Ausgabe 
17.8.1931
 
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Noch kein Abschluß in Basel.

Die Finanzsachverständigen kommen nicht mehr nach Berlin.

Basel, 16. Aug. (111.) Die Verhandlungen des Finanzsachoerständigenausschusses, die von 15 Uhr bis kurz vor 21 Uhr mit einer kleinen Pause dauer- tcn, ergaben auf verschiedenen Gebieten eine Einigung über die von dem Stillhalte- ausschuß vorgelegten Vorschläge. Der hartnäckige und schwierige Kampf um die Frage der ausländi­schen Markguthaben in Deutschland, in welcher Frage man von Deutschland einschnei­dende Maßnahmen fordert, konnten jedoch noch nicht zu einem guten Ende geführt wer­den, so daß der voraussichtlich endgültige Abschluß der Stillhalteoerhandlungen auf M o n t a g o o r - mittag verschoben wurde. Grundsätzlich ist man sich über die sechsmonatige Verlängerung der Kredite einig. Die Entscheidung über die von Deutsch­land ebenfalls geforderte Verlängerung der 100- Millionen-Dollar-Rediskontkredite liegt jedoch bei den Zentralbanken, nicht bei dem Finanzsachver­ständigenausschuß. Von feiten der Zentralbanken und der DIZ. scheinen jedoch keine Schwierigkeiten zu befürchten zu sein. , L .,

Die Finanzsachverständigen haben ihren Be­richt über die bisher geleistete Arbeit zu einem großen Teil schon fertiggestellt. Der Bericht umfaßt hauptsächlich das Ergebnis der Untersuchungen über die deutschen Kreditbedürfnisse und Möglichkeiten. Auf eine Reise der Finanzsachverstan- digen nach Berlin wurde endgültig ver­zichtet. Die gesamten Arbeiten sollen in Basel fertiggestellt werden. Die Finanzsachverständigen glaubten bis Mitte der Woche die ihnen von der Londoner Konferenz gestellten Aufgaben: Prüfung der deutschen Kreditbedürftigkeit und Möglichkeit der Gewährung neuer Kredite sowie Umwandlung der kurzfristigen in langfristige Kredite beenden zu können.

Tagung der Gtaatspartei.

Minister Dietrich über die Hilfe für die Gemeinden.

Berlin. 16. Aug. (CAB.) Sn den Bäumen des Reichswirtschaftsrats tagte die Deutsche Staatspartei. Reichsfinanzminister Dietrich b«- handelte die Entwicklung der Reparationsfrage, die Krise im Bankwesen und die Finanzkrißs in die das Reich, mehr noch dir Länder und Ge- meinden. gekommen sind. Cs zeigte sich, daß dank der Besonnenheit des deutschen Volkes dir Dinge wieder in Ordnung gebracht werden konnten Wenn am 1. September die Gehälter noch nicht ausgezahlt werden können, weil erhebliche son­stige Schwierigkeiten eintreten, so ist doch zu hoffen, daß feiern am 1. Oktober die Gehaltszah­lungen wieder in der üblichen Weise stattfinden werden. Der Finanzbedarf der Länder und Ge­meinden habe eine starke Steigerung erfahren. Das R e i ch hat die Ausgaben für eigene Zwecke, die 1928 6.7 Milliarden und 1931 6,1 Milliarden betrügen, um rund 550 Millivnen her­unterschrauben können, obwohl gleichzeitig die Reichsausgaben für die Arbeitslosen um 840 Millionen gesteigert wurden. Wenn jetzt Reichshilfe für die Gemeinden verlangt würde, so sei eine Erklärung dazu im gegenwärtigen Augenblick sehr schwierig, weil wir nicht wissen, wie sich die Steuereinnahmen in den nächsten Tagen entwickeln werden. Infolge der Ersparnisse der Reparationen wird es aber v i e I- leicht möglich sein, den Gemeinden, die eine besonders schwere Last durch die Wohlsahrtser- werbslvsen zu tragen haben, zu helfen.

Der preußische Finanzminister Höpker- A sch off erklärte, es bestehe eine Spanne von . 1,6 Milliarden Mark infolge der gekürzten Reichs Überweisungen in Hohe von 500 Millionen, der Mindereingänge bei der Hauszins st euer von 200 Millionen, der Gewerbesteuer von 200 Millionen und bei der F o r st b e w i r t s ch a f t u n g um 100 Millio­nen. Dazu kommen die La st en der Wohl- fahrtserwerbslvsen in Höhe von 600 Millionen. Diese Spanne von 1,6 Milliarden könne auch trotz größter Sparsamkeit nicht aus­geglichen werden und es bedürfe daher besonderer Maßnahmen, um die Rotlage der Gemeinden zu beseitigen. Der Gesamtvorstand der Deutschen Staatspartei beschloß, den Parteitag voraus­sichtlich am 26. und 27. September d. 3. i n Der - t i n abzuhalten.

Einschneidende Sparmaßnahmen in Hamburg.

Hamburg, 15. Aug. (TU.) Die allgemeine Wirtschaftskrise hat sich in Hamburg dahin aus- gewirkt, daß im S t aa tshaus ha l t ein Fehlbetrag von 38 Millionen Mark entstanden ist. Der Senat sieht sich vor die Aotwendigkeit gestellt, sofort wirksame Sparmaßnahmen durchzuführen. Er will die Mitgliederzahl des Senats von 16 auf 12 verringern und auch eine Der- minderung der Zahl seiner Mitarbeiter vorneh­men. Alle öffentlichen Arbeiten, insbe­sondere Bauten, werden eingestellt. Die Un­kosten für Reinigung und Snstandhal- tung der Straßen, der Dienstgebäude usw. sollen vermindert werden. Die Gehälter der Beamten und Angestellten werden denen der Reichsbeamten angeglichen, die Urlaubszeiten sollen verringert wer­den. Fttiwerdende Beamten- und Angestellten­stellen sollen grundsätzlich bis auf weiteres nicht wieder besetzt werden. Für die Durchfüh­rung der Personalverminderung ist die Her­absetzung der Altersgrenze von 65 auf 63 3ahre in Aussicht genommen.

Die Auslandverschuldung Hamburgs ist von 157 Millionen Mark seit dem 30. Novem­ber vorigen Jahres durch Kündigung der auslän­dischen kurzfristigen Kredite um 28 Millionen auf 129 Millionen Mark zurückgegangen. Der Gesamtbetrag der schwebenden Schuld hat seit Ende vorigen 3ahres nur in sehr geringem Um­fange zugenommen.

Oie Tarifverhandlungen mit den rheinischen Gemeindearbeitern.

Köln, 15. Aug. (TU.) Die Tariskornrnission des Zentralverbandes der Arbeit­nehmer öffentlicher Betriebe und Verwaltungen hat den Vorschlag des Reichsverbandes kommunaler und anderer öffent­licher Arbeitgeberverbände Deutschlands, wonach die Löhne für Gemeindearbeiter auf den Stand der Löhwe der RetchSar-

Oie Augen links!

OieGermania" fordert scharfe Beobachtung der kommunistischen Aktion.

Berlin. 15. Aug. (TU.) Sn einem Artikel mit der Überschrift .Kommunistische Aktion weist die .Germania, das Berliner Organ des Zentrums, darauf hin. daß man seit ermger Zeit eine auffallend ge ft e i ge rte T ä 11 g ke i t in der Kommunistischen Partei be­merke Sm Zusammenhang mit den Attentaten auf die Berliner Schutzpolizei verdichteten sich ge­wisse Vermutungen zu der Sicherheit, daß es sch in der Tat um ganz pl anm ä h i ge A k 11vn en handele und daß diese Aktionen von Menschen ausgeführt wurden, die anscheinend eine für diese öffentliche Beunruhigung eigens zugeschnittene Unterweisung erhalten hätten. Man spreche von sogenannten Scharfschützen, die mit bestimmten Aufgaben an bestimmten Stellen eingesetzt wer­den sollten. Man gehe in kommunistischen Kreisen anscheinend von der Absicht aus, die Schutzpolizei selbst unsicher zu machen und ihre Disziplin zu lockern. Die Moskauer Ratschläge schienen darauf auszugehen, die Chance der wirtschaftlichen Rot

im kommenden Winter auf das kräftigste auszu­nutzen, um einen letzten Versuch zur Erlangung der Macht zu machen. Für alle verant­wortlichen Stellen im Reich und im Staat dürfte es empfehlenswert fein, sich mit einer heute in der BerlinerVörsenzeitung" be­sprochenen Schrift zu beschäftigen, in der ein genauerPlan fürillegaleVorberei- t u n g e n enthalten sei und in der gefordert würde, daß man sofort zur Schaffung eines illegalen Apparates schreiten müsse, der parallel neben dem weiter legal fungierenden Ap­parat bestehen und dessen Funktionen übernehmen solle, falls dieser durch Polizeirepressalien liqui­diert werde. Der Volksentscheid, so schließt dieGermania", hat den Hauptkampf ge­gen recht 8 gelegt. Es erscheint uns drin­gend an d er Zeit, daß alle, die es angeht, sich die kommuni stische Linke sehr ge­nau ansehen.-

Oie Großpensionen.

Eine Richtigstellung des Reichsfinanzministeriums.

Berlin, 15. Aug. (TU.) Sn der Presse war behauptet worden, daß das Reichsfinanzministe­rium auf die durch Einschreibebrief hinaus­gesandte Aufforderung an die sogenannten Grohpensionäre, sich zu einer Kürzungihrer Bezüge zu äußern, keine Antwort mit Aus­nahme der Generäle v- Schönaich und v. Deimling erhalten habe, die sich hierzu bereit erklärt hätten. Hierzu wird vom Reichsfinanzministerium mit* geteilt, daß diese Meldung in allen Punk­ten unzutreffend ist. Das Reichsfinanz­ministerium habe keine derartigen Briefe hinausgesandt und habe auch keine der­artigen Antworten erhalten können. Sm Zusammenhang hiermit wende sich das Reichs­finanz- und das Reichsarbeitsministerium gegen eine Reihe von falschen Meldungen über sog. Groß-Pensionäre, die in der Presse ver­breitet werden. Militärpensivnäre, die über 1 6 000 Mk. bezogen, gebe es überhaupt nicht: Militärpensionäre, die zwischen 12 000

und 16 000 Mk. bezögen, gebe es etwa 115. Diese seien in ihren Bezügen selbstverständlich wie alle anderen Desoldungsempsänger auch durch die letzte Notverordnung außerordent­lich stark gekürzt worden. Die Zahl von 600 Militärpensivnären, die angegeben werde, ginge auf eine alte Denkschrift vom Sahre 1926 zurück, die inzwischen längst überholt sei. Snzwischen seien runb 500 Pensionäre, die derartige Bezüge zu erhalten hätten, ge­storben. Sedes Sahr gingen also rund 100 HMilitärpensions-Empfänger mit dem Tode ab.

Der ehemalige preußische Kronprinz habe weder eine Militärpension beansprucht, noch auch je eine erhalten. Der bayerische Kron­prinz überweise seine Pension regelmäßig an den Landeskriegerverband Bayern. Don den früheren Ministern der Republik habe über­dies ein Teil auf die ihnen zustehenden Pensivns- bezüge verzichtet.

Reichsbahn und Auio.

Reichsverkehrsminister von Guörard hatte eine Besprechung mit Dertre tern der deutschen Länder über den Entwurf eines Gesetzes betreffend den Ueberlandverkehr mit Kraftfahrzeugen und über den Bahnspeditionsvertrag. Nach einge­hendem Dortrag des Reichsverkehrsministers, der von Generaldirektor Dr. Dorpmüller durch Ausführungen über die Lage der Deutschen Reichsbahngesellschaft ergänzt wurde, fand über die Vorlage eine nähere Aussprache statt, die mancherlei Anregungen brachte. Gemäß dem ge­äußerten Wunsche wird der Minister das Er­gebnis der Desprechung nachprüfen. Sm we­sentlichen handelt es sich dabei um den Streit zwischen der Reichsbahngesellschaft und den Last- kraftwagengesellschasten. Dekanntlich betlagt_ sich die Reichsbahngesellschaft seit Sahren darüber, daß ihr durch den Kraftwagen eine starke Kon­kurrenz gemacht wird, mit der sie nicht Schritt halten kann und die ihr von Monat zu Monat in steigendem Maße Aufträge wegnimmt. Es läßt sich nicht bestreiten, daß sich der Kraftwagen­verkehr In jüngster Zeit immer mehr entwickelt hat und daß die Verfrachter vonderReichs- i bahn zum Auto abwandern. Das hat l

aber auch seine guten Gründe. Beim Kraftwagen wird mehrmaliges Umladen des Gutes erspart. Die damit verbundenen Unkosten fallen zumTeil weg. Außerdem ist es möglich, das verfrachtete Gut direkt dem Empfänger zuzustellen. Die Reichsbahn ist an ihre Schienenwege gebunden. Außerdem ist ihr T a r i f s y st e m ttoh der vie­len Ausnahmen viel zu starr, und dir Kosten, die mit dem Gütertransport auf der Eisenbahn verbunden sind, für den Verfrachter ober Emp­fänger viel zu hoch. Man hat nun grundsätzlich erreicht, daß die Reichsbahngesellschaft für die höheren Klassen einen erheblichen Frachten­abbau vornehmen will, so daß der Weg für einen Ausgleich einigermaßen geebnet ist. So not­wendig es ist, die Reichsbahn leistungsfähig zu erhalten, so bedauerlich wäre es aber, wenn mit Hilfe einer Notverordnung die Entwicklung des Kraftwagenverkehrs gehemmt würde. Wir neh­men an, daß man im Reichsverkehrsministerium die Interessen der beiden Konkurrenten gleichmäßig wahrnimmt und sich davor hü­tet, Maßnahmen zur Anwendung zu bringen, die vielleicht die eine Seite im Augenblick entlasten, dem Kraftwagenverkehr aber womöglich einen Todesstoß versehen.

beiter gebracht werden, ab gelehnt. Nun­mehr sind für den Bereich des Bezirksarbeitgeber­verbandes rheinischer Gemeinde- und Kommunalverbände einschließlich der Stadt Köln Verhandlungen am Dienstag im Köl­ner Rathaus angeseht.

Oer Stahlhelm ficht den Volksentscheid an.

Eine Beschwerde beim Landeswahllciler.

Berlin, 15. Aug. (TU) Der Stahlhelm hat nunmehr in einem an den Landeswahlleiter gerichteten Schreiben das Ergebnis des Volksentscheids in Preußen ange­fochten. Sn der Begründung wird u. a. aus­geführt, daß in den Stimmlisten Verstorbene nicht gestrichen, Verzogene doppelt eingetragen, Behinderte (Geisteskranke und Entmündigte) als stimmberechtigt ausgeführt, bei Personen des Sol­datenstandes das Ruhen des Stimmrechts nicht berücksichtigt und Ausländer als stimmberechtigt angegeben worden seien. Nach einer auf Stich­proben begründeten Berechnung würde allein die Berichtigung dieser Fehler die Gesamtzahl derSlimmberechtigten umetwazwei Millionen senken. Andererseits fei) die Zahl der Zustimmenden dadurch zum Nach­teil des Volksentscheids gesenkt worden, daß in den Stimmlisten zahlreiche Stimmberechtigte widerrechtlich gestrichen seien, die noch beim Volksbegehren sich eingetragen hätten. Die Berichtigung dieses Fehlers würde die Zahl der Sa-Stimmen um etwa eine Mil- (i o n steigern. Zu diesen Beeinträchtigungen des Wahlergebnisses kämen noch Ungültig- keitserllärungen deutlich gekennzeichneter &timm» zettel durch Abstimmungsvorsteher sowie Behin­derung oder Beeinflussung der Abstimmung ins­besondere durch verfassungswidrigen Terror.

Aus aller Welt.

Reichsmieterlag in Leipzig.

Auf dem Reichsmietertag sprach Dr. Adolf D a - maschke. Das gegenwärtige Wirtschaftssystem er­fülle seine Aufgabe nicht, sonst könnten nicht 600 000 Bauarbeiter zu feiern gezwungen werden, in einer Zeit, in der 326 000 Wohnungen allein in Preußen fehlten. Der ständige Beirat für Wohnstättenwefen beim Reichsarbeitsministerium habe einen Gesetz- entwurf zur Bekämpfung der Bodenspe­kulation und zur sozialen Ausgestaltung

des Enteignungsrechts vorgelegt. Der Kern des Gesetzentwurfs fei: Der Bodenpreis darf nie höher fein als der Steuerwert des Bodens ist. Na­mentlich darf er nicht höher fein im Falle der Ent­eignung. Den Gemeinden müsse ein Enteignungsrecht für den Wohnstättenbau zuerkannt werden. Der zu­letzt angenommene Steuerwerk solle der Enteig. nungswert sein. Komme das Gesetz durch, dann brauche die Gemeinde keine so große Bodenoorrats- wirtschaft mehr wie bisher zu betreiben. Sn einer Entschließung forderten die Versammelten die Schaf­fung eines sozialen Wohnrechts, die sofortige Ver­abschiedung eines Wohnheimstättengesetzes, die Sen­kung der Mieten mindestens auf den Betrag der Friedensmiete unter Senkung der Hauszinssteuer, und wandten sich gegen Aufhebung der Mieterfchutz- gesetzgebung.

Schwere Aukounfalle.

In der Nähe von Wickenrode (Bezirk Kassel) geriet ein Kölner Fernlastkraftwagen auf der stark abschüssigen Straße am Pfaffenberge vermutlich infolge Versagens der Bremse in immer schnellere Fahrt und fuhr in rasender Geschwindigkeit gegen eine G a st w i r t s ch a f t. Der Führer des Wa­gens war auf der Stelle tot; ein mitfahrender Knabe wurde fo schwer verletzt, daß an seinem Aus­kommen gezweifelt wird. Der Anprall an das Ge­bäude war so stark, daß der Kraftwagen vollständig zertrümmert wurde. Das Gasthaus weist lange Risse auf. Sn der Nähe des Forsthauses Raschwitz b e i Leipzig verunglückte der Personenkraftwagen des Präsidenten der Leipziger Industrie- und Handels­kammer, Geheimrat Dr. Schmidt. Schmidt, der seinen Wagen selbst lenkte, ist dabei tödlich, sein mitfahrender Sohn Wolfgang schwer verletzt worden. Geheimrat Schmidt wollte an der Unglücks­stelle einen ebenfalls stadteinwärts fahrenden Kraft­wagen überholen. Dabei hat er aus noch nicht geklärten Gründen die Herrschaft über sei­nen Wagen verloren. Der überholte Wagen kam ebenfalls aus der Fahrtrichtung und stieß mit einem entgegenkommenden Straßenbahnwa­gen zusammen. Der Wagenführer der Straßenbahn ist verletzt worden, ebenso der Führer des überholten Wagens. Außerdem geriet die Straßenbahn infolge des schnellen Bremsens in Brand. Ein außer­gewöhnlich schweres Kraftwagenunglück, bei dem sechs Personen lebendig verbrannten und zwölf andere sehr schwer verletzt wurden, er­eignete sich in der Nahe von Commercy bei Bar le Duc. Ein Musikverein aus Thunimont unter­nahm mit zwei großen Motorkraftwagen einen Aus­flug nach Verdun. Auf der Landstraße wollte einer Der beiden Wagen den anderen überholen.

Hierbei hakte er mit dem Kotflügel des Vorderrades hinter den Kotflügel des vor ihm fahrenden Wa­gens, der dadurch vom Wege abkam und in einen sechs Meter tie*fen Abgrund stürzte. Der Brennstofftank platzte und das Benzin ent- zündete sich sofort an dem heißen Motor. Sm Nu stand der ganze Wagen in hellen Flam- m e n. Die Insassen, die schon durch den Sturz so schwer verletzt waren, daß sich nur ein Teil von ihnen selbst in Sicherheit bringen konnte, wurden von den Flammen ergriffen und verbrannten bei lebendigem Leibe. Die Snfaffen des zweiten Wa­gens, die sofort zur Hilfe eilten, konnten aus den Trümmern des völlig ausgebrannten Wagens n u r noch sechs verkohlte Leichen bergen. Zwölf andere Snfaffen hatten schwere Brandwunden und Knochenbrüche erlitten und mußten in lebensgefähr­lichem Zustande in ein Krankenhaus überführt werden.

Der Lyoner hauseinslur; ein Versicherungsbetrug der Besitzerin.

Die Untersuchung der Ursachen über die schwere Einsturzkatastrophe bei Lyon hat der Polizei am Samstag eine große Ueberraschung bereitet. Unter den Trümmern hatte man eine vollkommen entstellte Frauenleiche gefun­den, die erst jetzt als die De sicher in des Hauses, ein Fräulein Sangois identifiziert werden tonnt«. 3hre Anwesenheit in dem iln- glückshause, in dem sie s e l b st n i ch t w o h n t e, zu so später Stunde und die Tatsache, daß ihre einundsiebzigjähr« Mutter sich seit der Katastrophe nicht mehr um sie gekümmert hatte, erschien bec Polizei verdächtig. Die Mutter der Besitzerin wurde daher am Samstag verhört, wobei sie sich verschiedentlich in Widersprüche verwickelte. Nach ihren Angaben soll ihre Tochter sie gegen 22 IHjt ausgefordert haben, mit ihr zu dem Mietshaus« zu fahren. Als beide gegen 2 Uhr in einiger Entfernung vordem Hause angelangt seien, habe ihre Tochter sie plötzlich stehen lassen und sei in das Haus gelaufen. Gleich darauf habe sich die Explosion ereignet und das Gebäude sei zusammengebrochen. Die Polizei hat festgestellt, daß Fräulein Sangois sich in gro­ßer Geldverlegenheit befand und daß das Haus mit 90 000 Franken ver- sich ert war. Die Obduktion der Leich« hat fer­ner ergeben, daß di« Unglückliche nur am Kopf schwere Verletzungen aufwies, während der übrige Körper auch nicht das leiseste Merk- mall einer Quetschung oder auch nur Haut­abschürfungen zeigte. Die Art Orr Kopfverletzun­gen ließen die Vermutung crufkommen, als ob sie durch Splitter einer B o m b« her- oorgeruifen wurden. Am Sonntagnachmittag hat di« Mutter zugegeben, daß ihre Tochter das Haus in die Luft gesprengt hat. Ihre Tochter habe gehofft, dadurch di« Versicherungssumme xu erhalten, um ihre Gläubiger befriedigen zu können. Die Polizei hat die 71jährige Mutter unter dem Verdacht der Mittäterschaft ver­haftet.

Nautilus" wird vom Pech verfolgt.

Sn Oslo ist eine Meldung von Wilkins U-Boot Nautilus" eingetroffen, worin es heißt, daß die Bäreninsel passiert sei, daß das U-Boot bann aber einen starken Sturm getroffen habe, wo­bei d i e Brücke über Bord geschlagen sei. Das Boot schlingere augenblicklich fo stark, daß die Mannschaft sich an Bord habe f«stbinden müssen. Alles, was nicht niet- und nagelfest fei, sei losgerissen. Die Leute wurden, ehe sie sich fest- banden, aus ihren Kojen geschleudert. Aber trotz all dieser Mihlichkeiten schließt das Telegramm mit: A lles woh l".

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Durch Abflachung wandert nunmehr die atlantische Störung in nordöstlicher Richtung weiter und lag mit ihrem Kern heute morgen über Schottland und ber Nordsee. Der damit verbundene Zustrom kühler Luft an der Rückseite hat bereits eingesetzt und wird sich auch auf das Festland ausdehnen. Es steht daher für die nächsten Tage wieder kühleres Wetter in Aussicht. Die Witterung nimmt dabei einen wechsel­haften Charakter an, zumal durch die ozeanische Luft noch Regenschauer verursacht werden die allmählich an Sntcnfität abnehmen und nachlassen. Denn von Südwesten her steigt der Luftdruck kräftig an, so daß durch den Vorstoß des Azorenhochs Beruhigung eintritt.

Vorhersage für Dienstag: Wechselhaftes Wetter, teils bewölkt, teils aufheiternd, kühler, noch Regenschauer, aber allmählich nachlassend, um West drehende Winde.

Lufttemperaturen am 16. August: mittags 19,7 Grad Celsius, abends 15,7 Grad; am 17. August: morgens 15,9 Grad. Maximum 21,4 Grad. Minimum 12,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. August: abends 18,8 Grad; am 17. August: mor­gens 15,2 Grad Celsius. Niederschläge 5,6 mm. Sonnenscheindauer 9 Stunden.