Ser Erfinder der Wolkenkratzer gestorben.
1
\ r
Links: 2 er oi) S. Buffington, der Vater des Wolkenkratzerbaues. — Rechts: So wurde durch ihn das Städtebild Amerikas: Die phantastische Wolkenkratzer-Silhouette von Chikago.. — In Minneapolis (Minnesota) starb 83jährig der amerikanische Architekt Leroy S. Buffington. Er erfand vor vielen Jahren das Wolkenkratzerbausystem, das sich in Kürze über ganz Amerika verbreitete: Buffington selbst hatte so gut wie gar keinen Gewinn von seiner Erfindung, die die amerikanische Stadt in iyrer heutigen Form geschaffen hat..
SJl.-'fpont
Spielvereinigung 1900 Gießen.
1900 unterliegt in Fechenheim 0:7 (0:1).
Die Gießener muhten dieses Gesellschafts-Rückspiel ohne den etatsmähigen Mittelläufer und Mittelstürmer bestreiten. Bis zur Pause leisteten die Dlauweihen noch kräftigen Widerstand. Die beiden ersten klaren Torchancen hatte Gießen. Die scharfen Schüsse aus freier Schußstellung waren aber zu schlecht placiert. Mitte der ersten Spielhälfte ging Fechenheim in Führung. Ein Borstoß des rechten Gästeslügels ergab eine schöne Flanke und da der rechte Läufer nicht zur Stelle war, konnte Fechenheims Halblinker mühelos zum ersten und einzigen der ersten Halbzeit einsenden. Gleich nach der Pause kamen die Plahbesiher zu ihrem zweiten Treffer im Rachschuh und damit erlahmte der Giehener Kampfgeist ganz beträchtlich. 3n wenigen Minuten stand das Spiel 3:0 für Fechenheim und damit wurde man auch leichtsinnig in der Giehener Deckung, sonst konnten zwei bis drei Treffer weniger gebucht werden. Das Spiel war beiderseits sehr fair, die Spielleitung vorzüglich. Bei den 1900em versagte mit Ausnahme von Zeiler, Brambach, Iäckel und Glitsch alles. Der Sturm, sonst die Hauptwaffe, spielte das mähigste Spiel dieser Saison.
Mit den Leistungen der Reserve konnte man eher zufrieden sein. Rach ständiger Aeberlegen- heit siegte die Mannschaft gegen die erste von Hermannstein mit 5:3 Toren. 3n der Halbzeit stand das Spiel 3:1 für 1900 und wurde in der Folge sicher gewonnen.
Spielvereinigung 1926 Leihgestern.
Leihgestern I — Dutenhofen I 10:3 (6:1).
Am Sonntag weilte die 1. Mannschaft des Sport- l Vereins Dutenhofen zu einem Gesellschaftsspiel in Leihgestern. Nach kaum 10 Minuten Spielzeit konnte 7 Dutenhofen die Führung übernehmen, dem aber
Leihgestern nach einigen Minuten den Ausgleichstreffer entgegensetzte. !Nach diesem Erfolg kamen die Platzbesitzer immer mehr auf und brachten eine ständige Ueberlegenheit in fünf Toren zum Ausdruck. Nach dem Wechsel erwies sich Leihgestern weiter überlegen und konnte noch viermal einsenden,'während die Gäste nur noch zwei Tore erzielen konnten. Der Kampf hatte in Schiedsrichter Enders, Gießen, einen gerechten Leiter.
Handball der Turner.
TV. Sich! - Tb. Allendorf (Lahn)! 1:1.
Am Sonntag trafen sich die beiden Mannschaften in Allendorf zu einem Gesellschaftsspiel. Die Allendorfer konnten dabei die im Vorspiel erlittene Riederlage wieder wettmachen. Allerdings kam ein äußerst hartes Spiel zustande, dem der Schiedsrichter leider nicht ganz gewachsen war.
Arbeiter-Turn- und Sportbund.
Heuchelheim I — Gießen I 0:5.
Heuchelheim hatte sich die erste Mannschaft von Gießen zu einem Freundschaftsspiel verpflichtet. Die Einheimischen, die mit Ersah antraten, muhten alles hergeben, um den Gästen ein gleichwertiges Spiel zu liefern. Gießen konnte bald die Führung übernehmen und außerdem in gleichmäßigen Abständen noch viermal dem Schlußmann des Gegners, der reichlich unsicher war, das Rachsehen geben. Den Einheimischen blieb jeder Erfolg versagt.
Vorher standen sich Heuchelheims Jugend und Rodheims Jugend im Freundschaftsspiel gegenüber. Die Mannschaften trennten sich mit einem Unentschieden von 1:1.
Gießen Ib — Grunberg 1 0: 3.
Grünberg stellte eine flinke, kampffreudige Mannschaft ins Feld und die Giehener muhten
Der Bann der das Lachen verlernt hat.
Vornan von Gert Gothberg.
. -Copyright b\ Martin Feuchtwa ger Holle iDaole) 10 Fortsetzung Nachdruck verboten
An einem hellen Frühmorgen ging Graf Kent- ner zum Bahnhof. Er wählte stille Rebenstrahen, um niemandem zu begegnen. Von fern hörte er Musik. Ein Regiment rückte aus!
Graf Kentner war es plötzlich, als hätte er Bleigewichte an den Füßen. 3n den Augen brannte es.
Eine Augenblicksschwäche, dann richtete er sich hoch auf. Vorbei! Es ging einem neuen Leben entgegen.
Ganz in Gedanken versunken, ging er durch die enge Straße, deren alte Häuser mit ihren Erkern und Dalkonen so friedlich in der Sonne lagen. Auf einem dieser sonnenüberfluteten Bal- kone stand eine junge, blonde Frau. Sie drückte ein Weihes Bündel zärtlich an sich.
Gros Kentner zuckte zusammen.
Annerl Wendsbrück! Mit ihrem Kinde, das erst wenige Wochen alt war. Wie hatte er nur vergessen können, dah Wendsbrücks in dieser Strahe wohnten!
Run war es zu spät, umzukehren, denn gerade sah die junge Frau auf die Strahe herunter. Sie sah den hochgewachsenen Mann im Hellen Reiseanzug — den Mann, der jetzt tief den Hut zog.
Und das Annebl nickte, und aus den blauen Augen stürzten die Tränen, kollerten über die rosigen Wangen.
Da ging Graf Kentner um die Ecke, dem Bahnhof zu. An der Kreuzung sah sie ihn noch einmal, dann nichts mehr.
„Armer Kentner, armer, lieber Kentner", dachte die junge Frau, und ihr heihes Mitleid war mit ihm.
Als der Zug Wien verlieh, lehnte sich Graf Kentner tief in sein« Ecke zurück und vertiefte sich in seine Zeitung. Erst nachdem der Zug schon fast eine Stunde gefahren war, sah er hinaus. Richts mehr von Wien! Ah, wie gut das war! Sie konnte einem fast festhalten, die schöne, frohe, lachende Stadt. Sie lieh die Menschen nicht ohne weiteres los.
Und es hatte doch sein müssen!
Und dah es nun vorüber war, war gut! Sehr gut!
3hm gegenüber sah eine junge Dame. Sie sah interessiert in das braune, schöne Männergesicht, doch Graf Kentner schenkte ihr keinen Blick. Frauen? Weg mit ihnen von seinem Lebenswege! Auf diesem Wege würde in Zukunft nur Arbeit sein.
Gräfin Kora las ihrem Gatten vor. Sie gähnte wiederholt dabei und verbarg nur mühsam ihre Unlust, bei dem gelähmten Manne zu sitzen. Draußen in der Welt war rauschendes, lockendes Leben, und sie verwelkte hier. Aber sie war klug genug gewesen, ihre Position, diese gesicherte, behagliche Situation nicht zu leichtsinnig aufs Spiel zu sehen. Es bot sich ab und zu Gelegenheit, aber es schien ihr nie eine sichere Sache zu fein. So trieb sie einen Flirt eben doch nicht auf die Spitze. So viel wußte sie längst: so verliebt der Graf in sie war, war er doch imstande, ihr die geringste Untreue so hoch anzurechnen, dah er sie verstteh.
Das durfte nicht sein! Zurück zum Zirkus wollte sie nicht.
Sie war noch so jung. Wenn ihr Gatte starb, war es immerhin möglich, dah sie dann noch jung und schön sein würde, und dann wollte sie das Leben doppelt genießen.
Aber vielleicht wäre sie doch nicht so still in Schloß Kentnerhof geblieben, wenn nicht in ihr die Hoffnung gewesen wäre, dah Graf Karl eines Tages doch wieder nach Hause kommen würde.
Sie liebte ihn!
3hr vermeintlicher Hah war längst wieder verflogen. Mit allen Fasern ihres Herzens sehnte sie ein Wiedersehen herbei. Und diesmal wollte sie es anders anfassen.
3hr Gatte aber rief den Sohn nicht heim und von selber kam der nie. War ihr Mann eifersüchtig auf den Sohn?
Kora lachte bei diesem Gedanken höhnisch auf. Rief er deswegen den Sohn nicht heim, weil er eifersüchtig war?
„Du bist zerstreut, Kora. Lies nicht mehr! Es ist kein Genuß, wenn ich merken muh, dah du keine Lust zum Dorlesen hast", sagte der Graf verdriehlich.
Das Buch flog in die Ecke, zvrnbebend stand die junge Frau auf.
„3ch opfere dir meine 3ugend, und du dankst es mir durch Üble Laune? Recht hübsch ist das, das muh man schon sagen."
Der Graf ergriff ihre kleine Hand.
„Kind, verzeih'. Aber führe mich doch einmal in mein Arbeitszimmer hinüber. 3ch möchte dir etwas schenken."
Kora verbarg ihr Triumphlächeln hinter einer besorgten Miene.
„Wird dir das Laufen nicht zuviel? Der Diener mag dich doch lieber im Rollstuhl hinüberfahren?"
„Rein, lah gut sein, Kora. 3ch möchte schon lieber gehen. 3ch will mich doch wieder ans Laufen gewöhnen."
So war er immer. Er wollte um nichts in der Welt an sein Gebrechen erinnert werden. 3mmer sprach er davon, daß es nun wieder besser würde. War er heftig intb aufbrausend, ja,
sehr aus sich herausgehen. Es gelang den Grünberger Gästen bald, die Führung zu übernehmen und schließlich auch als Sieger vom Platze zu gehen.
Vorher hatte die 3. Mannschaft des Platzbesitzers die 2. Mannschaft von Grünberg zum Gegner. Hier gelang es den Einheimischen, die Gäste mit einer 6:2-Riederlage zu entlassen.
Wieseck ! — Matze- born I 9:1.
Der Meister der zweiten Dez.rksklasse, Watzenborns 1. Mannschaft, war zum Freundschaftsspiel in Wieseck zu Gast. Wieseck trat zu diesem Spiel in veränderter Aufstellung an, die sich gut bewährte. Bald gelang es den Einheimischen, die Führung zu übernehmen, während die Angriffe der Watzenborner an der sicheren Abwehr der Einheimischen scheiterten. 3n gleichmäßigen Abständen erhöhte dann Wieseck die Torzahl und nur einmal gelang es den Gästen, erfolgreich zu fein.
Vorher lieferten sich die ersten Zugendmannschaften beider Vereine ein schönes Spiel. Wieseck erwies sich dem Gegner gegenüber technisch und taktisch überlegen und siegte verdient mit 5:0.
Lollar I — Hungen 1 3:2.
Dom Anstoß ab legten sich die Gäste aus Hungen mächtig ins Zeug und konnten bei Halbzeit mit 2:0 führen. Rach Seitenwechsel kam aber Lollar in Fahrt und der Ausgleich ließ nicht lange auf sich warten. Mit einem Tor: Unterschied entschieden die Plahbesiher das Spiel für sich.
Sauerland-Skimeisterschasten.
3n Villingen führte der Skiklub Sauerland am Sonntag seine mehrfach ausgefallenen Sli- meisterschaften durch. Den 16-Kilometer-Langlauf gewann Engelbrecht (Dillingen) in 1:26:21, im Gelände'lauf siegte Vaumgarten (Darmstadt), der auch den Sprunglauf für sich entschied.
Skispringen in Oberschönau.
Derschiedene der an den F3S-Rennen in Oberhof beteiligten Springer folgten einer Einladung nach Oberschönau und zeigten dort ihre Kunst. Die Rorweger Brüder Birger und Simund Ruud, Kolteruud, die Schweden Reidar und Andersen und Erich Recknagel bewältigten dabei Weiten Über 60 Meter. Den besten Sprung des Tages erreichte Kaufmann (Grindelwald) mit 64,5 Meter.
9.Zahnschwimmen in Halle.
Jleun neue DT.-Bestleistungen.
3m festlich geschmückten Stadtbad zu Halle wurde am Samstag und Sonntag das 9.3ahn- schwimmen durchgeführt. Bereits am ersten Tage wurden drei neue DT.°*Lestleistungen erzielt, und zwar in der 4x5 0 - Meter - und 10X5 0-Me° ter-Dru st staffel mit 2: 31,5 bzw. 6: 37,4 von der Turngemeinde Mühlhausen und in der 6X5 0 - Meter-Kraul staffel vom Kölner SC. 06 mit 3:05,3. 3m Wasserballspiel siegte der DT.- Meister, Turnklub Hannover, überlegen mit 9:X) (4: 0) über die Tgde. Weißensee und der Hallesche TSV. über Eintracht Leipzig mit 4:3 (2:1). — Am Sonntag war das Stadtbad bis auf den letzten Platz beseht und auch die Leistungen waren wiederum überaus gut, so daß noch weitere sechs Bestleistungen aufgestellt werden konnten. Einen Außenseitersieg gab es in der 4X100-Meter-Bru st staffel, die der ATV. Berlin in neuer Bestzeit von 5:39,6 (bisher 5: 41) vor der Tgde. Mühchausen gewann. Das abschließende Wasserballspiel brachte eine katastrophale Riederlage des Halleschen TSB. durch den Turnklub Hannover mit 2:14 (1:8).
Zechten im Mittelrheinkreis der OT.
Die diesjährige Tagung der Gaufechtwarte des Mittelrheinkreises fand in Hanau statt. Der 3ahresbericht des Kreissechtwarts G. Eisner, Mainz, zeigte, daß das Turi^erfechten sich im
MEZ
Die 4-Pfennig-Marke mit Dem Porträt des deutschen Reichspräsidenten, die aus Anlaß der Porto Herabsetzung für Drucksachen herausgegeben wird.
Kreis weiter günstig entwickelt hat. Der stark« Zuwachs an Fechtern bedingt es, daß die Zahl der Altmannen erhöht wird. 3n Zukunft werden außer der Kreissonderklasse bei ben Kreismeisterschaften noch weitere 41 Fechter^uHelassen.
An die Tagung schloß sich eine eindrucksvoll« Ehrung für den Fechtwart der DT. Ludwig Stassen, Hanau, an, der am 7. Februar seinen 60. Geburtstag gefeiert hat. Als Vertreter der DT. überreichte DT.-Schwimmwart Direktor Bitsch, Frankfurt a. M., dem verdienten 3ubi- lar den Ehrenbrief der Deutschen Turnerschaft. 3m Auftrag der Stadt Hanau und des preußischen Staates übernahm Stadtrat Dr. Gans- mann die Ehrung des 3ubilars. Er überreicht« die Plakette des preußischen Ministers. Tur- nerische Vorführungen umrahmten die Feier.
Schmeling —Stribling am 19.3uni.
Rach einer amerikanischen Zeitungsmeldung soll der Weltmeisterschaftskampf zwischen dem beut* schen Titelhalter Max Schmeling und dem Amerikaner QJoung Stribling nunmehr endgültig abgeschlossen sein und am 19. 3uni auf dem Saldier - field bei Chicago ftattfvnben. Der Präsident der Reuyorker Madison Square Garden-Gefellschaft, Carey, weilt gegenwärtig in Chicago und soll di« Verträge mit beiden Boxern getätigt haben.
Stuhlfauth nicht mehr aktivr
Heinrich Stuhlfauth hat sich nach 20jährigen Tättgkeit beim 1. FC. Rürnberg entschlossen, seins einzigartige sportliche Laufbahn abzuschließen. Der „Heiner" vertrat die Farben des DFB. in 21 Länderspielen und hält damit unten den deutschen internationalen den Rekord.
Kurze Sportnotizen.
Eine deutsche Reitermannschaft wird sich unter Führung von Frhrn. v. Waldenfels am internationalen Reitturnier in Rom vom 2. bis 10 Mai beteiligen und den Italienern so den Gegenbesuch für ihr Erscheinen in Berlin abftatten.
♦
DieStadtmannschaft von Nürnberg« Fürth besiegte im Kölner Stadion vor 20 000 Zuschauern die Kölner Stadtelf 2:0 (1:0). Beidi Treffer erzielte der Mittelstürmer Schmit).
*
Cilly Auh«m erlitt im Finale des Gemischten Doppels um die südfranzösische Meisterschaft in Rizza mit dem Franzosen Boussus als Partner eine 2:6-, 4:6-Riederlage durch Frl. Thomas- Hillyard. Boussus wurde auch im Einzel von Rogers 4:6, 0:6, 6:3, 6:4, 6:0 geschlagen, bei den Damen siegte Frau Satterthwaite 6:1, 6:3 über Frl. Marjollet und im Doppel mit Frl. Thomas 6:1, 6:1 über Frl. Martin-Marjollet.
vielleicht auch einmal ungerecht, dann bereute er es schon im nächsten Augenblick, und dann schentte er ihr meist irgendein kostbares Stück des alten Familienschmuckes.
Doch heute würde sie sich nicht mit einem Ring abfinden lassen. Heute wollte sie das Diadem. Ein Vermögen war es wert, ein großes Vermögen.
Kora blickte zu dem alten Herrn auf, der viel größer war als sie. Lind fein Sohn war noch größer! Die Grafen von Kentner waren alle wahre Hünen. Sie hatte das festgestellt, als sie einmal drüben durch die Ahnengalerie geschritten war.
Die Ahnengalerie!
3n nächster Zeit kam ein berühmter Maler, ein 3ta(iener. Der sollte die jüngste Gräfin Kentner malen. Run, darauf freute sich Kora jetzt schon. Lind auf dem Bilde mußte sie eben auf jeden Fall das berühmte Diadem tragen. Einige der Ahnfrauen trugen es. Alle nicht! Aus ihre Frage hatte ihr ihr Gatte erzählt, dah ein Fluch an dem Diadem hänge und dah einige der Gräfinnen es aus diesem Grunde verschmäht hatten, es zu tragen.
Kora reckte ihre biegsam«, schlanke Gestalt hoch.
Sie war nicht abergläubisch. Sie wollte das berühmte, berüchtigte Diadem tragen.
Lind heute, gerade heute sollte ihr Gatte es ihr schenken.
Aus seinen schweren Stock gestützt, den linken, wie leblos herunterhängenden Arm hatte Kora sich um die Schulter gelegt, um ihn so auch zu stützen und zu führen, schleifte der Graf durch das Zimmer, um in fein Arbeitszimmer zu gelangen.
Da erschien der Diener. Auf silbernem Tablett trug er ein Telegramm.
Der Graf sagte:
„Darf ich dich bitten, Kora?"
Die junge Frau rih das Telegramm auf.
„Eintreffe heute gegen acht Lihr. Karl."
Ein Heller Schein ging über dqxs Gesicht des alten Herrn.
„Kommt er also doch einmal von allein? Run, das freut mich aufrichtig, Kora. Du wirst nun leider ein bißchen Arbeit bekommen. 3osepha ist ja sehr tüchtig, doch ein bihchen anordnen möchtest du doch vielteicht selbst. Das versteht sie nicht so, die gute Alte."
„3a, gern. Soll's etwas Besonderes sein?" fragte Kora hastig, und ihre Weißen Hände zitterten.
„Ra, ja. Doch vielleicht eine klein« Festtafel? Du hattest an meinem Geburtstage einen guten Geschmack entwickelt, Kora. So ähnlich könnte es fein.“
Graf Kentner sah vor sich hin. Er schien noch irgend etwas auf dem Herzen zu haben, fagte es aber nicht.
Sie sahen dann gegen Qtbenb noch auf der Holzveranda an der Westseite des Schlosses und genossen den Sonnenuntergang. Koras Gesicht hatte einen seltsam verträumten Ausdruck. 3hr« Hände strichen ab und zu über das länglich« Kästchen, in dem das kostbare Diadem ruhte.
Run gehörte es ihr!
Dieses Schmuckstück allein würde ihr« Zukunft sorgenfrei gestalten, wenn irgend etwas kam, was sie aus dem warmen Rest vertrieb. Aber es würde nichts kommen. 3m Gegenteil, immer fester wollte sie sich hineinsehen, so oder so!
Ganz fest behielt Kora, die Tochter der Zigeunerin, die Strahe im Auge, die der junge Graf kommen muhte. Der Wagen war bereits zur Station gefahren.
Ein mihttauischer Blick des alten Herrn traf das schöne, junge Weib.
„Tu freust dich?"
Koras Augen schlossen sich halb.
„3a, ich freue mich so sehr, dah du mir dieses Schmuckstück geschenkt hast. Aber was wird dein Sohn dazu sagen?"
„Richts! Karl war nie gehässig."
Kora nahm ein paar der roten Gebirgsnelkeir, die über die Brüstung hingen und steckte sie sich in den Gürtel ihres weihen, duftigen Kleides. Lind dabei dachte sie:
Gehässig? Rein, das ist er nicht. Es würde auch schlecht zu seiner schönen, stolzen Persönlichkeit passen.
Lieber die Holzgalerie kam der Diener mit der Abendpost. Kora, die sonst auf diesen Augenblick wartete, beachtete es jetzt gar nicht. Sie blickt« immer noch auf die Landstraße hinunter. Lind sie bemerkte nicht einmal, wie scharf ihr Mann sie beobachtete und wie sich allmählich ein höhnischer Zug um seinen Wund legte.
Er nahm seine Postsachen in Empfang und schob ihr die ihren zu, die in der Mehrheit aus Modejournalen und Schneiderrechnungen bestanden. Kora trieb einen Aufwand, der bei dem immerhin zurückgezogenen Leben nicht angebracht war, was er aber billigte, weil es ihm Späh machte, sie _ täglich in einem neuen Kleide zu sehen. Lind über die hohen Rechnungen lächelte er.
Aber jetzt blieb sein Gesicht finster. Seine eigene Post machte ihn auch nicht besserer Laune. Da war ein Brief seines Bankiers, der ihm meldete, daß eine Spekulation völlig verfehlt gewesen sei und dah man wahrscheinlich auch bei dem Krach der Kroner-Beer-Dank stark in Mitleidenschaft gezogen würde.
Dann waren nych einige Ansichtskarten alter Freunde, die sich auf Reisen befanden. Der eine davon war auch mit einer viel jüngeren Frau verheiratet, und er war sehr glücklich geworden^
(Fortfetzung folgt.)


