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16.10.1931
 
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ür. 242 Zweites Blatt

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen-

Zreitag, 16. Gltober 1931

Der erste Tag des Kavag-prozeffes

dt-.

turkampf wieder entbrennen zu lassen. Ohm ha­ben aber die Vereinigten Staaten wissen lassen, daß ihnen religiöse Streitigkeiten sehr unwill­kommen sein würden, deshalb kann angenommen werden, daß diese Warnung auch die Religions­feinde beruhigen wird.

Die schwere Wirtschaftskrise macht sich auch im Stadtbilde bemerkbar. Abgesehen vom prachtvollen Park Lhapultepek mit seinem Schloß und von einigen Prunkstraßen ist manches ein wenig vernachlässigt. Der Palast der Großen Oper, mit dessen Vau bereits 1912 begonnen wurde, ist noch immer nicht fertig. Auch das neue Parlamentsgebäude steht noch unvollendet. Das Stahlgerüst wird wahrscheinlich als altes Eisen verkauft werden müssen. Die ungeheuren Reichtümer Mexikos und die kluge Staatsleitung werden es aber sicherlich dem Lande ermöglichen, die Krise zu überwinden. Die prachtvolle Umge­bung, der stete Vlick auf die Jxtla und den Popokatepetl, das sonnige Frühlingsklima in den Tropen in 2000 Meier Höhe und die Fülle der Blumen und Früchte lassen die Sorgen der Wirt­schaftsnot vergessen.

Frankfurt a. M., 15.Okt. (WSN.) Vor der Großen Strafkammer hat heute, mehr als zwei Jahre nach dem Zusammenbruch des Konzerns der Frankfurter^Ällge meinen Versiche­rung s 21. <3. (Fa 0 a g), der Prozeß gegen die leitenden Männer des Unternehmens begonnen. Der erste Tag dieses Prozesses, der voraussichtlich meh­rere Monate dauern wird, galt der Vernehmung der Angeklagten Dr. Kirschbaum, Lindner, Schumacher, Sauerbrey und Mädje zu ihren Personalien. Die 'Angeklagten gaben nachein­ander einen kurzen Abriß ihres Lebens und ihrer Tätigkeit bei der Favag. Der Angeklagte Lind­ner ist im Versicherungsgeschäft "groß geworden. Im Jahre 1907 wurde ihm von dem damaligen Ge­neraldirektor Du nicke ein Posten bei der Favag angeboten, wo er bann als Vorstandsmitglied ein­trat. Im Jahre 1928 betrugen seine G e samt- bezug e etwa 1 9 2 0 0 0 Mark. Schumacher hat eine ähnliche Laufbahn wie Lindner gehabt und bezog 1928 ein Gehalt von 1 75000 M a r k. Dr. K i r s ch b a u m war seit 1911 Syndikus im Dienste der Favag und will während seiner löjäh- rigen Tätigkeit 6 0 3 4 4 Mark Tantieme, so­wie eine besondere Zuweisung von 30500

Die Rektorenkonferenz gegen die Preußennotverordnung.

Das Borichlagsrecht der Fakutiäten.

Goslar, 11. Oft. (TU.) Die deutsche R e k - toren-Konferenz hat eine Entschließung angenommen, in der mit tiefem Bedauern fest- gestellt wird, daß die preußische Rotverordnung Bestimmungen getroffen habe, die über wohl­erworbene und für das Leben der deutschen Hoch­schulen unentbehrliche Rechte der Hoch­schullehrer rücksichtslos hinwegschritten. Die Lehrer der deutschen Hochschulen müßten und wollten im gleichen Maße wie alle Beamten und Staatsbürger in der Rot des Staates die größ­ten wirtschaftlichen Opfer bringen. Eingriffe aber, die eine Institution dauernd besei­tigen, die aus der Geschichte wie aus der Eigenart der deutschen Hochschule erwachsen sei, müßten sie als einen auch durch die Rot der Zeit nicht zu rechtfertigenden Rechtsbruch ab« lehn e n. Die Rotverordnung lasse auch unmiß­verständlich die Absicht erkennen, durch eine völ­lige Verbeamtung der Hochschullehrer die Trennung von Lehre und Forschung vorzubereiten, auf deren Verbindung das Wesen, die Leistungen und die internationale Geltung der deutschen Hochschulen beruhe. Jeder Versuch, die Hochschulen zu Fachschulen herabzudrücken, werde ihren äußersten Widerstand Hervorrufen. Die Rektoren-Konferenz sei davon überzeugt,

Kommerzienrat Dr. Kr u m b h a a r, Verleger des Liegnißer Tageblatts, kann am 16. Oktober auf eine zehnjährige Tätigkeit als Vorfigender des Vereins Deutscher Zeitungsverleger zurückblicken.

Silber kann aber wegen der erstaunlichen Schwan­kungen seines Preises, der innerhalb der letzten sechzig Jahre von einhundertachtzig Mark für das Kilo auf weniger als vierzig Mark herab­gesunken ist, als vollwertiges Münzmetall im Handelsverkehr der Rationen überhaupt keine Verwendung mehr finden. Mangel an Sach­kenntnis verrät es, jetzt, wo selbst die Fort­dauer der Goldwährung als Grundlage der inter­nationalen Geldwirtschaft in Frage gestellt wird, das Silber wieder als Münzmetall unter Fest­setzung eines bestimmten Wertverhältnisses zum Golde wie vor sechsundsechzig Jahren durch die Lateinische Münzkonvention einführen zu wollen. Wird doch schon seit Jahren weitaus der größte Teil des auf den Weltmarkt kom­menden Silbers (wohlgemerkt als, Rebenprodukt) bei der Verhüttung von Blei-, Kupfer-, Zink» und anderen Erzen gewonnen und es richtet sich die Menge des so gewonnenen Silbers ganz nach der vom Preise abhängigen Produktionsmenge. Außerdem wird man, wenn sich der Preis wieder erholen sollte, viele Erze auf Silber verhütten, die daran so arm sind, daß man zur Zeit von seiner Gewinnung absieht. Aus Silber prägt man jetzt nur noch sogenannte Scheidemünzen von niedrigem Rennwert, der nicht auf dem vollen Metallwert, sondern auf staatlicher Garantie be­ruht. Da diese Münzen kein internationales Zahlmittel sein können, kommen als hochwertiges Münzmetall für die Weltwirtschaft nur noch Gold und Platin in Betracht.

Aus Platin wurden bereits 1828 bis 1845 Münzen geprägt. Lange Zeit hegte man gegen den teilweisen Ersah des gemünzten Goldes durch Platin das Bedenken, daß es für Münzzwecke nicht in genügender Menge erhältlich sei. Die Entdeckung ausgedehnter Lagerstätten in Süd­afrika und die Gewinnung immer größer werden­der Mengen Platin aus den massenhaft zur Ver­hüttung kommenden Rickelerzen von Kanada haben zwar dieses Bedenken beseitigt, doch hat das edle weiße Metall nach einem Ansteigen des Kilopreises von neunhundert Mark im Jahre 1892 bis auf mehr als fünfzehntausend Mark nach dem Kriege in den letzten Jahren eine Preis­senkung bis unter den Standardpreis des Goldes erfahren. Als allgemeiner Wertmesser in der Weltwirtschaft kann Geld aus Platin deshalb nicht dienen: es bleibt dafür nur das Gold in gemünzter oder Darrenform übrig.

Sochschulnacbrichten.

Es sind ernannt worden: Prof. Dr. Hans Kaufmann in Jena zum ordentlichen Pro­fessor der pharmazeutischen Chemie an der Uni­versität Münster als Rachsolger von Prof. Friedrich von Bruchhausen: Prof. Dr. Hermann Emde in Basel zum ordentlichen Professor der pharmazeutischen Chemie an der Universität Kö­nig s b e r g als Rachfolger von H. Matthes: Pri­vatdozent Dr. Heinrich Drost aus Bonn zum ordentlichen Professor für Strafrecht und Rechts­philosophie an der Universität Münster i. W.

daß die aller Kenntnis der deutschen Hochschulen baren Kräfte, die hier am Werke gewesen seien, sich in solchem Ausmaße nicht hätten durchsetzen können, wenn der preußische Kultus­minister den ihm unterstellten und feiner Für­sorge anvertrauten Hochschulen den tatkräftigen Schuh in der Stunde der Gefahr geleistet hätte, den sie von ihm zu erwarten berechtigt seien.

Es wurde ferner folgende Entschließung ge­faßt: Die Fälle mehren sich, in denen der zu­ständige Minister Personen in akade­mische Stellungen beruft, welche d i e Fakultäten nicht vorgeschlagen oder abgelehnt haben. Ein solches Verfahren kann in einzelnen besonders gearteten Fällen vielleicht nicht vermieden werden. Rotwendige Voraussetzung bleibt dabei aber, daß der Be­rufene wissenschaftlich den vorgeschla­genen Persönlichkeiten mindestens ebenbürtig ist und daß nicht politische oder weltanschauliche Rücksichten anstatt fachlicher Eignung bestimmend sind. Unter allen Umständen muß ein derartiges Verfahren eine seltene Ausnahme bleiben, wenn es nicht den Sinn -des freien Vor­schlagsrechtes ausheben soll. Das An­sehen und die Leistungen der deutschen Hoch­schulen beruhen auf der Ergänzung ihrer Lehr­körper durch dieses freie Vorschlagsrecht der Fakultäten.

arme Erze in sich schließenden Lagerstätten des edlen Metalles frühzeitig ein Ende machend.

Bevor man die Goldwährung wegen Mangels an münzbarem (Selbe voreilig aufgibt, und staatlich in ihrem Werte gesicherte Gutscheine (Bons) auf Grundbesitz ober auf zu liefernde elektrische Ener­gie als allein übriges internationales Zahlungs­mittel der Gelbwirtschaft zugrunbe legt, sollte man nach dem Vorschläge anerkannter Sachverständiger eine bessere Verteilung des Goldes an die einzel­nen Staatsbanken herbeiführen ober alle ber Gold- wirtschaft bicnenben Goldvorräte in einem gemein­samen Depot niederlegen, bis diese durch allmäh­liche Erhöhung des Standardpreises eine Ver­mehrung erfahren haben, die die Rückkehr zu den bisherigen Verhältnissen in der Goldwirtschaft ber Welt gestattet.

Was die Verwendung von Silber und Kupfer zu Scheidemünzen angeht, so wäre cs wohl besser, als solche nur Geld aus Zinn wie es früher in Britisch-Jndien und besonders auf Malakka in Umlauf war oder auch aus Rickei zu prä­gen. Diese beiden Metalle erweisen sich nämlich bei normalen Marktverhältnissen viel wertbestän­diger als Silber und Kupfer und namentlich das in einigen seiner metallurgischen Eigenschaften un-. ersetzliche, leider auf seinen Lagerstätten zur Reige gehende Zinn ist in den letzten fünfzig Jahren im Preise sehr gestiegen. Bei dem Ankauf grö­ßerer Mengen von Rickel und Zinn zu Münz­zwecken können also die Staaten nur gewinnen, während sie durch das langjährige Festlegen von Silber und Kupfer in Scheidemünzen an dem Metall selbst meist durch Sinken seines Markt­preises Geld eingebüßt haben.

taten angefüllt. Vor einigen Tagen noch hat ein Abgeordneter im Parlament 20 Pistolenschüsse auf seine politischen Widersacher abgegeben und einige getötet, aber das war doch nur ein In­termezzo von nicht allzu weittragender Bedeu­tung.

Durch 19 Jahre haben die Mexikaner versucht, sich von fremden Fesseln zu befreien und Her - re n im eigenen Hause zu werden. Das ist nicht so zu verstehen, als ob der Staat Mexiko unter fremdem Protektorat gestanden hätte, aber das, was in der Politik und in der Wirtschaft z>u geschehen hatte, bestimmte nicht das Volk, son­dern entwederdienordamerikanischen Oelmagnaten, oder die Grundbe- : s i h e r rein spanischen Blutes, die sich als seudale Aristokratie fühlten, deren Wille allein maßgebend sein sollte, oder aber der kath 0 » lischeKlerus.zu dem viele Ausländer gehör­ten und der gleichfalls im Staate eine Herren- klasse bildete. Von den rund 16 Millionen Mexi­kanern sind nur 15 Prozent Weiße, 41 Prozent reinblütige Indianer und 44 Prozent Mischlinge. Durch 19 Jahre nun hat das heutige, moderne Mexiko gegen die Tyrannei des norbameritani» schen Finanzkapitals und die politische Bevormun­dung ber VereinigtLu Staaten, gegen bie Feudal- Herrschaft der Latifundienbesiher und gegen die Herrschaft der Kirche und der geistlichen Orden Krieg geführt.

Hat ber moberne Staat gesiegt? Ja unb nein! Die Beziehungen zu ben Vereinigten Staaten finb nie so gut wie jetzt gewesen. Man schiebt dem ilugen Botschafter Morrow bas Verdienst zu, - diese Wendung zum Besseren herbeigeführt zu ha- . ben. Sein Vorgänger hatte hochmütig die Mexi­kaner von oben herab behandelt, hatte, wenn es den Interessen Washingtons entsprach, veran­laßt, daß die Rebellenführer mit Geld unb Waf­fen unterstützt wurden und hatte, ob sie Recht hotten ober nicht, die verhaßten Oelmagnaten ge­fördert. Dwight Morrow suchte im Gegenteil die Freundschaft der Mexikaner, sprach mit ihnen als Bleicher zu Gleichen und setzte cs durch, daß ben Revolutionsführern die Waffenzufuhr aus den Bereinigten Staaten gestoppt wurde. Er spielte anich den Vermittler im Kirchenstreit zwischen der Regierung und dem Vatikan und erwarb bas Vertrauen von Calles und Ortiz Rubio. Diese Versöhnung hatte aber auch ihre Schattenseiten. Die nordamerikanischen Besitzer ber mexikanischen Vetroleumfelder begannen ihr Kapital, feit sie nicht mehr auf bie unbedingte Hnterstützung der

Mark erhalten haben. Der Angeklagte behauptet, daß er während seiner Tätigkeit bei der Favag,

abgesehen von den Tantieme-Essen, ben Auf- sichlsrat nicht zu Gesicht bekommen

habe. Hierauf äußerte sich der Angeklagte Sauerbrey über seine Tätigkeit bei der Favag. Mit 22 Jahren wurde er bereits Prokurist bei ber Favag. Dr. Kirschbaum sagt von ihm, baß er noch keinen Menschen kennen gelernt habe, ber in solch jugendlichem Alter eine derartige geistige Reife gezeigt habe. 1926 würbe Sauer­brey in ben Vorstanb ber Sübwestbeutschen Bank berufen. Er erklärte, bie Sübwe st deutsche Dank sei eigentlich bas Dienstmädchen bes Favagkonzerns gewesen. Als die Gelbverhältnisse immer schwieriger würben und er ben Direktor Becker nach ben ©rünben fragte, habe biefer ihm erklärt, er müsse zu- sehen, baß er durchkomme. Die Verhältnisse von Anfang August bis zum Zusammenbruch ber Favag hätten sich täglich überstürzt. Er fei in diesen Tagen in großer Aufregung gewesen unb feine Sehnsucht nach Ruhe hätten ihn Zur Flucht veranlaßt. Bekanntlich würbe

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Das neueste Mitglied des Völkerbundes

Wie sieht es in Mexiko nach 19 Jahren Revolution aus?

Don unserem ^.-Berichterstatter.

politischen Vertretung rechnen konnten, langsam aus Mexiko zurückzuziehen. Das norb- amerikanische Kapital im Lanbe, das vor weni­gen Jahren noch mehr als 1,5 Milliarben Dollar betrug, barf heute kaum auf mehr als auf 680 Millionen Dollar geschäht werben, es hat sich also um mehr als um die Hälfte vermindert, es ist teilweise in den reichen Oelfeldern in Maracaibo in Venezuela angelegt, ober in anbere Staaten Südamerikas abgetoanbert. Diese Kapitalent­ziehung macht sich natürlich sehr empfinblich be­merkbar. Die Petroleumstabt Tampico ist nicht mehr das, was sie früher war. Der Handel stockt und die Arbeitslosigkeit wird zur Land­plage. Andererseits haben die verbesserten Be­ziehungen zu den Vereinigten Staaten dazu ge­führt, daß die National City Bank ot New York der mexikanischen Staatsbank einen Kred itzur StützungderWährung gegeben hat, die in­folge ber Silberkrise abzugleiten begann und daß sich Wallstreet wieder für mexikanische Unterneh­mungen zu interessieren beginnt. Eine Folge des guten Verhältnisses zu Washington ist schließ­lich auch die an Mexiko ergangene Einladung, dem Völkerbünde beizutreten.

Was nun den Krieg gegen ben f e u b a I e n Grundbesitz anbetrifft, so hat die jetzige Re­gierung zwar das Recht, von einem Siege zu sprechen, aber ob es nicht ein Pyrrhuss ieg gewesen ist, wird erst die Zukunft zeigen. Die Agrarreform ist zugunsten der landlosen In­dios mit scharfen und rücksichtslosen Mitteln durchgeführt, aber die Millionen von Indios find deshalb kaum besser und glücklicher als früher gestellt. Sie haben Boden erhalten, es fehlt ihnen aber an Geräten, an Kenntnissen und an Be­triebskapital. Die sechs Millionen Hektar, die bis­her fast entschädigungslos enteignet wurden, sind meistens nicht beackert worden, unb bie Besitz­titel unb bie Entschäbigungsbonbs, bie man eini­gen früheren Eigentümern bes Bobens überlieh, finb bas Objekt von Schiebungen unb Spekulatio­nen. Als Analphabeten, die größtenteils in sturer Primitivität dahinleben unb bie mit bem kargen Lohn ber großen Grundherren zufrieden waren, befinden sich Hunderttausende von eingeborenen Indianern in einer furchtbaren Rot - läge. Arbeitslosigkeit und Elend trifft man auf Schritt und Tritt. Der Präsident der Münze er­klärte auf einer Versammlung von 7000 Arbei- teim aus den Silbergruben, daß die Arbeitslosig­keit ihr unvermeidliches Schicksal sein werde. M e - kiko a l s Silberland förderte jährlich durch­schnittlich 100 Millionen Urnen Silber, die Rach­frage nach mexikanischem Silber hat aber auf dem Weltmarkt fast ganz nachgelassen, im besonderen in China und in Indien. Ob ein geplanter Heber- gang zur Silberwährung und die bevorstehenden Silberkonferenzen" eine Erleichterung bringen werden, bleibt sehr fraglich.

Was nun den dritten Punkt, das Kompro­miß mit der katholischen Kirche anbe­trifft, so hat die Regierung nicht schlecht abge­schnitten, und wenn sie sich vor neuen radikalen Maßnahmen hütet, die breite Massen der Bevölke­rung aufs neue in Erregung versetzen würden, so kann man zum mindesten mit einem langen Waffenstillstand rechnen. Jetzt steht die Sache so, daß die Priester außerhalb der Kirche keine Amtstracht tragen dürfen, daß in den staat­lichen Schulen kein Religionsunterricht erteilt wird, und daß die Zivilehe obligatorisch und allein gültig ist. Ferner sind die ausländischen Orden vertrieben und der Latifundienbesih der Bischöfe und Klöster ist eingezogen. Im übrigen läßt man die Gläubigen in Frieden, sie dürfen ungehindert die Wallfahrtsstätten besuchen und das wunder­tätige Muttergottesbild von Guadalupe verehren. Es gibt aber in den Kreisen der mexikanischen Regierung antiklerikale Fanatiker, selbst der Ex­präsident Calles kann zu ihnen gerechnet wer­den, die nicht abgeneigt wären, den scharfen Kul-

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Wohl vereinigt dieses, durch seine Schönheit eine dämonische Gewalt über die Menschheit aus­übende Metall alle Eigenschaften, die man an ein Münzmetall stellen kann, doch ist es für den für die Goldprägung durch internationale Verein­barung festgesetzten Standardpreis von 2790 Mark für das Kilo nicht in hinreichender Menge beschaffbar, um bei der heute fast in allen Kul­turstaaten eingeführten Goldwährung eine genü­gende Deckung des ausgegebenen Papiergeldes zu ermöglichen. Wäre dieses aber genügend durch Gold gedeckt, dann könnte die große Anhäufung von Gold in einigen Staatsbanken nicht zu solchen finanziellen Katastrophen führen, wie sie jetzt die Geldwirtschaft der Welt erschüttern. Schon feit mehr als zwanzig Jahren habe ich an der Hand von geologisch-bergmännischen Tatsachen in der Presse immer wieder auf den bevorstehenden Man­gel an Münzgold und seine verhängnisvollen Fol­gen für die ganze Weltwirtschaft hingewiesen. Es ist, als ob sich auch jetzt noch nicht alle Volkswirt- schaftler und Finanzleute darüber klar geworden wären, daß ohne langjährige Krisen allerschwer­ster Art ein allgemeines Aufgeben des Goldes als Wertmessers für Besitz und Arbeitsleistun­gen vorläufig nicht denkbar ist. Kein in genügen­der Menge vorhandenes Raturerzeugnis entspricht auch nur in etwa den Anforderungen, die die Weltwirtschaft mit ihren ins Riesenhafte gewach­senen Hmsähen von Besitzwerten an das Geld als allgemeinen Wertmesser und handliches Zahlmittel stellt.

Gold, das auch im Meerwasser enthalten ist, könnte nun in unglaublich großen, zur Aufrecht­erhaltung der Goldwährung noch für viele Jahre hinreichenden Mengen aus Eisenkiesen und an­deren an Hrgebirgsgesteine oder vulkanische Fels- arten gebundenen Schwefel- und Arsenerzen ge­wonnen werden, falls sein Verkaufspreis wesent­lich über den jetzigen Standardpreis des Goldes erhöht würde. Da sich aber die heutige Münz- und Geldwirtfchalt auf diesen aufbaut, so darf, ohne daß ein unheilvoller Druck auf alle Besih- unö Arbeitswerte ausgeübt wird, eine solche Stei­gerung oes Goldpreises nur außerordentlich lang­sam und nach internationalem Hebereinkommen er­folgen. Längst schon hätte man an eine solche allmähliche Erhöhung des Goldpreises für Münz- zwecke denken sollen, dadurch den Bergbau auf weniger ergiebige goldhaltige Erze ermutigend und öem Raubbau auf den großen, reiche und

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Mexiko-Stadt, Sept. 1931.

Mexiko tritt in den Völkerbund ein! Da 1919, als der Völkerbund geboren wurde, weil feine innere Lage zu unsicher sei und weil eine Revo­lution die andere ablöse, so muß, da nun die offizielle Einladung des Völkerbundes an Mexiko ergangen und angenommen worden ist. vorausge­setzt werden, daß die Periode der inneren Erschütterungen vorüber ist und daß sich die Verhältnisse in Mexiko stabilisiert haben. Heber dem politischen Hauptquartier unserer schö­nen Stadt prangt zwar immer noch, am Abend erleuchtet durch bunte Lichtreklamen, die Auf­schriftPartido National Revolucionario, aber gleich nebenan ist eine Revolutionsau s- ft e 11 u n g eröffnet worden, und Ausstellungen tiefer Art kann man doch nur machen, wenn die Revolution wirklich Vergangenheit gewor­ren ist. Zwar bleibt Mexiko immer Mexiko! Seit i>ie spanischen Konquistadors in Pukatan ein» Strängen und Cortes mit seinen 500 Abenteu­rernals weißer Gott" die Königsstadt Timixtit- lan zerstörte, hat es immer Blutvergießen ge­geben. Rur P o r f i r i o Diaz verstand es während seiner eisernen und wohltätigen Diktatur, die niemals entschlummerten Leidenschaften zu zähmen, aber die Jahrzehnte nachher waren von Bürgerkriegen, Präsidentenmorden und Qltten-

Nie Zukunst des Goldes.

Von Dr. Emil Earthms.

Gold, im Güteraustausch der Welt allgemein eingenommenes Tauschmittel, war in früheren <i<italtern etwas ganz anderes als Geld. Als Geld dienten ursprünglich Handelsartikel, die so begehrt waren, daß man dafür alles was feil wer, eintauschen konnte. Infolge der großen Nachfrage konnte ein solches Tauschobjekt leicht !zum Wertmesser für weniger gesuchte Waren ja primitivem (Selbe - werden. Dieses bestand mttoeber in Raturprodukten, Zuchtvieh oder in industriellen Erzeugnissen. So dienten und dienen iit einigen Winkeln der Welt zum Teil noch heute Vogelfedern und Muscheln, Tierfelle, Stein- scrlz, Darren, Stäbchen oder Ringe von Gold, Silber, Eisen ober Kupfer, Gewebstoffe von bc- [timmtem Zuschnitt als Geld- Daß gezüchtetes Vieh bei den Griechen das spätere Metallgeld ersetzte, sehen wir ays der Ilias, und das ilcrleinische Wort für Geld,pccunia, ist von pecus, der Bezeichnung für Kleinvieh, abgeleitet. Tuch findet sich auf sehr alten Münzen von Hellas und Rom wie auch auf indischem das Wild einer Kuh oder eines Schafs.

Seine Bedeutung erlangte das Geld, das nach dem Sprichwortdie Welt regiert, erst in der !5»rm des zu Münzen geprägten Metallgeldes, dos zusammen mit den in den Gewölben der ö iaatsbanken hinterlegten Soldbarren die Grund» Itge des von diesen ausgegebenen Papiergeldes hübet. Bietet doch das Gold in Münzenform den großen Vorteil, daß sein Wert nicht nur an dem 8<präge sofort ersichtlich ist, sondern daß er durch di<ses auch staatlich garantiert scheint. Im Wesen bei Metallgeldes als des Wertmessers für ieg» sichen Besitz und für Arbeitsleistungen liegt es, bcitz der Preis des Metalles, aus dem es ge» trägt, auf dem Weltmarkt keinen oder doch nur 'cf;r geringen, sich wieder ausgleichenden Schwan- logen unterworfen ist. Die Geldwirtschaft von heute, in der riesenhafte Werte umgeseht werden, 'ifl nun, da sie sich auf Metallgeld gründet, auf Münzmetalle angewiesen, die nicht nur preis- beftänbig, sondern bei geringem Gewicht und Vo» lumen großen Metallwert in sich bergen. Aus bielem Grunde schon könnte Silbergeld im heuti» 8en Geldverkehr nicht mehr eine solche Rolle tote vor fünfzig oder sechzig Jahren spielen.