Briand über die Fn'edenssicherung
Eine iRefre vor Frontkämpfern.
Paris, 14.3uni. (WT2.) In dem kleinen Städtchen Gourdon hieft heute auf einer Tagung deS Verbandes ehemaliger, keine Pension beziehender Frontkämpfer Außenminister Driand, mit lebhaftem Beifall begrüht, eine Bede. Er begann mit der Erklärung, daß die Frvntkämpferveranftaltung von Gourdon auch für andere ehemalige Frontkämpfer der Beweis sei, dah es Mensck^n gebe, die ebenfalls gekämpft, aber an den Krieg nur die Erinnerung behalten hätten, dah er verflucht, verabscheut und in Zukunft unmöglich gemacht werden müsse. Was wolle Frankreich zur gegenwärtigen Stunde? Es wolle das Mittel juristischer Lösung in die Re- gierungSberatungen bringen, die Gewalt, die Macht, die Brutalität durch das Ausgleichs- und Schiedsverfahren ersetzen. Er wolle nicht glauben, daß eS Konflikte gebe, die verhängnisvoller- weise nur durch den Krieg gelöst werden könnten. Frankreich habe sich Ruhm dadurch erworben, daß eS die Borhut aller Bemühungen um die Friedensorganisation bilde. Das Wort Frieden müsse immer und immer wieder wiederholt werden. damit es mit seiner mystischen Kraft in alle Gehirne eindringe. Er habe versucht, den Frieden zu organisieren, und er hosse, dah demnächst
die lehken Mißverständnisse, die hauptsächlich zwischen Deutschland und Frankreich bestünden,
" fallen würden.
DaS werde nicht leicht sein und vielleicht lange dauern. GS sei aber kein Grund vorhanden, sich entmutigen zu lassen. Zwischen Frankreich und Deutschland sei zunächst eine Grenz» angelegenheit geregelt worden. Man werfe ihm vor, den Versailler Vertrag sabotiert zu haben. Er fordere seine Gegner auf, ihm einen einzigen Fall zu nennen. Er habe im Gegenteil die Lücken des Versailler Vertrags ausgefüllt. Sei es nicht etwas Gewaltiges, dah ein Land, das üch unaufhörlich über einen Vertrag beklage, den es infolge Frankreichs Sieg auf sich nehmen muhte, eingewilligt habe, mit Frankreich über die französische Ostgrenze zu verhandeln, und dah eS freiwillig auf Elsaß und Lothringen verzichtete? Er glaube die Lage Frankreichs, so wie > sich nach dem Kriege darstelle, wesentlich Verb. i?rt zu haben. Andere Schwierigkeiten seien unter den im Vertrag vorgesehenen Bedingungen behandelt worden. Niemals habe er eine Konzession gemacht, die ein Attentat auf den Versailler Vertrag darstelle, und was die Sicherheit anlange, die er niemals unberücksichtigt gelassen habe, so müsse er fragen, ob die Politik der Organisation des Friedens der Organisation der nationalen Verteidigung schädlich gc.vesen sei.
Zweifellos würden auf dem Friedenswege viele Hindernisse austauchen.
Er sage nicht, dah sie von denen gesät würden, die einen Kriegsgedanken verfolglen, aber es gäbe Männer, die die Verteidigung des Friedens in seltsam gefährlicher Weise interpretierten durch Methoden und Mittel der Vergangenheit. Diese aber hätten die Völker zum Kriege geführt, den man jetzt verhindern müsse. Briand ging dann zum Kellogg-Pakt über und erklärte, es sei nicht angängig, daß die zivilisierten Völker, die diesen Pakt unterzeichnet hätten, den Krieg unter dem
Einfluß irgendeines Angriffs wieder aufleben lassen könnten.
Denn man aber bei der Organisierung des Friedens nur an Deutschland und Frankreich denke, sehe man schlecht und nicht weil genug. Die Organisation des Frieden» müsse ganz Europa umfassen.
Deutschland und Frankreich seien zwei Elemente davon. Aber es gebe noch andere. Er hoffe, dah andere Rationen demnächst in diese Organisation eintreten würden. Er habe die gewagte, ihm so oft vorgeworfene Initiative ergriffen, die europäischen Rationen aufzufordern, sich zusammen zu schlichen,und die notwendigen Bande der Solidarität zu knüpfen. Seitdem habe man erlebt, dah Europa sich endlich darüber klar sei, dah es unmöglich so egoistisch bleiben könne, wenn es seine Zivilisation retten wolle. Die europäische Union sei etwas Machtvolles geworden. Man habe bereits wichtige Lösungen in dieser Aufgabe verwirklicht. Er verspreche, so lange er tätig sei und so lange er atme, aus diesem Weg fortzufahren. Er werde beleidigt, lächerlich gemacht und verleumdet werden. Das sei ihm gleichgültig. Er habe Vertrauen zum gesunden Sinn des Volkes, und er rechne namentlich auch auf die Frauen. So lange sie der Friedenssache treu blieben, solange sie ihre Kinder, ihre Brüder und ihre Gatten gegen den Krieg verteidigten, werde die Friedenssache in guten Händen fein. Briand schloß mit den Worten: Ich werde Gourdon mit neuer Kraft verlassen. Ihr habt aus mir einen von den Soldaten des Friedens gemacht, der bereit ist, bis zum Ende zu kämpfen.
DriandS Rede wurde mit lang anhaltendem Beifall ausgenommen.
Französisches Boischasterwechsel in Moskau.
Jean Herbe11e, der französische Botschafter in Moskau, der als sowjetfeindlich gilt, ist abberufen worden. Man deutet dies als Zeichen einer bevorstehenden französisch-russischen Annäherung.
Aus der provinzialhauptstadi.
Gießen, den 15. 3uni 1931.
Wohttäiigkeitssest.
In den Räumen der Liebigshöhe fand am Samstagabend, veranstaltet vom Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See, ein Wohltätigkeitsfest statt, das mit viel Sorgfalt vordere;let war. Die Räumlichkeiten waren reich mit Grün geschmückt, eine Mokkastube harrte der Besucher und sand sie in zahlreichem Maße, ein Imbihladen und ein Cisstand, ein Bäckerladen und ein Zigarettenkiosk fehlten nicht, eine Tombola als schier selbstverständlicher Teil eines Wohltätigkeits» festes fand lebhaftesten Zuspruch, und der Stand mit vielen schönen Gewinnen wurde bis auf den letzten Gegenstand geräumt. Eine Musikkapelle wartete mit guten Darbietungen auf, die den Beifall der Besucher fanden. Junge Damen hatten sich zur Verfügung gestellt und boten Kuchen und belegte Brote, Bowle und Bier, Kaffee und Mineralwasser seil, verkauften Lose und widmeten sich dabei mit großem Eifer ihrer Arbeit im Dienste der guten Sache.
Um 19 Uhr begann das Fest. Während um diese Zeit noch nicht allzuoiele Besucher erschienen waren, füllte sich der Saal gegen 20 Uhr zusehends, und bald war kein Stuhl mehr frei. Um diese Zeit trat das offizielle Programm in seine Rechte und fesselte die Aufmerksamkeit der Besucher. Unter dem Titel „Don Afrika zum Hessenland" wurde eine bunte Folge von szenischen Bildern gezeigt, die nicht nur die Lebendigkeit und Originalität, nicht nur Farbenpracht und vielfältigen Rhythmus für sich hatten, sondern auch den Reiz der Aktualität. Im Mittelpunkt der einzelnen Darbietungen stand Elli Beinhorns Flug nach Afrika und ihre mannigfachen Erlebnisse während der großen Reise. Die Fülle und die Art der Darbietungen stellten gewissermaßen eine „revue orientale“ dar, in der vor exotischem Hintergrund der Negerfürst und seine Getreuen, Negerkinder und Rotkreuzschwester, Scheich und Haremsfrauen, Odalisken und Beduinen, neben Elli Beinhorn und ihrem Helfer Bollmann auftraten; Zigeuner und Zigeunerprimas, Mädchen der Pußta im bunten Schmuck ihrer Tracht, boten Tanz und Gesang und erinnerten damit an die zweite unfreiwillige Etappe der Fliegerin. Eine improvisierte Landung im Gießener Flughafen und der Tanz der Hessenkinder rundeten dos Ganze. Ein ernster Schlußspruch, in dem Glaube und Zukunftshoffnung für Deutschlands Wiederaufstieg zum Ausdruck kamen, zugleich aber auch das Wirken des Roten Kreuzes in den ehemaligen deutschen Kolonien ye- würdigt wurde, beschloß die wohlgelungene Aufführung. Der vierte Vers des Deutschlandliedes wurde im Anschluß daran gemeinsam gesungen. Der Rest des Abends war dem Tanze gewidmet.
Im Zusammenhang mit der glänzenden Drgani» fation und Duchführung des gelungenen Festes verdienen einige Namen genannt zu werben. Die Ge- famtfeitung lag in Händen von Frau Professor Dr. Zwick, Frau Professor Dr. Bürker und Frau Bürgermeister Dr. Seid als Mitglieder des engeren Vorstandes des Vereins standen ihr zur Seite.
Bankdirektor Mattern als Bereinsschatzmeister stellte ebenfalls seine Kräfte in den Dienst der Sache. Die Spielleitung hatte Herr Hub vom Stadttheater übernommen, der in Verbindung mit Herrn und Frau C u j 6 das Festspiel und den verbindenden Text schuf. Herr Cujä zeichnete für die Musik verantwortlich. Tanzlehrer B ä u l f e hatte die Tänze einstudiert. Für die Aufführung selbst hatten die Damen Euj 6, Weyl, Schmidt-Wissen- darf, Niemann, Wilke und Meesmann und Herr F a l f e n b e r g sich zur Verfügung ge- stellt. Einige Mitglieder der Burschenschaft Alemannia, junge Damen und Herren, sowie Kinder aus den Kreisen der Mitglieder des Vereins, widmeten sich im Rahmen der Aufführung mit viel Eifer ihren Aufgaben. In einer Tanzpause zeigten Herr und Frau Bä ulke zwei prächtige Gesellschaftstänze, die ebenso herzlichen, wie verdienten Beifall fanden. Bei Tanz und Musik, bei fröhlicher Unterhaltung verging der Abend. Der finanzielle Erfolg der Veranstaltung dürfte wohl den Erwartungen entsprechen. Diese Tatsache erfreut . um so mehr, als damit viele vorbereitende Mühewaltung ihre Anerkennung und der erstrebte Zweck Erfüllung gefunden haben.
Kriegsopferversorgung in der Notverordnung.
Vom Verband ber Kriegsbeschädigten und Kricaerhin'erblicbenen in d:rKri gerkarneradschaft „Hassia", Darmstadt, wird uns geschrieben:
Die Rotverordnung vom 5. 3uni 1931 hat den bei den bisherigen Sparmaßnahmen der Reichsregierung noch vermiedenen Leistungsab- ,b a u in der Versorgung der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen gebracht. 3m lausenden Reichshaushalt soll die gesamte Rotverordnung durch Mehreinnahmen und Minderausgaben Einsparungen von rund 1 Milliarde einbringen. An dieser Summe ist der Haushalt für Versorgung und Ruhegehälter mit rund 93 Millionen beteiligt. Das bedeutet umgerechnet auf den ganzen 3ahresetat etwa 110 Millionen und ist gleichbedeutend mit einer Kürzung des 3ahres- haushalts um etwa 9 v. H. Diese erheblichen Einsparungen sollen erreicht werden durch eine, nicht gleichmäßige Kürzung aller Renten mit Ausnahme derjenigen der völlig erwerbsunfähigen (103 v. H.) Kriegsbeschädigten, sowie durch eine lange Reihe anderweitiger Maßnahmen, die zum überwiegenden Teil bereits in dem Entwurf zur 6. Rovelle des Reichsver- forgungsgesetzes und zur 5. Rovelle des Versah- rensgesches enthalten waren. Heber die wesentlichen Einzelheiten dieser Maßnahmen ist folgendes mitzuteilen:
Einen Rechtsanspruch aus Heilbehandlung mit Krankengeld und Hausgeld haben nur noch diejenigen Kriegsbeschädigten, die einen Rechtsanspruch auf Rente haben. 3n der Art, dem Umfang und der Dauer der Heilbehandlung sind gewisse Beschränkungen vorgesehen. Für die Heilbehandlung versicherter Kriegsbeschädigter erhalten die Krankenkassen vom 1.3uli 1931 ab keine Entschädigung mehr.
Hinterbliebene von Kriegsbeschädigten
haben nur bann noch einen Rechtsanspruch auf Versorgung, wenn die Ehe vor dem 6.3uni 1931 geschlossen worden ist.
An Rentenkürzungen ist foIgenbeS verfügt worden: 1. Herabsetzung der Ortszulagen, und zwar in der Sonderklasse von 30 v. H. auf 24 v. H., hx Ortsklasse A von 25 v. H. auf 18 v. H., B. von 22 v. H. auf 12 v. H. und C. von 18 v. H. auf 6 v. H. der Rentenbezüge. 3n Ortsklasse u. ist die bisherige Ortszulage von 14 v. H. fort- gesallen. Der Gefahr Der Landflucht ist dadurch begegnet worden, daß bei einem künftigen Wechsel des Wohnsitzes eine Erhöhung der Ortszulage nicht gewährt wird. 2. Den Leichtbeschäoigten wird eine Kinderzulage gestrichen; 3. die Vorschriften über das Ruhen der Rente bei Einkommen aus öffentlichen Mitteln sind durch Herabsetzung der GinkommenSgrenzen wesentlich verschärft worden: 4. das gleiche gilt für die Vorschriften über Gewährung der Zusatzrente. — Die als erwerbsunfähig (100 v. H.) anerkannten Schwerbeschädigten sind von den unter 1 bis 3 auf geführten Renten lürzungen ausgenommen. Dem Demehnien nach ist dies auf einen ausdrücklichen Wupsch des Herrn Reichspräsidenten erfolgt.
Die Rotverordnung enthält auch zahlreiche Abänderungen des Gesetzes über das Vorfahren in Versorgungsfachen, die im wesentlichen auf eine Vereinfachung des Verfahrens hinzielen.
Bornotizcn.
— Tageskalender für Montag. Deutscher Beamtenbund: Mitgliederversammlung, 20 Uhr, im „Aquarium", Walltorstraße. — Gießener Freiwillige Feuerwehr Hauptübung, 20 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Privatsekretärin".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Dienstag, 16. Juni, 20 Uhr, findet als 4. Veranstaltung des Sommerspielplans Die einmalige Aufführung der Tragödie „Nju" des russischen Lyrikers Ossip Dymow statt. Für die Aufführung wurde das „Ensemble-Gastspiel ßottina Baart, E. L. Franken und Kürt Unser" gewonnen. Beginn der Vorstellung 20 Uhr; ermäßigte Sommerpreise.
— Vom Konzertverein wird uns geschrieben: Das Programm des diesjährigen Volkskonzertes am 20. 3uni enthält Werke vorwiegend unterhaltenden Charakters, die aber trotzdem zur wertvollen Musikliteratur $u zählen sind. Unser heimisches Orchester, der Gießener Orchester-Verein, tritt bei dieser Gelegenheit erstmalig mit voller Besetzung unter der Leitung von Dr. Ternesvary vor das Publikum. Die Leistungen des Orchesters im letzten 3ahre lassen auch für dieses Konzert Erfteuliches erwarten. 3edensalls ist das reizvolle Programm in Verbindung mit den niedrigen Eintrittspreisen geeignet, alle musikliebenden Kreise zum Besuche dieses Konzertes zu veranlassen.
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* Klinik» Person alle. Oberkasseninspektor Emil Kinkel wurde zum Bureaudirektor bei der Gesamtverwaltung der Universitätskliniken mit Wirkung vom 1. Mai ab ernannt.
©in Fünfundsiebzigjähriger. Heute begeht Musiklehrer Franz Bauer sen. in aller körperlicher und geistiger Frische seinen 75. Geburtstag. Sjbrr Dauer, der sich feit einigen 3ahren aus dem (Berufsleben zurückzog und die wohlverdiente Ruhe eines arbeitsreichen Lebens genießt, hat nicht nur als Pädagoge einer großen Anzahl Schüler viel gegeben, sondern spielte im Musikleben der Stadt Giehen auch als Dirigent mehrerer Vereine und Leiter der großen Chöre bei verschiedenen Festlichkeiten, z. B. der Einweihung des Kriegerdenkmals von 1870, eine bedeutende Rolle. Die Verdienste, die er sich bei seiner umfangreichen Tätigkeit erwarb, find ihm sicher nicht vergessen.
** „Graf Zeppelin" über Oberhessen. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hatte am Sonntag aus Anlaß der 3ahrhundex7tfeier der Technischen Hochschule zu Hannover eine Ziellandung in Hannover durchgeführt und überflog auf der Rückkehr nach Friedrichhafen unser Ober- Hessen. Das Luftschiff, das gegen 12 Tlhr nachts in etwa 500 Meter Höhe über unserer Provinz erschien, wurde viel beobachtet.
** Heeresf achschule f ü rVer wal tung und Wirtschaft. Man berichtet uns: Vom 8. bis 11. 3uni fanden an der hiesigen Heer es- fachschule für Verwaltung und Wirtschaft die diesjährigen Abschlußprüfungen II und I unter dem Vorsitz von Fachstudiendirektor Douch - h o l h statt. Rachstehende Behörden hatten je ein stimmberechtigtes Mitglied in den Prüfungsausschuß entsandt: das Hessische Ministerium für Kultus und Bildungswesen: das Landessinanz- amt; die Oberpostdirektion; die Reichsbahndirektion; der Hessische Städtetag; der Hessische Landgemeindetag und die 3nbuftrie- und Handelskammer. Es bestanden in der Abschlußprüfung 11 für Beamtenanwärter (Eintritt in den gehobenen mittleren Deamtendienst) alle 7 Prüflinge; in der Abschlußprüfung I (Eintritt in den einfachen mittleren Beamtendienst) von 19 zur mündlichen Prüfung Zugelassenen 18 Prüflinge.
* Der „Hubertus", Verein weidgerechter 3 ä g e r, S i h Gießen, hielt am Mittwoch seine Monatsversammlung im Schützen- Haus ab. Zur großen Freude des Vereins konnte — wie man uns berichtet — Herr Pascoe, der 1. Vorsitzende, eine größere Anzahl von Studierenden der Forstwistenschaft der Universität als außerordentliche Mitglieder willkommen heißen. Rach Bekanntgabe und Besprechung eines Rundschreibens des Gebrauchshundeverbandes wurden wichttge Mitteilungen aus dem Gebiete des Jagdschutzes gemacht, die eine erhöhte Aufsicht über die Reviere leider notwendig erscheinen lassen. Eingehend besprochen wurden Fragen der Wildverwertung, die einmal das bestehende Mißverhältnis zwischen hohen 3agdpachten und niederen Wildpreisen und ferner die richtige Behandlung des Wildes nach dem Schuh zum Gegenstand hatten. Ein Austausch von Beobachtungen über den bisherigen Verlaus der Dockjagd ergab das einstimmige Urteil, das hx der Gehörnbildung ein Jahrgang zu verzeichnen ist, der so schlecht ist wie lange nicht. Es wurde den Mitgliedern dringend angeraten, den Abschuß der wenigen besseren Döcke bis nach der Dlattzeit zu verschieben, damit diese Stücke sich noch vererben können. Rach "Beendigung der geschäftlichen Angelegenheiten sprach Herr Pascoe an Hand von Belegstücken über „Eier und Gelege unserer den 3äger am meisten interessierend^ Dogel- arten", woran sich noch eine Aussprache über biologische Beobachtungen, Fragen des Raturschuhes u. ä. anschloh. Dem Verein wurde von einem Mitglied eine Sammlung von Eiern übergeben. die, weiter ausgebaut, das Anschauungsmaterial der Vereinssammlung wertvoll ergänzen soll.
Aus aller Welt.
Schwere» Unglück am Bahnübergang.
Am Sonntagnachmittag ereignete sich an einem Bahnübergang bei Kronach ein schweres Unglück. Ein Lastkraftwagen wurde vom O-Zug 80 München -Berlin erfaßt und auf daS Gleis geschleudert. Der Benzintank explodierte. Die beiden 3nfassen des Wagens ocrbraxxntcn bei lebendigem Leibe. DaS Lastauto gehörte einer Firma Kremer in Krefeld. Die Schranke soll nicht geschlossen gewesen fehx.
Wieder Abstürze von Flugzeugen
Am Samstag gegen 18 Hhr ereignete sich in Dess au ein schweres Flugzeugunglück. DaS Schulflugzeug des Anhalttschen Vereins für Luftfahrt .Bolcke" stürzte infolge eines Dedicnungs- sehlerS in einer Kurve aus etwa 100 Meter Höhe ab, fiel auf die Erde und verbrannte. Offenbar ist der Benzintank explodiert. Der Führer Riemann, ein 3ungflieget, und der Fluggast Bartels verbrannten
Ein englisches Verkehrsflugzeug stürzte gestern mittag bei Derneuil-sur-Havre ab. Es ging in Flammen auf. Der Pilot und ein weiblicher Fahrgast sind verbrannt.
Unwetter über Wuppertal.
Ein heftiges Unwetter entlud ftch in den Abendstunden des gestrigen Sonntags über Wuppertal. Der Wolkenbruch, mit starkem Hagelschlag vermischt, war so stark, dah die Kanalisation die Wassermassen nicht zu fasten vermochte. 3n den Fluren und Gärten ist grober Schaden entftanbeix.
Das Unwetter hat auch in Belgien und in England, wo eS vorher hefttg auftrat, erhebliches Schaden angerichtet.
Büchertisch.
— Krüger, D. Dr. Gustav: Die Religion der Goethezeit. Verlag I. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen. Steif broschiert 6 Mark. — (155) — Die in diesem Buche vereinigten Vorträge sind zu wiederholten Malen vor einem Kreis geisteswissenschaftlich interessierter Männer gehalten und dankbar entgegengenommen worden. Sie sind also in erster Linie für Laien bestimmt, für Fachleute nur insoweit, als das uns alle beschäftigende Problem des Verhältnisses von Christentum und Idealismus auch hier im Hintergründe steht. Der Verfasser ist sich bewußt, daß die Wertung, die er dabei dem deutschen Idealismus zuteil werden läßt, heute auf allgemeine Anerkennung nicht rechnen darf. Aber er ist überzeugt, daß sie sich wieder durchsetzen wird, wenn einmal das sich jetzt vordrängende Geschlecht, das den Idealismus totzusagen bemüht ist, wieder vom Schauplatz abgetreten sein wird. Feinen Geistern mit offenem Blick für Natur und Geschichte, für Religion und Christentum werden unsere klassischen Dichter und Denker stets Befreiendes und Auf- richtendes zu sagen haben.
— Die Handelshochschule, Lehrbuch der Wirtschaftswissenschaften, herausgegeben von Prof. Dr. Schmidt (Frankfurt). Industrieverlag Späth & Linde, Berlin W 10. — Das Werk geht mit Macht seinem Abschluß entgegen; die neuesten Lieferungen 94 bis 97 führen den von Professor Saum (Brauns- berg) übernommenen Abschnitt „Wirtschaftsgeschichte* zu Ende. Professor Seyfferth (Köln) beginnt das für den modernen Kaufmann außerordentlich wichtige Ka, pitel „Kaufmännische Werbelehre". Es wird di» Werbeplanung behandelte und über die Werbemittel, technik ein knapper Ueberblitf gegeben.
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Wettervoraussage.
Sehr rasch ist die gestern noch westlich von Irland gelegene Störung nordostwärts fortgeschritten, so daß ihr Kern in den heutigen Morgenstunden schon über der Nordsee lag. Von der Südseite drängt ozeanische Luft nach dem Kontinent vor, welche bereits unseren Bezirk erreicht hat und wechselhaftes Wetter, sowie Abkühlung verursacht. Die Beein- slussung ist nur vorübergehend und vereinzelt dürfte die maritime Luft noch zu etwas Niederschlag führen, denn von Südwesten über Frankreich steigt der Luftdruck an, so daß unsere Wetterlage durch ihn später wieder beeinflußt wird.
Aussichten für Dienstag: Wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung, vorübergehend leichte Abkühlung, nur vereinzelt noch geringe Niederschläge.
Aussichten für Mittwoch: Mehr auf- heiterndes Wetter, tagsüber wieder wärmer, trocken.
Lufttemperaturen am 14. Juni: mittags 27,9 Grad Celsius, abends 22,7 Grad; am 15. Juni: morgens 18 Grad. Maximum 29,2 Grad, Minimum 18 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. Juni: abends 30,2 Grad; am 15. Juni: morgens 20,8 Grad Celsius. — Niederschläge 0,1 mm. — Sonnenscheindauer 12^ Stunden.


