Ür. 137 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)Montag, 15. Juni 1931
SJ.-fport
Ruderregatta in Hanau.
Die diesjährige Hanauer Regatta erhielt durch die Teilnahme der Meister-Mannschaften von Amicitia Mannheim eine besonders interessante Rote. Da auch die Frankfurter Germania ihre erste Vierer-Mannschaft in der kompletten vorjährigen Besetzung starten lieh, gab es einen hervorragenden Sport. Das Hauptinteresse konzentrierte sich auf den Start der ersten Senioren im Vierer und Achter. Amicitia war weitaus überlegen, ebenso im Vierer mit Steuermann.
Die
Ergebnisse:
I u n i 0 r - D i e re r: 1. RV. Hellas Offenbach 6:22,8; 2. RC. Frankfurt 6:27,4; 3. Germania Frankfurt 6:28,1.
Inngm'ann-Achter: 1. RC. Frankfurt 5:53.2; 2. RV. Hellas Offenbach 5:56,4; 3. Germania Frankfurt 6:04,3.
Erster Vierer: 1. Amicitia Manhneim 6:01,6; 2. Germania Frankfurt 6:06:1.
Jung mann-Einer: 1. RV. 65 Franklurt 6: 49,4; 2. RG. 79 Hanau 7:19,1; 3. Undine Offenbach dufgegeben.
Zweiter Achter: 1. RV. Würzburg 5:47,6; 2. RV. 74 Offenbach 5:52,4; 3. Undine Offenbach 5:53,9.
Zukunfts-Vierer: 1. RG. Hanau 6: 34,4; 2. RG. Oberrad 6:35,1.
Er st er Liner: 1. Düsterlho-Amicitia Mannheim 6:51,8; 2. Timpe-RG.Gießen 1877 7:04,7.
Erster Jungmann-Dierer: 1. RV. 1874 Offenbach 6:39; 2. RG. Giehen aufgegeben.
Junior-Achter: 1. Germania Frankfurt 5; 54,8; 2. RV Offenbach 5:55,1.
Vierer o. St.: 1. Amicitia Mannheim erhält Preis zugesprochen, da Germania Frankfurt und RV. 74 Offenbach zurückgezogen hatten.
Anfänger-Vierer: 1. RC.84 Frankfurt 6:45:4; 2. RG. Hanau 1879 6:46,2.
Dritter Vierer: 1. RG. Rassovia Höchst 6:23.7; 2. RV Würzburg 1875 6.: 29,6; 3. Hellas Offenbach. 6:38,3.
Doppel-Zweier: 1. RG. 1877 Giehen 6:18; 2. Germania Frankfurt 6:18,8; 3. RG. 79 Hanau 6: 38,9.
Erster Achter: 1. Amicitia Mannheim 5:40,7; 2. Germania Frankfurt 5:46,1; 3. RV. 65 Frankfurt 5:54,7.
Die Gießener RG. 1877 aus den Regatten in Kassel und Sanau ersoigreich.
In Kassel gewann die Mannschaft Flimm, Bccker, Köhler, Hartmann, Steuer Loh die beiden „Ersten Vierer" (Kaiserpreis und Preis der Stadt Kassel).
Im Kaiserviercr ging Giehen vor RV. Kassel und RV. Hannover-Linden nach gut gelungenem Start sofort in Führung. Bei schöner Zusammenarbeit und ausgiebigem Ruderschlug wurde der Vorsprung bei 1000 Meter auf zwei und im Ziel auf drei Längen vor Kassel ausgedehnt. Hannover-Linden wurde, weit zurück, drittes Boot.
Im 1. V i e re r (Preis der Stadt Kassel) führte vom Start ab Hannover-Linden. Mit ruhigem langen Schlag rissen die Giehener bald die Führung an sich. Kassel hatte inzwischen Hannover- Linden auf den 3. Platz verwiesen. Zwischen Giehen und Kassel entspann sich sodann unter leichter Führung der GRG. 1877 ein harter Bvrd-an- Bord-Kamps bis 200 Meter vor dem Ziel. Durch Mehrschlag ging hier Giehen klar in Führung und konnte das Rennen noch mit V. Längen Vorsprung zu seinen Gunsten entscheiden.
In Hanau gewannen die Skuller I ö d t und Timpe (1. Kompanie des hiesigen Infanterie- Regiments 15) gegen Germania Frankfurt und Hanauer RG. 1879 nach härtestem Kampf den Doppelzweier. Germania Frankfurt lag bis kurz vor dem Ziel in Führung, wurde aber in prachtvollem Endspurt von dem Giehener Paar überholt, das mit Luftkastenlänge Vorsprung das Ziel vor seinem Gegner erreichte.
Die Jungmannen, die im Jungmannenachter und -vierer die Farben der GRG. vertraten, konnten nur Achtungserfolge erzielen.
Heimische Erfolge beim 78. Feldbergfest.
Mio. Giehen gewinnt zwei Staffeln.
Deim 78. Feldbergsest, das gestern unter starker Beteiligung stattfand, waren die Giehener Turnvereine und in gröherer Zahl auch weitere Vereine unseres Heimatgaues Hessen recht stattlich vertreten und an den Erfolgen beteiligt. Sehr tapfer verteidigten die Staffeln des Mtv. Giehen die von ihnen im vergangenen Jahre errungenen wertvollen Wanderpreise. Den Emanuel - Schmuck- Schild (5xl00-Meler Pendelstaffel für Turner- Unterstufe) gewann die Mannschaft des Mtv. in 61,3 Sek. vor Tv. 1817 Mainz, und die Turnerin- nen-Mannschaft des Vereins holte sich wieder den Drunhildenschild. Sie setzte sich in der
Am Sonntag wurde im Kölner Rheinstadion vor 60 000 Zuschauern das Endspiel um die deutsche Fußball-Meisterschaft zwischen dem Titelverteidiger Hertha BSC. Berlin und dem süddeutschen Dritten München 1860 ausgetragen. Das Spiel verlief unter großer Anteilnahme des Publikums vom Anfang bis zum Ende äußerst spannend. Die Münchener schlugen sich recht tapfer und hätten eigentlich den Sieg verdient gehabt. In Spieltechnik, Aufbau und Ballbehandlung konnten die Berliner manches von ihren Gegnern lernen, die einen gepflegten Fußball vorführten und besonders in der ersten Spielhälfte stark tonangebend waren. Die Berliner haben es nur dem großen Können ihres Torhüters Gelhaar zu verdanken, daß in der ersten Spielhälfte nicht mehr als zwei Tore für die Münchener fielen. Das Spiel wurde erst in den Schluß- mimiten entschieden. Das Spiel stand unentschieden 2:2, las Sobeck in der vorletzten Minute nach einer Soloaktion einen Bombenschuß anbrachte, der das Schicksal der Süddeutschen besiegelte.
Die beiden Mannschaften.
Berlin wie München erschienen, von den Zuschauern begeistert begrüßt, in den angekündigten Aufstellungen. Es spielten:
Hertha BSC.: Gelhaar; Völker, Wilhelm; Appel, Müller, Stahr; Ruch, Sobeck, Lehmann, Kirsey, Hahn.
München 60: Riemke; Schäfer, Wend!; Stock, Pledl, Eiberle; Stiglbauer, Lachner, Huber, Oelden- bcrger, Thalmeier.
Oer Spielverlauf.
München hat Anstoß, Sobeck fängt den Ball ab und führt seinen Sturm über die Münchener Strafraumgrenze. Die Münchener Derteidiaung kann abwehren. Wenig später ergab sich dasselbe Bild vor dem Berliner Tor. Thalmeier schoß, doch ging der
4x75-Meter-Pendelstaffel mit 41,4 Sek. sicher vor Tv. 1817 Mainz an die Spitze. Die Turnerinnen des Tv. 1 8 4 6 Giehen errangen den dritten Sieg in diesem Wettbewerb. Erwähnt sei außerdem, dah Else D i ck e l h a u p t vom Mw. Gießen unter 262 Mitbewerberinnen den zweiten Sieg im Turncrinnen-Vierkarnpf mit 78 Punkten errungen hat. (Aussührlicher Bericht folgt.)
Reichsoffene Wettkämpfe in Kassel.
Roller schlägt Dr. Pether über 400 Meter in 48,9 Sekunden.
Auf der Hessenkampfbahn in Kassel veranstaltete die Kasseler Turngemeinde am Sonntag vor 4000 Zuschauern reichsoffene Wettkämpfe, die angesichts der guten Besetzung auch den erwarteten guten Sport brachten. Einen packenden Kampf gab es über 400 Meter. Hier schlug unser „kommender Mann", Röller, Köln, in der besten Zeit der bisherigen Saison, in der wirklich guten Zeit von 48,9 Sekunden Dr. P e l tz e r und den Turner- meister Vach. Sehr spannend war auch das Rennen über die 5000 Meter, wo Kohn, Berlin, nur knapp vor Schaaf, 1900 Gießen, siegte. Der deutsche Meister im Stabhochsprung, Wegener, Halle, zeigte sich in einem Schauspringen, bei dem er 3,95 Meter erreichte. Er beteiligte sich aber auch an einigen anderen Wettbewerben.
Schaaf (Spielvereinigung 1900) lief die 5000 Meter in 15:51,3 und folgte damit in einem Abstand von nur 3 10 Sekunden dem Sieger Kohn, Berlin. Eindrucksvolle Siege errangen außerdem Mohl und Gugel (VfB. Gießen). Gugel warf den Diskus 39,60 Meter weit und setzte sich da-
Ball über die Latte. Es folgte nun kurze Zeit ein etwas zerfahrenes Spiel, erst allmählich löste sich die Nervosität der beiden Mannschaften. Besonders die Münchener gewannen sichtbar an Boden und drängten leicht. In der 24. Minute wand sich Pledl elegant durch, seine Vorlage kam zu Thalmeier, der an Oeldenburger weitergab. Ehe Gelhaar eingreifen konnte, hatte der Ball die Torlinie passiert. München führte 1:0. Berlin mußte sich auf einzelne wenige Durchbrüche beschränken, da die Süddeutschen nun ständig durch ihren Erfolg angefeuert im Angriff lagen. Doch scheiterten alle Versuche zu Erfolgen zu kommen, an der großen Kunst des Berliner Torhüters. In der 41. Minute kam dann Berlin nach einem überraschenden Durchbruch zum Ausgleich. Hanne Sobeck placierte einen prachtvollen, halbhohen Schuß, der für Riemke unhaltbar war. Doch kaum war der Beifall verrauscht, als München auch schon die alte Differenz herstellte Ein Zusammenspiel von Pledl und Huber ließ den Ball zu Lachner kommen, der schön einschoß.
Nach dem Wechsel ergab sich zunächst dasselbe Bild wie in der ersten Spielhälfte. Beide Mannschaften spielten recht nervös, bis sich die Münchener wieder als die Ersten zurechtfanden. Schnelle und zweite Vorstöße führte die Süddeutschen ständig über die Strafraumgrenze der Berliner. Ganz unerwartet kam wiederum der 'Ausgleich. Berlins linker Flügel kam gut durch, Ruch paßte zu Lehmann, der den Ball an Riemke vorbei ins Netz jagte. Die Spannung im Publikum wurde nun ungeheuer. Es ging dem Ende zu und man erwartete eine Spielverlängerung. Da konnte in der vorletzten Minute Hanne Sobeck mit dem Ball vorftürmen, Läuferreihe und Verteidigung umspielen und schießen. Das entscheidende Tor war gefallen. Mit Triumphgeschrei stürmten die Berliner Anhänger auf den Platz, um dem alten, neuen Meister zu gratulieren.
Hertha RSS. wiederum deutscher Meister.
München 1860 unterliegt im Endspiel mit 2:3 (2:1).
Brandung desLebens
Roman von Käte Lindner.
(Copyright 1931 by Verlag Alfred Bechtbold in Braunschweig.)
12 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Wilde Reden hat er draußen noch geführt gegen dich, Colornba, nimm dich in acht vor dem Mario. Wenn er morgen wiederkommt und seinen Rausch ausgeschlafcn hat, wird er wieder leicht zu zähmen sein. Am besten ist es, du tust dann, als wäre nichts geschehen. Richt erinnern daran, dah wir ihn heute entfernt haben. Dann wird er denken, er habe dies alles nur geträumt.“
Sie lachte wieder und sagte: „Ich fürchte mich nicht, Massimo, 11 nb kommt er mir wieder einmal so frech wie heute, dann darf er nicht mehr in die Osteria kommen. Dann, werde ich ihm das verbieten."
Reue Gäste kamen und füllten lärmend das Lokal.
Liskow stand auf mit einem unmutigen Gesicht, »ahlte und ging, ilnb verschwor sich im stillen, daß es heute das letztemal sein sollte, daß er hier Einkehr halte.
Wieder gab ihm Frau Eolomba das Geleit bis zur Tür und flüsterte wieder wie neulich.
„Geht heute nicht den Weg am See entlang, Signore, es ist der Weg, den der Mario nehmen muß. Reue Händel könnte er unterwegs anfangen. Rehmt den Weg durch die Stadt, am besten wäre cs wohl, der Massimo ginge in Euerer Gesellschaft. Soll ich es ihm sagen?"
Da lachte er beleidigt auf und schlug den roten Vorhang auseinander.
„Mich gelüstet nicht nach der Gesellschaft Ihrer Stammgäste, Signora Serra", sagte er hochfahrend und drückte ihr heute nur flüchtig die Hand. „Gute Rächt, schönste Wirtin, ich reise wahrscheinlich in den nächsten Tagen ab."
Er hörte ihre Antwort nicht mehr. Sehr enttäuscht hatte sie auch nicht geklungen.
Liskow knirschte mit den Zähnen. Tor, der er doch gewesen war, hier in der Osteria „Zu den tausend Freuden" seine kostbare Zeit zu vertrödeln. Gewissensbisse nagten heute zum ersten- mal an seinem flatterhaften Herzen... Renate, dachte er mit leisem Bedauern, ich bin nicht wert deiner langmütigen, sich immer gleichbleibenden Treue. Renate ... wenn sie wüßte... Tausend gute Vorsätze faßte er, als er jetzt den Weg in die Stadt hinein einschlug. Morgen wollte er ihr den Dorsc^ag machen, noch weiter südlich einen längeren Aufenthalt zu nehmen. Vielleicht in Florenz, dahin hatte sie ja eigentlich zuerst reisen wollen.
Eine dunkle Gestalt löste sich jetzt aus dem Schatten, schlich hinter ihm her, und als Liskow schleichende Schritte vernahm, sich umdrehen wollte, fuhr ihm ein stechender Schmerz den Rücken hinunter.
„Deutscher Hund, da hast du einen Dissen, an dem du ersticken wirst. Gut trifft Marios Hand. Uni) das weiße Täubchen wird weinen um ihren Liebsten... wird meinen, wird sich die schönen Augen rot weinen..
•
Renate fuhr aus unruhigem Schlummer auf. Es hatte geklopft, leise und vorsichtig. Sie horchte. War es Hansheinrich? Aber nein, das Klopsen klang doch von der Außentür her, da, jetzt wieder.
„Wer ist da?" fragte sie.
Von draußen kam eine ängstliche Stimme: Drunten in der Halle sei ein junges Tiroler Mädchen und begehre die gnädige Frau zu sprechen. Sogleich, es fei eine sehr eilige Angelegenheit. Ob man das junge Mädchen heraufführen solle.
Mit zitternden Gliedern erhob sich Renate, warf einen Morgenrock über und eilte nach der Verbindungstür, die ihr Zimmer mit der ihres Mannes verband. Sie warf einen Blick hinein, das Bett war unberührt, das Zimmer leer.
Eine dunkle Ahnung machte ihr das Herz rascher schlagen. Hansheinrich... war ihm etwas zugestoßen, kam diese Botschaft, die man ihr bringen wollte, von ihm?
Jetzt klopfte es wieder an die Auhentür. Als Renate den Riegel zurückgeschoben, schob der Portter ein junges Mädchen über die Schwelle und blieb, eines Befehls getoärtig, auf dem Korridor stehen. Renate bedeutete ihm, sie werde klingeln, wenn sie Hilfe brauche. Vielleicht war es besser, sie hatte keinen Zeugen bei dem, was nun kommen würde.
„Was ist, sprechen Sie, wer schickte Sie zu mir, jetzt mitten in der Rächt?", herrschte sie das zitternde Mädchen an, das sich furchtsam in dem eleganten Zimmer umsah.
Andrea nahm allen Mut zusammen.
„Die Signora Serra", sagte sie, „die Signora weckte mich und rief ganz verzweifelt und voller Angst: „Lauf, Andrea, lauf hinunter ins Savoy- hotcl und frage da nach Frau Liskow." ilnb Sie sollten kommen, sofort kommen, und ich soll Sie führen hinaus in das Albergo, das der Signora Serra gehört, ilnb niemand sonst solle von dem Hotel mitkommen und niemand soll ich sagen, daß etwas geschehen sei, nur der gnädigen Frau."
„Was... was ist geschehen?" Renate fragte es mit trockenem Munde. Ihre Augen waren groß und schreckensvoll auf das junge Gesicht vor,ihr gerichtet.
„Ich weih es nicht", sagte Andrea. „Ich sah in dem Zimmer der Signora einen toten Mann liegen, und der Maleotti sagte mir auf der
Treppe, daß sie ihn gefunden hätten kurz bei unserem Haus und hier heraufgetragen hatten, denn drunten sei die Stube voller Reugieriger gewesen. ilnb die Guardia (Polizei) sei gekommen und habe Maleotti und den anderen Vorwürfe gemacht, daß sie den Toten nicht da liegen ließen, wo sie ihn gefunden. Aber der Maleottt habe sich damit entschuldigt, dah er doch noch warm gewesen sei und sie gedacht hätten, es sei vielleicht noch Leben in dem Toten. Da hätten sie ihn hineingetragen in Signora Serras Haus, da er ja doch nicht weit von der Tür gelegen habe.
ilnb die Signora habe ihr immer nur weinend gesagt: „Lauf, Andrea, lauf. Uni) niemanden sage von der Sache als allein der deutschen Dame, t-cren Ramen ich dir hier auf den Zettel geschrieben habe. Sogleich muh sie kommen, sogleich, und du wirst sie heraufführen, Andrea und keiner von dem Hotel soll mitkommen. Es würde sonst der Dame nicht recht fein.“
Andrea legte den zerknüllten Zettel in Renates Hand. Er zeigte Spuren von Tränen und ihren Ramen in grohen, ungelenken Buchstaben. Eine starre Ruhe war plötzlich über sie gekommen. Sie wuhte, ohne daß ihr cs jemand gesagt hatte, wer der Tote war, den sie in Signora Serras Zimmer gebettet hatten.
In fliegender Eile zog sich Renate an.
„Du hast deine Sache recht gemacht, mein gutes Mädchen. Alle die Reugierigen im Hotel hier brauchen nicht zu wissen, warum du mich holen kommst mitten in der Rächt. Run führe mich hin zu Signora Serras Haus. Komm!"
Sie stieg die Treppe hinunter, zitternd folgte Andrea der rasch voranschreitenden Gestalt. Unten sagte Renate dem wartenden Portier, dah ihrem Mann wahrscheinlich bei einer Bergtour ein Unfall zugestohen fei, sie wisse noch nichts näheres, wie das Unglück geschehen. Rein, sie brauche keine weitere Begleitung, wie sie auch darum bitte, niemandem im Hotel von dem Unfall in Kenntnis zu setzen, bis sie wieder zurück fei. Vorläufig wisse sie ja noch gar nicht, ob der Verunglückte Herr Liskow sei. Es könne sich ja auch um eine Verwechslung handeln, ihr Gatte bliebe doch oft die Rächt über fort. Und deshalb fitte sie, niemanden zu beunruhigen. Ja, diese kleine 'Botin spreche gut deutsch, wahrscheinlich eine Tirolerin, also muhte es doch seine Richttgkeit haben mit der Botschaft, die man ihr eben gesandt, und nun sollte er sich nicht weiter beunruhigen.
Kalt kam der Rachtwind heruntergeflogen vom Monte Daldo, Renate schauerte. Todestraurigkeit war in ihr. Dies also war das Ende. Erstochen sei der nun tote Mann, hatte das Mädchen vorhin noch gesagt. Der Maleotti habe ihr auf der Treppe xugeflüstert, der Dolch chäke ihm noch zwischen den Rippen. Wahrscheinlich hatte Hansheinrich auf einem seiner heimlichen Liebesaben-
mit an die erste Stelle, Mohl erreichte im Ku- gelstohen 12,65 Meter und wurde damit ebenfalls Erster. Die Gießener Leichtathleten haben ihre Vereine auf der mit den hervorragendsten Leichtathleten aus ganz Deutschland beschickten Veranstaltung würdig vertreten.
Fußball der Gießener Mannschaften.
Am Samstagabend trug die Ligamannschaft der Spiclvereinigung 1900 ein Spiel gegen die erste Mannschaft von Butzbach aus. Der Kampf, der von feiten der Gäste reichlich hart durchgeführt wurde und nichts besonderes zeigte, endete Unentschieden 1:1. Am Sonntagnachmittag spielte die I. Jugend der Spielvereinigung gegen die I. Jugend von Eintracht Frankfurt. Die Zuschauer waren Zeugen eines außerordentlich fesselnden Kampfes; das Spiel wurde sehr fair durchgeführt (es fiel kein Strafstoß) und endete mit einer hohen Riederlage für die Hiesigen mit 0:8. Die Blauweißen lieferten ihr bestes Spiel. Die Gastmannschaft war eine Mannschaft von hohen Qualitäten. Die II. Jugend spielte gegen Ettingshausen 1:1, die III. Jugend gewann gegen Dutenhofen mit 3:0, die Schüler siegten am Samstag gegen die Schüler der VfB. knapp mit 2:1. Die Schülermannschaft A verlor gegen Wetzlar mit 0: 3.
Der V f B. hatte über Samstag und Sonntag ebenfalls fünf Mannschaften im Feld. Die Ligamannschaft mußte sich dem besseren Können der „Germanen" Bieber beugen und verlor knapp mit 1:2. Das Ergebnis darf als sehr ehrenvoll bezeichnet werden. Die Ligareserve war spielfrei. Die III. Mannschaft fuhr bereits am Samstag nach Flensungen, und entschied am gleichen Tage ein Werbespiel mit 5:2 gegen Flensungen für sich. Am Sonntag trug die gleiche Mannschaft im Rahmen eines Pokalturniers insgesamt vier Spiele aus. Die Mannschaft spielte in der B- Klasse und erzielte Ergebnisse von 3:0, 1:0 und 3:0. Als Sieger der B-Klasse trat die Mannschaft sodann gegen den Sieger der A-Klasse an und entschied auch dieses Spiel mit 1:0 für sich, so daß die Mannschaft als Pokalsieger der A- und der B-Klasse nach Hause kam. Die I. Jugend verlor in Aßlar mit 0:2, die II. Jugend gewann auf eigenem Platz gegen Klein-Linden mit 1:0. Dreimal deutscheHandballmeisterschast.
Jin deutschen Handball kamen am Sonntag drei deutsche Meisterschaften zur Vergebung. Bei den Sportlern lieferten sich P olizei Berkin und der süddeutsche Meister, Sportverein98 Darmstadt, in Hagen die Wiederholung des am 31. Mai in Magdeburg wegen des Gewitters abgebrochenen Meisterschaftsendkampf cs. Lagen die Süddeutschen damals, 10 Minuten vor Schluß, 8:7 in Führung, so konnten sie diesmal keine so gute Rolle spielen. Die Berliner Polizisten siegten mit 7:4 (2:1) und sicherten sich damit zum neunten Male den deutschen Meistertitel.
Bei den Turnern trafen sich in Krefeld der einheimische Tv. Krefeld-Oppum und die Berliner Turngemeinde im Endspiel um die Meisterschaft der Herren. Rach einem spannenden, meist gleichwertigen Spielverlauf blieben die Rheinländer mit 4:3 (3:3) Sieger und wurden damit zum ersten Male deutscher Meister. — Bei den Turnerinnen formte der zweimalige Meister Vorwärts Breslau in Breslau durch einen 3:2- 11:2-) Sieg über den Stadtsportverein Frankfurt zum dritten Male hintereinander den Meistertttel erringen.
Kurze Sportnotizen.
B e i der Ruderregatta in Luzern gewann Mainz-Kastel den Großen Achter vor Seeklub Zürich und Deutscher RV. Zürich.
teuer einen Rebenbuhler gefunden... Wie unvorsichtig hier im fremden Land.
Ein tiefer Seufzer entrang sich ihren Lippen, Tränen fand sie nicht. Wie war es doch gekommen, daß ihre 'Stege so weit auseinandergeführt hatten? Auch sie fühlte Schuld in sich, hatte sich nicht ihr beleidigter Frauenstolz abgewandt von ihm, als sie erkannt batte, daß er seine Liebe verzettelte, in kleiner Münze ausgab... Riemais hatte sie ihm Vorwürfe gemacht, hatte ihr Leid still in ihrer Brust verschlossen. Geschäftige Zungen trugen ihr zu, was sie vor der Welt zu verbergen sich bemüht hatte. Davon war sie dann so müde geworden, müde vom Leben und gleichgültig seinen gelegentlichen Liebesbeteuerungen gegenüber. Sie hatte ihm nicht mehr geglaubt, hatte das Vertrauen zu ihm verloren. Ihm Szenen zu machen, dagegen hatte sich ihre vornehme Ratur gesträubt.
Andrea huschte vor ihr her und zeigte den Weg. Hansheinrich war niemals wählerisch, wenn er Abenteuern nachging, dachte Renate bitter. So war wohl auch das ilnglücf auf der ©alle de Fabrice in einem Viertel Gardones geschehen, das ihr Fuß noch nie betreten hatte. uFrchtsam musterten ihre Augen die kleinen schmutzigen Häuser zu beiden Seiten, die, hell vom Mond beschienen, einen ärmlichen Eindruck machten.
Aber jetzt machte Andrea halt vor einem stattlicheren Gebäude, vor dessen Eingang zwei dürftige Oleander in Kübeln ein mühseliges Dasein fristeten. Eine Osteria war es wohl, aber jetzt lagen die Fenster ohne Licht, und fein Laut drang aus dem Innern. Andrea toinfte und zeigte nach dem Seifeneingang.
„Hierher, Madame, hier ist das Albergo Zu den tausend Freuden."
Ein paar ausgetretene Steinstufen ging es hinauf, dann umfing Renate Helle, und ein in grellen, bunten Farben gemaltes Treppenhaus tat sich auf. Von groben klang das Gemurmel von Stimmen, eilige Füße waren auf dem Korridor.
Colornba hatte drunten die Haustür zuschlagen hören. Eilig kam sie die Treppe heruntergelaufen. Als sie die dunkel gekleidete Frau an Andreas Seite gewahrte, rief sie schon auf der Treppe:
„Die deutsche Signora ist es, Gott sei Dank! Er lebt, Signora, er lebt, die Heiligen haben ihre Hände über ihn gebreitet. Aber er ist schwer verletzt. Kommen Sie, Signora."
Renate schwankte und lehnte sich schwer gegen das Treppengeländer. In einem Schwächeanfall schloß sie die Augen.
Colornba kam vollends herunter und legte ihren Arm hilfreich um die Gestalt der halb Ohnmächtigen. „aFssen Sie sich, Signora, er wird leben. Allen Heiligen sei Dank."
(Fortsetzung folgt)


