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Sauerbreh in Prag verhaftet. Der Angeklagte Wädje war feit 1912 Prokurist bei der Favag unb auch Vorstandsmitglied der Berlinischen Preußischen Lebensversicherungs-AG. Seine Be­züge vor dem Zusammenbruch stellten sich auf rund 1 00 000 Mark. Lieber das frühere Vorstandsmitglied B e ck e r. dessen Verfahren ab­getrennt wurde, wurde mitgeteilt, daß er seit 1892 in der Favag tätig gewesen sei. Er hatte ungefähr die gleichen Bezüge wie Lindner. Hierauf wurde in kurzen Zügen ein Bild von der Entwicklung des Konzerns gegeben, der aus der im Jahre 1865 gegründeten Frank­furter Glasversicherungs-Gesellschaft hervorge- gangen ist und sich im Laufe der Jahrzehnte, besonders in den Jahren nach dem Kriege, zu einem Riesenunternehmen mit 250 Mill. Mart Aktienkapital herausgebildet hat. Sämtliche An­geklagten gaben die Erklärung ab, das; sie sich bei sämtlichen ihnen zur Last gelegten Vergehen als nicht schuldig bekennen: lediglich Sauer- b r e y gab seine Schuld bei einer Reihe von Einzelfällen zu.

Dr. Kirschbaum betonte, daß die einzelnen stell­vertretenden Direktoren der Favag keinen lleber-

bllck über die Geschäfte des Vorstandes haben konnten, da sie nur als Abteilungsdirektoren fungierten. Der verstorbene Generaldirektor Durncke habe alle Fäden in seiner Hand gehabt und eine vollkommen autoritative Gewalt aus- geübt.

Er hoffe, daß sich in Zukunft Gelegenheit finden werde, von all den Machinationen hinter den Kulissen zu sprechen, von der Rolle des Aufsichtsrats und der eines anderen großen Konzerns. Er werde den Beweis erbringen, daß alles, was ihm vorgeworfen würde, bagatcllmäßig sei im Vergleich zu Vor­gängen im Danklebcn der Rachkriegszeit, in denen kein Mensch eine Untreue erblickt habe.

Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Mes­serschmitt, gab bekannt, daß Freitag und Samstag keine Verhandlungen stattfinden, da man das für heute vorgesehene Pensum erledigt habe. Am Montag wird der Prozeß fortgesetzt, wobei die ersten Sachverständigen zu Wort kommen.

Wirtschaft.

Weitere Freigabe der Markguthaben.

Berlin, 15. Oft. Auf Grund der im Baseler Abkommen getroffenen Abmachungen sind heute weitere!5v. H. von dem in Deutchland stehen­den Markguthaben der ausländischen Gläubiger freigegeben worden. Die ausländischen Markguthaben wurden Mitte Juli mit 739 Millionen Mark beziffert. Inzwischen wur­den 25 v. 5). oder 185 Millionen Mark freigegcben. Die weitere Freigabe von 15 v. H. dürfte Devisen­verluste von etwa 83 Millionen Mark mit sich bringen, die allerdings nicht in diesem Betrage in den Ausweisen zutage treten müssen. Seit dem letzten Ausweis hat sich bei der Reichsbank ein weiterer Devisenverlust ergeben. Da kaum anzu­nehmen ist. daß heute bereits die gesamten 15 v. H. der Markguthaben abgezogen werden, der morgige Tag aber nicht mehr in den Medioausweis der Reichsbonk enthalten ist, würden also die auslän­dischen Dispositionen über die Markguthaben erst im übernächsten Ausweis der Reichsbank zu Tage treten. Die Entwicklung der Devisenlage hat, wie

bereits gemeldet, zu Maßnahmen gegen säumige Devisenablieferer geführt.

Keine Anspannung im Genoffenschafiskredit.

Berlin, 15. Ott. (ERB.) Zeitungsmeldungen über eine angeblich geforderte Hilfsaktion für die Kreditgenossenschaften ent­sprechen, wie WTD.-Handelsdienst erfährt, nicht den Tatsachen. Rach Mitteilung von maßgeblicher Seite haben die Liquiditätsreserven der beiden zentralen Kreditinstitute des Genossenschafts- wesens, der Preußenkasse und der Dresdner Dank, bisher für die Befriedigung erhöhter Kredit­ansprüche ausgereicht und lassen trotz der stär­keren Abzüge nicht einmal eine das Rormalmah übersteigende Anspannung erkennen. Im Gange befindliche Verhandlungen haben keineswegs eine Hilfsaktion zum Gegenstand. Es soll lediglich alle Vorsorge getroffen werden, daß bei weiterem Anwachsen der Kreditbe­anspruchung allen Anforderungen der Wirt­schaft voll Rechnung getragen werden kann.

Oer Kampf um das Gold

schaftliche Gestaltung dieser Länder eher schädlich, als nützlich. Insoweit das Mißtrauen der in­ländischen Einleger in die Stabilität der Depo­sitenbanken zur Hamsterung von Zahlungsmitteln oder Gold führt, haben die Zentralnotenbanken keinerlei Veranlassung, diesem Bestreben ent­gegenzutreten. Im Gegenteil: Das Publikum wird um so eher von einem Run abstehen, je bereit­williger Bargeld zur Verfügung gestellt wird. Insoweit es sich um internationaleGold- a b z ü g e handelt, sind sowohl die Vereinigten Staaten, als auch Frankreich in der Lage, einer sehr weitgehenden Reduktion ihrer Goldbestände zuzusehen. In beiden Ländern sind die G o l d - bestände größer als die kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland, nötigenfalls könnte zu einer vollen Auszahlung der Auslandkredite geschritten werden.

Diskonterhöhung in den USA.

Reuyork, 15. Off. (1BIB.) Die Reuyorker vundesreservebank hat ihren Diskontsatz von 24 v. h. auf 34 v. h. her au f gefeilt, nachdem erst vor acht Tagen eine Diskonterhöhung um 1 o. h. auf 24 v. h. erfolgt war.

Wachsende Goldabzüge haben die Federal Reserve Bank in Reuyork veranlaßt, ihren Diskont von 1,5 auf 2,5 v. H. zu erhöhen. Diese Maßnahme beantwortete die Bank von Frankreich «mit einer Steigerung ihres Diskonts auf ebenfalls 2,5 v.H. Der Kampf um das Gold, so wird im Wochenbericht des Instituts für Konjunkturforschung ausgeführt, ist damit, nachdem er Oesterreich, Deutschland und Groß­britannien auss schwerste in ihrer wirtschaftlichen Stabilität bedroht hat, in eine neue und viel­leicht entscheidende Phase eingetreten. Der in der jüngeren Geschichte einzigartig dastehende Preissturz hat bereits jetzt zu einer verhäng­nisvollen Entwertung der Kredit­unterlagen geführt. Die Folge ist eine kaum jemals gekannte Jlliquidisierung, von der auch die Danken der großen Gläubigerländer nicht verschont bleiben. Die Zinsverteuerung arbeitet einer Wirtschaftserleichterung aufs schwerste ent­gegen. Sie verstärkt den auf der Wirtschaft lastenden Deflationsdruck und treibt gerade diejenige Entwicklung weiter, die den Anlaß der gegenwärtigen Vertrauenserschütterung bildet. Eine Verteidigung der Goldbestände durch die großen Gläubigerländer ist für die innerwirt-

Oie deutschen Börsen.

Berlin wartet ab.

Berlin, 16. Ott. (WTB. Funkspruch.) Der heu­tige Freiverfehr eröffnete in sehr abwartender Hal­tung. Man wollte anscheinend vor den Entscheidungen im Reichstage keine Neuengagements mehr ein» gehen. Das Geschäft bewegte sich daher in sehr ruhi­gen Bahnen bei Kursen, die meist noch etwas unter denen des gestrigen Adendoerkehrs lagen. Besonders siel einiges Angebot in Siemens und Schultheis auf, die sich etwas größere Kurseinbußen gefallen lassen mußten. Gut behauptet lagen JG.-Farben. Aber auch für festverzinsliche Werte überwog heute zunächst das Angebot, und man führte dies darauf zurück, daß der Gedanke einer Zwangskonoertierung jetzt bei den zuständigen Stellen langsam festere Formen anzu­nehmen scheint. Richt ganx ohne Einfluß blieb na­türlich auch die abermalige Diskonterhöhung der Reuyorker Bundesreservebank. Obwohl man davon überzeugt ist, daß diese Maßnahme sich in erster Linie gegen Frankreich richtet und weitere Gold- Verluste verhindern soll, so weiß man doch nicht, meldje Folgen dieser Kampf zwischen der Bank von Frankreich und der Reuyork Federal Reserve Bank für die zukünftige Diskontpolitik der Deutschen Reichsbank haben könnte. Interessant ist nur, daß audj die valutastarken Länder Schutzmaßnahmen er­greifen müssen, die Deutschland bereits hinter sich hat. Wenn es gelingt, die deutsche Außenhandelsbilanz so aktiv zu halten wie in den letzten Monaten, dürfte es nicht schwerfallen, dem Auslande gegenüber laufend unseren Verpflichtungen nachkommen zu können. Ohne daß ein ersichtlicher Grund Vorgelegen hätte, zogen die Kurse in den Mittagsstunden wieder etwas an, wobei das Vortagsnioeau meist wieder erreicht wurde. Vielleicht, daß das Zeichnungsergeb­nis der Reichsbahnanleihe, das nach unseren Infor­mationen 140 Millionen Reichsmark beträgt diesen Stimmungsumschwung herbeigcführt hat da'es der Reichsbahn nunmehr möglich sein dürfte, ihr Ar- beitsbeschaffungsprygramm in vollem ' Umfange durchzuführen.

3n den Mittagsstunden war die Tendenz im Der- kehr von Telephon zu Telephon mehreren Schwan­kungen unterworfen. Die Umfatztätigkeit war ziemlich lebhaft: auffallend schwach lagen Schultheiß wäh­rend sonst im allgemeinen das gestrige Niveau ge­halten blieb. Am Geldmarkt horte man für Tages- gelb einen Satz von 9 bis 10 v. H. und darunter, der Privatdiskont notierte unverändert 8 o Sy Am D c vif enrnarkt notierte das Pfund entsprechend der internationalen Bewegung 3 Pfennig niedriger von den Rovddevifen verloren Kopenhagen und Oslo je 25 Pf. und Stockholm 50 Pf Fester lag dagegen

Devise Palin (Estland) und Wien, das auf 56,75 nnzog. Die heutige Londoner Börse eröffnete in stetiger Haltung. Eine Geschäftsbelebung trat jedoch nicht ein. Auch Amsterdam war bei sehr ruhigem Geschäft kaum verändert.

Stärkste Zurückhaltung in Frankfurt.

Frankfurt a. M., 15. Oft Der heutige Frei- verkehr von Bureau zu Bureau kennzeichnete sich vor allem durch sehr ruhiges Geschäft. Man übte allgemein stärkste Zurückhal­tung, da sich die innenpolitische Situation durch die unentschiedene Haltung dar Landvolk- und der Wirtschaftspartei zur Regierung zweifelsohne ver­schärft hat. Bei unverkennbarer Unsicherheit neigte die Tendenz für Aktien eher weiter zur Schwache, während sich seitens des Publikums wieder grö­ßeres Interesse für festverzinsliche Werte be­merkbar macht. Gegen die schon schwachen Kurse des gestrigen Rachmittags ergaben sich heute meist nochmals kleine Rückgänge um bis zu zwei Proz., wobei einige Elektropapiere besonders unter Druck standen. Rennenswertes Angebot lag aber nicht vor, es handelt sich meist nur um weitere kleine Realisationen. Einige Rachfrage machte sich da­gegen für vchuckert bemerkbar. Am Rentenmarkt erhielt sich besonders für Liquidationspfandbriese gute Rachfrage, die erneut um etwa 1 bis 1,5 Prozent anzogen, während 8prozentige Serien ihren gestrigen Kursstand gut behaupteten.

Sie ausländischen Börsen.

Die gestrige Londoner Börse war wieder zu Beginn sehr ruhig, und auch in Ql m ft e r b a m war das Geschäft bei der Dörseneröffnung gering, wobei die Kurse meist etwas schwächer lagen. Der uneinheitliche Verlauf der ReuyorkerBörse enttäuschte, da man nach der Gründung der Na­tional Credit Corporation mit einer längeren Bes­serung gerechnet hatte.

Das englische Pfund war gestern gegen vor­gestern kaum verändert, gegen den Dollar stellte es sich auf 3.87 arv Aus Amsterdam kommt die Reichsmark mit 56.70 fester, da man mit einem Sieg der Regierung Brüning rechnet. Der Dollar war in Amsterdam wieder angeboten und ging auf 246,50 zurück. In London blieb die Reichsmark mit 16,87 1/i unverän - dert.

3m Verlause war die L o n d o n e r D ö r s e auf einen zuversichtlichen Ton gestimmt, doch ergaben sich keine nennenswerten Schwankungen. In Londoner Kreisen haben die neuen Devisen­restriktionen in Argentinien keinen guten Eindruck

hinterlassen. Die Regierung beabsichtigt, wei­tere Maßnahmen zur Verbesserung des Außenhandels zu ergreifen. Sie hat einen neuen lOprozentigenWertzoll ein- getührt, von dem nur Kohlen. Koks und S ch iff s b a uma t c ri a I i en ausgenom­men sind. Die Londoner Börse schloy wieder m freundlicher Stimmung, doch war das Geschäft weiter sehr ruhig. Die P a r i s e r und die Brüs­seler Börse waren schwächer gestimmt, doch waren die Kursverluste im allgemeinen nicht er­heblich. Die Amsterdamer Börse lag fest, das Geschält, das im Verlause etwas leb hat ter war, ließ zum Schluß aber wieder nach. Die Reu­yorker Börse eröffnete in fester Tendenz, die Auslandverkäufe scheinen nachgelassen zu haben.

Am internationalen Devisenmarkt waren gestern stärkere Bewegungen nicht zu ver­zeichnen. Das Pfund stellte sich auf 3.8765 gegen Dollar, die Reichsmark lag in Reuyork mit 23,10 fester als vorgestern, die Rorddevisen waren an allen Plätzen kaum verändert. Buenos hat sich am Spätnachmittag in London auf 32,81 becftigt.

Devisenmarkt Berlin Frankfurt a. M.

15 .Df ober

16. Df lob«

Amtliche Notierung

Amtliche Notierung

Geld Arie«

<»flb

3ric

Heliingsors .

8.49

8.51

8.44

8,46

Wien. . .

55,84

55,96

56.69

56.81

Prag . . .

12.47

12,49

12.47

12,49

Budapest . .

73,28

73,42

73.28

73.42

Sofia . . .

3.072

3.078

3,072

3.078

Holland . .

170.78

171.12

170,78

171,12

Dilo . . .

Kopenhagen.

92.91

93,09

92,66

92.84

93,16

93,34

92,91

93,09

Slocldolm

98,15

98,35

97.65

97,85

London. . .

Buenos Aires

16.30

16,34

16.27

16.31

0.963

0,967

0,963

0,967

Neuvort

4.209

4.217

4.209

4,217

Brüffet. . .

59.04

59,16

59,04

59,16

Italien. . .

21,78

21.82

21,78

21,82

Daris . . .

16.66

16,70

16.65

16.69

Säiwei; . .

82.52

82.68

82,52

82,68

Spanien . .

37.96

38.04

37.96

38.04

Danjig. . .

82,42

82.58

82.42

82.58

Japan . . .

2,078

2,082

2.078

2.082

Rio de Ian..

0.249

0,25

0,250

0,252

Jugoslawien.

7.473

7,487

7,473

7.487

Liliadoo . .

14.84

14.86

14.84

14,86

Banknoten.

Serlln, IS Ohober

«etd

Amerikamiche Ncten . . .

4,20

4,22

Belgische Roten.....

58.88

59,12

Tänlsche Noten.....

92.9°

93,34

Englische Noten.....

16,26

16,32

iZranzüsische Noten ....

. - .

16.65

16,71

Holländische Noten ....

70,41

171,09

Italienische Noten ....

21.81

21.89

Norwegische Noten....

92.71

93.09

Deutsch-Oesterreich, i 100 Schilling

Rumänische Noten........

55.63

2,54

55,87

2.56

Schwedische Noten ....

97,95

98.35

Schweizer Noten.....

82,34

82.66

Spanische Noten.....

37,79

37.95

Ungarische Noten ....

- . .

72.75

73.15

Oberbeffen.

Landkreis Gießen.

D Langsdorf, 15. Oft. Der Landwirt Karl Lehrmund von hier hat sein Besitztum an Aeckern, Wiesen und die Hofreite verkauft und sie­delte in diesen Tagen nach Mecklenburg über, wo er in Per nick ein Gut von 216 Morgen mit Hofreite, totem und lebendem Inventar, bestehend aus 4 Pferden, 13 Stück Rindvieh und 8 Schwei­nen, zum Preis von 41 000 Mark käuflich erworben hat. In der Röhe feiner neuen Heimat hat sich vor einiger Zeit ein Landwirt aus Großen-Lin­de n angesiedelt, dem es dort auch gut gefällt.

ch Aus der nördlichen Wetterau. 15. Ok­tober. Die Preise für Schlachtschweine bewegen sich in absteigender Linie. Gegenwärtig werden von Händlern und Metzgern 48 bis 52 Pf. für das Pfund Lebendgewicht bezahlt. Das Angebot übersteigt die Nachfrage. Auch die Preise für Schlachtrinder und Schlachtkühe sind gefallen, so daß die Metzaer die F l e i s ch p r e i f e um 10 P f. für das Pfund gesenkt haben.

Mrcie Kricdverg.

WSR. Friedberg, 15. Okt. -Heute waren es fünfzig Jahre her, daß die Eisen­bahn st recke Hanau Friedberg dem Verkehr übergeben wurde. Mit der Eröffnung der "Bahn war die Verbindung von Hanau an die MainWeserbahn bei Friedberg geschaffen. Die Strecke HanauWindecken war bereits am 22. Ro- vember 1879 dem Verkehr übergeben worden. Am 15. Oktober 1881 wurde dann die Gesamtstrecke Hanau- Friedberg befahren.

preutzen.

Kreis Wetzlar.

3 Krofdorf, 15.01t Aus der letzten Sitzung der Gemeindevertretung von Krofdorf- Gleiberg ist folgendes zu berichten: Der durch ein Unwetter geschädigten Gemeinde Rockenhausen in der Pfalz wurden 30 Mark Unter ft Übung bewilligt. Von einer Haussammlung für diese Ge­meinde wurde wegen der dazu erforderlichen behörd­lichen Genehmigung abgesehen. Für die Winterhilfe der Notleidenden wurde die Durchführung einer Haussammluna beschlossen. Durch eine Be­kanntmachung will Die Vertretung diejenigen Ein- wohner, die ihre Beschäftigung bei den diesjährigen HolzsäUungsarbeiten im Gemeindewald wünschen. Zur Anmeldung bei dem Holzhauermeister auffordern lassen. Zum Schlüsse wurde über eine Anzahl Steuer ft undungsL/suche Entscheidung ge­troffen.

Tagungen der Angestellten.

Kreistagung des DHD.

Am Samstag und Sonntag fand in Fried- berg ein von allen Ortsgruppen des Kreises Mittelhessen im DHV. beschickter Kreistag statt. Auf der Mitarbeiterbesprechung am Samstag sprachen Gauvorsteher Auerbach - Frankfurt überAlt und jung im Verband", Geschäfts­führer Klein- Frankfurt 'berichtete über die finanzielle Lage im Verband.

Am Eonntagmorgen eröffnete vor 170 Ver­tretern Herr Deuter- Gießen den Kreistag mit einer Würdigung der vielseitig geleisteten Arbeit im vergangenen Geschäftsjahr. Kreis- bildungsobmann W i ß n e r - Marburg berichtete über die umfangreiche Bildungsarbeit, besonders in beruflicher und nationalpolitischer Hinsicht. Kreisjugendführer Bepperling - Gießen schil­derte die erfolgreiche Jugendarbeit. Gaufirmen­leiter Harberts - Frankfurt berichtete über den Ausbau der Scheinfirmenarbeit. Bei den Wahlen für den Kreisvorstand ergab sich die Wahl des Kollegen Ebel- Wetzlar zum 1. Kreis­vorsteher. Reugewählt werden als Kreiswerbe­obmann Peter Essel- Friedberg und als Kreis- jugendführer M ö h l - Gießen. Gauvorsteher Auerbach würdigte dann die großen Ver­dienste des Herrn Fritz Hirsch» Gießen, der neun Jahre Ehrenämter im Gau Main-Weser bekleidete.

Kreisgeschäftsführer S ch r o e d e r-Gießen hielt sodann einen Vortrag über die gewerkschaftliche und sozialpolitische Lage. Der Kreistag faßte mit großer Einmütigkeit folgende

Entschließung:

Die am 11. Oktober in Friedberg zum mittel- hessischen Kreistag des DHV. versammelten Kauf­mannsgehilfen sehen in dem neu entbrannten Kamps weiter Wirtschaftskreise gegen den Ta­rifvertrag eine ernste Gefahr für die wirt­schaftliche und politische Entwicklung. 2n einer Zeit, in der Großbanken, Industrie und Land­wirtschaft durch Staatszuschüsse, Subventionen und Zölle geschützt werden, darf, wenn der Glaube an die Gleichberechtigung aller °6t. a. .bürget und an den Staat nicht völlig verloren gehen soll, der staatliche Schutz der Löhne und Gehälter nicht weiter verringert, oder gar beseitigt wer­den. Deshalb protestieren die Versammelten auch gegen alle Versuche, baä Schlichtungswesen zu ändern, oder gar zu beseitigen, solange nicht gleichwertige Einrichtungen auf arbeitsgemein­schaftlicher Grundlage im Rahmen gesetzlicher Bestimmungen geschaffen sind. Eine weitere Schmälerung des Angestelltengehaltes, das be­reits durch Abbau tariflicher Leistungssähe. Kurz­arbeit, durch hohe Beiträge zur Arbeitslosen­versicherung, durch Krisensteuer usw. tote tn kei­nem anderen Beruf gekürzt ist, würde nicht nur einen für Deutschlands Wiedererstarkung wirt­schaftlich und politisch wichtigen Beruf in den sozialen Abgrund führen, sondern auch den In» nenmarlt und damit die Produktion weiter un­günstig beeinflussen, ohne zu wesentlicher Selbst- iostenverringerung zu führen.

Die Versammelten verlangen von der Gesetz­gebung Maßnahmen, die der Erhaltung und Vermehrung der Arbeitsplätze die­nen. Schon längst hätten, und sei es durch Rot- Verordnung, Bestimmungen gegen die Beschäf­tigung von Doppelverdienern erlassen werden müssen. Als Grundlage dafür können u. a. die eingehenden, der Reichsregierung bekannten For­derungen des DHV. zum Ausbau des BRG. und zur gesetzlichen Gewährleistung eines festen Mo­natsgehaltes für Kaufmannsgehilfen dienen.

Die Versammlung fordert alle KaufmannS- gehilfen auf, sich gegen gefetj- und tarifwidrige Zumutungen in den Betrieben mit allen Kräften zur Wehr zu setzen und Vertragstreue auch von der Arbeitgebern zu fordern. Im übrigen ist der

DHV. nach wie vor bereit, in unmittelbarer Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern alle schwe­benden sozialpolitischen Fragen zu regeln, soweit dies im Gesamtinteresse der Wirtschaft, zu der auch die Arbeitnehmer gehören, vertretbar ist."

Gauvorsteher Auerbach spricht.

Im Anschluß daran kennzeichnete Gauvor- steher Auerbach die weltwirtschaftliche Ver­schiebung in der RachkriegSzeit. die durch die Auswirkung des Weltkrieges. die deutschen Tri­butlasten und internationalen Schuldverslechtun- gen entstanden ist. Er warnte vor einer Ver­kennung der Bedeutung der christlich-nationalen Arbeitnehmerschichten. Die Gewerkschaften seien ein bedeutender Machtsaktor, die sich unter fei­nen Umständen bei der Lösung der wichtigen staats- und wirtschaftspolitischen Fragen auS- schalten liehen, was in dieser ernsten Stunde mit aller Klarheit gesagt werden müsse.

Der Rachmittag war vornehmlich den Fragen der jüngeren Generation gewidmet. Gauvorsteher Auerbach hielt ein Referat überZiel und Aufgaben der jüngeren Kaufmannsgeneration". Der DHV. sehe die heutige Zeit nicht als Unter* gangszeit. sondern als einen großen Uebergang zu neuen politischen und wirtschaftlichen Formen, in dem die junge Generation eine wichtige Auf­gabe zu erfüllen habe.

Unter der Parole:Freier Stand im freien Staat" stand die ganze Tagung, die in harmoni­scher Weise unter lebhafter Anteilnahme an der Aussprache durchgeführt wurde.

Forderungen des GOA.

Die hessische Führerschaft des Gewerkschafts- bundesderAnge st eilten (GDA.) Hal wie man uns berichtet am Sonntag im Rahmen einer GefamtGauvorstandssitzung zu der gegenwärtigen wirtschafts. und sozial­politischen Lage Stellung genommen. Die Berichte aus den verschiedenen Gebietsteilen zeigten übereinstimmend, daß sich der Angestelltenschaft In Hessen eine starke Erregung bemächtigt habe ange­sichts der tiefgehenden Bedrohung ihrer Existenz, die sich aus den Maßnahmen der Regierung und den Forderungen der Arbeitgeber ergebe. Zn erster Linie werden sofort wirksame Maßnahmen verlangt, die das gegenüber dem Weltmarkt stark übersteigerte inlandischePreisnioeau zugunsten des hei­mischen Marktes mindern, damit jenes ungeheure Mißverhältnis, das sich zwischen den Lebenshai- tungskosten auf der einen Seite und den Ge­haltsbezügen der Angestellten auf der andern Seite herausgebildet habe, in ein gesundes Verhält­nis gebracht werde. Weiter werden alle Versuch« abgelehnt, die darauf hinauslaufen, eine neue In­flation Herbci zuführen, weil diefe für die arbeit- nehmenden Schichten einen neuen Lohn, und Ge­haltsraub bedeute und die überwiegende Mehrheit unseres Volkes in unabsehbare Verzweiflung hinein­treiben werde. Darüber hinaus wird von den float- lichen Schlichtungsinstanzen erwartet, daß sie sich bei den jetzt im Gange befindlichen Tarisausein- anderfetzungen ihrer Mission als Hüter des sozialen Friedens bewußt bleiben. Zn eindringlicher Weise wurde zum Schluß gegen den Abbau des kaufmännischen Berufsschulwesens Protest erhoben.

Sprechstunden der Redaktion.

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