schlebenster Berufe und mit Vertretern der Arbeitnehmer gesprochen und versucht habe, eine Linie ju finden. Ich bin überzeugt, daß es möglich ist, eine solche Linie zu finden. (Es ist meine Ausgabe, zu verhindern, baft das deutsche Volk in diesem schwersten aller Winter auseinandergerissen wird. Pflicht eines verantwortlichen Politikers ist es. zu verhindern, dah über die Rot dieser Wochen und Monate, über diesen internationalen Spannungen aller- äuherslen Grades nicht, wie es immer in der Geschichte de» deutschen Volkes war, das deutsche Volk in zwei feindliche Lager auseinandergerissen wird.
Man mag mich ruhig angreifen, bas soll mich nicht stören. Ich habe mit Bewußtsein in den letzten Wochen in der Öffentlichkeit nicht mehr gesprochen, weil ich sonst in so scharfer Form gegen die Intrigen und Gehässigkeiten hätte Stellung nehmen müssen, baß ich vielleicht vieles für die Zukunft zerschlagen hätte. Ick habe Wichtigeres zu tun und ich habe einen zu tiefen Glauben an das deutsche Bolk, als baß ich es für nötig halte, auf jeden Angriff infamer Skribenten zu antworten. Bei dem Kampf der einen Seite dieses Hauses gegen die andere ist es leider nicht möglich, die Volksgemeinschaft in ihrem politischen Ausdruck herbeizuführen, die wir in die- fer historischen Stunde des deutschen Volkes haben müßten. Ich halte es für unmöglich, einen Weg zu begehen, der uns über diesen schweren Winter hinroegbringen soll, der von vornherein eine g e • scklossene Front gegen d i e Arbeiterflhaft bedeutet. Wer das glaubt, wird in kurzer Zeit versq^en. Aber hinter dem Versagen steckt diesmal etwas anderes. (Hört, hört! in der Mitte. — Sehr wahr! bei den Kommunisten.) Da es auf diesem Wege nicht möglich ist, so bin ich zu der Ueberlegung gekommen, ein Kabinett zu bilden, das an sich von jedermann in seinen Maßnahmen und in seinem Programm akzeptiert werden könnte, denn die Linie, die gegangen werden muß, wenn Deutschland gerettet werden soll, wird doch immer eine Linie des Ausgleichs und nicht der Unterdrückung nach der einen oder andern Seite sein. Ich muß daher die parteipolitische Basis dieses Kabinetts verengen und gleichzeitig dem Hrrrn Reichspräsidenten Vorschlägen, einen Wirtschaftsbeirat zu bilden.
Venn man glaubt, in diesen schwierigen außenpolitischen Zeiten einen wechsel in der Regierung vornehmen zu können, bann muh ich etwas sagen, was ich aus eigenster bitterer Erfahrung habe kennengelernt: Jebes neue Kabinett mit einer anderen Etikette hat zunächst für einige Zeit mit ft ä r f ft e m Mißtrauen im tUusIanbe z u kämpfen. Wir können keine Zeit verlieren. Rehmen wir einmal den theoretischen Fall einer Rechtsregierung, wenn sie den weg, der zur Freiheit führen mutz, gehen will, so wird sie den Weg fortsehen müssen, den wir gegangen sind. (Sehr richtig.) Aber sie wird dem
Auslande gegenüber erst Erklärungen abgeben müssen, die die bisherige Regierung nicht abzu- geben brauchte. (Lebhafter Beifall und Hände- klar,^en.) Damit ich nicht mihverstanden werde: ich habe kein Wort von einer Kapitulationserklärung einer solchen Rechtsregierung gesprochen und glaube, dah es überhaupt keine Partei in diesem Hause gibt, die jemals eine derartige
Erklärung abgeben wird.
Wie will man die Anschauungen innerhalb einer Rechtsregierung auf einen Renner bringen? Man (oll doch wenigstens einmal klar erklären, was man will. (Sehr richtig') Ich habe noch nicht die Möglichkeit gehabt, den offenen Brief Hitlers an mich selbst ganz zu durchzulesen. Das bedeutet keine Kritik. Ich werde ihn durchlesen. Aber auf ein paar angestrichene Stellen dieses Briefes möchte ich eingehen. Hitler sagt, wenn auch nur vorübergehend eine Sanierung gelungen wäre, hätte niemand an die Revision gedacht. In dieser Auffassung liegt ein grundsätzlicher Fehler. Ich habe nicht mit einer Revision des ^oungplanes angefangen, sondern es war zunächst meine Aufgabe, unter bitteren Opfern des deutschen Volkes ein finanziell wankendes Gebäude zunächst einmal zu stützen, um überhaupt darin leben zu können. Wir find die erste Regierung gewesen, die aus eigener Kraft und nicht aus Anleihen erfüllt hat. (Unruhe bei den Kommunisten.) Es zeigte sich dabei, daß es so mit den Reparationen nicht ging. Entweder gibt man uns das Geld, um es in Reparationen wieder zurückzuzahlen — und das hat auch einmal ein Ende —, oder man gibt uns die Freiheit, die Reparationen mit einem riesigen Ausfuhrüberschuß zu bezahlen, und auch das können die Völker nicht vertragen. Trotz aller Unpopularität mußten wir den Mut haben, unseren Weg zu gehen. Wenn man an das Erfüllen ohne ausländische Kredithilfe geht, so wird sich zeigen, daß es nicht möglich ist, in dieser Form und Höhe Reparationen zu bezahlen. Ich glaube, daß diese Methode, die gewählt wurde, um eine Aufklärung der Welt über d i e wirkliche Lage Deutschlands zu schaffen, wirksamer war, als manche Forderung der Parteien.
Denkschriften und Reden werden die Weit nicht von der Rotlage Deutschlands überzeugen. Es überzeugt allein, wenn eine Regierung den Mut hat, ihre Karten aufzudecken und nicht zu sagen, daß sie mit allem Auferlegten mit einem Schlage brechen will. Diese unsere Methode ist nicht neu, sie ist von besiegten Völkern Immer wieder benutzt worden, um zum Erfolg zu kommen. wenn Hitler mutig genug ist. mir die nationale Gesinnung nicht abzusprechen, so frage ich: Was hindert dann vierfünftel dieses Hauses sich einmal zu entschließen, für ein paar Monate Parteipolitik beiseite zu lassen und nur darüber z u reden, wie das Vaterland gerettet werden kann, um endlich Glück und Freiheit zu schaffen. (AnhaltenderBeifallund Händeklatschen.)
Die Abstimmungen.
Oie Ablehnung der Mißtrauensanträge. — Auszug der Rechtsopposition. Vertagung des Reichstags bis Ende Februar.
Damit ist die Aussprache beendet, und e» beginnen die Abstimmungen. Zunächst wird in namentlicher Abstimmung der von den Kommunisten. Deutschnationalen und Rationalsozialisten elnge- brachle Mihtrauensantrag gegen das Gesamtkabinett mit 295 gegen 270 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen abgelehnt. Das Abstimmungsergebnis wird von der Mitte mit Beifall, von der Rechten und den Kommunisten mit Schweigen ausgenommen.
Der Reichstag wies bei den Abstimmungen eine Besetzung auf. wie sie noch nicht dagewesen ist. von den 577 Abgeordneten sind 5 71 anwesend gewesen. nur s?chs haben also gefehlt. Die Fehlenden waren bei den Sozialdemokraten der preußische Ministerpräsident Dr. Braun, bei den Kommunisten die Abg. Maddalena und Kreuhburg, bei der Deutschen Volkspartei die Abg. Dr. E u r 11 u s und Dauch und bei der Wirtschaftspartei der Parteioorsihende Dr. Bredt. 3n allen diesen Fällen lagen Krankheit oder andere unüberwindbare Hindernisse vor. Enthalten haben sich bei der Abstimmung die drei Deutsch-Hannoveraner. Bei der Deutschen Volkspartei haben fünf Abgeordnete gegen die Mihtrauensanträge gestimmt, und zwar die Abg. Dr. Kahl, Glahel. Thiel, Dr. Kallo (Hessen-Rassau) und Dr. von fi ar bot ff. Die Abg. Dr. Moldenhauer und Dr. Schneider (Dresden) haben sich an der Abstimmung nicht beteiligt. Das Landvolk hat bis auf die Abg. Schlange-Schöningen und Dorsch (Hessen) für die Mihtrauensanträge gestimmt. Der Abg. Schlange hat gegen die Mihtrauensanträge gestimmt, der Abg. Dorsch hat sich an der Abstimmung nicht beteiligt. Die Wirtschaftspartei hat geschlossen gegen die Mihtrauensanträge gestimmt. Ebenso stimmten dagegen Zentrum, Bayerische Volkspartei, Staatspartei, Konservative Volkspartei, Sozialdemokraten, Wirtschastspartei, Ehristlich-Soziate, die Volksnationalen und der Bayerische Bauernbund.
Es kommt bann zur Abstimmung über bie Miß- trauensanträge gegen einzelne Minister. Der kom- munistische Mißtrauensantraa gegen Minister Grocner wirb in namentlicher Abstimmung mit 321 gegen 233 Stimmen abgelehnt bei 16 Stimm- cnthaltungcn. Mit ähnlichen Mehrheiten gegen ben Reichsernahrungsminister S ch i e l e unb ben Reichs- nrbeitsminiftcr Dr. Stege rroalb. Der Antrag auf Auflösungdes Reichstages wirb mit 320 gegen 252 -stimmen abgelehnt. — Der Antrag auf Aufhebung ber Rotverorb- n u n g e n wirb mit 336 gegen 233 Stimmen a b - gelehnt
Dann ertlärt 21hg. Dr. Frick (Rats), nach biefem Verlauf ber Verhandlungen hätten die Rational- soz,allsten kein Interesse mehr an den par- lamentarifdjen Beratungen. Sie würden d e n Reichstag oerlassen und außerhalb des Par- laments daran arbeiten bie letzten Stützen dieses «ystems zu zerbrechen. Abg. G o 11 h e i n e r (Dnt.) schließt sich für die Deutschnationalen unb die drei Dissidenten aus der Landvolkpartei der Erklärung von Dr. Frick an. Die Mitglieder der Rechlsoppo- sition verlassen darauf unter großer Unruhe de»
Hauses den Saal. Abg. T o r g l e r (Kom.) erklärt, es fei für die Feigheit und Heuchelei der Nationalsozialisten und ihrer Anhängsel bezeichnend, daß sie gerade in dem Augenblick flüchten, wo über ben kommunistischen Antrag auf Verweigerung weiterer Poung-Tributzahlungen ent» schieben werden solle. Der Antrag wird darauf ab- gelehnt. Ein kommunistischer Antrag, der die E i n- ftcllung der Panzerkreuzerbauten unb die Verwendung der so ersparten Mittel für Kin- derspeisung verlangt, wird mit 211 Stimmen der Sozialdemokraten beider Richtungen und Kommunisten, die wegen des Fehlens der Rechtsopposition die Mehrheit haben, gegen 118 Stimmen angenommen. Ein sozialdemokratischer Antrag, der Maßnahmen gegen überhöhte Kartellpreise verlangt, wird mit großer Mehrheit a n - genommen. Ein sozialdemokratischer Antrag, der die Reichsregierung ersucht, Pläne und Forderungen auf Beseitigung ober Aushöhlung des Tarifrechtes abzulehnen, insbesondere die Angriffe auf die Unabdingbarkeit des Tarifvertrages abzuwehren, wird mit 319 gegen 80 Stimmen bei 7 Enthaltungen angenommen. Einstimmige Annahme findet ein Landvolkantrag, wonach B e - amte und Behördenange st eilte, die in ihrer Diensteigenschaft Aufsichtsrats, oder Verwaltungsratsmitglieder sind, die ihnen dafür zustehenden Bezüge in vollerHöhe abzuliefern haben.
Der Präsident unterbreitet dem Hause am Schluß der Sitzung den Vorschlaa der Reichs- regierung, mit Rücksicht auf die bevorstehenden Verhandlungen des Stillhaltekonsortiums, den Reichstag bis zum 1.Februar 1 932 zu vertagen. Aus Antrag des Abg. Ersing (Z.) wird der 23. Februar 1932 als Termin der nächsten Sitzung bestimmt. Rach 22.30 Uhr schließt die Sitzung.
Oie RGOAP. zum Ausgang im Reichstag.
Verlctzendc-Inwürfc gegen politi'cheGesiner
München, 16. Olt. (ERB.) Die Reichsleitung der RSDAP. schreibt zum Ausgang der parlamentarischen Abstimmungsschlacht: Die Ablehnung des Mißtrauensvotums gegen das Kabinett Brüning war nach der Haltung der Wirt- fchaftSpartei zu erwarten. Roch einmal hat kleinlichster Krämergeist das System, das überreif zum Sturz ist, gerettet, noch einmal haben materielle, rein egoistische Interessen einen Phyrrussieg errungen über die Interessen der deutschen Ration. Die Regierung hat keinen Anlaß, auf diesen „Erfolg" stolz zu sein. Das deutsche Volk kennt die Qualitäten der Hilfstruppen, mit denen sie sich noch einmal gegen das erwachende Deutschland behauptet hat. Marxistische Angst vor der Abrechnung und wirtschaftlicherIntercssen- s ch a ch e r sind die Säulen, die das morsche, in allen Fugen krachende Gebälk noch ein letztes Mal notdürftig stützen und zusammcnhalten. GS Ware von Interesse, zu erfahren, wie hoch der Kaufpreis gewesen ist, der in der heutigen Abstimmungsschlacht noch einmal über da- Schicksal des deutschen Volkes entschieden hat.
Amerika im Völkerbundsrat.
Wird die Beilegung des Mandschurei-Konflikts gelingen?
Gens, 16. Ott (XU.) Der DölkerbunvSrat trat am Freitagvormittag zu einer öffentlichen Sitzung zusammen, in der der in der geheimen Rachtsitzung gegen die Stimme von Iapan gefaßte Beschluß über die offizielle Einladung an die amerikanische Regierung be- kanntgegeben wurde. Es kam erneut zu einer ausgedehnten Aussprache, in der Driand und Lord Reading mit allen Mitteln versuchten, den japanischen Botschafter zur Aufgabe seiner ablehnendenHaltung au bewegen. Briand teilte ein Schreiben mit, in dem die japanische Regierung ihren Standpunkt der Ablehnung uneingeschränkt aufrecht erhalte und zunächst die Klärung der grundsätzlichen Rechts- frage verlangt, ob die Zuziehung eines Richtmitglieds st aatcs durch den Volker- bundsrat mit Mehrheitsbeschluß gefaßt werden könne und welche Rechte und Pflichten die amerikanische Regierung im Falle einer Teilnahme an den Verhandlungen habe. Lord Reading erklärte, daß alle rechtlichen Bedenken beiseite gelassen werden müßten, um zu einer sofortigen Regelung dieses außerordentlich ernsten Konfliktes zu gelangen. Rach längerer Aussprache teilte Driand dann mit, daß nunmehr die offizielle Einladungsnote an Amerika abgehen werde.
Der Dölkerbundsrat trat dann noch am Abend zu einer neuen Sitzung zusammen, an der zum erstenmal feit der Gründung des Völkerbundes einVertreter derBereinigtenStaa- t e n teilnahm. Driand eröffnete als Dor- sitzender die Sitzung und bat den im Saal anwesenden Vertreter der Vereinigten Staaten, Prentiß Gilbert, am Ratstisch Platz ,u nehmen. Die Anweisungen, die der amerikanische Vertreter erhielt, lauten: Sie sind ermächtigt, an den Beratungen teilzunehmen, insoweit Sie sich auf die mögliche Anwendung des Kellogg-Paktes beziehen. Lieber die Ergebnisse dieser Beratungen werden Sie einen Bericht an das Staatsdepartement schicken, damit dieses eine Entscheidung über eine et- to a i g e Aktion treffe. Sollten Sie Beratungen
Die RSDAP. hat aUes getan, um der Ration und insbesondere dem schaffenden Volke das ungeheure Elend zu ersparen, das mit der Fortsetzung einer Politik verbunden ist, die uns dahin geführt hat, wo wir heute stehen. Klar und eindeutig hat sie immer wieder in diesen Tagen die furchtbare, hoffnungslose Lage gekennzeichnet, der sich das deutsche Volk unter der Weiter- Herrschaft des gegenwärtigen Systems gegenüber» sieht, und unzweideutig ihren besten Willen bekundet, die Verantwortung für eine grundlegende Reugestaltung der deutschen Politik zu übernehmen, in die Die ganzen Kräfte der Ration eingesetzt und zu segensreicher Wirkung gebracht würden.
Roch einmal aber hat eine Vereinigung aller volkszer störenden Mächte der Marxisten, der Unfähigen, der Unbelehrbaren und der parlamentarischen Profitjäger sich der deutschen Schicksalswende in den Weg gestellt. Auf sie fällt nunmehr die volle Verantwortung für die kommenden Ereignisse und für alles, was weiter an Rot und Elend über das deutsche Volk hereinbrechen wird. Die RSDAP. weih sich frei von jeder Schuld. Im Bewußtsein, wie immer so auch in diesen Tagen ihre Pflicht getan zu haben gegenüber der Ration, tritt sie z u neuem Kampfe mit dem unbeugsamen Willen an, ihn zu endgültigem Siege zu führen.
Oie Entscheidung der Wirtschastspartei.
Berlin, 16. Oft. (TU.) Ueber die Gründe, die die Wirtschastspartei veranlaßt haben, f ü r die Regierung Brüning zu stimmen, äußerte sich ein führendes Mitglied der Reichstagsfraktion wie folgt: In den Verhandlungen mit Hit - l e r - Hugenberg habe die Wirtfchaftspartei eine Einigkeit über die pofitivenZiele vermißt. Die Erklärung des Zentrums, unter keinen Umständen mit ein Rechtskabinett zu tolerieren, habe weiterhin eine Rechtsregierung gegenwärtig und selbst im Falle von Reuwahlen unmöglich gemacht. Im übrigen habe der Reichskanzler Brüning von sich aus erklärt, dah er eingesehen habe, die Individualwirtschaft, die kleinen und mittleren Betrieben seien in solchen Krisenzeiten wider- standsfähiaer als die großen, die viele Fehler begangen hätten und daß die Konzentration des Interesses der früheren Regierungen'auf die Großbetriebe nicht richtig gewesen sei. ES scheint demnach: dah gewisse Hoffnungen bestehen, dem Reichskanzler werde nach der Zustimmung der DVP. zu den Mihtrauensanträgen gegen die Regierung eine stärkere Berücksichtigung Der Mittelstandsinteressen leichter fallen. Die Behauptung, dah dreiviertel Millionen für die Genossenschaftsbanken, besonders für die Mittelstandsbank, zugesagt worden feien, bezeichnet die Partei als eine ,I n f a m i c“. Als positive Auswirkungen der Zusagen Brünings erwartet man jedoch zunächst eine Aenderung der Kreditpolitik ter RcichSreg eruna. Man denkt dabei u. a. an die schon lange in der Schwebe befindlichen Pläne der Umwandlung der Dresdner Bank in eine Z e n t r a l g e n o s- fenschaftsbank und weiter an eine Ankurbelung deS Baugewerbes.
Oie Haltung ber Christlich-Sozialen.
Berlin, 16. Oft. (DDZ.) Dor ihrer entscheidenden Deschluhfassung hat sich die ReichStagS- fraktion des Christlich-Sozialen DolksdiensteS in Besprechungen, an denen auch der Reichskanzler beteiligt war, bei den zuständigen Stellen Sicherheit etwa nach folgender Richtung verschafft, dah die Z e n t r u m s p a r t e i, die Politik ihrer Landtagsfraktionen mehr als bisher dem Geiste und den Rotwendigkeiten der heutigen Reichspolitik anpaffen: daß die vielfach hervorgetretene offenbare Benachteiligung deS evangeli- lifchen DolkSteileS bei der Besetzung politischer Deamtenstellen und im Schulwesen besonder- in Preußen, Hessen und Baden, nunmehr unterbleibe und einer ehrlichen Anwendung deS GerechtiakeitSgedankenS Platz mache, und einige der in letzter Zeit vorgekommenen besonder- grasten Fälle auf diesen Gebieten alsbald einer Revision unterzogen würden.
beiwohnen, die irgendeine andere Seite de« chinesisch-japanischen Konflikts betreffen, fo müi- fen Sie sich auf dieRolleeines Beobach. terS und Zuhörers beschränken.
In DölkerbundSkreifcn besteht nach der Zuziehung der amerikanischen Regierung die Absicht, eine endgültige Beilegung des japanisch-chinesi- schen Streitfalles in der Weise herbeizuführen, dah der Rat gemeinsam mit der japanischen Re- gicrung feste Fristen für die Räumung der besetzten Gebiete in der Mandschurei festsetzt. Zur Durchführung der Räumung soll eine internationale Kommission ernannt werden, die jedoch lediglich die Aufgabe haben soll, den Schutz des Lebens und des Eigentums der japanischen Staats- angehörigen im Räumungsgebiet au übernehmen. Eine Kontrolle über die Durchführung der japanischen Räumung selbst soll jeooch unbedingt vermieden werden. Man hofft auf dieser Grundlage zu einem Abschluß de- Streitfalles zu gelangen.
Japan erwägt den Austritt aus dem Völkerbund.
Tokio, 16. Olt. (TU.) Dos japanische Kabinett hielt am Freitag eine Sitzung ab. in der der Außenminister feiner Genugtuung über die Bemühungen des Völkerbundes Ausdruck gab, jedoch hervorhob, dah der Vorschlag, e i n R ich t- Mitglied des Völkerbundes (die Vereinigten Staaten) zu den Ratsverhandlungen hinzuzuziehen, ohne Beispiel dastehe. Das japanische Kabinett hat jedoch noch keinen Beschluß^ gefaßt, weil man die Hoffnung hat, dah der Völkerbundsrat doch noch den von dem japanischen Vertreter gebrachten Standpunkt Iapans anerkennen werde. Für den Fall, daß der Volker- bundsrat Beschlüsse fassen sollte, die Iapans Souveränität und Ansehen verletzen konnten, werde selbstverständlich die Frage des Austritts Iapans aus dem Völkerbund aufgeworfen werden.
Preffestimmen.
Berlin, 17. Oft. (ERD.) Die der Regie- rung nahestehendeNdBlätter begrüßen den gestrigen Erfolg Brünings im Reichstag mit großer Genugtuung. Die ,Germania" spricht von dem „Erfolg des gesunden Menschenverstandes". Das Ergebnis sei aber auch in hohem Maße ein per- sönlicher Erfolg hcs Kanzlers. Eine kleine Mehrheit der nüchternen uno sachlichen Arbeit fei schließlich wertvoller als eine große Mehrheit der Phrase und des parteipolitischen Klaffenkampfe». Das neue Kabinett stehe heute vor uns als eine entschlossene Willens- und Tatgemcinschaft, die nichts weiter tun wolle, als Arbeit für unser notleidendes Deutschland zu leisten. Das wichtigste Ziel dieser Arbeit werde die Lösung der großen wirtschaftlichen Fragen in Gerechtigkeit unb Ausgleich fein. — Rach Austastung der „D. A. Z." bedeutet daS Ergebnis Die kurzbefriftete Möglichkeit für die Regierung, die noch vorhandenen Mittel für die Rettung des Staates unb 1 ber Wirtschaft beschleunigt einzusetzen. Roch einmal stehe Dr. Brüning vor einer Chance, toie er sie im Frühjahr, freilich sehr viel günstiger und offener, vor sich gehabt habe, noch einmal sei der Bann einer parlamentarischen Krise von i&m_ genommen, die Bahn für notwendige Entschlüsse frei. Geschehe das Rotwendige nicht i n allerkürzeste^ Frist, so poche die Katastrophe an Die TÄr.
Der »T a g" sagt, über einen Rotsteg in die Amtsstuben zurück, aus dem Reichstag zurück zur Rotverordnungspraxis. Mit wenigen Stimmen Mehrheit, die nicht aus Dertrauen sei, sondern aus Zusall, Taktik und politischer Schwäche. Bei Licht gesehen sei der gestrige Tag die historisch« Entscheidung über die Parteien und Männer gewesen, die noch immer zwischen den großen Fragen, zwischen Sein und Richtsein des Ganzen allein an ihre Interessen dächten. Die Offensiv« von rechts sei nicht zu dämmen. Die Zeit des »sowohl als auch" sei vorbei, das werde in kurzem auch daS Zentrum spüren. Der nächste politische Zusammenstoß werde zeigen, wie unaufhaltsam die Basis des BrüningkurseS zerbröckel«. — Der .Vorwärts" schreibt: Der Ansturm be» Faschismus fei abgeschlagen. DaS sei der Sinn der ReichstagSabstimmung. Die sozialdemokratische ReichStagSsraktion habe mit ihrem Eintreten für die Regierung nicht das Vertrauen für die Regierung Brüning und ihre Politik ausgesprochen, sondern das schärfste Mißtrauen gegen da», waS nach dem Sturz der Regierung Brüning gekommen wäre.
Vorläufig 173,6 Mill. RM. Reichsbahnanleihe.
Berlin, 16. Oft. Das bis Freitag nachmittag fkftgestellte Zeichnungsergebnis aus die neue Reichsbahnanleihe beträgt rund 173,6 Mill. Mk. Es handelt sich um Zeichnungen, die bi» zum Ablauf der Stcucramneftiefrift (15. Oktober) getätigt wurden. Die allgemeine Zeich» nungsfrift läuft bekanntlich bis zum 31. Dejember 1931. Der gesamte Erlös der neuen Reichsbahn- anleihe wird für Beschaffung zusätzlicher Aufträge der Reichsbahn an die Wirt- schäft verwandt werden, so daß dadurch eine Verminderung ber A r b e i t s 1 o s e n z if- fer zu erwarten ist.
Matuschla gesteht die Attentate von Jüterbog und Bia Torbagy.
Srjloeffer INaluschka hat nach einem eingehende« verhör durch Polizeirat Dr. Böhm gestanden, sowohl die beiden Attentate in A n z p a ch als auch jene In 3ü ter bog und Bia Torbagy verübt und zwar allein verübt zu haben. Seine früheren Angaben über den angeblichen Anstifter Bergmann hat er vollständig widerrufen. Deller gestand Matuschka, dah er für die nächste Zeil noch mehrere große E i s e n b a h n a 11 e n- täte und zwar auf der Strecke Amsterdam — Paris — Marseiile und b e i venli' m i g 11 a geplant und vorbereitet habe. Der Vorstand des Sicherheitsbüros der Wiener D»* lizeidirektion erklärt, daß keine Zweifel an den Aussagen Matufchkas bestehen. Heber das Motiv feinet Handlungen machte er phantaflifche Mitteilungen.
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