Ausgabe 
17.4.1931
 
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Ur 89 Erstes Blatt

181 Jahrgang

Zreitag, 17. April 1951

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Gietzeiier Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Jnebr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Thyrivt; für den übrigen Teil Ernst Dlumscheln unb für bett Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen

Das neue Regime in Spanien.

Kommunistische Unruhen in Sevilla.

Gcfangcncndefreiung in Valencia, Malaga und Bilbao.

Madrid, 16. April. (WTB.) 3n Sevilla kam cs in den frühen Morgenstunden zu k o m - munistischen Unruhen. Dor der Kaserne deS 9. Infanterieregiments sammelte sich ein aroher Trupp von Kommunisten an, der unter den Hufen »Dieder mit dem König! ES lebe die Republik' Waffen forderte, um gegen die ZivUgarde kämpfen zu können. Die Demonstranten wurden von der Wache auseinander getrieben.

BILBAO

IGO

SARAGOSSA'

MADRID

CORDOBA

SEVILLA

FRANKREICH

VALENCIA f?

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kamen ober später wieder und gaben einige Devolverschüsse gegen das Kasernentor ab, wor­auf die Wache das Feuer erwiderte. Ein Kommu­nist wurde schwer verletzt. Als die Kommunisten bald darauf einen Laden plünderten, wurde auf Deschluh der republikanischen Junta der Belagerungszustand über Sevilla verhängt. Eine Gruppe vom Kommunisten hat aufs neue versucht, in verschiedenen Fabriken für die Diederlegung der Arbeit au werben Es gelang ihnen tatsächlich, 700 Arbeiter einer Fabrik zum Verlassen ihrer Arbeitsstätte zu bewegen. Bauern aus der Umgebung von Se­villa sind auf Lastautos unter Mitführung kommunistischer Fahnen in Sevilla ein- oetroffen Sie brachten Hochrufe auf die Sowjet- aus. Die Behörden haben ihnen die Einfahrt zur Stadt verwehrt. Als die Straf­gefangenen von Sevilla erfuhren, daß die Gefängn.sse in Barcelona geöffnet worden waren, kam es zu einer Meuterei, in deren Verlauf die Wärter überwältigt wurden. 212 Gefangenen gelang eS, die Flucht zu ergreifen.

In Bilbao stürmte die Volksmenge die Ge­fängnisse und befreite sämtliche Gefan­genen. In Valencia kam es ebenfalls zu einer Aufstondsbewegung der Gefangenen. Der Gouverneur setzte daraufhin sämtliche Gefangenen in Freiheit. In M a l a g a kam es zu sehr ernsten Zwischenfällen. Die Menge stürmte die dortige kinservative Zeitung .L'Union Mercantile".

Der katalanische Separatismus.

Tic Meinungsvcrschicdcnheiten zwischen Madrid und Barce ona bcigclegt.

Madrid, 16. April. Zwischen den Regierungen von Madrid und Barcelona bestehen ziemliche Meü nungsverschicdenheiten. Die Madrider Regierung fetzt der Bildung eines besonderen ka> talanischen Staates gewisse Schwierigkeiten entgegen. Die Katalanen berufen sich daraus, daß die katalanische Republik als erste durch den spontanen Ausdruck der gesamten Bevölkerung ausgerusen wor­den sei. Die große Mehrheit der Bevölkerung habe sich für eine autonome Republik ausge­sprochen. Oberst Macia hat am späten Abend eine Vereinbarung mit Madrid erreicht Die Bezeichnung .Katalanische Republik" wird auf« ?e g e b e n werden, und das Land wird den Namen ühren .Katalanischer Staat in der spa­nischen Republik".

Dem Beispiel von Katalonien folgend, haben sich die baskischen Provinzen zur selb­ständigen Republik erklärt mit einer eigenen Verfassung, die sich auf ihre historischen Pri- vilegien stützt.

Gegenströmungen.

Die Klerikalen verlangen Einberufung der Nalionalverfammlung.

Madrid, 16. April. (TU.) Am Donnerstag sind die letzten Mitglieder des knig'ichrn Hauses ins Ausland abgereist. Dur die Infantin Isabella, eine Tante des Königs, ist in Ma­drid zurückgeblieben, da sie erfranft ist. Auch der spanische H o ch a d e l schickt sich an, das Land zu verlassen. Der Drang, von Madrid fortzu- komrnen. ist so stark, daß die Schlafwagen bereits auf Tage hinaus ausverkauft sind. Hand in Hand mit der Flucht aus Madrid gehen die Ab­hebungen an den Banken, die einen derartigen Umfang angenommen haben, daß die Geldinstitute zeitweise nur ein Viertel der verlangten Be­träge auszahlen konnten.

Im klerikalen Lager melden sich bereits Stimmen, die die Regierung darauf aufmerksam machen, sie müsse ihre Macht auf die aller- wichtigsten Angelegenheiten beschränken, da ihr

Ursprung keinen gesetzlichen Hinter­grund habe. Diese Kreise verlangten auch eine baldige Einberufung der verfas­sunggebenden D a t t o n a l v e rs a m m- lung. Besonders starke Befürchtungen hat man wegen der Selbständigkeitserklärung Kataloniens (allerdings in gesamtspanischem Rahmen), da das Födcrativproblem die Einheit Spaniens unter Umständen gefährden könnte.

Das konservativ-monarchistische Organ A. B. E. schreibt: Wir bleiben dabei, daß Spanien auf Grund seiner Geschichte, seines Ursprungs, seiner Entwicklung und seines Geistes monarchistisch ist. DaS katholische Blatt Gl De bäte rät der neuen Regierung, über ihre rechtliche Lage wohl nachzudenkcn. ES handle sich um eine de facto- Rcgierung und um nichts weiter, der jede rechtliche Bestätigung fehle. Sie sei durch die gegenwärtigen Umstände anS Ruder gekommen. Diese Umstände feien maßg brnd. Die neuen Minister hätten die Pflicht, diesen Um­ständen Rechnung zu tragen und dürsten nicht damit Mißbrauch treiben.

Wie König Alfons in Marseille landete.

Paris, 16. April. (WT2.) Ueber die An­kunft des Königs Alfons in Marseille wird noch berichtet: Der König begab sich unmittelbar, nachdem der KreuzerPrincipe Alfonso" etwa einen Kilometer vom alten Hafen entfernt Anker geworfen hatte, in ein« geschlossene

Barkasse, und zwar tn Begleitung des Her­zogs von Miranda und seines Detters Alfons von Bourbon. Außerdem begleitete den König noch ein Kammerdiener. Der König drückte den Offizieren die Hand und verabschiedete sich als­dann von dem ehemaligen Marineminister Ad­miral Rivera, der ihn seit seiner Abfahrt aus Cartagena begleitet hatte. Als di« Barkasse im Hasen anlegte, winkte der Herzog von Miranda eine Autodroschke heran und in ihr fuhren der König und der Herzog in ein Hotel. Die französischen Behörden hatten der Ankunft des Kreuzers zu so früher Stunde nicht ge­rechnet, und erst als der König bereits im Hotel war. hat ein Dertreter des Präfekten den König besucht.

Oie Ankunst der Königin in Paris.

Sympathiekundgebungen dcr Bevölkerung.

Paris, 16. April. (WTB.) Der Königin von Spanien wurden bei ihrer Ankunft auf dem Gare d'Orsey in Paris Sympathiekund­gebungen dargebracht. Der Bahnsteig war abgesperrt. Zu chrem Empfange waren der spa­nische Botschafter Quinones de Leon, d«r Privatsekretär des Präsidenten der Republik, der päpstliche Duntius, der Herzog von Alba und andere spanische Aristo­kraten erschienen. Die Wagen, die di« Königin und ihre Kinder in ein Hotel, das sie auch sonst bei ihrem Aufenthalt in Paris zu bewohnen

Bn'ands Gegenmine gegen die Zollunion.

Erfolgreiche Verhandlungen mit polen und der Kleinen Entente.

Paris, 17. April. (Funkspruch. TU.) In gut unterrichteten Kreisen spricht man zur Zeit viel von Derhandlungen B r i a n d s mit den diplo­matischen Vertretern Polens und der Klei­nen Entente, die xum Ziele hatten, dem deutsch-österreichischen Plan einen Gegenplan gegenüberzu st eilen, um der Erweiterung des Zoll­abkommens von vornherein den Weg zu ver­sperren. Diese Besprechungen, die angeblich in voller Übereinstimmung mit Rom und London geführt worden sind, sollen nun­mehr in ein abschließendes Stadium eingetreten sein. Man betont, daß eine grundsätzliche Derständigung zwischen den einzelnen Staa- ten zu st an de gekommen ist und daß die Aufstellung eines gemeinsamen Gegenplanes be­reits in den nächsten Tagen zur Tatsache würde. Man werde damit bereits auf der Genfer Tagung auf warten können. Es handele sich um eine wirtschaftliche Grundlage, auf der die in­dustrialisierten Länder einerseits und die land­wirtschaftlich Eingestellten anderseits sich zweck­mäßigerweise ergänzen könnten. Man spricht von einem .Programm positiver Derwirklichung", das den Gedanken einer österreichisch- deutschen Zollunion ausschließen würde. Im übrigen so wird wenigstens von gewisser Seite behauptet werde Deutschland auf dem Laufenden über di« genannten Derhand­lungen gehalten. In welcher Art und in welchem Umfange, wird allerdings nicht gesagt. Dermutlich wird man über die Einzelheiten des Programms morgen näheres Horen können.

DerPetit Parisien" schreibt: eine machtvolle Bewegung des Aufbaues, die sich begrenzt ab- zeichne, erlaube die Doraussage, daß bei der nächsten Tagung des europäischen Studienaus­schusses ein Plan vorgelegt werden könne, der nicht mehr lediglich die Interessen zweier Ra­tionen, wie beim deutsch-österreichischen Plan, gruppiere, sondern die Interessen einer ziem­lichen Anzahl von Mächten. Das werde dem Ausschuß vielleicht die Möglichkeit geben, di« Grundlagen einer neuen wirtschaft­lichen Zusammenarbeit Europas zu legen. Deutschland und Oesterreich könnten sich, wenn sie das wünschten, natürlich dem anschließen. 2m Hinblick auf diese Möglichkeit bemühe man sich in jedem Lande, die nationale Wirtschafts­politik mit dem ins Auge gefaßten internatio­nalen System in Cinllang zu bringen. Das Echo de Paris" betont, daß die Staaten des alten Kontinents seit 1927 alles getan hätten, um die wirt'chastlichen Konfcrcizen, die eine ge­meinsame Wirt cha tliche A. Ln h<c-erführen feilen, zunichte zu machen. Alles, was Briand wolle, nach dem er den Dingen freien Lauf gelassen habe, fei, den Anschluß der landwirt- schaftlichenStaatenMittel-undOst- europaö an das deutsch-österreichi­sche Zollabkommen zu verhüten unb so die Ausdehnung Mitteleuropas zu verhindern dadurch, daß man den Regierungen von War­schau, Prag, Belgrad, Bukarest und Sofia Dor- z u g s z v l l e bewillige, und zwar in Derlehung der von Briand selbst in Genf vertretenen Grundsätze.

Abstimmungssieg des Kabinetts Medonald.

Arbeitslosendebatte im englischen Unterhaus. Die Liberalen für das Labour-Kabinett.

London, 16. April. (WTB.) Dor dem voll­besetzten Hinterhaus brachte Baldwin unter starten, Beifall der Konservativen, auf den die Arbeiterpartei mil Zwischenrufen und ironischer Zustimmung antwortete, einen Mihtrauens- a n tra g gegen die Regierung wegen Richt- ersüllung ihrer Dersprechungen hinsichtlich der Behebung der Arbeitslosigkeit ein. Baldwin machte ironische Anspielungen auf di« Versprechungen der Regierung bezüglich der Be­seitigung der Slums, des Baues von Häusern, der Entwicklung der Elektrifizierung und der An­legung neuer Straßen zur Beschä mung von Er­werb. Er machte sich über die gescheiterte C?- peditton des Ministers Thomas nach Kanada lustig und wies auf die zunehmende Arbeits­losigkeit hin.

Für die Regierung wies derLord-Gehcimliegel- bewahrer I o h n st o n darauf hin, daß die Ver­sprechungen der Regierung in elf Kategorien zer­fielen. Acht von ihnen seien parlamentarischen Akttonen unterworfen gewesen, eine sei fehlge­schlagen, weil die Regierung sie zu Fall gebracht habe, eine andere sei abgeschlagen worden, weil die Dominions vollkommen unfähig waren, bei der augenblicklichen Lage des Handels und der Industrie weitere Einwanderer aufzunehmen. Damit bliebe nur noch ein Ver­sprechen der Regierung unerledigt. Der Führer der Liberalen Lord George erklärte: Der konservattve Miß trauendantrag stellt unter den gegenwärtigen Umständen eine Ungerechtigkeit

dar. Ich werde daher gegen ihn stimmen. Das bedeutet aber nicht etwa, daß wir mit den Fort­schritten der Regierung bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zusrie^n sind.

Nachdem das konservative Unterhausmitglied Sir Robert H o r n e der Regierung zugerufen hatte, daß sie es bei jeder sich darbietenden Gelegenheit ver­meide, vor die Nation selbst zu treten, erhob sich Macdonald und erklärte, daß die Annahme eines konservativen Mißtrauensvotums keinen Re­gierungswechsel bedeuten werde, sondern einen Appell an das Volk, Neuwahlen. Die Liberalen und die Regierung hätten zusammengewirkt, und für ihre Vorschläge eine gemeinsame Form gefunden. Das Ergebnis wäre gut und das Zusam­menwirken noch nicht zu Ende. Werde die Regie- rung geschlagen, so wolle sie gern diese Heraus- forderung zu Neuwahlen annehmen.

Der konservative Mißtrauensantrag wurde darauf mit 305 gegen 251 Stimmen abgclehntt Die Regierungsmehrheit betrug somit 54 Stimmen. Die große Mehrheit hat allgemeines Er st au- n e n erregt. In den Wandelgangen des Unterhauses herrschte allgemein der Eindruck, daß die Stellung der Arbeiterregierung dadurch außerordent­lich g e f e ft i g t worden ist. Es wurde wieder ver­schiedentlich die Bemerkung geäußert, daß e i n fettes Abkommen zwischen den Lloyd- George-Liberalen und der Regierung bestehe, besten Grundlage der beiderseitige Wunsch bilde, die Konservativen nicht an die Macht kommen zu lasten.

pflegen, bringen sollten, konnten durch bi« dichte Meng« sich nur schwer einen Weg bahnen, ba viele Passanten, vor allem Frauen, die Königin sehen wollten unb ihr ihre Teilnahme bekundeten. Eine Gegenkundgebung fand nicht statt, doch wurden einige Pfifie vernommen. Der kranke Prinz von Asturien wurde in einem Fahrstuhl bis ans Auto gefahren. Die Königin hat in dem Hotel mit ihrem aus 33 Personen! bestehenden Gesolge 88 Zimmer bezogen. Heute nachmittaz wird die A fünft der Königinvon Belgien erwartet.

Oer Konflikt zwischen Oanzig und polen.

Eine Note der Danziger Negierung zum Katt ttengierski

Danzig, 16.April. (WTB.) Der Fall Gen­gierski, der am 13. Januar den polnischen Eisen­bahner Styrbicki im Streit erstochen unb vom Danziger Schwurgericht freigesprochen worden war, hat für die Beziehungen zwischen Dan« zig und Polen eine besondere Bedeutung gewonnen.

Heute veröffentlicht die Danziger Regierung eine dem diplomatischen Vertreter der Republik Polen am 14. April überreichte Note, in der darauf hin­gewiesen wird, daß die Staatsanwaltschaft gegen das freisprechende Urteil des Schwurgerichts R c oifion eingelegt habe, daß jedoch nach dem Strafprozeßrecht eine neue Feststellung des Sach­verhalts, etwa durch Vernehmung von Zeugen unb Sachverständigen, nicht zulässig sei. Dieses Rechts­mittel habe die Staatsanwaltschaft ohne vor­heriges Wissen des Senats zurück­genommen, da die Durchführung keinen Erfolg hätte haben können. Da aber eine erneute Prüfung durch ein weiteres, unabhängiges Gericht dazu beigetragen hätte, auch den letzten Rest des Segen die Objektivität des Strafverfahrens Genaier- ki geäußerten Mißtrauens zu beseitigen, so steht iie Danziger Regierung nicht an, offen zu erklären, daß ihr in diesem Falle die Durchführung selbst dieses aussichtslosen Rechtsmittels mit Rücksicht auf die erhobenen Vorstellungen willkommener gewesen wäre, als seine Zurücknahme. Sie hege je­doch die feste Zuversicht, daß die Abschrift beigefüg­ten Ausführungen der Staatsanwaltschaft zusammen mit dem ebenfalls abschriftlich übersandten Urteil des Schwurgerichts auch in Warschau die lieber- zeugung erstehen lasse, daß in einer Weise, die jeden Vorwurf und jedes Mißtrauen beseitigt, verfahren worden sei.

Rußlands zweiter Fünfjahresplan.

Moskau (über Kowno), 13. April. (TU.) Der Vorsitzende der Staatsplanloinmission, Kui­byschew, hielt auf der Tagung der Planwissen­schaftler eine Rede, in der er bi« Aufgabe des kommenden neuen Fünfjahres- plans zeichnete. Kuibyschew erklärt«, das Jahr 1932 werde daS Abschlußjahr für die Geltung des gegenwärtig laufenden, ersten FünfjahreS^ planes sein. Im Jahre 1933 werde ein neuer Fünfjahresplan in Kraft treten. Wenn schon der erste Fünfjahresplan einen in der Weltwirt­schaft noch nie dagewesenen Ausstieg der russi­schen Industrie und der russischen Landwirtschaft gebracht haben werde, so werd« im zweiten Fünfjahresplan die Maschinisierung der Landwirtschaft und des Dorfes be­endet werden unb ber Sozialismus in bec Stabt endgültig gesiegt haben. Das Problem, wie bi« Gegensätzlichkeit zwischen Stabt unb Land aus ber Welt geschafft werben könne, werbe bann gelöst sein. Die Erzeugung ber Elektroenergie werde um bas Acht- bis Zehnfache anwachsen. Die Chemisierung bes ganzen Lanbes toerbe zur Parole gemacht unb im wesentlichen in bi« Tat umgeseht werben. Cs werbe nolwenbig sein, neue Stäbte zu bauen unb einen ge­waltigen Ausbau bes Transport­wesens burchzuführen. Der Wissenschcstt unb ber Technik werbe ein Ehrenplatz in bem so­zialistischen Aufbau gewährt werden. Die schon im ersten Fünsjahresplan begonnene Industriali­sierung werbe in einem gewalttgen Tempo fort­geführt werben.

In einer Mitteilung ber russischen Telegra­phenagentur werben auch bie Industrialisierungs- pläne für bas neue russische Kohlen- gebiet in Kuznezk (Westsibirien) bekannt- gegeben. Danach soll bie Förberungsfäbigkeit so gesteigert werden, bah bas neue Krchlengebiet im Jahre 1937 80 Millionen Tonnen Kohle liefern soll. Es wirb hervorgchooen, baß im ver­flossenen Jahr in ben Kohlengruben von Kuznezk erst 3,5 Millionen Tonnen geforbert würben. Weiterhin sollen bis dahin fünf Eisen­gießereien gebaut werben, die insgesamt 7 Millionen Tonnen Roheisen zu liefern haben. Im Jahre 1937 soll Sibirien 1,2 Millionen Kilowatt Elektro-Energie erzeugen, b. h. mehr, als vor bem Kriege bas ganze Ruh- lanb. Bis 1937 ist der Bau von neuen Eisenbahnlinien in einer Gesamtlänge von 10000 Kilometer Länge vorgesehen, wovon ein Drittel elektrifiziert werben soll. Schließ­lich sollen eine mit mittelasiatischer Baumwolle ar&eitenbe eigene Textilinbustrie errichtet unb 20 große Maschinenfabriken gebaut werden.