Wenn Menschen auseinandergehn
Vornan von 3- Gchneider-Foerstl.
Urheberrechtsschutz Verlag O. Meister, Werdau.
13. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Für diesen Diebstahl der Braut hatte Rajas Vater den seinen niedergeschossen. Einfach nieder- geschossen! Gerichtet! Ausgelöscht! Bosanyi war also ein Mörder! Der Mörder seines Vaters.
Die Halme knisterten. Erbarmungslos brannte die Sonne auf Horvaths Scheitel herab. Aber er war noch nicht fertig: Die Tochter dieses Mannes, der ihm den Vater mordete, war ihm Weib geworden, war Mutter seines Kindes.
Es ging nicht mehr. Er war an der Grenze jeglicher Denkfähigkeit. Die Gluthitze, die von der Erde ausstrahlte, und jene, die vom wolkenlosen Himmel herabgeschossen kam, wirkten zusammen, dost er lautlos zwischen die Halme glitt.
Er regte kein Glied mehr.
So viel wie an den folgenden Tagen war Horvath noch nie über die Steppe geritten. Er fürchtete, verrückt zu werden. Selbst zur Vachtzeit wurden ihm die vier Wände der Tanja zu eng.
So oft Rosmarie ihn zu sehen bekam, schloß sie sich ihm an. Der Tag war schwül, und im Galopp jagten die beiden zusammen über die Ebene hin, immer weiter hinein in die Steppe.
.Wir bekommen Sturm", sagte Horvath und zeigte nach den Wolkenbollen, die von Westen yeraufstiegcn.
Eine halbe Stunde später brauste es auch schon über sie hin, dost sie Mühe hatten, sich im Sattel zu halten.
.Reite dicht hinter mir, Rosmarie, ganz dicht", befahl Guido. Rosmaries Haar lag wirr und ungeordnet um die Schläfen, und die blonden Zöpfe glitten vom Racken nach dem Rücken hinab.
Horvath wandte sich nach ihr um und gewahrte ihr ruhiges, wenn auch etwas bleiches Gesicht, mit dem sie nach dem Himmel spähte.
Dann ein Aufschrei! Vornüber schleuderte der Hengst die leichte Mädchengestalt auf die rissige, horte Erde. Guidos Pferd stand, als hätte es ein Kommando vernommen. 3m nächsten Augenblick neigte sich der Künstler bereits über das Mädchen. „Bist du vevleht?"
Rosmarie schüttelte den Kopf, versuchte sich aufzurichten und glitt mit einem Stöhnen in die Knie zurück. „Es geht nicht. .3ch must mir etwas verstaucht haben."
„Du blutest auch." Er hatte bereits seinTaschen- tuch gezogen und tupfte ihr über die Schramme an den Schläfen. „Was machen wir nun? Cs wird
daS beste tAn, wenn ich dich trage. Wir haben keine Zeit zu verlieren." Er sah nach dem Himmel, der sich immer mehr mit schwarzem Gewölk überzog. „Oder wollen wir versuchen zu reiten? Das heißt, ich werde den Hengst führen daß du nicht stürzest. 3a? Wollen wir s versuchen, Rosmarie?" Er nahm sie ohne weiteres auf und hob sie in den Sattel. „Geht es?"
Sie verbiß den Schmerz, der ihr wie ein schneidendes Messer in den Hüften wühlte. „Steig auf, Guido. Es erwischt uns sonst."
Angstvoll sah sie nach dem dräuenden Himmel über sich. Er ging noch immer, die Zügel führend, neben ihr her und überlegte. Er bemerkte, wie ihre Lippen erblaßten und ihre Augen zu flimmern begannen. „Ich setz mich zu dir, Rosmarie! So hast du wenigstens etwas Halt und den Wind nicht so prall gegen die Brust. Es schüttelt auch weniger."
3m nächsten Augenblick sahen sie zu zweien auf dem Hengst, während Horvaths Pferd fromm neben ihnen trabte. Den Arm um das Mädchen geschlungen, ließ der Geiger das Tier ausgreifen, daß die schwarze Erde wie Asche nach allen Seiten stob.
Aber es nützte nichts, die verlorene Zeit ließ sich nicht wieder hereinbringen. Schon nach zehn Minuten fielen die Hagelkörner in Taubeneier- gröste. Rosmaries Hand fuhr nach dem Gesicht, in das die harten Schloßen prasselten.
Horvath riß den Rock ab und deckte ihn über sie. „Drück dich an mich! Ganz fest! Roch fester!" Mit weitofsenen Augen sah er nach einer Unterkunft aus, die ihnen einigermaßen Schutz gewähren konnte.
Richts als die schwarze vertrocknete Erde war zu sehen. Die Tanjen lagen weit, Wohl Stunden noch. Die Csarda zu erreichen, war unmöglich. Sie stand noch viel tiefer landeinwärts. Keine Hütte! Kein Zelt! Kein Pferch, der wenigstens ein Dach bot und Schuh vor dem Sturm gewährte!
Rosmarie stöhnte. „Guido — ich kann Vicht mehr."
„Schmerzen?"
Es kam keinerlei Antwort, aber das erneute Stöhnen war beredter als tausend ja. Aus dem Sattel springend, warf er rasch einen Blick nach dem Himmel, der sich in einem Aufruhr ohnegleichen befand. Während der Sturm wie ein Höllenspuk über sie hinbrauste, hob Guido Rosmarie vom Pferd. Die Pferde drückten sich eng aneinander, um mehr Windschutz zu bekommen und die Warme ihres Körpers zu fühlen.
Cs schien, als ob die beiden Pferde in dieser Stunde die Zweisamkeit als Beruhigung empfänden. 3hre Flanken zitterten zwar und der Schaum quoll ihnen weiß und gischtig aus den Mäulern, aber sie liehen sich willig zusammenbinden und standen gehorsam still, als Horvath den Mädchenkörper hinter ihre dampfenden Leiber bettete.
Kein Zeltdach hätte sie besser zu schützen vermocht. Konnte der Geiger auch den Sturm nicht von ihr abhalten, so prasselten die Schloßen doch nicht mehr so unbarmherzig auf sie hernieder und trafen nur seinen und der Pferde Rücken. Seine 3acke hatte er Rosmarie als Decke übergebreitet.
Das Gesicht eng an seine Schulter gelehnt, streichelte sie seinen Arm. „Es tut mir so leib, daß ich dir nun eine solche Last bin, Guido."
„Wir müssen das Aergste abwarten", sagte er gütig und neigte sich dicht über sie, damit die Hagelkörner, die auf seine Schulter prasselten, nicht auf sie treffen konnten. Als sie die Augen zu ihm aufhob, sah er, daß sie weinte.
Seine kalten Finger wölbten sich -um ihre Wan- gen. „Rosmarie! Liebes!" Dann preßten sich seine Lippen hart aufeinander und die Augen irrten über den schlanken Mädchenkörper hinweg. Genau so hatte Raja sich einmal an ihn gedrängt. Genau solch ein Gewitter war über sie hinweggebraust, als er schuldig an ihr geworden war.
Eine Frage Rosmaries riß ihn jäh in die Wirklichkeit zurück. „Guido, hast du schon einmal jemand zum Sterben liSb gehabt?"
Cs kam keine Erwiderung.
„Sag, Guido!"
„3a.“
Der Mädchenkörper schauerte zusammen. Rosmaries Augen schlossen sich und taten sich wieder auf, bis sie seinen Kuß auf der Stirne fühlte. „Ich glaube, wir können wieder reiten. Der Sturm hat fast alles Gewölk mit sich fortgerissen. Es hagelt auch nicht mehr."
Richts in seiner Stimme verriet den Kampf, der soeben in feinem 3nneren getobt hatte. Er war ganz Ruhe und Ausgeglichenheit und fand sogar ein Lächeln des Lobes für Rosmarie, die wieder im Sattel saß, während er ging und den Hengst am Zügel führte.
„Guido!" Das Mädchen beugte sich »u ihm herab und hatte ein feines Rot auf den Wangen. „3ch möchte dich so gerne zum Freunde haben."
Er nickte, verhielt den Schritt des Pferdes und küßte den Mund, der sich ihm so vertrauensvoll bot „Auf treue Freundschaft, Rosmarie!"
Ein Leuchten stand in ihrem Gesicht. „Unö nickt wahr, Guido, wenn dich nun etwas drückt, was es auch fei, irgend etwas, dann sagst du mir's. llnb wenn ich einmal etwas erfahren sollte, ein großes Leid vielleicht, bann will ich zu bir kommen unb mich bei bir ausweinen."
„3ch danke bir, Rosmarie." Er nahm ihre beiden Hände an sich und preßte seine Lippen darauf, immer und immer wieder. Plötzlich sah er auf und strich sich das nasse Haar zurecht.
Querfeldein kam ein Mann auf einem sattel- losen Pferd gejagt und hielt direkt auf sie zu. Cs war ein Knecht, den Aga in ihrer Angst auf die Suche geschickt hatte.
„Vor zwei Stunden ist ein Telegramm von de, Station gekommen", meldete er mit einem breiten Lachen und wischte sich mit dem Aermel über das schwitzende Gesicht. „Der Herr Professor unb der junge Doktor kommen morgen. Run schießt bie Aga wie der Leibhaftige durchs Haus unb stülpt bas ilnterfte zu oberft unb ist wie eine Henne, bie nicht weiß, wo sie ihr Ei hinlegen fall?*
„Wann kommt mein Vater?" Rosmaries Augen hingen starr an feinem Munbe.
„Morgen abenb."
„Guido!"
Der Knecht zwinkerte mit ben Augen, als er sah. wie Rosmarie bie Hänbe um Horvaths Gesicht legte unb ihm zwischenhinein unter Lachen unb Stammeln bie Lippen küßte.
Bela Szengeryi würbe schauen, wenn er zurück« kam! Der würbe schauen!
Zwei Stunben später trennte sich Horvath am Gartentor von dem jungen Mädchen. Er wollte nicht mit ins Haus kommen. Seine Kleiber trieften vor Raffe, austerbem würbe Aga heute kicher Feuer unb Schwefel auf jeben Gast berabbe- schwören, der ihr etwa eine ihrer kostbaren Minuten wegstahl. Er bat nur, feine Grüße zu bestellen.
Bevor Rosmarie die Haustüre hinter sich zuklappte, winkte fic noch einmal nach dem Geiger zurück. Er stand mit dem Hute in der Hand und wartete, bis nichts mehr von ihr zu sehen war. Als er die steifen Finger in feine Rocktasche gleiten lieh, fühlte er einen ihrer Handschuhe, ö-.e sie abgeftreibt und ihm zum Ausbewahren übergeben hatte.
Mit geschlossenen Augen preßte er das duftende Leder für eine Sekunde an die Lippen. Dann ging er mit raschen Schritten den Wcq nach der Tanja feiner Großmutter und sah weit draußen in der Ebene drei Punkte ineinander verschwimmen.
Es war der Knecht, der die Pferde zur Koppel zurückbrachte.
War das nicht ein Stöhnen gewesen? — llnb wieder?
Horvath verhielt den Fuß und horchte in das Dämmer. Es war nichts mehr zu hören. Kopfschüttelnd schickte er sich wieder zum Gehen an, als abermals der gleiche Ton an fein Ohr drang.
Kam er aus dem Munde eines Menschen? Aus der Brust eines Tieres? War ein Vogel am Verenden? War jemand in Rot?
Träge schleppte sich der Hortobagy dahin. Geheimnisvoll rauschte das Schilf und neigte sich mit graubraunen -Wedeln flüsternd gegeneinander.
Plötzlich ein Schrei in höchster Bedrängnis!
lFortsetzung folgt.)
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Zwangsversteigerung.
Das nachstehend bezeichnete Erbbaurecht, das zur Zeit der Eintragung des Versteige. rungsoerinerks auf den Namen von Schön, Luise, geb. Ranft, Ehefrau des Heinrich Schon, im Grundbuch eingetragen war, soll
Freitag, den 11. Dezember 1931 vormittags 9 Uhr
durch das unterzeichnete Gericht im Sitzungssaal, Zimmer Nr. 1, versteigert werden. 6914D
Die Versteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvollstreckung.
Der Versteigerungsoermerk ist am 12. Oktober 1931 in das Grundbuch eingetragen worden.
Insoweit Rechte zur Zeit des Versteigerungsvermerks aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, sind sie spätestens im Versteigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berück- sichtig! und bei der Verteilung des Ver- steigerungserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt werden.
Es ist zweckmäßig, schon zwei Wochen vor dem Termin eine genaue Berechnung der Ansprüche an Kapital, Zinsen und kosten der Kündigung und der die Befriedigung aus dem Grundstück bezweckenden Rechtsverfolgung mit Angabe des beanspruchten Ranges schriftlich einzureichen oder zu Protokoll der Geschäftsstelle zu erklären.
Diejenigen, welche ein der Versteigerung cntgegenstehendes Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des Zu- jchlags die 'Aushebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der Versteige- rungserlös an die Stelle des versteigerten Gegenstandes tritt.
। Lich, den 5. Oktober 1931. hessisches Amtsgericht.
Bezeichnung der Grundstücke.
Erbbau-Grundbuch für Lich Band XV, Blatt 1438.
Erbbaurecht, das auf dem Grundbuchblatt Nr. 1443, Ordn. Nr. 21/30 der II. Abteilung als das Grundstück
Ordn.-Nr. 1 Flur I, Nr. 850, Kulturart 61/100 hofrcitc, Gewann In den Brennofengärten, 259 qm, Grabgarten 397 qm. Betrag der Schätzung 9500,— Reichsmark,
belastend eingetragen ist und den aus der Ordn.-Nr. 1 in Abt 1 von Blatt 1438 er sichtlichen Inhalt hat.
Offenlegung öet MleM
für die
Landtagswahl am 15. November 1931.
Die Wählerliste für die zu? hessischen Landtagswahl in der Stadt Gießen mit Gemarkung Schiffenberg und herrnwald stimmberechtigten Personen liegt von Sonntag, den 18. Oktober, bis einschließlich Sonntag, den 25. Oktober 1931, auf dem Wahlamt im Stadthaus, Bergstraße 20 — Zimmer Nr. 13 —, werktags von 8 bis 13 Uhr und 15 bis 18-% Uhr, Samstag, den 24. Oktober 1931, nur von 8 bis 13 Uhr, an den beiden Sonntagen von 9 bis 13 Uhr zu jedermanns Einsicht offen.
Einsprüche gegen die Richtigkeit der Wählerliste sind innerhalb der Offenlegungsfrist bei Meiduna des Ausschlusses bei dem obengenannten Wahlamt schriftlich oder mündlich zu erheben. Soweit die Richtigkeit einer Behauptung nicht offenkundig ist, sind Beweismittel beizubringen. Wird ein Einspruch nicht sofort für begründet erachtet, so entscheidet über ihn der Kreis- ausschuß endgültig. 6905C
Gießen den 16. Oktober 1931. Bürgermeisterei Gießen. ___________I. V.: Dr. Seid.___________
Bekanntmachung.
Die Firma Schulz & Dung in Gießen, Lbelstraße 22, ist zur Ausführung von Anlagen im Anschluß an das Gas- und Wasserwerk der Stadt Gießen auf Grund der Bestimmungen vom 16. Juni 1925 zu- gelassen worden. 6904D
Gießen, den 15. Oktober 1931.
Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. S t e d i n g.
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