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Nr. 41 Erster Matt

181. Jahrgang

Mittwoch, 18. Februar (931

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Chefredakteur

Dr Fnedr Wilh. Lange. Derantworllich für Dolitib Dr Fr Milh Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter^ sämtlich in (Bie len

politische Sprachenstaiistik im Elsaß.

Don unserem 8-Berichterstatter.

Dach druck, auch mit Quellenangabe, verboten! Straßburg, Februar 1931.

Zwei Sprachenstatistiken haben die Franzosen bisher im Elsas) durchgeführt, bei den beiden allgemein«^ Bolkszählungen, die seit dem Kriege stattfanden. Die Ergebnisse der ersten haben sie nicht veröffentlicht, aber sie hatten hin­reichend daraus gelernt, um der zweiten von vornherein ein Ergebnis zu sichern, das sich sehen lassen konnte vor den Augen von Franzosen und von allen, die ihnen gerne glauben. Dach fast fünf Jahren erst ist diese Statistik über die sprachlichen Verhältnisse Elsast-Lothringens, die den Stand des März 1926 wiedergibt, kürzlich veröffentlicht worden. Hnb wenn einer diese Sta- ttsttk zur Hand nimmt, und seststellt, daß es an Einwohn er n, die nur Deutsch spre­chen, im Hnterelsaß noch 9142, im Oberelsah noch 3737 und in Lothringen noch 55105, in ganz Elsah-Lothringen mithin 68 984 gibt, das; also zehn Jahre französischer Herrschaft genügt haben, um die deutsche Sprache auf dieses Dichts herabzudrücken, dann hat er zwar nicht gerade die Wahrheit, aber immerhin etwas gesagt, was er aus der neuen Sprachenstattstik schwarz ans weih ^beweisen" farm. So geschickt ist diese ausgemacht, oder vielmehr politisiert.

Sv etwas sieht man nicht alle Tage, nicht ein­mal aus dem Gebiete der Statisttk. Darum sei es etwas eingehender beschrieben. Zuerst hat inan jede ernsthafte Dergleichung mit der Dor- kriegsstattstik unmöglich gemacht, indem man erstens die Beantwortung der Frage nach der Sprache ins Belieben jedes Einzeln an stellte, mit dem Ergebnis, dah 90 558 von 1 779 186 Einwohnern ihre Sprache überhaupt nicht angegeben haben. Zweitens hat man nicht, wie bei den Vorkriegserhebungen, nach der Muttersprache gefragt, sondern nach der G e - brauchst pr ach c. Wicviele nun, deren Mutter­sprache unzweifelhaft das Deutsche ist, haben sich zur französischen Gebrauchssprache bekannt, weil das den augenblicklichen Verhältnissen ihres Er- wcrbSstandes ober ihrer Anstellung entsprach? Man weih es nicht, aber um vergleichen au kön­nen, mühte man es wissen. Leider wird diese Wißbegier von der französischen Statistik nicht gestillt.

Um so wihbegierigcr war diese be den hinter­fragen zur Hauptfrage nach der Gcbrau^ssprache. Wenigstens bei einigen Unterfragrnr. Man hat genau ermittelt, wessen Gebrauchssprache die elsässische bzw. lothringische Mund­art a l l e i n sei, wessen Gebrauchssprache Mund­art undDeutsch", d. h. Hochdeutsch, und man hat olle diese Leute als Kenner der Mundart zusammengerechnet. Es sind 1 039 004. Vorher schon hatte man aber alle, die Französisch und Mundart oder Deutsch als Gebrauchssprache angegeben hatten, beson­ders zusammengczählt -- es sind 175 051 und sie flugs und vergnügt mit den Leuten nur fran­zösischer Gebrauchssprache als Kenner des Französischen zusammengerechnet, die man auf diese Weise, aber auch nur auf diese, mit der beträchtlichen Zahl von 393 216 fest- stellen konnte. Man hat, mit einem Worte, alles, was sich nicht wehrte, wenn es nur Out, Don und Monsieur, Madame und Bonjour sagen konnte, der französischen Sprache gut­geschrieben. Man hat, um diese Zahl nicht zu zersplittern, die Frage nach Schriftsprache oder Vogcsenpatois in der französischen Dubrik in meisterlicher Beschränkung nicht gestellt. Man hat mit um so größerem Eifer jeden, der Kennt­nis der Mundart bekannte, besonders gerechnet und dem Hochdeutschen auch dann abgezogen, wenn er ausdrücklich neben der Mundart auch die hochdeutsche Gebrauchssprache bekannte, Und man hat es so fertig gebracht, als Vertreter der deutschen Sprache im Elsah nur die paar armen «Schächer übrig zu behalten, die auf dem Fragebogen jede Kenntnis des Französischen und der Mundart re­solut bestritten. Es ist eine alte Regel, man solle, wenn man schon ausschneidet, gleich so aufschneiden, um höflich zu bleiben, dah jeder es merken muh. Die Franzosen haben ganze 68 984 Deutsch Sprechende in Elsah-Lothringen statistisch festgestellt. Sie sind also auch in der Statistik höflich geblieben.

Man kann nun aber, wenn man von den gekünstelten Rechnungsergebnissen einfach absteht und auf Hie Einzelheiten der statistischen Fest­stellungen zurückgreist, auch aus diesem Zahlen­material sehr wohl ein Bild davon gewinnen, wie die sprachlichen Verhältnisse in Elsah-Loth­ringen wirklich liegen. Zu diesem Zweck mu|) man zunächst die künstlich und unberechtigter­weise hergestellten Hinterscheidungen zwischen Mundart und Hochdeutsch wieder wegwischen. Die Berechtigung dazu kann nicht bestritten werden. Denn sowie jemand aus dem Bereich der all­täglich gesprochenen hlmgangssprache heraustritt und uns «Schreiben ober Lesen kommt, vollzieht er den hlebergang von der Munbart zum Hoch­deutschen. Dicht nur theoretisch gehört das Hoch­deutsche als «Schriftsprache zum Dialekt als seine notwendige Ergänzung, sondern auch praktisch vollzieht sich der hlebergang vorn einen zum andern täglich unzähligemal. Zählt man nun die Zweisprachigen. die sowohl Deutsch als Französisch als Gebrauchssprache angegeben ha­ben, besonders (175051 gegen nur 3395 im Jahre 1910), dann bleiben 1 107 070 nur deutschsprachige Einwohner (1910: 1634 260 von 1874 014) von

Oie Krisis in Spanien.

Sanchez Guerra lehnt ab. - Eine Zivildiktatnr aller monarchistischen Parteien. Oie Erregung in der Hauptstadt und im Lande wächst.

Madrid, 17. Febr. (TU.) Sanchez Guerra hat dem Stönig den Auftrag zur Kabi­nettsbildung zurückgegeben. Er teilte ihm mit, daß er die Kabinettsbildung ablehnen muffe, da er von weiten Kreisen, die er zur Unter­stützung für nötig halte, t m Stiche gelassen tvorden fei. Sanchez Guerra hat der Krone emp­fohlen, den noch weiter linksstehenden Reformisten- führer Melquiades Alvarez mit der Kabi­nettsbildung zu beauftragen, oon dem er annimmt, daß er auf die ihm selbst versagte Unterstützung durch die republikanische und die sozialistische Gruppe rechnen könne. Man wird jedoch nicht fehl- gehen in der Annahme, daß diese auch Alvarez gegenüber auf ihrem ablehnenden Stand­punkte bestehen bleiben werden. Mel­quiades Alvarez erklärte denn auch, sein Erscheinen im Palast hätte keinen Sinn. Er stände auf dem gleichen Standpunkt wie Sanchez Guerra. Man war also nicht überrascht, kaum eine Stunde später R o - m a n o n e s und Alhucemas zum Palais gehen zu sehen, um neuerdings vom König konsultiert zu werden. Während daraufhin allgemein die Ansicht vertreten wurde, daß es nun doch zu dem ursprüng­lich geplanten nationalen Kabinett unter Aznar mit denunechten" Konstitutionalisten Romanones und Alhucemas komemn würde, hörte man plötzlich, Romanones habe dem König erklärt, es gäbe nur noch eine Lösung, die der extremen Linken unter Melquiades Alvarez. Daraufhin begab sich dieser doch ins Palais. Beim Verlassen des Schlos­ses teilte er mit, der König habe ihn nicht mit der Kabinettsbildung beauftragt, sondern bestehe darauf, noch weitere Beratungen mit anderen politischen Streifen abzuhalten.

Dienstagabend tagte im Kriegsministerium eine Versammlung von monarchistischen Persönlichkeiten unter dem Vorsitz des Ge­nerals Bercnguer. In dieser Sitzung soll ein monarchistisches Konzentrationskabi­nett gebildet worden fein, zu denen La E i e r oa, Graf Romanones und Garcia Prieto ge­hören würden. Graf Romanones erklärte dem Havas-Dertretcr in Madrid, die Teilnehmer an der monarchistischen Versammlung im Kriegsministerium würden nicht alle der neuen Regierung angehören. Am Mittwoch werde Spanien eine neue Regierung haben und es würden auch die verfassungs­gebenden Cortes einberufen werden. Für Mittwochvormittag fei eine erneute Zusammenkunft der monarchistischen Führer im Kriegsministerium vorgesehen. Die Frage, ob L a Cierva die Mini- sterpräsidentschaft ober das Innenministerium über­nehmen würde, beantwortete Graf Romanones verneinend. Er, Graf Romanones, würde der Regierung anaehören und es sei nahezu sicher, daß General Vereng u er Ministerpräsi- dent werden würde. Man Hobe allerdings an­fänglich an La Cieroa als Ministerpräsidenten oder Innenminister gedacht, habe aber darauf verzichtet, denn in diesem Falle wäre nach glaubwürdigen Nachrichten sofort der General st reif durch die Arbeiterschaft ausgerufen worden. Anordnungen

zum Generalstreik seien bereits gegeben worden. Dem Kabinett sollen außer den konservativen Füh­rern Cieroa, Goiccoechea und dem Herzog oon Maura, die monarchistischen Liberalen R o - manones und Alhucema sowie die Generäle Caoal canti, 6a r o und Barrera als Ver­treter der bewaffneten Macht angehören. Es wäre dies eine Zioildiktatur mit militäri­schem Einschlag.

Der bisherige Innenminister hat vor einer Stunde die Garantien für die Dersammlungs- und Pressefreiheit wieder aufgehoben, ohne allerdings den Kriegszustand zu erklären. Die Erregung ist ungeheuer groß. Tatsache ist.

Warschau. 17. Febr. (OB.) Das amtliche pol­nische PublifationsorganDziennik llslaw" ver­öffentlicht den Parzellierungsplan für das Jahr 1932. Die ehemals deutschen Ge­biete die jetzigen polnischen Provinzen Posen und Pommerellen stehen danach wieder an der Spitze der Z w a n g s p a r z e l l i e- rung privaten Grundbesitzes. Der plan sieht für Posen die Parzellierung von 24 009 Hektar und sür Pommerellen die Parzellierung von 20 000 Hektar vor. Keine der anderen Wojwodschasten weist ähnliche Zahlen auf. Die für das Bezirks­landamt Grodno festgesetzte Parzellierung von 22 000 Hektar liegt insofern weil unterhalb der für Posen und Pommerellen verfügten Parzellierungen, als dort bereits 5400 Hektar parzelliert sind, so daß in Wahrheit nur noch 16 600 Hektar parzelliert wer­den sollen. Aehnlich liegen die Berhältnisse in der Wojwodschast Wilna. Bon den im plan veranschlag­ten 20 000 Hektar bleiben ebenfalls nur 16 500 Hek­tar zur Parzellierung übrig. Für» die übrigen Lan­desteile liegen die Ziffern weit unterhalb der bis­her genannten. Die Parzellierungen in Warschau be­tragen 10 000 Hektar, in petrikau 5000 Hektar. Lew- berg 8000 Hektar. Bialjslok und Krakau je 2000 Hektar.

DieDeutsche Rundschau in Polen", das in Bromberg erscheinende Organ des Deutsch­tums. bezeichnet die für Posen und Pommerellen in dem Parzellierungsplan festgesetzten Zahlen als ge­radezu katastrophal und kommt zu dem Schluß, daß auch der neue plan, der wiederum den Hauptdruck der Parzellierungen auf die ehemals

daß auch eine Kontrolle üler alle Te» lephongespräche eingeführt worden ist. Gegen 22 Ahr durchzogen mehrere Gruppen junger Leute die Stadt mit den Rufen.Tod dem König!" undEs lebe die Re Pu b l i k!' Die Polizei griff ein und trieb die Gruppen auS- cinanber. Etwas weiter schlossen sich aber die jungen Leute wieder zu einem Zug zusammen. Jetzt nahm die Polizei einige Verhaftun­gen vor. Bei den Zusammenstoß n sind mehrere Personen verletzt wordeir. Auße dem haben die Manifestanten in einer Hauptstraße einen Wagen umgeworsen und m Brand gesteckt.

deutschen Gebiete Westpolens leg,, mit eindrücklicher Deutlichkeit erkennen lasse, daß Politik und nicht Wirtschaftlichkeit die Triebfeder de» handelns ist. daß mithin nicht eine gesündere Agrarstruktur, son­dern die Entdeutschung die Losung sei, die durch den plan für Westpreußen ausgegeben wurde.

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Obwohl wir mit den Polen lang und breit über die Enteignung der in den abgetretenen Gebieten: wohnenden deutlichen Dauern und Gutsbesitzer ver­handelt und auch mit ihnen ein entsprechendes Abkommen zustande gebracht habeir, schrecket also die Aufteilung des deutschen Besitzes munter fort. Die Mitteilungen über die Parzellierrmg deutschen Grundbesitzes besagen klar und einwand­frei, daß in Warschau auch weiterhin das Be­streben herrscht, den deutschen Grundbesitzer zu vertreiben und an seine Stelle polnische Siedler zu sehen. Unter diesen Umständen ist es natürlich kein Wunder, wenn das Deutschtum im Korridor und in Posen immer weiter zurück­geht. Für die Polen spzelt bei der Enteignur s- politik selbstverständlich die Korridorfr.. gc eine große Rolle. Sie wissen, daß eines Tages die Frage der deutschen Ostgren^ offiziell an­geschnitten wird. Je kleiner die Zahl der Deut­schen im Korridor ist, desto besser sind natürlich die Aussichten Polens, das Korridorgebiet be­halten zu können. Allzuviel deutschstämmige Dauern gibt es in den abgetretenen Ostgebieten nicht mehr. Wenn wir noch einige Jahre mit der Aufrollung unserer Grenzsorgen warten, dann werden wir erleben, daß eine Volksabstimmung nur wenige Stimmen zugunsten Deutschlands bringt, weil eben bis dahin auch die letzten Reste der deutschen Dvlkssplitter vertrieben sein werden.

Zorlschreiiknde Snthtulfdiung des Grundbesitzes in Posen und Pommeretzen.

Oer polnische Parzellierungspla^. für 1932 stellt wieder die ehemals deutschen Gebiete an die Spitze der Zwangsparzellierung.

insgesamt 1 688 628 übrig, die über ihre Sprache Auskunft gegeben haben Alle Künsteleien helfen also nichts. Das Elsaß und Deutsch-Lothringen sind auch unter französischer Herrschaft das weit überwiegend deutschsprachige Land, das sie von jeher waren. Der Rück­gang gegenüber der Vorkriegszeit, der aller» dings unverkennbar ist, erklärt sich leicht aus dem Verschwinden der starken deut­schen Garnisonen, aus der Ausweisung oder dem freiwilligen Abzug der deut­schen Deamtenschaft und zahlreicher Er­werbstätiger nach dem Kriege, während alle diese in den Zahlen von 1910 noch mit enthalten sind.

Diese unumstößliche Tatsache konnte auch die französische Statistik, wenn sie nicht auf un­mittelbare politische Wirkung ausging, um so gelassener anerkennen, als ihr unDetfeimbar ein träftiger Aufschwung der Verbrei­tung des Französischen in Elsaß- Lothringen gegenübersteht. Zählt man die Zweisprachigen wiederum besonders wie vorhin, so bleiben noch 318 157 Einwohner mit nur fran­zösischer Gebrauchssprache übrig. 1910 waren es 204 262 Einwohner. Das Elsaß hatte eben immer in den Gebirgskantonen der Kreise Molsheim, Schlettsladt und Rappoltsw:i er eine eingesessene französisch sprechende Bevölkerung. Ebenso war der Südteil Lothringens von jeher französisches Sprachgebiet. Daher die verhältnis- mäßig hohen Zahlen auch in der Vorkriegs­statistik. Heute kommen dazu die französischenBe­amten und Garnisonen sowie die ebenfalls wie­der zahlreicher! privaten Erwerbstätigen fran­zösischer Sprache, besonders in den größeren Städten. In Straßburg z.D. ist die Zahl der Französisch Sprechenden von 4872 im Jahre 1910 auf 25 411 im Jahre 1926 angewachsen. Umgekehrt ist in Metz die Zahl der Deutsch Sprechenden von 53 537 im Jahre 1910 auf 9482 im Jahre 1926 zurückgegangen. Das find wirtschaft!ich bedingte Derschiebun- gen im Eprachenbestand, die sich aus der Ent­wicklung ganz natürlich erklären und die des­halb auch die amtliche Statistik nicht durch frag­würdige Rechenkunststücke einerseits vergröbern, andererseits zu verschleiern brauchte.

Wie stark die wirtschaftliche Entwicklung die sprachlichen Verhältnisse bedingt und beeinflußt hat, das sieht man besonders deutlich in einer dem Wettkampf des Deutschen und Französischen ent­zogenen, verhältnismäßig neutralen Spalte der Sprachenstatistik, bei der Auszählung der Fremdsprachen außer Deutsch und fran­zösisch. Geblieben ist wie 1910 die Tatsache, daß diese Einwanderung fremdsprachlicher Clemente, die von der neuen Statistik leider nicht weiter differenziert werden, hauptsächlich in die Drennpunkte des Wirtschaftslebens strebt. Rur ist das heute in noch viel größerem Maßstab als damals der Fall und zugleich sind auch früher weniger berührte Gebiete in den Bereich dieser Einwanderung gezogen. Die Stadt Straßburg z. D. beherbergte 1910 1167, dagegen 1926 3463 Fremdsprachige, in beiden Fällen etwas mehr als die Hälfte der Fremdsprachigen des ganzen Untereifaß. Im Obereifaß zählten 1910 die Kreise Gebweiler 287, Mülhausen 1887, Thann 359 Fremde: 1926 waren es entsprechend 1483, 4699 und 1527 Fxemde. In diese drei Ver- waltungskreife erstreckt sich nämlich das Kali- gebiet, dessen rasche Entwicklung feit dem Kriege sich auch in diesen Zahlen spiegelt. Das­selbe Dild bietet Lothringen, wo z. D. der Hauptkreis der Industrie, Diedenhofen- West, seine fremdsprachige Bevölkerung von 15 373 im Jahre 1910 auf 24 376 im Jahre 1926 ansteigen sah. Für das Land im Ganzen ergibt sich eine Verdoppelung, 32 097 in 1910 gegen 67 422 in 1926.

Manche Lobredner des gegenwärtigen Zustan­des waren angesichts dieser Sprachenstgtistik rasch bei der Hand, um aus ihr, besonders aus der ver­hältnismäßig großen Zahl derer, die französisch sprechen können, den Erfolg des französi­schen Schulwesens in Clsaß-Lothringen zu er- weisen. Das ist natürlich blinder Eifer und schadet nur. Denn über den Erfolg des Schulwesens entscheidet die Gediegenheit der Kennt­nisse. Die Sprachenstatistik aber sagt nichts hier­über aus, sie spricht nur von der Menge und der Zahl. Wäre die Steigerung der Schule zu verdanken, dann müßte sie außerdem gleich­mäßig überall festzustelleu sein. Das ist sie

aber nicht. Sondern die Zunahme konzentriert sich gan^ einseitig auf die großen Städte undJndustrtegegenden. Im Kreise Rap- poltsweiler hat die Zahl der Französisch Spre­chenden gegenüber 1910 sich sogar von 19 184 aus 17 858 ermäßigt.

Die französische Schule in Elsaß-Lothringen muß, um von der Ueberlegenheit der französi­schen Kultur Zeugnis abzulegen, andere Dcweise bringen als bisher. Hnb die französische Spra­chenstatistik erst recht.

Der deutsche Sprachunterricht in den elsässischen Voltsschulen gefordert.

Auch für die französisch-sprachigen Gemeinden eine wirtschaftliche

Notwendigkeit.

Straßburg. 17. Febr. (TH.) Der Ge­meinderat von D ch i r m e d in einem der fran­zösisch-sprachigen Vogesentäler des Ellaß hat einstimmig beantragt, daß in den Volks­schulen und im Fortbildungsunterricht wieder deutscher Sprachunterricht erteilt werde. Zur Begründung wird geltend gemacht, daß im Grenzland Elsaß-Lothrlngen die Kenntnis beider Sprachen nötig sei. Bei der jetzigen Dchulmethode aber müsse die Kenntnis des Deutschen durch Privatstunden er­worben werden, was nur wohlhabenden Kreisen möglich sei.

In diesem Zusammenhang verdient auch Be­achtung. daß in der französischen Kammer bei der Besprechung des elsaß-lothringischen Haus­halts von mehreren elsässischen Abgeordneten die französische Schul- und Spra- chenpolitit scharf kritisiert wurde. Der unterelsässische Abgeordnete Thomas Seitz ersuchte die Regierung, für den deutschen Unter«- richt das zu tun, was zu deutscher 3eit von der reichsländischen «Schulverwaltung für den französischen Unterricht in dem französisch-sprachigen Teil deS Landes getan wor­den ist. Bekanntlich war vor dem Kriege in de»