Ausgabe 
15.9.1931
 
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Nr. 215 Zweiter Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Dienstag, 15. September 1931

von unserem 8t..Berichterstatter.

nicht nur nach China, fonbern auch nach

orea.

Oie Herbsttagung der O.L.G

Beratungen der Sonderausschüsse.

eine- der wichtigsten Förderungsmittel der deut­schen Tierzucht auf der bestehenden Grundlage fortgesührt werden muh. Der LeistungSgcdanke kam ebenso auch in der Sitzung deS Sonder­ausschusses für Schweine-Lei st ungs- prüfungen zum Ausdruck, wo die Vorschläge von Ticrzuchtdirektor D a h l a n d e r - Königs­berg über gemeinsame Bewertung der Zucht- lcistungen diel Beachtung sanden. Ein wichtige- Gebiet sind die ebenfalls in den letzten Jahren stark geförderten Schlachtbeobachtungen, die den Zweck haben, die Wünsche der Verbraucher ent­sprechend zu berücksichtigen und den deutschen Markt mit Qualitätsware zu beschicken. 3m S o n- derausschuf) f ü r Echlachtbeobachtun- g en an Schweinen wurde die einheitliche Durchführung der Zerlegung der Schweine nach dem Göttinger Verfahren besprochen. Hieran schloß sich eine Aussprache über die Verfahren zur Beurteilung der Schweine im lebenden und im ausgefchlachteten Zustand, um auf solche Weise die Schlachtbeobachtungen einmal auf das le­bende Tier und danach auf dasselbe Tier nach der Schlachtung zu erstrecken.

WSR Darmstadt, 14. Sept. Am Sonntag begann hier die Herbsttagung der Deut­schen Landwirtschafts-Gesellschaft mit einer Reihe von Ausschuhfihungen. 3n der Vorstandssihung des Deutschen Rinder- Leistungsbuchs, daS durch die D. L. G. vor einigen 3ahren geschossen worden ist und in­zwischen trotz der erschwerenden Zcitumstände einen über Erwarten großen Fortschritt gemacht hat, wurde bekannt, daß in diesem 3ahre über 1100 Kühe unter Prüfung stehen, eine Zahl, die über die Eintragungen der beiden Vorjahre weit hinausgeht. Bemerkenswert ist, daß auch in der letzten Zeit neue Höchstleistungen aufgestellt sind, die mit einer Jahresleistung von über 15 600 Kilogramm Milch und von 614 Kilogramm Milch­fett die amerikanischen Höchstleistungen noch über­treffen. Auch das Höhenvieh, und hier besonders das Höhen-Fleckvieh, hat bei seinen im Rinder- Lcistungsbuch eingetragenen Tieren ganz außer­ordentlich hohe Leistungen hervorgebracht. Jeden­falls kam allseits die Meinung zum Ausdruck, daß das Deutsche Rinder-Leistungsbuch als zeit­gemäße Schöpsung erhalten bleiben und als

kittet. Während die unterirdische Wühlarbeit fort- schreitet, sucht die Diplomatie nach versöhnenden Phrasen. In Chardin sieht man am Horizonte des Fernen Ostens ein warnendes Menetekel erscheinen, das nicht nur für Asien, sondern auch für Europa seine Bedeutung hat.

Neben der versteckten Wühlarbeit werden aber auch in aller Oeffentlichkeit Vorbereitungen fürden Sturm über Asien" getroffen. Bei der Fernöstlichen Armee sind besondere Abteilungen aus Koreanern, Mongolen und Burjaten gebildet, die für den Bürgerkriegbestimmt sind. In Nik. Ussuriisk und in Wladiwostok sind für die koreanische Jugend, die sich in sowjetruffische Dienste stellen will. Schulen gegründet, in denen sie eine militärische Ausbildung erhält, aber auch in die Geheimnisse der bolschewi­stischen Propagandapolitik eingeweiht wird. In Nertschinsk und in Werchne Udinsk sind den dortiaen Garnisonen etwa 1500 militärisch ausgebildete Ko­reaner zugeteilt. Weitere 5000 Mann stehen in Be- reitschast Ferner bewaffnet. Rußland Chunchusen- banden, Scharen von Deserteuren und Räubern, die an der mandschurischen Grenze ihr Unwesen treiben und denen ciiv Rolle als revolutionäre Vorhut zu- gedacht ist. Eewstverständlich steht auch die Rote Mongolische Armee, die militärisch betrachtet Aroar sehr unbedeutend ist, ganz unter sowjetrussi­schem Einfluß. Auf ihre Reorganisation durch ruf- fische Instrukteure wird ein besonderes Augenmerk geachtet.

Korea sind untcrdcsten ernste Unruhen au.gebrochen, die sich allerdings nicht gegen die ja­panischen Behörden, sondern gegen die in Korea ansässigen Chinesen richten. Die chinesischen Konsulate wurden von aufgeregten Volksmassen ge­stürmt, die Läden geplündert und trotz des (Eingrei­fens der Polizei an mehreren Stellen ein Blutbad angerichtet. Mehr als 200 Chinesen wurden nieder- aemekelt und mehr als tausend schwer verwundet. Den Anlaß zu diesen Vorfällen gab die sogenannte Wangpaoschen-Affäre: etwa eine Million Koreaner hatten sich allmählich nahe der Grenze in der Südmandschurei angesiedelt. Sie wurden dort von chinesischen Wucherern ausgebeutet. Es kam zu ernsten Reibereien mit den Chinesen und schließlich überfielen auf Anstiftung der Wucherer einige hun­dert Chinesen eine koreanische Niederlassung und zerstörten die erntereifen Felder und Wohnungen.

Sturm über Asien

Die Bewegung griff um sich und die Koreaner wur­den bald überall gehetzt und ausgeplündert.

In Japan, in besten Einflußsphäre ja bie Süd- manbschurei liegt ift man sich ber Schwierigkeit der Lage wohl bewußt, ba sich dadurch die an sich schon gespannten Beziehungen zu China noch mehr versteifen. In einigen Teilen Chinas und ber Manbschurei hat bereits als Antwort auf bie Chi- nefenmorbe in Korea ber Boykott der japa­nischen Waren begonnen, auch ist ber chinesiiche Vize-Außenminister angewiesen, bie Angelegenheit vor bem Volkerbunb zur Sprache zu bringen. Wie aber ber japanische Premierminister Wakalauki noch kürzlich betont hat, betrachtet man in Tokio bie ja­panischen Konzessionen in ber Sübmanbschurei als unantastbar. Ein starker Mann, der frühere Kriegs­minister U g a k i, wurde zum Gouverneur von Korea ernannt und Militär wird an der mandschu­rischen Grenze zusammengezogen. Daß an diesen Vorfällen Sowjetrußland nicht unschul- d i ist, darf angenommen werden, da es aus den Rassen- und Dolkergegensätzen Vorteil zu ziehen Hof t, wobei ber Fernöstlichen Roten Armee eine ent cheibenbe Rolle zugedacht sein mag.

Je verworrener und unübersichtlicher sich die Dinge in Korea und ber Manbschurei gestalten, um so mehr erwacht in Japan bas Interesse für Sibirien, namentlich für ben östlichen Teil bis zum Baikalsee. Es Haden sich einige japanische Ber­einigungen gebilbet, bie in Charbin Zweignieber- lassungen unterhalten, bie sich speziell mit Sibirien befassen unb ein ausgiebiges Propaganbamaterial verbreiten. Da ist zuerst bie .Hokney", zu ber meh­rere japanische Staatsmänner gehören. Zum inneren Komitee ber Hokney finb einige russische (Emigran­ten als Berater hinzugezogen worden. Ferner be­fiehl bieSin Ta o Kai", ine vor etwa zwei Jahren einen Aufruf an bie Sibirier richtete, in bem es unter anberem heißt:3f)r seid vor zwölf Jahren unter das rote Joch geraten. Wir sind bereit, euch die Hand zu reichen und euch zu retten. Bedenkt, daß, um leben zu können, wir ben roten Schat- ten aus Asien vertreiben müssen". Die zahlreichen russischen Emigrantenorganisationen in Charbin und im Fernen Osten setzen gewiße Hoff­nungen auf Japan, unb manche von ihnen stehen mit Tokio in BerbinDung unb erhallen von bort Instruktionen und Geldmittel. Es ist sehr schwer vorauszusehen, wie sich bie Dinge im Fernen Osten entwickeln werden. Man spielt mit verdeckten Star­ten, und iede Partei glaubt gute Trümpfe in ber Hanb zu haben. Nach außen werben bie Riste ver-

(Nachdruck, auch mit OueUenangabe, verboten.) Charbin, Snbe August 1931.

(Ein Sowjetfilm hat auch dem fernen Europa vor einiger Zeitben Sturm über Asien" vor- fesuhrl, Bilder aus einer fremden Welt und von remben Menschen Man lieft unb hört gewiß grauenvolle Berichte aus China, aus ber Mandschu­rei unb aus Korea, man lieft unb vergißt, denn Europa hat seine eigene Not, wer weiß aber, ob die Vorgänge im fernsten Osten nicht die ersten Flam­menzeichen eines wirttichen Sturmes über Asien sind, das Wetterleuchten einer Epoche, die sich an- kündigt. Seit ber Graf Murawjew-Amursky ben Osten Sibiriens für Alexander II. in Besitz nahm, hat sich oft genug bas Schicksal ber Völker im fernsten Osten zusammengebraut. Der Streit um die Wälder am Ialuslusse gab den äußeren Anlaß Aum russisch japanischen Kriege mit seinen unabsehbaren Folgen und Kräfteoerschiebun- gen. Japan nahm Besitz von Korea unb von ber iüdmanbschurischen Bahn, Charbin wurde ber Brennounkt russischer, ^inesischer unb japanischer Interessen. Wegen ber o st ch i n efi s ch e n Bahn brach vor etwas mehr als einem Jahr ber bewaff­nete Konflikt zwischen Sowjelrußlanb unb ben manbschurischen Truppen aus, ein Konflikt, der durch den Vertrag von Chabarowsk und durch die Verhandlungen in Moskau noch lange nicht end­gültig beigelegt ist. In der Mongolei wartet bas Geheimnis zukünftiger Ereignisse.

Moskau hat aus Anlaß des mandschurischen Kon- stilles die Fernöstliche Sonberarmee unterBlüdjerins Leben gerufen. Ihre Aufgabe ist heule mehr eine politisch-propagandistische, als eine militärische. Der leichte Sieg über bie schwachen chinesischen Truppen längs bes Bahnkörpers hat diese Armee in ben Augen aller fernöstlichen Re­volutionäre mit einer Aureole umgeben unb hat bei ihnen bie Ueberzeugung heroorgerufen, baß sie im Ernstfälle auf bie russische Hilfe r e chn e n können. Aus biefer Armee reichen geheime Fäden

Aus der Provinzialbauptfiadt.

Gießen, den 15. September 1931.

Gind Frauen eitler oder Männer?

Rur zu oft hört man diese Frage. Sie zu be­antworten, ist schwer. Man mühte zwischen Selbst­gefühl,« Eitelkeit und Geltungsbedürfnis unter­scheiden. Es wird wahrscheinlich, wie immer im Leben, so sein, daß der eitle Mann genau so eitel ist wie die Frau, unb daß er sie in Einzelfällen vermutlich wohl noch übertreffen wird.

.Schont mein Gefichtl Zielt auf mein Herz!" König Mural von Reavel rief es den Soldaten zu. die ihn erschossen. ÄuS EitelkeitI Der Gast- wirtSfohn auS Bastide. der eS zum Marschall unb Schwager RapoleonS gebracht hatte, konnte im Augenblick deS TodeS keinen andern Gedanken fassen, als daß sein hübsches Gesicht nicht von den strafenden Kugeln zerfetzt werden mögel

Eitelkeit ist kindlicher Selbstbetrug.

Wird ein Mann jemals zugeben, daß et be­schränkt ist? Ober daß er einen Rausch hatte? Oder daß er faul und unzuverlässig ist? Oder, - vor allem. daß er zu all ist, um och Augen und Sinn für Frauen haben zu dürfen?

Wird eine Frau jemals zugeben, daß sie eine schlechte Figur hat? Daß sie sich geschmacklos anzieht? Daß sie unvernünftig handelt? Daß sie andere Frauen ungerecht beurteilt? Daß sie über 45 ist? Daß ihre Beweisgründe falsch sind?

Die Eitelkeit zwingt Mann und Frau, an den Tatsachen vorbeizusehen. Sie nimmt den von ihr Behafteten die Hälfte der freien Zeit und verbraucht einen großen Teil der Rervenkraft.

Wir lassen uns nur zu gern durch die Worte unserer Freunde betrügen; wir hören nicht auf daS unbestechliche Urteil deS Spiegel- und be­lügen uns selbst.

Ein Mann wird Jahr um Jahr schwerhöriger. Er muß manche Freuden deS Lebens entbehren. Seine Familie muh sich daran gewöhnen, die Unterhaltung nur noch schreiend zu führen. Er zwingt sie einfach dazu, und wenn sich Mutter und Tochter auch eine Mandelentzündung an den Hals schreien. Er schafft sich kein Höhrrohr an. Aus Eitelkeit. Denn das Höhrrohr würde feine Schwerhörigkeit bestätigen.

Eine Frau wird Jahr um Jahr ihre grauen Haare zuerst einzeln auszjehen und dann färben.

Wie derLederstrumpf" entstand.

3um 80. Todestage 3- I- Coopers.

Don Viktor ttlages.

Als James Fcnimore Cooper, 62 Jahre alt, am 14. September 1851 in bem von seinem Vater gegründeten Orte Cooperstown starb, verärgert unb fast gänzlich unbeachtet, vollendete sich eben ein Bier* teliahrhundcrt seit Beginn des Ausstiegs, der diesen ersten wahrhast amerikanischen Dichter zu unerhör­tem Wellruhm führen sollte. Im Herbst 1826 nämlich war die ErzählungDer Letzte der Mohi­kaner" auf dem Markt erschienen, Teil jenes später zusaminengeslellten Meisterbuches, das wir in Deutschland unter dem Titelß c b c r ft r u m p f" kennen. Kaum ein belletristisches Werk hat je einen solchen Erfolg aufzuweisen gehabt wie biefes. Zum erstenmal wurde hier der Indianer in den Mittel­punkt des Geschehens gestellt, und es war ein ge­nialer Könner, ber den Anfang machte. Das Buch, in alle Kultursprachen übersetzt, bald von jedem Kind gekannt, wirkte wie ein Signal. (Eine ungeheure Flut von Indianergeschichten ergoß sich über die geduldige Menschheit, ift heute noch nicht verebbt, doch bleibt festzustellen, daß keiner der Nachempfinder das große Vorbild zu erreichen vermochte.

Cooper hat keineswegs als Schreibender begonnen. (Er gehörte zu jenen, die sich erst verhältnismäßig spat sanden, denn noch mit dreißig Jahren dachte er nicht daran, die Feder anzurühren. Wenn er irgend­wie konnte, umging er sogar die briefliche Mittei- lung. »ein Leben ließ bas natürlich erscheinen. Er war als Matrose auf Segelschiffen gefahren, war dann in bie amerikanische Marine eingetreten unb soß nun mit seiner jungen Frau auf beren Farm in der Nähe von Mamaroneck, entwässerte den Morast und bestellte die Felder. Ein an sich unbedeutender Vorfall erweckte ihn zum Dichter. Cooper las seiner Frau eine der konventionellen Geschichten aus der englischen Gesellschaft vor. Die kitschige Art der Dar­stellung reizte seinen Zorn, er warf das Buch in die Ecke und behauptete schlankweg, daß er selbst viel bester schreiben könne. Vermutlich hat Frau Cooper nicht wenig gelacht; jedenfalls ist bezeugt, daß der Dichter durch die Haltung seiner Frau sozu- sagen herausgeforderl wurde, den Versuch zu unter­nehmen. Ende 1820 veröffentlichte er eine heule ganz vergessene Geschichte. Sie hießDie Warnung",

war voll Lords unb Ladys, hatte aber einen, wenn auch bescheibenen Publikumserfolg. Jetzt wuchsen Cooper bie Kräfte. (Er löste sich von ber Trabilion, griff zu einem amerikanischen Sujet, was niemand vor ihm getan hatte, und schrieb anonym die GeschichteDer Spion", die in den Unabhängig­keitskriegen spielt. Die Aufnahme dieses Werkes war für damalige Verhältnisse ftaunenerregenb: es wurde unmittelbar nach btyn Erscheinen ins Französische übersetzt, wurde dramatisiert, unb bas alte Lafayette- Theater am Neuyorker Broadway hatte Abend für Abend ein volles Haus. Nun war der Weg geebnet. Das drille Buch Coopers,Die Pioniere", be­fand sich noch nicht drei Stunden in ben Händen ber Buchhändler Manhattans, ba waren bereits 3500 Exemplare verkauft!

Cooper beschloß, nach Neuyork überzusiebeln, um in Fühlung mit den Verlegern zu kommen. (Er hatte verschiedene Wohnungen, bevorzugte aber meist bie Peripherie der Stadl, und in dem großen Backstein­haus in Greenwich Village nahe dem Hudson, wurde nunDer Letzte der Mohikaner" zu Papier gebracht. Die Inspiration zu dieser Erzählung kam auf einer Reise, die Cooper eines Sommers nach dem George, und Champlain-See machte. Es war der spätere Lord Derby, der den Dichter darauf ljinroies, daß diese Gegend sich wundervoll als Hin­tergrund einer neuen Geschichte eignen würde. Schon im Jahre Darauf war die Arbeit fertig. Auch seine ErfahrungenVor dem Mast" nutzte Cooper jetzt aus, und so entstand u. a. die SeegeschichleD e r Lotse".

Noch bevor das Buch, das ihn in aller Welt be­rühmt machen sollte, erschienen war, hatte Cooper den Plan gefaßt, seine äußere Lebenshaltung von neuem zu verändern. Der Plan wurde auch sofort ausgeführt. Im Sommer 1826 schiffte er sich mit seiner Frau nach (Europa ein, wo er eine Zeitlang zu verweilen gedachte. (Eine Zeitlang? Es wurden im ganzen sieben Jahre. Zuerst nahm er in Paris Aufenthalt, sand dort nicht nur freudigstes Ent­gegenkommen, sondern man feierte ben schon sehr bekannten Dichter in einer Art unb Weise, die an Kult grenzte. Aus einem Briefe seiner Frau ist bas bcutlid) zu lesen.Sie machen ben Löwen bes Tages aus ihm", schreibt Frau CooperPrinzessinnen schreiben ihm, unb er erhält viele Einlabungen von hochgestellten Persönlichkeiten. Bon ber Prinzessin Galitzin z. B. wird er so oft eingelabcn, baß ich unbe» Dingt eifersüchtig sein würde, wenn die Dame nicht

schon Großmutter wäre." Bei der Prinzessin Galitzin lernte Cooper übrigens auch Waller Scott kennen. In Florenz, wohin er sich bann begab, würbe ihm biefelbe begeisterte Aufnahme zuteil, ebenso in (Eng- lanb. (Er konnte mit bestem Willen all ben (Ein­labungen nicht nachkommen, mußte viele ablehnen. Als berühmter Mann, ber er nun war, durfte er sich das erlauben. Mit Bewunderung berichtet sein Freund F. B. Morse, dem das Schicksal die (Er* finbung bes Telegraphen vorbehielt, baß Coopers Werke sofort nach bem Erscheinen in 34 frembe Sprachen übersetzt wurden. (Ein ungeheurer (Erfola.

Wie sich aber sein Ruhm im Ausland mehrte, so verminderte er sich in den Bereinigten Staaten. Welchen Grund hatte man, Cooper weniger zu achten als früher? Zunächst kann cs nur das Gefühl ge­wesen sein, daß er landflüchtig geworden war, aber auch diese Deutung hält tiefer gehender Forschung nicht stand, denn der Dichter tat im Ausland alles, um fein unb der anderen Amerikanertum zu ver­teidigen. Er lehnte nicht nur die Werbung eines fran. zöfischen Edelmannes um die Hand feiner Tochter ab, weilwir gute Amerikaner bleiben wollen", sondern er schrieb auch eine Broschüre, in ber er aus Neuyork ein Parabies bes Himmels machte. Nach feiner Rückkehr aUerbings gab er ben empfindlichen Landsleuten manche Ursache zur Beschwerde. Neu* york war nicht mehr die Stadl, bie er vor sieben Jahren verlassen hatte; ihn ekelte bie mehr unb mehr um sich greifenbe Kommerzionalsierung, unb er hielt mit seiner Meinung wahrhaftig nicht hinterm Berg. Ueberbies jeboch hatte sich ber Publikumsgeschmack erschreckenb schnell oeränbert. Die Abenteurer- geschichte war nicht mehrdernier cri, bie Be­sprechungen ber Cooperschen Bücher in ben Zeitun­gen offenbarten einen herablassenben, fast mitleibigen Ton, der Den Autor zum Aeußersten reizte, so daß er schließlich nicht weniger als acht Klagen gegen verschiedene Tageszeitungen anftrengte. Die Ameri­kaner lachten darüber. Anstatt stolz zu sein auf diesen Mann, betrachteten sie ihn als armen Verrückten, und auch Der letzte Schlag, zu Dem Der Dichter aus- holte, konnte an Dieser Tatsache nichts änDern, im Gegenteil: er verstärkte Die landläufige Meinung. Cooper veröffentlichte nämlich eine SchriftM eine Heimat, roie i ch s i e wiederfand", in der er das Neuyork, Das ihm noch vor kurzer Zeit als ParaDies gegolten hatte, einen .Zufluchtsort für Geldwechsler" nennt. Konsequent wie er war, verlieh er dieses Neuyork unb ging nach Cooperstown. Aber

Sie wirb ihre Augen überanstrengen und ver­derben. um keine Brille tragen au müssen. Au- Eitelkeit. Hie weiß nicht, daß sie durch einen Kopf mit gepflegten Silberdaaren lieblicher und um zehn Jahre jünger au-fieht. Ader graue Haare würden da» Mittelalter bestätigen!

3m Zugeben, daß man alt und schwerhörig wird, daß man Unrecht bat, daß man töricht handelt, liegt vor allen Dingen die lleberwindftng der Eitelkeit.

Zugeben, daß die Gründe zu dem Streit, den du führst, auf falschen Voraussetzungen beruhen, beendet den Streit. ES erhält Freui.dschasten und spart viel Zeit und Rervenkraft. Allerdings auf Kosten der Eitelkeit.

Der Mann hat gesiegt, der spät abend- nach Hause kommt und auf die Vorwürfe der Frau antwortet: .Du hast recht, mein Kind! Ich habe au viel getrunken! Hupp! 'Aber, mein Lieb­ling. was kann man jetzt noch daran machen? Hupp..

Keine Frau der Welt wird daraufhin noch etwa» zu sagen wissen! M. A.

Verlängerung der Stcueramnestiefrist

(WTB) Im Anschluß an Die gestrige Mitteilung gibt bas Reichssinanzminislerium bekannt, baß bie Steueramncftiefrlft auf jeden Fall bis zum 15. Oktober allgemein ver­längert wird. Dies gilt auch für Die Abgabe Der Vermögenserklärung 1931, sowie für Die Anzeige von auslänDischen Familienstiftungen unD Beteili­gungen.

Taten für Dienstag, 15 September.

Sonnenaufgang 5.59 Utjr Sonnenuntergang 18.41 Uhr. Mondausgang 10.38 Uhr, MonDuntergang 19.36 Uhr.

1882: Der Unterseebootsführer Otto Weddingcn In HerforD geboren; 1926: ber Philosoph Rudolf Cucken in Jena gestorben.

vornotizen.

TageSkalender für Dien-tag. Stadtthcater Gießen: »Der Garten Eden", 20 bi« 22.30 Uhr. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .DaS lockende Ziel". Dolksnationale ReichSvereini- gung: .Staatsbürger-Abend" im Hotel Köhler, 20.30 Uhr.

Aus bem Stabttheaterbureau wird uns geschrieben: Heule, 20 Uhr^ 11. Vorstellung bes Sommerabonnements (letzte Neueinstubierung ber Sommerspielzeil)Der Garten (Eben" unter ber Spielleitung Peter Fasso 11s. Tlitrolrfenbc: Da­men: Berger, Doering Koch, Sachse, Schubert-Iüng* ling Wielander, Walther-Lederer; Herren: Bruck, Fastoll, Geiger, Hauer, Heyser, Hub, Michel, Nieren, Schelcher, Volck, Wahlen. Gewöhnliche Sommerpreise. Enbe gegen 22.30 Uhr.

Gießener Wochenmarktpreise.

ES kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt da« Pfund: Butter 140 bi« 150; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 8 bi« 10; Weißkraut 6 bis 7; Rotkraut 8 bis 10; gelbe Rüben 8 bis 10; rote Rüben 8 bi« 10; Spinat 20 bis 25; Römischkohl 8 bis 10; Bohnen 15 bi« 25; Unter-Kohlrabi 5 bi« 6; Tomaten 15 bl« 20; Zwiebeln 8 bi« 10; Meerrettich 40 bis 90; Kürbi­tz bi- 6; Pilze 20 bi- 25; Kartoffeln 3,5 bi- 4; Frühäpfel 8 bis 10; Falläpfel 3 bis 4; Aepfel 8 bis 10; Dörrobst 30 bi- 35; ZWetschen 10 bl­itz; Pfirsiche 40 blS 60; Prelßelbeeren 30 bi« 35; Brombeeren 30 bi« 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 90 bi« 100; Suppenhühner 80 bi« 100; Rüsse 35 bi« 40; da« Stück: Tauben 50 bis 60; Eier 10 bi« 11; Blumenkohl 30 bi« 70; Salat 5 bi« 10; Salatgurkcn 10 bi« 20; Einmachgurken 2 bi« 4; Endivien 10 bi« 15; Ober-Kohlrabi 8 bis 10; Lauch 5 bi« 10; Rettich 10 bi« 15; Sellerie 10 bi« 40; da« Bund: Radieschen 10 bi« 15 Pf.; der Zentner: Kartoffeln 2,80 oiS 3 Mk.

Keine Mittel für heimatkundliche Arbeitsgemeinschaften. Der Minister für Kultus unb BilDungsmefcn hat im Hinblick auf Die schwierige finanzielle Lage Des LanDcs verfügt, Daß tm Rechnungsjahr 1931 für heimatkunDliche Arbeits- gemeinschaften keinerlei Mittel mehr zur Verfügung gestellt roerDen, ebenso kann auch für Lehrersortbil*

auch hier fanD er roeDer Achtung noch Ruhe, hatte langwierige GrünDstücksprozesse mit Den Ortseinge­sessenen, unD als er vor nunmehr 80 Jahren starb, war jeDer Glanz seines amerikanischen Ruhms unter, gegangen im Nebel des Nichtoerftehens unD der Feindschaft.

Heute ehrt man den Toten von neuem auch in Amerika. Eines Dichters schönstes, aber zugleich bitterstes Los.

Zeitschriften.

Das neueste Heft der Süddeutschen Monatshefte, München,Abrüstung und Sicherheit", geht aus von der Abrüslungsfrage bei den Friedensverhandlungen. Deutschland hat inmitten eines in Waffen starrenden Erdteils so sehr abgerüstet, daß sein Zustand der Wehrlosig­keit beispiellos in der Geschichte aller Zeiten da- steht. Dabei besteht Deutschlands Rechtsanspruch auf Rüstungsgleichheit ganz unzweifelhaft, sogar auf Grund des Versailler Diktats. Rach dem Vertrag sollte Deutschlands Abrüstung nur die Einleitung einer allgemeinen Rüstungsbegrenzung aller Rationen sein. Run hat Deutschland Dtcfen begründeten Anspruch auf Abrüstung der an­deren immer wieder betont und gefordert. Wel­cher dornenvolle Weg bei diesen Verhandlungen bis heute zurückzulegen war, zeigt Graf von Bernstorfs, der deutsche Vertreter in der Vorbereitenden Abrüstungskommission, die bi« Dezember 1930 einen Entwurf für ein inter­nationales Abrüstungsabkommen als Grundlage für die erste allgemeine Abrüstungskonferenz fertigstellte. Professor Ho eh sch zeigt, daß dem Entwurf die Garantien für die Grundforderungen der Rüstungsgleichheit vollständig fehlen. Deutsch­land würde weiterhin ein Staat minderen Recht- bleiben und dies durch feine Unterschrift erneut und freiwillig besiegeln. Das deutsche Volk aber muh sich endlich klar werden über die furchtbare GesahrenlagL, in der es sich befindet und die au- dieser Schrift besonder- klar hervorgeht.

Dochschulnachnchten.

Dem Bonner Privatdozenten Rechtsanwatt Dr. Heinrich D r o ft ist ein Lehrstuhl für Strafrecht an der Universität Münster angeboten worden.