De- grühung einen Heimatabend geboten, bei dem herzliche Worte der Begrüßung gewechselt wurden zwischen dem Vorsitzenden, des Orrsaus- schusses, Oberregierungsrat Hoos, und den Der- tretern der hessischen Regierung, Schulrat H af­fin g e r , des Gesamt-Vogelsberger Höhentlubs, Rektor De rn (Offenbacha.M.) und des Reichs- verbanbes der deutschen Gebirgs- und Wander« vereine, Psarrer Löscher (Zwönitz i. Erzgeb.).

Heute marschierten am Rachmittag etwa 1500 Teilnehmer, unter denen in besonders stattlicher Zahl die Zweigvereine des VHC. auffielen, nach der Burg, wo auf althistorischem Boden die eigentliche Kundgebung einen eindrucksvollen Verlauf nahm. Dr. Druchhäuser (Alrich- stein), als Vorsitzender des gastgebenden Vereins, des VHC., entbot den Gruh an die Wander­freunde aus dem Reich und die Vertreter der Behörden. Zweck dieses ersten Treffens in Deutsch­land sei, mit den Bestrebungen der Gebirgs-und Wandervereine mehr als bisher in die Oeffent- lichkeit zu gehen und Regierung und Volk da­von zu überzeugen, daß die Wanderbewegung eine der Unterstützung werte Sache sei. Kreisdireltor Rechthien (Friedberg) begrüßte dieses Vor­haben der Wandervereine, deren Bedeutung für die Aufbauarbeit in dieser schweren Zeit nicht zu verkennen sei. Bürgermeister Dr. Seyd (Fried­berg» hieß mit Dank für die Einkehr in Fried­berg namens der Stadt willkommen, und Schul­rat H a s s i n g c r, der im Ramen und Auftrag des hessischen Staatspräsidenten und Kulutus- Ministers grüßte, versicherte die Wandervereine, wie bisher, auch für die Zukunft der Unter» stühung durch die hessische Regierung. In einem Schlußwort dankte Landtagsabgeordneter Rektor I a s p e r t (Frankfurt a. M.), der bekannte Schöp­fer und Leiter des Kinderdorfes Wegscheide, als Vorsitzender des Reichsverbandes allen, die zum glücklichen Gelingen des ersten deutschen Wan­derertreffens beigetragen, vor allem dem VHC. und der gastlichen Stadt Friedberg. Er bezeich­nete die Wandersache als eine Kulturbewegung mit großen staatspolitischen Aufgaben. Die Red­ner, die alle stark den Heimat- und Dolkstum- gedanken als den tieferen Inhalt der Wander- bewegung herausstellten, fanden stärksten Beifall.

Der SHristführer des Reichsverbandes, Her­mann Ritter, Frankfurt a. M., verlas nach dem Gesang des Deutschlandliedes eine Ent­schließung, der mit lebhaftem Beifall zu» gestimmt wurde. Dann bewegte sich der Zug nach der Seewiese, wo die Wandergäste in froher Geselligkeit noch einige Stunden verbrachten.

Die Entschließung bringt eingangs die in­nige Verbundenheit der Wandervereine mit deut­schem Land und Volk zum Ausdruck und über­mittelt besonderen Gruß an die Brüder an der

Das «Schiüfal

ivrichi das letzte Wort

Roman von I.Schneider-Foerstl.

Urheber-Rechtschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau L Sa.

21. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Der älteste der Herren hatte leise mit Ulla Setterholm gesprochen.Ieht schon irgendwie eine Gewißheit zugeben, ist unmöglich. Wenn feine Komplikationen dazutreten, Blutvergiftung oder so... Die weißen Hände hatten mit einem Strich den Sah beendet.Aber Sie dürfen versichert sein, gnädige Frau, daß ich tue, was Menschen möglich ift Diese eine Beruhigung möchte ich Ihnen geben!

Und die Künstlerin hatte bann einDanke, Herr Professor", gestammelt und die Herren in das Fremdenzimmer geführt, sich dort zu waschen und urnzukleiden.

Am Morgen war dann der Professor wieder­gekommen. Diesmal allein. Und als er ging, hatte Die Herrin gelächelt, ein bißchen furchtsam noch, aber es war doch ein Lächeln gewesen.

Und bann war sie unter bie Küchentüre getreten und hatte gesagt:Wann er gestorben wär, was hältst bann getan, Uschi? Dich aufhhängt, gelt? Aber bas weiß ich, wann ich Kinder hält, dir tät ich keins mehr anvertrauen

'Das war hart gewesen, bitter hart! Eine ganze Stunde hatte sie darüber weinen müssen. Aber bie Herrin hatte boch wieder gesprochen mit ihr. Und wenn sie auch seither kein Wort mehr an sie gerichtet hatte und wieder mit halb versteiner­tem Gesichte h^mnging wenn nur der Graf am Leben blieb! Alles andere wollte sie gerne auf sich nehmen.

Das Aräulein Hetterfield schlief jetzt drüben auf der Ottomane im Atelier. Und die Frau Pro­fessor hatte vorhin ein langes Telephongespräch mit jemand geführt. Wenn man den Kopf nur nicht so wirr gehabt hätte! Uschi kam sich vor, als wäre sie erst vor einer Stunde aus dem Irren­haus entlassen worden.

Als etwas später die Klingel anschlug, fuhr sie zusammen, als wären es dje Leichenträger, bie Den Grafen Viktor holen tarnen. Es war aber nur bie Kommerzienrätin Dloem. Unb gleich barauf klingelte es wieder. Zwei Herren tarnen langsam bie Treppe herauf, der eine im Jagd» rock und mit halboerwaschenem Hut, und der andere in säuberlich gebürsteter Livree. Die Pro­fessorin tarn ihnen entgegen. Es fiel taum ein lautes Wort. Aber als bie Herren in den Korri­dor traten, streckte Hebwig Dloem bem im Iagd-

Saar und die Derbandsgenossen in der Tschechvslvwatei. Weiter wird die vom Verband zur Erschließung der deutschen Wander- gebicte seit Jahrzehnten geleistete Arbeit aufge­zählt und der wichtigsten Zukunftsaufgaben ge­dacht. Der Verband bittet bann einbringlich: Reiset, toanbert, erholt euch in Deutschlanbl" und ferner:Seid nicht nur Nutznießer der Ver­ba ndarbeit, sondern auch tätige Mitarbeiter in den Gebirgs- und Wandervereinen". Die Ent­schließung führt zum Schluß wörtlich aus:

In ganz besonderem Maße aber darf und muh bei den staatspolitischen Auswirkungsmöglichkeiten der in den deutschen Gebirgs- und Wanderverei- nen geleisteten Arbeit die Mithilfe der Re­gierungsstellen im Reich und in den Län­dern bei jeder Gelegenheit erwartet werden; denn fast ihnen allein ist es gegeben, durch gesetz­geberische Maßnahmen und Erschließung ge­eigneter Hilfsquellen einer im Dienste des Dolksganzen stehenden Arbeit zur vollen Ent­

faltung zu verhelfen. Ebenso ist an die Haupt- rerwal ung tee ieut'chen Reichsbahnges e l l- schäft und chren Nachgeordneten Stellen die dringende Ditte zu richten, durch verständnis­volle Tarifpolitik den Verkehr in Deutschland zu beleben und für alle Beteiligten nutzbringend zu gestalten. Riemand mehr sollte sich heute der Wahrheit verschließen, daß nur das rechte Wandern es ist, das die Menschen hinführt zum Gesundbrunnen Ratur, zu den Schönheiten der Heimat, zur echten Volksgemeinschaft und wahren Liebe zum deutschen Vaterland.

Daten für Montag, 18. Mai.

Sonnenaufgang 4.32 Uhr, Sonnenuntergang 20.11 Uhr: Monbaufgang 4.29 Uhr, Monbuntergang 21.47 Uhr.

1804: Napoleon I. wirb erblicher Kaiser; 1868: Zar Nikolaus II. von Rußland in Petersburg ge­boren.

Um die OZB.-Meisterschast. Eintracht-Frankfurt und Lp.-Bg. Fürth geschlagen.

Eintracht Frankfurt, die am Donners­tag nach dem vorsonn täglichen Spiel gegen Wor- matia Worms 120 Minuten gegen Fortuna Düsseldorf kämpfte unb bereits an biefem Sonn­tag wieder nach Hamburg zum HSV. gehetzt wurde, bezog dort eine 2:0-(l:0-)Rieberlage. Auch der süddeutsche Meister, Sp. -Vg. Fürth, wurde in Berlin von Hertha/DSC. mit 3:1 (2:0) aus dem Rennen geworfen. Die Fürther, noch ermüdet von dem Vorrundenspiel am ver­gangenen Sonntag in Leipzig, machten in Berlin gegen die frischere Hertha-Elf einen sehr müden Eindruck, wobei auch noch die glühende Sonnen­hitze viel beitrug. Als einziger süddeutscher Ver­treter konnte sich München 60 behaupten, das auf eigenem Gelände den Me ider icher Spielverein mit 4:1 (1:1) aus dem Rennen warf. Der vierte Teilnehmer der Vorschlußrunde ist Holstein Kiel, das in Dresden dem Dresdner SC. mit 4:3 das Rachsehen gab, obwohl die Sachsen bei der Pause noch mit 3:1 führten.

Kußbali in Hessen-Hannover.

Um bie Kasseler Stadtmeisterschast. Die Ausstiegsspiele.

Der Kampf um die Kasseler Stadtmeisterschaft am Samstag auf dem Platze des Ballspielve*"ins

Sport Kassel Spielderein Kassel 3:3 (0: wurde von beiden Parteien recht hart, oft sogar unfair, durchgeführt. Dis zur Pause dominierte auf Grund besseren Zusammenspiels der Spiel­verein und konnte dies auch in zwei Toren aus­drücken. Rach dem Wechsel erhöhte Sport seinen Energieaufwand und konnte so noch ein Unent­schieden erzwingen.

Das Privatspielprogramm am Sonn­tag war recht mager, zumal noch einige Spiele ausfielen. In Marburg trennten sich

Kurhessen Marburg Kurhessen Kassel 1:4 (1:1).

Die Gäste boten die bessere Gesamtleistung und siegten auch in dieser Höhe verdient.

Die Aufstiegsspiele zur ersten Dezirks- klasse nahmen den erwarteten Verlauf. Tura

Kassel siegte mit 4:2 (3:2) über Polizei Holzminden, Horas bezwang die Mar­burger Germanen mit 3:2. Rach Lage der Dinge dürfte sich nunmehr Polizei Holzminden trotz der sonntäglichen Riederlage denPlatz an der Sonne" gesichert haben.

Handballmeisterschast der DSV.

SB. Darmstadt 18"8 mit im Handball- Endspiel.

In den beiden Vorschlußspielen zur deutschen Handballmeisterschaft der DSD. qualifizierten sich der achtfache deutsche Meister, Polizei-Spv. Berlin und der fünffache süddeutsche Meister, Sportv. 1 898 Darmstadt, für das End­spiel, das am 31. Mai in Verbindung mit dem Endspiel der Frauen ausgetragen wird.

Bei den Frauen stehen die beiden Finalisten in den vorjährigen Endspielgegnern, dem deutschen Meister Viktoria Hamburg und dem deut­schen Altmeister Sportclub Charlotten- burg, bereits seit dem 3. Mai fest.

Bei den Herren besiegte am Sonntag die Berliner Polizei in Bamberg vor 2000 Zuschau­ern den süddeutschen Zweiten, Spielvereinigung Fürth, mit 13:5 (8:3) Treffern, während der süd­deutsche Meister, Darmstadt 1898, den Berliner Zweiten, Polizei Spandau, mit 11:8 (6:6) aus bem Rennen warf.

Deutsche Fechtmeisterschasteu.

Rachdern am Freitag zu Beginn der Deutschen Einzelfechtmeisterschaften des Deutschen Fechter» bunbes burch Eisenecker - Frankfurt a.M. bie Meisterschaft im Florettfechten an Frank­furt fiel, konnte am Samstag bei den Kämpfen um bie Degen Meisterschaft wiederum ein Frankfurter Vertreter den Meistertitel sich sichern. Mit zehn Siegen bei acht erhaltenen Treffern wurde Rosenbauer - Frankfurt deutscher Degenmeister und Rachsolger des Titelvertei­digers Halberstadt -Offenbach, der diesmal zusammen mit Lt. Le r d o n - Spandau auf dem dritten Platz endete. Insgesamt 42 Rennungen waren eingegangen, so daß es zahlreiche span­nende unb hartnäckige Kämpfe gab.

Am gestrigen Sonntag würbe Moos- Berlin (früher Frankfurt) Meister im Säbelfech­ten, während bie Meisterschaft im Florett­

rock beide Hände entgegen.Ich bitte Sie, Egon, sagen Sie Ihrem Sohne nicht, was wir von ihm gedacht haben."

Und der alte Herr es muhte Wohl Lippstädis Datcr sein neigte sich schweigend über ihre Hand. Dann gingen sie nach dem Schlafzimmer, wo Viktor lag. Auch die Livree war mit einge­treten. Und nun war wieder Stille. Drinnen mochten sie Wohl nur flüstern.

Ein breites Sonnenband legte sich über den blankgewichsten Boden der Küche. Der Uschi taten die Augen Weh vom Weinen und nurt von der Helle, bie ihr entgegenfiel.

Die ganze Rächt hatte sie bie Lider offenge­halten und den armen Kopf zermartert mit Selbstvorwürfen und Gedanken, wie es Wohl kommen würde mit dem armen Lippstäbter. Die Ratur verlangte gebieterisch ihr Recht. Sie setzte sich auf ben Hocker unb legte bie Arme über ben Tisch. Als Ulla eine Viertelstunde später eintrat, fand sie Uschi schlafend.

Mit einem verzeihenden Lächeln drückte sie bie Türe geräuschlos ins Schloß.

Wenn der Herrgott sich des armen Viktor er­barmte, bann wollte auch sie gerne Milbe für Recht walten lassen und der Uschi die Rachlässig» feit einer Stunde nicht mehr nachtragen. Von den Menschen war schließlich doch einer auf ben anderen angewiesen.

Als Ulla Setterholm die Treppe zu Lutz' Woh­nung nahm, hörte sie, daß ein Schritt ihr folgte. Sie drückte bie Finger auf bie Klingel unb schlüpfte, kaum baß Gerb geöffnet hatte, in ben Korribor.

Draußen räusperte sich jemanb, bann surrte das Läutewerk auf. Eie legte ben Finger an bie Lippen unb verschwand im Arbeitszimmer des Reffen.

Gerd warf sich in Positur, bevor er den Mes­singknopf zurückdrückte. Eine Helmspitze tauchte auf. Zwei Wildlederhandschuhe hielten ein Rotiz- buch umspannt.Ist Herr Setterholm inzwischen zurückgekehrt?"

Leider nein, Herr Wachtmeister.

Das Rotizbuch verschwand in der Tasche des langen Mantels. ..Das ist sehr bedauerlich. Und Sie wissen auch die derzeitige Adresse nicht?"

Rein!

Der blankgewichste Schuh stand zwischen Schwelle unb Flur.Dann muß sich bas Gericht selbst darum bemühen. Die Aussage von Herrn Setterhvlm ist sehr schwerwicBenb zur Ausllärung des Tatbestandes. Er ist dör einzige, der Aus­kunft geben tonn, wie sich die Sache in der Prinz» Eugen-Strahe 86 womöglich abgespielt hat. Er wurde um bie fragliche Zeit im Treppenhause gesehen."

Gerb perlten die Schweißtropfen auf der Stirne unb der Beamtete mutzte seine Aufregung un­

bedingt gewahr werden. Run zitterte auch die Stimme noch, als er sagte:Sie werden boch unmöglich von der Annahme ausgehen, bah Herr Setterholm die Tat selbst begangen hat!

Das löste ein herzhaftes Lachen des Beamten aus.Ratürlich nicht! So war es auch nicht ge­meint. Riemand kommt auf den verrückten Ein­fall, bah ber Chef bes Hauses Setterholm einen Kassenboten überfällt und ihn geknebelt in den Keller wirft.

Einen Kassenboten überfallen... Gerd rang nach Luft.

..2a! Sie haben Wohl noch gar nicht davon gehört? Es steht doch in allen Zeitungen." Gerd hatte seit ber gestrigen Rächt keine Zeitung mehr attgerührt.Der alte Mann machte bie Runbe im Bezirk, um Gasrechnungen einzukassieren. Da hat ihm einer, der jedenfalls orientiert war, aufgelauert, ihn niedergeschlagen unb in ben Keller geschleppt. Man fanb ihn dort gegen zehn Ahr abends bewußtlos auf. In der Rächt ist er bann gestorben. Der Schlag war etwas gar zu derb geführt worden."

Der Kommissar sah in Gerbs Gesicht, das Grau in Grau spielte.Rachforschungen ergaben, bah Herr Setterholm gegen sechs Ahr nach ber zwei­ten Etage ging, bort eine Zeit verblieb unb bann, scheinbar in großer Eile, toieber zurückkam. Anb so ungefähr um biese Zeit muh ber Aeberfall gewesen fein.

Enblich hatte ©erb den letzten Rest der Be­klemmung abgeschüttelt. Run es nicht mehr um das Leben des Gebieters ging, zeigte er ein Ent­gegenkommen, bas unbegrenzt war, versprach an alle Firmen, bei Denen Herrn Setterholm womög­lich Station machte, zu telephonieren, um ihn so halb als möglich zu erreichen unb seine Rückkehr zu beschleunigen.

Der Beamte war mehr als erfreut Die beiden Männer drückten sich sogar die Hand, als sie auseinandergingen. Sowie Rachricht eintraf, wollte Gerb bie Beamten verstänbigen.

Uff! machte er unb sank geradewegs in einen der Korbstühle in der Diele. Weiter hatten die Fühe ihn nicht mehr zu tragen vermocht.

Lutz' Arbeitszimmer tat sich auf und beim Anblick der Tante seines Gebieters nahm er sich zusammen.Weih denn jemand um die Sache? fragte sie deprimiert

Run konnte er sich nimmer helfen, ilnb vor ihr gab es auch kein Leugnen und Vertuschen. Die Professorin wußte soviel wie er, wenn es nicht noch mehr war.Ist der Graf wirllich tot, gnädige Frau? Sein Mund war ganz verschoben, als er das fragte.

Gott sei Dank lebt er. Aber knapp am Sterben ist's vorbeigegangen." Sie gab ihm kurz über alles Bescheid. Sann sprach Gerd. Auch Alla hatte von dem Aeberfall auf den Kassenboten

fechten ber Damen in Abwesenheit von Helene Mayer-Offenbach an Frl. Merz - Rüde-- heim fiel.

Oie Deutschland-Rundfahrt.

Die Deutschland - Rad - Rundfahrt wurde am Samstag mit ber zehnten Etappe von Berlin aus in einer Schleife über Leipzig, Halle nach Magdeburg über eine Strecke von 268,6 Kilometer fortgesetzt Im Endspurt siegle ber Franzo'e Barthelemy in 9:0?,25 vor ben Deutschen Buse und S t ö p e l und dem Belgier Martin. Im Gesamtllassement hat sich nicht viel geändert Metze (Dortmunds führt mit einer Fahrzeit von 88:59,34 und 112 Punkten vor dem Dresdner Thierbdch mit 89:00,50 unb dem Luxem­burger Ricolas Frantz mit 89:03,49. In der Länderwertung liegt Deutschland vor Frankreich und ber Gemischten Mannschaft an der Spitze.

Die elfte Etappe der Deutschland-Rundfahrt verlief wieder äußerst ruhig. Die Strecke von Magdeburg nach Hamburg betrug 245,4 Kilometer iqib war sehr eben. Im Lause der gan­zen Fahrt entwickelte sich nur eine Iagd, bie von Frantz und van Druaene angezettelt wuroe. Rach 15 Kilometer war jedoch wieder eine Spitzen­gruppe von 20 Fahrern beisammen. Im Endspurt zeigte sich der Franzose Darthölemy über­legen und siegte vor Metze unV dem Oesterreicher Bulla in 9:21,20 Stunden. Im Gesamtllassement gab es keine Veränderungen; iw der Einzelwer­tung führt nach wie vor der Deutsche Metze vor seinem Landsmann Thierbach und dem Luxem­burger-K. Frantz, im Ländert lassement hat Deutschland toieber die Führung vor Frankreich unb der Gemischten Mannschaft.

Neuer Krauen-Weltrekord.

Die englische Mittelstrecklerin Miß Gladys Lunn konnte einen neuen Weltre korb im 1000-Meter-Lauf auf stellen. Sie burch- lief die Strecke in 3:04,4 und unterbot damit bie von Frau Radke, Breslau, gehaltene Best­leistung um zwei Sekunden.

Rhön-pfingstweitbewerb.

Zu dem an den Pfingstfeiertagen auf der Wasserkuppe in der Rhön stattfindenden Iung» flicgertreffen undModellflug-Wett- be toe r b des Deutschen Luftfahrt-Verbandes werden mehr als 400 Iungflieger aus allen Tei­len des Reiches herbeieilen. Am Pfingstsamstag findet ein Fackelzug zum Rhön-Denkmal statt, wie eine Gebenkfeier für bie Toten ber Fliegerei abgehalten wird. Der Sonntag ist für ben Mo­dell-Wettbewerb freigehalten, für Den mehr als 200 Modelle, darunter sehr beachtliche Reukon» ftruttionen, angemelbet sind. Am Montag finden Vorführungen des Forschungsinstituts der Rhön» Rossitten-Gesellschaft statt, für die sich der neue Rekorbflüger Groenhoff zur Verfügung ge­stellt hat. Außerdem wird zum ersten Male bas auf der Rhön im Auftrage des Ozeanfliegers K v e h l gebaute Motor-Rurflügelflugzeug gezeigt werden.

Ein lohnendes Geschäft.

Der Boxer-Weltmeister Max Schmeling hat an seiner jetzt beendeten Schaukampfreise durch die Vereinigten Staaten 72 000 Dollar, also 302 400 Mark verdient. Schmeling wird von seinem Kampf gegen Stribbling am 3. Juli in Cleveland 40 Prozent ber Rettoeinnahme er­halten, während Stribblingnur 12,5 Prozent als Herausforberer zustehen. Man rechnet mit einer Gesamteinnahme von 950 000 Dollar, also nahezu vier Millionen Mark.

nichts gehört. Man hatte genug mit sich selbst zu tun gehabt. And bie Uschi, bie sonst alle Reuig- feiten wußte, war auch nicht bazugekomyien, es bei einem kleinen Tratsch zu erfahren. Von Gerd erfuhr Alla auch, wie sich die Katastrophe im Atelier abgespielt hatte, und daß Evelin mit bem Drüber geflohen war.

Man muß ihn zu erreichen suchen", sagte sie nachdenklich.Hat er denn nicht gesagt, wohin er fährt?"

Er wollte nach Frankfurt und von dort den Kanal erreichen!"

Jessas na, so ein Blödsinn! Als wann einer heutzutag mit einem so großen Wagen noch aus- fneifen könnt! Anb alles um nix! Sie Evelin, bas arme Hascherl, tut mir am meist'n leib."

Anb dann tat Gerd das Klügste, was zu tun war: Er fragte in Frankfurt und bei noch einem Sutzend anderer Firmen in anderen Stäbten an, ob Herr Setterholm nicht vorgesprochen habe ober boch wenigstens gesehen worden war.

Es war nicht der Fall gewesen.

And wahrend Gerb und Alla sich der Ver­mutung Hingaben, daß die beiden womöglich schon den Kanal erreicht hatten, fuhren Lutz und Evelin den breiten Boulevard von Budapest hinab.

Diesen Abend schliefen sie. das erstemal feit achtundvierzig Stunden, wieder in einem Bett. Sie hatten, um jeden Verdacht zu vermeiden, ein kleines privates Absteigequartier gewählt und sich als Mann unb Frau in bie Meldeliste ein­getragen. Sie alte Same, bei der sie wohnten, sah in ihnen ein Paar, bas seine Flitterwochen kostete. Sie war ganz Güte unb Entgegenkommen. Ach, es gab noch Menschen, bie sich liebten! Anb ber junge schöne Mann mit ber vereinzelten grauen Strähne an ben Schläfen vergötterte das schöne zarte Weib.

Es war heiß in bem kleinen Mansardenzimmer. Obwohl bie Türe nach dem Heinen Balkon offen stand, brannte bie Hitze von ben Wänden. Eve war völlig erschöpft. Sie Angst um Lutz, die Hetze und alles andere hatten das ihre getan, sie völliger Apathie nahezubringen.

Lutz war rührend in seiner Sorge. Er deckte baS Bett für sie ab, kniete nieder und half ihr die Schuhe abstreisen. Als unten an der Gartentüre die Klingel anschlug, sprang sie nach dem Balkon und sah hinab. Es war nur ein Briefträger, Zärtlich, wie eine Geliebte, strich sie über Lutz' Wangen.

Er saß bei ihr, bis sie eingeschlafen war und hielt ihre unruhigen Finger in den seinen. Heber sie geneigt, wartete er noch eine Weile, rief sie zweimal laut beim Ramen, unb als sie nicht er­wachte, verlieh er auf ben Zehenspitzen den Raum.

(Fortsetzung folgt.)