Ausgabe 
16.6.1931
 
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Aus Oer provinzialhauptfioOt.

Gießen, den 16.3 uni 1931.

Schnupfen!

Don Dr. Karl dichter, Geh. Med. Dai, preuß. Kreis« und Gerichtsarzt L D.

Zum Ausbruch eines akuten Schnupfen-, der den chronischen von Zeit zu Zeit ablöst, gehört eine Erkältung. Kalte Füße und Erkältungen des Rückens vermachen den Schnupfen. Dann schwillt die Rasenschleimhaut durch entzündliche An­schoppung der Blutgefäß« der inneren Rase und schafft so den geeigneten Rahrboden für die Bak­terien verschiedener Art.

Sine besondere, sehr lästige Art des Schnup­fen« ist daS Heufieber, das durch den Dlüten- staub, namentlich der Gräser, entsteht.

Rasenenge läßt sich durch Massage der engen Stellen mit der Lahmannschen Sonde sicher be­seitigen. Sonst ist aber gegen chronischen Schnup- fen schon darum nicht viel anzufangen, weil man aus der schädlichen Lust nicht heraus kann.

Beim Ausbruch des akuten Schnupfens macht man sofort ein heißes, verlängertes Fußbad. Spä­ter ein warmes Dollbad und heißen Tee zum Rachschwihen im Bett. Heuschnupfen vergeht in staub- und bakterientreier Luft an der Küste, auf See und im Gebirge, wo kein Gras mehr wächst. Muß man zu Hause bleiben, so lasse man seine, Wohnung und namentlich sein Schlafzimmer gründlich entstauben.

Man schneuze niemals beide Rasengänge gleich­zeitig, sondern halte die eine Oesfnung stets zu, um die andere zu schneuzen, damit keine Luft in die Rebenhöhlen dringt, die Paukenhöhle ganz be­sonders. Auch manipuliere man nicht mit Fin­gern oder gar Instrumenten bei akutem Schnup­fen. Zur Derflüssigung des Schleimes Einatmung von Amoniakdämpfen, oder Säuredämpfen (Essig­säure).

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Licht­spielhaus Bahnhofstraße:Die Privatsekretärin".

Aus dem S t a d t t h e ate r bu re au wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr. als 4. Dor­stellung im Sommerabonnement einmaliges En­semble-Gastspiel Lottina Daart, G. L. Franken, Kurt Unser mit Ossip Dymows TragödieR j u". Beginn der Dorstellung 20 Uhr, Ende 22 Uhr. Er­mäßigte Sommerpreise.

Gartenkonzert im Flughafen. Am morgigen Mittwoch, 20.30 bis 23 Uhr, findet bet gutem Wetter im Flughafen ein Gartenkonzert statt. Näheres in der heutigen Anzeige.

e

Ausstellung der Freiwilligen Sanitätskolvnne. Aus Anlaß des Rot- kreuztagcs veranstaltete die hiesige Freiwillige Samtätskolonne am Samstag, Sonntag und Mon­tag im Laden an der Ecke Schulstrahe und Son- nenstraße ein« Ausstellung, die sehr viel Beach­tung von seilen des Publikums fand. Die Aus­stellung war ein Spiegel der mannigfachen Tätig­keit der Sanitätskolonnen und gab einen Einblick in die verschiedenen Formen der Hilfeleistungen, zu denen Sanitäter heute in Anspruch genommen werden. Reben einer Reih« von Zeichnungen, die erste Hilfsmaßnahmen im Bilde zeigten, waren viele Geräte ausgestellt. Gasmaske und Trag­bahre, Atmungsapparat und Sauerstoffapparat, ein sehr praktischer Verbandskasten und Instru­mentenbehälter, Scheinwerfer und eine Reih« von Hilfsmitteln für Unfälle an der Starkstromlei­tung, sowie einige sauber gearbeitet« Modelle lenkten die Aufmerksamkeit der Dorübergehen­den auf sich. Die kleine Ausstellung dürfte ihren Zweck das Bewußtsein der Bedeutung der Freiwilligen Sanitätskolonn« in den Kreisen des Publikums lebendiger werden zu lassen sicher­lich erfüllt haben.

** Goldene Hochzeit. Der Rentner Wilhelm W a g n s r, wohnhaft Steinstraße 45, und dessen Ehefrau Maria, geb. Hahn, feiern am morgigen Mittwoch das Fest der goldenen Hochzeit in aller geistigen und körperlichen Frische.

* Verkehrs - Unfall. Am Samstaqnach- mittag wurd« in d«r Frankfurter Straße ein Mann von einem Motorrad angefahren und zu Boden geworfen. Der Verunglückte wurde nach der Chi­rurgischen Klinik gebracht, da sich seine Derletzun- gen nur als leichter Ratur erwiesen, konnte er bald wieder entlassen werden.

** Diebstähle. Aus der Flurgarderobe eines Hörsaales der Universität wurde ein dunkelblauer Gummimantel mit kleinen weißen Tupfen gestohlen. Don einem Fahrrad, das in der Fahrradhalle der gewerblichen Fortbildungsschule untcrgestellt war, wurde ein Licht-Dynamo, MarkeRadsonne", ab­montiert und entwendet. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die Kriminalpolizei.

* Der Verband derHessGeschichts- und Altertumsverein« hält am 20. und 21. Juni 1931 seine diesjährige Tagung in D e n s - heim a. d. B. ab. Am Samstagabend hält Dr. Behn (Mainz) einen Licht bi ldervortrag über Die erste germanische Besiedlung Hessens'': am Sonntag findet die Geschäftssihung statt. Studien­rat Dr. Glöckner wird außerdem über Abtei Lorsch und das Reich" sprechen. (Siehe heu­tige Anzeige.)

Oeffentliche Bausparkasse. Am Freitagabend fand im ,Postkeller" eine Versamm­lung statt, zu der von der Oeffentlichen Bauspar­kasse für den Dolksstaat Hessen (Abteilung der Hessischen Girozentrale) in Darmstadt eingeladen war. Als Vortragender führte der Hauptvertreter der Oeffentlichen Bausparkassen in Hessen, Herr H ä g c r t, ungesähr aus: Der Weg, auf einfachste Art und Weise durch die Bildung von Kapital zu einem Eigenheim zu kommen, sei heute durch das kollektive Bausparen geebnet. Das System des kollektiven Bausparens habe in den englisch spre­chenden Ländern schon sehr lange weite Verbrei­tung gefunden. Reben zahlreichen privaten Dau- spargescllschaften führten nun in Deutschland auch die öffentlichen Sparkassen das Bausparen ein, und zwar länder- und Provinzweise in Anglie­derung an bestehende öffentliche Bankanstalten, da­mit die Schaffung eines neuen Derwaltungsappa- rates vermieden und dem Dausparer durch die Mithaftung der öffentlichen Anstalten und ihrer Gewährsverbände eine große Sicherheit geboten werde. Allein im Dolksstaat Hessen stünden 35 öffentliche Sparkassen, 11 hessische Kreise und eine Provinz, umfassend 95 Prozent der Bevölkerung Hessens, den Bausparkassen als Sicherheit zur Seite. Den Unterbau der Organisation bilden alle öffentlichen Sparlassen, die die Interessenten be­raten, und den Zahlungsverkehr erledigen. Der Vortragende gab außerdem noch einen Ueberblick über di« Art der Zuteilung der Kapitalien, über den Zahlungsmodus und behandelte die Vorteile auS dem mit dem Bausparen bei der Oeffentlichen

Bausparkasse, verbundenen Lebensversicherunas- schutz. Direktor Seipp (Darmstadt) ergänzte den Dortrag durch die Behandlung einiger spezieller Fragen, und beantwortete auch die aus dem Zu- Hörerkreise gestellten Anfragen.

' Der Bienenzüchterverein Gießen und Umgegend hielt seine diesmalige Tagung im Krofdorfer Forst ab, um die dort neu er­richtete Königinbelegstation ihrer Bestimmung zu übergeben. Rahezu 100 Mitglieder hatten sich mit ihren Angehörigen eingefunden. Außerdem war eine »große Anzahl Imker des Wehlcrcer Vereins erschienen. Rach der Begrüßung ge­dachte der VereinSobmann des in der vergangenen Woche verstorbenen Altmeisters Hensel von Hirzenhain, hob dessen Verdienste um die deutsche Bienenzucht hinsichtlich der Erforschung des DienenstaateS, wie auch der praktischen Aus­wertung dieser Ergebnisse hervor und bezeichnete seinen Tod als einen unersetzlichen Verlust für die Organisation. Sodann wies er auf den Wert der Ä^chtstativn hin, die durch Auslese der Stvckmutter in Verbindung mit Wahlzucht der Drohnen die Erträgnisse der deutschen Bienen­zucht heben solle, um die Einfuhr ausländischen Honigs überflüssig zu machen. Mit herzlichen Worten des Dankes an die Preußische Staats­forstverwaltung, die den Platz unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat, und an Herrn Hai­bach von Krofdorf, der dem Verein den Dröhne- rig umsonst überließ, weihte der Vorsitzende die Einrichtung und forderte die Mitglieder zur reichlichen Inanspruchnahme aus. Der Vorsitzende des Oberhessischen Bienenzüchtervereins, Lehrer R u n k von Ridda, beglückwünschte den Bezirks­verein Dießen zu dieser mustergültigen Anlage und gab noch nähere Hinweise auf Grund seiner fast 50jährigen Erfahrungen auf dem Gebiete der Zuchtwahl von Königinnen. Ein gemütliches Beisammensein in dem nahen Waldhaus bildete den Beschluß der schön verlaufenen Tagung.

** Deutschnationale Volkspartei. Man schreibt uns: In der vor einigen Tagen abgehaltenen Mitgliederversammlung der hiesigen OrÄgrupp« erstattete zunächst Provinzgeschäfts­führer Kühn (Wetterfeld) einen Bericht über die OrganisationSarbeit auf dem Lande. Er wies dabei auf die Schwierigkeiten hin, die der Agi­tation vielfach entgegen stehen, und hofft, diese nach stnd nach durch stete Arbeit zu überwinden. Sodann sprach Rechtsanwalt Zimmer (Gießen) in längeren Ausführungen über die bevorstehende

hessisch« Landtagswahl. Der gegenwärtig« Land­tag sei auf drei Jahre gewählt worden, habe aber seine Lebensdauer selbstherrlich um ein Jahr ver­längert. Das werde jetzt nicht mehr möglich sein, da die Mehrheit des hessischen Volkes nicht hinter den Koalitionsparteien stehe. Es gelte im Herbst, den rechten Flügel stark zu machen. Der Kampf gegen links und gegen die Mitte müsse auch in Hc'sen durchgeführt werden. Vor allem sei das Partcibuchbeamtentum auch in Hessen zu be­seitigen. Es müsse oben und nicht unten gespart werden, besonders auch beim LandeStheater, für das der hessisch« Staat einen jährlichen Zuschuß von 700 000 Mark aufbringe. Der Redner be­sprach sodann die Aufgabe der nationalen Oppo­sition und streifte den Voungplan, von dessen Llndurchführbarteit sich fast alle Parteien über­zeugt hätten. Wenn die Reichsregierung glaube, mit der Rotverordnung die Reichsfinanzen zu sanieren, so sei das ein Irrtum: jede neue Steuer zerstör« eine größere Zahl selbständiger Existen­zen. Die Deutschnationalen verlangen die Auf­hebung der Rotverordnunz. Man müsse die Tri­butzahlungen senken, dann sinke auch die Zinsen­last, dann könne wieder gebaut werden, und die Zahl der Arbeitslosen werde sich verringern. Leute, die 12 Jahre lang Erfüllungspolitik ge­trieben und damit nur Mißerfolge erzielt hätten, seien nicht geeignet, eine wirklich nationale Politik zu führen. Die Deutschnationalen ständen geschlos­sen hinter ihrem Führer Dr. Hugenberg. Sie wollten die Macht im Staate erringen. Das gehe aber nur auf dem Wege über den Stimmzettel. Bei den hessischen Landtagswahlen werde die Entscheidungsschlacht zwischen rechts und links geschlagen.

DHC. Gießen. Die Iuniwanderung des VHC. Gießen führte am Sonntag bei einer Be­teiligung von über 60 Personen in einen reiz­vollen Teil des Taunus. Don Butzbach ging dr« Wanderschar über beit Schrenzer, um die schöne Fernsicht, die allerdings ziemlich verschleiert war, zu genießen, und am Forsthaus vorüber zur Frühstücksrast nach Hausen. Der Weitermarsch ging über einen Höhenrücken an der Pilgrams­eiche vorbei auf schönen Waldpfaden bis zu dem 420 Meter hoch gelegenen Taunusdörfchen Bo­de n r v d. Eine frisch« Brise gestaltete die herr­schende Hundstaghihe einigermaßen erträglich. Auf mancherlei Kreuz- und Querwegen in den ausgedehnten Waldungen gelangte man in die sog. Maibacher Schweiz, der sich daS wildroman­

tische Michelbachtal mit mächtigen Felspartien anschloß. Bei Wernborn wurde die Landstraße erreicht, und auf dieser ging eS. mit unterwegs hübschen Blicken nach dem HochtaunuS, zum End­ziel Ziegenberg, dellen hochragende» Schloß schon von weitem sichtbar war. Don hier ging es nach der Rast mit PvstautoS zur Bahnstation Butzbach zurück.

* Metzgermei st er-Versammlung. Die Metzgermeisler des Landkreises Gießen hielten am Sonntagnachmittag im Saale des Restaurants Faul­stich eine Versammlung ab. Syndikus Röhr von der Handwerkskammer-Nebenstelle sprach über die derzeitige wirtschaftliche Lag« des Meggcrgewerbe» in unserer engeren Heimat, wobei er auf die Schä­digungen durch Schwarz, und Hausschlachtunaen hinwies. Er forderte dabei weitgehende steuerlich« Heranziehung aller über den Eigenbedarf hinaus- gehenden Hausschlachtunaen, sowie die Erhebung von Schlachtgebühren. Weiter vertrat der Redner die Auffassung, daß die Prüfung der Frage, ob und inwieweit cs sich um über den Eigenverbrauch hinausgehende Hausschlachtungen handele, nicht den Polizeiorganen überlassen werden dürfe. Eine grund­legende Aenderuna dieser Verhältnisse sei nur durch eine in sich geschlossene Organisation zu erreichen. Das zweite Referat hielt Geschäftsführer Kirch­ner von der Beratungsstelle des Bezirksverbonde» der Gcwerbevereine, der besonders auf die Bedeu­tung der Organisation hinwies, um dann in einem ausführlichen Bericht über die Aufgaben und die Tätigkeit der Beratungsstelle des Bezirksoerband» der Gewerbevereine zu sprechen. 5n der Aussprache- wurden zunächst die bezüglich der Schwarz, und Hausschlachtungen in Aussicht genommenen Maß­nahmen besprochen, die zusammen mit den maß­gebenden Handwerkerorganisationen durchgeführt werden sollen. Weiter wurde die Notwendig­keit eines Zusammenschlusses de» M e tz g« r g e w e r b e s im Landkreis Gie­ßen anerkannt. Bezüglich der Form der geplanten Organisation entschied sich die Mehrheit für eine Freie Innung. Zur weiteren Bearbeitung der gesamten Angelegenheit, insbesondere guch zur Vor­bereitung der Satzungen, wurde «ine Kommission gebildet, die aus den Herren V o l k m a n n Lollar, Hofmann- Grünberg, L. Heller- Lich, D o p f« Lang-Göns, G u n tr u m - Reiskirchen, W. H a a»« Wieseck und Gg. Philipp II. Watzenborn-Stefn« berg besteht.

Verantwortlich für Politik: i. D. Ernst Dlumschein,

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