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Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen) Samstag, 17. Oktober 1951

Nr. 243 Drittes Blatt

Geschichten aus Italien.

Don unserem römischen ^--Korrespondenten.

Großpapa Mussolini.

Dor Arbeitslose, der damals in Lausanne unter der Drücke nächtigte und am liebsten den feinen Leutenan die Gurgel gefahren wäre", wie er selber an seine roten Freunde schrieb, der Vaga­bund hat bei seiner Verhaftung gewiß nicht da­von geträumt, daß er einmal einen Grafen- sproß zum Enkel haben werde. Jetzt kommt ihm solche Mär aus dem fernen Osten. Sogar in den Zeitungen kann er es lesen, daß Donna Edda, Contessa Galeazzo Ciano di Cortellazzo Gemahlin des italienischen Geschäftsträgers in China, zu Schanghai einem gesunden Knaben das Leben geschenkt habe. Edda, seine Lieblingstochter! Dieses moderne Sportmädel, dem er selber die Rettungsmedaille anheften konnte, weil es einen Ertrinkenden ans Land brachte. Also, da hat auch ein Mussolini das Recht, zu strahlen.

Es gibt immer noch wahre Geschichten wie die der Gebrüder Grimm. Unö die Arbeitslosen sollen wissen, daß nicht nur jeder den Marschallstab im Felleisen, sondern sogar die Möglichkeit hat, eines Tages noch zu blauem Dlut zu kommen. Dazu muß man, wie das Exempel zeigt, nicht einmal alt wer­den. Großpapa Mussolini ist erst 48 Jahre und singt noch aus Leibeskräften beim faschistischen Schwertgesang mit: Giovinezza, giovinezza, prima- vera di bellczza! Jugend, Jugend, Schönheits­frühling ...

Ehrenrettung Cadornas.

Wieder ist in Pola einKriegsschiff vom Stapel gelaufen. Das wäre ja in unserer Zeit der Abrüstung nichts besonderes, aber dieses Schiff trägt einen Ramen, der einmal als unkrie­gerisch verschrien wurde, den man am liebsten aus der Ehrentafel der Ration ausradiert hätte, der eine Flut polemischer Schriften entfesselte; Luigi Cadorna. Wenn die letzte Kriegsgeneration an die Witzblätter der eisernen Zeit denkt, so sieht sie immer einen Feldherrn mit einem Regenschirm, denn in den italienischen Heeresberichten war immer vom schlechten Wetter die Rede. Und als dieser Regenschirm den Sturm von Karfreit nicht abhalten konnte, da mußte Cadorna in die Wüste gehen. Lange dauerte es, bis man seinen Ramen überhaupt wieder in den Mund nehmen durfte, erst mit der nationalen Erneuerung dämmerte der Gedanke auf, daß man vielleicht doch einen Mann zum Sündenbock für ein unvermeidliches Schicksal gemacht habe. Ein Schulbeispiel für die launische Siegesgöttin! Ging nicht Raffael Ca­dorna, der Vater des Hnglücklichen, in die Ge­schichte ein, weil gerade ihm das Los zufiel, am 20. September 1870 in Rom einzumarschieren und damit die Einigung Italiens zu vollenden? In­folge der. Aussöhnung mit dem Papste ist in die­sem Jahre 1931 zum ersten Male derRational­feiertag" des 20. September fallen gelassen worden und ein Zufall? der Sohn des Siegers von der Porta Pia ist rehabilitiert. Kein Makel soll mehr an der berühmten Familie der Cadorna haften, ein mächtiges Schiss vielmehr den Ramen des Feldherrn, der gewiß nicht schlecht war, dem nur der Enderfolg versagt blieb, über die Meere und, wenn es fein muß, noch einmal an den Feind herantragen.

Kolonialkunst in Korn.

Mussolini hat d i e erste Kolonialkun st - Ausstellung Italiens eröffnet, in gewis­sem Sinne ein Gegenstück zu der ethnologischen Ausstellung in Paris. Ist die französische ge­wissermaßen ein Triumphzug der Eroberer, so soll

Deutsches Geräteturnen. .

K u n st t u r n e n ist Körperbeherrschung in höch­ster Vollendung! Dem Kunstturner fällt der Lor­beer nicht leicht in den Schoß, sondern er braucht Jahre fleißiger Vorbereitung, um die ihm ge­stellten Aufgaben gut lösen zu können, ilnö doch liegt gerade in diesen Aufgaben ein besonderer Reiz. Denn hier wird Körperbeherrschung und Wagemut in ausgesprochener Prägung gezeigt, hier kann nur ein ganzer Mann bestehen und nur ein in allen Teilen gesunder Mensch. Ein Griff, der einen Bruchteil einer Sekunde zu spät zur Anwendung kommt, der nicht ganz sicher die Stelle trifft, die gefaßt werden muß, kann sofort nicht nur das Mißlingen der Hebung im Gefolge haben, sondern auch einen Sturz, ilnö damit ist die ganze Hebung mißlungen.

Kunstturnen ist nicht das Ergebnis roher Kraft: es ist nut im leichten Fluß der Bewegung schön und vollendet. Ein Schwung leitet den andern ein und zum andern über.

Eines ergibt sich aus dem andern, und nichts ist Teil, sondern nur ein Glied in einer kette von

Bewegungen.

Es ist deshalb auch falsch, wenn die Gegner des Geräteturnens manchmal behaupten, das Kunst­turnen sowie das Geräteturnen überhaupt sei

Verkrampfung, sei eine unnatürliche Anspannung. Davon kann gar keine Rede fein: das Kunstturnen ist im Gegenteil eine Gipfelleistung menschlicher Bewegungskunst und gleichzeitig eine Ausdrucks­form menschlichen Mutes.

Kunstturnen ist selbstredend nicht jedermanns Sache, denn dazu gehört auch die richtige körper­liche Eignung. Ein Mensch, den die Ratur zum Springer geschaffen hat, wird nicht immer ein guter Geräteturner fein, obwohl es auch hier zahl­reiche Beispiele gibt, die das Gegenteil beweisen. Ein gewisses, ja ziemlich hohes Maß von Können läßt sich bei zäher, jahrelanger Hebung und nie erlahmendem Eifer im Geräteturnen auch vom weniger Veranlagten erreichen. Das eine aber gilt immer:

Die Gerälekunsl fordert unendlich viel, ehe sie sparsam gibt.

Daß unsere deutsche Jugend allen ausgetüftel­ten und ausgeklügelten hygienischen und theo­retisch-physiologischen Bedenken zum Trotz zu Tausenden alljährlich immer wieder zum Geräte­turnen eilt und Lust und Freude dabei emp­findet, und daß ungezählte Tausende die Reigung und Lust zu dieser schönen Art der Leibes­übungen bis ins späte Alter mit hinübernehmen, spricht in erfreulicher Weise für das Geräte­turnen als einer unversiegbaren Quelle der Be- wegungsfreude. Diese Bewegungsfreude und der

Wenn MenssOen anseßnanveWetzn

Roman von 3. Schneider-Foerstl.

Urheberrechtsschuh Verlag O. Meister, Werdau.

14. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Rach ein paar schnellen Sähen stand Horvath am Ufer und teilte das Schilf, das ihn wie ein sandfarbener Wald umrahmte. Ein Mann, dessen Gesicht in der Dämmerung nicht zu erkennen war, stak bis über die Schultern im Schlamm und suchte sich vergeblich herauszuarbeiten. Er sank nur immer tiefer. Jede Bewegung beschleunigte das Verderben.

^Rehmen Sie sich in acht, der Boden trägt nicht!" warnte ein Mund, den das Wasser be­reits in der nächsten Minute erreichen mußte. Es ist alles vom Gewitter unterspült", kam es mit einem Keuchen nach.

Horvath zuckte zusammen. Die Stimme gehörte Gunnar Bosanhi. Den Lippen des Künstlers ent­schlüpfte fein Laut mehr. Der Mann, der hier um sein Leben kämpfte, war fein Feind. Die Hände, die da so katzenhaft zäh mit der verbis­senen Wut eines Raubtieres in das hohe Schilf griffen, hatten seinen Vater erschlagen, den Vater, den er nie gekannt hatte, weil dessen Leben schon ausgelöscht war, als das seine noch kaum ge­flackert hatte. Ausgelöscht von diesem Menschen, der nun rettungslos verloren war, wenn er ihm nicht zu Hilfe kam.

Eine Sekunde tatlosen Schauens, dann schleu­derte er Rosmaries Handschuh, den er noch immer zwischen den Fingern hielt, zu Boden, riß aus der Tasche seines Rockes zwei Hälften einer Pferdeleine, knotete sie aneinander und warf sie sich über die Schuld rn. Das eine Ende warf er Bosanyi zu, während er das andere mehrmals um seine Rechte wickelte.

Fassen Sie an! Dem Todfeinde mußte er jetzt das Leben retten! Mußte! Auch wenn der andere ihn mit in die Tiefe riß. Dor diesem Müssen gab es keine Flucht.

Horvath stemmte sich mit den Kanten der Fuß­sohle in den rissigen Boden. Seine Adern schwol­len an. Die Brust wölbte sich unter dem un­geheuren Kraftaufwand. Schon nach Minuten lief ihm ein Rinnsal von Schweiß über den Körper. Die Muskelstränge am Hals waren zum Bersten angeschwollen.Es geht nicht!" hörte er Basanyi keuchen.Lassen Sie's! Mein Gewicht ist zu schwer für Sie!" .

Cs muß gehen." Wiederum ein Anschwellen der Muskeln. Heber Horvaths Schulter riß das feine Gewebe des Hemdes. Hnbarmherzig schnitt

die römische zeigen, wasdie Eingeborenen" kön­nen und wie die Künstler verschiedener Rationen und Rassen sie sehen. Maler und Plastiker haben sich erstaunlich angestrengt, und man fühlt sich versucht zu sagen, dos fei nötig gewesen angesichts dessen, was dieWilden" können. Die nichtitalie­nischen Künstler sind allerdings nicht sehr zahlreich vertreten, doch wurde dem deutschen Maler Fritz Reuhaus für feine ausgezeichneten Tripolis- bilder neidlos ein eigener Saal eingeräumt. Wir erfinden das Heilmittel gegen die Schlafkrankheit für die Koloniender andern, wir ma­len die Kolonien der andern denn wie meinte doch Scheidemann?Kolonien brauchen wir nicht!"

Oer Traum bringt's an den Tag.

Dor einigen Wochen fand man in einer Schlucht bei Arpino, der Vaterstadt Ciceros, den scheinbar unversehrten Leichnam eines Dauern namens Ri- kolaus Greco. Zwischen den verkrampften Fin­gern hielt er einen Ginsterzweig, fein Strohhut lag neben ihm, offenbar war der Mann abgestürzt. Wahrscheinlich im Suff, sagten die Leute unhöflich, und Christophorus Acini klatschte beifall­brüllend auf die Schenkel.

Die Herren von der Polizei tarnen zu dem glei­chen Ergebnis, nachdem der Arzt als einzige To­desursache eine innere, durch den Sturz verur­sachte Blutung feftgeftellt und die Kriminalisten keinerlei Anzeichen für gewalttätige Einwirkung einer Drittperson, so heißt das amtlich, gesunden hatten. Damit war die Sache erledigt, der arme Rikolaus ging auf dem Friedhof zur ewigen Ruhe ein. Diese Ewigkeit kann bekanntlich manchmal ziemlich lange dauern, zwanzig oder gar dreißig Jahre, je nachdem, was die Hmbettungsregeln und der Platzmangel bestimmen. Dann heißt es

das Leder der Riemen in das Fleisch des Mannernackens.

Aus Bosanyis Mund kam ein Gurgeln.Es ist umsonst! Sie schaffen es nicht. Ich stecke zu fest."

Hnd wieder setzte Horvath die Füße mit ver­bissener Kraft in die schwarze, steinharte Kruste der Erde, daß der Eindruck seiner Stiefel sich wie der eines Hufes darin abprägte.

Etwas klebrig Heißes rann ihm über den Kör­per. Die Kanten der Leine hatten ihm die Haut durchschnitten und bohrten sich in die Schultern, daß das Blut über Rücken und Brust herab­zurieseln begann.

Irgendwo im Schlamm mußte Bosanyi plötz­lich Halt gefunden haben. Sein Körper ver­mochte sich um ein Weniges in die Höhe zu stem­men. Seine Hand griff in das Schilf, während die andere noch immer um das Ende der Leine gewickelt war.

Rach fünf weiteren Minuten äußerster Kraft- anftrengung beiderseits stand der Gutsherr schlammüberkrustet seinem Retter gegenüber.

Sie hätten sich die Komödie ersparen kön­nen, Herr Horvath."

Es hätte auch eine Tragödie werden können, Herr Bosanyi! Guten Abend!" Mit einem knap­pen Lüften des Hutes wandte sich der Künstler zum Gehen.

Bosanyi sah, wie die Rechte des andern sich in die Tasche grub und dann mit einem weißen Tuch Schulter und Brust betupfte. In dem Stiefeleindruck am Boden vor ihm stand ein kleines Rinnsal stockigen Blutes.

Dlut!

Er sah Horvaths Vater wieder vor sich liegen, hingestreckt durch eine Kugel, die seine Hand ab» geschossen hatte. Damals war es auch Dlut ge­wesen, das am Boden geronnen war.

Bosanyi wischte sich den Schlamm von Gesicht und Hals. Es gab kein Zusammenkommen für einen Horvath und eine Bosanyi! Auch das Heute konnte keine Brücke bauen. Keine!

Als er nach Hause kam, starrte Raja ihn aus toderschrockenen Augen an.Vater, was ist?"

Richts."

Vater!"

Wenn du es durchaus wissen mußt: Der Hortobagy hätte mich bei einem Haar ver­schluckt."

Tränen sickerten ihr langsam über das fahle Gesicht.Wem hab ich es zu verdanken, Vater, daß du mir lebst?"

Er zögerte einen Moment.Gerade dem, Raja, von dem es mir am wenigsten erwünscht ist. Ge­rade er mußte es fein, der mir zu Hilfe kam!"

Guido?"

Er nickte mit verhaltenem Grimm.Deshalb hat sich aber nicht das geringste geändert!" stieß er heraus.

heraus und ins Beinhaus, aber dann, dachte Christophorus Acini, ist längst Gras über d i e Geschichte gewachsen.

Cs sollte anders kommen. Der tote Rikolaus fand wenig Gefallen an dem Ausgang der Ange­legenheit, stieg schon gestern aus der Gruft und erschien seiner Frau im Traum.Ich bin nicht verunglückt", erzählte er,und es ist auch gar nicht wahr, daß ich zu viel getrunken habe, die Leute übertreiben immer gleich. Der Christophorus Acini hat mich umge­bracht, weil ich ihm die zehntausend Lire nicht gleich zurückzahlen konnte. Erinnerst du dich nicht, wie wütend er an der Kirchweih war? Heute abend, drohte er, heißt es Schulden bezahlen entweder mit Geld oder mit Blut! Hnd er hat Wort gehalten. Er schlug mich nieder, er hat mich wohl auch gestochen ich sehe seine Frau was wollen sie nur ach Gott, sie tra­gen mich in die Schlucht hinunter und drücken mir einen Ginsterbusch in die Hand.

Aber du hast ja gar nicht geblutet! verwun­derte sich die Bäuerin.Er hat mir das Blut ab­gewaschen, ganz sorgfältig", gab der Tote zurück, geh' du nur in die Schlucht und sieh' dir die Stelle näher an das Gras konnte er nicht ab­waschen ...

Die Frau fuhr aus dem Alpdruck auf und lief zur Polizei und lief den kopsschüttelnden Gen­darmen voran in die Schlucht. Da fanden sie tat­sächlich Dlutspuren am Gras und die Kri­minalisten fanden bei der Haussuchung im Bette des Christophorus eine blutige Axt und einen blu­tigen Dolch, und die Aerzte fanden bei der Exhu­mierung der Leiche die wahre Todesursache. Der Mörder konstruierte ein klägliches Alibi, seine Helferin verwickelte sich in tausend Widersprüche und jedermann fiel es ein, daß zum Wegschleppen des Leichnams gewiß vier Arme notwendig ge­wesen seien.

Hnd nun erst, nachdem der Staatsanwalt das Ehepaar verhaften ließ, hat der Tote feine Ruhe. In Arpino aber behauptet keiner mehr, daß Träume bloß Schäume feien.

Ohne etwas zu erwidern, ging sie aus dem Zimmer.

Zwischen einem Horvath und einer Bosanyi gibt es keine Brücke."

Zwei Reiter jagten im gestreckten Galopp über die Steppe, in der Richtung nach der Station, wo in der nächsten halben Stunde der Schnell­zug von Wien her erwartet wurde.

Glaubst du, daß wir's schaffen, Guido? Ich hätte mich besser beeilen sollen. Aber die Aga ist ja gar nicht mehr fertig geworden mit Auf­trägen." Rosmaries Gesicht brannte unter der Gluthitze, die vom Himmel herab zur Erde strömte.

Richt nervös werden, mein Liebes! Wir ha­ben noch zwanzig Minuten." Horvath zog seine Hhr und sah angestrengt nach dem kleinen, glitzernden Pünktchen, das weit draußen am Horizont aufblinkte. Es war der Schienenstrang, der als schmaler Silberstreifen zeitweilig sicht­bar wurde.

Heber dem glitzernden Pünktchen stieg nun etwas Schwarzes hoch, Rauch.Sieh doch, Ros- marie! Das erste Zeichen." Seine Rechte war leicht ausgestreckt und zeigte nach der immer näher kommenden und immer deutlicher sichtbar werdenden Wolke.

Sie streckte sich etwas im Sattel auf.Ich freue mich wahnsinnig, Guido!"

Sein Blick hing an ihrem schmalen Gesicht. Sie war ganz voll Seligkeit, er ganz voll quä­lenden Widerspruches im Inneren. So war das Leben!

Weshalb bist du so traurig?" Sie ließ ihr Pferd neben dem seinen hertraben, daß ihre Hände sich ohne Mühe zu fassen vermochten. Darf ich's nicht wissen, Guido?"

Doch, Kind! Aber es ist nichts von Belang. Ich bin nur etwas wetterwendisch."

Sie fragte nicht weiter. Sie wußte, daß er sehr unter den Stürmen litt, die feit Tagen über der Steppe gewütet hatten. Ihr Weg führte nun dicht am Gleis entlang. Was Horvath längst aus dem Gedächtnis entschwunden war, Szen- geryis Bitten nämlich, als er vor drei Jahren Abschied genommen hatte, fiel ihm nun ein: Wenn ich fort bin und Rosmarie zum Weibe heranreift, vergiß nicht, daß ich dir gesagt habe, wie sehr ich sie liebe!"

Mit einem raschen Blick umfaßte er die schlanke Gestalt an seiner Seite. Ob sie ahnte, mit wel­chen Wünschen Dela aus den Hrwäldern Afrikas zurückkehrte? Ob er sie vorbereiten sollte, fragen: Bist du ihm zugetan?

Aber für das alles war es nun zu spät. Hinter sich hörten sie bereits das Zittern der Schienen, dann ein Donnern, Knirschen, Stampfen. Horvath lenkte sein Pferd auf Rosmaries rechte

bunte Wechsel der reizvollen Hebungsformen be­geistern stetig zu neuer Tatkraft, so daß wir im Geräteturnen eine vorzügliche Hochschule der Rerven- und Muskelzucht, der Schulung der Geistesgegenwart besitzen. Das Geräteturnen ist ein großes Hebungsfeld der Willensentschlüsse, die wie Max Schwarze, der feine ©inner der DT, einmal sagte in den Zusammen­hängen des leiblich-seelischen Lebens jene her­vorragenden menschlichen Eigenschaften sichern, die wir Ausdauer und Zähigkeit, Selbstvertrauen, Entschlossenheit, Herzhaftigkeit und Wagemut nennen.

Dazu kommt noch, daß

das Geräteturnen eine Schöpfung deutschen Volksgeistes ist und ein Stück deutscher Volks- kuttur,

deutsch im Hrsprung, deutsch in der Empfindung und Benennung, ein Vermächtnis also, für das wir unfern Vätern dankbar sind, und das wir pflegen und hüten wollen als gleichberechtigtes Glied neben allen anderen wertvollen Zweigen deutscher Leibesübung.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

1900 (Liga) gegen

Sportclub Wehlar-Riedergirmes (Liga).

Nach langer Zeit gelangt auf dem Platz der Spiel- Vereinigung 1900 wieder einmal ein Verbandsspiel, nach Dillenburg das zweite, auf eigenem Platze zum Austrag. Bisher waren immer die 1900er auf der Achse und brachten die Verbandsspiele gegen die Mannschaften des Hinterlandes (Frohnhausen, Brei­denbach, Wallau und Wiesenbach) hinter sich. Die 1900er haben dabei nicht allzuviel Lorbeeren ge­erntet. Um so mehr erwartet man morgen auf eige­nem Platze einen Sieg und wenigstens von den Blauweißen ein schönes Spiel. Die 1. Mann­schaft des Sportclubs Wetzlar-Niedergirmes ist der Gegner. Die Elf ist bekannt für ihr handfestes und körperliches Spiel, das die Mannschaft des Gegners jeweils vor harte Aufgaben stellt. Die 1900er sollten allerdings imstande sein, auf Grund ihrer technischen Ueberlegenheit in Verbindung mit dem nötigen Ehr­geiz und dem Willen zum Sieg, mit ernsthafter Be­mühung um ein produktives Spiel und eine har­monische Zusammenarbeit, die Eigennützigkeiten der Spieler ausscheidet, den Sieg und die Punkte fest­zuhalten. Die Mannschaft tritt in folgender Auf­stellung an: Schmidt; Schneider, H. Jäckel; Glitsch, Langsdorf, Henrich; Best, Heilmann, Lippert, Wil- helmi, Zeller. Die Aufstellung darf man als durchaus vertrauenswürdig ansprechen, und sie sollte imstande sein, für den wenig günstigen Tabellenplatz, den die Gießener einnehmen, etwas zu tun.

Die Ligareserve ist spielfrei. Die Lehrmann­schaft weilt am Sonntag in Lich und tritt gegen die dortige erste des VfR. an. Die Dlauweißen müssen sehr auf der Hut sein, wenn sie nicht eine überraschende Riederlage hinnehmen wol­len. Die Elf ist diesmal wieder stärker beseht. Die vierte Mannschaft hat Watzenborn-Stein­bergs zweite zum Gegner. Der erhoffte Sieg wird 1900 nicht leicht zufallen. Die Platzverhältnisse raten außerdem zur Vorsicht. Die Spielver­einigung 1900 hat sich auf Grund eines großen Spielerandranges entschließen müssen, eine fünfte Mannschaft zu nominieren. Die Elf wird das erstemal am Sonntagvormittag Lollars ersatz­geschwächter zweiter Mannschaft gegenübertre­ten. Heber den Ausgang des Treffens ist nichts vorherzusagen. Die Mitglieder der 5. Mannschaft sind allerdings keine Anfänger.

Jugendspiele.

In einem Gesellschaftsspiel tritt die erste Jugend der Spielvereinigung, der 1. Jugend des SC. Wetzlar-Riedergirmes gegenüber. Da die Spielstärke des Gastgebers nicht bekannt ist, darf 1900 das Spiel nicht zu leicht nehmen. Vor Seite, so daß er dem Bahnkörper am nächsten ritt. Sie strahlte ihm dankbar für diese seine Fürsorge an und wandte das Gesicht nach den Wagen, von denen die ersten bereits an ihnen vorüberrollten.

©in Herr mit ergrautem Spihbart, der an dem Fenster eines Abteiles stand, winkte mit seinem Taschentuch.

Vater! Willkommen, Vater! Guido, sie sind da!"

Der Professor schrie etwas in den Wagen zurück. Ein zweites Gesicht neigte sich weit heraus.

Bela!" rief Horvath und riß den Hut vom Kopfe.

Gerade als die ersten Passagiere es waren ihrer nicht allzu viele dem Perron zugingen, sprangen Horvath und Rosmarie aus dem Sattel. Sie warfen dem Kutscher, der mit der offenen Chaise gekommen war, die Zügel entgegen.

Rosmarie fühlte sich von zwei starken, seh­nigen Armen umfaßt, an eine hastig klopfende Brust gezogen und immer wieder auf Lippen und Wangen geküßt.Mädel, mein Mädel! Was ist aus dir geworden, Kind! Wie konntest du dir erlauben, einen halben Kops über mich hinaus zu wachsen? Bela, schau doch!" Der Professor gab die Tochter frei.Ihr habt euch ja noch gar nicht begrüßt."

Dr. Szengeryi löste die Hand aus der Hor­vaths und trat auf Rosmarie zu. Tausendmal hatte er sich in diesen drei Jahren ausgedacht, wie fein Wiedersehen mit ihr vor sich gehen würde. Er würde sie ganz einfach in die Arme nehmen und küssen küssen, bis sie keinen Atem mehr fand, nur noch mit einem Jauchzen und Schluchzen zugleich an seinem Herzen lag.

Hnd nun war alles so ganz, ganz anders.

Er hob Rosmaries feste, gebräunte Hand an die Lippen, stammelte etwas Hnverständliches und suchte in ihrem Gesicht.Du hast dich so un­glaublich verändert, Rosmarie."

Horvaths Schultern zuckten im Lachen.Du mußt ihn fragen, mein Liebes, ob zu deinem Vor- oder Rachteil.

Das Mädchenantlih war plötzlich blutüber- goffen.Was bist du für ein böser Mensch, Guido! Du vergißt keines von all den Worten, die man zu dir sagt.

Jedenfalls keines von denen, die du zu mir sagst, Rosmarie."

Belas Szengeryis Mund wurde schmal. Se­kundenlang glitt fein Blick nach der Schnell- zugsmaschine, deren Räderpaare sich eben wieder in Bewegung setzten. Wenn er hinüberlief und in einen der Wagen sprang? Was sollte er denn hier?

(Fortsetzung folgt.)