Ausgabe 
16.12.1931
 
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Huxleh ist ein hellhöriger Beobachter unserer Zeit, es ist Vergnügen ihm bei der Schilderung seiner Menschen zuzusehen.

Verschiedenes.

Heinrich Maria Sambeth: »Der singende Alltag". Ein 6tüd Wege- in Volksliedern mit Holzschnitten von Pave. Pä­dagogischer Verlag ®. m. b. H Düsseldorf, Leinen 4 Mark. (549.) Die grvize Bewegung, welche über Schule und Iugendbünde geht, die dem Volke, das Volkslied und die Musikpflege zu neuem Leben erwecken will, soll in diesem Büch­lein insofern eine besondere und eigenartige Der- wurzelung erfahren, als hier versucht wird, die Saat des Volksliedes bis zu den Keimzellen des Volke-, bis zur Familie vorzutragen und zum singenden Blühen zu bringen. Die Holzschnitte Papes sollen in die einzelnen .Kulturen' einen gemeinsamen Klang und Zusammenhalt bringen. So will dies Büchlein dem deutschen Volke zu einer heimlichen Quelle des Lichtes, der Freude und der Kraft werden.

Luthymius Haas: Der vergnügte Theologe. Eine Sammlung von Anekdoten aus Kirchengeschichte und kirchlicher Gegenwart. Erste Sammlung. 3. stark vermehrte Auflage (10. bis 15. Tausend.) 1932. Verlag von A. Töpelmann in Gießen. Geh. 3 Mark, gebd. 3,50 Mark. (527) Wer als Theologe zwischen oller ernsten Arbeit ein­mal herzlich lachen will über gute Scherze, die mancher seiner Amtsaenossen gemacht oder erlebt hat, und wer, ohne selbst Theologe zu sein, doch das kirchliche Leben kennt und Sinn dafür hat, daß es auch hier oft wunderlich und ergötzlich zugeht, der greife zu diesem Buch. Von Spott über das Heilige ist da nichts, aber der fröhliche Humor dieser Samm­lung hat ihr schon weite Verbreitung verschosst.

D a s Deutsche Lichtbild" Jahres- s ch a u 1 9 3 2. 192 ganzseitige Bildtafeln. 80 Seiten Tert. Einband hellgraues Seidenleinen. Preis 15 Reichsmark. Verlag Robert 8- Bruno Schultz, Berlin W 9. (533) Auch in diesem Jahre liegt wieder eine Lichtbilderjahresschau vor, die ihresgleichen jucht. Jedes der gezeigten Bilder ist in seiner Art ein Meisterwerk. Wir finden die Namen neuer

Kämpfer und Förderer der deutschen Photographie, aber auch alte Namen tauchcn wieder auf, die ihren Plag unter den führenden Photographen eindrucks­voll behaupten Hervorragend künstlerisch gesehene Porträts, Studien von eigenartigem Reiz, Land- schostsbilder von vollendeter Schönheit folgen auf- einander. Im Te^tteil dieses Jahrbuchs findet man ausführliche technische Angaben für jedes abgedruckte Bild, so daß dieses Jahrbuch nicht nur ein höchster ästhetischer Genuß, sondern auch der denkbar bcste Ratgeber für alle Berufs- und Liebhaberphotogra­phen ift Ein witziges Vorwort und dpei weitere interessante Artikel runden diesen Band zu einem in sich abgeschlossenen Ganzen, dos aus dcm Weih­nachtstisch eines jeden Freundes der Lichtbildkunst mit Recht einen Ehrenplatz beanspruchen darf.

Durch die technische Welt". 2m Verlage Dieck & Co., Stuttgart, erschien der Band Durch die technische Welt. Wir fahren ins Land der Technik" von Ong. Ed. A. Pfeiffer. Großer, starker Lexikonband mit 237 Bildern auf 120 Tafeln und im Tert. 3n Leinen gebunden nur 5,60 Mk. (463) Hier sieht man, daß technische Dinge etwas sehr Fesselndes sind, man muß sie nur richtig vortragen. Also keine trockene Abhandlung. Der Leser besucht die Hauptstätten der technischen Welt und sieht alles an Ort und Stelle Er fährt mit Straßenbahn und Eisenbahn und ist mit einemmal ein Wissen­der, dem jetzt klar ist, wie diese Riesenbetriebe im ganzen und im einzelnen dirigiert werden. Er macht eine Grubenfahrt und sieht die unter­irdischen Bahnhöfe, die Arbeit über und unter Tag, er besichtigt die Koksbatterien und Gas­türme, die Eisenhütten, wo das Eisen wie Wasser fließt, er wandert durch Stahl- und Walzwerke, er fährt durch einen großen Hafen und sieht auf den Werften die Dampfer werden und ablaufen, er kommt zum Strom, der ein neues Bett erhält, sieht Riesenmaschinen, die jede da- gleiche leisten wie 3000 starke Männer, staunt über die Organi­sation der großen Wasserkraftwerke und steigt trockenen Fußes 10 Meter unter den Wasser­spiegel, fährt mit Fluggiganten über Land und Wasser, hört und sieht tausend andere inter­essante Dinge. Ein seines Geschenk auch für unsere technisch interessierten jungen Leute.

Wirtschaft.

Dreimal wöchentlich Sprechbörse.

Berlin, 15. Dez. (WTB.) 0n einer Presse­besprechung der Industrie- und Handelskammer äußerte sich heute Staatssekretär Dr. Meyer zu einer Oeffnung der Wertpapier­börsen für Zusammenkünfte ohne Abschluß von Geschäften. Er sagte, daß aus Kreisen der Börsen­besucher an die Industrie- und Handelskammer der Wunsch herangebracht worden sei, solange die Wiederaufnahme des Börsenhandels unmög­lich sei, die Dörsenräume mindestens drei­mal in der Woche den Besuchern der Wert«. Papierbörse zu Aussprachen ohne Ab­schluß von Geschäften zu öffnen. Diese Aussprachen sollten dazu dienen, gewisse Fehler deS Wcrtpapierhandels zu korrigieren, den Wert der Papiere zu schätzen und Kursanomalien zu vermeiden. Mit Rücksicht auf die Widerstände, die sich von Seiten deS Reichswirtschastsmini- steriums und der Rcichsbank der Wiederher­stellung des DörsenhandelS sei eS auch unter 'Beschränkung auf den sogenannten Freiverkehr auch jetzt entgegenstellen, hat die Kammer beschlossen, dem Wunsche zu entsprechen. Die verschiedenen Berufsvereinigungen der Mitglieder der Wertpapierbörse werden die Gewähr dafür übernehmen, daß Geschäfte in diesen Zusammen­künften von ihren Mitgliedern nicht abgeschlossen werden. Unter dieser Voraussetzung soll die erste Zusammenkunft in der Zeit von 12.30 bis 13.30 Uhr am Donnerstag, 17. Dezember, stattfinden.

Wessen Kind bin ich?

Vornan von Fr. Lehne.

(Urh.bcrschutz durch E. Ack.rmann. Rcmanzentrale Stuttgart.)

30 Fortsetzung Nachdruck verboten

Ebba ging der Mutter zur Hand. Sie goß Kaffee ein, reichte den Kuchen. Wie beschwingt ihr Schritt war. von Freude förmlich durchleuchtet ihr ganzes Wesen! Wie sie mit der Katze, mit dem Kanarienvogel sprach: aus allem hörte Angela des Mädchens Jubel, wieder daheim zu sein!

Lebhaft war die Unterhaltung. Die Herren hatten sich eine ganze Menge zu sagen. Frau Angela beobachtete heimlich Frau Lenz, die wohl einige Jahre mehr als sie zählte. Sie war eine sehr sympathische Erscheinung: Aart und zierlich, noch ganz mädchenhaft war die Gestalt. Die schönen dunklen Augen unter dem ergrauten Haar hatte der Sohn, der ihr beim ersten Sehen un­gemein gefallen, von ihr geerbt der Lehrer, ein rüstiger Mann in den Fünfzigern, mit glatt rasiertem, intelligentem Gesicht, dessen rotbraune Farbe von einem ausgiebigen Aufenthalt in frischer Lust zeugte daS waren die Menschen, bei denen die Tochter ausgewachsen, von denen sie in ihrem Denken beeinflußt war und es war ein guter Einfluß gewesen! In bessere Hande hätte Ebba gar nicht kommen können in diesem Hause war sie der Mittelpunkt und Sonnenschein da- hatte Angela gleich herauSgefühlt.

wie du also bestimmst, Mutterle: Herr Pfarrer Sturm schläft im Pfarrhause", bemerkte tfbba.in feinem lieben Pfarrhause! Und das Giebelzimmer im Lehrerhause bekommt die gnädige Frau! Die gnädige Frau wird sich sehr woyl darin fühlen! Es ist nicht sehr groß, jedoch so freundlich und sonnig! Die ersten Strahlen der Mergensonne grüßen schon herein!"

Ebba war sehr beglückt, als Frau Angela nach- ber bei der Besichtigung da- Zimmer lobte, daS wirklich nett eingerichtet war. Inga hatte Ebba einen zierlichen Schreibtisch und Toilettentisch mit fchö.iem Sviegel geschenkt, dazu einen kleinen Teppich. Kissen in lebhaften bunten Farben, hand­gearbeitete Decken und hübsche Bildchen machten das Zimmer noch gemütlicher. Sin hübscher Bett- schirm verdeckte daS Bett.

.Liebe, kleine Sbda. es ist gewiß dein Jung- Mädchenzimmer und nun soll ich dich daraus vertreiben?" sagte Angela.

-0 ich schlafe diese Rächt bei Mütterchen, wie ich es öfter getan habe! Vater wird dann audquatticrtl Ich bin doch so frob. daß ich mein Muttel wieder habeEbba schmiegte sich

Ueber die weiteren Tage ist zunächst noch keine Bestimmung getroffen worden.

An diese Erklärung knüpfte Staatssekretär Dr. Meyer die Bitte, in bezug auf Veröffentlichung von Kur en keine Lockerung des bisherigen Zu­standes ein treten zu lassen und ferner jegliche Gerüchtbildung und Verbreitung von Gerüchten zu vermeiden, da die Industrie- und Handels­kammer unnachsichtig jeglichen Verstoß dagegen zu bekämpfen entschlossen sei.

Der Frankfurter Dörsenvorstandhat beschlossen, sich dem Berliner Vorgehen anzu - schließen und die Dörsenräume ebenfalls drei­mal in der Woche, beginnend am Donnerstag, 17. Dezember, zu öffnen.

Zahlungsemstelluna norweaWer Sanken.

Oslo, 14. Dez. (WTB) Die Norske Kredit­bank, Oslo, und die Bergens P r i d a t b a n f, Bergen und Oslo, haben mit dem heutigen Tage ihre Zahlungen eingestellt. Aus Antrag beider Banken hat das Kabinett entsprechend der einschlägigen Bestimmung des Bai.kgesetzes beschlos­sen, die sich aus den Zab/ungceinstellungen ergeben- den üblichen Folgen für drei Monate zu verschieben, um so den Banken die erforderliche Zeit zur Be­endigung der Verhandlungen zu gewähren, die zur Ncorganisation beider Banken eingeleitet worden sind.

*

*Buberus'fdje Eisenwerke. Wetzlar. Die Gesellschaft zahlt ihre Aufwertungsanleihen be-

zärtlich an Frau Lenz, .ach, ich habe dir fo viel abzubitten, liebes Muttchen!"

.Run bist du ja wieder da, mein Herzblatt, und alles ist wieder gut!"

.Ebba will doch wieder mit mir kommen, Frau ßenx! Sie ist mir eine liebe Gesellschafterin ge­worden!"

Frau Lenz war erstaunt, daß Ebba ein solches Versprechen gegeben.

.Rein, das geht nicht. Ebba bleibt jetzt hier! Kind, hörst du"

.Ach, Mutti, du weiht dochI Ich bin so glücklich, daß ich euch wiedergesehen aber jetzt ganz hierbleiben" Ebba wurde doch unschlüssig, und fragend blickte sie von einer zur andern. Lebhaft sagte Frau Angela:

.Ich bin von allem unterrichtet, Frau Lenz! Es ist wirklich besser, wenn Ebba noch für einige Zeit Reinshagen fernbleibt! Bei mir ist sie ja so gut aufgehoben! Sie können mir Ihr Kleinod ruhig anvertrauen! Mein Vater wird Bürge genug für mich fein, wenn Sie mir, der Fremden gegenüber Bedenken hegen sollten wie ein Kind wird Ebba bei mir gehalten werden!"

Beinahe wie Eifersucht erwachte es in Frau Lenz. Die Tochter von Pfarrer Sturm war an­scheinend in sehr guten Verhältnissen sie würde Ebba gewiß verwöhnen und ihr den Geschmack an der einfachen Ländlichkeit des Vaterhauses verderben! Es lag ihr anscheinend viel daran, sie wieder mitzunehmen aber Ebba gehörte ins EltemhauS!

DaS junge Mädchen stand neben Frau Angela die scharfe Helle Sonne hüllte beide in ihre goldenen Strahlen, und da sah Frau Lenz zwl- schen den beiden eine Ähnlichkeit, die ihr gleich au Anfang unbestimmt aufgefallen, schreckhaft lebendig werden wie zwei Schwestern, die eine älter, die andere jünger, glichen sie sich oder Wie Mutter und Tochter, durchfuhr es Frau Lenz war daS des Rätsels Lösung? Ihre immer wache mißtrauische Phantasie malte ihr allerlei vor konnte es nicht möglich fein? Jahrelang war Psarrer SturmS Tochter dem Elternhause fern gewesen, und man hatte nichts von ihr gewußt!

Ihr Verstand sagte ihr, daß das. waS sie sich zurechtdachte, Unsinn, ilnmögl chkeit war doch ihr Gesühl hakte eigensinnig daran fest.

Aber die Sbba gab sie nicht her: die ließ sie sich nicht durch ein gute» Leben entfremden fie wollte daS Kind bei sich behalten, gönnte es keinem andern!

.Mutti, die gnädige Frau weiß alleS! Sie weih, wie ihr euch des armen Findelkindes angenom­men! Zeige ihr doch daS Körbchen mit den Win­deln, in dem ihr mich gefunden!" sprach Ebba harmlos in ihre Gedanken hinein

Da ging ein jähes Erbleichen über Angelas Gesicht: ihre Glieder durchlief ein Zittern: einen

reits zum 15. Dezember zum Nennwert zurück. Die Vorverlegung des 21us Zahlungstermins um 14 Tage dürfte wohl allseits begrüßt werden. Man beachte die heutige Anzeige.

Berlin freundlicher.

Berlin, 16. Dez. (WTB. Funkspruch.) Im heu­tigen telephonischen Freioerkehr setzte sich zunächst eine freundlichere Grund st immung durch, nachdem schon in den gestrigen Abendstunden Segen die niedrigsten Kurse auf Deckungen leichte rholungen eingetreten waren. Eine gewisse An­regung ging von der Befestigung an den internationalen Getreidemärkten und der etwas gebesserten Tendenz der gestrigen Neu yorker Börse aus. Das Geschäft hielt sich aber in engen Grenzen, und die Spekulation blieb weiter ziemlich abwartend, zumal man immer noch Aus - lanbabgaben befürchtet, die gewöhnlich erst gegen Miitag bei den Banken einzutrefsen pflegen. Die Stillhalteverhandlungen, die augen­blicklich in Berlin geführt werden,' sollen dadurch, daß England betreffs der Prolongation feiner For- berung etwas nachzugeben scheint, nicht ungün- ft i g stehen. Auch die Reparationsverhand­lungen in Basel scheinen durch die Aktivität der Amerikaner etwas vorwärts gekommen zu fein, fo daß der französische Standpunkt im Moment ziemlich isoliert dastehe.

Im Verlaufe des Vormittags kam dann an ein- Zeinen Märkten, wie befürchtet, wieder etwas Ware heraus, so daß sich die höheren Anfangskurse nicht immer behaupten konnten und das gestrige Nachmit- tagsnioeau meist wieder erreicht wurde. Einiges An­gebot war am Schiffahrtsmarkt festzustellen, an dem angeblich bisher notwendige Deckungen in Hanfa und Hamburg-Süd beendet feien. Bei beiden Werten beträgt der Verlust gegen den letzten Liquidotions- kurs heute schon etwa 25 Prozent ihres Wertes. Auch Aku lagen etwa 1,5 Prozent schwächer als gestern, Salzdetfurth verloren etwa 2 und Gesfürel 1,5 Prozent, während Siemens und Reichsbank zu­nächst wenigstens um etwa 1 Prozent anzogen. Auch Rcichsbankanteile waren in der Hoffnung auf eine bprozentige Dividendenausschüttung etwas erholt, die übrigen Bankaktien lagen behauptet.

Der festverzinsliche Markt hatte ruhi- ge s Geschäft, Goldpfandbriefe zeigten geringe Veränderungen. Deutsche Anleihen bröckelten leicht ab. Einige Nachfrage erhielt sich für Reichsbahn- Vorzugsaktien, während Farbenbonds heute im Gegensatz zu gestern eher angeboten waren.

Zurückhaltung in Zranlfuri.

Frankfurt a. M., 15. Dez. Die schwache Ten­denz der beiden letzten Tage für ID.-Farbenaktien blieb auch im heutigen telephonischen Freiverkehr von Bureau zu Bureau bestehen. Die Abgabe- Neigung hat sich eher noch verstärkt, wobei man wiederum von einigen Zwangsexekutionen und Auslandverkäufen wissen wollte. Da für das herauskommende Material nur ganz geringe Auf- nahmeneigung vorhanden war, schwächten sich IG.-Farben heute abermals um etwa 4 v. H. ab. An den übrigen Märkten herrschte ziemliche Ge - s ch ä f t s st i l l e, und die Mehrzahl der Kurse blieb gegen gestern behauptet. Elektrowerte lagen uneinheitlich: während Siemens und Gesfürel bis zu 2 v. H. niedriger notierten, blieben die übrigen Werte dieses Marktes gut gehalten. Don Bank- aktien gaben DD-Dank und Reichsbank je 1 v. H, Danatbank um 2 v. H nach. Am Montanaktien­markt lagen Rheinstahl und Mannesmann je 1 v. H. niedriger, ebenso von Kunstseideaktien Aku und Demberg. Die Umsahtätigkeit bewegte sich in engen Grenzen, da man stärkste Zurück­haltung bekundete. Anregungen fehlten fast vollkommen, und auch die innen- und außen­politische Situation ist nach wie vor ziemlich un­geklärt.

Der Rentenmarkt lag heute im ganzen genommen eher freundlicher, toenn sich auch gegen Wittag wieder eine gewisse Unsicherheit bemerkbar machte, die man auf die Ungewißheit hinsichtlich der Durchführungsbestimmungen der

neuen Notverordnung zurückführte. Vormitt agtz zogen die Kurse auf kleine Publikumskäufe auf fast allen Marktgebieten bis zu 1 v. H. an, die später auch meist behauptet blieben. Don deutschen Anleihen wurden Reichsaltbesih lebhafter ge­handelt. ReichS'chuldbuchforderungen lagen ruhig und unverändert. In Farben-Donds wurden bei wenig verändertem Kurs einige Umsätze getätigt

Am Geldmarkt war die Situation für TagcSgeld weiterhin sehr leicht. Der Satz stellte sich bei sehr geringen Umsätzen auf unverändert 6 v.H.

frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M, 16. Dez. Es wurden notiert: Dcizen 1, gut, gefunb, trocken, bis zu 1 Prozent Auswuchs, 221, Roggen 218 50, Sommergeiste für Brauzwecke 170 bis 175, Hafer, inländischer 152,50 bis 160 Mark pro Tonne Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, m t Austauschweizen, 35 bis 36, Sonder- Mahlung 33,25 bis 34,25, Weizenmehl, niederrh., mit Austaufchweizen 35 bis 35,75, Sonkermablung 33 25 bis 34, Roggenmehl 30 25 bis 31,50, Weizenkleie 8,15 bis 8,25, RoggenNeie 9 Mark pro Doppel­zentner. Tendenz ruhig.

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5.834 49.95 12.47 66.93 3,057

170.13 71.67 83.07 81.02 14.56

1.063 <209 58.61

16.52 02,02 35.56 82.07

0.244

13,29

5.906 50.05

12.49 67.07

3.063

170.47

71.83 80.23

11.18 14.60

1.067 4.217

58.73 21.67

16.56

82.18 35.64

82.23

0.246 7.407

13.31

Banknoten

5 694 5.906 49.95 50.05 12.47 12.49

64.93 65.07 3.057 3.063

U9.63 169.97 78.52 71.60 79.67 79.83

00.67 00.03 14.49 14.53 1.062 1.007

4.209 4 217 58.59 50.71 21.53 21.57

16.51 16.55 81,97 02,13 35,71 35.79

82.12 02.28

0.244 0.246 7.393 7.407 13,24 13,26

Serlln, 15 ötiemper

flmerttanilitte Molen.......

fBelfltidie No len ........

TänUdie 9?oten ......... dnflhichf Nol.-n ......... nranjöfildif Noten ........ OollanNiäre Noten ........

3raiiennd>e Noten........

Norwegilche Noien........

Seutftb-CeRenetafi, 1 100 GLlLIntz Humdnlidie Stoien........

d)roeotid>e Seien........

Gd>rDti|et Noten.........

Epaniidie Noten ........ Ungarilche Noten ......

Reichsbankdiskont 7 o. h..

4,20 58.45 79.89 14.52 16.48

169.76 21.51 78.49

2.40 80.84 81.84 33.43

7ombardzlni

4.22

53.69 00,21

14.50

14.54

170 44 21,64

71.01

2.50 81,10 82.16

35.57

»fuß 8 0. h.

Kirche und Schule.

Kreis Schotten.

T Sellnrod. 14. Dez. Gestern trat die Kir - chengemeindevertretung des Kirchspiel» Aufammen, um über den Voranschlag der Kirche für daS Jahr 1932 zu beraten. Der Vorsitzende, Pfarrer König (Groß-Eichen), eröffnete die Sit­zung mit Schriftlesung und Gebet. AlSdann wurde Der beiden im letzten Jahre verstorbenen Mit­glieder Karl Kraft Ul. (Altenhain) und Konrad Funk XII. (Sellnrod), gedacht. An deren öicl.e traten Bürgermeister Rahn (Altenhain) und Heinrich Schneider (Sellnrod), die von den Vorsitzenden verpslichtet wurden. Bei der Aus­stellung deS Voranschlags wurde äußerste Spar­samkeit beobachtet. Der Vorsitzende trug alsdann den Bericht über den kirchlich-fittlichen Zustand der Kirchengemeinde aus dem Vorjahre vor, an den sich eine Aussprache anschloh.

Moment schloß sie die Augen: ihr schweres Atmen verriet, daß sie eine gewaltige Erregung in sich niederzwang.

Frau Lenz warf einen Blick in das gänzlich veränderte Antlitz des Gastes: sie wußte genug!

Wenn es die gnädige Frau interessiert?"

Aus einem kleinen Raume, der neben EbbaS Zimmerchen lag und in dem man allerlei alte Möbel aufbewahrte, brachte sie das Körbchen: die Windeln und die blaufeiöene Decke lagen säuberlich zusammengebunden darin.

»Da sehen gnädige Frau den Korb, in dem eine pflichtvergessene, von allen guten Geistern verlassene Mutter ihr Kind aussehte!" wie höh­nisch und triumphierend die Stimme der Frau Lenz klang!

von allen guten Geistern verlassene Mutter, jaI" hauchte Angela, die sich nur mit größter Anstrengung ausrecht erhielt. Wenn sie nicht eine gute Schauspielerin gewesen wäre, die gelernt patte, sich in jeder Lebenslage zu beherrschen vor diesem kleinen Körbchen, Der verblaßten blau- seidenen Decke und den paar Stücken Leinen wäre fie gewiß zusammengebrochen. Mühsam ging ihr Atem.

Und die andere ließ die Blicke nicht von ihr deren Augen saugten sich förmlich fest an dem blassen, wie zu einer MaSke erstarrten Gesicht Angelas, durch das sie aber dennoch in daS tod­wunde Innere dieser Frau, deren Geheimnis sie hellseherisch erriet, zu bringen vermochten.

. ist es nicht unauSdenklich. daß eine Mutter so handeln konnte? Bei einem Mädchen, daS heimlich gebiert und auS Furcht vor der Schande sich in einer Stunde der Verzweiflung ihres KindeS entledigt, ist eine solche Handlungsweise schließlich begreiflich doch bei einer verhei­rateten reichen Frau man steht vor einem Rätsel! Diel Geld hatte man für deS KindeS Er­ziehung beigefügt; gewissenhaft haben wir eS angelegt und für EbbaS Aussteuer bestimmt! Ebba ist unsere Tochter; sie ist von unterem Ein­kommen mitcrzogen wo drei satt werden, brauchte ein viertes nicht zu hungern! Jederzeit können wir Rechenschaft ablegen, sollten Ebba- Eltern einmal austauchen alles können sie wieder bekommen nur Ebba nicht! Die geben wir niemals her; ihre Eltern haben jeden An­spruch auf sie verwirkt

Wie beharrlich die Augen der LehrerSfrau auf Angelas Gesicht ruhten, ihr kein Ausruhen gön­nend. Ach. wie grauam Frauen doch sein tonn eit, besonder-, wenn es sich um eine Mitschwester handelt! Da gibt eS kein Erbarmen! Man spürt förmlich die Genugtuung, wenn eine der andern weh tun kann!

Aber ob die Worte der Frau Lenz der un­seligen Frau so weh taten wie EbbaS Worte, alS die mit ihrer klaren weichen Stimme sagte:

»Ich will gar keine andern Eltern al- euch, Muttchen! Und wenn ich ein Königskind wäre! Meine richtigen Eltern, besonder- meine Mutter, könnte ich doch niemals lieben ich verachte sie."

War eS nicht, als ginge ein Erbleichen über Angela» Gesicht als blickten ihre Augen mit einem beinahe verzweifelten, demütigen, betteln­den Blick auf den roten Mädchenmund, der so harte Worte sprach?

Und triumphierend blickte Frau Leitz Angela an mitleidlos, voller Genugtuung!

WaS hatte die ihr bis vor kurzem noch gaiu fremde Frau getan, daß sie sie in einen Abgrund von Qual und Verzweiflung stürzte? Ach, e» war ja nur die Angst um ihr Kind weil sie fürchtete, die andere fei gekommen, e» ihr zu nehmen, eS ihr durch allerlei listige Lockungen zu entfremden und an sich zu ziehen!

»ES müssen ganz außergewöhnliche Verhältnisse gewesen fein!"

Angela zwang sich, überhaupt nur etwas zu sagen; wie aus weiter Feme tönte ihr die eigene Stimme im Ohr. »haben EbbaS Eltern niemals etwa» von sich hören lassen?"

»DiS heute nicht! Und ich würde e» jetzt auch um jeden Preis verhindern, daß Unruhe in meines KindeS Leben getragen wird I

Wie eine Löwin, die ihr Junge» verteidigt, erschien Frau Lenz. Fanatismus leuchtete au» den dunklen Augen, und ein eiserner Witte lag auf ihrem sonst so weichen, etwa» leidenden Gesicht beide Frauen konnten ineinander wie in einem offenen Buche lesen, und jede hörte das Unaus­gesprochene in den Worten der anderen!

Warum nur war Bertha Lenz so grausam, die doch sonst keinem etwa» zuleide tun konnte?

Eifersucht war eS Eifersucht auf die schöne vornehme Frau, die fie fürchtete!

Ebba sollte ihr bleiben ihr ganz allein!

»Cbba - Ebba -!"

Es war Christel, der e» von unten rief, »kannst du mal eben einen Augenblick kommen?"

»Ja, Christel, sofort!" Eilig lief Ebba die Treppe hinunter.

Die beiden Frauen waren allein.

Zwischen ihnen stand der Korb.

»RiemalS würde ich auch nur eine Annäherung von EbbaS Eltern an mein Kind gestatten!* wiederholle Frau ßenj, mir gehört Ebba mir ganz allein! Ich habe fie aufgezogen, habe ihre ersten Schritte geleitet, ha^r nächtelang an '.forem Bett gesessen, wenn sie krank war habe alle Mutterschmerzen um sie gelitten!"

»Warum lagen Sie mir daS T*

Frau Lenz warf den Kopf zurück und sah Angela trotzig an.

»Weil ich Ebba nicht verlieren wille

(Fortsetzung folgt)