Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Dienstag, (7. März 193f
Nr. 64 Zweiter Blatt
Italien am Scheideweg.
Don unserem römischen ^-Korrespondenten.
Rom. März.
Mit der lateinischen Schwester oder mit dem gestrigen Gegner? Das ist die große Frage, die zwar seit Jahren schon die italienische Politik beherrscht, durch das römischeFlotten- ab kommen aber akut geworden ist. Bei Licht betrachtet, stand der Italiener ja auch in der JnterventionSzeit vor dem gleichen Scheideweg und fragt sich heute noch häufig im stillen Kämmerlein, ob er damals richtig beraten war. al- er dem westlichen Wegweiser folgte und damit Frankreich zu seiner übermächtigen Mittel- meerstellung, England zu einem Schlüsselverhältnis verhalf, von dein nun die Halbinsel abhängig ist wie der Desangene von der Laune seines Wärters.
ilnb bis gestern haben sich auch die.Begleiterscheinungen der JnterventionSzeit gezeigt: Italien wurde mit Spott oder Ruhm übergossen, je nachdem cs schwankte. Schien eS der lateinischen Schwester die kalte Schulter zu zeigen, so bekam es von Paris zu hören, daß der Geist der Antike dort unten auf der Makkaronilandzunge längst erloschen sei. daß dieses Volk der Scherenschleifer und Gipsfigurenhändler ein wüster Mischmasch aus den Abfällen der Hafenstädte sei. treulos und verschlagen, daß es keine eigene Kunst mehr hervorzubringen imstande sei und seine Soldaten immer davonliefen. Schien es dagegen den Einflüsterungen der französischen Politiker ein Ohr zu leihen, so hallte und schallte es im Pariser Blätterwald von den würdigen Rachkommen Cäsars. die durch die Jahrhunderte durch die Fackel der lateinischen Kultur hochgehalten und die Welt mit den Wunderwerken eines Michelangelo und Raffael in Erstaunen verseht haben.
Als nach dem Kriege Marschall Foch schon in Oberitalien so eindeutig ausgcpfisfen wurde, daß er die Fahrt nach dem schönen Süden aufgab, spottete man lästerlich über den Regenschirm- cadorna und behauptete, nur dem Einsatz der französischen Hilsstruppen sei es zu verdanken gewesen, daß die Italiener nicht über Venedig hinausgejagt und bei Genua ins Meer geworfen wurden. Bis gestern, jawohl, bis gestern hörten die italienischen Klagen über diese Verkennung des entscheidenden Dienstes, den die Armee Viktor Emanuels der Entente geleistet habe, nicht auf und zwischen Rom und Paris herrschte eine Stimmung, die höchstens auf Danketteit als kor- dial angesprochen werden konnte. Die italienische Presse stellte Marianne mit Vorliebe als ein aufgedunsenes Kaschemmenweib hin und der Ton wechselte höchstens zwischen rauh und rüd.
Lieber Rächt ist alles anders geworden. Die bösen Karikaturen in den römischen Mittagsblättern sind verschwunden und Briand hat das Wort von dem gemeinsamen Blutstrom bei Bligny gesprochen, auf das man hier schon so lange wartete. Aus dem „Verbrechernest des Antifaschismus" an der Seine kommt eine amtliche Verlautbarung, daß sich Mussolini um den europäischen Frieden verdient gemacht habe, das Gewitter, das über dem Mittelmeer lastete, ist abgezogen, in den Armen liegen sich beide und meinen vor Freude. Die lateinischen Schwestern haben sich wieder gefunden.
Sofern man dem ersten Freudenrausch über den Flottenpakt glauben darf. In Rom sieht es allerdings aus. als ob man die Dinge etwas nüchterner zu betrachten gewillt sei. aber Paris sucht das Eisen zu schmieden, so lange es warm ist. Einer endgültigen Verständigung, heißt es dort, stehe nun nichts mehr im Wege, Italien könne freie Hand in Libyen haben (gegen freie Hand am Rhein, versteht sich) und auch die tunesische und die Kolonienfrage sei mit einigem guten Willen zu regeln, so daß — hier liegt des Pudels Kern — Italien und Frankreich auf der Abrüstungskonferenz mit einem gern ein f am en Programm auftreten könnten.
Das ist, nüchtern betrachtet, nichts anderes als eine Einladung an Mussolini, nun aber auch seinerseits ein übriges zu tun und sein Liebäugeln mit einem neuen Dreibund aufzugeben. Hic Rho- dus, hic salta!
An dieser Stelle muß, nicht oft genug kann es betont werden, ein allgemein verbreitetes Mißverständnis erlvähnt werden: Mussolini sympathisiere als Faschist mit der geistesverwandten deutschen Rechten und habe deshalb in den letzten Jahren seiner Außenpolitik einen deutsch- srcundlichen Charakter gegeben. Richts falscher als das. In Wirklichkeit unterstützt der italienische Außenminister, der ebensosehr Mussolini wie Grandi heißt, nicht die deutsche Rechte und nicht die deutsche Linke, sondern die deutsche Stärke. Läge sie bet den Sozialdemokraten, so würde er sicher mit ihnen und nicht mit den Hit- lerlcuten (wie man irrtümlich glaubt) verhmi- deln. Italien braucht ein mächtiges Deutschland, so lange nicht cm Bündnis mit Frankreich besteht, und auch dann möchte cs aus Sicherheitsgründen nicht darauf verzichten. Das ist das A und O der heutigen römischen Politik.' Diele wollen das in Frankreich nicht einsehen und gerade diese Begriffsstutzigkeit führt mit in erster Linie zu den Mißverständnissen mH Italien, führt auch zu der übertriebenen Hoffnung, die man dort an den römischen Flottenpakt knüpft.
Fest steht, daß bei den Marineverhandlungen Deutschland von allen Seiten ausgeschaltet wurde, als sei es überhaupt nicht mehr da. Aber sollte Italien warten, bis Deutschland so stark sein würde wie Frankreich? Andrerseits hieße es Seifenblasen anschwärmen, wollte man nun glauben, mit der augenblicklichen Entspannung über dem Mittelmecr sei jede Wettergefahr beschworen. Reue Wolken werden sich zusammenballen, denn die Gegensätze sind nicht diplomatisch geschaffen, sondern elementar vorhanden. Italien hat mit der augenblicklichen Annäherung an Frankreich nicht auf fein Prinzip der teutfdjcn Rückendeckung verzichtet. Italien hat überhaupt, um es unverhüllt zu zeigen, nicht so sehr mit Frankreich poussiert, als mit — England. Die große Frie- densgeste Mussolinis galt nicht Briand, sie war für den Schiedsrichter im Kampfe um das Mittelmeer bestimmt, für den britischen Löwen, und daneben, mit Rücksicht auf die Finanzen, für Dvllarika. Alles in allem — Italien wird nach wie vor die unschlüssig scheinende, aber einträgliche Haltung am Sch eideweg einnehmen.
Segelflugstart mit Motorkrast.
Interessante Versuche der Gießener Iungflieger.
Die Jugendgruppe des Vereins für Luftfahrt in Gießen hat in den letzten Tagen auf dem Flughasengeländc interessante Versuche eines Hochstarts aus der Ebene mit ihrem selbstgebauten Segelflugzeug „Zögling" gemacht, denen eine größere Zahl Schaulustiger beiwohnte.
Der Gedanke, die Menschenkrast beim Start von Gleit- und Segelflugzeugen durch Maschinen- kraft zu ersehen, geht mit diesen Versuchen seiner praktischen Lösung entgegen. Schon jetzt war es möglich, eine Höhe von 6 Meter über der Ebene zu erreichen. Wenn auch die Erwartungen, die man hegte, sich bisher nur zum Teil erfüllten, so zeigten die spannenden Versuche, daß noch einige maschinelle Verbesserungen angebracht werden müssen, um den gewünschten Erfolg zu zeitigen. Die Probeaufstiege werden in den nächsten Tagen fortgesetzt werden. Die Steuerung des Flugzeuges lag in den bewährten Händen von stud. med. F. Schmid t, die Startmaschine wurde von den Mitgliedern des Vereins für Lust ahrt. Gewerberat Köhler und Ingenieur Meininghaus aus einem alten Hanomag umgebaut und mit einer Seiltrommel versehen, die von den Hinterrädern aus angch-ieben wird. Ein 200 Meter langes Hanfseil überträgt um eine ilmlcnfrolle unter Zwischenschaltung eines Gummiseils die Kraft auf das Flugzeug. Die Anwendung der Startmaschine ermöglicht einmal den Start der Segelflugzeuge unter Zuhilfenahme nur weniger Leute (4 bis 5 gegen bisher 10 bis 12) und ferner das leichte Zurückbringen der im Tal gelandeten Maschine zur Startstelle. In der Ebene wird man bestimmte Höhen (etwa 50 Meter) erreichen können, aus denen dann die Maschine im Gleitflug gelandet werden kann. Die letztere Tatsache ist für die Schulung der Flugschüler von besonders großer Wichttgkeit. Die wichtigen Versuche, die auf unserem Flughafen zur Zeit stattsinden, legen ein erfreuliches Zeichen von dem regen Leben ab, das in der Jugendgruppe des Vereins für Luftfahrt herrscht.
Tischtennis-Klubkampf
BfB. Gießen - VfL. Wetzlar.
Die Mannschaft der erst vor nicht allzulangcr Zeit gegründeten Tisch-Tennis-Abteilung des hiesigen VfB. trug am Sonntagnachmittag im Schützenhaus einen Dercinswett kämpf gegen die Tisch-Tennis-Mannschaft des VfL. Wetzlar aus. Obwohl die Wetzlarer Damen und Herren ursprünglich als Sieger genannt waren, erwies es sich doch, daß die Mannschaft des VfB. in der kurzen Zeit einige Spieler heranbildete, die den Gästen gleichwertiges entgegensetzen konnten, ja, zum Teil eine achtbare Lleberlegenheit bewiesen. Der Klubkampf endete denn auch mit dem Sieg der Hiesigen. Die Spiele nahmen einen überaus spannenden Verlauf und die zahlreichen Zuschauer verfolgten die flinken Kämpfe mit großer Aufmerksamkeit. Die VsB.-Mannschast kann mit dem Verlauf dieser Veranstaltung sehr zufrieden sein. Rachstehend die Ergebnisse der Besten:
Herren-Einzel: Drebes(G.) — Abbe (W.) 17:21, 14:21, 21:19, 20:22; Knauß — Denser 23:21, 19:21, 21:17, 7:21, 21:15; Wang — Schellenberger 21:8, 22:20, 23.21; Treser — Dohland 21:14, 20:22, 22:20, 19:21, 21:18; Adler — Fuld 21:19, 21:18, 21:13.
Damen-Einzel: Frl. Fastnacht — Frl. Abbe 9:21, 5:21, 12:21; Frl. Fischer — Frl. Hirschhorn 16:21, 18:21, 20:22.
Herren-Doppel: Drebes Wang — Abbe Benser 21:13, 16:21, 21:17, 21:18; Adler Treser - Schcllenberg/Kilian 21:13, 21:18, 21:17.
Gemischte Doppel: Frl. Fischer Wang — Frl. Hirschhorn, Benser 21:14, 21:19, 21:18.
Aus insgesamt 19 Konkurrenzen vermochten die Gießener mit 11:8 Punkten als Sieger hervorzu- gehen.
VfB.-Gießen.
VfB. Gieße» — Sportklub „haffia" Dieburg 1:7.
Nach einer verhältnismäßig langen Pause sah man auf dem VfB.-Platz wieder einmal ein Ligaspiel. Der Platzocrein hatte einen achtbaren Gegner verpflichtet, die Mannschaft des Sportklubs „S)a|fia" Dieburg, die in der mainischen Kreisliga einen Namen hat und in dem Spiel am Sonntag den Grünweißen sehr zu schaffen machte. Die Gäste führten ein stark auf Erfolg eingestelltes Spiel vor, waren außerdem den Hiesigen in körperlicher Hinsicht um einiges in Vorteil, ließen indessen in technischer Hin-
sicht Wünsche offen. Die VsB.cr mußten geschwächt, ohne Haupt, Schneider und ohne Frick antreten, außerdem fehlte Streb, der für zwei Spielsonntage außer Kurs gesetzt ist, und gerieten schon allein da- durch etwas ins Hintertressen. Die Bodenverhältnisse ließen ein genaues Kombinationsspiel nicht zu, insbesondere vor den Toren wurde das Spiel stark behindert. Zuschauer waren auch nicht allzuviele erschienen und viele verließen vorzeitig den Platz, um die Ucbertragung des Länderspieles zu hören. Unter allen diesen Umständen entwickelte sich im Spielfeld nichts bedeutendes. 'Nach einem anfänglich ziemlich ausgeglichenem Spiel setzten sich allmählich die Dieburger durch und in der 15. Minute fiel bereits das erste Tor. Bingel stürzte im entscheidenden Augenblick und an bdm verdutzten Torwart vorbei landete der Ball im Netz. Unmittelbar darauf fiel der zweite Treffer. Ein Ball, der an die Latte ging und zurückprallte wurde, geschickt geköpft, verwandelt. Kaum eine Minute später führte ein schneller Durchbruch der Blauweißen zum dritten Erfolg. Einige totsichere Ehancen wurden von den Gießener Stürmern versiebt. Kurz vor Halbzeit war den Gästen ein vierter Treffer beschieden. Nach dem Wechsel ließen sich die Hiesigen die Spielweise des Gegners auförängen, die Dieburger schossen ein fünftes Tor und die Gießener kamen im Anschluß daran zu ihrem ersten und einzigen Erfolg. Nach einem überraschenden Durchbruch sand der Ball, von Preiß getreten den Weg ins Netz des Gegners. Der Nest der zweiten Halbzeit, brachte bei einer ständigen leichten und durch zwei weitere Tore unter Beweis gestellten Feldüberlegenheit der Gäste, nichts besonderes mehr. Der Kampf wurde sehr fair durchgeführt, der Schiedsrichter amtierte gerecht. Ein Ergebnis von 7:3 hätte dem Spielverlauf eher entsprochen.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
Das Spiel der Ligamannschaft in Alsfeld stand unter einem unglücklichen Stern. Richt nur, daß die Spieler Adelberger. Heilmann. Brambach. Henrich und Best erseht waren» blieben auch noch Göbel und Wolf dem Spiel fern. Die neun Gießener lieferten dem Gegner eine ansprechende Partie und gaben sich kekheswegs leicht geschlagen. Das Fehlen der beiden Stürmer und die miserable Bodenbeschaffenheit ließ die Blauweißen leer ausgehen. Der erste Erfolg der Alsfelder war zudem ein unglückliches Eigentor von Jäckel. Kurz vor der Pause erhöhte der Gastgeber auf 2: 0. Ohne Pause ging es weiter. Das bessere Zuspiel und ein riesiger Eifer ließ die Gießener start aufkommen. Fünf, sechs Schüsse der Gießener fanden nicht das Ziel. Rach etwa 25 Minuten unternahm der Plahverein einen Vorstoß. Bree im Tor zögerte etwas und cs hieß 3:0 für den Gastgeber. 1900 ließ nun etwas nach und auf einen Alsfelder Eckball fiel mühelos der vierte Treffer. Das Spiel wurde beiderseits recht fair durchgeführt. Schiedsrichter Witt- mann, „Borussia" Fulda, war sehr gut. Ein knapper Sieg, vielleicht 3:2 für Alsseld, hätte eher dem Spielverlauf entsprochen.
Das Spiel der Ligareserve in Marburg kam nicht zum Austrag, da der dortige Germanen- Platz nicht spielfähig war. Die dritte Mannschaft unterlag gegen Wiesecks erste Elf mit 2:4 Treffern (Halbzeit 3:0 für Wiesecks. Die Gäste entpuppten sich als eine spieltüchtige Elf, die feit der letzten Begegnung ganz beträchtlich an Spielstärke gewonnen hat. Llmgekehrt blieb 1900's vierte Mannschaft gegen Wiesecks zweite mit 5:1 Treffern (Halbzeit 3:0 für 1900) siegreich. Hier stellte 1900 die erfahrenere und besfere Elf.
Handball der Sp.-Vg. 1900.
1900 II — Io. Klein-Linden I 15:2.
1900s zweite Handball-Mannschaft hatte am Sonntag auf eigenem Platze den Turnverein Klein-Linden zum Gegner. Die Gäste erschienen mit einer teilweise noch sehr jungen Mannschaft und hatten nur zehn Mann zur Verfügung. Ihre Spielweise war noch primitiv. Die gut aufgelegten 1900er holten unter diesen Llmständen einen haushohen Sieg heraus.
„CRunb um Schollen"
zur Hilfsrennstrecke erklärt.
Die bekannte Motorradrennstrecke im Vogelsberg „Rund um Schotten" wurde, wie das hes- fische Ministerium des Innern der Obersten Motorradsport-Behörde in Berlin mitteilt, zur Hilfsrennstrecke erklärt, nachdem der Deutsche Motorradfahrer-Verband (DMD.) die Zusicherung gegeben hat, daß auf dieser Strecke alljährlich ein Motorradrennen und zwar ein Lauf
um die Deutsche Straßenmeisterschaft ftattfinben soll. Die Straße .Rund um Scholten" ist somit die einzige in Hessen, auf der die behördliche Genehmigung zur Abhaltung von Straften» renneri erteilt wird. Die nächste preußische HilsS- tcnnflrcdc ist die Eilenriede bei Hannover, die hessische Hilssrennstrecke ist somit die einzige im weiteren Llmkreis des rhein-mainischen Wirtschaftsbezirks. Durch Verbreiterung der Fahrbahn, Lieberbrückung und Lribünenbau wird die Rennstrecke ihrer Bedeutung entsprechend immer mehr ausgebaut worden.
Vom Gießener Eisverein.
In diesem Jahre soUten in Gießen die Meisterschaften im Schnellausen, Kunstlaufen und GiS» schießen innerhalb des Südwestdeulfchen Eisverbandes ausgetragen werden, mußten aber wegen der. Llngunst der hiesigen Eisverhälttiisse abgeseht werden. Lim so erfreulicher ist es, daß am gestrigen Sonntag bei herrlichem Sonnenschein doch noch wenigstens zwischen den Gießener Eisschießmannschaften ein Wettkampf, zu dem auch eine Moarschast von (Samberg erschien, auf dem neuen Planschbecken veranstaltet werden konnte. Es ist ein günstiges Zeichen für die Entwicklung dieses in Gießen neu eingeführten Sportzwciges, daß sich an dem Wettkampfe vier Moarschasten von hier, wozu eine von der Lintersekunda des Realgymnasiums gestellt wurde, beteiligten.
Den ersten Platz behauptete die Gießener Moarschast Müller-Leu tert, Schone- bom und Klar!, die sich in Frankfurt und Eronberg in diesem Winter schon bewährte, mit Rote 1,932, den zweiten Platz erkämpften sich die Realgymnastasten unter Führung von Zimmer mit Rote 1,4705, den dritten die Moarschast Willi Loh mit Rote 1,1818, de» vierten Eronberg mit Rote 1,00 und den fünften die Moarschast Pfannkuchen mit Rote 0,33.
Es wäre zu wünschen, daß im nächsten Gisjahr sich auch die älteren Herren, die sonst keinen Eissport treiben, für diesen äußerst gesunden Sport- zweig interessieren, zumal die im Laufe des Sommers fertigzustellende Spritzeisbahn mehr Gistage bringen dürfte.
Die Rollschuh - Liebungsstunden des Gießener Gisvereins werden ab morgen wieder regelmäßig gehalten. Infolge des langen Winters mußte bis jetzt ausgesetzt werden. Lim so mehr werden die kommenden Wochen der eifrigen Vorbereitung für eine Werbeveranstaltung dienen. (Siche heutige Anzeige.)
Berlin siegl im Schwimmwellkampf über Kopenhagen.
In der Kopenhagener Schwimmhalle fand am Sonntagabend ein Städtewettkamps für Schwimmer zwischen Berlin und Kopenhagen statt. Die Berliner Auswahlmannschaft siegte mit 78:52 Punkten. Der von dem deutschen Gesandten Frhr. v. Richthofen ausgesetzte Silberne Pokal wurde von der Berliner Mannschaft gewonnen. Dem Städtekampf wohnten u. a. Prinz und Prin- zesfin Axel von Dänemark, ferner der deutsche Gesandte Frhr. v. Richthofen und andere Mitglieder der deutschen Gesandtschaft bei. Die Schwimmhalle war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Eisschnellaufe» auf dom Wannsee.
Der lange andauernde Winter machte es möglich daß am Donnerstag nach siebenjähriger Unterbrechung auf dem Wannsee ein Wettbewerb im Eisschnelläufen ausgetragen werden konnte. Das Rennen um den „WannsecPokal" über 20 Kilometer wurde von neun Läufern bestritten, die unter dem zeitweise starken Schneesturm sehr zu leiden hatten. Der deutsche Meister B a r w a (DEE.- erwies sich seinen Konkurrenten klar überlegen und siegte in 41:39 mit großem Vorsprung vor Lötsch (BSE.) in 43:56, Herrmann (DSV. 92), Müller (VSE.) und Sames (BSD. 92).
Kurze Sporlnolizen.
Einen neuen Schwimm-Weltrekord schuf in Seattle (LISA.) die Damän-Mannschast des Waehington Athletie-Elub-, die durch die Prachtleistung von Helen Madison viermal 50 Hards-Kraul in 1:55,6 zurücklegte.
*
Als Segelfluglehrer wurde WolfHirth von der Segelsliegerschule Grunau (Schlesien) Der pflichtet. Er wird in nächster Zeit die Rückreise von Amerika antreten.
Aus der provmziattzouptstavi
Gießen, den 17.März 1931.
Kreis-Obst- und Gartenbauverein Gießen.
Die diesjährige Hauptverfammlung des Kreis- Obst- und Oartenbauoereins Gießen nm Sonntag im Hotel Hopfeld war aus allen Teilen unseres Kreises so stark besucht, daß der zur Verfügung stehende Saal sich al5 zu klein erwies. Es mußte in einem Nebensaal eine Paralleloersammlung nb- gehalten werden. In dieser sprach Obstbauinspektor E n k l e r über das diesjährige Umpfropfen und die damit verbundenen Vor- und Nacharbeiten.
Aus dem geschäftlichen Teil der Versammlung war zu entnehmen, daß der Voranschlag in Einnahme und Ausgabe mit 1750 Mark abschließt. Die Mitgliederzahl ist im letzten Jahre durch Neugründung zahlreicher Zweigvercine, so beispielsweise in Grünberg mit 120 Mitgliedern, um 400 gestiegen und beträgt zur Zeit mehr als 1300. Für das planmäßige Umpfropfen wurden 2352 Obstbäume angemeldet. Tatsächlich umgepfropft wurden 2733 Bäume mit insgesamt 45 000 Pfropfköpfen. Es entfallen demnach pro Baum etwa 16 Köpfe, ein Beweis, daß vorwiegend junge, in voller Straft stehende Bäume berücksichtigt worden sind. Aufgesetzt wurden nur die bekannten Standardsorten, wie Schöner von Boskoop, Goldrenette von Blenheim, Jakob Lebel, Gellerts Butterbirne, Gräfin von Paris. Zwei» drittel der umgepfropften Bäume waren Aepfel, der Rest oerteilte sich auf Birnen und Steinobst. Ein Drittel der Unkosten, einschließlich einmaliger Nachbehandlung, konnte aus Reichsmitteln vergütet wer
den, wofür die Summe von 3200 Mark zur Verfügung stand. Die an 14 700 Obstbäumen durch- gcführte Winterspritzung richtete sich hauptsächlich gegen die an den Stämmen und Aesten sitzenden Moose, Flechten, Grünalgen, Ruhtau, Apfelblättsloh, Slattlauseicr und ganz besonders gegen Schildläuse an Zwelschenbäumen, die in einer größeren Anzahl von Gemarkungen stark überhand genommen Haven. Mit 12 v. H. Dbftbnumfarbolineum hat man befriedigende Erfolge erzielt. Gegen Schorf und Obstmade, die beiden allerfchlimmsten Feinde des oberhefsischen Obstbaues, denen man mit den bekannten Winter- spritzmitteln nicht beikommen kann, wurde Nosprasit der I.-G.-Farbenfabriken angeroenbet. Unter den verschiedenen Ortschaften des Kreises hat die Gemeinde Bellersheim in bezug auf Obstbaumpflege das größte Interesse gezeigt. Der erzielte Erfolg wurde von der Landwirtschaftskammer durch Zuerkennung des Preises von 160 Mark in erfreulicher Weise anerkannt.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Vortrag von Dr. Heßler (Friedberg) über „W interarbeiten an den Ob st bäumen und die Maßnahmen zur Schädlings- bekämpfun g“. Der Redner legte seinen all» gemeinverständlichen Ausführungen einen Gemar- tungsruudgang durch Daumstücke mit angrenzender Kreisstraßen-Obstpflanzung zugrunde, wobei er Gelegenheit nahm, an das Auslichten der Kronen. Reinigen der Rinde. Deseitigen der Misteln, die vortommenden Schädlinge in Gestalt von Käfern, Räupchen, Larven, Puppen, Jn- sekteneiern, die hängengebliebenen Fruchtmumien als Verbreiter der Fruchtfäule in ihrer Lebensweise und Entwicklung zu schildern und die geeigneten Dekämpfungsmittel anzugeben. Die Art
der Wundbehandlung wurde erläutert und daraus hingewicsen, daß cs unbedingt nötig fei, die auf behördliche Anweisung gefällten Obstbäume so rasch wie möglich aus 6cm Dereich der Obst- Pflanzungen zu schassen, bevor die Rinden-, Dorken- und Holzkäfer. wie auch das andere daran sitzende Llngczicfer, Zeit zur Abwanderung auf gesunde Däume finden. Aus der Mitte d rV r airmlung heraus wurde auch b tont, man solle al.es Stangenholz für Zäune. Pfähle, Stützen usw. nicht anders als in entrindetem Zustande verwenden, damit der Dorkerckäferplage nicht Vorschrrb geleistet werde. Einen breiten Raum des Vortrages, wie im besonderen auch der anschließenden Aussprache, nahm die Pflege der Singvögel ein. Allerseits wurde anerkannt, daß man durch Winterfüttc- rung. Aushängen von Ristkästen, Schonung und Reupflanzung von Hecken die bereits bestehende Dundesgenossenschaft zwischen Obstzüchter und den gefiederten Sängern zu einer leohaften Qlr- beits- und Rotgemcinschast ausbauen müsse. Es genüge aber nicht, Ristkästen nur aufzuhängen, sie müßten vielmehr auch alljährlich nachgesehen werden, ob nicht tote Vögel darin liegen, oder Wespen, Hornissen, Spatzen oder sonstige unerwünschte Dewohner sich eingestellt haben. Schließlich fehlte es auch nicht an Hinweisen darauf, daß unsere ganze Schädlingsbekämpfung, so umfassend und gründlich sie auch sein möge, doch nur ein Rotbehelf für kurze Zeit, gleichsam ein Schlag ins Wasser sei, wenn nicht gleichzeitig für bessere Ernährung, weitläufigere Psanzweise und offenen Doden im Obstbau gesorgt würde und die anfälligen. für unsere klimatischen Verhältnisse ungeeigneten Sorten zum Verschwinden kommen.


