Ausgabe 
17.9.1931
 
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Donnerstag, 17. September 1931

Erschein» täglich, außer Sonntags und Feiertag».

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Dr. Frredr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Potittk Dr. Fr. Wilh. Langer für Feuilleton Dr H.Toyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter^ sämtlich in Ißufaen.

Die Lohnrevolie auf der britischen Flotte.

Die Gehorsamsverweigerung aus den Großkampsschiffen der Ailantikflotte. Streik der Matrosen, aber drei Hurra für den König. Die Gefahr kommunistischer Wühlereien.

Sturmzeichen.

Die Rachricht von dem Abbruch der Manöver der englischen Atlantikslotte muf) geradezu sen­sationell wirken Wenn der Bericht der briti­schen Admiralität auch überaus vorsichtig ab- gesaht ist, so geht doch aus verschiedenen Mel­dungen hervor, bah eS sich um Dorgänge auf den englischen Schissen gehandelt hat, die be­denklich nach einer Massenmeuterei auS- sehen. Bereits vor einiger Zeit hat sich auf dem Flaggschiff der Mittelmeerflotte, derR 0 - l) al O a t, ein Ereignis abgespielt, daS der Disziplin in der britischen Kriegsmarine ein wenig günstige- Zeugnis ausstellte. ES ging damals um personellcDisferenzen innerhalb deS OssizterSkorpS, die verhältnismäßig schnell bcigclegt werden konnten. Diesmal ist die Lage bedeutend ernster, und es ist verständlich, das) die Mitteilung der Admirali­tät in der britischen Öffentlichkeit st ark e Be­unruhigung hervorgcrufen hat.

Die Flotte ist Englands ganzer Stolz, sie stellt den wichtigsten Schuh deS Inselreiches dar und ermöglicht die Beherrschung der gewaltigen Ko­lonien.Britannia rulcs the waves" bedeutet einen Dcgrifs, der jedem Engländer in Fleisch und Blut Übergegangen ist. Hat sich London auch nach dem Kriege damit abfinden müssen, daß die amerikanische Marine rein zahlenmäßig ebenbürtig ist, so sicherte ihm doch die Güte seines Schiffmaterials und die Erfahrung seiner Seeleute eine einwandfreie Heber- legenbeit. Die Zwischenfälle, die jetzt von amtlicher Seite zugegeben werden müssen, sind ohne Beispiel in der englischen Geschichte. Sie Wersen ein eigenartiges Licht auf die Schlag­fertigkeit der britischen Flotte und müssen den Glauben an ihre Leistungsfähigkeit erschüttern.

Interessant ist die Ursache der Revolte. DaS Sparprogramm der englischen Regierung hat seine Auswirkung auch in der Besoldung der Marine gesunden, und die Erregung dar­über hat zu der offenen Gehorsamsverweigerung geführt. Wir sehen also einen Parallelfall zu den Geschehnissen in Chile, die dort nur mit Mühe und unter erheblichen Blutopfern unter­drückt werden konnten. Schon diese Tatsache zwingt dazu, der englischen Meuterei größere Beachtung zu schenken.

Die zurückbeorderte britische Flotte ist zunächst stillgelegt worden, und die Admiralität will eine gründliche Untersuchung vornehmen. Die zu treffenden Maßnahmen werden sich nicht auf eine Prüfung der durch die neue Soldregelung hervorgerusencn Härten beschränken dürfen. Eng­land hat allen Grund, die Dinge nicht auf die leichte Achsel zu nehmen, sondern das Hebel an der Wurzel zu packen. Es besteht zumindest der Verdacht, daß kommunistische Kräfte bei diesen Zcrsehungserscheinungcn in der britischen Flotte ihre Hand im Spiele haben, wenn auch die Meuterer peinlichst diesen Eindruck zu vermeiden suchten. Die Untersuchung wird ihr Augenmerk besonders darauf zu richten haben, wie weit be­reits eine kommunistische Zellenbil­dung in der Flotte gediehen ist. Ermittelt man nicht die Hetzer und bestraft sie mit drakonischer Strenge, so wird die Krankheit weiterfressen und bei passender Gelegenheit noch unangenehmere Folgen zeitigen. Es wäre nicht das erstemal, daß ein Umsturzversuch von der Kriegsflotte seinen Ausgang nähme, wir brauchen uns bloß an den Rovember 1918 zu erinnern England ist heute nicht mehr so unberührt von sozialen Erschütterungen, daß es sich den Luxus leisten könnte, ruhig der Entwicklung der Dinge zuzusehen. Es kommt noch hinzu, daß auch in der englischen Poli­zei eine starke Gärung zu bestehen scheint, so daß ihre Zuverlässigkeit nicht unbedingt gewähr­leistet sein dürfte. Das englische Parlament hat sich ja bereits mit den Borkommnissen beschäftigt und von der Regierung entschiedenes Eingreifen verlangt, da hier ein Lebensnerv des Staates betroffen ist.

Aber nicht nur für England gilt es, die Lehren aus diesem Ereignis zu ziehen. Wir erleben in der jüngsten Zeit eine Fülle von Unruhen, die letzten Endes auf die bestehende und sich noch immer ver­schärfende Wirtschaftskrise zurückzuführen sind. Mit disziplinarischen Strafen allein ist es nicht getan, vielmehr muh durch energischen Kampf gegen die hart drückende Not der kommunistischen Gefahr das Wasser abgegraben werden. Was gestern in Chile und heute in England geschah, kann sich morgen in anderen Staaten wie- verholen. In Genf sind wieder einmal viele schöne Reden gehalten worden, in denen die Notwendigkeit der internationalen Zusammenarbeit betont wurde, um das drohende Chaos zu verhindern. Wir ver> missen leider noch die laten, die die Verwirk- lichung der Reden wären.

Es läßt sich nicht leugnen, daß in ein­zelnen Ländern auch weiterhin die Gefahr verkannt wird, in der die ganze zivilisierte Welt schwebt. Wie wäre es sonst möglich, daß Frankreich seine finanzielle und wirtschaftliche Dormachtstellung zu einer kurzsichtigen politi­schen Erpressungspolitik mißbraucht. Paris wird die Nachricht von der englischen Flottenrevolte vielleicht mit einer gewissen Schadenfreude auf»

nehmen, jedoch auch Frankreich ist gegen ein solches Vorkommnis nicht für alle Zeit gefeit. Roch spürt eS am wenigsten von allen Län­dern Europas die Auswirkungen der Weltkrise, aber ein gewisser Umschwung tünbigt sich bereits an. Bei der internationalen Verflechtung der Handelsberiehungen ist es aber auf die Dauer nicht möglich, daß ein Staat verschont bleibt, während alle seine Rachbarn schwere Rot leiben.

Auch Frankreich ist bis zu einem gewissen Grade auf den Export angewiesen. Der Entschluß Englands, die Einfuhr von Luxusarti­keln zu drosseln, bedeutet einen harten Schlag für die französische Industrie, der eine Zunahme der bisher sehr geringen Arbeitslosigkeit erwar­ten läßt. Andere Rückwirkungen dürften nicht

auSbleiben, und möglicherweise ist der Tag nicht mehr fern, wo auch Frankreich sich gezwungen sieht. Sparmaßnahmen durchzusühren. Revolten haben sich sowohl im französischen Heer als auch in der französischen Marine schon in der Ver­gangenheit ereignet. Umwieviel mehr ist mit ihnen zu rechnen, wenn die Krise auch an Frankreichs Tür pocht. Wird Paris erkennen, welche dunklen Wolken über Europa Heraufziehen? Die eng­lische Marinemeuterei ist ein Fanal, das weithin leuchtet. Roch ist es möglich, daS aus dem Osten nahende Gespenst abzuwehren, aber es muß bald etwaS geschehen, um die unnatürlichen Zu stände der Gegenwart zu beseitigen, denn mit jedem Tag vergrößert sich die Gefahr, daß die Hilfe zu spät kommt.

Die Atlantikflotte löscht die Kessel.

Abbruch der Manöver. Rückkehr in die Heimathäfen.

London, 16. Sept. (WTB.) Die Demonstra­tionen auf der atlantischen Flotte ein in der englischen Geschichte in diesem Ausmaß bisher un­bekannter Dorfall beschäftigen die Oefsentlich- feit auf das lebhafteste. Die Zeitungen bringen ausführliche Berichte, die sich zum Teil erheblich widersprechen. Es scheint indessen einwandfrei fest­zustehen, baß es sich bei ber Bewegung unter ben Seeleuten lediglich um einen Protest gegen bie Solbkürzungen hanbelt. bie zum Teil 25 Prozent betragen. Antimonarchistische Motive scheinen ber Streikbewegung nicht zugrunde zu liegen; denn bie Mannschaften haben verschie­dentlich ihre Loyalität ber Monarchie gegenüber burch Ausbringen von Hochrufen aus denKönig zum Ausdruck gebracht. Daß immer­hin auch kommuni st ischePropaganba am Werke ist, ist allerdings nicht zu leugnen, wie bie Demonstrationen in den Kantinen am Sonntag zeigten, bei benen bie »Rote Flagge" ge­lungen wurde. Wie eS heißt, wurden burch kom­munistische Agitatoren Gerüchte in Umlauf gesetzt, die das Ausmaß der Soldkürzungen übertrieben darstellten. Die Haltung der Mannschaften ist die der passiven Resistenz. Die Lage ist jedoch- ruhig und die Leute erwarten mit Zuversicht die Entscheidung bet Admiralität.

Die erste Massengehorsamsverweigerung sand Dienstag um 8 Uhr statt. Kurz nachdem unter den Klängen der Musikkapellen die Flaggen ge­hißt wurden, erging der Befehl, d i e Anker zu lichten. Diesem Befehl wurde nicht Folge geleistet. Statt dessen brachten bie Mann­schaften ein dreimaliges Hoch auf den König aus und setzten sich bann rücklings auf die Ankerketten, um ihre Lichtung zu verhindern. Rachdem die Ausfahrt der Flotte unmöglich gemacht war, ver­trieben sich die Seeleute die Zeit mit Musizieren und Spielen. Der heutige Tag verlief ähnlich. Wieder wurden die Flaggen zu den Klängen der Kapellen gehißt, wieder brachte bie Mannschaft Hochrufe auf den König aus. Inzwischen hatten die Heizer das Kesselheizen eingestellt.

Die bereits erteilten Landurlaube wurden wider­rufen. Der Streik ist bisher ruhig und in Ordnung verlausen. Aus manchen Schiffen wird er von den Mannschaften nicht so streng beobachtet, nur baß weniger Arbeit geleistet wird.

.Evening Rews" meldet, daß auS den Schorn­steinen der Schisse kein Rauch aufsteige, da die Feuer gelöscht seien. Die Heizer hätten die Arbeit niedergelegt. Don Land aus könne man keine Bewegung an Bord sehen. Die Mannschaften verhielten sich, soweit man eS be­obachten könne, außerordentlich still. Bei Morgen­grauen sollen sich mehrere hundert Mann des LinienschiffesRodney" um den Geschützturm her­um versammelt haben. Sie hätten einen Gassen­hauer gesungen, und einet von ihnen habe mit lauter Stimme gerufen, ob die Mannschaften etwa entmutigt seien. Die Besatzung des In der Rähe liegenden Schlachtkreuzers ,Hood" habe laut mitR e i n geantwortet und dieser Ruf sei durch bie ganze Flotte gegangen. Die an Dorb ber Kriegsschiffe eingeschifften Seesoldaten hätten sich an den Kundgebungen der Matrosen und Heizer nicht beteiligt. Auf dem Linien­schiff ^Rodney" weigerte sich die Mannschaft, bie Boote d e den Derkehr zwischen Schiff unb Land unterhalten, zu besetzen. Auf dem Kreuzer .Dork" hat in bet Dienstagnacht, nachdem im Schiff »Licht aus" gepfiffen war, eine geheimeDer- fammlung der Mannschaft stattgesunden, in der beschlossen wurde, sich dem Streik aiuu- schließen. Die Streikbewegung verbreitete sich schnell auf die anderen Schisse der Flotte. Die Grohkampfschifse ,Hood", .Malaya", .Repulse", »Warspite", und bie Kreuzer »Dorsetshire", »Ror- foir und .Exeter" sind ebenfalls von ber Streik­bewegung ergriffen. Die Mannschaften haben sich zwar noch keine Ausschreitungen zuschulben kom­men lassen, jedoch ist bie Lage sehr gespannt. Die Matrosen erklären, sie würden auf ihrer Gehor­samsverweigerung bestehen, wenn bie Admirali­tät ihre Forderungen nicht erfüllt. ,

Debatte im Unterhaus.

Chamberlain kündigt eine Prüfung der Beschwerde an.

London. 16. Sept. (WTB.) Der Erste Lord der Admiralität, Austen Chamberlain, er­klärte im Unterhaus zu den Dorgängen auf den Schiffen der atlantischen Flotte: Die Admiralität hat die Dorstellungen des Oberbefehlshabers der atlantischen Flotte über die Benachteili­gung der Seeleute einiger 6olb* klassen durch die von der Regierung angeord- neten Kürzungen der Löhnung geprüft. Die Regierung hat bie Abmiralität ermächtigt. Dor­schläge zu machen, um bie Lage ber Seeleute in den angeführten Fällen zu erleichtern, soweit die Tatsachen durch die geplante Unter­suchung bestätigt sein werden. Rach der Er­klärung Chamberlains kam es zu einer Debatte, die zum Teil recht lebhafte Formen annahm. Das Unterhausmitglied von Portsmouth, Ka­pitän Hall, wies darauf hin, daß die Seeleute Kürzungen um 25 Prozent erlitten, wäh­rend der Erste Lord der Admiralität und andere geringere Kürzungen erführen. Denken Eie daran, so fragte er ben Ersten Lorb ber Ad­miralität, daß diese Leute nicht in der Lage sind, ihren eigenen Fall zu vertreten? Worauf Sir Austen Chamberlain unter Beifall unb Gegenkundgebungen erklärte:Ich kann bie auf­gestellte Behauptung nicht entgegennehmen unb mißbillige Fragen bieser Art." Der ehe­malige Erste Lorb ber Abmiralität, Alexan­der (Arbeiterpartei), begrüßte bie geplante Re­vision der Kürzungen und fragte, ob ber Premierminister bie Absicht habe, bies auch bei allen anderen Kürzungen zu tun. Macbon ald drückte fein Bedauern darüber aus, daß diese Frage gestellt wurde. Der Fragesteller habe ge­nau ytoufot, daß von vornherein klar die Auf­fassung vertreten worden sei, den Ressorts die durch die Etatkürzungen notwendigen Sparmah- nqhmen selbst zu überlassen. Der Abgeordnete Kennworthy warf ber Regierung vor, daß

sie nicht vor Bekanntgabe ber Kürzungen eine Untersuchung über bie Lage bei ber Flotte angestellt habe, worauf Chamberlain barauf Hin- Wies, daß die Regierung sich bei Amtsantritt einer Situation gegenübergesehen habe, bie ra­sches Hanbeln erforderte. Weiteren Der- suchen, bie Debatte über biefen Punkt auszu- dehnen, würbe von bem Sprecher ein Enbe ge­setzt.

Oie Soldkürzung.

Was fa.qt die Presse tu der Memerei?

London, 16. Sept. (IBIB.) Die Admiralität veröffentlicht heute abend eine Erklärung, worin nachgewiesen wird, daß sich die 2 5 p r 0 ; e n t i g e Soldkürzung in der englischen Flotte nur auf den Grundsold bezieht, während d i e übrigen Zuwendungen einschließlich der Bezüge für die Familie davon nicht betros- f e n werden, so daß die Herabsetzungen im vergleich zu den Gesamtbezügen nur 7,7 bis 13,6 Prozent be­tragen. Die größtmögliche Kürzung trifft die jüng­sten und meist unverheirateten Grade. Da jedoch eine Reihe von diesen vor Erreichung des für die Fa­malienzuwendungen oorgeschriebenen Alters ge­heiratet haben, werden sie durch die Kürzungen besonders hart getroffen, und es werden in diesem Zusammenhang Erleichterungen er- wogen.

Soweit die Blätter zu den Vorgängen In der atlantischen Flotte Stellung nehmen, äußern sie Bedauern über dieUnbesonnenheit der jugendlichen Seeleute". »Morning Post" sagt, die Vorgänge hätten Unruhe und Enttäuschung verursacht, wenn man sie charak­terisieren wolle, was heute nicht mehr ITlobe sei.

dann müsse man von Meuterei sprechen. 3m übrigen glaubt das Blatt, daß eine der Haupt­ursachen für die Vorgänge darin bestanden habe, daß es bei der Kürze der Zeit nicht möglich war, den Mannschaften die Unvermeidlichkeit der Vermin­derung der Löhnung klarzumachen. Etwa» schärfer äußert sichDaily Mail", die in einem Leit­artikel von einem 24stündigen Streik der Flotte de» Königs spricht und mit den Dor­ten schließt: Ungehorsam gegenüber den' Befehlen der Regierung in einer Zeit wie der jetzigen, ist ein ebenso er n st esvergehen wie in Kriegszeilen.

3n einem im Hamen der Seeleute an öle Ad- miralifät gerichteten Schreiben wird eine Aufhebung der drakonischen Lohnkürzungen verlangt, die dieam niedrig st en bezahlten Matrosen erleiden würden. Die Seeleute, die sich als gehorsame Untertanen des Königs bezeichnen, erklären, sie seien mik einer oet- nünfligen Lohnsenkung einoerstan- d e n.

Schluß der Haushalisdebatte im Unterhaus.

Lnowdcn gegen Schutz,olle

London, 16. Sept. (WTB.) Bei Schluß ber Aussprache über das Rotbubget im Unterhaus bekannte sich Schatzkanzler Snowden als un­erschütterlicher Freihändler. Er sagte, wenn man die Einfuhr verhindern wolle, um die Han­delsbilanz zu verbesfcm, bann werbe ein Tarif von 25 oder 30 ober gar 40 Prozent nicht auS- reichen. Don einem Rottarif könne keine Rede fein, denn wenn erst einmal ein Zollsystem geschaf­fen sei, dann bleibe cs erfahrungsgemäß jahrelang bestehen. Eine weitere Erwägung sei, daß eine Beschränkung der Einfuhr den Einnahmen der Reedereien einen weiteren Schlag versehen würde. Snowden machte diese Bemerkungen in einem bei­läufigen Ton, als ob er zum Ausdruck bringen wolle, daß das sein persönlicher Stand­punkt sei, den daS Kabinett nicht teile. Ferner sagte der Schahkanzler noch, er habe nie­mals die schlimmen Wirkungen der Repara­tionen unterschätzt. Die Reparationen hätten für die Lage des internationalen Handels große Bedeutung, nicht aber für die Lage des britischen Budgets. Die Lage des britischen Budgets sei nicht durch die deutsche Krise vom Juli, sondern hauptsächlich durch die übergroßen Ko st en infolge der Arbeitslosigkeit entstanden. Snowden schloß mit einer scherzhaften Bemerkung an seine ehemaligen Gefährten von der Arbeitterpartei, er freue sich, daß sie guter Stimmung feien, obwohl sie doch wüßten, daß sie nur noch einige Wochen auf ihren Plätzen bleiben würden. Diese Worte Snow­dens wurden von den Konservativen als ein Hin­weis auf die baldige P a r l a m e n t s a u f l b- f u n g getrachtet und lebhaft begrüßt.

Snowden brachte dann den Antrag ein, bie bisher gesetzlich festgelegte Höhe bes Zinsen­bien st eS für bie inneren Anleihen von 7 100 000 000 auf 6 440 OOO 000 Mark herab- zus ehen und die allmähliche Konventie- rung der f ü n f b r o a e n t i g e n Kriegs­anleihe in Höhe von 40 Milliarden Mark bei einer sich bietenden günstigen Gelegenheit einzu­leiten. Der Antrag erwähnt die Möglichkeit eine- Umtausches der fünfprozentigen Anleihe in eine Anleihe mit niedrigerem Zinssatz und die Ausgabe besonders bevorzugter Schahanwei- fungen, bei denen entweder das Kapital, oder die Zinsen frei von Einkommensteuer sein sollen. Ein unter der Begründung , gleiche Opfer für alle eingebrachter Gegenantrag, den Zinfendienst auf 4 Milliarden Mark herabAusetzen, wurde mit 267 gegen 185 Stimmen abgelehntz Der Antrag Snowden wurde ohne Abstimmung angenommen.

Beunruhigung in Amerika.

Neuy 0 rk. 16 Sept. (WTB. Funkspruch.) Diele amerikanische Handelshäuser ziehen bei ber ameri­kanischen Handelskammer in London Erkundigungen wegen der evtl. Errichtungamerikanifcher Filialfabriken in Großbritannien ein, um dadurch den Folgen eines britischen Zolltarifs zu entgehen. Die Möglichkeit der Errichtung von Zollmauern um einzelne Teile des Britischen Reichs erregt hier große Unruhe, da etwa die Hälfte der amerikanischen Aus­fuhr an Glieder des Britischen Reiches geht.

Nationalsozialistische Zührertagung in München.

München, 16. Sept. (TU.) Am 15. unb 16. September fand in München unter dem Dorsitz Adolf Hitlers und in Anwesenheit fast aller namhaften Führer der nationalsozialistischen Be­wegung eine Tagung der Gauleiter unb SA.- Führer des ganzen Reiches statt, bie sich mit der politischen Lage befaßte unb auf der die Richtlinien für den kommenden politischen Kampf festgelegt tourben. Reichsorganisations-