ür. 242 Erstes Blatt
18t Jahrgang
Freitag, 16. Oktober 1951
vn,ck und Verlag: vrühl'Iche Univers>täi5-Vuch- und Lieindruckerel R. Lange in Sietzen. Schristleitung und Seschäfirftelle: Schulttratze r.
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik« Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Biehen.
der Preuhenkasse Dr. Klepper beteiligt. Auch diese Fraktion wird sich endgültig er st morgenvor- mittag entscheiden. Man rechnet damit, daß sie es den Mitgliedern überläßt, nad) eigenem Ermessen zu stimmen, so daß die Möglichkeit besteht, da hhöchstens die Hälfte der Abgeordneten für das Mißtrauensvotum stimmt, zumal die Verhandlungen mit dem Kanzler der Wirtschaftspartei die Erfüllung einer Reihe von Wünschen gebracht hat, die sehr stark interessieren. Dazu gehört vor allem die Sanierung der gewerblichen Darlehn s k a s f e-n, man spricht auch von einer Reform des Zugabewesens in dem Sinne, daß die Anlockung von Käufern unterbunden wird.
2m allgemeinen herrscht im Reichstage heute die optimistische Rote vor. Man rechnet damit, daß die Mehrheit recht knapp werden wird, daß aber doch eine Mehrheit herauskommt. Eine Ausrechnung der Stimmen, die für oder gegen die Regierung sind, ergibt folgendes Bild: Ge- gendieRegierung sind 107 Rationalsozia- Iiften, 41 Deutschnationale, drei abgesplitterte Landvolkparteiler, 78 Kommunisten und 6 sozialistische Arbeiterparteiler, zusammen 235. Hierzu kommen von 28 Volksparteilern 20, die mit Sicherheit gegen die Regierung stimmen. Von 19 Landvolkparteilern 13, die wahrscheinlich gegen die Regierung stimmen dürften. Drei Hannoveraner, die wahrscheinlich gegen die Regierung stimmen dürften, so daß vorläufig mit 261 Stimmen gegen die Regierung gerechnet werden kann. Hingegen verfügt die Regierung über die 68 Stimmen des Zentrums, 136 Sozialdemokraten, 19 Bayerische Volkspartei, 15 Demokraten, 18 Christlich- Soziale und Volkskonservative, 6 Bayerische Bauernbündler, 6 Volksnationale, das sind 268 Stimmen. Die Entscheidung, wie die endgültige Mehrheit aussehen wird, hängt nun nicht davon ab wie die W i r t s ch a f t s p a r t e i stimmen wird, sondern auch wie sich die abgesplitterten Abgeordneten der Volks Partei und der L a n dvolkpartei verhalten werden. Für den Fall, daß die Wirtschaftspartei mit ihren 22-Stimmen g e g en die Regierung stimmt, würde die Regierung selbst dann in der Minderheit bleiben, wenn diese abgesplitterten Abgeordneten sich für die Regierung einsehen. Ein genaues Bild läßt sich im übrigen nicht geben, da bei allen Fraktionen Abgeordnete fehlen.
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Vor -er Abstimmung.
Letzte Verhandlungen mit den Parteien. — Wird Brüning eine Mehrheit bekommen?
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Abg Döbrich (Landvolk):
Wir können die Tlebereinstimmung vieler Punkte der Regierungserklärung mit unseren Wünschen anerkennen. Aber es erfüllt uns mit Bedenken, daß der Kanzler immer wieder auf die Solidarität der Völker baut, er hätte vielmehr in die eigene Kraft unseres Volkes Vertrauen setzen müssen. Es wäre undankbar und geschichtlich unwahrhaftig, nicht anzuerkennen, daß Minister Schiele feine ganze Kraft für die Erfüllung seiner Aufgaben eingesetzt hat. Allerdings konnte Minister Schiele nur Teilerfolge erzielen. Aber auch diese Teilerfolge litten unter so starken Hemmungen, daß der Osten und die Landwirtschaft der Verelendung verfielen. Wir können uns nicht des Eindrucks erwehren, daß für den Kanzler die Fragen der Landwirtschaft Fragen zweiten Grades gewesen sind. Deshalb stimmen wir den Mißtrauensanträgen zu.
Abg. Ziegler (Goz -Ap.) erörtert die politischen Gründe, die seine Freunde zur Trennung von der SPD. bewogen haben. Die Tolerierung der Brüning-Regierung, die Bewilligung der Panzerkreuzerbauten und ähnliche Maßnahmen seien mit sozialdemokratischen Prinzipien nicht verein- b a r. Die neue Partei sei jetzt noch klein, aber sie erhalte täglich den Massenzulauf neuer Mitglieder. Rach einer scharfen Kritik der Politik der Brüning-Regierung erklärt der Redner, feine Freunde würden gegen diese Regierung stimmen.
Abg. Aufhäuser (60z.):
Die jetzige Krise ist in der Hauptsache verschuldet worden durch denselben Dr. Schacht, der jetzt den Ankläger spielen möchte. 3n der Zeit, als die deutsche private und öffentliche Wirtschaft noch langfristige Kredite bekommen konnte, die ihr schon zugesagt waren, da hat Dr. Schacht das verhindert, so daß statt der langfristigen kurzfristige Kredite genommen werden mußten. Das System der kurzfristigen Auslandkredite ist aber als älrsache der deutschen Krise allgemein anerkannt. Die bescheidenen Eingriffe in die Wirtschaft der Banken und der Industrie haben den Protest
Heute fällt die Entscheidung.
ssorisehung der Aussprache im Reichstag. - Dingeldey kündigt dem Kanzler die Gefolgschaft. - Das Schicksal des zweiten Kabmetts Brüning hängt von den kleinen Gruppen der gemäßigten Rechten ab.
Lasten, die in den Notverordnungen der Beamtenschaft auferlegt wurden, könnten von ihr nur ertragen werden, wenn sie begleitet werden von einer anderen Maßnahme, von der Auflockerung des gesamten Systems der Preis- und Lohnbildung in Deutschland. (Rufe links: „Die Parole der Hungerlöhne!") Ist es besser, wenn eine kleine Zahl von Arbeitern gesicherte Löhne hat oder wäre es nicht besser, wenn möglich st viele Menschen, wenn auch zu veränderten Bedingungen, wieder in Brot und Arbeit kommen? (Lebhafte Zurufe links: „Sie wollen also noch weitere Lohnherabsetzungen!") Die Ersparnismaßnahmen, die bei der Arbeitslosenversicherung geplant waren, sind durch den Einfluß der Sozialdemokratie verhindert worden.
Ich habe mich gefreut über den Sah in der Kanzlerrede, daß in dem Verhältnis der Arbeitgeber zu den Arbeitnehmern die freiwillige A r - beitsgemeinfchaft beider Teile besser wäre als der staatliche (Eingriff der Schlichtungsbehörden. 3d) frage mich nur, was die Regierung gehindert hat, diesen begrüßenswerten Grundsatz schon vor einem halben Jahr oder früher durchzusehen. — (Reichskanzler Dr. Brüning: wir waren im Vorjahre z u Pfingsten so weit, diese Arbeitsgemeinschaft zustande zu bringen, und dann ist sie von einem bestimmten Teil der Industrie im letzten Augenblick zerschlagen worden!) (Lebhafte Hört! Hört!-Rufe.) Der Reichskanzler hat mit Bedauern festgestellt, daß die Bildung einer nationalen Konzentrationsregierung in Deutschland nicht möglich gewesen sei. Ich habe wiederholt den Reichskanzler beschworen, unter Einsetzung des äußersten Druckes und der Autorität der Reichsregierung vor allem Volke festzustellen, ob die Bildung einer nationalen Konzentrationsreaierung unmöglich ist und wen dafür die Verantwortung trifft. In dieser Rotzeit dürfen die nationalen Kräfte des Volkes nicht weiter der Verzweiflung und Opposition überlassen werden. Sie müssen von der Regierung zur Mitarbeit herangezogen werden. Man muh ihnen die Möglichkeit geben, an der verantwortlichen Regierung des Staates mit- zuwirken. Wir wollen nicht davon lassen, d i e Brücke zu zeigen, die den Herandrängenden geschlagen werden muh. Allerdings lehnen wir die Methoden, mit denen Dr. Oberfohren uns gestern gegenübertrat, ab. Wir sind der Ansicht, daß der Versuch des Kanzlers, sein Programm mit den sozialdemokratischen Dundesgenos s en durchzuführen, aussichtslos ist. Aus all diesen Gründen sind wir trotz des Vertrauens, das wir dem Kanzler persönlich entgegenbringen, nicht davon überzeugt, daß unser Volk auf diesem Wege den schweren Winter überstehen kann. Meine Freunde sind daher nichtinderLage, den Kanzler zu stützen.
Abg. Dr. Weber (Gtp.):
Wer Herrn Schacht feit vielen Jahren kennt, der hat sich gefragt, wie ein früherer Reichsbankpräsident so etwas verantworten will. Herr Schacht hat etwas ähnliches schon am 3. Juni d. I. im „Weihen Hirsch" in Dresden gemacht. Damals, vier Wochen vor dem Zusammenbruch der Danatbank, hat er gesagt, er habe noch keine Bank gesehen, die in schlechten Zeiten sofort ihre Verbindlichkeiten erfüllen könne, wenn etwas passiert, was bei uns zu erwarten fei. Dieser Hinweis war so deutlich, dah er im Ausla nde sofort verstanden wurde und zur Zurückziehung der Ausla n d k r e d i t e von den deutschen Banken führte. (Lebhaftes Hört! Hört!) Herr Schacht versucht mit allen Mitteln, sich eine Position zu schaffen bei den Leuten, die ihn vorher bis aufs Messer bekämpft haben. Ich kann die Harzburger Rede von Dr. Schacht nur als leichtfertig bezeichnen. (Lebhafte Zustimmung.) Die Rechtsopposition kann nicht bestreiten, dah ihre Harzburger Reden bereits zu einer Erschütterung des Vertrauens der Sparer geführt haben. Sehr erfreut sind wir darüber, dah das Zentrum jetzt endgültig es abgelehnt hat, das Experiment mit einer Rechtsregierung zuzulassen. Wenn man selbst die Verständigung mit Frankreich will, kann man doch nicht auf der anderen Seite dagegen protestieren, dah die französischen Regierungsvertreter vom Reichspräsidenten empfangen werden. In einem Artikel schrieb der nationalsozialistische Abgeordnete v. Killinger, die Rationalsozialisten benutzten die bürgerliche Reaktion der Hugenberg, Dingeldey und Genossen nur a l s Sprungbrett und würden sie nach der Machtergreifung sofort aus der Regierung hinauswerfen. Von der Reichsregierung erwarten wir, dah sie mit größerer Energie als bisher auf eine Preissenkung hinwirkt, indem sie auf die Kartelle den entsprechenden Druck übt und auch in der Agrarpolitik andere Wege einschlägt. Cß3jr werden den Reichskanzler unterstützen in dem gemeinsamen Streben, den Winter gut zu überwinden.
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Berlin, 15. Oft. (CNB.) Es ist nun sicher, daß der Reichstag bereits morgen nachmittag mit der Aussprache fertig wird. Der Kanzler will noch ein Schlußwort sprechen. Das dürfte ungefähr gegen 14 Uhr sein, und daran würden sich die Abstimmungen schließen, so daß die Vertagung vielleicht schon um 16 Uhr erfolgen könnte. Rein stimmungsmäßig rechnet man auch heute abend weiter damit, daß das Kabinett mit einer wenn auch nicht übermäßig großen Mehrheit aus diesem Kampfe hervorgeht.
Im Verlaufe des Abends haben noch einige Besprechungen stattgefunden, die daraus abzielen, eine Klärung der Mehrheitsverhältnisse herbeizuführen. Die drei Fraktionen, auf die es dabei ankommt, werden jedoch er st morgen vormittag ihre endgültige Stellungnahme bestimmen. Auch das Landvolk wird sich noch einmal mit der Situation beschäftigen, und zwar sucht die Minderheit, die für das Kabinett ist, eine Auflockerung des gestrigen Beschlusses zu erreichen, so dah dann etwa fünf bis sechs Abgeordnete dieser Fraktion gegen das Mißtrauens vo- t u m stimmen könnten. Die Ernennung des Abg. Schlang. Schöningen zum Osthilfekommissar und Reichsminister ohne Amtsbereich war in gut unterrichteten Kreisen für heute erwartet worden. Diese Frage wird sich aber nun wohl erst nach der Abstimmung entscheiden.
Die DeutscheDolksparteihat ihre Frak- tionssitzung auf morgen 9 älhr vertagt. Die Dinge liegen bei dieser Partei so, daß eine Stimmenthaltung nicht in Frage kommt, sondern unter dem starken Einfluß des rechten Flügels der Beschluß zu erwarten ist, für das Mißtrauensvotum zu stimmen. Offen ist noch die Frage, ob auch Fraktionszwang eingeführt wird. Aber selbst in diesem Falle ist ganz sicher damit zu rechnen, daß fünf Abgeordnete, Geheimrat Kahl, Dr. v. Kard 0 rff, Dr. Schneider (Dresden), Thiel und Glahel. für das Kabinett stimmen werden. Tritt dieser Fall bei Fraktionszwang ein, so hält man im Reichstag den Ausschluß der fünf Abgeordneten für unvermeidlich. Einige weitere Mitglieder der Fraktion werden an der Abstimmung voraussichtlich nicht teilnehmen, so daß im ganzen etwa 20 Abgeordnete für das Mißtrauensvotum stimmen werden.
Mit der Wirtschaftspartei ist den ganzen Abend verhandelt worden. Dabei war besonders der Reichsfinanzminister und der Präsident
derjenigen hervorgerufen, die die größten Versager in dieser Wirtschaft sind. Als Dingeldey zum Rachfdlger Stresemanns gewählt wurde, sagte ein alter hessischer Volksparteiler bedauernd: „Ach, das kleene Stückche Malheur!" Der Mann hat Dingeldey unterschätzt, er ist ein großes Malheur. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Hausdichter der Volkspartei haben nach seiner Rede gesungen: „Hörst du das Glöckchen, dingel-dingeldey, die Totenglocke der Volkspartei!" (Heiterkeit.) Die Brücke zwischen Dingeldey und den Rationalsozialisten und den Deutschnationalen ist die Inflation. Trotz aller Ableugnungsversuche wollen diese Harzburger Teilnehmer die Inflation, wenn sie ihr auch andere Ramen geben. Herr Dr. Schacht hat genug durch die Inflation gewonnen. Eine arme kinderreiche Witwe, deren Schuldner Dr. Schacht war, hatte versäumt, ihren Aufwertungsanspruch rechtzeitig geltend zu machen. Als sie zu Dr. Schacht kam, erklärte dieser chr kalt, er fühle sich weder rechtlich noch moralisch zur Aufwertung seiner Papiermarkschuld verpflichtet. (Lebhaftes Hört! Hört!) Dieser Grohkapitalist Dr. Schacht, der auf der Schaffer-Mahlzeit zusammen mit seinem Freund Lahusen die armen Sozialrentner mit Hohn und Spott überfchüttete, dieser Dr. Schacht konnte in Harzburg unter dem Beifall Hitlers und seiner Freunde sprechen. Wir warnen die Opposition, und wir warnen auch die Regierung, etwa gegen das Tarif- recht kämpfen zu wollen. Es ist kein Zufall, daß die Gewerkschaften aUer Richtungen einschließlich des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes sich in einer Einheitsfront gegen solche Bestrebungen zufammen- gefunden haben. Sollte es den vereinigten Faschisten und Kommunisten gelingen, die letzte parlamentarische Regierung zu stürzen, bann mögen die Herrschaften nicht etwa glauben, daß Deutschland Italien sei. Die deutsche Arbeiterschaft besitzt in ihren gewerkschaftlichen Organisationen eine Kampfeswafse, die sie, wenn es sein muh, auch im außerparlamentarischen Kampf anzuwenden wissen wird. Wir predigen nicht den Bürgerkrieg aber wer unsere Organisationen angreift, verschlagen wir.
Weiterberatung Freitag, 12 älhr.
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Berlin, 15. Oft. (VDZ.) Reichstagspräsi- Kitt Löbe eröffnet die heutige Reichstags-, fyu-rg um 13 älhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlangt Abg. Decker-Schlesien (Komm.) oc sofortige Beratung eines kommunistischen An- itages dahingehend, dah die Wenzeslaus- krube bei Re urode beschlagnahmt und ten Bergarbeitern zur Verfügung gestellt wird. Die sofortige Beratung des An- ttags wird abgelehnt. Die Aussprache über bie Regierungserklärung wird fort- S-letzt.
Abg.Gimpfendörfer(Chr.-S-) hrdert ein rasches und energisches Durchgreisen auf dem Gebiete des Kartell- Uesens. Rur durch sofortige Beseitigung aller mgcrechtfertigten Preisbindungen könne das kchlimmste verhütet werden, nur dann könne atd> die notwendige Anpassung der Lohn- iicife durchgeführt werden. Weiter fordert dir Redner eine Planwirtschaft mit ffiin- Reiterung der Arbeiterschaft in den Produk- Ivnsprozeh als gleichberechtigten Faktor neben Liternehmer und Kapital. Ferner fordere der Alüsdienst die unverzügliche Durchführung des «gekündigten Schuhes der landwirt- sh östlich en Veredelungsproduk- tio n. Zu einer Diktatur werde der Volksdienst nifit die Hand bieten. Er glaube aber, dah es eii nationales Unglück wäre, wenn man die icbilalen Rechtsgruppen für immer und von -mrherein grundsätzlich von der Mitarbeit -urb der Verantwortung ausschliehen wollte. 2m Lischluh daran wirft er die Frage auf, was Ar Harzburger Forderung nach Beseitigung des 'leigen Systems bedeuten solle. Wenn man so- g:r die Verständigung mit Frankreich wolle, vi ri n solle dann noch der Unterschied bestehen zwischen einer neuen und Ai jetzigen Auhenpolitik?
Abg. Dingeldey (DVP.):
Dell der Reichskanzler bei feinem Amts» • arki.lt den M u t zur Unpopularität
>«igt, weil er Wege eingeschlagen hat, die IDti den bisherigen M thoden ganz ab wich en, »Öü-idb gaben mir >hm unsere Unterstützung, -lenn die weitere Entwicklung eine Aenderung i'-ir.'ccer Haltung herbeigeführt hat, so ist es »Mi «in Bedürfnis, zu betonen, dah die H 0 ch - o»ot ung und Verehrung vor dem w>ii«r l ä n d i s ch e n Willen, vor dem sitt- llichii, Ernst und vor den hervorragenden Fähig- ffewii des Reichskanzlers bei meinen Freunden slÄslLerständlich unbeeinflußt von jeder Meinungsverschiedenheit über die Methoden u n - n tränt) e r t erhalten bleibt. (Beifall.) Wii von uns gebilligte Politik der unpopulären Muri fennung der Wirklichkeit muhte natur- gMäH zu einer immer weiteren Entfernung «rv den Parteien führen. Die formelle LLnb-hängigkeit der Regierung von den Parteien Hefanb aber tatsächlich nicht, denn die Rot- Wn bnungen konnten nur bestehen bleiben, wenn M Parteien ihre Aufhebung ablehn- ti<i So wurden die Parteien belastet mit der IDfcmnttoortung für Mahnahmen, auf die sie Hm en Einfluh gehabt hatten.
sie Regierung hakte deshalb das Aeußerste du°Lnsehen müssen, die psychologische Vorbereitung für Ihre Maßnahmen im JtoLte ju schaffen. (Sehr richtig!) Daran hat es >fsehll. (Es ist auch der Fehler aus der >l«gs}eit wiederholt worden, daß man dem Tolle den ganzen (Ernst der Lage 0 er- -sh 10 i e g. liebertriebener Pessimismus ist sicherlich schädlich, aber noch weniger wird dem Volke «gmuhl durch einen Optimismus, der durch die 'Lrlioicklung der Dinge immer wieder in aller
kürzester Frist Lügen gestraft wird.
Wil laben eine ungeheuere Fehlleitung b 's Kapitals in Deutschland gehabt. (Abg. 2Mn mn, Soz.: „Sind dafür vielleicht die Marxi- stsiiii verantwortlich?") Gewiß ist auch zum großen AÄ Vie Privatwirtschaft dafür verantwort- liaH I hört! Hört! links.) Die Milliarden aber, die uiDi üer öffentlichen Hand in d e n W 0 h - mjii$5b a u g e ft e cf t worden sind, können jetzt f4W- .zum größten Teil volkswirtschaftlich als 0 e r ■ I xi te a betrachtet werden. Di Fehler liegen vor nlieti auch auf dem Gebiete der Löhne und ©kälter. (Große Unruhe links, Rufe der So- zi«.ll'niotraten und Kommunisten: „Endlich ist es herns-s, was er will!") Wir haben den Kanzler inlllleMtzt, indem wir ihm die Ausschaltung bair parlamentarischen Hemmungen bunt die lange Reichstagspause ermöglicht haben. En tat bald darauf in ssiner Notverordnung ent- gejigt allen Zusicherungen die Wirtschaft m i t na um schweren Steuern belüftet. Dr. BnMcheid hat die Privatwirtschaft für die ganze M rltzaftsnot verantwortlich gemacht und erklärt, fit: hin versagt. In Deutschland ist aber die Privat- wirllhcft durch die Gesetzgebung so g e» f e '.fielt worden, daß ihr jede Bewegungsfreiheit gemmrnen ist. (Rufe links: In Amerika ist die Pi^rvtLvirtschaft doch ungefesselt!") Die schweren
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
- GtGEN: - s KOPFSCHMERZ , MIGRÄNE
. NEURALGIE ZAHNSCHMERZ .
VANILLE ul^ed.Wakx-WaW


