Ausgabe 
17.9.1931
 
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Siebener Anzeiger (General-Anzelger für Gderyessen)

Nr. 2(7 Zweites Blaff

Donnerstag, iL September <951

Die Gtaatsaufficht im deutsche« Bankwesen. Don Prof. Dr. Moldrnhauer, ehern, ^eichsfinanzminisier

Die Zahlungsschwierigkeiten der Danat-Bank und der Dresdner Bonk und die darauf folaende schwere Krise in der deutschen Kreditwfttschoft haben die Frage nach Einführung einer Reichsoufsicht über das deutsche Bankwesen aufgerollt. Dabei schwebt den einen die Staatsaufsicht vor. die ähnliche Borkommnisse wie die genannten noch Möglichkeit verhindern soll, während die andern, die sozia­listische Seite, mit ihren Dorschlägen weitere Ideen verbinden. Sie wollen durch die Einwirkung des Staates auf die Kreditgewährung der Banken dieser eine bestimmte Richtung geben und so auch von der Kreditseite aus die Planwirtschaft des so­zialistischen Staates ausziehen Die Reichs­regierung hat einen Reuner-Ausschuh einberufen, der sich aus Sachverständigen des Bankwesens zu- sammcnsetzt und sich seit Wochen mit Vorschlägen für eine Reichsaufsicht beschäftigt.

Auch wer die sozialistischen Gedankengänge aus grundsätzlicher Erwägung ablehnt, wird nicht ohne weiteres der Meinung sein, dah nun alles, wie es heute ist, gut und schön wäre, und so bleiben könne. Aber man wird sich doch überlegen, in welcher Form eine Acnderung des heutigen Zustandes ersolaen kann. Die Parallele zum Versicherungs­wesen drängt sich auf. Und doch wäre es grund- verkehrt, eine Staatsaufsicht für das Bankwesen einfuhren zu wollen, wie wir sie im Reichsaussichts­amt für Privatversicherung besitzen. Das Schwer­gewicht der Aufsicht über das Versicherungswesen liegt in der Beaufsichtigung der Lebens­versicherung, bei der viele Jahre lang Bei­träge geleistet werden, aus denen, wenn der Versicherte stirbt oder den Endtermin erlebt, die Versicherungs- summe bereitgestellt wird. Beruhen die Berechnun­gen auf einer falschen Grundlage oder werden die Gelder nicht richtig angelegt und verwaltet, fo können Millionenverluste eintreten und die Absicht, für die Unterbliebenen oder das hohe Alter zu sor­g' n, mißlingt. Die Lebensversicherung hat heute eine erprobte wissenschaftliche Grundlage Ihre Kon­trolle von Staats wegen ist nicht schwierig, und man kann sagen, daß sie sich im großen und ganzen b e - währt hat. Viel schwieriger liegen die Verhältnisse in den andern Versicherungszweigen. Hier kann die Aufsichtsbehörde das Entstehen zweifelhafter Unternehmungen verhindern, darüber wachen, daß die Dersicherungsbedingungen nicht gegen die bil­ligen Interessen der Versicherten verstoßen, und kann zur Rot einschreiten, wenn eine Unternehmung vom Gcschäftsplan abweicht. Die Erfahrung hat gezeigt, baS trotzdem die schweren Zusammenbrüche, die seit 1929 das deutsche Versicherungswesen erschüttert haben, nicht vermieden werden konnten. Im Bankwesen wird es sich im wesentlichen um die Kreditgewährung handeln. Wie soll aber diese kon­trolliert werden? Will der Staat etwa die Betont- wortung übernehmen? Wer sich einmal in das Wesen der Bank vertieft hat, wird erkennen, daß derartige Eingriffe nur das Funktionieren der Sire- ditwirtschast aufs allcrschwerste gefährden müs­sen. Der Schaden wird viel größer sein als der sehr zweifelhafte Nutzen.

Wen man zu wirklich brauchbaren Resultaten geiangen will, muß man von der Tatsache ausgehen, daß auf die Gestaltung der Kreditwirtschaft d i e Reichsbank, bei der die Banken die Wechsel rediskontieren, den stärksten Einfluß Hal. Es käme also darauf an, der Reichsbank eine bessere In- formationsrnoglichkeit zu gewähren. Eine Staatsaus­sicht, losgelöst von der Reichsbank, würde niemals ihre Aufgabe erfüllen können. Dagegen läßt sich wohl eine derartige Verbindung mit der Reichsbank so denken, daß bei dieser eine Stelle gebildet wird, die die Entwicklung des Bankwesens besonders über­wacht, und zwar nach der Richtung der Liquidität und der Sicherheit der An­lagen hin, und diese Stelle das Recht hat, über alle hier anschlagigen Fragen Auskunft zu ver­langen. Die Stelle ist dann in der Lage, wenn nach

Breitenfeld.

Zum 300. (tcbärtjtnietaqe der Schlacht.

Aus der böhmischen Rebellion von 1618 war der Dreißigjähr ge Krieg entstanden, der eigent.ich aus zwei gesonderten Kriegen besteht. Die seit dem Frühling von 1621 um die Vertreibung des böhmischen Ulurpator» Friedrich aus seinen Pfäl­zischen Erblonden geführten Feldzüge, die dann durch die Einmischung des Dänenkönigs Ehri» stian IV. nach Rorddeutschlond übergegriffen hat­ten, waren am 22. Mai 1629 durch den Frieden von Lübeck abgeschlossen worden. Es war ein neuer Krieg, der mit der über ein Jahr später, am 6. Juli 1630 erfolgten Landung Gustav Adolfs auf der Insel Ufcbom begann Ein formales Recht für die Eröffnung der Feindselig­keiten durfte der König von Schweden aus einer unvorsichtigen Reutralitätsverlctzung Wallen­steins im schwedisch-polnischen Kriege herleiten. Ader er hat es vorgezogen, sich auf einen ideo­logischen Kriegsgrund zu berufen. Das Restitu- tions-Edikt vom 6. März 1629. das die Zurück­gabe der im Widerspruch mit dem Augsburger Religionssrieden vom 25. September 1555 in re­formierte Hände übergegangenen vierzehn nord­deutschen Bistümer an katholische Kirchenfürften vorsah, bedrohte die protestantische Partei mit einem gewaltigen Machtverlust. Sogar die Kur­fürsten von Brandenburg und Sachsen, die bis­lang zum Kaiser gehalten hatten, mußten Gebicts- einbußen besorgen Gustav mochte hoffen, wenn er alsBeschützer des Glaubens" auf deutschem Boden erschien, sie auf seine Seite zu ziehen und dadurch eine breite Basis für feinen Auf­marsch gegen die Herren der katholischen Liga zu gewinnen.

Er hatte sich getäuscht. Der Sachse Johann Georg antwortete mit demLeipziger Konvent", einer Verleumdung protestantischer Fürsten zur Ilbwehr des Restitutions-Ediktes und des schwe­dischen Friedensbruches. Zu neuer kraftvoller Verteidigung der Reutralität reichte freilich das Zielbewußtsein der Kurfürsten nicht ai*. Es ist bekannt, daß über die schleppenden Verhandlun­gen Reubrandenburg und Magdeburg in die Hände der Kaiserlichen geraten sind und dah furchtbare BU^bädcr die Einnahme der Städte begleitet haben, Unö Gustav erhielt nunmehr so bedeutende Verstärkungen durch protestantische Fürsten, besonders den Landgrafen von Hessen -Kassel und Bernhard von Weimar, daß er die Offensive ergreifen konnte.

ihrer Ueberzeugung die Entwicklung zu Bedenken Anlaß gibt, die Reichsbank, mit deren Direktorium sie eng verbunden sein muß, auf die Mangel auf- merksam zu machen. Es jteht bann bei der Reichs­bank, die entsprechenden Folgerungen zu ziehen.

Aber dies wird nicht genügen. Die zweite Auf- gäbe wird darin liegen, daß diese Stelle die Be­denken nicht nur mit dem Vorstand der Bank be­spricht, sondern auch den Aussichtsrat, und zwar jedes einzelne Mitglied des Aufsichtsrats dar­aus aufmerksam macht. Aufgabe der kommenden Aktienrechtsreform ist es, den Aufsichtsrat wirklich wieder zum Kontrollorgan zu machen. Diesem Gedanken würde die erwähnte Vorschrift dienen. Man kann sogar in Erwägung ziehen, ob nicht unter Umständen auch der Generalver­sammlung Bericht erstattet werden muß, wie das die Novelle zum Versicherungsaufsichtsgesetz für die Versicherungsgesellschaften oorsieht. Dabei wird man sich darüber klar sein, dah nicht jede kleine Bank dieser neuen Praxis zu unterwerfen ift; son­dern es genügt, diese Bestimmungen z u n ä ch st auf die Aktienbanken auszudehnen. Auch- das Gelingen dieser Aufgabe ist bedingt durch die Lösung der Personenfrage. Zur Ausübung des Amtes gehört nicht nur eine volle Beherrschung des Bankwesens nach der theoretischen und prakiiichen Seite hin, ein Vertrautsein mit den Verhältnissen in Deutschland, sondern auch sehr viel Geschicklichkeit

und Takt. Nicht als ein mit der Aufsicht beauftrag­ter Polizist darf die betreffende Persönlichkeit er­scheinen, sondern als ein Mann, dem auch die Ban­ken volles Vertrauen entgegenbringen können.

Das zweite Mittel einer schärferen Kontrolle be­steht darin, daß dieselbe Bestimmung, die jetzt für die Versicherungsgesellschaften cingefubrt ist, nun­mehr auch für alle Aktienbanken erlassen wird, näm- lief), daß sie sich jährlich einer Prüfung durch einen von der Gesellschaft unabhängigen Prüfer unterziehen müssen. Auch das entsoricht den Gedanken der kommenden Aktienrechtsreform. Nachdem er für das Versicherungswesen schon vor­weg genommen ist, würde es nichts verschlagen, die­sen Versuch auch auf dem Gebiet des Bankwesens zu machen. Ich glaube, daß man nicht weiter gehen fall. Es genügt, daß die Stellen, die einen Einfluß auf die Tätigkeit der Banken haben, näm­lich Reichsbank auf der einen und Aufsichtsrat auf der andern Seite, nach Möglichkeit informiert wer­den, wenn Bedenken bestehen,' und daß die jährliche Revision einen weiteren Schutz bietet. Dagegen würde ich die Einführung einer besonderen Kon­zession ober von strafen oder des Rechts be» Verbots des Geschäftsbetriebes für im höchsten Grade bedenklich halten. Wir müssen die Bewegungs­freiheit und Verantwortlichkeit des Bankdirektors uns erhalten, die nicht durch staatliche Beoormun- düng ersetzt werden kann.

Die Herbsttagung der DLG.

Fruchtbarkeit, der Säuge- und Zuwachsleistung und der Wolleistung vereinbart. Mit Rücksicht auf die gegenwärtige Lage der Schafzucht wird Einfachheit und Wirtschaftlichkeit betont- Mit dieser einheitlichen Methode soll die Zucht auf

Darmstadt, 16. Sept. (WSR.) Die Deratun- ?en der Deutschen Landwirtschaftsge- e l l s ch a f t wurden heute vormittag mit drei ParaUelveranstaltungen fortgesetzt. In der Ver­sammlung der

Eaatzuchtabteilung

sprach Professor Dr. Sef sous (Gießen) über .S a a t g u t e r z e u g u n g und Saatgut­wechsel in Hessen". Die Erzeugung sei von der Landwirtschaftskammer mit zahlreichen Saat­baustellen dezentralisiert. Steht auch Hesien mit seinen Durchschnittserträgen wegen der Klima- und Bodenverhältnisse und des hohen Standes seiner Betriebe im allgemeinen über dem Reichs­mittel. so sei cs doch zweifelhaft, wie weit daran der Saatgutwechscl beteiligt fei. Aus einer Rund­frage müsse man schließen, dah ein regelmäßiger Saatgutbezug nur in den größeren und mittleren Betrieben erfolgt und die Zeiträume zwischen den Jahren, in denen ein Bezug stattfindet, um so größer werden, je kleiner die Wirtschaft ist. Da jedoch in Hessen der Anteil der Kleinbetriebe nach Zahl und Fläche überwiegt, spiele der Saat­gutwechsel im allgemeinen noch nicht die Rolle, die ihm zukommen müßte. Gesteigerter Saatgut­bezug würde manche Maßnahme Aur Bekämpfung von Getrcidckrankheiten überflüssig machen und bei geringem Aufwand eine höhere Rente bringen.

Den ,2ckerfutterbau in SüdWest­deutschland bch ndclte Dr. Finger,Darn- stadt). Die Bedeutung des Ackersutteroaucs geht daraus hervor, daß 10 v. H. der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Südwestdeutschland dem Acker­futterbau dienen. Dr. Finger beschäftigte sich bann mit den einzelnen Futterpflanzen und betonte die Wichtigkeit einer sorgfältigen Hackknltur und regelmäßiger Düngung. Bei Mais hätte sich der Gelbe badische und der Weiße Kaiserstühler Mais nicht allein für Silagezwecke, sondern auch für den Grünmaisanbau bewährt

Die Versammlung der

Schafzuchtabteilung

beschäftigte sich an Hand der Berichterstattung von Professor Dr. Gärtner, Jena, mit ,.R i ch t- Union über Schafleistungsprüfun- gen in Schafzüchtervereinigungen." Auf Grund von Gutachten der Mitglieder des Sonderausschusses hat Professor Gärtner zehn Richtlinien ausgestellt, die allgemeine Zustimmung fanden. Aus lange Sicht eingestellt, werden ins­besondere einheitliche Methoden zur Prüfung der

Leistung planmäßig gefördert werden.

Zur wirtschaftlichen Lage faßte die Versamm­lung einen Beschluß, in dem wegen der zu­nehmenden Unverkäuflichkeit der deutschen Wolle nach dem Vorbild von Frankreich und nach den erfolgreichen Versuchen in Bayern, Württem­berg. Baden. Hessen und Sachsen für das ganze Reich bei der Deckung des amtlichen und halb­amtlichen Textilbedwefs ein Beimischungszwang für deutsche Schafwolle gefordert wird. Ebenso wird die beschleunigte Einführung der Einsuhr- scheinvergünstiguNg im Umfang des Vorjahr- zur Förderung des Absatzes von Mastlärnrnern und Mastschasen gefordert.

In der Versammlung der

Rinderzuchtabteilung

wurde die Schauordnung und das Preisausschrei­ben für die nächstjährige Mannheimer Wander­ausstellung beschlossen. Dann gab Professor Dr. Kracmer, Gießen, einen historischen Ueber- blick über »D i c Vogelsberger einst und j c tz t". Er zeigte die Entwicklung aus dem primi­tiven alten Landvieh zu der heutigen hochstehen­den Kulturrasse und lehnte die ost unbedachten Kreuzungen mit allen möglichen fremden Rassen ab. Die Reinzucht müsse gewahrt bleiben, um zur höheren Wertung der Abstammung und zur Pflege hervorragender Blutlinien zu kommen.

Ucbet »DasZuchtzielinderdeutschen Flcckviehzucht" sprach Ticrzuchtdirektor He­rold, Passau. Die Bedeutung der Rasse gehe daraus hervor, daß das deutsche Höhenfleckvich mit einem Drittel an der Rassezusammenschung des deutschen Rinderbestandes und mit Zweidrit­teln an der des Höhenviehes beteiligt ist. Ange­strebt wird ein Rind mit einem durchschnittlichen Höhenmah im gesunden Verhältnis zum Dreiten- und Tiefenwachstum bei autem Gangvermögen, Frühreife und Anpassungsfähigkeit. Die Dreitei- ligkeit der Zuchtrichtung: Fleisch, Milch und Ar­beit, sei geblieben, wobei nach den örtlichen Ver­hältnissen der eine oder -der andere Ruhen in den Vordergrund tritt.

In der

Futterabteilung

sprach Professor Dr.Dünger (Kiel) über ,Die

In der Rahe des Haveleinflusses setzte er über die Elbe und schlug bei Werben eine starke Lagersestung auf. an der Tillys Angriffe ab- prallten, den zurückflutenden Kaiserlichen ober folgte der Schwede auf dem Fuße Bei Breiten­feld, nördlich von Leipzig, geschah am 17. Sep­tember gregorianischen Etiles die entscheidende Schlacht, nachdem die Vereinigung mit der sächsi­schen Armee bei Düben vollzogen war. Sieben­mal waren die Kaiserlichen vergebens gegen den Feind angerannt, dann sprengte ein Angriff Gustavs die schwerfälligere Schlachtordnung des Gegners vollends auseinander. Tilly, in 36 Schlachten unbesiegt, mußte dem überlegenen Feind das Feld räumen. Er hatte diesen Aus­gang geahnt. Durchaus kein bloßer Haudegen, hatte er Gustavs Leistungen im polnischen Kriege gewissenhaft verfolgt, die den fchwedischerseits unglücklich geführten Feldzügen eine siegreiche Wendung gegeben hatten Es hieß, er habe den oberflächlichen Spott Wiener Höflinge über die Annäherung desSchneekönigs" mit schroffen Worten gezüchtigt.

Die Schlacht von Breitenfeld ist epochemachend für die deutsche Geschichte geworden. Ob bei einem anderen Ausgang die Gegenreformation wirklich zu einer Ausrottung des deutschen Pro­testantismus vorgeschritten wäre, mag dahin­gestellt bleiben. Das Restitutions-Edikt erstrebte, wie gesagt, zunächst nur die Rekatholisierung der vertragsbrüchig noch dem Augsburger Religions­frieden reformierten geistlichen Herrschaften, und schon Kaiser Ferdinands kurze Lebenszeit hätte schwerlich zu einem weiteren Schritte aus- ?ereicht- Dazu kam die Eifersucht M a ? i m i ians von Bayern auf die habsburgische Macht, der sich nicht einmal vor einer Anlehnung an Frankreich gescheut hat

Aber dah der schwedische Sieg der Ausgangs­punkt für die verderbliche französische Einmischung in innerdeutsche Dinge wurde, liegt auf der Hand. Man weiß, daß schon H e i n r i ch IV. auf dem Sprunge stand, mit Waffengewalt in Deutsch­lands politisch-religiöse Wirren einzugreifen, als ihn der Mordstahl traf. Zwei Jahrzehnte später nahm der Kardinal Richelieu seine Pläne wieder auf. Sein Werk war schon die Ver­mittlung des Waffenstillstandes mit den Polen gewesen, der Gustav Adolf den Rücken für die späteren Unternehmen freigemacht hatte Dah diese mit französischen Subventionen unterstützt wurden, darf als selbstverständlich gelten. Vor­bildlich war Gustavs Auswertung des Sieges. Er vermied es, das hart mitgenommene Rord-

westdeutschland wieder zu betreten, er zog es vor, während die Sachsen in Böhmen eindrangen und Prag eroberten, Thüringen und Franken zu durch- zi h n. um Li: Bistümer Bamberg und Würzburg in seine Hand zu bringen und mit ihren Ein­künften seinen Krieg zu ernähren. Möglicher­weise hat er auch schon damals mit einer mili­tärischen Kooperation der Franzosen gerechnet, die sich eben anschickten, den Habsburgern von der ober italienischen und ostschweizer Seite Schwie­rigkeiten zu bereiten. Zunächst hatte er die Genugtuung, dah die lutherischen Fürsten Deutsch­lands, die vor der Dreitenfelder Schlacht mit ihrem Anschluß gezögert hatten, jetzt in Scharen seinem Lager zuströmten.

Das Folgejahr 1632 ließ einen Reif auf die Träume fallen, die durch Breitenfeld geweckt waren. Zwar wurde dem alten Tilly ein zweiter Sieg abgenommen, der den Feldherrn der Liga hinraffte. Aber das strategisch so wichtige Regensburg entging dem in Bayern eingefalle­nen Eroberer. Und bald erschien in der Flanke der zwei Jahre zuvor auf einem Reichstage zu verhängnisvollster Stunde abgefeimte Wallen­stein, jetzt in Rotzeit zurückgerufen, an der Spitze einer neuen Armee, die er über den Böhmerwald herangeführt hatte. Gustav mußte aus München zurück und wurde bei Rürnberg empfindlich geschlagen. Zwar heftete ein zweiter groher Kamps bei Lützen, nur wenige Wegstunden von Breitenfeld entfernt, wieder den Sieg an die schwedischen Fahnen. Aber der König sellrst fand den Tod auf der Walstatt.

An Bord des Hochzeitsschiffes.

In diesen Tagen warten wieder wie alljährlich viele fonnoerbrannte junge Männer auf den Kais von Bombay, Singapore und in den ostasrikanischen Häfen sehnsüchtig auf das Eintreffen des Hochzeits­schiffes aus der englischen Heimat Sie alle haben Jahre schwerer Arbeit unter ungünstigen klimatischen Verhältnissen hinter sich, bis es ihnen gelang, die nötige Summe zusammenzusparen, um das Mäd­chen ihrer Wahl nachkommen zu lassen. Doch indessen sie im Hasen geduldig oder auch ungeduldig der An­kunft harren, spielen sich oftmals an Bord des Schiffes gan,3e Tragödien oder auch Komödien ab, über die der Reiseschriftsteller William I. Makin, ein häufiger Passagier auf diesen Schiften, in einer englischen Wochenschrift plaudert. Es ist begreiflich, daß diese Mädchen, die zu einer Eheschließung mit einem Manne reifen, den sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen haben, sehr aufgeregt und nervös sind.

Das riesige Porphyr-Denkmal Bismarcks, eine Schöpfung von Pros. Behn, das vor dem Neubau des Deutschen Museums an der Ludwigsbrücke Auf­stellung gefunden hat

Bedeutung der Kraftfutter mittel in der Gegenwart". Den zweiten Vortrag hielt Diplomlandwirt Dr. Kummer ('Berlin) über .Die K a r t o f f e 1 v e r w e r t u n g unter besonderer Berücksichtigung der mittel- und klein­bäuerlichen Betriebe". Der Redner forderte an­gesichts der starken Schwankungen im Ernteergeb­nis eine Anpassung des Kartosselverbrauchs an den bäuerlichen Betrieb und dessen Viehhaltung. Er betonte insbesondere die guten Ergebnisse der Rohkartoffelfütterung bei der Rindviehsüttorung. Die Vorzüge dieses Verfahren- sollten gerade in der heutigen Rotzeit stärkere Beachtung finben. Kartoffeln als Maßfutter, gleichviel, ob frisch, gedämpft, eingesäuert oder als Flocken, hätten sich gleichmäßig gut in der Schweineschnellmast, sowie bei der Mast von Iungrindern, Bullen, abgemolkcnen Äüfocn und Schafen bewährt. Auch die Kartoffeleinsäuerung sei nicht als eine Rot- standsmaßnahme in reichen Grntejahren anzu­sehen. sondern als eine selbstverständliche be­triebswirtschaftliche Maßnahme, um dieKartofscln als Grundlage der Viehhaltung möglichst verlust­los auf billigste Weise in ein Dauerfutter zu verwandeln.

In der sehr gut besuchten Versammlung zur Förderung des

landwirtschaftlichen Absahwesens behandelte Regierungspräsident a. D von Braun (Berlin) die Frage .Wie können die Genossenschaften zur besseren Verwertung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse beitragen? Di­rektor Konrad (Berlin) behandelte die .Ver­wertung der diesjährigen Getreideernte unter Berücksichtigung der genossenschaftlichen Mitwir­kung". Er wies darauf hin, daß der Absatz von Roggen und Weizen ohne Schwierigkeiten vor sich gehen sollte, wenn die bisherige Getreide- politil beibehalten bliebe. Bei Braugerste und Hafer wären angesichts der starken Uebererzeu- gung in Zukunft Produktionsumstellungen wohl nicht zu vermeiden.

Die gut besuchte Versammlung der Pferdezuchtabteilung hörte einen Vortrag von Dr. Sender (Darm­stadt) über »D i e Pferdezucht in Wcst - d e u t s ch l a n d". Rach einem Uebcrblld über die in einzelnen Landesgebieten besonders bevorzug­ten Zuchtrichtungen ging er auf die Bedeutung deS Pferdes im landwirtschaftlichen Betrieb ein. Da

manchmal kommt es aber ganz anders als beab­sichtigt war. So befanden sich einmal an Bord auf einem nach Kapstadt reisenden Dampfer acht Bräute. Doch bevor das Schiff in die Tafelbai einfuhr, waren es nur noch sieben; eine von ihnen hatte an Bord einen jungen Mann geheiratet, den sie vorher nicht gekannt, der sich aber eifrigst bemüht hatte, der mit Angst ihrem ungewissen Schicksal entgegengehenden Braut bie Oe de und Einsamkeit ihrer zukünftigen Heimat am Sundays Rioer in den schwärzesten Far­ben auszumalen und ihr statt dessen ein anderes Los an feiner Seite anzubieten. So kam es, daß wenige Tage vor der Landung der Tröster und die Getröstete vor dem Kapitän mit der Bitte erschienen, sic zu trauen, was auch nach einigem Zögern ge­schah. Als das Schiff in Kapstadt einfuhr, wurde der hier harrende Bräutigam von der jungen Frau mit ihrem Gatten bekannt gemacht. Doch er nahm die Sache von der heiteren Seite. Er lud das Paar zu dem Hochzeitsfrnhstiick in ein Hotel Kapstadts ein, das er für sich selbst bestellt hatte. Nur ein dritter Stuhl wurde schnell noch herangerückt. Bisweilen ist es auch der Mann, der es sich im letzten Augenblick anders überlegt. So lachte einmal ganz Rangoon über einen Bräutigam, der 24 Stunden vor dem Eintreffen des Brautfchisfes es mit der Furcht zu tun bekam und davonfuhr. Er war von feiner Farm am Oberlauf des Irawadi gekommen, um sich mit der Erwählten zu vereinen, wie er es in den sieben langen Jahren, seitdem er die Heimat verlassen, er­träumt hatte. Endlich stand er am Ziel seiner Wünsche. Zwei Tage verbrachte er, von einem Fie­ber der Ungeduld geschüttelt, in einem Hotel in Rangoon. Er hatte alle Papiere zur Eheschließung schon in der Tasche, nur 24 Stunden noch da versagten plötzlich seine Nerven. Als sich der Damp­fer mit der Braut dem Irawadi näherte, fuhr an ihm ein anderer mit dem Kurs nach Singapore vor­über: er hatte den Mann an Bord, der eben noch ungeduldig auf sie gewartet hatte. Aber die Braut ohne Bräutigam nahm nun die Angelegenheit in ihre energischen Hände: sie drahtete noch der ihr wohlbekannten Adresse von Rafsles Hotel in Singa­pore:Warte auf mich", und bestieg sodann den nächsten von Rangoon abfahrenden Dampfer. Aber in Singapore erfuhr sie, daß der Flüchtling soeben nach Schanghai abgefahren war. Weiter ging ihre Reise. In schanghai hörte sie, daß er nach Japan geflohen war. Endlich erreichte sie ihn in Pokohama, als er eben einen Dampfer besteigen wollte, der über den Stillen Ozean fuhr, und das Paar wurde nach so vielen Hindernissen, die die energische Braut alle überwunden hatte, in der englischen Kirche von Yo­kohama getraut.