Ausgabe 
16.2.1931
 
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Milcherzeugerverband im Frankfurter Wirtschaftsgebiet.

WSN. Friedberg, 14. Febr. Im hiesigen Kasino fand gestern nachmittag die stark besuchte Generalversammlung des Milch- erzeugerverbandes im Frankfurter Wirtschaftsgebiet unter Leitung von Landtagsabgeordneten Fenchel (Ober-Hörgern) statt. Es wurde vor allem zu der Lage auf dem Frankfurter Milchmarkt Stellung genommen. Ein längeres Referat von Dr.Sauer (Friedberg) vom Refornrbund der Gutshöfe befaßte sich ein­gehend mit dem ThemaRationalisierung der Milcherfassung und des Milchabsahes im Frank­furter Wirtschaftsgebiet im Rahmen des Reichs- milchgesetzes". Der Redner forderte im Ramen der Milcherzeuger die Durchführung eines Gene­ralplanes zur Schaffung einer Äbsaygenossen- chaft. Dieser Auffassung wurde in einer Ent- chlicßung an die Reichsregierung und an mah- ;ebliche Reichstagsabgeordnete Ausdruck ver- iefjen.

Landkreis Gietzerr.

OO Klein-Linden, 13. Febr. Die Milch- s p e i s u n g an der hiesigen Volksschule ist nun so weit geregelt, daß an 21 Kinder bedürftiger Eltern die Milch kostenlos abgegeben werden kann. Die Kosten für die Speisung werden zur Hälfte von der Zentralstelle für Kinderspeisung in Darmstadt ge­tragen, in die übrige Hälfte der Kosten teilen sich der 5trcis Gießen und die Gemeinde Klein-Linden. Der hiesigen Volksbücherei wurden in letzter Zeit zur Anschaffung neuer Bücher namhafte Bei­träge zugefteuert, so von der Spar- und Darlehns- kasse Klein-Linden G. m. b. H. 20 Mark und von der Bezirkssparkasse Gießen 20 Mark. An Erwerbslose werden die Bücher ohne Leihgebühr abgegeben.

r. La n g - G ö n s , 15. Febr. Der älteste Ein­wohner unseres Dorfes, Landwirt Konrad Mül­ler XXIII., ist gestorben. Er hat ein Alter von 91 Jahren und vier Tagen erreicht und war während seines ganzen Lebens niemals ernstlich krank. Sein Bruder der vor sieben Jahren starb, war 94 Jahre alt. Manner über 90 Jahre sind nun nicht mehr in unserer Gemeinde. Die älteste Einwohnerin ist nun Frau Anna Elisabeth B r ü ck e 1. Sie wird im März das 91. Lebensjahr vollenden. Ein Jahr jünger ist Frau Barbara M a U s , die im 90. Lebensjahre steht.

0 Holzheim, 15. Febr. Der Kriegerver - e i n hielt seine 5 7. Jahreshauptversamm- lung ab. Der 1. Vorsitzende, Landwirt Wilhelm Laux I., gedachte zunächst der verstorbenen Kame- raden. Die'Mitgliederzahl des Vereins beträgt etwa 100. Den Kameraden Gg. Heinrich Grieb (Ehren­vorsitzender) und Jakob Zwiß IV. (Vorstandsmit­glied) wurde das Hassia-Ehrenkreuz und neun ande­ren für 40jährige und längere Vereinstätigkeit ein Diplom zuteil, zwei Veteranen erhielten vom Reichs­präsidenten dessen Bild mit eigenhändiger Unter­schrift Der Kassenbericht ergab in Einnahme 580 Mark, in Ausgaben 540 Mark, der Ueberschuß be­läuft sich auf 40 Mark. An Stelle des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Bäckermeister Hch. Müller I. wurde Landwirt Hch W e tz III gewählt.

ch Garbenteich, 15. Febr Auf Einladung des Kirchenvorstandes und der Gemeindevertretung fand hier eine Versammlung statt zwecks Gründung eines evangelisch-kirchlichen Frauen­vereins. Pfarrer Steiner (Haufen) besprach den Zweck der Frauenvereine, besonders wie sie in Notzeiten sozial wirken wollen zum Segen der Ge­meinde und so eine soziale Notgemeinschaft dar- stellen. Anschließend wurde die Vereinsgründung vollzogen. Es meldeten sich sogleich 110 Mitglieder In den Vorstand wurden gewählt als 1. Vorsitzende Frau Dr. Rupp, als stellvertretende Vorsitzende Frau Katharina S ch ö ck. als Rechnerin und Schrift­führerin Frl. Anna Jammer; dem erweiterten Vorstand gehören an- Pfarrer Steiner (Hausen), die Frauen Helene Stein, Sophie Lotz, Marie Hk, a s und Margarete W e h r u m Wwe. Im roei= te^.n Verlaufe der Versammlung wurde der Beitritt

Der Mann der das Lachen verlernt Hal.

Vornan von Gert Höchberg.

Copyright by Martin Feuchtwanger. Halle (Saalei 8 Fortsetzung. Nachdruck verboten

Maria!

Sie durfte nicht mit einem Makel behaftet werden! Richt durch ihn! Riemals durch ihn! Die Verlobung zwischen ihr und Vonenbirchner, von einer Intrigantin geschickt im passenden Augenblick in Szene gesetzt, mutzte nun be­stehen bleiben!

Es war das einzig Richtige, diese Verlobung! Doch die Fürstin sollte sich verrechnen!

Niemals würde sie den Judaslohn in Gestalt seiner Liebe von ihm erhalten.

Drautzen entstand ein kurzer Wortwechsel.

Stephans Stimme:

Herr Oberleutnant Graf Kentner ist nicht zu sprechen. Ich darf ihn jetzt auf keinen Fall stören."

Sie werden mich zu ihm führen." Rein! Mein Herr braucht seine Ruhe." Graf Kentner gtng zur Tür, öffnete sie weit: Ah, Durchlaucht bemühen sich selbst? Dars ich bitten?"

Die Fürstin kam hereingerauscht. Mit undurch­dringlichem Gesicht schloß Stephan hinter ihr die Flügel der hohen, weihen Tür.

Drinnen standen sich zwei Menschen gegenüber, von denen jeder wußte, dah eine schnelle Aus­sprache das beste sei. Wenn auch jeder sich den Ausgang dieser Aussprache ganz anders vor­stellte.

Darf ich Ihnen diesen bequemen Sessel an­bieten, Durchlaucht? Es sitzt sich sehr gut darin."

Ihre blauen Augen blitzten in tiefster Er­regung.

Kentner, lassen Sie diesen Ton fallen. Wir wissen beide, was jetzt fein mutz."

Ich leider nicht. Ich bin in letzter Zeit sehr begriffsstutzig, wie Ihnen ja nun bekannt sein dürfte, Durchlaucht."

Kentner!"

In leicht vorgcbeugter Haltung stand Graf Kentner da, blickte mit einem grausamen Lächeln auf die schöne Frau.

Ah, ich verstehe, Durchlaucht wollen den Lohn für die heutige gute Tat. Bitte, nennen Sie mir doch den Preis."

Die Fürstin blickte entsetzt in dieses eiserne Gesicht; sie sah das grausame Lächeln um den schön geschnittenen Mund, und sie ächzte:

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In Zusammenarbeit mit Behörden und Wohlfahrtsstellen speist die Reichswehr regelmäßig die Aermsten der Berliner Bevölkerung aus der Gulaschkanone.

zum Landesverband der evangelischen Frauenvereine Hessens beschlossen. Die wöchentlichen Zusammen­künfte sollen zunächst jeden Mittwochabend statt­finden.

gck. G r o ß e n - B u s e ck, 15. Febr. In der hiesigen V o l k s h o ch s ch u le hielt Dr. M a l e ch aus Gießen einen medizinischen Vortrag für Frauen. Die Zu­hörerinnen folgten den Ausführungen des Redners, der rein wissenschaftliche Fragen durch glücklich gewählte Beispiele aus dem täglichen Leben nahe zu bringen wußte, mit großer Aufmerksamkeit. An den in etwa Aroei Wochen folgenden zweiten Vortrag soll sich eine Aussprache anschließen.

Z ^Allendorf a. d. Lda., 12. Febr. Der hiesige Männergesangverein hielt im Vereins- lokal seine Jahreshauptversammlung ab Den Rechenschaftsbericht erstattete der Vor­sitzende Döll. Aus dem Bericht ging hervor, dah dem Verein zur Zeit 70 aktive und 39 pas­sive Mitglieder angehören. Die Rechnungsablage ergab eine Einnahme von 1539,53 Mark, eine Ausgabe von 1264,49 Mark, so dah ein Lieber- schuh von 275,04 Mark verblieb. Die Vorstands­wahl brachte mit geringfügigen Aenderungen die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes. Es gehören demselben zur Zeit an: Sparkassenrechner Döll, 1.Vors.; Maurermeister Phil. Keil, 2. Vors.; Sch rein ermerster Ludw. Krieb, Rech­ner; Schuhmachermeister Heinr. Wiehner, Kontrolleur: Kaufmann Max Rosengarten 1. und Weihbindermeister Iohs. Benner V. 2. Schriftführer: Fuhrunternehmer Ludw. Hoos, Landwirt Ludw. Becker und Schmiedemeister Hch. Schmidt als Beisitzer. Der seitherige Dücherwart, Stadtkassengehilfe Karl F r i tz g e s blieb in seinem Amt. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde beschlossen, die Feier des 25jährigen Bestehens wegen der wirtschaft­lichen Verhältnisse im engsten Rahmen zu be­gehen. Der Kriegerverein hielt eben­falls seine Jahreshauptversammlung ab. Zu die­ser Versammlung erschien auch Professor Dr. Kraemcr als Vertreter derHassia", Redak­teur Albin Klein für die Bezirksschießabteilung

und Leutnant a. D. D o n h a r d t für die Kriegs­beschädigtenabteilung. Der 1. Vorsitzende, Lehrer Strack, gab einen kurzen Rechenschaftsbericht. Der alte Vorstand wurde einstimmig wieder­gewählt. Es gehören demselben zur Zeit an: Leh­rer Strack 1., Wagnermeister Karl Wallen­fels I. als 2. Vorsitzender; Landwirt Christian Wallenfels als Schriftführer; Weitzbinder- und Malermeister Chr. Ranft als Rechner, Schuhmachermeister Ludw. Krieb, Maurer­meister Hch. Käs II. und Rechner Form hals als Beisitzer. Die Rechnungsablage ergab an Einnahmen 487,22 Mark, an Ausgaben 441,18 Mark, der Kassenbestand beträgt 46,04 Mark. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Sodann hielt der Dezirksvorsitzende Prof. Dr. Krae- mer eine Ansprache und überreichte den drei anwesenden Kriegsveteranen aus 1870/71, Iohs. Damm III., Heinr. Krieb III. und L. Nvll I. das Hassia-Ehrenkreuz. Kamerad Albin Klein hielt einen kurzen Vortrag über Schießsport im Kriegerverein. Zum Schlüsse sprach noch Kame­rad D o n h a r d t über die Iugendgruppen. Ka­merad Nachtigall wurde mit der Bildung einer Iugendgruppe beauftragt und zu deren Führer bestimmt.

Kreis Büdingen.

-w Stockheim, 12. Febr. Der hiesige Mu­sikverein hält am 28. Juni ein Musikfest ab. Die Veranstaltung verspricht sehr bedeutend zu werden, denn schon 16 Musikvereine der näheren und weiteren Umgebung gaben ihre Zusage zur Teilnahme. Den Höhepunkt des Festes wird ein Massenchor von etwa 250 Bläsern bilden, den Obermusikmeister Helfrich, Stock­heim, dirigieren wird.

Kreis Schotten.

V Schotten, 15. Febr. Unter Vorsitz von Kreisdirektov Dr. Sann fand hier die Haupt­versammlung des Kreis-Ob st- und Gar­tenbauvereins statt. Aus dem Tätigkeits­bericht war zu ersehen, daß eine Reihe von Vor­trägen, Gemarkungsrundgängen, Obstbaum­

schnitt-, Pfropf- und Pflegekursen sowie Sprech« tagen abgehalten wurden. Die Rechnung für 1930 schloß mit einer Einnahme von 1591,73 Mk. und einer Ausgabe von 1521,22 Mk ab, so daß ein Kassenvorrat von 70,56 Mk. verblieb. Der Der« mögensstand beträgt 1966,14 Mk. Dem Rechner, Verwaltungs-Oberinspektor Müller, wurde Entlastung erteilt. Der Voranschlag für 1931 wurde genehmigt. Nach der Erledigung der ge­schäftlichen Angelegenheiten sprach Dr. Becker von der Pflanzenschutzstelle in Gießen in fesseln­der Weise überSchädlingsbekämpfung im Obstbau".

V © c ö e r n, 15. Febr. Die GedernerBank hielt ihre Generalversammlung ab. Die vorgelegte Iahresrechnung wurde einstimmig ge­nehmigt und die Entlastung erteilt. Die Gewinn- und Verlustrechnung wurde mit 6 051,19 Mk. Reingewinn genehmigt. Hiervon werden 3000 Mark dem Reservefonds zugeschrieben und 2666,65 Mark als achtprozentige Dividende ausgeschüt­tet. Der Gesamtumsatz betrug 5188 000 Mk., die Außenstände in Höhe von 470 003,42 Mk. verteilen sich auf 437 Schuldner. Die Spareinlagen der Bevölkerung betrugen Ende 1930 443114,58 Mk.

Kreis Alsfeld.

-er. Homberg. 15. Febr. Am Donnerstag­abend fand im hiesigen Rathiuse die wohlver­diente Ehrungeines Feuerwechr^-Iubi- lars statt. Der 78 Jahre alte Feuerwehrmann Georg Wilhelm konnte auf feine 5 0jäh - rige Zugehörigkeit zur Freiwilligen Feuerwehr Homberg zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurde ihm das Chrenkreuz für Feuerwehrverdienste überreicht. Kreisfeuerwehr­inspektor Knierim (Alsfeld) und Bürger­meister Schweiler (Homberg) feierten den ver­dienstvollen Jubilar in trefflichen Worten. Im hiesigen Gewerb everein hielt Zivilingenieur Fuhrmann einen interessanten Lichtbildervvr- trag überDie Leipziger Messe und ihre volks­wirtschaftliche Bedeutung". Der Vortragende gab den aufmerksamen Zuhörern einen eindrucksvollen Begriff von der Größe dieser Messe und guten Aufschluß über ihren Aufbau und ihre Organi­sation.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

Wetzlar, 13. Febr. In derAlten Postk* fand eine Bezirkstagung des ländlichen Genossen­schaftsverbandes statt. Zum erstenmal hatten sich die Vertreter der beiden großen Organisationen (Wiesbaden Raiffeisen) in dem neuen Ein­heitsverband, der in den Bezirken Nassau, Oberhessen und dem Kreis Wetzlar über 1000 Genossenschaften zählt, zu gemeinsamen Deratun- gen zusammengefunden. Der Verbandsvorsihends Dr. Nölten eröffnete die Tagung und wies auf das endlich gelungene Werk der Einigung hin. Als erster Redner der Tagung sprach Ver­bandssekretär Deck (Frankfurt a. M.) über die Organisation des neuen Einheitsverbandes und gab einen Ueberblick über dessen einzelne Ein­richtungen und deren Schaffen. Als zweiter Red­ner sprach Dr. Strub von der Genossenschaft­lichen Zentralkasse über den Geldverkehr inner­halb der Genossenschaft und forderte auf, dazu beizutragen, den Verband zu stärken, um ihn finanziell von der Preußenkasse unabhängig zu machen. Schließlich hielt noch Direktor Kuhn ein Referat über den Warenverkehr. Er beschäfriqte sich mit der Getreidewirtschaft und befaßte sich mit dem Vorgehen einzelner Syndikate bei der Festsetzung der Düngemittelpreise. Aufsichtsrats­mitglied Gaß (Dutenhofen) forderte zum Schluß zu energischer Arbeit im Sinne der Genossenschaft und zum Wohle der Landwirtschaft auf.

3 Krofdorf, 12. Febr. Unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Brockmeier fand hier je eine Sitzung der Amtsvertretungen von Atzbach und Launsbach statt. Der Vorsitzende begrüßte in beiden Sitzungen die Anwesenden und gedachte

Mein Ruf, meine Frauenehre, meine ganze gesicherte Zu Hins t stehen auf dem Spiel. Sie müssen wissen, was Ihre Pflicht ist, Kentner!"

Verzeihung! Aber was habe ich mit Pflicht in diesem Falle zu tun? Daß Sie den Ruf Ihrer Kusine mit Ihrem eigenen schützten, war gewiß bewunderungswürdig! Doch mit mir hat das doch nichts zu tun!

Kentner, mein Mann jagt mich aus dem Hause. Ich habe das alles nicht um Marias willen getan, sondern weil ich Sie liebe, Kentner."

Das verstehe ich nicht, Frau Fürstin. Wie konnten Sie um eines Phantoms willen soviel aufs Spiel setzen?"

Ein Phantom? Kentner, haben Sie denn kein Herz mehr im Leibe?"

Endlich treffen Sie das Richtige! Ich habe kein Herz mehr, Durchlaucht: es ist wahr!"

Graf Kentner! Wissen Sie jetzt endlich, was Sie einer Dame, noch dazu der Fürstin Leob- stein, schuldig sind?"

Ich bin Ihnen nichts schuldig, Durchlaucht. Ich habe mit allem abgeschlossen, was das Leben mir bis zum heutigen Tage brachte."

Kentner, ich komme zu Ihnen und Eie sagen mir das?"

Ich kann nichts anderes sagen, Frau Fürstin. Das bisherige Leben ist tot für mich."

Sie verschmähen mich also! Glauben Sie nicht, daß ich Sie diese Abweisung fühlen lassen kann?"

Es würde mich nicht berühren, Durchlaucht."

Ihre Augen wurden groß, starr. Von ihren Lippen zitterte es:

Graf Kentner, Sie - Sie wollen aus dem Leben scheiden?"

Kaum! Weil es keinen Zweck hätte! Weil damit nichts ungeschehen gemacht werden könnte."

So wollen Sie mit vor das Gericht kommen?"

Ah, Verzeihung, jetzt erst verstehe ich Sie, Durchlaucht. Sie wollten mir nahelegen, welches der einzig richtige Weg für mich fei?"

Das nein! Das nicht! Ich nahm es nur an."

Die Stimme der Fürstin klang ganz tonlos.

Nicht? Aber ich hätte es Ihnen nicht mal übelgenommen. Für mich wäre es halt doch wohl das beste?"

Nein' Nicht! Tun Sie es nicht, Kentner. Dann hat sie, die Maria, doch noch den Triumph, daß Sie um ihretwillen gestorben sind. Soll sie sich an Bonenbirchners Seite darüber freuen?"

Er antwortete nicht, hing dem Klang ihrer Worte nach, gab ihr recht und doch auch wieder nicht und fragte nach einer Weile:

Meinen Sie nicht, daß Maria an der Seite dieses Mannes kaum jemals zu einer Freude kommen wird?"

Sie wird sich damit abfinden müssen, Kentner! Ich muß es ja auch."

Ich bitte um Verzeihung, Durchlaucht. Viel­leicht bin ich ein Idiot, daß ich Ihre Liebe

nicht zu schätzen weih, doch ich kann nicht gegen meine Natur."

Sie lieben Maria noch immer?"

Das weih ich nicht einmal genau; ich weiß nur, daß ich mit den Frauen fertig bin für alle Zeiten." k

Die schöne Frau wußte, daß es ihm bitterer Ernst war und daß nichts,, gar nichts seine Ge­sinnung mehr ändern würde. Sie strich mit der Hand über sein Haar.

Soll ich schweigen? Soll Maria auch weiter­hin geschont toerben? Wollen Sie wirklich alles allein auf sich nehmen? Ich will Sie nicht be­lügen, Kentner, in dieser Stunde nicht! Ich wäre nicht zu Ihnen gekommen, wenn Sie arm wären. Armut ertrüge ich heute nicht mehr. Trotzdem habe ich Sie geliebt, wie ich noch nie einen Mann geliebt habe. Ich will noch wahrer sein. Mein Mann machte mir vorhin den Vorschlag einer Versöhnung. Er will in diesenr Falle nur den Hausfriedensbruch geltend machen vor Gericht. Vor dem Militärgeriht! Was sagen Sie dazu?"

Sehr schön das alles. Nun kann ich wenigstens über Ihr Schicksal beruhigt sein, Durchlaucht."

Beschämt fah sie vor sich nieder beschämt und erschüttert. Dann sagte sie:

Aber Sie sind schuldlos, und gerade Sie sollen der einzige sein, der büßen soll!"

Wieso schuldlos? Ich fühle mich durchaus nicht schuldlos, Durchlaucht. Ich habe mich eines regelrechten Hausfriedensbruchs mit tätlichem Angriff auf einen Gast das Hauses schuldig ge­macht. Warum soll man mir denn solche Roheiten nachsehen? Wäre direkt ungerecht, Durchlaucht. Ihr Herr Gemahl ist mehr wie im Recht, wenn er sich da so hilft, wie er es für gut befindet."

Die Lippen der schönen Frau zuckten.

Der Feigling", sagte sie verächtlich.Ich bleibe nur bei ihm, weil Sie mich zurückgewiesen haben. Sonst bliebe ich nicht! Ich verachte ihn jetzt mehr beim je."

Weshalb? Seine Durchlaucht haben sich boch immer sehr korrekt benommen. Es wäre ungerecht, ihm an bem heutigen Geschehen eine Schulb bei- messen zu wollen."

Ratlos sah sie ihn an. Was sollte sie nur noch sagen? Warum verwirrten sich ihre Gebanken? War es, weil Graf Kentner mit seinen großen bunkelgrauen Augen sie so schweigenb musterte?

Sie streckte die Hanb aus.

Sagen Sie boch ein Wort, Kentner! Soll ich bie Wahrheit sagen? Mag bie Schulbige es boch mit büßen, unb bas Gericht würbe sich boch sicher auch sehr für Bonenbirchners Erpressungsverfuche interessieren? Seit langem erpreßt bieser Mensch Gelb, hohe Summen von Maria."

Es würbe nur ein Mensch mehr mit hinunter­gezogen, Durchlaucht. Ich benke auch an bie Eltern Marias. Was liegt an mir?! Meine Mutter ist tot, der ich Herzeleid hätte ersparen

müssen, mein Vater hat sich längst getröstet. Wozu also unnütz Staub aufwirbeln? Es bleibt alles, wie es ist. Graf Kentner springt über bic Klinge, unb aus der ganzen Tragöbie geht ein glückliches Brautpaar hervor."

Die Fürstin weinte plötzlich laut auf.

Kentner, was werben Sie tun?

Ich bin mir noch nicht ganz klar, die Zeit war zu kurz.

Die Fürstin beugte sich plötzlich vor, küßte bie schöne braune Männerhanb, und bann lief sie schnell zur Tür.

Leben Sie wohl, Kentner."

Ehe er etwas sagen konnte, war sie ver- schwunben.

In Gebanken verloren, setzte sich Gras Kentner auf bie Ecke bes großen Tisches, der in der Mitte bes Zimmers stand. Er starrte auf bas Muster des Teppichs, er zählte die dunklen Rosen, bie bort eingewebt waren. Er sah Marias schönes, blasses Gesicht, er sah ben Feinb, wie er sich am Boden wand, gezüchtigt von seiner, Kentners, Hand. Mit der eigenen Reitpeitsche.

Unb plötzlich lachte Gras Kentner, lachte, lachte.

Stephan stanb mit ber kleinen Wirtin, zu Tobe erschrocken, im Flur, unb sie hörten auf biefeS wahnsinnige Lachen. Dann war es brinnen still, ganz still.

Ich gehe hinein, unb wenn es mein Tob ist! Ich muß wissen, was er macht", sagte Stephan entschlossen unb rannte vor zur Tür.

Gerabe, als er sie öffnen wollte, tat sie sich auf: Gras Kentner in ber offenen Jacke stanb auf ber Schwelle.

Cs ist schon gut Ich bitte um den Kaffee. Frau "Mali."

Die kleine Frau rannte in bie Küche, Stephan aber blickte verdonnert auf seinen Gebieter.

Räum' auf.

Gras Kentner ging langsam ins Zimmer zurück, und der treue Stephan folgte ihm.

Der Skandal war da! Gras Kentner bekam bis auf weiteres Stubenarrest, den man aber nach vier Tagen wieder aufhob; warum, blieb un­erfindlich. Rittmeister Prinz Forgentheim war bei Graf Kentner gewesen, hatte sich sehr freund­lich mit ihm über die letzten Manöver unterhalten, hatte mit keinem Wort die auf der Tagesordnung stehende Affäre gestreift unb war bann mit einem freunblichen Händedruck und einem ebenso freund­lichen Lächeln gegangen. Aber bort, wo ber Ritt­meister gesessen hatte bort lag dann neben dem Glase ein Revolver.

Heimtückisch blinkend, mit Silber beschlagen, lag er da. Und Graf Kentner nahm ihn, betrach­tete ihn sehr eingehend, sehr genau unb legte ihn bann in bas Schubfach zu seinem eigenen Re­volver.

(Fortsetzung folgt.)