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17.10.1931
 
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Nr. 243 Zweites Blatt

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Ich merkte aus einer Unterhaltung mit einem hohen Beamten des auswärtigen Dienstes in Tokio, daß der Regierung aus wirtschaftlichen Gründen, um die Ausfuhr nach China nicht zu gefährden, daran lag, daß keine ernste Verwicklung eintrat aber da passierte ein Zwischenfall, der das Militär in Erregung brachte: ein japanischer Offizier, Hauptmann Nakamura, mit einem Unter-

Mit solcher Abgrenzung des Eigenen gegen das Ueberkommene im Schauspiel weist Hofmannsthal über die spanische Vorlage zurück ins Mittelal­ter mit seinen zugleich tiefsinnigen und primitiven Mysterienspielen und Revuen, seinen Totentänzen und Weltgerichten: und deutet auch die Der- loandtschaft dieses DelttheaterS mit seinem aus

Hugo von Hofmannsthal, der schon das bunte und leichtgeschü^teMantel- und Degen­stück" von derDame Kobold" für unser Theater erneuert hat, kehrte mit dem SalzburgerGroßen Welttheater" in die romanisch-romantischen Be­zirke des spanischen Dichters zurück.

Er schrieb dazu in einer Einführung: von Cal- derons Werkist hier die das Ganze tragende Metapher entlehnt, daß die Welt ein Schaugerüst aufbaut, worauf die Manschen in ihren von Gott ihnen zugeteilten Rollen das Spiel des Lebens aufführen, ferner der Titel dieses Spiels und die Namen der sechs Gestalten, durch welche die Menschheit vorgestellt wird sonst nichts. Diese Bestandteile aber eignen nicht dem großen katholischen Dichter als seine Erfindung, sondern gehören zu dem Schatz von Mythen und Alle­gorien, die das Mittelalter ausgeformt und den späteren Llahrhunderten Übermacht hat".

Gießener Gtadttheaier.

Hofmannsihal nach Calderon: Das große Wclitheater."

Bor einem Bierteljahrtausend starb, am 25. Mai 1681, Pedro Calderon de la Barca, der große nationale Dichter des spanischen Barock. In Ma­drid geboren anno 1600, hat er ein langes und bewegtes Leben geführt, war Iesuitenschüler und Student in Salamanca, später Soldat und Dich­ter, Theaterdirektor und Hofkaplan König Phi­lipps IV.

Obwohl Calderon ein Liebling Goethes und der Romantiker gewesen ist, haben sich von seinen etwa zweihundert Stücken,autos sacramentales und comedias, lange Zeit hindurch nurDer Richter von Zalamea",Der standhafte Prinz" undDas Leben ein Traum" auf dem deutschen Theater be­haupten können. Erst die moderne Literatur hat sich bemüht, das minder bekannte dichterische Gut des alten Spaniers der Vergessenheit zu ent­reißen und für die Gegenwart neu zu gestalten.

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Durch diese Methode hatte sich in der Man- dschu rei eine Masse Zündstoff zwischen Chinesen und Japanern ausgehäuft. Die Japaner sind in der Mandschurei nicht Siedler, sondern Geschäfts­leute, außerdem Beamte und Angestellte der süd- mandschurischen Bahn und andrer Betriebe. Die Lhinesen Heben die Japaner nicht, und jede chine­sische Behörde ließ bei Polizei-, Steuer- und Zi lachen, Lizenzen und wo sich sonst Gelegenheit er­gab, die Japaner ihre Abneigung fühlen. Auf die Weise häuften sich auf der japanischen Seite Be- ichwerden über Beschwerden, die von Mulden und Nanking grundsätzlich ignoriert oder nichtochtend behandelt wurden. Als ich kürzlich in Japan war, war die Stimmung in der japanischen Presse und öffentlichen Meinung schon aufs höchste gegen China

China und Japan,

politische Eindrücke von einer Weltreise.

Von £)r. Paul Rohrbach.

Peking, den 27. September 1931.

Vorgestern in Nanking bekam ich die Stel­lung n a 1) m e des Völkerbundsrats im chinesisch-japanischen Konflikt nur erst im Auszug zu lesen und wunderte mich schon über die Genug­tuung, die die Chinesen, auch die Regierungsstellen, zur Schau trugen. Heute, hier, wo der volle Text vorliegt, wundere ich mich noch mehr. Wenn die Japaner auf das als Notaustunfsmittel verordnete sZunfmännerkollegium des Völkerbundes nicht hören zu können erklären wer will sie dann zum Gegen­teil anhalten? Außerdem ist es gar nicht unmöglich, daß mancher Ratsmacht nur mäßig daran gelegen ist, den Chinesen eine Genugtuung gegen die Ja­paner zu verschasfen.

Wenn man hier mit politisch eingestellten Aus­ländern spricht inkl. Amerikaner, so kann man zu hören betommen:Es war den Chinesen schon zu gönnen, daß die Japaner ihnen ein­mal ordentlich auf die Füße getreten haben, denn mit der Unhöflichkeit, Patzigkeit und Einbildung der Nanking-Leute ist ost schon nicht mehr äus- zukommen!" Dies Urteil ist so allgemein, daß es feinen Grund haben muß. Er ist aiyf) nicht Ichwer zu erkennen, sobald man sich eine Eigen- lümlichkeit des neuen China vergegenwärtigt. China hat nie eine erbliche Aristokratie gehabt, sondern das gelehrte Studium, das ein jeder mit der nöti­gen Ausdauer und Begabung erwerben konnte, -öffnete den Weg zu allen Staatsämtern. Die alten, im Konfuzianismus geschulten Beamten hatten auch ihren Hochmut gegenüber dem Europäer, aber sie waren höfliche Leute und ließen es nicht an der Form fehlen. Heute wird China großenteils von jungen Menschen regiert, die keine Formen kennen, weil sie gar keine wirkliche Bildung besitzen, sondern nur irgendwo, vielfach in Amerika ober auf amerikanischen Schulen in China, ein oft oberflächliches und unsystematisches Schulwissen sich ungeeignet haben. Sie gehören aber zur herr­schenden Partei, der Kuomintang, haben ihr schuldiplom, das sie nach der jetzt geltenden Mei­nung zu allem befähigt, und bilden sich ein, daß sie damit alles Wissen der Welt beherrschen. Eine Tra­dition gehobener Umgangsformen gibt es bei den Nankingleuten nicht: was jetzt in Nan"ng und anderswo auf den Amtsstühlen sitzt, stammt meist aus untergeordneten Verhältnissen und kennt kein Benehmen. Damit ist nicht gesagt, daß keine tüch- tlgen Leute darunter sind; es gibt sie. Aber mit dem Parteibuch der Kuomintang ist durchweg die Ein­bildung verbunden, nicht nur zu jeder Stellung im Staatsdienst berufen und befähigt, sondern auch ohne weiteres im Recht zu sein, wenn man fremde Interessen formlos und rücksichtslos behan­delt.

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Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)

offizier wurden im mongolisch-mandschurischen Grenzgebiet von chinesischen Soldaten ermordet. Na- kamura und sein Begleiter waren in Zivil; natür­lich sollten sie Erkundungen machen. Japan behaup­tete, den Beweis zu haben, daß der Mord auf Be­fehl eines chinesischen Generals geschehen sei, dem die beiden Japaner verhaßt waren. Die japanische Regierung verlangte Bestrafung der Schuldigen und eine hohe Entschädigung, die Chinesen antwor­teten nach ihrer Art unmanierlich und hochmütig und boten schließlich eine Kleinigkeit an. (Sanz Ja­pan war wütend, aber die Regierung in Tokio ver­anlaßte, um auf das Militär einzuwirken, den Kriegsminister zu einem Besuch bei dem neunzig­jährigen Fürsten Saionji, einem alten Staatsmann von höchstem Ansehen, und das Ergebnis dieses Besuches war zunächst eine starke Milderung der militärischen Tonart.

Da plötzlich, am 19. September, als ich gerade von Kobe nach Mukden abreisen wollte, kam die Nachricht, daß chinesische Soldaten des nachts ein Stück der Eisenbahn bei Mukden gesprengt hätten, daß anschließend Kämpfe entstanden seien, und daß Mukden von den Japanern, denen sonst nur der Bahnhof mit einer starken militärischen Wache unter­steht, besetzt sei. Eine größere japanische Trup­penmacht steht in der Mandschurei normalerweise

nicht. Erst in Port Arthur, auf der Liautunghalb- insel, dem japanischen Pachtgebiet, stellt eine Divi­sion, die aber mit der Eisenbahn rasch yerangebracht werden konnte.

Was in jener Nacht vorn 18. auf den 19. Sep­tember an der Eisenbahn bei Mukden wirklich passiert ist, wird schwer zu ergründen sein. Es ist durchaus nicht unmöglich, daß chinesische Soldaten, ohne an die Folgen zu denken, den Japanern einen Schabernack antun wollten. An chinesischen Truppen stehen in der Mandschurei über 200 000, etwa das Achtfache der japanischen Streit&äfte in Port Arthur und an der koreanisch-mandschurischen Grenze. China hat in Genf erklärt, es habe an- geordnet, daß die chinesischen Kräfte in der Man­dschurei sich nicht in Kampf mit den Japanern ein» lassen sollten. Das klingt ganz gut so aber man muh dazu wissen, daß die chinesischenGenerale" in der Mandschurei, kaum daß die Japaner die Zähne zeigten, ihre martialischen Uniformen, ihre schönen braunen Stiefel und ihre Säbel schleunigst verschwinden ließen und truppweise in Zivil hierher nach Peking ausgerissen sind, wo nicht geschossen wird. Ueber alle diese Dinge wird hier recht geschmunzelt, und man meint, daß auch im Völkerbund die wirkliche Stimmung nicht allzu freundlich sein wird.

Der enffcheidendeSchn'ii in denWettkneg

Von Or. Gustav Roloff, 0. ö. profeflor der Geschichte an der Universität Gießen.

Unter diesem Titel hat Alfred v. Wegerer, der am 1. Oktober auf eine zehnjährige erfolg­reiche Tätigkeit als Leiter der Zentralstelle zur Erforschung der Kriegsursachen zurückblickte, eine Schrift herausgegeben (Berlin, Quaderver­lag), die einen hochwichtigen Punkt im Problem der Kriegsschuld, die Beantwortung des österreichisch - ungarischen Ultima­tums an Serbien, näher beleuchtet und zu­gleich zu allgemeineren Betrachtungen Anlaß gibt. Daß Serbien seine Antwort im Ein­verständnis mit Rußland aufgestellt hat, hat man immer angenommen, aber es war nicht bekannt oder wenigstens kaum beachtet, daß die serbische Regierung, wie Wegerer jetzt über­zeugend nachweist, nach der Tleberreichung des Ultimatums (23. Juli) zwischen Annahme und Ablehnung geschwankt und sich sogar am Vor­mittag des letzten Tages (Samstag, 25. Juli) zu dem Entschluß durchgerungen hatte, eine zustim­mende Antwort zu geben. Von Rußland hatte man noch kein Hilfeversprechen erhalten und allein fühlte man sich Oesterreich-Llngarn nicht gewachsen. Gegen Mittag des 25. Juli erfolgte ein Umschwung. Zwei Telegramme des russischen Ministers des Auswärtigen Sasonow trafen ein, die die Ablehnung des Ultimatums vorschrieben und für den Fall eines Bruches mit Oesterreich militärische Hilfe, ja die Eroberung österreichi­schen Gebietes zusagten. Danach konnte es in Belgrad ein Schwanken nicht mehr geben: die schon aufgesetzte bejahende Antwort wurde schleu­nigst in die bekannte leicht verschleierte Ab­lehnung umredigiert. Diese beiden Depeschen sind zwar nicht im Wortlaut bekannt, sie sind aber seinerzeit in der serbischen Regierungspresse ver­öffentlicht worden; mehrere europäische Zeitun­gen haben darüber berichtet, und sie sind im Jahre 1916 in serbischen Archiven den Truppen der Verbündeten in die Hände gefallen, die sie leider nicht sogleich der Oesfentlichkeit übergeben haben. Rach der Räumung Serbiens sind sie wieder in serbischen Besitz gekommen und werden nun selbstverständlich sorgfältig verborgen. An ihrer Existenz ist aber kein Zweifel.

Hieraus geht mit Deutlichkeit hervor, daß Sasonow spätestens am Morgen des 25. Juli öie Verantwortung für den Krieg mit Oesterreich-Ungarn und damit für einen europäischen übernommen hat, denn daß ein Bruch zwischen Rußland und Oesterreich auch den Krieg zwischen Deutschland,

derselben Sphäre hervorgewachsenen (freilich un­gleich dramatischeren)Jedermann" an.

Die Idee des Schauspiels entspricht im tiefsten Grunde dem Weltgefühl Hosmannsthals: die Re­lativität aller Beziehungen, die Vertauschung von Leben und Traum, von irdischer und überirdischer Wirklichkeit, das Verfließen und Verwischtwerden aller Grenzen ist ja ein immer wiederkehrendes Motiv der Oesterreicher. Das Leben wird zum Gleichnis, der einzelne Mensch zum Typus, zur Gestalt" erhoben und zugleich vereinfacht. Im Sinne des weitgespannten, mittelalterlichen Thea­ters erscheinen die typischen Vertreter des irdi- dischen Geschlechtes und passieren Revue.

Die körperlosen Seelen werden auf das von derWelt" errichtete Schaugerüst gerufen und er­halten ihre Rolle in Gestalt ihrer schicksalhaften Bestimmung. Erst in der Welt des Scheins ge­winnen sie flüchtiges Dasein und spielen ihr Spiel im alten, einfältigen Stil auf der schmalen Le­bens-Mitte zwischen Himmel und Hölle, verführt und angetrieben vom scharfen, hetzenden Stich­wort desWidersachers" unten gewarnt und geleitet durch die Engelsstimmen von oben aus dem Reiche des Herrn der Erde. DieWelt" ver­sieht das Amt des Spielführers: die echt öster­reichische Arlecchino-Figur desVorwitzes" bringt die komischen Pointen in ihren Auftritt; der Tod" aber, wie in den ältesten Zeiten, macht, von leisen Trommelwirbeln angekündigt, den Be­schluß und weist die armen Seelen eine nach der anderen von der Bühne, die die Welt bedeutet, zurück ins Gefilde der körperlosen Schatten.

Die neue deutsche Fassung desGroßen Welt­theaters" entsprang einer verhältnismäßig spä­ten, sehr reifen und abgeklärten Schaffensperiode im Gesamtwerk Hosmannsthals. Er hat, woraus in einer feinsinnigen Analyse von Hans Nau­mann hingewiesen wurde, dem alten Stoss durch die Herausarbeitung eines Leitmotives der jüng­sten Dichtung den entscheiDenöen Akzent gegeben; an der Idee der Wandlung und Läuterung, welche sich in der Gestalt des Bettlers offenbart, erweist sich die Entwicklung des Dichters von den frühen Dramen zum geistlichen Mysterium; die Entwick­lung seines Weltgefühls.

Hier ist die berühmte Ungewißheit, die Rela­tivität der ethischen Normen, dasJenseits von Gut und Döse" überwunden in einer sittlichen Forderung und einer menschlichen Tat. Der vom

Rußland und Frankreich zur Folge haben werde, hat er keinen Augenblick bezweifelt. Alle weiteren Verhandlungen, die noch eine Woche lang geführt wurden, waren nur Schein und dazu bestimmt, der russischen Regierung die notwendige Rü­stungsfrist zu verschaffen. Nach Rußlands Willen konnte der Friede nur erhalten werden, wenn Oesterreich-Ungarn alle wirksamen Forderungen an Serbien preisgab, sich mit einer Scheingenug­tuung begnügte und damit sein eigenes Todes­urteil unterschrieb. Denn nach einem solchen kläg­lichen Ausgang der Wiener Aktion hätte die seit einem Jahrzehnt betriebene revolutionäre und verbrecherische Wühlarbeit auf österreichi­schem Boden, die ebenso von Rußland wie von Serbien betrieben wurde, in verstärktem Grade ihren Fortgang genommen.

Es fragt sich, was den russischen Minister be­stimmt hat, in diesem Augenblick den Würfel zu werfen, obgleich doch die russischen Rüstungen noch nicht vollendet waren, und der Krieg des­halb erst für einige Jahre später ge­plant war. Allerdings hatte Sasonow vor eini­gen Monaten dem Zaren die Ileberzeugung aus­gesprochen, ein Krieg des Dreiverbandes gegen den Dreibund werde nur kurze Zeit dauern, da die englische Flotte Deutschland in wenigen Wochen aushungern werde aber gerade über dies entscheidende Moment, die Beteiligung Englands, bestand noch keine Gewißheit. Am 24. Juli hatte der englische Botschafter Sasonows Verlangen, sich mit Rußland für einen etwa bevorstehenden Konflikt solidarisch zu erklären, hinhaltend beantwortet. Was den Minister trotz­dem zu dem Versprechen an Serbien getrieben hat, war öie Rücksicht auf d i e russische öffentliche Meinung. Er wußte, daß die herrschende panslawistische Strömung den Schuh Serbiens unbedingt begehrte, und er beugte sich ihr aus Furcht vor einer Revolution. Nicht einmal einer Niederlage Montenegros, hatte ein Gutachten der höchsten Würdenträger Rußlands vor kurzem ausgesprochen, werde die öffentliche Meinung ruhig zusehen, sondern die Regierung zwingen, den slawischen Glaubensgenossen beizu­stehen. Es sind also populäre politische Momente, die den Weltkrieg in erster Linie verursacht haben; alles, was von der Verant­wortlichkeit desKapitalismus" gelegentlich ge­sagt wird, ist hohles Gerede.

Zu dieser Abhängigkeit von der Stimmung des eigenen Landes und der seit Jahren ge-

Anglück geschlagene Zerlumpte nämlich, der sich anfangs erbittert gegen feineRolle" gesträubt, gegen fein Schicksal revoltiert und geeifert hat, überwindet sich im freiwilligen Anerkenntnis eines ewigen Weltregimentes zur Güte und De­mut.Nur daß er d i e n e n durfte, freute ihn": wie es in anderem Zusammenhang, im Gedicht, einmal ausgesprochen wird. An dieser Gestalt wird also am klarsten der Sinn des Schauspiels und zugleich seine Stellung im Werke Hofmanns­thals zu begreifen fein.

Es wurde schon angedeutet, daß dasGroße Welttheater" nicht den gleichen dramatischen Im­puls entfaltet wie das frühere Spiel vom Ster­ben des reichen Mannes, derJedermann". Es ist spröder, mit Idee und Gedankensracht bela­den, minder bewegt, eher pantomimisch und rhe­torisch .mehr Bild als Spiel. Zumal nach den rein theatralisch viel lebhafteren, äußerlich erre­genden Vorläufern im Spielplan hatte der Re­gisseur hier einen schweren Stand.

Fass 0 11 stellte seine Inszenierung (vor Löff­lers schönem, gotisch strengen Bühnen rahmen) aus stilisierende Linienführung in feierlichem Largo, auf die Herausarbeitung von Bild, Ge­bärde und Melodie. Das schien uns gut und sicherlich im Sinne der Dichtung, doch waren der mangelnden Dramatik wenig Hilfen gegeben; auch fehlte einzelnen Partien der sprachlichen Wieder­gabe die Resonanz, sich durchzusetzen gerade hier, wo jedes, auch das leiseste Wort, verständ­lich werden muß.

Dem Wesen des alten Epielstils entsprach es, daß die Darsteller als Kollektiv aufgeführt waren. Aus dem so betonten Ensemble hoben sich her­aus: Heyser als Bettler, der um eine schwie­rige Rolle sehr bemüht war, jedoch die beiden Hälften seiner Rolle nicht völlig verschmelzen und also die entscheidende Entwicklung seiner Ge­stalt mehr ahnen lassen als überzeugend machen konnte, ferner Ianscheck und Schelcher(En­gel) ; K 0 ch (Welt); Berger (Schönheit): D r u ck (Vorwitz); Hub (Reicher) und Volck (Dauer); Hauer (König) und Doering (Weisheit) wa­ren nicht immer zu verstehen.

Das Haus war gut beseht, doch herrschte fast während des ganzen Spiels störende Unruhe.

Die Vorstellung wurde durch eine kurze An­sprache des Spielleiters F a s s 0 11 eröffnet der noch einmal an die kritische Lage deS Theaters

Samstag, 17. Model 1951

hätschelten großserbischen Propaganda trat noch ein anderes, das Sasonow vorwärts trieb: die Gewißheit, daß Frankreich mindestens an Rußlands Seite stehen werde. Das war nicht nur die Konsequenz der französischen Politik seit anderthalb Menschenaltern, er hatte auch, wie wir aus den englischen Dotschafter- berichten wissen, das positive Versprechen Poin- cares. Soeben (22. Juli) hatten beide die Ver­abredung getroffen, daß man gemeinsam Oester­reich hindern wolle, Serbien wirksam zur Rechen­schaft zu ziehen, und ausdrücklich dabei einander Erfüllung aller Bündnispflichten, d. h. also auch militärische Unterstützung zugesagt. Poincare hatte in diesem Augenblick die Möglichkeit, den russischen Kriegswillen durch den Hinweis auf die Gerechtigkeit der österreichisch-ungarischen For­derungen zu dämpfen: er hat das Gegenteil ge­tan; nicht nur durch dieses Abkommen mit Sa­sonow, sondern zugleich auch durch drohende Worte, die er an den österreichischen Botschafter richtete.

Mit dem Entschlüsse Sasonows und Poineares war der Friede gewiß aufs höchste gefährdet, aber das letzte Wort war noch nicht ge­sprochen. Noch war die Möglichkeit vorhanden, daß die englische Regierung sich für die Erhaltung des Friedens einsehte. Wenn Grey, der Leiter der englischen Außenpolitik, der ihm wohlbekannten Zwangslage Oesterreichs, sein Le­ben gegen die serbischen Angriffe verteidigen zu müssen, Rechnung trug und sich im Interesse des Weltfriedens kategorisch für Befriedigung der gerechten Wiener Sicherheitsforderungen vielleicht unter formaler Schonung der serbischen Souveränität aussprach, so hätte Sasonow vor der Wahl gestanden, entweder auf dieses Kompromiß einzugehen oder den Kampf gegen die Mittelmächte mit Frankreich allein auszunehmen. Daß in solchem Kampfe alles auf dem Spiele stand, wußte er, mochten die russischen Generale in der letzten Zeit auch in der russischen und französischen Presse mit der lleberlegenheit Ruß­lands über die Mittelmächte geprahlt haben. Er muhte dann entscheiden, welche Gefahr größer war, dieser Krieg oder die Auseinandersetzung mit dem Panslawismus. Aber Sasonow ist gar nicht vor diese Alternative gestellt worden. Hier setzteder Mechanismus der Entente" ein. In denselben Stunden, da Sasonow seine kriegerischen Telegramme nach Belgrad schickte, fiel i n Lon­don die Entscheidung. Am Morgen des 25. Juli beschloß Grey nach einer Besprechung mit seinen beiden Hauptgehilfen, Nicolson und Eyre Crowe, Rußland und Frankreich auf alle Fälle z u unterstützen, wenn es zum Kriege komme.Was wir auch von der rechtlichen Seite der österreichischen Anklagen gegen Serbien halten mögen, Frankreich und Rußland sind der Ansicht, daß sie Vorwände sind, und daß die größere Frage von Dreibund gegen Dreiverband aufgeworfen ist", sagte Crowe. Diesem Gedanken entsprechend lieh Grey in Petersburg mitteilen, England werde sich zwar um den serbisch-öster­reichischen Streit nicht kümmern, aber es werde bestimmt Partei ergreifen, wenn sich daraus ein Konflikt zwischen den großen Mächten des Fest­landes entwickele. Es war eine deutliche Er­klärung, dah Ruhland auf England rechnen dürfe, denn als Grey diese Mitteilung machte, wußte er bereits, dah Sasonow und Poincare sich auf ein Vorgehen gegen Oesterreich geeinigt hatten, dah also, wenn England nicht intervenierte und kein für Oesterreich annehmbares Kompromiß vorschlug, ein Konflikt bevorstand, an dem Deutschland und Frankreich teilhaben mußten, lind zum Heberfluß sprach er sich an demselben Tage dem russischen Botschafter gegenüber noch deut­licher aus: er hoffe, Deutschland zu einer Ver­mittlung zu bestimmen, die für Rußland günstig ausschlagen solle, denn sie werde Rußland Zeit zu Rüstungen gewähren, während Deutschland als vermittelnde Macht keine Vor­bereitungen treffen dürfe.

Mit diesen Aeußerungen des englischen Aus­wärtigen Amtes war jede Friedensmöglichkeit gemordet. Es hing jetzt von Ruhland ab, durch

erinnerte und um tatkräftige Unterstützung des kunstsinnigen Bürgertums bat. hth.

Tonfilm:3m Geheimdienst.^

Ein hon Gustav Heidt) inszenierter, neuer Tonfilm der Ufa, der thematisch etwa in einer Linie mit ÖenSpionen" unö stellenweise auch mit öerAffäre Dreysus" liegt Die Hanölung gibt einen Ausschnitt aus öemKrieg im Dun­kel": Das überaus gewagte unö schwierige Ma­növer eines Agenten öcr Deutschen Heeresleitung im Innern Ruhlanös. Der phantastisch verwegene Plan gelingt: öas Deutsche Hauptquartier ge­langt rechtzeitig in Den Besitz Der geheimen Vor- bereitungspläne zur großen russischen Früh­jahrsoffensive unD kann Diese Durch einen über» raschenD geführten Gegenangriff kurz vor Dem Losbruch vereiteln. Man folgt Den einzelnen Phasen Des ungemein geschickt aufgebauten, in Spiel unö Gegenspiel raffiniert gesteigerten Spionagefalles mit äuherster Spannung. Die Regie arbeitet (bei schöner, klarer Photogra­phie) ganz konzentriert, führt Den Beschauer un­mittelbar in Die sprunghafte Entwicklung Der Handlung hinein, die durch Einführung eines musikalischen Leitmotivs und einer angenehm de­zent und verschleiert gegebenen Liebesgeschichte noch an sinnlichem Reiz gewinnt. Die Musik (S ch m i d t - B 0 e l ck e) ist hier ein wirklich mit­spielendes Clement, organischer Bestandteil des Ganzen. Eine Reihe sehr tüchtiger Darsteller: Willy Fritsch (Higgins) und Oscar Ho­rn 01 k a (General Lanskoi) als wichtigste Gegen­spieler, dazwischen die von Theodor Loos aus­gezeichnet entwickelte, zweideutig schillernde Fi­gur des nach beiden Seiten arbeitenden Agenten Dubbin. Gut auch: Karl Ludwig Diehl, Fer­dinand Hart, Winter st ein und K a y h 1 e r (der freilich allenthalben mehr Kayhler als Deth» mann-Hollweg ist). Eine gewisse Enttäuschung: Brigitte Helm, die hier merkwürdig starr unö unbewegt erscheint; man muß sich vorstellen, was die Garbo aus dieser Rolle herausgeholt hätte ... auch wenn man nicht verkennt, daß die Figur der Dera von vornherein (d. h. im Dreh­buch schon) zu gewissen Bedenken Anlaß gibt Sn öer technischen WieÖergabe Dürften ein paar kleine Schwankungen ausgeglichen toerDen. Der Film als Ganzes: eine sehr interessante Neu­erscheinung, Die man nicht versäumen sollte; seit gestern im neuen Programm Des Lichtspielhauses.

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