Lahresschluß im Gießener Sia-trai
Kommunistische und sozialdemokratische Winterhilfeanträge
Der Verlauf der Sitzung
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Unterwegs
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— Bravo!
What do Europe?
rief es von allen Tischen.
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*$er Konsum.
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ALBERT H. RAUSCH
Aus erläuternden Bemerkungen des Bürgermeisters Dr. Hamm geht hervor, daß wegen dieser Angelegenheit noch - Verhandlungen zwischen der hessischen und der preußischen Regierung im Gange sind.
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sozialistische Bertreter im Stadtrat selbst keinerlei Antrag stellte, mit der aber auch den Hilfsbedürftigen keine Unterstützung gebracht wird. Ob der Eventualantrag der Sozialdemokraten, die vorjährigen Unterstützungssätze wieder zu zahlen, verwirklicht werden kann, steht noch dahin, darüber wird sich der Finanzausschuß erst schlüssig zu machen haben, wobei er natürlich an der D e ck u n g s - frage nicht vorllbergehen kann. Wie die Dinge also gegenwärtig liegen, wird leider die Hoffnung auf ein Minimum beschränkt werden müssen, falls es überhaupt möglich ist, von der Stadt aus in dieser Sache etwas zu tun. Rach wie vor wird das Schwergewicht bei der freiwilligen Förderung der Winternot Hilfe liegen, für die sich alle Kräfte eifrig regen sollten.
Oer Soll Hedi im Tonfilm.
Die Reihe der früher erschienenen Filme „Krieg im Dunkel". „Spione" und „Im Geheimdienst" seht eine von der Südfilrn-AG. herausgebrachte Arbeit des Regisseurs Karl A n t o n fort, die sich insofern von ihren Vorläufern unterscheidet, als dem Drehbuch (Benno Vigny und Dr. S d) i- rokauer) historisches Material zugrunde liegt: die Affäre des Obersten Alfred Redl vom k. und k. österreichischen Generalstab aus dem Jahre 1913; eine nach dem Kriege erschienene, ausführliche Darstellung dieses traurigen und zunächst kaum glaublich erscheinenden Falles erregte erhebliches Aufsehen. Der Film folgt, soweit wir uns erinnern, in allen Einzelheiten dem geschichtlichen Vorgang, erhellt auch darüber hinaus die unheimlichen menschlichen Hintergründe dieses Skandals, von dem man nicht mit Anrecht gesagt hat, er sei einer der schwersten Schläge gewesen, welche die weiland österreichische Armee je betroffen habe. Der Film kann es — wenn man etwa von -er überragenden Leistung Langs in den „Spionen" absehen will — künstlerisch durchaus mit den von uns erwähnten Vorläufern aufnehmen, die das gleiche, für den Film überaus geeignete Motiv behandeln. Er verfügt von Anfang bis zum Ende über die schon aus der Kriminalfabel selbst sich ergebende Spannung; er behandelt das aus mehr als einem Grunde heikle Thema mit dem gebotenen Takt und stellt regiemäßig eine respektable Leistung dar, welche die interessant entwickelte Handlung plastisch und bildmäßig an den Zuschauer hrranbringt. (Ein schwacher Punkt: die Fehlbesetzung der beiden Detektive; soviel Harmlosigkeit ist auch für österreichische Verhältnisse unglaubwürdig.) Den Redl spielt Theodor Loos: ausgezeichnet, wie er die schwankende Gestalt des Offiziers ins Mensch- liche vertieft und sein Verbrechen von hier aus motiviert; es ist eine der besten Leistungen, die wir von diesem überaus kultivierten Schauspieler kennen. Aus dem großenteils unbekannten @n- semble: Lil D a g o v e r als die in Spionagefilmen unvermeidliche schöne und elegante Frau, übrigens viel lebendiger als seinerzeit die Helm im „Geheimdienst"; ferner Friedrich H o e l z l i n, Alexander M u r s k i, Werner I a n s ch, Otto Hartmann. — Im Beiprogramm zeigt daL Lichtspielhaus unter anderm einen sehr hübschen Tierfilm —r—
AnlSesend: Oberbürgermeister Dr. Keller, die Bürgermeister Dr. S e i b und Dr. Hamm, Beigeordneter Justizrat Dr.Rosenberg und 35 Stadtratsmitglieder. Der Zuhörerraum ist mäßig besetzt.
Ein Dankesgeschenk der Gewerbeschule.
Vor Eintritt in die Tagesordnung überreicht Stadtratsmitglied Rektor Schmidt in seiner Eigenschaft als Leiter der Gewerbeschule dem Hause einen gesd)nitzten und mit schönen Verzierungen ausgcstatteten Käst en zum Stimmzettelsammeln bei Abstimmungen desHauses. Das Geschenk ist von Lehrern und Schülern der Gewerbeschule als Zeichen des Dankes dafür angefertigt worden, daß die Stadt der Gewerbeschule das jetzige schöne Heim geschaffen hat. Der Redner wünscht namens seiner Schule, daß der Kasten eine Ermahnung an das Haus sein möge, nach dem Kampf der Meinungen wieder den Frieden herrsd)en zu lassen und alle Arbeit nur zu leisten unter dem Gesichtspunkt, dem Wohle der Stadt zu dienen. (Lebhafter Beifall.) Oberbürgermeister Dr. Keller nimmt im Ra- men des Stadtrates das Geschenk mit herzlichen Dankesworten entgegen und betont, daß die schöne Ausführung des Kastens dem Können seiner Verfertiger alle Ehre mache. Er bittet, den Lehrern und Schülern den aufridjtigcn Dank des Stadtrates auszusprcchen. (Beifall.)
Während der Ansprache von Rektor Schmidt machte Stadtratsmitglied K ä st n e r (Komm.) fortgesetzt Zwischenrufe, die geeignet sind, den Sprecher und die Hersteller des Geschenks zu kränken. Da diese Zwischenrufe nicht aufhören, ruft Oberbürgermeister Dr. Keller den Rufer K ä st - n e r zur Ordnung.
Als der Oberbürgermeister anschließend darauf aufmerksam macht, daß der zu der Sitzung erschienene Mandatsnachfolger von Lepper, Maurer Stork (Komm.), in dieser Sitzung noch nicht mit abstimmen dürfe, da bestimmte gesetzliche Vorschristen und Fristen erst noch zu erfüllen sind, wird K ä st n e r erneut so unparlamentarisch, daß ihm der Oberbürgermeister den zweiten Ordnungsruf erteilt.
Als erster Punkt der Tagesordnung wird sodann die
Rechnung der Stadtkasse für dos Rj. 1928 erledigt. Die Rechnung schließt im Betrieb in Einnahme mit 5 741 920,46 Mk., in Ausgabe mit 5 450 879,44 Mk.. irn V e r rn ö g e n mit 4 286 257,41 Mark Einnahme und mit 3 766 565,58 Mk. Ausgabe ab. Wird genehmigt.
Kreditbewilligungen.
Der im Voranschlag für 1931 für bauliche Unterhaltung des Gebäudes der Schillers d) ule
keine Hilfe gebracht. Die sozialdemokratische Fraktion machte den politischen Scherz, den nationalsozialistischen Beschluß des Hessischen Landtages auch für unsere Stadt zur Anwendung zu empfehlen, weil die Mehrheit unserer Bevölkerung sid) bei der Landtagswahl für die Nationalsozialisten entschieden habe. Daß dieser Antrag ernstlich überhaupt nicht in Betracht kam — denn seine finanzielle Auswirkung würde sich, da die nationalsozialistischen Forderungen erheblich über das Ausmaß des kommunistischen Antrages hinausgehen, wahrscheinlich auf das Doppelte der Ausgaben für die kommunistischen Wünsche, also auf weit über 1 Million Mark belaufen — lag von vornherein für jedermann auf der Hand. Es handelte sich hier einfach um eine politische Ironie, zumal der national’
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vorgesehene Kredit wird um 1000 Mk. erweitert, wozu von der Schule in der Kirchstraße 450 Mk. übertragen werden und 550 Mk. zu Lasten des Reservefonds für 1931 gehen.
Bon dem im Voranschlag für 1931 für bauliche Unterhaltung des Gebäudes der Oberrealschule vorgesehenen Kredit von 5000 Mk. werden 1000 Mark abgeseht und dem Kredit für Bauunterhaltung des Realgymnasiums zugeführt. — Stadtratsmitglied Mann (Soz.) bedauert bei dieser Gelegenheit, daß die städtischen Dauarbeiten so scharf gedrosselt wurden, und er würde es begrüßen, wenn wieder Mittel für Bauarbeiten verfügbar gemäht werden könnten.
Schankkonzessionsgesuche.
Befürwortet werden die Schankkonzessions- gesuche von Joseph Dürrer, Plockstraße 3 (Stadt- cafe), Josef Peter Paulus, Plockstraße 5, Bäckermeister Ludwig Rühl, Marktplatz 13, für einen Kaffeewirtschaftsbetrieb im Hause Marktstraße 2, Heinrich Ruhl, Bahnhofstraße 15 und Karl Walther für das Wasserhäuschen Walltorstraße Ecke Ostanlage. Ab gelehnt wird ein Gesuch von Johann Kirzinger für Wetzsteingasse 21.
Lahnkanalisation und Wegfall des Schleusenkanals in Wetzlar.
Auf Antrag des Bau-Ausschusses beschließt das Haus: Gegen den Vorschlag der Stadt Wetzlar, den Schleusenkanal in Wetzlar in dem Kreuzungspunkt der Bahnhofstraße, Brücken- und Moltkestraße an Stelle der Bollerbrücke zuzufüllen und gegen die Absicht, die Dillarmmündung in die Schleuse dieses Kanals nahe der Bollerbrücke zu verlegen unter gleichzeitiger Senkung des Wasserspiegels dieser Schleuse werden Einwendungen nicht erhoben, wenn die Stadt Wetzlar folgende Bedingungen übernimmt:
1. Bei einer späteren Fortführung der Lahnkanali- fation lahnaufwärts unter Benutzung des seitherigen Schleusenkanals verpflichtet sich die Stadt Wetzlar, den heutigen Zustand wieder herzustellen, d. h. die Zufüllung zu beseitigen, damit der Kanal im gleichen Maße wie heute benutzt werden kann. Die Dillarmmündung ist in diesem Fall mit Unterdükeruyg des Schleusenkanals bis zur Lahn (in das Unterwasser des Hausertorwehres) zu leiten.
2. Wird bei der endgültigen Entscheidung der Kanalisationsfrage die Schiffbarmachung der Lahn gewählt statt der Weiterführung des seitherigen Schleusenkanals, so verpflichtet sich die Stadt Wetzlar die Ersparnisse, die durch die Belassung der Kanalauffüllung und der Nichtausführung der Dükerleitung nach der Lahn (dem Häusertorwehr) entstehen, zur Schiffbarmachung der Lahn zur Verfügung zu stellen.
Sladtlhcatcr-Abschluh 1930.
Der Rechnungsabschluß des Stadttheaters für das Rj. 1930 weist eine Einnahme von 278 980 Mark, eine Ausgabe von 358 935 Mark, mithin einen Fehlbetrag von 89 955 Mark auß Da im Voransd)lag bereits ein Zuschuß von 87 300 Mark bewilligt ist, verbleibt noch eine Voranschlagsüberschreitung von 2655 Mark, die genehmigt wird. Bürgermeister Dr. Hamm bemerkt, am 1. Januar d. 2. fei noch eine Ueberschreitung von 20 000 Mark vorhanden gewesen, die durch scharfe Ausgabendrosselung auf den Betrag von 2655 Mark herabgedrückt worden sei.
Vausachen.
Folgende Baugesuche werden entsprechend den Wünschen der Antragsteller erledigt: Edgar Dorrmann, Reustadt 11 (Anbau an das Geschäftshaus); Max Bertram Ehefrau, Land» mannstraße 8 (Um- und Erweiterungsbau); I. D. Häuser, Reustadt 42/44 (bauliche Veränderungen); Wilhelm Bernhardt, Frankfurter Straße 110 (Umbauarbeiten an dem Wohnhaus); August Mattern, Wartweg 48 (Errichtung eines Wohnhauses); Heinrich Ruhl, Bahnhofstraße 15 (Errichtung eines Aufenthaltsraumes); Ludwig Günther zur Errichtung einer Autohalle auf wem Grundstück Bahnhofstraße 65; Paul Lauer zum Einbau eines Schornsteins im Gartenhaus auf seinem Grundstück in der Schu- bertstraße, unter gewissen Bedingungen.
Erneuerung eines Gasofens im Gaswerk.
Zur Erneuerung eines Gasofens im Gaswerk werden 8000 Mark bewilligt. Davon entfallen auf Materiallieferungen 6495 Mark, auf Löhne 1505 Mark. Die Ausgabe geht zu Lasten des Erneuerungsfonds des Gaswerks für das Rj. 1931.
Auffüllungsarbeilen in der Schottsirahe.
Das Abfahren der Erde von den Ausschachtungsarbeiten für den Reubau des Krüppel- Heims nach der Schottstraße wird an die Firma M. Abermann zum Gesamtbeträge von 5077,06 Mark vergeben. Die Arbeit ist bereits ausgeführt.
Daulanderschliehung jenseits der Lahn.
Dem Bebauungsplan für das Gebiet Hinter den Schießgärten, nördlich der Rodheimer Straße, sowie der dazugehörigen Ortsbausahung wird zugestimmt. Gleichzeitig wird die Aufhebung des Bebauungsplans zur Anlage einer Straße nördlich der Rodheimer Straße vom 30. Oktober 1925, sowie der Rachtrag zur Ortsbausatzung vom 20. November 1925 beantragt.
Durch diesen Beschluß wird die Grundlage für die Erschließung des Geländes für die Bebauung geschaffen.
kein Durchgangsfahrverkehr durch das Trillcrgäßchen.
Dem Entwurf einer Polizeiverordnung, in dem die Sperrung des Trillergäßchens für den Durchgangsfahrverkehr (wegen der Paketladungen der Stadtpost) angeordnet ist, wird zugestimmt.
Winterhilfe-Antrage.
Am Schlüsse der Tagesordnung liegen dem Hause drei Anträge auf Gewährung von Winterbeihilfen vor.
Die Kommunisten beantragen die Gewährung folgender Beihilfen an Erwerbslose, Wohlfahrtsempfänger und Kriegsopfer: für Verheiratete 40 Mk., für jedes versorgungsberechtigte
— Ich dulde keinen Hund an meinem Tisch, Madame, sagte scharf der Franzose. Wollen Sie, bitte, das Tier unter den Tisch setzen — ober ich werde nicht viel Federlesens machen ...
Die Amerikanerin geruhte abermals nicht, sich zu einer Antwort zu bequemen.
Der Hund hatte sich wieder mit den Vorderbeinen auf die Tischdecke gestellt und mit der Zunge zu schlappen angefangen.
Ohne ein Wort zu sagen, griff der Franzose das Tier am Genick, trug es an die Tür, öffnete diese und jagte es hinaus.
— Bravo, rief eine Stimme im Lokal.
— Bravo, riefen mehrere Stimmen.
Wie eine Furie rannte die Amerikanerin hinter dem Vieh her und verschwand.
Der Franzose war sehr erregt ...
— Verzeihen Sie, meine Herrschaften, sagte er, daß ich so unhöflich gegen eine Frau sein muß. Aber es gibt Grenzen ... Die guten Sitten Frankreichs scheinen mir wichtiger als die Rücksicht auf eine Person, die ihrem Lande keine Ehre macht — und diesem geheiligten Raum erst recht nicht. Wehren wir uns gegen diese Pest, die uns von dort drüben in sehr verschiedenen Formen kommt ... Haben wir den Mut, auch einmal unhöflich zu sein ...
Leere
Räume
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und leerte feine Kaffeetasse und sein Benödictine- glas im Stehen. Neben mir saß ein Mann von vielleicht fünfzig Jahren, der ein bekannter Rechtsanwalt sein mochte. Er war sehr gepflegt, sehr ernst, wenn nicht ein wenig traurig. Wir hatten eben angefangen, miteinand"- zu plaudern, als außen ein Wagen oorsuhr.
— Is that here? hörten wir in amerikanischem Akzent eine Dame fragen — und gleich darauf wurde die Tür aufgestoßen: eine schöne, schlanke Frau betrat den Raum. Sie rauchte eine Zigarette — unverkennbar eine Kamel — und hatte einen fetten Pekineserhund irn Arm. Sie schaute sich um, fand aber keinen Platz. Die wenigen Tische waren besetzt, nur an dem unsrigen waren noch die Plätze nach dem Raum zu frei. Wenn sie essen wollte, blieb ihr nichts anderes übrig, als mit einem dieser Plätze vorlieb zu nehmen. Was sie denn auch nach langem Hin- und Herreden mit dein Wirt tat, während sie eine neue Zigarette anzündete, deren widerlich süßer Geruch uns in die Nüstern schlug. Den Hund setzte sie auf den Stuhl neben sich. Aber das Tier blieb nicht still, sondern stellte die Pfoten auf die Tischkante und schnupperte mit seinem verrotzten Maul nach unserem Essen. In den Augen des Advokaten funkelte ein Zorn auf:
— Darf ich Sie bitten, gnädige Frau, sagte er, den Hund sowohl von Tisch wie Stuhl zu entfernen. Ich dulde keine Hunde an meinem Tisch, wenn ich esse.
Ich glaubte nicht richtig gehört zu haben ... obwohl ich ganz der Meinung dieses Herrn war. Die Amerikanerin nahm keine Notiz von dem Gesagten. Sie wandte sich an mich und sagte:
— Wollen Sie mir nicht den Platz an der Wand geben? Ich sitze nicht gern mit dem Rücken gegen das Lokal.
— Ich würde Ihnen diesen Platz schon angeboten haben, wenn Sie nicht einen Hund und eine Virginia-Zigarette mit an den Tisch gebracht hätten, erwiderte ich.
— In Amerika, sagte sie, während ick) ausstand, respektiert jeder Herr die Wünsche und selbst die Launen einer Dame.
— Wir sind in Frankreich und in Paris, sagte der Rechtsanwalt. Es ist uns gleichgültig, was man in Amerika tut. Wir gelten hier im allgemeinen als sehr höfliche Leute. Aber wir möchten auch, daß man unsere Gewohnheiten in unserem Lande respektiert.
Die Amerikanerin hatte sich auf meinen Platz gesetzt und den Hund zwischen sich und dem Advokaten auf das Polster. Sie rauchte weiter.
* Giehen. 15. Dezember 1931.
Nach fast fünfmonatiger Pause trat der Stadt- rot heute wieder zu einer Sitzung zusammen, die zugleich den Abschluß seiner Tätigkeit im Jahre 1931 darstellte. Die Tagesordnung enthielt nur kleinere Vorlagen, über die nichts weiter zu sagen ist. Dagegen verdienen die Winter- h i l f e a n t r ä g e, die am Schluß der Tagesordnung von kommunistischer und sozialdemo- iratischer Seite gestellt wurden, eine nähere Beleuchtung. Die Kommunisten zeigten sich in bekannter Weise nicht engherzig, sie stellten Qln- :rägc, deren finanzielle Auswirkung die Stadtverwaltung auf die immerhin nicht unbeträcht- iche Summe von rund 637 000 Mark berechnete. Zs wird keinen verständigen und menschlich mit» ühlenden Bürger geben, der sich der großen Not in weiten Kreisen der Bürgerschaft verschließen DÜrde. Als Beweis dafür, wie sehr man zur Hilfeleistung für die in der weitaus großen Mehrzahl unverschuldet in Not geratenen Mitbürger bereit ist, kann die eifrige Liebestätigkeit urgesehen werden, die in der Gießener Winter- notbilfc, die bekanntlich ein vollkommen freiwilliges Hilfswerk unserer Einwohnerschaft dar- ftellt, zum Ausdruck kommt. Daß dadurch nicht alle Not vollständig behoben werden kann, ist leider Tatsache, denn die finanzielle Leistungsmöglichkeit ist unter den heutigen Wirtschafts» derhältnissen bedauerlicherweise eng begrenzt. Dos gleiche gilt in noch verstärkterem Maße töt die öffentliche, im vorliegenden Falle also töt die städtische Finanzwirtschaft. Herr K ä ft» ner als Wortführer der Kommunisten machte •mar Deckungsvorschläge für die von ihm beantrag’ tert Ausgaben, feine Empfehlungen haben aber lei- ier den Fehler, daß sie nicht bzw. nicht sofort zu verwirklichen sind und daher für die praktische Anwendung nicht in Betracht kommen. Die von ihm empfohlene Streichung des städtischen Zuschusses zum Flughafestbetrieb im Betrage von 17 650 Mk. oirb vorerst überhaupt nicht möglich fein, da der jDilschuß auf vertraglicher Grundlage beruht, mithin also nicht einseitig aufgehoben werden kann, übrigens auch im Hinblick auf die bereits verflossenen Monate des Rechnungsjahres zum größten Teile |djon ausgegeben ist. Dis von Herrn Kästner ebenfalls vorgesehene Streichung des Zuschusses zum Ltadttheater ist auch nicht möglich, da der Betrag zum Seil schon ausgegeben ist, so daß von der Gesamt- zuschußsumtne in Höhe von 50 000 Mark überhaupt mir noch ein Teil uerfüabar wäre, wenn man sich ralschließen würde, dem Theater die Zuschußleistung äwrzuenthalten, was aber gleichbedeutend mit der Schließung und der Entlassung des Personals wäre, lie aber Herr Kästner nach seiner Antwort auf einen Zwischenruf auch nicht haben will. Uebrigens ^Di'rbe die Schließung des Theaters nur größere Wusgaben für die Stadt bedeuten, da felbstver- flärrS(irf) die bestehenden Verträge erfüllt werden Mußten, während auf der anderen Seite die Ein- rnchmen verloren gingen. Die Beseitigung des Po- ^ltzeikostenzuschusses in Höhe von 105 600 Mark ist tbenfaUs eine Unmöglichkeit, da diese Zahlung der Gtabt nicht auf einer freiwilligen Leistung beruht, Mndern landesgesetzliche Verpflichtung darstellt. Die chiche Unmöglichkeit besteht hinsichtlich der von form Kästner geforderten Beschneidung der Ge- h'ter der städtischen Beamten, da auch hierfür ge- jctliche Vorschriften maßgebend sind, die vom Gie- Vättr Stadtrat nicht durch einen einfachen Federst ich beseitigt werden können. Man muß wohl oiaehmen, daß auch Herrn Kästner diese Sachlage nicht unbekannt ist, und es bleibt dann nur der kchluß übrig, daß es ihm bei seinen Anträgen libi glich um die Wirkung nach außen hin za tun war. Mit derartigen Agitationsanträgen wird aber leider den hilfsbedürftigen Mitbürgern
Klavief äui,er!ÄiSnfle‘ irtfort J11!" «in g?* u^> und cllelir
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K. Die Amerikanerin.
Wenn ich die Arbeit des Tages hinter mir habe, ■JNun ich mit ihrem Ergebnis so zufrieden bin, daß Ls Gefühl geglückter Leistung die vielen Sorgen ikrfdjlägt, die Aengste, Ungewißheiten und Be- -firdttungen, ohne welche heute das Leben eines Liuttchen Menschen nicht mehr denkbar ist, gönne hd mir das, was ich einen „Pariser Abend" nenne. U lade mir niemanden ein, ich gehe weder in die Ebn noch in das Schauspiel, ich laufe auch nicht fjinter irgendwelchen Vergnügungen her. Sondern itf lebe irre enge Bindung, welche zwischen dieser bezauberndsten aller Städte und mir selbst besteht, anif eine ganz heimliche Weise: wie ja schließlich jede Mlliche Liebe nach der Unsichtbarkeit, Verhülltheit istes reinsten Ausdrucks verlangt. Ich gehe — eiierlei, welche Jahreszeit es gerade ist — an den 3ii«ieufern entlang, ganz langsam, sage mir bei jt)em Schritte, welches Glück es ist, an den Sd)ön= ijnt<n dieser Stadt so tiefen und immer wieder mm<n Anteil zu haben biege über Brücken, lehne laig? an Geländern, schaue in die Wasser mit den mZitternden Lichtkringeln ... und lande schließlich Bi einem jener kleinen, ganz verschwiegenen Restau- tujiti in denen man noch we' , was gutes Essen ist, UID guter Wein. Ich gehe dort nicht hin, um nun Dan Gaumen ein besonderes Fest zu geben, sondern an[ es mich nach der Ruhe, ich könnte fast sagen nted) der lächelnden Feierlichkeit drängt, die diesen anhaftet und fick) der Seele mitteilt, welche Stern inneren Ausgeglichensein ein äußeres anfügen Mächte. Da fitzen nicht Fresser und Säufer/ die nach lamm Preis zu fragen brauchen: da sitzen stille, Nhüdene, oft bedeutende und berühmte Menschen, Ämen Gott auch im schönen und guten Ding lebendig ■ft sei es in einer Languste, in einem Artischoken- 8nhen, in einem Glase edlen Burgunders ober Btijous.
liiaes Sommerabends, als ich gegen halb zehn in einem solchen entlegenen Restaurant auf der llt Saint Louis eintrat, fand ich es über alles Er- : ttoirim gefüllt zu dieser für Paris späten Stunde. Slier ein freundlicher, alter Herr, der eine große . Kijollieretraroatte trug und sicher ein Lehrer an der '»rfconne war, gab mir feinen Platz an der Wand
Waliher Harich f.
Auf seinem Landsitz Wuthenow in der Mark ist der aus Ostpreußen stammende Schriftsteller Dr. Walther H a r i ch im Alter von erst 43 Jahren plötzlich gestorben: eine literarisch ungewöhnlich vielseitige Begabung; wir verdanken ihm vor allem eine ausgezeichnete Biographie von E. T. A. Hoffmann, dessen Gesamtwert er auch in einer schönen fünfzehnbändigen Ausgabe ediert hat. Besonderer Vorliebe und eingehender Beschäftigung erwuchs ferner eine umfangreiche Darstellung vom Leben und Werk Jean Pauls. Harich hatte übrigens mit Romanen („Die Pest in Tulemont"; „Der Turmbau zu Babel") und Gedichten begonnen; er schrieb auch 1922 ein Buch über „Das Ostproblem". Von seinen neueren Arbeiten nennen wir noch den technisch brillant aufgebauten Kriminalroman „Die Drei um Edith" und den Schülerroman „Primaner", der einen viel besprochenen Berliner Mordprozeß sehr klug, sensationsfern und psychologisch aufschlußreich behandelt.
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8845 D
Nr. 294 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Mittwoch, p. Dezember 1931


