Ausgabe 
15.8.1931
 
Einzelbild herunterladen

Samstag, 15. August (951

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbcrheffen)

Nr. 189 Zweites Blatt

den Zypressen als goldene Äugel aufhängen, wie er es vor zehn, vor hundert und vor tausend Jahren tat. Und immer wieder werden eS an­dere sein, die aus den Fenstern nach seinem mil­chigen und kühlenden Lichte starren.

Es gibt Tage, an denen ich auS dem Gesicht der Unbekannten, die einst hier waren, hier um­hergingen, die auf den Treppenstufen lachten und stehenblieben, die ihre Stirne mit quälendem Schmerz in irgendeinen Winkel legten, einen furchtbaren und quälenden Strom des Lebens und der Lebensmöglichkeiten fühle.

Ich weih, auch ich wäre der Freund der Frau geworden, deren Bild mir unenträtselt über dem Blick hängt. Und ich weist, dast sie ihre Perlen­kette auf den Tisch geworfen hätte, um ans Fen­ster zu stürzen, an dem meine Barke mit auS- gespanntern Segel' vorübertrieb, und mit dem Gesang der Dootsknechte ins Dunkel der Abend- dämmerung verschwand wenn ich gelebt hätte vor hundert Jahren

Ich hätte ihr die Knie mit den Händen bedecken dürfen wenn ich gelebt hätte vor hundertfünf­zig Iahren.

Ich hätte einen Pfeil für sie nach einer Möwe geschossen wenn ich gelebt hätte.

Ich hätte Oleanderblüten vor ihren Schritt auf die Treppe gestreut toerm ich gelebt hätte.

derem Gewicht war. Dann setzte er sich an sei­nen Tisch, wo das Pergament lag und schrieb darauf Derse für sein Drama Dubravka.

3eiffd)riffen.

Das Septemberheft von WestermannS Monatsheften bringt u. a. einen bebilder­ten Artikel über den ostpreuhifchen Maler Al­fred Partikel. Die mit vielen Bildern versehens Abhandlung .Auch du. Reuyork", von Rein­hard Weer, zeigt, dast auch Amerika von der Wirtschaftskrise nicht verschont geblieben ist Ernst von Wo (zogen widmet dem verstorbenen Dichter Hans Hermann einen warmen Rachruf. Eine östliche Schilderung von Dr. A. H. Äs- ber, .Der Mann, der mit den Ratten zu Bett ging", wird jeder Tierfreund mit Genuß lesen. 3m Libanon", ein lebendig geschriebener Reisebericht von Kasimir Edschmid, wird durch ein Dutzend Federzeichnungen von Erna Pinner belebt. Don dem weiteren Inhalt sei noch die Rovelle .Die Tänzerin von Prag", von Emil Pirchan, und ein Aufsatz von dem Diplorn-Turn- und Sportlehrer Alfred Müller, .Körpererziehung in der Freizeit" erwähnt.

allen hygienischen, wissenschaftlichen, künstlerischen und erzieherischen Disziplinen unterrid) et sind, die geeignet sind, ihre physische und moralische Krast zu stärken und sie in die Lage versetzt, ihr« jungen Kameraden zu führen. Während des Kur­sus' werden daher neben militärischem Unterricht Bor träge über Leibesübungen. Hygiene, faschi­stische Gesetzgebung und Kultur gehalten.

Fascio in Zelten.

Wie der Faschismus seinen Nachwuchs erzieht. - Ein Besuch im Zeltlager des Monte Mario.

Don unserem v. 0.-Berichterstatter.

Rur mit besonderer Erlaubnis gelingt es, die Lagerwache zu passieren und den großen Platz zu betreten, auf dem im Zeichen der italienischen Trikolore und der schwarzen mit drei ao Ibeneft Löwenköpfen versehenen Fahnen der O. N. B. die geräumigen Zelte aufgeschlagen sind, die je ein Manipel von 32 Avanguardisten und einen Offi­zier vier Wochen lang beherbergen. .Dein Zelt ist dein Haus, achte es als solches". So heistt es in einer Dorschrift, die den jungen Leuten au Beginn in die Hand gedrückt wird. Die Anlei­tung zur Ordnung und Sauberkeit, die sich nicht nur auf Wohngelegenheit und die Uniform, sondern auf die eigene Person des Avan­guardisten bezieht, hat, zumal auch hier der psy­chologische Ansporn des Wetteiferns mit den Ka­meraden ausgenüht wird, sichtbaren Erfolg. Der junge Avanguardist wird zum Teil ganz unbe­wußt Träger einer großen Erzie­hungsaufgabe am italieixischenDvlk. Cs liegen zahlreiche Fälle vor, in denen diese Ge­neration sogar die vorhergegangene zu erziehen beginnt. Sieht man vom Wehrgedanken und von politischen Erwägungen ganz ab, so hat schon dieses Ergebnis deS Führerkursus' eine nicht zu unterschätzende, dauernde Bedeutung, selbst wenn man in Betracht zieht, wieviel Arbeit besonders in den entlegenen Provinzen des apenninischen Reiches noch auf diesem Gebiet geleistet werden

Sauberkeit und Ordnung gehört zu der Disziplin, die als oberste Forderung jebem Teilnehmer deS Kursus' eingeprägt wird. Ich fragte einen braun­gebrannten. stämmigen, süditalienischen Iung» faschisten, was er darunter verstünde. .Diszi­plin ist?', erfolgte die prompte Antwort, .be­dingungslose Unterordnung unter den Vorgesetzten, verbunden mit Ach­tung vor den Kameraden und Hilfs­bereitschaft gegenüber dem Räch­st e n." Weiter abwärts hörte ich, wie einer der Instrukteure beim Geschichtsunterricht feinet Gruppe die Frage stellte: .Warum haben die Rö­mer früher überall gesiegt?" »Weil sie diszi­pliniert waren", lautete die Antwort. Mit der Mahnung: »Erinnere dich, baß immer und aller­orten der Duce dich sieht", wird der Iuilgfa schift im übrigen oft ohne Aufsicht sich selbst überlassen. Das Vertrauen, das man in ihn setzt, macht sich

Wieviele mögen die sechs Stufen, darin die »ehn Stufen und dann noch einmal sechs Stufen schon gegangen, gesprungen vd^ geschlürft fein, die ich nun auf- und niedersteige, manchmal mit einer Gelöstheit des Herzens und des DluteS, daß es wie Freude mir aus allen Wänden und Steinchen entgegenkommt, manchmal mit einer Befangenheit und Schwermut der Sinne, daß ich die Gesichter beneide, die über mir erstarrt, un­berührt und unbewegt ihr verrauschtes Leben und Schicksal mir entgegenhalten.

Ach, Kinder waren sicher darunter, die abwech­selnd eine Stufe übersprangen, um möglichst schnell an den Strand des Meeres zu kommen, wo ein Fischerboot dabei war, mit Retzen, Körben und Stechhaken anzulegen, oder weil Delphine zu sehen waren, die mit spielenden Bewegungen aus dem Meere in die enge Bucht schwammen.

Offiziere auS England und Indien vielleicht, die Fregatten befehligten, aus denen Gewürz- staub in wohlriechenden Wolken quoll; ein Dich­ter vielleicht, den das Meer lockte, weil es immer in Bewegung und immer voll anderer Farbenspiele war; der alte Graf, der hier herein- kam, um hier Stunden seines Rachmittags dem Whist und dem Bridgespiel hinzugeben; der Tür­kenpascha, der mit zwei Frauen immer auf der Terrasse stand und lächelnd schwieg; der dicke Schafhirte Ivo, der seine Schar mit einem pfei­fenden Schi-Schi in die Berge trieb und in daS Haus nur bann hereinkam, wenn ein Lämmchen mit schwarzem Schwanzende und schwarzem Kopf- bleß geboren wurde, daS er den Kindern zeigte...

Oh, ich gedenke aller Füße, die hier hinauf- und hinuntergingen, beschwingt oder schwerfällig, leicht oder tappend, losgelassen oder zögernd; denn alle wurden müde, wie eS das Schicksal von jedem verlangt.

Sie sehen nicht mehr die Fledermaus fliegen, die mit weichem, lautlosem Schwung in der Däm­merung um den First des Hauses jagt Sie hören nicht mehr die Winde, den mittäglichen Mistral, den erschlaffenden Scirocco, die wilde und eisige Winterbora ober den Tramontana, der von Bergen mit kühlem Hauch hereinfällt. Wenn seine Zeit ist, wird sich der Mond hinter

Neue Planwirtschaft?

Don Dr. Paul Moldenhauer, ehem. Reichs- finanzminifter, o. £on.-profeflor an

der Universität Berlin.

Ein alter Spruch sagt Gott behüte mich vor meinen Freunden: mit meinen Feinden werde ich schon selber fertig. Der 5einb bet heutigen Wirtschaftsordnung ist der Sozialismus, der das kapitalistische System durch daS einer ®emem- unb Planwirtschaft ersetzen will. Dieser Idee huldigen alle die Parteien, die. hx welcher $orm auch immer, im Grunde sozialistisch benten. DaS sind die Sozialbemokraten. Kommu- niften und RationalsoAialisten. Solche Gedanken­gänge sinden sich, auf vereinzelte Gebiete über­tragen, aber auch schon ;n bestimmten bürger­lichen Parteien, z. B. bei manchen Dorschlägen über die Agrarwirtschaft. Hier handelt eS flch um die offenen Widersacher der gegenwärtigen WirtfchastSordnung. Ihre Derteidiqer werden sich mit diesen Feinden auSeinanderzufetzen haben. In dem Augenblick, wo die großzügigste Durch- sührung der sozialistischen Gedankenwelt in Ruß­land die riesigen Gefahren eine» solchen System- auszeichnet, ist die AngrifsSintensilät des Soz.a- lisniuS auf die heutige Wirtschaftsordnung eher geschwächt alS gestärkt. Ernstere Gefahren drohen von den Freunden, drohen von RegierungS- mahnahmen. die dem heutigen System über die Schwierigkeiten Helsen sollen, aber unter Um­ständen daS Ende dersreienWirtschaft bedeuten.

Die ReichSregierung hat sich genötigt gesehen, durch die Devisenordnung den Kapital- Verkehr mit dem Ausland aus- äußerste eixxzu- schränken. Die neuen Bestimmungen sehen vor, daß die Beschaffung von Devisen, aber auch die Verfügung über im Ausland erworbene Forde­rungen abhängig ist von der schriftlichen Geneh­migung der Stelle für Devisenbewirtschaftung. AlS solche fungieren die Landesfinanzämter, an die zur Durchführung dieser Bestimmung ein.Be- amter der Reich-bank delegiert wird. Um die­sen Beamten ihre Arbeit zu erleichtern, sind am 6. August Au-sührung-beslimmungen erlassen worden, die für die Repartierung der Devisen bestimmte Gruppen aufstellen. In die erste Gruppe fallen lebenswichtige Einfuhren, hier soll volle Zuteilung erfolgen; in der zweiten. Gruppe sind die Waren, deren Einfuhr in ge­wissem Umfange notwendig ist. Hier erfolgt Zu­teilung nach Maßgabe der Devisenlage. Für alle anderen Waren können biS auf weitere- Devisen nicht zugeteilt werden. (Inzwischen ist eine Ott i l - derung insofern erfolgt, als bis auf weiteres den Firmen, die eine entsprechende Bescheinigung der Handelskammer vorlegen können, die Geneh­migung zum Erwerb von Devisen erteilt wird, soweit diese zur Finanzierung der Ein- und Aus­fuhr und deS Transithandels von Waren ver- wenbet werden sollen. Da diese Bestimmung aber nurbis auf weiteres" gelten soll, bleiben die grundsätzlichen Bedenken, von denen hier ge­sprochen wird, bestehen.

Das Ergebnis ist. daß der gesamte Außenhandel, Einfuhr und Ausfuhr, nun­mehr abhängig ist von den Entscheidungen der Regierung und der einzelnen Bankräte bei den Landesfinanzämtem. Sie urteilen darüber, ob volkswirtschaftlich es geboten erscheint, eine be­stimmte Ware einzuführen, und können damit un­sere Handelspolitik aufs stärkste beeinslussen, un­sere guten Handelsbeziehungen zu fremden Län­dern unter Umständen vollständig stören. Wir werden also eine Politik zu unterscheiden haben, die neben bet der Handelsverträge läuft, diese bis zu einem gewissen Grade aufheben xmb zerstö­ren kann. Die Handelsverträge sind schließlich mit Zustimmung des Reichstags geschlossen worden. Ietzt liegt die Entscheidung ausschließlich bei der Regierung. Die Erschwernisse des Handels wird man sich bann besonders klar machen, wenn man sich überlegt, daß alle größeren Geschäfte vor­bereitet werden müssen und oft monatelange Dorarbeiten nötig sind, bis ein Geschäftsabschluß zustandekommt. Wer wird den Mut haben, dies« Arbeit und Äoftcn aufzuwenden, wenn ein Rein

©er Treppenflur.

Don Anion schnack.

Ich gehe die Treppe, die öligglatte Steinstusen hat, die dem Schritt etwa- Lautloses und Un- körperliches geben, gerne. Man steigt wie in einen Schacht, der voll schweigender Stille und tiefer Kühle ist; aus einem hohen, geschlossenen Fenster bringt der bleiche Streifen einer Licht- bämmerung herein, die sich nicht überallhin ver­breitet. Lehne xch mich in eine Ecke des Auf- aanges. so bin ich vom Dunkel umfangen und kaum noch sichtbar.

Manchmal, an gewissen Tagen, wo das Herz ängstlich ist aus unerklärlichen Gründen viel­leicht weinen die Kinder, rtxit denen ich einst am Haferseide spielte, in ihren Betten und wünschen dabei, von mir getröstet zu werden, oder Aisöe ist gefallen und unter ihrer Kniescheibe ist das Blut schmerzlich geronnen, greife ich mit den Händen vor. tastend, fühlend, gespannt, etwas gelähmt und überzeugt, plötzlich im Dunkel an ein weicheS Gesicht zu streifen, an eine fremde, kalte Hand, die mich wortlos und unwiderstehlich zu sich heranzieht.

Ist eS nicht möglich, daß eines Abends, da ich mit niedergebeugter Stirne, müde, ausgelaugt Dom ätzenden Salzwasser deS Meeres, und mit verbrannter Haut, die der Sonnenglut nicht widerstand, mit den Bastschuhen schlürfend, auS denen noch etwas Meerwasser quillt, irgeixd je­mand von oben kommt, von einem fahlen und heißen Windstvh umfahren, jemand mit einem Dogelgesicht und kalten Epäheraugen, um schweig­sam und lauernd an mir vorbeizuschleichen und durch die Türe mit einem leisen, zischenden Ge­lächter zu verschwinden

Wäre es nicht möglich, daß sich die alten, lang­sam hinter Staub verschwindenden Bilder, die die Stufen entlang an der Wand hängen, verleben­digen und plötzlich eine Spange aus ihrem Haar fallen lassen ober den Reis ihres Armes, ober den Mund auftun und mit Worten mich an- fauchen oder locken in einem Tonfall und in einem Dialekt, der schon längst in alten Büchern vermodert ist und der mir vielleicht wie das hastige und wilde Klingen zweier Tiervögel vvr- tämc.

Das eine Bild stellt eine Frau dar: ihre Ge­stalt ist breit, eine verwegene, unersättliche Aben-

balten vermocht, ebensowenig die späteren Zu­sammenbrüche. Drei wen.ger noch alS daS Der- I.cherungswc'en vertragen die Banken emc ihre Bewegungsfreiheit e.nengenbe Staatsaufsicht. Man tann Regulative auf (teilen, bie den Banken je nach ihrer Art den Geschäftsbereich erweitern oder ein'chränken. Man wird von der.Re.chSbaick eine erhöhte Einflußnahme auf bie beutfche Kre- buw.rtfchaft verlangen müssen. Ader w.e bie deutsche Wirtschaft im ganzen aufgebaut wor­den ist durch die Initiative eine» schöpferischen Unternehmertum-, so wird auch das deutsche Bankwesen uni o besser seine Ausgabe erfüllen, je mehr frei schaffende Persönlichkeiten, getragen von starkem volkswirtschaftlichen Derantwortungsgesühl. sich in ihm auew.rlcn können. Das Sch.cksal deS Ka- pitalismuS hängt davon ab. ob er in Zukunft solche Persönlichkeiten findet. Man schafft sie nicht dadurch, daß man sie an bie Leine legt.

scheibungen schließlich starke politische Ein­flüsse einwirkcn. mag auch die gegenwärtige Re­gierung nach dieser Richtung keine Besorgnisse er­wecken.

Ich will nicht einemquieta non movere" baS Wort reden. Man wird sehr ernsthaft darüber nachdenken müssen, m welcher Weise in Zukunft Schwierigkeiten zu begegnen ist. denen wir unS diesmal nicht gewachsen gezeigt haben. Aber ich warne vor Ideen, die alS der Ausschlag deS Pendels nach der andern Seite psychologisch er­klärlich sind, aber unS letzten Endes in eine Planw rilchaft führen und damit reif für bie sozialistische Wirtschaftsordnung machen. Ich warne auch vor dem Gedanken, das Bankwesen etwa ähnlich wie das Derl.cherungs- we'en beaufsichtigen zu wollen. Das Bestehen des Reichsaussichtsamts für Privatversicherung hat den Zusammenbruch der ..Favag" und damit den Beginn dckr DertrauenSkrise nicht auszu-

Rachdruck, auch mit Quellengabe, verboten! Rom, August 1931.

An den bewaldeten Abhängen des Monte Mario im Horben Roms haben für einen Monat 30 00 Iungfaschisten i h r Zeltlager aufge­schlagen. Es sind sorgfältig ausaewählte Iung- mannen (Avanguardisti) von 16 bis 18 Iahren aus allen Provii^en des Mutterlandes und aus den italienischen Kolonien, die Hier unter brr un­mittelbaren Aufsicht der Spitzen des faschisttschen Iugendwerkes (Opera Nazionale Balilla: gebräuch­lich ist die Abkürzung O. N. B.) einen FüHrer- kursus durchnehmen, um als Hundertschaften­führer (Capi ccnturia) in den Abteilungen der Avanguardisti (14 bis 18 Iahre) und als Instruk­teure für die Balilla (8 bis 14 Iahre) verwendet zu werden.

Das faschistische Iugendwerk hat in den letzten Iahren ein beachtliches Wachstum erfahren und dürste auch in Zukunft weiter zunehmen, so daß dem Mangel an erwachsenen Führern und Unter­führern adgehvlfen werden muß. Zum 30. Iuni dieses Iahres gab es nach amtlichen Angaben 835 801 eingeschriebeneBalilla, 277 401Avan­guardisti, 661 788 »Kleine Italienerinnen" (ent­sprechen dem Alter nach den Balilla) und 80 000 »Iunge Italienerinnen" (entsprochen den Avan­guardisti). Außerdem sind 2.0 000 Mitgliedskarten an Knaben und Mädchen von 6 biS 8 Iahren verteilt worden, so daß der vom Faschismus un­mittelbar kontrollierte Rachwuchs schon über zwei Millionen zählt. Die O. N. B. hat also für bie Heranbildung der nächsten Generation eine große Bedeutung.

Präsident und die tatsächliche Seele deS faschi­stischen Iugendwerkes ist der erst am Anfang der Dreißiger stehende Unterstaatssekvetär im Mini/- fterium für Dolkserziehung, Renato Ricci, Generalleutnant der faschistischen Miliz. Don ihm stammt auch die Idee, die Heranwachsenden Schwarzhemden zu der verantwortungsvollen Er­ziehungsaufgabe heranzuziehen und die Erfahrun­gen des Im vergangenen Iahre zum erstenmal ob- gehaltenen Kursus für Hundertschaflenführer wa­ren so zufriedenstellend, daß man beschloß, diese Einrichtung noch weiter auszubauen.

Voraussetzung für bie Teilnahme an dem Füh­rerkursus ist eine Auswahl burch bie O. N. B. der einzelnen Provinzen, die auch m physischer Hinsicht sorgfältig ist. Die in dem Zelt­lager vereinten jungen Leute sollen durch »die belebende Kraft neuer und frischer Energie den lebendigen Quell darstellen, dem die künftigen Leiter des Iugendwerkes entspringen". Die O. N. B. will durch bieen Kursus Hundertschaften­führer heranbilden, die sich nicht nur der politi­schen, sozialen und gesetzgeberischen Ereignisse der faschistischen Revolution bewußt finb, sondern in

der DevsienbewirtschaftungSstetle alle Ar­beit umsonst machen kann? Im voraus aber schon die Genehmigung einAuholen, Wird wiederum kaum möglich fein, weil sich die endgültige Gestal­tung des Geschäft- in pen weniasten Fällen so ge­nau Vorhersagen lassen wird. Aber auch der Ausländer wird lieber mit einem anderen Land verkehren, wenn er sich sagen muß. daß. nachdem alle Fragen geklärt sind, noch die Ge­nehmigung der DevisenbewirlschastungSstelle ein- zuholen ist.

Mit dieser Kritik soll nicht gegen die Notwendig­keit einschneidender Maßnahmen zum Schutze der Währung gesprochen werden. Nur muß man sich Darüber klar sein, daß es sich n u r u m do r ü b e r - gehende Maßnahmen handeln darf. Die Ge­fahr besteht, daß aus solchen Maßnahmen sich e i n Dauerzustand entwickelt und die Auffassung schließlich siegt, daß die Gestaltung unseres Außen- Handels nicht mehr in erster Linie von den Ent­scheidungen der Wirtschaft abhängt, sondern plan- mäßig durch die Regierung bewirkt wird, die von vornherein die Entscheidung trifft, was ein- und was auszuführen ist. Es ist kein Zwei­fel, daß die Ideen der Planwirtschaft zur Zeit auch außerhalb der sozialistischen Kreise sehr viel Boden gewonnen haben, weil man glaubt, man könne eine Wiederkehr Der heutigen wirtschaftlichen Schwierig- feiten am besten DaDurch bekämpfen. Daß man von Staats wegen einen Wirtschaftsplan auf- stellt, nach Dem sich Das Wirtschaftsleben abzuwickeln hat. Wie sehr Diese GcDankengänge in Der Luft lie­gen, zeigen Die Vorschläge über eine fommenbe Staatsaufsicht über Die Banken. Dem fommenDen Aufsichtsamt über Die Banken sollen alle KreDile vorgelegt roerben, unD Dieses Aussichts­amt soll Darüber entfdjeiDen, ob es sich um ÄreDite hanDelt, Die volkswirtschaftlich wünschenswert sind oder sog. Fehlinvestitionen. Damit wird auch Die ganze innere Wirtschaft von Staats wegen reguliert. Unser Wirtschaftssystem beruht in höchstem Maße auf einer fein ausgebilDctcn KreDitwirtschaft. Ohne sie wäre Die heutige Wirtschaft nicht Denkbar. Wir haben gesehen, wie verhängnisvoll Die Störung Dieses Kreditsystems in Den letzten Wochen gewirkt hat. Ob unD in welchem Maße ÄreDit gegeben wirD, entscheiDet Der GelDgeber, in erster Linie Die Banken unD anDcrn fircDitinftitute. Sie tragen auch Die Verantwortung. Es ist nicht unbeDenklich, Daß in ein paar Fällen, Danat-Bank und Dresdner Bank, das Reich diese Verantwortung im kritisch­sten Augenblick übernommen hat, wenn ich auch zu­geben will, daß außergewöhnliche Zeiten aud) ein­mal außergewöhnliche Maßnahmen rechtfertigen. Nun soll die Entscheidung im wesentlichen den bis- her Dafür verantwortlichen Stellen genommen rocrDen. Will Denn auch Der Staat in Zukunft D i e Verantwortung selbst übernehmen? Scheu­tet Das nicht Die Verstaatlichung Des ge­samten Bank- unD KreDitwesens, wie sie auch von Den Nationalsozialisten, Den angeblichen Bekämpfem Des Marxismus, verlangt roirb?

Zugegeben werben muß, baß in ber Privatwirt­schaft in starkem Umfang Fehlinoestierungen Dorgetommen finb. Zugegeben werben muß, baß Daran auch Die Banken nicht unschuldig sind, daß sie auch nicht unschuldig sind an Der Ausgabenwirtschaft der großen Städte, die sie allzu leichtherzig zu finanzieren mitgeholfen haben. Aber, fragen wir, hat sich auf der andern Seite d i e öffentliche Hand in ihren Investitionen als vorausschauender und vorsichtiger erwiesen? Nie- manb der Die Entwicklung Des letzten Jahrzehnts verfolgt hat, roirD Dies ernstlich behaupten können. Ich will mir Die vielen Vorwürfe, Die geaen Die Reichsbank unD ihre Politik in Der letzten Zeit er­hoben roorDcn finb, gewiß nicht unbesehen zu eigen machen- Aber man kann sich boch Des Einbrucks nicht erwehren, baß bie Reichsbank auf bie Kreditpolitik ber Banken, namentlich auf bie starke kurzfri­stige Verschulbung schon länger, unb zwar nicht nur erst seit einem Jahr, hätte Ei n f l u ß üben können. Glaubt man wirklich, eine Persönlich­keit finben zu können, bie an Einsicht unb Scharfsicht alle heutigen Wirtschaftsführer unb Bankiers über­trifft, unb baß man von biefer Persönlichkeit erwarten könnte, sie würbe einen Plan für bie heutige Krebil- wirtschaft fehlerlos aufstellen unb fehlerlos abwickeln? Besteht nicht bie große Gefahr, baß auf Die Ent- leucrin ist hier den Jahrhunderten hingehalten. Di» Hand, die von ihr zu sehen ist und mit den sie einen roten Mantel, der auf seiner umge­schlagenen Außenfläche die schwarzen Schwanz- spitzen eine- Hermelin zeigt, über ihrer reisen, hohen Brust zusammenhält, ist schmal, fleischig und grausam. Den hochgereckten HalS umspannt eine knappe Kette aus großen Perlen. Don den Ohren tropst je eine große Perlenfrucht. Der Mund gibt viel zu denken; war er so, wie ihn das Bild zeigt, so gab er sich Pagen, Knechten und Edelherren. Man öffnet Früchte und sie glühen rot und seucht zwischen der Hand kurz vor dem Augenblick, wo ihr Saft aus den blu­tenden Zellen schießt.

DaS andere Bild, das Bild eines Mannes, daS über dem obersten Treppenabsatz hängt, ist schön ganz ins Dunkel xmb fast in das Er­löschende seiner Farben zurückgetreten. Es ist in den Bogen einer Ellipse gemalt, der kaum noch zu sehen ist, so sehr haben ihm Alter, Licht xmb Staub zugeseht.

Sein Gesicht ist gelb, und er muh ein Mann gewesen sein, der sich viel der Sonne und den Winden aussehte. Dielleicht hatte er auch ein schmerzliche- Leberleiden. Riedergehalten ist das pechschwarze Haar von einem Scheitel, der fast frauenhaft wirtt. Eine grauschwarze Krawatte, die ursprünglich einen Silber ton hatte, auseinan- derfallexxd und verbreitert wie ein Tuch, bindet den Hals biS unter das Kinn zu. Bier hinge­malte Bücher deuten daraus hin, daß er ein Dichter, ein Geschichtsschreiber oder auch einPoli- ttker war. Dor den Augen, aus denen Kraft des Stolzes und älnbeirrbarkett des Tuxxs brechen, könnte ich demütig uni> unterwürfig wer­den; denn sie sagen, eS sei das Bildnis des gro­ßen serbischen Dichters Gunbuliö.

Das Tuch des roten Samtgewandes hat ein Schiff aus einem venezianischen Tuchladen an die ragusäische Küste gebracht, wo eS am Stradone ausgeladen wurde.

Er gehörte zu den Robili, die die großen Gü­ter auf den Inseln und in den Dergtälern der Küste hatten.

Da stand er vor seinem Hause, wenn die Dauern an das Tor seiner Dorratskammern kamen, und prüfte Wein, Oel, Getreide, Hühner und alle-, I was sie ihm als Tributpflichtige zu liefern hat­ten; xmb er lieh sie schlagen xmb an Ketten fes­seln, wenn daS Gebrachte schlecht und von min-