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nr. 295 Erstes Blatt
181 Jahrgang
Dienstag, 15. Dezember 1931
Lrlchein» täglich,außer Sonntags und Feiertag».
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Gietzener Anzeiger
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot,- für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.
Deutschland am Vorabend der Abrüstungskonferenz.
Eine Unterredung mit Reichswehrminister Groener. — Die Wehrverbände keine militärischen Reserven. — Die Handelsflugzeuge für den Kampf untauglich. — Deutschlands Sicherheit inmitten waffenstarrender Nachbarn aufs äußerste bedroht.
Berlin. 14. Dez. (WTB.) Reichswehrminister Dr. Groener gewährte dem Vertreter eines amerikanischen Korrespondenzbureaus ein Interview, in dein er sich mit den Fragen der Abrüstung befaßte.
Auf die Frage, ob man den sog. W c h r - verbänden — Stahlhelm. Reichsbanner, SA. — als personellen Faktor des deutschen potentiel de guerre einen militärischen Wert als Reserve der Reichswehr beimessen könne, erwiderte der Minister, die Behauptung von einem militärischen Wert der Verbände sei eine Legende. Der militärische Wert kann nur auf sorgfältiger militärischer Schulung und Waffenübung beruhen» Beide Voraussetzungen fehlen bei den deutschen Wehrverbänden, sind dagegen z. B- bei den polnischen Wehrverbänden vorhanden.
Deutschland kennt keine militärische I u g e n d a u s b ild u n g wie die Nachbarstaaten. Die sportliche Betätigung der deutschen Wchrverbände hat mit militärischer Ausbildung nichts zu tun, sonst müßte auch jeder Turnverein und jeder Ausflug der Schuljugend ins Gelände zum potentiel de guerre jedes betreffenden Landes zu rechnen fein. Den deutschen Wehrverbänden fehlt es außerdem an Waffen jeder Art. Die alten Kriegswaffen muhten vernichtet werden, neue dürfen nur für die Zwecke der Reichswehr von wenigen genau bestimmten Fabriken und nur für die Reichswehr angefertigt werden. Auch die Reichswehr selbst verfügt nur über eine Garnitur von Waffen, so daß also eine Bewaffnung der verbände aus Reichswehrbeständen unmöglich ist.
Ebenso unmöglich ist die Mobilisierung der privaten Organisationen zu innerpolitischen Zwecken, um sie etwa als Reserve der Polizei und Wehrmacht einzusetzen. Mein rücksichtsloser Kampf gegen jede parteipolitische Beeinflussung derReichswehr ergibt sich gerade daraus, daß jede Vermischung der Wehrmacht mit den parteipolitisch und weltanschaulich untereinander in scharfem Gegensatz stehenden Wehroerbänden auch die staatlichen Machtmittel innerlich schwächen und zersetzen werde. Daher unterhält die Reichswehr keineBeziehungenzuirgend- einem Wehroerband.
Auf die Frage nach dem militärischen WertderdeutschenZioilflugzeugeund der französischen Forderung auf Schaffung einer Völkerbundsflotte erwiderte der Reichswehrminister unter anderem: Der Präsident der französischen Luftfahrtkommission, Oberst B r o c a r d, der im Kriege selbst ein bekannter Jagdstaffelführer war, hat vor einiger Zeit in der französischen Kammer über die Frage eines Umbaues von Handelsflugzeugen in Kriegsflugzeuge erklärt: „Aber vergessen Sie nicht, um dies zu tun, muß man die Geschwindigkeit des Flugzeuges vermindern, seinen Rumpf nach allen Seiten verändern, seine Steigfähigkeit vermindern und damit das ganze Flugzeug viel verletzbarer gehalten. Wenn ich die Ehre hätte, Piloten zu kommandieren, die gegen eine derartige umgewan- delle Handelsluftfahrt zu kämpfen hätten, so wäre dies eine prachtvolle Sache." — Der Kampf eines fo umgebauten Flugzeuges würde fein wie ein Kämpf zwischen einem bewaffnetsn Handelsdampfer und einem modernen Kreuzer. Aber selbst, wenn ein solcher Umbau theoretisch möglich wäre,
was bedeutet die geringe Anzahl derartiger umgebauter deutscher Flugzeuge gegen die französische Militärluftflotte, die nach den Worten des französischen Luftfahrtministers über 2800 Flugzeuge ohne Reservebestände umfaßt. Die von Deutschland beantragte gänzlicheAbschaffung der 2Hi- litärluftfahrt und das verbot des Bombenabwurfs aus Flugzeugen aller Art für alle Mächte wären die wirksamsten Mittel, um die Offensiokraft der neuzeitlichen Kriegswaffe zu brechen und die Bevölkerung vor den Gefahren de- Luftkrieges zu schützen, wer die Kriegsgefahr mindern will, muh für die Abschaffung der wirksamsten Offensivwaffe eintreten.
Bezüglich der Aufstellung einer eigenen militärischen Exekutivmacht des Völkerbundes brauche ich nur auf die jehr- gen Vorgänge in der M an dschurei hinzuweisen, um die Schwierigkeiten dieses Problems aufzuzeigen. Eine Exekutivmacht des Völkerbundes seht Preisgabe eines Teiles der staatlichen Souveränität der Dölkerbundsmitglieder voraus. Aber auch Briand hat in seinem Paneuropamemorandum als die Grundlage des Völkerbundes die Souveränität der Staaten und die Gleichheit ihrer Rechte genannt. Eine Völkerbundsstreitmacht, die lediglich ein Vollzugsorgan der militärisch stärksten Staaten darstellt, würde dem Grundsatz der Gleichberechtigung ins Gesicht schlagen und die kleinen Staaten wehrlos der Machtpolitik der hoch
gerüsteten Staaten ausliefern. Das Gebot der Stunde heißt Abrüstung und nicht Sa - botagederAbrüstung durch Aufwerfen von Problemen, deren Lösung entweder undurchführbar oder erst in ferner Zukunft möglich ist.
Lieber die Frage der Sicherheit Deutschlands und seine grundsätzliche Stellungnahme zum Abrüstungsproblem erklärte der Minister weiter: Deutschlands LInsicherheit ergibt sich aus dem gewaltigen Llnterschied zwischen den Rüstungen der Rachbarstaaten und der eigenen Entwaffnung.
IenseitsberGrenzen sieht der Deutsche: Mililärtustflotten, gewaltige Geschwader an Kampfwagen, Massen von schwerer Artillerie und andere Kriegswerkzeuge, die Deutschland alle verboten sind. Jenseits der deutschen Grenzen stehen die Heere, die auf dem Prinzip der allgemeinen Wehrpflicht auf- gebaut sind. Die Deutschland aufgezwungene heerorganisalion der kleinen Berufswehrmacht erlaubt weder das Ansammeln militärischer Reserven, noch die Bereitstellung von Reserve- material. während die Nachbarstaaten ihre Grenzen durch neuzeitliche Befestigungen sperren, darf Deutschland an der Off- und Südgrenze keine Befestigung anlegen und muhte an der Westgrenze beiderseits des Rheins eine entmilitarisierte Zone einrichten.
Dasselbe Mißverhältnis der militärischen Stärke besteht auch in der Seerüstung. Während das deutsche Deplacement für die jetzt viel genannten Ersahbauten unserer veralteten Linienschiffe auf 10 000 Tonnen beschränkt wurde, gelten für die Capital ships anderer Seemächte 35 000 Tonnen als Höchstdeplacement. 0 - B o o t e, Flugzeugträger und Marineflugzeuge sind Deutschland verboten. Die deutsche Gcsamttonnage beträgt nur 125 000 Tonnen gegenüber der Tonnage Englands von mehr als einer Million Tonnen, Japans von 800 000 Tonnen. Frankreichs von etwa 650 000 Tonnen. Frankreich baut in jedem Jahre 50000 Tonnen neue Kriegsschiffe, in drei Jahren also mehr, als das gesamte Deplacement der deutschen Flotte beträgt. Aus diesem dln» terschied an Recht und Macht und aus den feierlichen Verpflichtungen der Siegermächte, dem deutschen Beispiel in der Abrüstung zu folgen, ergeben sich
d I e Grundsätze der deutschen Ab- rüslungspolllik: Gleichberechtigung,
Gleichheit in den Methoden der Abrüstung und gleiche Sicherheit für alle Völkerbundsmitglieder. „Sicherheit und Abrüstung" und nicht „erst Sicherheit, dann Abrüstung" heiht die Parole für die Abrüstungskonferenz von 1932 und für die Gesundung der Welt in wirtschaftlicher, polilifcher und moralischer Hinsicht.
Die Sozialdemokraten gegen eine Einberufung des Reichstags.
Berlin, 14. Dez. (121.) 3n der Sitzung der sozialdemokratischen Reichslagsfraktion am Montagnachmittag wurde eine Entschließung gefaßt, in der es heiht:
„Die Notverordnung vom 8. Dezember ist von einer Regierung erlassen, der kein Sozialdemokrat angehört. Die sozialdemokratische Reichslagsfrak- tion lehnljede Verantwortung für jene Teile der Notverordnung ab, die eine neue Belastung der Arbeiter, Angestellten und Beamten mit sich bringen. Sie erhebt gegen die Eingriffe in das Tarif- recht, gegen die Senkung der Löhne, Gehälter und Sozialrenten schärfsten Protest. In ihrem Bestreben, die schädlichen Bestimmungen der Notverordnung durch erträgliche zu ersetzen, findet die sozialdemokratische Reichstagsfraktion bei den Parteien der verantwortungslosen Opposition keine Unterstützung. Sie ist nicht in der Lage, mit ihnen eine Regierung bilden zu können, die die Verordnung vom 8. Dezember durch eine bessere erseht. Ein A u f - hebungsbeschluh des Reichstages kann deshalb eine praktische Wirkung nicht haben. Eine politische Krise im gegenwärtigen Augenblick würde aber nur d i e Verwirrung st e i g e r n, die Verhandlungen mit dem Ausland
ins Stocken bringen, die Wirtschaftskrise und mit ifjr das Massenelend verschärfen. Notwendig ist es, die besonderen Härten, die die Notverordnung für einige Arbeiterkategorien mit sich bringt, zu beseitigen. Durch stärksten Massendruck muh dahin gewirkt werden, eine Verbilligung der gesamten Lebenskosten zu erreichen, die zu den Lohnkürzungen den notwendigen Ausgleich schasfl. Unter Hinweis auf die Erklärung der Reichsregierung, dah es vornehmste Pflicht der Regierung fei, darauf zu achten, dah der jetzige Stand von Löhnen und Gehältern nur bei einem entsprechend tief gehallenenStande aller Preise aufrecht erhalten bleiben könne, erklärt die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, dah auch für sie eine neue Lage entstanden sein werde, wenn sich herausstellt, dah die Senkung der Preise mit jener der Löhne nicht Schritt hält. Sie behält sich für diesen Fall ihre weiteren Beschlüsse vor. Eine der Ursachen für die ungeheure Verwirrung der Weltwirtschaft bestehe in der Kriegs- verschuldung der Staaten untereinander und ganz besonders in dem System der deutschen R c - parationszahlungen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion fordere die Befreiung des deutschen Volkes von unerträglichen Lasten.
Die Schweiz fönbigl den Handelsvertrag.
Deutschlands Zwang zum Warenexport von Bern nicht anerkannt.
Bern, 14. Dez. (WTB.) Nach Kenntnisnahme des negativen Ergebnisses der wirtschaftsverhand- lungen mit Deutschland hat der Bundesrat beschlossen, den Handelsvertrag mit Deutschland am 18. Dezember 1930 zum 4. Februar 1932 z u kündigen. In der Note, in der er die Kündigung mitfeilt, wird der Bundesrat der hosnung Ausdruck geben, durch durch neuerer- handlungen eine neue Gestaltung der gegenseitigen Handelsbeziehungen möglich fein wird. Es ist übrigens zu betonen, dah durch diese Kündigung nicht ohne weite re s ein Zollkrieg ein- geleitet wird.
An zuständiger Berliner Stelle hat die Kündigung des Handelsvertrages durch die Schwei; nicht überrascht, und auch in Berlin steht man auf dem Standpunkt, daß der nun elngetrelene vertragslofe Zustand mit der Bezeichnung „Zollkrieg" nicht getroffen wird. Die Schwierigkeiten der Schwei; werden auch durchaus anerkannt. Man erwartet jedoch von der schwei;erischen Regierung das Verständnis dafür, daß die Lage Deutschlands noch viel schwieriger ist. Wenn Deutschland in feiner bekannten Finanzlage ohnehin nur die Möglichkeit hat, feine Schulden durch Warenlieferungen ab;ufragen, eine Tatsache, die in den schwebenden internationalen Finanzverhandlungen in Basel und in Berlin die Grundfrage bildet,
kann sich auch keine deutsche Regierung finden, die ihre Ausfuhrmöglichkeifen freiwillig beschneiden würde, indem sie die von der Schweiz zugemufefen Kontingentierungen anerkennt. 3m übrigen werden in den nächsten Tagen Handelsvertragsverhandlungen auch mit Frankreich im Rahmen der deutsch-französischen wirfschasfsbesprechungen ausgenommen werden, für die ein deutsches Eingehen auf die schweizerischen Kontingenfierungswünsche e l n gefährliches Präjudiz darstellen würde.
Berliner Echo.
Erhebliche Verschärfung der Lage.
Berlin, 14. Dez. (ENB.) Zu der Kündigung des deutsch-schweizerischen Handelsvertrages schreibt die „V o s s i s ch e Zeitung": Die H'osftmng ist gering, daß die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz keine wesentliche Verschärfung erfahren. Die führenden Schweizer Kreise find da leider entschlossen, die Augen vor der Tatsache zuzu machen, daß Deutschland feine Schulden nurmitWarenbe- zahlen kann und daß die Schweiz entweder Geld und Ware von Deutschland annehmen muß oder keines von beiden. Von dem vertraglosen Zustand, der voraussichtlich zwischen Deutschland und der Schweiz eintreten wird, werden natürlich beide Länder schwer betroffen, welches schwerer, das muß die Zukunft erweisen, — Der „Angriff" sagt:
Man scheint sich im Lande der Eidgenossenschaft in keiner Weise darüber klar geworden zu fein, daß die Zahlungsbilanz zwischen Bern und Berlin nicht nur durch In- und Export, sondern in ganz beson- ders hohem Maße d u r ch d i e A n l e g u n g d e u t- scher Kapitalien in derSchweiz und durch den deutschen Reiseverkehr beeinflußt wird. Man sollte weiter bedenken, daß allein in einer einzigen deutschen M i 11 e l ft a b t schon heute mehr Arbeitslose vorhanden sind, als im gesamten Schwei z e r Gebiet. Diese Arbeitslosenzahl würde nach den Schweizer Wünschen noch erheblich vermehrt werden. Wenn die Schweiz den handelspolitischen Krieg will, schön, dann soll sie sich aber nicht wundern, wenn von deutscher Seite sehr fühlbare Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Die Einfuhrbeschränkung der Schweiz.
Bern, 14. Dez. (WTB.) Der Bundesrat unterbreitet der Bundesversammlung einen Gesetzentwurf über die Beschränkungen der Wareneinfuhr. Danach sei der Bundesrat zu ermächtigen, zum Schutze dkr nationalen Produktion vorübergehend d i e Einfuhr bestimmter von ihm zu bezeichnender Waren zu beschränken oder von Bewilligungen abhängig zu erklären, deren Bedingungen er festsetzt.
Bankenkonzeniration und Bankbeamte.
Berlin, 14. Dez. (WTB.) Reichsfinanz- minister Dietrich empfing am Samstag den Vorsitzenden des deutschen Bankbeamtenvereins Für st en berg und den Generalsekretär des Gewerkschaftsringes L e m m e r zu einer Aussprache über die Absicht, eine Großbanken- fusion herbeizuführen. Hierbei trug Fürstenberg die schweren volkswirtschaftlichen und sozialen Bedenken vor, die gegen eine weitere Bonkenkonzentrotion erhoben werden müssen. Es drohe eine neuerliche Existenzgefährdung für Tausende von Bankangestellten und eine weitere Verschlechterung deS Arbeitsmarltes. Der Reichsfinanzminister anerkannte durchaus die Berechtigung der Bedenken und betonte auch seinerseits, daß eine übersteigerte Konzentration des Bankwesens sowohl in staatspolitischer als auch in sozialer Beziehung nicht ohne Gefahren sei. Eine endgültige Entscheidung der Reichsregierung über den Umfang und die Form der zum Teil zwangsläufig notwendig werdenden Aktion im Bankwesen sei noch nicht erfolgt. Auf alle Fälle aber werde er sich dafür einsehen, dah die für die Bankbeamten etwa ein- tretenden wirtschaftlichen Schäden soweit wie irgend möglich gemildert würden.
Empfang der Gewerkschaften beim Reichskanzler.
Berlin, 14. Dez. (ENB.) Wie wir erfahren, hat Reichskanzler Dr. Brüning die Vertreter der drei Gewerkschaft srichtun gen zu einer Besprechung empfangen, die sich auf die Vermeidung außergewöhnlicher Härten bei der Durchführung der Lohnsenkung und Probleme der Preissenkung erstreckte. An der Besprechung haben auch die Vertreter der Beamtenorganisationen teilgenommen.
25 kommunistische Funktionäre in Frankfurt verhaftet.
Die Polizei verhaftete heute früh etwa 25 kommunistische Funktionäre in ihren Wohnungen und nahm sie in polizeilichen Gewahrsam. — Die Kommunisten beabsichtigten heute trotz der Notverordnung Demonstrationen zu veranstalten, weit heute nachmittag in der Stadtverordnetenversammlung über die Gewährung einer win - terbeihilfe an die Erwerbslosen verhandelt werden soll.
Tfchiangkaischek Wückgelreten.
Erfolg des radikalen Flügels der Kuomingtang.
Schanghai, 14. Tez. (WTB.) Der Präsident der chinesischen Republik Tschiangkai- s ch e k ist z u r ü ck g e t r e t e n. Der Rücktritt wurde angenommen. Man erwartet auch den Rücktritt des Finanzministers und zahlreiche andere Personalveränderungen. Wie verlautet, wird Tschiangkaischck das Amt eines Generalissimus mit dem Oberbefehl über 500 000 Mann beibehalten. Das Amt des Prüft- benten der Rationalregierung, von dem Tschiang- kaischek zurückgetreten ist, dürfte vorläufig, d. h. bis zur Umbildung der Regierung, von dem Mitglied des äleberwachungsausschusses der Kuo» mintang, Linshan, übernommen werden. Wahrscheinlich wird in der neuen Regierung das kantonische Element überwiegen.
Die Rachricht vom Rücktritt Tschiangkaischeks hat ungeheures Aufsehen erregt. Der Rücktritt scheint von der Kantoner Gruppe, an deren Spitze Sunfo und der Parteiveteran W a n g t s ch i n g- w e i stehen, erzwungen worden zu sein. Diese» Gruppe nutzt die Enttäuschung infolge der Entschließung des Völkerbundes dazu aus, die Mißstimmung gegen Tschiangkaischek zu schüren. Sie wurden unterstützt von chauvinistischen Studenten und Mitgliedern des linken Flügels der Kuomingtang, die von jeher dio Politik Tschiangkaischeks bekämpft haben.


