Ausgabe 
17.11.1931
 
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Dienstag, 17. November 1931

181. Jahrgang

Kr. 269 Erstes Blatt

Das Echo der Hessenwahlen

Die Meinung der presse

berliner VMer zum Wahlausgang

Hes-

6

8

Lrlchelnl läglich,außer Sonntags und Feiertags.

Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monats-Bcjiigsprets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger­lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt, zernsprechanschlüffe anterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Liehen.

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____x_________: nur ein Abgeordneter aus Gießen) zu bemerken. Der Gießener Abgeordnete ist der Diplomvolkswirt Dr. G u m b e l (Soz.).

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Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

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Oberhessens Vertretung im neuen Landtag.

Die Landtagswahl hat für die Provinz Ober- Hessen und für die Stadt Gießen eine Ver­schlechterung ihrer parlamentarischen Vertretung gebracht. Während im vorigen Landtag die Provinz Oberhessen durch 20 Abgeord­nete (darunter vier Gießener) vertreten war, sind

Darmstadt, 16. Nov. (WSN.) Der neue . , fische Landtag setzt sich zusammen aus 21 Beamten, 12 Angehörigen der freien Berufe 11 Arbeitern, 7 Angestellten, 5 Handwerkern, 11 Landwirten und 3 Hausfrauen. Unter den s o z i a l d e m o k r a t i - schen Landtagsabgeordneten befinden sich 7 -öe-

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amte 3 Angestellte 2 Angehörige der freien Berufe, | im neuen Landtag nur noch 17 Abgeordnete aus 1 Handwerker, 1 Arbeiter, 1 Hausfrau. Zen- Oberhessen (darunter r

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nioerfität zu 'Berlin Her­an den 100 Todes- en Kula eine atademische en. Nach einer einbruds* )e des Mtors Pros. Dr. Reihe nach ein Philosoph

ein Ltaatswissenschasi- imann) unb ein Theo- eeberg) bie Bedeutung 1 lägen Lenkers für ihn enheit, Gegenwart uni Lu-M der Prosessoren- enchvr unter Leitung be5 Plast. Die Aorträge ;n des studentischen Cho« ung von Geheimrat Pros, rdig umrahmt.

burtsort des Philosoph chen Landeslheatec eine .j her der Tübinger W nq die Festrede hielt. Er Wischen SrunW- d« bialettische Methode, fer- y seiner W* uni* «x poo rmls-hl-md M.

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Remis. Amt ist O-s- erhält.

Berlin, 16.Rov. (TU.) Die Blätter nehmen zu den hessischen Landtaqswahlen ausführlich Stellung. Der nationalsozialistischeAngriff" rechnet aus dem nationalsozialistischen Stimmenzuwachs einen fühlbaren Einbruch in den Marxismus. Das Zen­trum, das gemessen an der starken Wahlbeteili­gung auch verloren habe, habe sich jetzt zu entschei­den, welchen Kurs es steuern wolle. Das Blatt glaubt, daß die hessischen Wahlen nicht ohne Ein­fluß auf die Reichspolitik bleiben werden, schon allein deshalb, weil die Pressestelle der Zentrums­partei betonte, daß die Parteials solche in keiner Verbindung mit dem Reichsbanner stehe und an­dererseits die Breitscheidsche Erklärung in Darm­stadt habe erkennen lassen, daß die schon längst zu beobachtende gemeinsamea n t ifojfy1 B 1 = sche Front'? von SPD. und KPD. nun bald greifbare Formen annehmen roerbe. Rach der zentrumsparteilichenGermania ist der nationalsozialistische Erfolg um den Preis einer fast völligen Vernichtung der bürgerlichen Parteien außerhalb des Zentrums erzielt wor­ben. Diese Vernichtung bürgerlicher Parteien sei das seltsame Ergebnis eines Kampfes, der eigentlich

trum : 4 Beamte, 2 Landwirte, 1 Angestellter, 1 Ar­beiter, 1 Angehöriger der freien Berufe, 1 Hausfrau. Kommuni st en: 6 Arbeiter, 1 Landwirt, 1 Be­amter, 1 Handwerker, 1 Hausfrau. K 0 m m u « niftifche Opposition: 1 Angestellter. Deutsche Volkspartei: 1 Beamter. Staatspartei: 1 Beamter. Christlich - SozialerVolksdienst: 1 Beamter. H e s - sischesLandvolk: 2 Landwirte. Deutsch- nationaleVolkspartei: 1 Beamter. S 0- zialistischeArbeiterpartei: 1 Angehöriger der freien Berufe. Nationalsozialisten:

Beamte, 3 Arbeiter, 6 Landwirte, 2 Angestellte, Angehörige der freien Berufe, 2 Handwekker.

lung Rechnung getragen werde. Geschehe das unvermeidbar Gewordene, so bestehe noch im­mer die Möglichkeit, daß die Radikalisierung gerade dadurch aufgehalten werde. Hier sei die Schicftals- aufgabe des Zentrums, der einzigen ungebrochenen nichtradikalen Partei; aber auch eine Aufgabe weit­blickender, Unbesonnenheiten vermeidender sozial­demokratischer Leitung. .

DieDeutsche Allgemeine Zeitung stelltzum 100. Male" die Frage, wie lange die stürmische Umgestaltung der Parteiverhaltnisse noch weitergehen solle, ohne daß man ihr staats- politisch Rechnung trage. Wo sei die Hoff­nung, auf die sich das Verhalten der Machthaber, insbesondere in Preußen, stützen könne, dem Vor­marsch der Rechtsbewegung Einhalt zu tun? Roch sei zur Bildung einer arbeitsfähigen Re- gierung das Zentrum notwendig, und feine Schlüsselstellung sei ihm geblieben. Wer garan­tiere, daß das im April oder Mai bei den Preußenwahlen noch ebenso sein werde? ES liege im Interesse des Staates, d i e W e l l e des Protestesnichtmitverschränkte n A r- men weiter st eigen zu lassen, die Führer der Rechten würden zu dem Opfer bereit fein, das das Allgemeinwohl von ihnen verlangt. Das Organ der christlichen Gewerkschaften,Der Deutsche", sieht als die entscheidende Frage in Hessen und für die Politik der nächsten Zeit über­haupt, ob eine Zusammenarbeit zwischen Zentrum und Rationalsozialisten möglich sein wird oder nicht. DieDeutsche Tageszeitung (Landbund) stellt die Frage, ob es noch angängig ei, eine Bewegung von dem Ausmaß der natio­nalsozialistischen auch in der großen Staatspolitik krampfhaft zu ignorieren und von der Verant­wortung fernzuhalten. Wenn man den radikalen Massen nicht die Entscheidung selbst überlassen wolle, so müsse man endlich auch offiziell _für eine der beiden Gruppen optieren. DieBör­se n z e i t u n g" (konserv.) sieht den einzigen Weg, einer wirklich stabilen Regierung in Hessen nur in der Form eines Zusammenschlusses zwischendenRationalsozialisten, den bürgerlichen Rechtsparteien und dem Zentrum. Es müsse sich jetzt zeigen, ob das Zentrum so viel staatspolitisches Verant- Wortungsbewußtsein besitzt, um auf fein ohnehin aussichtsloses Bündnis mit der Sozialdemokratie zu verzichten. DerL 0 k.-A n z." (Hugenb.) nennt die Wahlen das Ergebnis von anderthalb Jahren Brüning-Politik: Seine Anhänger im Volke eine immer mehr dahinschwindende kleine Minderheit; die als seine radikalste nationale Gegnerin geltende Partei im stürmischen Vormarsch; der Marxismus mit dem Gedanken des Zusammenschlusses gegen das übrige Deutschland spielend.

Der sozialdemokratischeAden d" spricht von Krisen- und Verzweiflungswahlen. Die Harzburger Front werde wieder zerfallen, ohne die Macht er­obert zu haben, wenn die Kräfte des Widerstandes gegen sie stark blieben. Kern dieses Widerstandes aber könne nur die Sozialdemokratie sein. Das demokratischeBerliner Tageblatt" bezeich­net es als die verkehrteste politische Logik, den Na- tionialsozialisten jetzt freiwillig die Macht auszulie­fern. Ihr Drang zur Legalität beweise, daß sie selbst sich nicht stark genug fühlten, um auf die Dauer Oppositionspartei bleiben zu können, und die Macht- kämpfe in ihren eigenen Reihen zeigten, daß sie an dem Kreuzweg angelangt feien, an dem sie entweder auf Kosten ihrer revolutionären Anhänger legal ober auf Kosten ihrer bürgerlichen Wähler illegal wer­ben müßten.

Annäherung zivischen Sozial­demokraten und Kommunisten?

Ein sozialdemokratischer Schritt beim Ncichskan'.ler.

mit ber Front gegen benMarxismus" geführt worben sei. Diesem Kampf sei ein wesent­licher Einbruch in bie marxistische Wählerschaft ver­sagt geblieben. Der politische Umschichtungsprozeß, den wir durchleben, wird wahrhaftig nicht auf dem Gipfelpunkte des nationalsozialistischen Machtgewin­nes beendet fein. Dort wird vielmehr etwas be­ginnen, was wichtiger unb bebeutenber ist als bie Entwickelung ber Zahl unb ber Größe: bie geistige unb politische Umformung einer Bewe­gung zu einem wirklichen Instrument ber Staats­politik, bie sich aUerbings gleichfalls nicht ohne neue Erschütterungen bes bcutschen Parteigefüges voll­ziehen kann.

DieD 0 s s i s ch e Zeitung" (bem.) spricht von einer sozialen Protestwahl. Alle Parteien, bie sich zum sozialen Gebanken bekannten, hätten gewonnen ober sich boch behauptet. Der große nationalsoziali­stische Sieg sei erfochten worden auf Kosten der nationalen" bürgerlichen Parteien. Nicht das na­tionalistische Moment habe den Ausschlag gegeben, sondern das soziale. DerB ö r [ e n t 0 u r i e r" (dem.) fordert, daß berFlut", bie nicht mehr zu leugnen sei, unb ber tatsächlichen Entwick -

Berlin, 16. Rov. (DDZ.) Voraussichtlich am Dienstag wirb eine Besprechung ber so­zialdemokratischen Führer mit dem Reichskanzler Dr. Brüning stattfinden. Man ist bei der Sozialdemokratie der Auffassung, daß durch das Auftreten der Ratio­nal s 0 z i a l i st e n, das auf der anderen Seite eine geschlossene Abwehrfront auf der Linken geschaffen habe, der Bürger­krieg in bedrohliche Rähe gerückt sei. Die Sozialdemokratie will diese politischen Fragen zum Gegenstand einer Aussprache mit der Reichs­regierung machen. Sie will von der Reichsregie­rung eine eindeutige Erklärung verlan­gen, ob sie die Vorbereitungen des Rational­sozialismus zum Bürgerkrieg weiter dulden wolle oder ob sie bereit sei, diesem Treiben mit allen Mitteln energisch entgegenzutreten.

Die letzte Rede des Führers der sozialdemo­kratischen Reichstagsfraktion des Abgeordneten Dr. D r e i t s ch e i d in Darmstadt hat in poli­tischen Kreisen zu lebhaften Erörterungen Anlaß gegeben. Ramentlich haben die die Kommu­ni st e n betreffenden Ausführungen Dreitscheids Aufsehen erregt. In einem Teile der Presse ist aus dieser Stellungnahme geschlossen worden, daß schon seit längerer Zeit Verhandlungen zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten ge­führt würden, und daß ein Zusammenschluß beider Parteien nur noch eine Frage der Zeit sei.

Von maßgebender sozialdemokratischer Seite wirb dem VDZ.-Büro dazu erklärt, baß zwischen Sozial­demokraten unb Kommunisten bisher keiner»

Nach Parteien georbnet sieht bie Vertretung Ober­hessens im neuen Lanbtag wie folgt aus: Sozial- bemotroten: Bürgermeister Jux (Nieber-Flor- ftabt), Diplomvolkswirt Dr. Oumbel (Gießen), Stu- bienrat Maurer (Lauterbach); Zentrum: Lanb- wirt unb Untererheber Weckler III. (Rockenberg); Kommunistische Partei: Lanbwirt Heinrich Otto (Mittelgrünbau), Mechaniker Wilhelm Lenz (Wieseck); DeutscheVolkspartei: Bürger­meister Dr. Niepoth (Schlitz); Deutsche Stckatspartei: Oberamtsrichter Schreiber (Vil­bel); HessischerLanbbunb: Lanbwirt Wil­helm Fenchel (Ober-Hörgern); Deutschnatio­nale Volkspartei: Amtsgerichtsrat August Böhm (Bab-Nauheim); Nationalsoziali- stischeDeutscheArdeiterpartei: Stubien- rat Professor Dr. Werner (Butzbach), Lanbwirt Wilh. Seipel II. (Fauerbach v. b. H.), Lehrer Alfreb Kloster­mann (Vockenrob), Regierungsrat Dr. Heinrich Mül­ler lAlsselb) Lanbwirt Otto Geiß (Vabenrob), Ar­beiter Karl Wahl (Vabenrob), Schriftsteller Bernharb Graf zu Solms-Laudach (Arnsburg).

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Oie neue Lage.

Kombinationen zur Frage der Negierun sbildung.

D a r m ft a b t, 16. Nov. (WSN.) Heute vormittag beschäftigte sich bereits bas Kabinett mit bem Ausgang ber Lanbtagswahl, ohne inbes Beschlüsse zu fassen. In politischen Kreisen erörtert man nach wie vor die Lage, bie sich aus ber Dreifronten- bilbung (Zentrum, Sozialbemokratie unb Natio­nalsozialisten) ergeben hat. Beachtenswert sinb bie Aeußerungen, bie von nichtoffizieller Zentrumsseite bekannt werben, unb bie ein Zusammengehen mit ben Nationalsozialisten ober eine Tolerie­rung baoon abhängig machen, baß biese ihre geistige Haltung zum Zentrum revi­dieren. Interessant ist auch bie Kombination, baß das Zentrum ober sogar bie Sozialbemokraten eine rein nationalsoziali st ische Regierung tolerieren könnten, um so ben Nationalsozia­listen Gelegenheit zu geben, burch bie aus ber Ent­wicklung zwangsläufig erforberlichen Notver- orbnungen, Sparmaßnahmen unb Steuereintreibun­gen ihre Wähler selbst von bem Stanb ber Dinge zu überzeugen. Es ist natürlich unverkennbar, baß die Lage im Reich auf bie Regierungsbilbung in Hessen von gewisser Bedeutung ist, woraus aller­dings auch geschlossen werben muß, baß bie Ver- hanblungen über bie Regierungsbilbung sich über einen geraumen Zeitraum erstrecken werben. Der neue Lanbtag wirb am 3. Dezember zusammen­treten. Ob bie Nationalsozialisten ben Lanbtags- präfibenten stellen werben, ist auch zur Zeit noch unentschieben. Allerbings war es bisher üblich, daß bie stärkste Partei im Lanbtag auch ben Präsibenten stellte.

Was wird das Zentrum tun?

Der Vorsitzende der Zenlrumsfraktion zum Wahlausgang.

Darmstadt, 16. Rov. (WSR.) Der Vor­sitzende der Zentrumsfraktion im Hessischen Land­tag, Ministerialrat Hoffmann, gab dem Ver­treter des WTB. zum Wahlausgang folgende Erklärung ab:

Erfreulich am Ausgang der Wahlen ist für mich, daß sich das Zentrum trotz aller poli­tischen und konfessionellen Anfeindungen glän­zend geschlagen hat. Wir haben eine <5tim- inenzahl erreicht, die nahe an die bei der Wahl zur Rationalversammlung heranreicht. Daß der Zusammenbruch der übrigen bürger­lichen Parteien so katastrophale Ausmaße annähme, hätte ich nicht erwartet. Die bürger­lichen Parteien sollten aber einmal prüfen, ob ihre Kampffront an der Seite der Ratio­nal so z i a l i st e n gegen das Zentrum die rich­tige war. Die Regierungsbildung wird infolge mangelnder Eindeutigkeit der Mehrheits­verhältnisse sehr schwierig sein. Eine Regie­rungsbildung aufderseitherigenGrund- l a g e ist, wie vorauszusehen war, n i ch t m e h r gegeben. Theoretische Möglichkeiten, die aber praktisch gar nicht in Frage kommen können, wären: Rationalsozialisten und Kommunisten; Rationalsozialisten und Sozialisten; Sozialdemo. traten, Kommunisten und Zentrum. Welche von den dann noch verbleibenden Lö­sungen Aussicht auf Verwirklichung haben, kann von Seiten des Zentrums zunächst noch nicht gesagt werden, da die Initiative für die kommenden Verhandlungen bei den größeren

Die deutschnationaleHessische Landes­zeitung" in Darmstadt schreibt:Linksregie­rung ist unmöglich, Rechtsregierung ohne Zentrum ist infolge der Vernichtung der bür­gerlichen Mitte und der Deutschnationalen eben­falls nicht möglich. Bleibt also nur die Rechtsregierung mit Zentrum, wobei die Par­teien außer Rationalsozialisten und Zentrum keine Bedeutung mehr haben. Ob diese Regierung zu bilden ist, kann die Zukunft allein lehren. Wrr hegen allerdings bei den starken Spannungen hüben und drüben die stärk st en Zweifel. Cs bleibe schließlich noch die etwas phantastisch anmutende Möglichkeit, daß von der äußer­sten Linken Duldung für das be- tehende Kabinett geübt wird, oder daß die Rationalsozialistcn einB e a m t e n k a b i n e t t" stützen." DasDarmstädter Tagblatt schreibt:Wenn das demokratische System über­haupt einen Sinn haben soll, muß sich auch im neuen hessischen Landtag eine Mehrheit zu- sammensinden, welche die Verantwortung für das politische Geschehen übernimmt. Da eine Regie­rungsbildung etwa in der parteipolitischen Zu­sammensetzung der gegenwärtigen Reichsregie­rung, bei der Schwäche der in Frage kommenden Parteien unmöglich ist, wird eine Regierung in Hessen nur zu bilden sein, wenn die Kombi­nation Brüning Hitler zum erstenmale in Hessen greifbare Gestalt annehmen sollte. Es hieße Den Sinn der hessischen Wahlen in sein Gegenteil verkehren, wenn man etwa den Versuch unternehmen wollte, die Rationalso­zialisten auch fernerhin in Hessen politisch aus­zuschalten."

DerMainzer Anzeiger" schreibt u.a.: Das Ergebnis ber Abstimmung zeige, baß bie hes­sische Regierung ein glattes Mi ß t r auen s - votum erhalten habe. Nach ber bisherigen Koali- tionspraxis fei bie Neuwahl einer Regierung un­möglich Ob bie Kräfte ber nationalen Opposition m Hessen mitbeftimmenb zur Geltung kommen, hange in erster Linie vom Zentrum ab, benn praktisch fei eine Regierungsbilbung nur nach r e ch t s möglich, nicht ohne Zentrum unb nicht ohne Nationalsozialisten. Das Zen­trumsblattM a i n z e r I 0 u r n a l" sagt, baß trotz ber rein zahlenmäßigen Stärke ber Nationalsozia­listen ber nati 0 nals 0 zialistische Staats- präfibent unb manch anberer Kraftspruch ber Nationalsozialisten einstweilen noch Illusionen bleiben müßten. Die parlamentarische.Ausbeu­tung ber Wahl läßt bas Blatt noch bahingestellt. An einer Mehrheit für bie Opposition lange es im günstigsten Falle gerabe noch vorbei. Eine anbere Mehrheit sei auch kaum zu bilben. Das

Parteien liegt."

lieber bie Aussichten für eine Regierungsbilbung schreibt bie in Angelegenheiten ber hessischen Zen­trumspolitik stets gut unterrichteteMi11elrhe 1- nische Volkszeitung" in Bingen u. a.:

Wir glauben, baß bie Fragen, die an das Zentrum aehen, die falsche Adresse gesucht haben. Das Zentr.um hat bewiesen, baß es bie Lei­stungsfähigkeit einer Regierung über bas Ergebnis einer reiner Rechenstiftkalkulation setzt. Es entspricht zwar bem Wesen bes parlamentarischen Systems, baß Verschiebungen in ber politischen Willensbilbung auch in ber Politik zum Ausbruck kommen. Dem wirb sich bas Zentrum keineswegs wibersetzen. Es wirb bas Brauchbare unterstützen, woher es auch kommen maq Es wirb Willenskunbgebungen, bie zahlen­mäßig wichtig sind, nicht nieberhalten, sofern sie nicht eine bem ganzen Volke fdjabenbe unb wichtige poli­tische Entwicklungen ftörenbe Richtung em- chlagen; boch bürste bas Zentrum an ben Patent­lösungen unb koalitionspolitischen Experimenten, bie angeboten werben, völli-- besintereffiert sein. Jeben- falls darf bie NSDAP, nicht glauben, baß sie koali­tionsfähig ist, solange sie Männer vom Schlage eines Münch meyer in ihren Reihen bulbet. Politik ist Arbeit, nicht Agitation. Wer trommeln kann unb wessen Trommel Gehör finbet, ber hat noch lange keinen Befähigungsnachweis zum Regieren erbracht, unb fei es auch nur im Hesfenland."

Das Gesicht

des neuen Landtags.

Dif berussständifche Gliederung.

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einzige, was vorläufig gelingen könne, sei bas M i ß- trauensuotum ber vereinigten Rabi- t a l e n. Wenn rechtsstehenbe Blätter schon Fühler ausstreckten, wie sich bas Zentrum zu einer Rechts­regierung stelle, so seien solche Kombinationen ooll- ftänbig abwegig.

Die sozialdemokratischeMainzer Volks­zeitung" stellt fest, daß die seit der Revo­lution ununterbrochen an der Regierung befind­liche Weimarer Koalition erledigt worden ist. Die starke Wahlbeteiligung und die enormen Verluste der bürgerlichen Parteien hät- ten den Nationalsozialisten zu einem außer­ordentlichen Wahlerfolg verholfen. Dies zeige, daß das Bürgertum fast restlos be­reit sei, sich dem Faschismus anzu- sch liehen, so daß die Demokratie in den brei­ten Massen des Bürgertums keine Heimstätte mehr habe. Zum Schluß betont das Blatt, daß die Gründung der Sozialistischen Ar­beiterpartei nur eine Schwächung der So­zialdemokratie zur Folge hatte, ohne selbst zu einem Erfolg zu kommen. Die hessische Sozial­demokratie werde trotz des schweren Schlages, den sie erlitten, den Kampf für die Demokratie in Deutschland fortsehen. Da weder die Rechte noch die Linke zu einer Regierungsbildung in der Lage seien, werde wohl fürs erste die alte Regierung die Geschäfte weiter­führen müssen. Der sozialdemokratische Hessische Volks freund" in Darmstadt schreibt: Das Wahlergebnis in Hessen bedeutet das Ende der Weimarer Koalition. Die bisherigen Parteien der Weimarer Koa­lition haben bei der Landtagswahl des gestrigen Sonntags zusammen nur 26 von 70 Mandaten erreicht. Auch eine mögliche Erweiterung der Weimarer Koalition durch bürgerliche Splitter­parteien würde höchstens 30 Mandate ergeben, so daß eine M e h r h e i t s b i l d un g für die Weimarer Koalition in jedem Falle unmöglich ist. Damit ist eine drei­zehnjährige Periode ruhiger und stetiger politi­scher Arbeit in Hessen abgeschlossen, die dem Lande Konflikte und Krisen ersparte und es auch durch die schwersten Zeiten des Ruhrkrieges und der Wirtschaftskrise ohne gefährliche Er­schütterungen hindurchführte. An ihre Stelle tritt eine Periode nationalsozialistischer Erneuerung", die dem Lande zunächst ein­mal die schwerste politische Krise seit seinem Be- stände und die Aussicht auf schwerste Erschüt­terungen des öffentlichen Lebens und eine stän­dige Bedrohung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung durch dierauhen Kämpfer" Hitlers bringen wird.

MetzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

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