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17.1.1931
 
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Samstag, (7. Zanuar Ml

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Ur. 14 Drittes Blatt

Nachdruck verboten

21 Fortsetzung.

aanacn uuu uu m uni .

Wördehoff begab sich in sein Zimmer zurück, j Sie sind ein Freund des Hauses. Lind sraulem Er war voll schwerer, trauriger Gedanken. Lind | Nicolette ist Jung. Also: Warum sollen tmr mcht

.der sein

freundschaftliche Beziehungen

Cfficife ich, weih ich" unterbrach Windthorst ungeniert.Die Fama unseres Städtchens ist immer auf dem Lausenden. Kinna schätzt Sie sehr. Lind nun wollen Sie wissen, ob sein Zustand wirk­lich zu Hoffnungen berechtigt

Ja - so ist es -" ,

2iun hm Windthorsts Gesicht zuckte hier und da in den Muskelnwir sind unter uns.

Lind gemeinsam mit Jacobus trug er Kinna in sein Schlafzimmer, wo Dr. Windthorst rwch eine kurze Weile mit Frau Marthe sprach.

Dann verlöschten die Lichter im Schloß wieder nach und nach. Windthorst war nach Hause ge-

Wördehoff nickte mechanisch.

Also, ist cs wahrscheinlich

Gott, was ist nicht wahrscheinlich? Es kommt niemand um das Sterben herum. Hm ich möchte sagen: Kinna wird vorläufig noch lange liegen. Das ist sicher. So in drei, vier Wochen wird man erst wissen, ob die Nerven es ausgehalten haben diese letzte Anspannung oder nicht! Dann erst kann man mit Bestimmtheit sagen: So und so kommt es! Hält er diese Wochen aus, kann man mit besonderen Heilmethoden der Krankheit an den Leib gehen. Sanatorium oder so. Allerdings das Alter des Patienten ist das gefährlichste Moment bei dieser Krankheit. Wie gesagt, Herr Wördehoff: Borläufig kann man nur hoffen! Nichts weiter."

Der kniff die Lippen zusammen.

Künstlerschicksal", stieß er leise hervor.

3a, natürlich Es wäre furchtbar für das kleine Fräulein Nicolette. Sie ist so elfenhaft -z so zart in ihrem Innenleben"

Wördehoff blickte zur Seite, um sich nicht viel­leicht doch mit einem Blick zu verraten.

Er begleitete den Arzt bis vor dessen Haus. Der schüttelte ihm herzlich die Hand und sagte offen:

Es freut mich, Herr Wördehoff, Sie nun doch kennengelernt zu haben. Sie werden ja nun wohl noch langer hierbleibon und ich denke, wir wer­den öfter zusammenkommen. Als alter Jung­geselle, der ich bin, habe ich abends reichlich Zeit."

Es wird mich freuen, Ihnen zuweilen plau­dern zu können", antwortete Wördehoff ehrlich. Die offene Art Windthorsts gefiel ihm un- gemein.

Nun flogen die Tage in sommerlicher Neife da­hin. Kinnas Zustand blieb im grpfjen und ganzen unverändert. Still waltete die Schwester ihres Pflegerinnenamtes. Ter erste schwere Druck lieh nach, der die Bewohner des Schlosses befallen hatte. Wenn der Hausherr auch schwer krank war, man wußte, er befand sich in guten, treuen Händen, der Arzt beobachtet ihn täglich man konnte selbst nicht helfen. Konnte nur abwarten und hoffen, daß alles sich wieder zum Guten wenden würde.

Lind der schöne, prachtvolle Spätsommer konnte diese Hoffnung nur nähren und unterstützen.

Nicolettes Frohsinn war wieder zum Durch­bruch gekommen. Sie hatte ja ihr großes, starkes Liebesgesühl in sich, unb das lieh sie mit be­sonders glücklicher Zuversicht in die Zukunft schauen

Mit Dr. Windthorst hatte sich Wördehoff nun im Laufe der nächsten Zeit enger angefreundet, als er es seinem eigenen Naturell zugetraut hatte. Bielleicht lag es daran, dah auch Nicolette dem Arzt sehr zugetan war und dieser mit einer bei­nahe väterlichen Herzlichkeit sie umgab.

Nicolette lächelte schwach.

Lind nun fuhr Windthorst fort Professor schläft ja schon er muh in Bett. Frau Marthe Ihr Mann

Ich hole ihn gleich"

Wördehoff trat auf die Schwelle.

Ich werde helfen"

hoffen? Allerdings: Der Zustand Kinnas ist sehr bedenklich! Sehr sage ich. Es bleibt unter uns, nicht wahr? Ich brauche das nicht erst zu betonen"

O Nicolette!

Aber er riß sich zusammen. , r

Er würde bei ihr bleiben ihr becstehen m . ihrer Not. Sie brauchte ihn ja nun nötiger als je. Alles würde schon wieder gut werden.

Lind Norma?

Nh er dachte jetzt kaum an sie. Er mußte den Brief oder die Fahrt zu ihr, bw er sich schon vorgenommen hatte, verschieben. Er durste in diesen ernsten Lagen Nicolette nicht allein lassen. . r , ,

Du Liebes" flüsterte, erich lasse dich nicht, ich bin dein Schuh .

Wördehoff fand in dieser Nacht keinen Schlaf mehr Er sah vom.Bett aus den Mond, der bläh und still am Himmel stand in einer seltsamen, küh­len Ernsthaftigkeit. , ., .

Erst gegen Morgen warf ihn die Müdigkeit m ein kurzes, traumloses Hindämmern.

14.

Der neue Tag brach sonnenhell und voll Vogel­gezwitscher an. In goldener Bläue spannte sich der Himmel über die Verwüstungen der Nacht. Die Erde strömte neuen, starken Duft aus, er­quickt von dem nächtlichen Regenguß.

Nicolette und Wördehoff begegneten sich in b.r Halle, und mit innigem Druck ruhten ihre Hände ineinander. Bald daraus erschien auch Dr. Windt­horst zur Visite und blieb eine Weile bei dem Kranken. Kurz darauf kam die Krankenschwester, um Frau Marthe abzulösen, die das Zimmer ne­ben dem Professor für sie herrichtete.

Windthorst sand keine gefährliche Veränderung im Befinden Kinnas, der völlig apathisch dalag, und gab der Schwester noch genaue Verhaltungs­maßregeln. Dann ging er.

Wördehoff begleitete ihn den Berg hin­unter. Die Persönlichkeit des Arztes flößte ihm Vertrauen ein, und auch Wördehoff schien auf Dr. Windthorst einen sympathischen Eindruck ge- macht zu haben. Er wußte sonderbarerweise schon, welche nicht unbedeutende Nolle Wördehoff im gegenwärtigen Kunstleben spielte, ohne daß die­ser jemals über sich zu ihm gesprochen hätte

Darf ich mir eine offene Frage erlauben, Dok­tor? Sie werden ja wohl wissen, daß mich

wie schon vor Stunden, bevor er zur Ruhe ge­gangen war, starrte er nun in die Nacht hinaus, die den Sturm überwunden Ijat'e.

Weit hinten über den Bergen begann der Him­mel schon grau zu werden. Die Sterne verblaßten.

Frequenz zu verzeichnen wäre. Aber noch zwei andere Punkte sind zu berücksichtigen:

1. Der Fahrplan muh so eingerichtet werden, daß man auch mit den zwischen 19 und 20 Llhr an­kommenden Zügen Gelegenheit hat, die Elektrische zu benutzen und nicht, wie cs seither der Fall war, daß man nach Verlassen des Bahnhofs sieben Minuten warten muh. Wie oft fährt einem der Wagen vor der Nase weg. Diele Reisende werden mir dies bestätigen. Dah die Linien unglücklich laufen und viele Mitbürger die elektrische Dahn nicht benutzen können, sei nur nebenbei bemerkt. Hier Wandel zu schaffen, müßten sich Stadtverwaltung und Leitung der Straßenbahn zur Ausgabe machen. Für das Geld, was die Schleife am Schützenhaus gekostet hat, und die neuen Wagen wäre es. glaube ich, zu schaffen gewesen.

2. Warum hat die Derwaltung der Straßen­bahn noch nicht Wagen beschafft, die angehängt werden und auf denen bann an Markttagen den Händlern ihr Gemüse, Obst ufto. gefahren werden. Ich kenne eine ganze Anzahl Städte, bei denen sich eine derartige Einrichtung glänzend bewährt hat. Eine Mehreinnahme wäre sicher zu erzielen, einmal durch die Fracht, weiter würde aber auch manche Bauersfrau, die jetzt mit ihrem Korb auf dem Kopfe zu Fuß geht, eben fahren. Dielleicht ließe sich auch mit der Post ein Abkommen treffen, daß allabendlich die Pakete, welche mit Pferde­wagen an die Post gebracht werden, durch die Elektrische befördert würden. Ein Dorschlag, der ohne große Kosten durchzuführen wäre. W.

III.

Als langjähriger Abonnent der Straßenbahn habe ich den Artikel in Ihrem Blatt vom vorigen Samst'ag gelesen und behaupte, dah wohl der größte Teil der hiesigen Bevölkerung Ihren Ausführungen voll und ganz beipflichten wird. Gerade in den letzten Wochen des alten Iahres konnte man immer wieder hören, weshalb macht die Straßenbahn nicht wenigstens einmal den Versuch mit dem 10-Psennig-Tarif und einer verbilligten Monatskarte (ich glaube in Mar­burg beträgt der Preis für die Monatskarte 6. und hier 10 Mk.). Statt dessen kommt die Straßenbahn mit Derkehrseinschränkungen. Ich selbst benutze schon feit drei Iahren den ersten Wagen der roten Linie zum Bahnhof. Da dieser Wagen jetzt ausfällt, habe ich am 1.3a- nuar mein Abonnement nicht mehr erneuert, benutze aber auch während des ganzen Tages die Bahn nicht mehr. V.

IV.

Hinsichtlich der Straßenbahn erlaube ich mir den Vorschlag zu machen, anstatt den Straßenbahnver­kehr zu beschränken, um zu sparen, eher zum 5-Mi- nuten-Verkehr überzugehen, wenigstens im Zentrum der Stadt, innerhalb Seltersweg und Westanlage bis zur Ostanlage und Ludwigsplatz, und dafür den lO-Pf.-Tarif einzuführen, ebenso für den Verkehr innerhalb Marktplatz, Volkshalle und Wiesecker Weg. Dagegen dürste sie es beim Tarif ab Bahnhof bis Voikshalle refp. Wiesecker Weg - Friedhof wohl beim Satz von 20 Pf. belassen, eher diesen Satz au 30 Pf. erhöhen. Die Stadt wird beim Belassen des 20-Pf.-Tariss oder der Erhöhung auf 30 Pf. meines Dafürhaltens nichts einbüßen. Daß der letzte Ein­heitstarif von 20 Pf. zum Schaden der Stadt aus­fiel, hat wohl niemand wunder genommen, denn dieser war für die Gießener Verhältnisse entschieden zu hoch. n>

X V.

3hr ArtikelGießener Straßenbahnsorgen" vorn 10. 3nnuar 1931 hat in mir und vielleicht auch in den Herzen vieler Mitbürger große freudige Genugtuung ausgelöst. 3st es doch das

Endlich wurden nebenan Schritte laut. Dr. Windthorst öffnete die Tür und rief Nicoleüe und Frau Marthe herein. Wördehoff stand auf. Die Tür blieb offen und so konnte er alles sehen und hören.

Kinna hatte die Augen ausgeschlagen. Sie waren glanzlos, und die Lider zuckten unruhig. Er ver­suchte ein Lächeln aber es gelang nicht. Doch als Nicolette zu ihm trat, murmelte er:

Da bist du ja mein Mädel Er machte die Augen wieder zu und lag ruhig. Natürlich ein absoluter Nervenzusammen­bruch". sagte Dr. Windthorst leise zu Frau Marthe.Es wird sehr lange dauern, bis er wie­der Halbwegs auf dem Posten ist. Wir wollen hoffen, dah alles glatt geht"

Frau Marthe nickte nur. Windthorst wandte sich , an Nicolette.

Keine Bange, Fräulein Nico. Wir werden ihn auch diesmal über den Berg bringen, wenn er's uns auch reichlich schwer macht. Die Hauptsache ist natürlich Ruhe Ruhe und nochmals Ruhe! Hm es bedarf selbstverständlich auch einer be­sonderen Wartung des Kranken. Frau Marthe, Sie sind ja eine tüchtige Pflegerin ich habe ihnen alles aufgeschrieben, was fürs erste nötig ist. Am Morgen komme ich wieder und schicke dann eine Schwester so wie damals. Hm das wäre alles. Vorerst wird er ja nun wohl einen langen Schlaf tun, na und morgen früh, wie gesagt, bin ich wieder hier. Fräulein Nicolette, Sie marschieren natürlich ins Bett! Entschuldigen Sie schon. Sie sind hier allerdings die Schlvß- herrin aber ich bin Arzt. Sie halten nicht eine einzige Nachtwache aus, und zwei Kranke hier oben sind zuviel. 3hr Vater ist in guten Handew Schließlich wird er auf seine alten Tage doch noch einmal von seiner Kunstmanie kuriert schock- schwerebrett!"

Das Geheimnis ihrer Liebe allerdings blieb ein Geheimnis. Nur 3acobus und Frau Marthe machten sich wohl ihren Vers, wiewohl in ihrer Gegenwart die beiden Liebenden sich nun wieder größerer Zurückhaltung befleißigten, als das in den ersten Tagen nach dem Ausbruch von Kinnas Krankheit der Fall gewesen war. Aus einem be­greiflichen gegenseitigen Schuhbedürfnis und Schuhgefühl heraus.

Aber so kühl konnten ihre Blicke und ihre Worte füreinander denn doch nicht bleiben, daß der alte Windthorst, der Pfiffikus und Menschenkenner, auf die Dauer nicht doch etwas merkte. Lind eines Tages, da er mit Wördehoff in der Abendstunde noch auf ein Stündchen draußen vor dem JBrau- nen Hirsch", seinem Stammlokal, sah, Dährend Nicolette oben im Schloß mit 'Frau Marthe im Haushalt zu tun hatte, sagte er schmunzelnd:

Na, Herr Wördehoff ich glaube, das Schloß da hat Sie doch verzaubert. Sie erzählten mir ja neulich einmal, unter welch merkwürdigen Um- ständen sich 3hre Ankunft da oben vollzog. Wii ein Zauber war das, sagten Sie. Der sich nach­her so reizvoll auflöste. Ob die Zauberkraft nicht doch länger angehalten hat? Hm? Ob sie viel­leicht nicht noch ein Leben lang anhalten wird?"

Er tat schnell einen Zug aus dem Bierseidel, um den Schelm in seinen Augenwinkeln nicht allzv deutlich sehen zu lassen.

Wördehoff stutzte.

Wie meinen Sie das?"

Nun setzte Dr. Windthorst das Glas wieder ui und blickte Wördehoff offen an.

,.3ch bin vielleicht ein bißchen indiskret. Abei was kann der Mensch für seine guten Augen, nicht wahr? Llebrigens würde sich niemand meh» freuen Ws ich, wenn hm meine Augen wirk­lich richtig gesehen haben und ich Ihnen und Fräulein Nicolette einmal Glück wünschen konnte!'

La verstand Wördehoff. Ein Zittern war Plötz- lich in seinem Herzen. Das Geheimnis toai verraten! Er wußte im Augenblick nicht, was ei antworten sollte. Aber schließlich sagte er:

Sie meinen ich liebe Fräulein Nicolette.'

Lind Fräulein Nicolette na, Windthorf lachte leicht auf,Eie wissen es ja selbst, Wörde- hoff. Lun Sie nur nicht so. Lind meine bester Wünsche haben Sie!

Er blickte den andern mit ruhigen, klarer Augen an. Da konnte Wördehoff nicht anberi als zu gestehen:

Nun ja, Doktor! 3hre Augen haben Sre mdy betrogen. 3ch liebe Nicolette. Lind sie lieb mich! Aber

Aber es soll niemand wissen. 3ch versteh, schon. Ahne auch, warum. Der Professor, na lassen wir das.

Lind lächelnd stieß er hervor:

Sie Glücklicher Sie!"

3a, der bin ich, sagte Wördehoff auf­atm enb.3ch bin glücklich und ich will glück, I lich bleiben!" (Fortsetzung folgt)

Die kleine Molelle

Vornan von Paul Hain.

erstemal, daß in unserer Tageszeitung eine Frage angeschnitten worden ist, die für die Aufstellung des Gießener Etats von allerhöchster Bedeutung ist, die aber, wenn sie richtig gelöst ist. unbedingt zur Verminderung des Defizits der Gießener Stadwerwaltung fuhren muß.

Ls handelt sich um die Frage:Warum ren­tiert sich die Gießener Straßenbahn nicht? Kön­nen die Linkosten der Straßenbahn nicht ver­ringert werden?"

Die Lösung der Frage liegt nur in derbuch­mäßigen Verschiebung". Die Sache ist folgender­maßen:

Das Städtische Elektrizitätswerk und die Städtische Straßenbahn sind an sich zwei getrennte Werke, stehen aber unter einer Direktion, was ganz-richtig ist. Diese eine Direktion stellt aber für jedes dieser Werke eine befpnbere Rechnung auf, obwohl eine einzige Rechnung das kauf­männisch richtigere wäre. Es ergeben sich nun folgendebuchmäßigen Verschiebungen":

Die Straßenbahn bezieht den elektrischen Strom vom Elektrizitätswerk, stellt daher den Strom in Ausgabe, das Elektrizitätswerk liefert den Strom, stellt daher den Strom in Einnahme.

Statt daß aber dieser elektrische Strom nur so hoch in Rechnung gesetzt wird, daß die wirk­lichen Kosten der Stadt gedeckt werden, was kaufmännisch das Richtige wäre, und zwar mit etwa 9 Pfennig, wird ein höherer Satz, und zwar 17 Pfennig eingesetzt. Die Folge ist, daß die Straßenbahn zu hohe Linkosten hat, daß sie sich trotz des erhöhten Fahrpreises von 20 Ps. nicht rentiert, und daß die Stadtverwaltung fort­während hohe Zuschüsse leisten muß, die natürlich von den Steuerzahlern getilgt werden müssen, während bei richtiger Aufstellung der Rechnung, und zwar einer Umstellung der beiden Werke, die Straßenbahn höhere Einnahmen erhalten würde, und infolgedcffen keinen Zuschuß brauchte.

Cs ist selbstverständlich, daß die Einnahmen des Elektrizitätswerkes kleiner werden, wenn die Straßenbahn einen geringeren Satz für den Strom bezahlen muß. Sofort wendet nun der gute Gießener Bürger mit dem kleinen Horizont ein:Dann haben wir ja das gleiche, das wäre ja aus dem Läppchen insTüchelchen. Dem muß ich aber entgegnen, daß es eben nicht gleich ist. und daß diese Verschiebung doch zum Schluß ein anderes Bild ergibt.

Wenn nämlich die Straßenbahn geringere Un­ionen hat, werden die Einnahmen hoher, und die Stadt braucht nur einen geringen oder gar keinen Zuschuß zu leisten. Wenn das Elek­trizitätswerk nun geringere Einnahmen hat, dann muh es auch an den Ausgaben sparen. Lind da liegt der Hase im Pfeffer. Weil das Elektrizitätswerk so hohe Einnahmen hatte, konnte es sich außer der festgesetzten Abgabe an die Htadt viele große Ausgaben leisten, die es sich sonst nicht hätte leisten können, und die auch nicht notwendig gewesen wären.

Cs ist höchste Zeit, daß mit der veralteten Methode von zwei getrennten Abrechnungen für Elektrizitätswerk und Straßenbahn ein Ende ge­macht und daß nur eine Rechnung für beide Werke aufgestellt wird, daß ferner der Strom der Straßenbahn nur mit den wirklichen Lin­kosten von 9 Pf. eingesetzt wird. Schließlich muß der Fahrpreis der Straßenbahn aus 10 Pf. ge­setzt werden. Nur auf diese Weise kann sich die Straßenbahn rentieren, ebenso wie sich die Straßenbahnen anderer Städte rentieren. f.

VI.

Dem ArtikelGießener Straßenbahnsorgen" (Gießener Anzeiger Nr. 8) kann man nur zu­stimmen, besonders aber der darin gegebenen An-

Bürgerschaft und Straßenbahn.

Aus unseren ArtikelGießener Straßen- bahnsorgen" in Nr. 8 vom 10. Januar sind uns aus den verschiedensten Kreisen der Bürger­schaft Zuschriften übermittelt worden, die wir nach­stehend zum Abdruck bringen. Diese Meinungs­äußerungen bekunden, daß unser Vorschlag auf Gin« führung eines 10 - Ps. - E i n h e i t s t a r i s e s bet der Straßenbahn als brauchbare Grundlage für eine Neuorientierung der Straßenbohntarif- politik angesehen wird. Soweit in den Zuschriften weiterer Vorschläge zur Umgestaltung des Straßen- bahnbetriebcs gemacht werden, stellen sie eine Meinungsäußerung der betreffenden Einsender dar, die wir lediglich referierend zur Kenntnis unserer Leser bringen, ohne dazu Stellung zu nehmen. Die Zuschriften lauten:

regung, für Gießen einen Einheitsfahrpreis von 10 Pfennig für jede Fahrt ststzusetzen. Warum sollte das Marburger Vorbild sich hier nicht verwirklichen lassen? Die Direktion der hiesigen Straßenbahn sollte endlich einmal mit der seither geübten Tarifpolitik brechen und sich ein Di- spiel an anderen Stabten nehmen. Es sei nur auf Frankfurt verwiesen. Dort fährt man zu einer bestimmten Zeit vormittags vom Hauptbahnhof nach Offenbach zum Preise von 25 Pfennig. Man vergleiche nur diese Wegstrecke mit der Länge der Strecken in Gießen, für die man fast denselben Fahrpreis zu entrichten hat. Man mache nur eine Probe, und es wird auch bei unS besser werden. Aber auf einen Punkt sei noch hin­gewiesen, dem die Direktion unserer Straßen­bahn etwas mehr Beachtung schenken dürfte, nämlich die Freifahrten. Man hat das Emp­finden, daß damit in Gießen des Guten zuviel geschieht. 3st es z. B. in der heutigen Notzeit gerechtfertigt, dah die Mitglieder unseres Stadt­rates freie Fahrt auf der Straßenbahn haben? Diese Maßnahme wäre wohl am Platze, wenn es sich um Fahrten nach dem Stadthause zu einer Sitzung handelte. Eine Kontrolle dürfte aber dabei schwer durchzuführen fein. Darum sollten unsere Stadträte freiwillig auf ihr Vorrecht zu­gunsten des Stadtsäckels verzichten. Diele Wenig geben auch ein Diel! Oß.

Oie Oberbürgermeister-Kandidaten für Mainz.

WSN. 'Mainz, 16 Jan. Die gestrige Ae l t e- stenratssitzung beschäftigte sich eingehend mit den sich aus der Oberbürger meist erwähl ergebenden Fragen. Zu dieser Sitzung war auch wieder das Aeltestenratsmitglied der Notgemein schäft erschienen, die sich seit einiger Zeit in diesem Gremium nicht hat vertreten lassen. Der Antrag, die Oberbürgermeisterstelle auszuschreiben, wurde von den Mitgliedern des Aellestcnrates gegen die Stimme der Notgemeinschast abgelehnt. Er wird infolgedessen auch im Plenum keine Annahme finden. In dieser Sitzung wurde von der bürger­lichen Rechten und der Arbeitsgemeinschaft der De- mofraten und des Christlichen Volksdienstes der Antrag eingebracht, Bürgermeister Dr. E h r h a r d zum Nachfolger für den ausfcheidenden Oberbürger­meister Dr. Mülb zu wählen. Nunmehr ist die Nach- fo'gerfrage in eine klare Entscheidungsrichtung ge­lenkt. Der Stadtrat und die Verwaltung haben zwi­schen den beiden offiziell herausgestellten Herren zu wählen. Es ist vorgesehen, am kommenden Mitt­woch in einer nichtösfentlichen Stadtratssitzung so­wohl über das Rücktrittsschreiben des Oberbürger­meisters, wie auch über die Nachfolgeschaft abzu­stimmen.

Daten für Lonntag. 18. Januar.

Sonnenaufgang 7.57 Uhr, Sonnenuntergang 16.25 Uhr. Mondaufgang 8.29 Uhr, Monduntergang 16.39 Uhr. v

1701: Kurfürst Friedrich III. nimmt als Fried- rich I. die Königspürde an; 1871: Wilhelm I. wird Deutscher Kaiser; 1923: der Jurist Karl v. Gareis in München gestorben.

Taten für Montag, 19 Januar.

Sonnenaufgang 7.56 Uhr, Sonnenuntergang 16.26 Uhr. Mondaufgang 8.59 Uhr, Monduntergang 16.53 Uhr.

1809: der Dichter Edgar Allan Poe in Boston geboren; 1863: der Nationalökonom Werner Sombart in Ermsleben geboren; 1868: der Schriftsteller Gustav Meyrinck in Wien geboren.

Der kaufmännische GrundsatzKleiner Ver­dienst, großer Umsatz, großer Umsatz, lohnende Verzinsung" dürfte kaum irgendwo bessere An­wendung finden, als auf unsere Straßenbahn. Wenn man entgegengesetzt verfährt, den Verkehr durch hohe Tarife abdrosselt und der eignen Straßenbahn einen mehr als doppelt so hohen Strompreis anrechnet, wie ihn die Stadt der Reichsbahn liefert, so entsteht der Verdacht einer stiefmütterlichen Behandlung zugunsten anderer Betriebe. Dick zu unterstreichen ist der Satz in den Darlegungen desGießener Anzeigers vom 9. d. M. von der schweren Schädigung, welche die Bewohnrr der Außenteile der Stadt durch den Wegfall der ersten Wagen erleiden, wenn sie den Frühzug um 6.35 Uhr benutzen müssen.

Wer mit offenen Augen die Entwicklung der Städte während der letzten 50 Iahre beobachten konnte, muß zu der Ueberzeugung gelangen, daß kleinliche Beschränkung der Verkehrsverhaltnisse sich immer und überall schwer rächt. Mir scheint es leider, von der gegenwärtigen Wirt­schaftskrisis ganz abgesehen daß die Stadt Gießen nach Jahren erfreulichen Aufschwungs diesen verhängnisvollen Weg eingeschlagen hat. Sonst müßten die volkreichen Ortschaften der nächsten Umgebung längst an das Straßenbahn- netz angeschlossen sein, die technisch durchaus nicht unmögliche Unterführung an der Frankfurter Straße nach Klein-Linden wäre als Objekt der Arbeitslosen-Befchäftigung längst zur Tatsache und der lebhafte Verkehr nach den Kliniken und nach Klein-Linden zur Einnahmequelle der Stadt geworden.

Ich frage: Wo sind die gewählten Vertreter der Bürgerschaft, die einsehen, daß wir im Straßenbahnbetriebe mit der Ausrechnung für die einzelnen Wagen nicht weiterkommen? Wo ist der Derkehrsverein? Will man wirklich war­ten, bis die mit dem (Selbe der Bürgerschaft er­baute Straßenbahn stillgelegt ist und wieder ein halbes Hundert Menschen mehr stempeln geht, ihre Angehörigen der Wohlfahrlseslege anheim- fallen, oder den Bahnhof umlagern, um den Reisenden gegen Backschisch die Koffer zu tragen, während in dem um ein Drittel kleineren und verkehrsärmeren Marburg die Straßenbahn bei ihrem 10-Pfennig-Tarif nicht als Zuschußbetrieb angesehen zu werden braucht, sondern zum Wohle der Stadt floriert? St­

il.

Mit Ihrem Artikel über die Straßenbahn in der vorigen Samstag-Nummer Ihres geschätzten Blattes haben Sie den Nagel auf den Kopf ge­troffen. Der Artikel ist mir ganz aus dem Herzen gesprochen, genau denselben Gedanken wollte ich in Kürze Ausdruck geben. Es unterliegt keinem Zweifel, dah.bei einem 10»Pf.-Taris eine bessere